1. Einleitung
Der Beitrag stellt die Transkription, Übersetzung, Adaption und Bearbeitung einiger Auszüge aus den narrativen biographischen Interviews des Korpus Fluchtgeschichten aus Ostpreußen (FGOP) aus dem Deutschen ins Italienische für die Webseite des Archivs des Historischen Istituto Istoreto (Polo del ʼ900, Turin)1 vor. Die Interviews wurden von mir zwischen 2015 und 2017 mit Deutschen aus dem ehemaligen Ostpreußen geführt und beziehen sich auf Geschichten von Flucht und Vertreibung, die sich in den letzten Monaten und am Ende des Zweiten Weltkriegs ereignet haben (mehr dazu in Cinato 2018, 2020). Die insgesamt rund zehnstündigen Interviews sind Teil eines von mir geleiteten Projekts an der Universität Turin, das ihre Transkription mit dem GAT2-System (Minimal- und Basistranskript, vgl. Selting 2009) für sprachwissenschaftliche Untersuchungen umfasst (vgl. Cinato 2023a, 2023b, 2023c, 2023d) sowie ihre Übersetzung ins Italienische (vgl. Cinato i. Dr.) für Aktivitäten von Public Engagement (wissenschaftliche Verbreitung). Letztere wurde in erster Linie durch die Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Polo del ʼ900 in Turin aus Anlass des italienischen nationalen Gedenktages (‚Giorno del ricordo‘) für die Heimatvertriebenen aus Istrien und Dalmatien und die Opfer der Foibe-Massaker durchgeführt2. In einer zweiten Phase entstand eine engere Zusammenarbeit mit dem Istituto Istoreto, dem piemontesischen Institut für die Geschichte des Widerstands und der zeitgenössischen Gesellschaft, aus der die Übersetzung und Adaption relevanter Teile für die Webseite des Instituts hervorgegangen ist, um das Archiv der Erinnerungen der Traumata und der großen Migrationen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer europäischen Perspektive zu erweitern3. Grundgedanke des Projekts ist die Bezeichnung des 20. Jahrhunderts auch als Jahrhundert der Flüchtlinge und Vertreibungen (vgl. Hahn / Hahn 2005: 332), so dass eine gemeinsame Sicht auf die Fragmentierung der unbestreitbar unterschiedlichen europäischen Erinnerungslandschaften bzw. eine Europäisierung des Erinnerungsortes Flucht und Vertreibung zum kollektiven Gedächtnis beitragen und revisionistische Politiken verhindern können.
Der folgende Artikel zielt darauf ab, die Datenerhebung des FGOP-Projekts mit kurzem Überblick über den historischen Kontext (Abschnitt 2) und das Projekt in Kooperation mit dem Istituto Istoreto zu präsentieren (Abschnitt 3); Themen, Daten- und Übersetzungsaufbereitung für das italienische Zielpublikum zu diskutieren (Abschnitt 4); und zum Schluss anhand eines Beispiels zu zeigen, welche Art der Adaption für diese Textgattung notwendig ist. Gezeigt wird vor allem, welche Anpassungsstrategien sich daraus für den Übergang von der mündlichen Zeugenaussage zur Transkription bis hin zu einer Übersetzung für ein italienisches Laienpublikum und für DaF-Lernende ergeben, die mit diesen Gegebenheiten wahrscheinlich sehr wenig vertraut sind und Erklärungen und Klarstellungen benötigen, um den historischen, sozialen und wirtschaftlichen Kontext der damaligen Zeit zu verstehen. Die zentrale Frage lautet daher: Was bleibt von der gesprochenen Sprache über die schriftliche Textformung bis hin zur Übersetzung der mündlichen Interviews und wie können die einzelnen Geschichten der Interviewten in diesem Prozess beibehalten werden (Abschnitt 5; vgl. Thüne 2023; Cinato i. Dr.).
2. Datenerhebung des Projekts Fluchtgeschichten aus Ostpreußen und historischer Kontext
Als die Interviews gesammelt wurden, lag mein Interesse vor allem darin, einerseits die familiären Umstände der drei Interviewten besser kennenzulernen und andererseits diese Familiengeschichte als wertvolles Zeugnis der Ereignisse zu rekonstruieren, in die die deutsche Zivilbevölkerung aus den Ostgebieten während und am Ende des Zweiten Weltkriegs verwickelt war. Dieses Stück Geschichte ist den Italiener:innen zum großen Teil unbekannt, während das Thema der Flucht und Vertreibung von Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten (bzw. aus Ost- Ostmittel- und Südosteuropa) der deutschen Öffentlichkeit eher vertraut ist. Außerdem ist in Italien bzw. in Europa die Dimension der Deutschen als ‚Opfer‘ besonders unbequem und ‚politically incorrect‘, da den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die kollektive und eindimensionale Rolle der Täter zugeschrieben wurde4. Zu dieser Zeit war ich zudem schon in dem Projekt zum Israelkorpus über die Sprache von jüdischen Migrant:innen involviert, die in den 1930er Jahren aus dem deutschsprachigen Raum nach Palästina/Israel auswanderten (vgl. Betten 1995, 2013; Betten/Du-nour 2000, 2004)5. Die beiden Projekte stellen zwar zwei unterschiedliche Perspektiven der Tragödien dieser Jahre dar, die keineswegs gleichzusetzen sind, haben aber einen gemeinsamen methodologischen Hintergrund, der sich aus dem Interesse an gesprochener Sprache und mündlicher Interaktion (Gesprächsforschung, vgl. Quasthoff 2001) sowie an der Gattung des narrativen biographischen Interviews (vgl. Majer 2012) und an den sprachlichen Mitteln ergibt, die die erlebten traumatischen Erfahrungen ausdrücken (vgl. Fiehler 2001; Koesters Gensini / Ponzi 2017; König 2017).
Mehr als 12 Millionen Menschen flüchteten ab Herbst 1944 vor der über die Grenzen des Deutschen Reiches drängenden roten Armee und zogen in Armut und Heimatlosigkeit in das besiegte und zerstörte Nachkriegsdeutschland. Mehr als zweieinhalb Millionen starben auf dem Weg nach Westen, sie verhungerten, erfroren, wurden erschossen und erschlagen (vgl. Hahn / Hahn 2005: 332; vgl. dazu auch Artico 2008: 60; Audenino 2015: 75; Marchis 2019: 14; Gatrell 2020: 76-77; Miletto 2021; Cavarocchi o. D.). Was mit der deutschen Bevölkerung Ostpreußens geschah, muss zum besseren Verständnis in den Kontext der Auflösung des nationalsozialistischen Deutschlands und der anschließenden Neubestimmung der Grenzen Osteuropas durch die Siegermächte (Konferenz von Jalta im Februar 1945 und Potsdamer Konferenz im Sommer des gleichen Jahres) gestellt werden. Hier beschlossen die Staatschefs der Siegermächte formell die Abtretung der deutschen Ostgebiete an Polen und die Sowjetunion und gleichzeitig die Überführung der verbliebenen deutschen Bevölkerung in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien nach Deutschland im Zuge eines „regelrechten Zwangstransfers“ (D’Onofrio 2014b: 11). Diese Transfers erwiesen sich aber später als chaotisch und brutal. Tatsächlich waren bereits davor anderthalb Millionen Deutsche aus Polen und der Tschechoslowakei vertrieben worden, und zwar in einer Zeit, die später als „wilde Vertreibung“ (ebd.) bezeichnet wurde, um sie von den durch die Potsdamer Konferenz geregelten Vertreibungen zu unterscheiden.
Die Geschichten, die in den Interviews des Korpus FGOP erzählt werden, sind die Geschichten von drei Geschwistern, Otto und seinen Zwillingsschwestern Hedwig und Gertrud6, die aus dem ‚wahren Leben‘ stammen, parallel zur Großen Geschichte verlaufen und reich an kulturspezifischen Bezügen zu dieser Zeit sind, wie z.B. Gegenstände, soziale Orte, Begriffe, Phänomene, die nicht nur für das geografische, sondern auch für das kulturelle Umfeld jener Jahre typisch sind. Insbesondere gibt uns das Zeugnis von Otto – zum Zeitpunkt des Interviews 86, aber zur Zeit der Ereignisse kaum 15 Jahre alt –, das Szenario der Flucht aus Ostpreußen, das bis 1945 noch zu Deutschland gehörte, und seines persönlichen Schicksals, das sich unweigerlich mit denen der offiziellen Geschichte vermischt (vgl. Cinato 2020; vgl. auch D’Onofrio 2014a, 2014b). Erzählt werden hier zum Beispiel die Geschichte der Wilhelm Gustloff, eines Passagierschiffes, das am 30. Januar 1945 in der Ostsee von einem sowjetischen U-Boot mit etwa 10.000 deutschen Flüchtlingen an Bord versenkt wurde; die Rekrutierung von sehr jungen Menschen und ihre anschließende Ausbildung in den Wehrertüchtigungslagern; der Vormarsch der Roten Armee nach Preußen; die Verfolgung durch russische Panzer und Soldaten sowie die Bombardierungen, die zum Beispiel auf dem zugefrorenen Frischen Haff stattfanden, und schließlich die erzwungene Aufnahme der Flüchtlinge im Westen. In den Interviews mit Hedwig und Gertrud geht es jedoch um eine ganz andere Realität als die ihres Bruders Otto, nämlich um die Realität derer, die in Ostpreußen geblieben sind und eine zweifache Invasion erlebten: die erste, vorübergehend, der Roten Armee. Die zweite permanente war die der Polen, die ebenfalls Opfer der Kriegsfolgen waren und durch die Verschiebung der Ostgrenzen nach Westen verschoben wurden. Als Ergebnis der Konferenzen von Jalta und Potsdam wurden die heute zu Belarus, der Ukraine und Litauen gehörenden – damals polnischen – Gebiete als Teil der Sowjetunion anerkannt. Die Menschen, die nicht flüchteten, wurden mit einer völlig neuen Realität konfrontiert, in der die Sprache in der Öffentlichkeit nicht mehr Deutsch war, sondern Polnisch, in der sie selbst nicht mehr Deutsche waren, sondern Polinnen und Polen werden mussten und in der ihre Identität zu einer neuen Identität wurde (neue Identitätskonstruktion auch durch das Erzählen, vgl. Lucius-Hoene 2000; Lucius-Hoene / Deppermann 2002, 2004; Thüne 2008, 2010; Leonardi 2010, 2013, 2019).
Die Befragten konnten ihre Geschichten frei erzählen, wobei ihre Erinnerungen mit direkten Fragen und Präzisierungen auf die Jahre zwischen Januar 1945 und April 1956 von mir als Interviewerin fokussiert wurden, dem Zeitraum, als die drei Geschwister verschiedene Schicksale erlebten und voneinander getrennt waren. Der Ton der Interviews ist immer spontan und vertraut, da die Befragten ein freundschaftliches Verhältnis mit mir hatten und manche Erzählungen mir zum Teil schon bekannt waren, da die Interviewten aus dem engen Bekanntenkreis stammten. Auch Mitglieder aus dem nahen Familienkreis, die bei den Interviews anwesend waren, beteiligten sich an den Gesprächen, um die Geschichte inhaltlich zu vervollständigen. Die narrativen biographischen Interviews dauerten zwischen 12 Minuten und 3 Stunden und wurden über mehrere Sitzungen verteilt durchgeführt. Aus den Interviews ergab sich eine große thematische Fülle, die weit über die persönlichen familiären Verhältnisse und Ereignisse hinausging und viele unbekannte historische und gesellschaftliche Aspekte dieser Zeit erhellt, wenn auch aus einer subjektiven Perspektive, die aber gerade deshalb von besonderem Interesse ist. Die Interviewten erinnerten sich an Eltern und Verwandte, schilderten dramatische Fluchten oder beängstigende Kriegssituationen beim Einmarsch der Sowjetarmee in Ostpreußen, erzählten Familiendramen und betrachteten die Vergangenheit aus heutiger Sicht und positionierten sich dabei. So entstand die Idee, die interessantesten Teile dieser Erzählungen zu übersetzen, um sie auch einem an diesen Ereignissen interessierten italienischen Publikum zugänglich zu machen.
3. Das Projekt
Die Interviews trafen 2023 auf das Interesse des italienischen Istituto Istoreto, das sich unter anderem mit der Verbreitung der historischen Erinnerung an die Zwangsumsiedlungen der italienischen Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Ergebnis der Folgen des Zweiten Weltkriegs befasst7. Die Webseite der Datenbank L’esodo istriano-fiumano-dalmata in Piemonte des Archivs des Instituts8 präsentiert sich als Archiv der Erinnerung, d.h. des kollektiven Gedächtnisses an die Ereignisse, in die die in den Gebieten von Fiume, Dalmatien und Istrien lebenden Italiener:innen verwickelt waren und die sich am Ende des Zweiten Weltkriegs gezwungen sahen, ihre Heimat zu verlassen und aufgrund der durch die Friedensverträge sanktionierten neuen europäischen Territorialordnung auf italienisches Gebiet zu ziehen. Von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die zweite Hälfte der 1950er Jahre siedelten etwa 250.000 Italiener:innen in die neuen Landesgrenzen um. Mit der Webseite soll ein Teil dieser Geschichte, die in Geschichtsbüchern oft wenig thematisiert wird, aber das Leben von Millionen von Italiener:innen direkt oder indirekt beeinflusste, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Archiv enthält vor allem mündliche Zeugnisse, in denen die Subjektivität der einzelnen Protagonist:innen zum Ausdruck kommt, die ihre Geschichte anhand ihrer persönlichen Erinnerungen und Gefühle im Zusammenhang mit dem sogenannten ‚Exodus‘ erzählen. Zur Untermauerung der Zeugenaussagen enthält die Webseite auch eine beträchtliche Menge an historischen, archivarischen, dokumentarischen, journalistischen und ikonographischen Daten und Dokumenten, von denen viele bisher unveröffentlicht waren und durch die Konsultation zahlreicher regionaler Archive und Bibliotheken ans Licht gebracht wurden, wodurch neue, spezifischere oder noch nicht vollständig erforschte Aspekte vertieft und kontextualisiert werden konnten. Die Webseite ist als eine Art Enzyklopädie für all jene gedacht, die sich mit der Erforschung des dalmatinisch-istrischen Exodus ins Piemont beschäftigen wollen9.
Auf der ersten Seite der Datenbank L’esodo istriano-fiumano-dalmata in Piemonte10 ist es jetzt möglich, auf die Interviews mit Flüchtlingen aus Ostpreußen zu klicken, und somit ähnliche Geschichten über Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen innerhalb Europas am Ende des Zweiten Weltkriegs kennenzulernen. In der Sektion der Webseite, die unter Le parole dell’esodo (‚Worte des Exodus‘)11 erreichbar ist, gibt es auch andere Einträge (Flüchtlinge aus Griechenland und Flüchtlinge aus Libyen und Ostafrika), die nicht in direktem Zusammenhang mit der istrisch-fiumanisch-dalmatinischen Umsiedlung stehen, sondern Teil des umfassenderen Themas der Nachkriegszwangsumsiedlungen sind, bei denen Millionen von Menschen nach den Folgen des Zweiten Weltkriegs und der durch die Friedensverträge geschaffenen neuen geopolitischen Ordnung ihre Heimat verlassen haben. In den kommenden Jahren sollen zahlreiche weitere Projekte durchgeführt werden, um die Erinnerung an die großen Zwangsumsiedlungen aus einer breiteren und europäischen Perspektive zu bewahren, indem nicht nur die Schicksale behandelt werden, die italienische Bürger:innen als Opfer sahen, sondern auch die, die andere europäische Bevölkerungen betrafen, damit das Ganze mit einem neuen und umfassenderen Blick betrachtet werden kann (vgl. Miletto 2021).
4. Themen, Daten- und Übersetzungsaufbereitung für das italienische Zielpublikum
Wie oben schon erwähnt, wurden die Interviews des FGOP-Korpus zunächst für das Archiv der Datenbank Gesprochenes Deutsch (DGD) des Leibniz-Instituts für deutsche Sprache (IDS) Mannheim mit dem Titel FGOP (Fluchtgeschichten aus Ostpreußen) aufbereitet und transkribiert12, wo sie als Forschungskorpus für sprachwissenschaftliche Untersuchungen genutzt werden können. Danach wurde aufgrund des großen Interesses, das diese Interviews auch bei Italiener:innen hervorgerufen haben, damit begonnen, sie zu übersetzen. Die Zusammenarbeit mit dem Polo del ʼ900 und dem Istituto Istoreto gab den Anstoß für eine mögliche Form und Präsentation der Interviews für ein italienisches Zielpublikum. Letzteres ist nicht nur mit diesen Fakten wenig oder gar nicht vertraut, sondern benötigt auch Erklärungen und Klarstellungen, die sich sowohl auf den familiären Kontext als auch auf das historisch-institutionelle Wissen beziehen. Zu diesem Zweck wurden für die Webseite auch erläuternde Folien zu den Interviews erstellt, die den historischen Rahmen und den familiären Kontext erklären, um den Leser:innen einen Einblick in den Hintergrund der Interviews zu geben. Diese stehen sowohl mit den individuellen Geschichten als auch mit den historischen Ereignissen der Zeit in Verbindung und repräsentieren nicht nur die verschiedenen Perspektiven der interviewten Personen (Otto und seiner Zwillingsschwestern Hedwig und Gertrud), sondern auch der Familienmitglieder, die während mehrerer Interviews anwesend waren. Wie bereits erwähnt, wurden die Interviews in einem informellen Rahmen aufgezeichnet. Aus diesem Grund enthalten sie zum Teil Inhalte, die nicht direkt mit den Themen und Zielen des Projekts in Verbindung stehen. Andere Teile der Interviews beziehen sich auf Erinnerungen und Erzählungen anderer Personen, die den Protagonist:innen nahestehen, aber während der Interviews nicht anwesend waren, oder beziehen sich auf weit entfernte Orte und Zeiträume. In diesen Fällen wurden die Inhalte von der Übersetzung ausgenommen. Die Übersetzungen und Bearbeitungen sollten nur die relevantesten und für die Sache interessantesten Themen der Interviews aufgreifen. Daher bestand eine der Hauptarbeiten darin, die wichtigen Teile der Interviews herauszusuchen13. Ähnlich wie Thüne (2023: 354) habe ich die Struktur der Interviews aufgebrochen und thematische Schwerpunkte gesetzt, so dass nicht mehr die Individuen im Mittelpunkt stehen, sondern das historische Geschehen und das Erleben der Gruppe bzw. in diesem Fall, der beiden Gruppen, der der Geflüchteten und der der in der besetzten Heimat Verbliebenen. Aber auch hier gilt, dass es sich nicht um eine historische Dokumentation handelt, sondern immer um das subjektive Erleben, das im Vordergrund steht.
Das Material wurde nach dem Modell der schon vorhandenen Interviews auf der Webseite des Instituts in Makrothemen unterteilt, die sich in den Geschichten der drei Geschwister und zum Teil ihrer jeweiligen Partner:innen wiederfinden. Es wurden vier Makrothemen ausgewählt: ‚Die Flucht aus Ostpreußen‘, ‚Ankunft der Russen und Polen in Ostpreußen‘, ‚Die Rückkehr nach Ostpreußen‘, und ‚Die schwebende Identität zwischen Deutschland und Polen‘. In diese Makrosektionen wurden Ausschnitte aus den verschiedenen Interviews aufgenommen, in denen die Protagonist:innen über diese Themen sprechen. Ich habe mich für eine thematische und nicht für eine chronologische oder personenbezogene Anordnung entschieden, da in den narrativen biographischen Interviews die Fakten nicht in einer strikten zeitlichen Abfolge behandelt werden, sondern sich die Erinnerungen mehr oder weniger zufällig entwickeln, verbunden mit gedanklichen Assoziationen zwischen den erwähnten Orten, Räumen und Personen14. Hinzu kommt, dass, wie bereits erwähnt, die Erzählungen des Bruders Otto und der Zwillinge Gertrud und Hedwig zwei unterschiedliche Erzählstränge der Geschehnisse darstellen: Während Otto seine eigenen Erlebnisse auf der Flucht vor der Roten Armee schildert, bieten die Zwillinge Gertrud und Hedwig ihre Version der Geschichte aus der Sicht der in Ostpreußen Zurückgebliebenen. Eine chronologische Abfolge hätte zu zahlreichen Überschneidungen geführt und das Verständnis der Inhalte sehr erschwert.
Innerhalb der Interviewauszüge wurde jedoch versucht, eine chronologisch-historische Reihenfolge einzuhalten, z.B. bei den Auszügen über Ottos Flucht im Januar 1945 zum Zeitpunkt des Einmarsches der Sowjetarmee in Hohenstein, heute Olsztynek, wo er zur Schule ging. Dasselbe gilt für die Interviews mit den Schwestern, die von der Ankunft der Roten Armee in Süssenthal, dem heutigen Sętal, dem Heimatdorf der Familie berichten; dieses Ereignis begann im Februar desselben Jahres und dauerte etwa neun Monate, während sich die Ankunft polnischer Zivilist:innen, die das Dorf besetzten und sich dort niederließen, über Jahre hinzog. Schließlich wurde auch versucht, die Berichte über Ottos Rückkehr in seine Heimat im Jahr 1956, die mittlerweile zu Polen gehörte, in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Eigentliches Ziel war es, seine Schwestern und seine Mutter nur zu besuchen. Am Ende nahm er sie aber mit sich nach Deutschland zurück. Die Frage nach der Identität der Schwestern und der Mutter, die in ihrer neuen polnischen Heimat immer noch als Deutsche angesehen wurden, ist dagegen nicht an ein einzelnes Ereignis oder ein bestimmtes Jahr gebunden, sondern begleitet ihre gesamte Geschichte bis zu ihrer Ankunft in Westdeutschland, wo sie plötzlich als Polinnen angesehen wurden.
Vorrangig wurden Ausschnitte aufgenommen, in denen die Protagonist:innen die erlebten Ereignisse in erster Person schildern. So wurden z.B. beim Thema Flucht von Otto nur die Ausschnitte aufgenommen, in denen er das Ereignis schildert, nicht aber die Ausschnitte, in denen die Schwestern über dasselbe Ereignis berichten. Diese Methode wurde bei allen vier Makrothemen angewandt. Es gehört zu der Natur von Gesprächen (vgl. Thüne 2023: 355), dass sie viele Wiederholungen, Themenwiederaufnahmen, Nachfragen usw. enthalten, die typisch für den Erinnerungsprozess und des Hin-und-Her von Gedanken sind15. Das narrative biografische Interview weist viele Merkmale der gesprochenen Sprache auf, da es sich um die Transkription eines persönlichen Gesprächs zwischen zwei – oder in diesem Fall mehreren – Gesprächspartner:innen handelt, was zu häufigen Unterbrechungen für Rückfragen und verschiedenen Abschweifungen führt, was einen eher fragmentarischen Stil zur Folge hat. Die Mündlichkeitsdimension des Interviews ist die einer ungeplanten und überwiegend konversationellen Sprechweise, d.h. konstruiert durch den Beitrag von zwei oder mehr Sprechenden, die im dialogischen Austausch kooperieren, die sich beim Sprechen abwechseln, die kontinuierlich die Gesprächsthemen und deren Entwicklung aushandeln usw. Zugunsten eines besseren Leseverständnisses der italienischen Fassung habe ich diese Elemente sowohl in der ersten als auch, oder noch mehr, in der zweiten Phase der Übersetzung reduziert. Das gilt auch für die Merkmale der gesprochenen Sprache (vgl. Abschnitt 5). Im Vordergrund stand immer der Inhalt der Interviews und nicht ihre linguistische Form oder Reproduzierung, wie bei Übersetzungen mit anderen Zielen (Skopos)16. Wenn Übersetzungen in erster Linie als „Tatsachen der Zielkultur“ zu betrachten sind (Toury 1995: 17ff.), sollen sie für die Zielkultur produziert und moduliert werden. Nach dem sogenannten ‚Gesetz der zunehmenden Standardisierung‘ (law of growing standardization) können die textuellen Beziehungen des Originals häufig zugunsten der vertrauteren Möglichkeiten des Zielrepertoires modifiziert oder ignoriert werden bis hin zu einer Anpassung des ‚Textes‘ bzw. einer Vereinfachung des übersetzten Textes, die nicht nur eine Abschwächung stilistischer und/oder soziolinguistischer Variationen und eine bewusste Erhöhung des Tons und der Form (diaphasische Verflachung) vorsieht, sondern auch eine Adaption des Ausgangstextes mit sich bringt. Mit anderen Worten: Übersetzungen zeigen oft einen höheren Grad an sprachlicher, stilistischer und struktureller Standardisierung im Vergleich zu ihren Ausgangstexten. Dies kann sich z.B. in einer Glättung idiosynkratischer Ausdrucksweisen, im Abbau von Mehrdeutigkeit oder in der Vereinfachung komplexer Satzstrukturen äußern. Insgesamt haben sich die Translation Studies in den letzten Jahrzehnten zunehmend von einem rein linguistischen Modell der Übersetzung hin zu einem funktionalen, kulturorientierten und pragmatischen Paradigma entwickelt (vgl. Snell-Hornby 2006). In diesem Kontext kann die Grenze zwischen Übersetzung, Adaption und Umschreibung nicht mehr scharf gezogen werden, sondern zeigt sich als Kontinuum, in dem unterschiedliche Eingriffe in den Text vorgenommen werden – jeweils abhängig vom Zielpublikum, dem Medium und der kommunikativen Funktion der Zieltextes (vgl. Nord 1997; Schäffner 2012).
Der theoretische Ansatz, der meiner Arbeit zugrunde lag, geht zurück auf Garzone (2015), die die Fuzzy-Set-Theorie auf Übersetzungen anwendet. Diese Theorie ermöglicht es, die großen Unterschiede, die heutzutage bei der übersetzerischen Wiedergabe eines Textes und seiner kommunikativen Gestaltung erkannt werden, wissenschaftlich zu erklären. Indem sie die Übersetzung über die traditionelle dichotome Logik stellt, beschreibt sie diese als ein kontinuierliches oder, wenn man so will, ‚abstufbares Phänomen‘, das es ermöglicht, von einem Text zu sagen, dass er ‚mehr‘ oder ‚weniger‘ übersetzt ist oder dass er nur teilweise übersetzt ist (vgl. Garzone 2015: 49). Dieses Modell lässt sich auf die Gesamtheit der Übersetzungen anwenden und schließt auch Neuübersetzungen, Adaptionen, Parodien und alle Umschreibungen mit ein, wobei man sich die Gesamtheit der Texte, die als Übersetzungen betrachtet werden, nicht so sehr als ein Kontinuum vorstellt, sondern eher als eine Reihe diskreter Elemente mit skalierbaren Dimensionen. In deren Zentrum steht der ‚Prototyp‘ der Übersetzung (angepasst an den Skopos, d.h. das Ziel, die Verwendungssituation, den Verbreitungs- und Realisierungskanal und -modus, die Adressat:innen etc.), und wenn man sich zu den Rändern hin bewegt, findet man Texte, die in Nicht-Übersetzungen übergehen (ebd.: 47-50). Dieser Ansatz zur Translationspraxis, in dem Übersetzung, Adaption und Neuübersetzungen als kommunikative Handlungen innerhalb eines funktionalen Rahmens betrachtet werden, lässt sich in den weiteren Diskurs über Übersetzung als Neuschreibung im Sinne von André Lefevere (1992) einbetten, der betont, dass jede Übersetzung immer auch eine Interpretation, ja sogar eine Neu-Schöpfung im Zielkulturkontext darstellt – ein Ansatz, der sich gerade bei sensiblen Themen wie Erinnerung, Trauma und Vertreibung besonders fruchtbar erweist.
Wie oben angedeutet, war der Übersetzungsprozess meiner Interviews durch zwei unterschiedliche Phasen gekennzeichnet. In der ersten Phase wurde eine Übersetzung angefertigt, die die mündlichen Komponenten der Interviews respektierte und die typischen Sprachelemente wie Unterbrechungen, Wiederholungen, Selbstkorrekturen, Links- und Rechtsversetzungen und Ellipsen zum Teil beibehielt, die in den Interviews und ihren schriftlichen Transkriptionen sehr präsent waren (vgl. dazu Thüne 2023: 357). Für diese erste Phase war das Bewusstsein, dass man es mit einer Interaktion zwischen Sprecher:innen zu tun hat, und somit mit Sprecherwechseln und nicht mit eigentlichen Sätzen, der grundlegende Ausgangspunkt für die Arbeit an der bestmöglichen Wiederherstellung des narrativen Zusammenhalts. Daher wurde bei der Übersetzung versucht, den Text viel deutlicher als die Originaltranskription zu gestalten und dabei – so weit wie möglich – die charakteristischen Merkmale der authentischen Sprache beizubehalten (vgl. Cinato i. Dr.).
In der zweiten Phase wurden weitere Anpassungen vorgenommen, um die Elemente zu eliminieren, die das Lesen der Interviews in italienischer Sprache für ein Publikum erschweren, dem spezifische Kenntnisse auf diesem Gebiet fehlen und das keinen Zugang zu den Tonaufnahmen hat. Das heißt: Um die Texte für die Veröffentlichung auf der italienischen Webseite des Instituts vorzubereiten, wurden Techniken der Anpassung und Vereinfachung sowie eine weniger mündlich geprägte Sprachvarietät unter Beibehaltung des informellen Registers gewählt. Im Folgenden wird eine Liste von Faktoren erstellt, die in dieser zweiten Phase der Übersetzung berücksichtigt wurden:
Ausgangtext: Die Interviews wurden in einem informellen Umfeld aufgenommen, das spontanes und authentisches Erzählen begünstigte, da die Interviewerin mit den Fakten und den beteiligten Personen bereits vertraut war und eine vertrauensvolle Beziehung zu den Interviewpartner:innen aufbauen konnte.
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Adressat:innen:
Ausgangstext: Auf dem Archiv des IDS ist es möglich, die Interviews zu hören und, dank der Transkriptionen, gleichzeitig zu lesen. Die Interviews können Adressat:innen lesen, die die deutsche Sprache kennen, an dem Thema interessiert sind und wahrscheinlich schon ein bestimmtes Wissen über das Thema besitzen;
Zieltext: Das Zielpublikum der Übersetzungen besteht aus einer heterogenen Gruppe von Personen, zumeist Italiener:innen, die keinen direkten Bezug zu den erzählten Fakten haben und über keinerlei Vorwissen zum Thema verfügen;
Kommunikative Absicht: In beiden Fällen besteht der Hauptzweck der Interviews darin, zu informieren und das Wissen über diese wenig bekannten historischen Fakten zu verbreiten. Die Originalinterviews zielen darauf ab, einen der Interviewerin wenig bekannten Teil der Familiengeschichte im Vertrauen zu erzählen, während die Übersetzungen darauf abzielen, diesen Inhalt einem breiteren Publikum zugänglich und verständlich zu machen.
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Mittel der Kommunikation:
Ausgangstext: Die Interviews wurden im Audioformat aufgezeichnet, was einen mündlichen Kommunikationsmodus mit allen Besonderheiten der spontanen Sprache impliziert.
Zieltext: Auf die Übersetzungen wird digital über eine Webseite zugegriffen, was eine klare, organisierte und an den Online-Lesemodus angepasste Präsentation erfordert. Die Übersetzungen werden in schriftlicher Form auf der Webseite präsentiert, nach Themen gegliedert und neu strukturiert, um die Navigation und das Verständnis der Inhalte zu erleichtern. Die Umwandlung des gesprochenen Textes in einen schriftlichen Text erfordert besondere Sorgfalt, um die Authentizität der Erzählung zu erhalten und sie gleichzeitig an die Bedürfnisse des Mediums und der italienischen Sprache anzupassen.
Im folgenden Abschnitt wird anhand eines Beispiels gezeigt, wie dieser Prozess der Umwandlung des Gesprochenen in eine schriftliche Transkription abläuft und wie dieser neu entstandene Text übersetzt und für ein italienisches Publikum angepasst wird.
5. Vom Gesprochenem zur schriftlichen Transkription und der Adaption für das italienische Publikum: ein Beispiel
Das folgende Beispiel stammt aus dem Interview mit Hedwig, eine der Zwillingsschwestern von Otto, das am 30. Juli 2017 bei ihr zu Hause in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) aufgenommen wurde. Das Interview dauerte 2:47:41 Stunden. Hedwig, geboren am 28.4.1935 in Süssenthal, Kreis Allenstein (Ostpreußen), heute Sętal, Polen, erzählt hier, wie damals, Ende Januar 1945, die russischen Soldaten in ihr Dorf kamen, wie sie sich mit anderen Dorfbewohner:innen im Keller versteckte und wie der Großvater aus dem Haus gejagt wurde und starb. Der Abschnitt ist das in der DGD erhältliche Transkript der Audiodatei.
Wie man in diesem Beispiel sehen kann, erlaubt die Transkription mit dem gesprächsanalytischen System GAT2 (Minimal- und Basistranskript, vgl. Selting et al. 2009) es, die sequenzielle Struktur (z.B. [Überlappungen und Simultansprechen], Z. 2-3), die Pausen (Mikropausen (.), Z. 6; gemessene Pausen (0.71), Z. 20), die Rezeptionssignale (nein, Z. 3; hm hm, Z. 5; ach so, Z. 10; ja, Z. 33), die Verzögerungssignale (öh, Z. 33), eine unverständliche Passage mit Angabe der Dauer (Z. 31), die Prosodie, die Geschwindigkeit der Äußerungen und viele andere Kennzeichen der gesprochenen Sprache zu erfassen. Diese Elemente der Mündlichkeit, die sehr wichtig für gesprächsanalytische Forschungen und Analysen im Deutschen sind, spielen dagegen eine viel geringere Rolle in Hinsicht auf eine Übersetzung, wo es viel mehr um die narrative Kohärenz der erzählten Geschichte und die Wiederherstellung des narrativen Zusammenhangs als um die Merkmale der Mündlichkeit geht. Außerdem steht, wie schon gesagt, für die italienischen Leser:innen nur die schriftliche Übersetzung der Interviews zur Verfügung, während die deutsche Originalversion der Interviews durch die Audiodateien unterstützt wird, die den transkribierten Text prosodisch artikulieren. Aus diesem Grund muss sich die Übersetzung bemühen, den Text viel klarer zu gestalten als die ursprüngliche Transkription und dabei die Merkmale der Sprache der Nähe so weit wie möglich beizubehalten.
Für die erste Phase wurde eine Übersetzung durchgeführt (Beispiel (2)), die in etwa funktional äquivalent war und zwischen quellen- und zielorientiert (source und target oriented) lag, wobei die Unterteilung in Segmente und, soweit wie möglich, die typischen Sprachmarkierungen beibehalten wurden, d.h. Wiederholungen, Linksversetzungen, Überlappungen, Ellipsen von Verben oder anderen impliziten Textelementen usw. (vgl. Schwitalla 2012). Die Interpunktion wurde verwendet, um die verschiedenen turns und Sprecherwechsel innerhalb der Reden klarer zu gestalten und die kurzen Pausen (.) der Transkripte zu ersetzen, während Hinweise auf längere Pausen und die Explikation prosodischer und para-linguistischer Elemente beibehalten wurden, um die für mündliche Interviews typische Dynamik und Interaktion zu erhalten. Überflüssige Wiederholungen und unnötige sprachliche Füllwörter, die den Erzählfluss der Übersetzung beeinträchtigten und das Verständnis des Inhalts erschwerten, wurden hingegen gestrichen. Anschließend wurde versucht, ein entsprechendes Register im Italienischen beizubehalten, d.h. informell und umgangssprachlich, wie es für das gesprochene Wort typisch ist, mit diskursiven Markern wie ma (‚aber‘), comunque (‚kurz gesagt‘), insomma (‚na ja‘), perciò (‚deshalb‘), cioè (‚das heißt‘) sowie Kontaktausdrücken wie capisco (‚ich verstehe‘), esatto (‚genau‘), hai ragione (‚du hast Recht‘), no? (‚nicht?‘), zusätzlich zu Füllwörtern wie ehm (‚ähm‘), tipo (‚wie‘), wobei die Verwendung der Zeitformen Präsens und Imperfekt gegenüber dem ‚passato remoto‘ bevorzugt oder der Konjunktiv vermieden wurde (vgl. Cinato i. Dr.).
In der zweiten Übersetzungsphase, die auf die Veröffentlichung auf der Istoreto-Website abzielte (Beispiel (4)), waren die Interventionen kohärenter und aussagekräftiger und basierten auf dem Modell der auf der Webseite bereits verfügbaren Interviews (Beispiel (3)):
Beispiel (3): Interview von der italienischen Webseite des Istituto Istoreto: Olivia M., Profughi da Dignano d’Istria17
Im Beispiel (3) sind die Frage-Antwort-Sequenzen des Interviews klar geordnet und weisen nicht die dialogische Abfolge und das typische dialogische Verhalten auf, die die Beispiele 1 und 2 aus dem FGOP-Korpus kennzeichnen. An dieses Modell mussten sich die Übersetzungen der Interviews meines Korpus anpassen (Beispiel (4)).
Die erste Frage der Interviewerin animiert die Interviewte in das Makrothema ‚Ankunft der Russen und Polen‘ einzuführen. Die folgenden Fragen (2 und 3) sind ebenfalls so formuliert, dass sie einen klaren und kontinuierlichen roten Faden für die Antworten bilden. Letztere stellen eine lineare Version dessen dar, was in den Zeilen 1-22 des Beispiels (2) zum Ausdruck kommt. Alle Abschnitte, die sich auf die Beantwortung einer einzelnen Frage der Interviewerin bezogen, wurden zu einer Antwort zusammengefasst, um ein besseres Verständnis der erzählten Fakten zu ermöglichen, während die Fragen der anwesenden Familienmitglieder in die Fragen der Interviewerin integriert wurden. Auf diese Weise wurde vermieden, dass ein Teil des Inhalts ausgelassen wurde, so dass die Erzählung fortgesetzt werden konnte, ohne dass nützliche und interessante Informationen verloren gingen, und ohne dass der individuelle, autobiografische und somit sehr persönliche Charakter der Interviews beeinträchtigt wurde. Andere wichtige Eingriffe konzentrierten sich auf die Beseitigung von Wiederholungen, Zögern, Überlappungen, diskursiven Elementen und Pausen, um den Diskurs flüssiger zu gestalten und weniger durch Pausen, Themenwechsel und Eingriffe der bei den Interviews anwesenden Familienmitglieder zu unterbrechen. Typische Charakteristika der gesprochenen Sprache, die weggelassen wurden, sind außerdem Diskursmarker, Deiktika, Vagheitsindikatoren, gefüllte Pausen, Abbrüche, umgangssprachliche Formen, Verständigungssicherungen und Rezeptionssignale (vgl. Thüne 2023: 357). Auch das ganze Aushandeln von Inhalten, das dem Ausräumen von Zweifeln und Missverständnissen dient, welches in diesen Interviews eine große Rolle spielt (vgl. Cinato 2023d), wurde weggelassen. Das Ergebnis ist zweifellos eine viel weniger dialogische und linearere Version des Inhalts der Interviews, die zwar auf verschiedene Aspekte der gesprochenen Sprache und die Spontaneität des Dialogs verzichtet, es aber ermöglicht, dem italienischen Publikum Inhalte von unbestreitbarem historischem und sozialem Wert zu bieten und in das Familienleben von Zivilist:innen einzudringen, die an einem grausamen und schrecklichen Krieg beteiligt waren.
6. Schlussfolgerungen
In diesem Beitrag wurde versucht zu zeigen, was von der gesprochenen Sprache mündlicher narrativer Interviews über die schriftliche Textform bis hin zur Übersetzung erhalten werden kann. In diesem Prozess gehen einige Charakteristika der Mündlichkeit verloren und Veränderungen werden notwendig, um diese Interviews einem italienischen Publikum zugänglich zu machen. Zusätzlich zu den formalen Vereinfachungsstrategien (z.B. syntaktische Transformationen und Linearisierungsprozesse usw.), die den Inhalt vereinfachen (erläuternde Passagen, Erweiterungen usw., vgl. Cinato i. Dr.), waren im Fall dieser Interviews zahlreiche andere Eingriffe seitens der Übersetzer:in erforderlich, um sich an das bestehende Modell der Webseite des Istituto Istoreto anzupassen. Für dieses Modell war es notwendig, die verschiedenen Themen der Erzählungen unterzuordnen, in Makrothemen zusammenzufassen und zu präsentieren, so dass die Auswahl der Interviewausschnitte an sich schon eine Art Vereinfachung des Inhalts darstellte. Der Skopos dieser Übersetzungen bestand eher darin, den Inhalt zu vermitteln als die gleiche Wirkung wie der Ausgangstext zu erzielen. Aus diesem Grund wurde auf die Wiedergabe der diamesischen Variationen zwischen der gesprochenen Sprache und der Umgangssprache verzichtet, insbesondere in Hinblick auf häufig segmentierte syntaktische Strukturen, Anakoluthe, Wiederholungen, die Verwendung konnotierter Begriffe und häufige Reparaturen, die für die mündliche Interaktion typisch sind. Andere wichtige Eingriffe konzentrierten sich auf die Beseitigung von Zögern, Überlappungen und diskursiven Elementen, um den Diskurs flüssiger zu gestalten und weniger durch Pausen, Themenwechsel und Interventionen der bei den Interviews anwesenden Familienmitglieder zu unterbrechen. Typische Charakteristika der gesprochenen Sprache, die ebenfalls ausgelassen wurden, waren außerdem Diskursmarker, Deiktika, Vagheitsindikatoren, gefüllte Pausen, Abbrüche, umgangssprachliche Formen, Verständigungssicherungen und Rezeptionssignale. Auch das ganze Aushandeln von Inhalten, das dazu dient, Zweifel und Missverständnisse auszuräumen, was in diesen Interviews eine große Rolle spielt (vgl. Cinato 2023d), wurde weggelassen. Im Sinne von Garzone 2015, die die Fuzzy-Set-Theorie auf Übersetzungen anwendet, indem sie die Gesamtheit der Texte, die als Übersetzungen betrachtet werden, nicht so sehr als ein Kontinuum vorstellt, sondern vielmehr als eine Reihe diskreter Elemente mit skalierbaren Dimensionen, kann man die Adaption und Umschreibung dieser Texte immer noch als Übersetzung betrachten.
Die Analyse der sprachlichen Transformationen von mündlichen narrativen Interviews über ihre Verschriftlichung bis hin zur Übersetzung bietet interessante Impulse für den DaF-Unterricht. Insbesondere zeigt sie, wie sehr sich gesprochene Sprache von schriftlich transkribierten und dann übersetzten Formen unterscheiden kann – ein Umstand, der Lernenden oft verborgen bleibt, aber für das Sprachverstehen und die Textkompetenz zentral ist. Die Untersuchung sensibilisiert und zeigt auf, wie Merkmale der Mündlichkeit, z.B. Diskursmarker, Vagheitsindikatoren, syntaktische Fragmentierung oder Reparaturen, in der schriftlichen Übersetzung häufig entfernt oder geglättet werden. Für den DaF-Unterricht eröffnet dies die Möglichkeit, Lernende gezielt mit solchen Merkmalen vertraut zu machen, um ihre rezeptiven und produktiven Fähigkeiten in realitätsnahen kommunikativen Situationen zu fördern. Zugleich bietet die Analyse ein Beispiel für Skopos-orientiertes Übersetzen, was im DaF-Kontext als Grundlage für projektbasiertes Arbeiten dienen kann – etwa durch vergleichende Aufgaben: Lernende können mündliche Originale, Transkriptionen und Übersetzungen analysieren und selbst Umschreibungs- bzw. Übersetzungsversuche unternehmen. Dies fördert metasprachliches Bewusstsein, Übersetzungskompetenz und ein kritisches Textverständnis. Nicht zuletzt regt die Analyse dazu an, sich mit Fragen der Textauthentizität und Emotionalität auseinanderzusetzen – etwa wie viel vom emotionalen Gehalt eines mündlichen Zeitzeugenberichts im schriftlichen Zieltext in einer anderen Sprache noch transportiert werden kann. Die oben genannten Anpassungsstrategien haben schließlich unvermeidliche Konsequenzen, insbesondere den fast vollständigen Verlust der Ausdrucksebene der Sprecher:innen, was zu einer Art Verflachung im Zieltext führt, vergleichbar mit dem, was bei der audiovisuellen Übersetzung beim Übergang vom Dialog zu den Untertiteln zu beobachten ist. Es bleibt noch zu untersuchen, ob und wie emotionale Aspekte von Interviews im Übersetzungsprozess erhalten werden können.
Notes
- Der Turiner Polo del ʼ900 besteht aus 26 Instituten und Organisationen, darunter dem Istituto Istoreto, die einen Bezugspunkt für die historische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Forschung des 20. Jahrhunderts und für die Verteidigung der Werte des Widerstands, der Demokratie und der Freiheit darstellen. Vgl. https://polodel900.it/cose-il-polo/ (07.01.2025). [^]
- Im Rahmen der Initiativen zum Giorno del Ricordo (10. Februar) wurden am Polo del ʼ900 folgende Konferenzen organisiert: 12.1.2020: Konferenz mit dem Titel Esodi del ’900. Memorie a confronto. Il caso tedesco (‚Vertreibungen des 20. Jahrhundert. Vergleich von Erinnerungen. Der deutsche Fall‘); 9.2.2021: Konferenz mit dem Titel Novecento di Confine. Ricerche e comunicazione (‚Jahrhundert-Grenze. Forschung und Kommunikation‘), mit Präsentation des Bandes Cinato (2020). [^]
- Die Auszüge der Interviews sind seit Februar 2025 auf der Website des Instituts unter dem Reiter Archiv in der Datenbank L’esodo istriano-fiumano-dalmata in Piemonte. Per un archivio della memoria (‚Der istrisch-fiumanisch-dalmatinische Exodus im Piemont. Für ein Archiv der Erinnerung‘), unter dem Link https://www.istoreto.it/archivio/banche_dati/ und unter dem Link: https://www.istoreto.it/esodo-ed-esodi/ (07.01.2025) verfügbar, wo ein weiterer Link auf die Interviews des FGOP-Korpus verweist. [^]
- Vgl. D’Onofrio (2014a): 43-44. [^]
- Das Israelkorpus besteht aus mehreren Korpora, die in der Datenbank für Gesprochenes Deutsch (DGD) des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS) Mannheim verfügbar sind (https://dgd.idsmannheim.de, 07.01.2025): Korpora IS (Emigrantendeutsch in Israel), ISW (Emigrantendeutsch in Israel: Wiener in Jerusalem) und ISZ (Zweite Generation deutschsprachiger Migranten in Israel). [^]
- Es wurden keine Namensänderungen vorgenommen. [^]
- Dieses Projekt ist mit einem größeren Projekt des piemontesischen Instituts für die Geschichte des Widerstands und der zeitgenössischen Gesellschaft Giorgio Agosti (Istituto Piemontese per la storia della Resistenza e della società contemporanea „Giorgio Agosti“) verbunden (https://www.istoreto.it/, 07.01.2025). Mein Dank geht an Enrico Cesare Miletto, der den Kontakt mit dem Polo del ʼ900 und dem Istituto Istoreto hergestellt hat und sich für die Veröffentlichung meiner Interviews in italienischer Sprache auf der von ihm selbst erstellten Webseite des Instituts einsetzte. [^]
- Vgl. http://intranet.istoreto.it/esodo (07.01.2025). [^]
- Vgl. http://intranet.istoreto.it/esodo/introduzione.asp (07.01.2025). [^]
- Vgl. https://www.istoreto.it/archivio/banche_dati/ (07.01.2025). [^]
- Vgl. http://intranet.istoreto.it/esodo/parole.asp (07.01.2025). [^]
- Vgl. http://agd.ids-mannheim.de/FGOP_extern.shtml (07.01.2025). [^]
- Dank an Azzurra Italiano für ihre wertvolle Mitarbeit bei der Auswahl von Teilen der Interviews und deren Übersetzung und Anpassung für das Istituto Istoreto. Ein weiterer Dank geht an Elda Cuni, Sonia Zito und Francesca Preite für die Übersetzung von Teilen der Interviews für ihre Masterarbeiten. [^]
- Zu narrativen biographischen Interviews vgl. Lucius-Hoene / Deppermann (2004); Majer (2012); Deppermann (2013) und Leonardi (2017: 141); zum Prozess der Interaktion zwischen Interviewtem und Interviewer vgl. Deppermann (2007, 2010); Antonioli (2016); Cinato (2020: 11-14 und 2023d), u.a. Zur Zugehörigkeit der narrativen Interviews zur Gattung ‚authentischer Sprachkorpus‘ vgl. Koesters Gensini / D’Alesio (2017: 109). [^]
- Zum Thema der Erinnerung, insbesondere der autobiographischen Erinnerung, die mit den Emotionen verbunden ist, vgl. Tulving (2002: 3) und Leonardi (2016: 3). [^]
- Zum Konzept des Skopos und dem damit verbundenen Konzept der Adäquatheit einer Übersetzung in der funktionalistischen und in der deskriptiven Übersetzungswissenschaft (Descriptive Translation Studies) vgl. Holmes (1972/1988); Toury (1980, 1995); Reiss / Vermeer (1984); Lefevere / Bassnett (1990); Even-Zohar et al. (1987/1995); Vermeer (1996). [^]
- Vgl. http://intranet.istoreto.it/esodo/parola.asp?id_parola=14, Le parole dell’esodo, Partenze da Pola (07.01.2025). [^]
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Biographische Notiz
Lucia Cinato ist Professorin für germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Turin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Translationswissenschaft und Sprachmittlung, deutsch-italienische kontrastive Linguistik, Sprache der Europäischen Union, politische Sprache, gesprochene Sprache, Gesprächsanalyse mit besonderem Augenmerk auf historische Korpora und Erwerb von Übersetzungskompetenz im Zeitalter der KI. Sie ist Autorin zahlreicher Aufsätze und Forschungsarbeiten, darunter der Band Mediazione Linguistica Tedesco-Italiano. Aspetti teorici e applicativi. Esempi di strategie traduttive. Casi di testi tradotti (2011) und der Band Voci di tedeschi in fuga. L’intervista autobiografica come contributo alla memoria collettiva (2020).
Kontaktanschrift:
Lucia Cinato
Università di Torino
Dipartimento di Lingue e Letterature straniere e Culture moderne
Via Sant’Ottavio 18
I - 10124 Torino