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<journal-title>Zeitschrift Korpora Deutsch als Fremdsprache</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Thematic issue articles</subject>
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<article-title>REFLEXION &#220;BER &#220;BERSETZUNG UND ADAPTION VON DEUTSCHSPRACHIGEN HISTORISCHEN KORPORA F&#220;R EIN ITALIENISCHES LAIENPUBLIKUM</article-title>
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<surname>Cinato</surname>
<given-names>Lucia</given-names>
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<email>lucia.cinato@unito.it</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#224; di Torino</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-07-25">
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<p>Der Beitrag zeigt, wie m&#252;ndliche Daten aus deutschen narrativen biographischen Interviews f&#252;r das italienische Laienpublikum und f&#252;r DaF-Lernende &#252;bersetzt und adaptiert werden k&#246;nnen, ohne dass wichtige Teile des Inhalts und des sprachlichen Duktus verloren gehen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Prozess und die Methodik gelegt, die bei der Auswahl der relevanten Teile der Interviews, ihrer &#220;bersetzung und den Anpassungsstrategien f&#252;r italienische Adressat:innen angewandt wurden. Im Verlauf der Analyse soll an einem Beispiel gezeigt werden, welche Art der Anpassung f&#252;r diese Textgattung notwendig ist und welche Vereinfachungsstrategien sich daraus f&#252;r die Erstellung von Texten f&#252;r Webseiten ergeben k&#246;nnen. Die zentrale Frage lautet daher: Was bleibt von einem gesprochenen deutschen narrativen Interview, das zun&#228;chst transkribiert, dann &#252;bersetzt und schlie&#223;lich f&#252;r eine italienische Webseite adaptiert wird, im italienischen Zieltext und wie k&#246;nnen die individuellen Stimmen der Interviewten in diesem Prozess erhalten werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B55">Th&#252;ne 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Cinato i. Dr.</xref>).</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p>The article shows how oral data from German narrative biographical interviews can be translated and adapted for an Italian lay audience and for learners of German language without losing important parts of the content and linguistic style. Particular attention will be paid to the process and methodology used to select the relevant parts of the interviews, their translation and the adaptation strategies for Italian audience. In the course of the analysis, an example will be used to show what kind of adaptation is necessary for this text type and what simplification strategies can result from this for the creation of texts for the website. The central question is therefore: What remains in the Italian target text of a spoken German narrative interview, which is first transcribed, then translated and finally adapted for an Italian website, and how can the individual voices of the interviewees be preserved in this process (cf. <xref ref-type="bibr" rid="B55">Th&#252;ne 2023</xref>; Cinato in press).</p>
</trans-abstract>
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<kwd>&#220;bersetzung Deutsch-Italienisch</kwd>
<kwd>autobiographische narrative Interviews</kwd>
<kwd>gesprochene Sprache</kwd>
<kwd>Anpassungs- und Vereinfachungsstrategien</kwd>
<kwd>Korpusanalyse</kwd>
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<kwd>German-Italian translation</kwd>
<kwd>autobiographical narrative interviews</kwd>
<kwd>spoken language</kwd>
<kwd>adaptation and simplification strategies</kwd>
<kwd>corpus analysis</kwd>
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<sec>
<title>1. Einleitung</title>
<p>Der Beitrag stellt die Transkription, &#220;bersetzung, Adaption und Bearbeitung einiger Ausz&#252;ge aus den narrativen biographischen Interviews des Korpus <italic>Fluchtgeschichten aus Ostpreu&#223;en</italic> (FGOP) aus dem Deutschen ins Italienische f&#252;r die Webseite des Archivs des Historischen Istituto Istoreto (Polo del &#700;900, Turin)<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> vor. Die Interviews wurden von mir zwischen 2015 und 2017 mit Deutschen aus dem ehemaligen Ostpreu&#223;en gef&#252;hrt und beziehen sich auf Geschichten von Flucht und Vertreibung, die sich in den letzten Monaten und am Ende des Zweiten Weltkriegs ereignet haben (mehr dazu in <xref ref-type="bibr" rid="B11">Cinato 2018</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B12">2020</xref>). Die insgesamt rund zehnst&#252;ndigen Interviews sind Teil eines von mir geleiteten Projekts an der Universit&#228;t Turin, das ihre Transkription mit dem GAT2-System (Minimal- und Basistranskript, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B51">Selting 2009</xref>) f&#252;r sprachwissenschaftliche Untersuchungen umfasst (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Cinato 2023a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B15">2023b</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B16">2023c</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B17">2023d</xref>) sowie ihre &#220;bersetzung ins Italienische (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Cinato i. Dr.</xref>) f&#252;r Aktivit&#228;ten von <italic>Public Engagement</italic> (wissenschaftliche Verbreitung). Letztere wurde in erster Linie durch die Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Polo del &#700;900 in Turin aus Anlass des italienischen nationalen Gedenktages (&#8218;Giorno del ricordo&#8216;) f&#252;r die Heimatvertriebenen aus Istrien und Dalmatien und die Opfer der Foibe-Massaker durchgef&#252;hrt<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref>. In einer zweiten Phase entstand eine engere Zusammenarbeit mit dem Istituto Istoreto, dem piemontesischen Institut f&#252;r die Geschichte des Widerstands und der zeitgen&#246;ssischen Gesellschaft, aus der die &#220;bersetzung und Adaption relevanter Teile f&#252;r die Webseite des Instituts hervorgegangen ist, um das Archiv der Erinnerungen der Traumata und der gro&#223;en Migrationen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer europ&#228;ischen Perspektive zu erweitern<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>. Grundgedanke des Projekts ist die Bezeichnung des 20. Jahrhunderts auch als Jahrhundert der Fl&#252;chtlinge und Vertreibungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Hahn / Hahn 2005: 332</xref>), so dass eine gemeinsame Sicht auf die Fragmentierung der unbestreitbar unterschiedlichen europ&#228;ischen Erinnerungslandschaften bzw. eine Europ&#228;isierung des Erinnerungsortes <italic>Flucht und Vertreibung</italic> zum kollektiven Ged&#228;chtnis beitragen und revisionistische Politiken verhindern k&#246;nnen.</p>
<p>Der folgende Artikel zielt darauf ab, die Datenerhebung des FGOP-Projekts mit kurzem &#220;berblick &#252;ber den historischen Kontext (Abschnitt 2) und das Projekt in Kooperation mit dem Istituto Istoreto zu pr&#228;sentieren (Abschnitt 3); Themen, Daten- und &#220;bersetzungsaufbereitung f&#252;r das italienische Zielpublikum zu diskutieren (Abschnitt 4); und zum Schluss anhand eines Beispiels zu zeigen, welche Art der Adaption f&#252;r diese Textgattung notwendig ist. Gezeigt wird vor allem, welche Anpassungsstrategien sich daraus f&#252;r den &#220;bergang von der m&#252;ndlichen Zeugenaussage zur Transkription bis hin zu einer &#220;bersetzung f&#252;r ein italienisches Laienpublikum und f&#252;r DaF-Lernende ergeben, die mit diesen Gegebenheiten wahrscheinlich sehr wenig vertraut sind und Erkl&#228;rungen und Klarstellungen ben&#246;tigen, um den historischen, sozialen und wirtschaftlichen Kontext der damaligen Zeit zu verstehen. Die zentrale Frage lautet daher: Was bleibt von der gesprochenen Sprache &#252;ber die schriftliche Textformung bis hin zur &#220;bersetzung der m&#252;ndlichen Interviews und wie k&#246;nnen die einzelnen Geschichten der Interviewten in diesem Prozess beibehalten werden (Abschnitt 5; vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B55">Th&#252;ne 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Cinato i. Dr.</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Datenerhebung des Projekts <italic>Fluchtgeschichten aus Ostpreu&#223;en</italic> und historischer Kontext</title>
<p>Als die Interviews gesammelt wurden, lag mein Interesse vor allem darin, einerseits die famili&#228;ren Umst&#228;nde der drei Interviewten besser kennenzulernen und andererseits diese Familiengeschichte als wertvolles Zeugnis der Ereignisse zu rekonstruieren, in die die deutsche Zivilbev&#246;lkerung aus den Ostgebieten w&#228;hrend und am Ende des Zweiten Weltkriegs verwickelt war. Dieses St&#252;ck Geschichte ist den Italiener:innen zum gro&#223;en Teil unbekannt, w&#228;hrend das Thema der Flucht und Vertreibung von Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten (bzw. aus Ost- Ostmittel- und S&#252;dosteuropa) der deutschen &#214;ffentlichkeit eher vertraut ist. Au&#223;erdem ist in Italien bzw. in Europa die Dimension der Deutschen als &#8218;Opfer&#8216; besonders unbequem und &#8218;politically incorrect&#8216;, da den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die kollektive und eindimensionale Rolle der T&#228;ter zugeschrieben wurde<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref>. Zu dieser Zeit war ich zudem schon in dem Projekt zum Israelkorpus &#252;ber die Sprache von j&#252;dischen Migrant:innen involviert, die in den 1930er Jahren aus dem deutschsprachigen Raum nach Pal&#228;stina/Israel auswanderten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Betten 1995</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B6">2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B7">Betten/Du-nour 2000</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B8">2004</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref>. Die beiden Projekte stellen zwar zwei unterschiedliche Perspektiven der Trag&#246;dien dieser Jahre dar, die keineswegs gleichzusetzen sind, haben aber einen gemeinsamen methodologischen Hintergrund, der sich aus dem Interesse an gesprochener Sprache und m&#252;ndlicher Interaktion (Gespr&#228;chsforschung, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B47">Quasthoff 2001</xref>) sowie an der Gattung des narrativen biographischen Interviews (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Majer 2012</xref>) und an den sprachlichen Mitteln ergibt, die die erlebten traumatischen Erfahrungen ausdr&#252;cken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Fiehler 2001</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B31">Koesters Gensini / Ponzi 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B32">K&#246;nig 2017</xref>).</p>
<p>Mehr als 12 Millionen Menschen fl&#252;chteten ab Herbst 1944 vor der &#252;ber die Grenzen des Deutschen Reiches dr&#228;ngenden roten Armee und zogen in Armut und Heimatlosigkeit in das besiegte und zerst&#246;rte Nachkriegsdeutschland. Mehr als zweieinhalb Millionen starben auf dem Weg nach Westen, sie verhungerten, erfroren, wurden erschossen und erschlagen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Hahn / Hahn 2005: 332</xref>; vgl. dazu auch <xref ref-type="bibr" rid="B2">Artico 2008: 60</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B3">Audenino 2015: 75</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B44">Marchis 2019: 14</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B27">Gatrell 2020: 76-77</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B45">Miletto 2021</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B9">Cavarocchi o. D.</xref>). Was mit der deutschen Bev&#246;lkerung Ostpreu&#223;ens geschah, muss zum besseren Verst&#228;ndnis in den Kontext der Aufl&#246;sung des nationalsozialistischen Deutschlands und der anschlie&#223;enden Neubestimmung der Grenzen Osteuropas durch die Siegerm&#228;chte (Konferenz von Jalta im Februar 1945 und Potsdamer Konferenz im Sommer des gleichen Jahres) gestellt werden. Hier beschlossen die Staatschefs der Siegerm&#228;chte formell die Abtretung der deutschen Ostgebiete an Polen und die Sowjetunion und gleichzeitig die &#220;berf&#252;hrung der verbliebenen deutschen Bev&#246;lkerung in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und Rum&#228;nien nach Deutschland im Zuge eines &#8222;regelrechten Zwangstransfers&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B23">D&#8217;Onofrio 2014b: 11</xref>). Diese Transfers erwiesen sich aber sp&#228;ter als chaotisch und brutal. Tats&#228;chlich waren bereits davor anderthalb Millionen Deutsche aus Polen und der Tschechoslowakei vertrieben worden, und zwar in einer Zeit, die sp&#228;ter als &#8222;wilde Vertreibung&#8220; (ebd.) bezeichnet wurde, um sie von den durch die Potsdamer Konferenz geregelten Vertreibungen zu unterscheiden.</p>
<p>Die Geschichten, die in den Interviews des Korpus FGOP erz&#228;hlt werden, sind die Geschichten von drei Geschwistern, Otto und seinen Zwillingsschwestern Hedwig und Gertrud<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref>, die aus dem &#8218;wahren Leben&#8216; stammen, parallel zur Gro&#223;en Geschichte verlaufen und reich an kulturspezifischen Bez&#252;gen zu dieser Zeit sind, wie z.B. Gegenst&#228;nde, soziale Orte, Begriffe, Ph&#228;nomene, die nicht nur f&#252;r das geografische, sondern auch f&#252;r das kulturelle Umfeld jener Jahre typisch sind. Insbesondere gibt uns das Zeugnis von Otto &#8211; zum Zeitpunkt des Interviews 86, aber zur Zeit der Ereignisse kaum 15 Jahre alt &#8211;, das Szenario der Flucht aus Ostpreu&#223;en, das bis 1945 noch zu Deutschland geh&#246;rte, und seines pers&#246;nlichen Schicksals, das sich unweigerlich mit denen der offiziellen Geschichte vermischt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Cinato 2020</xref>; vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B22">D&#8217;Onofrio 2014a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B23">2014b</xref>). Erz&#228;hlt werden hier zum Beispiel die Geschichte der Wilhelm Gustloff, eines Passagierschiffes, das am 30. Januar 1945 in der Ostsee von einem sowjetischen U-Boot mit etwa 10.000 deutschen Fl&#252;chtlingen an Bord versenkt wurde; die Rekrutierung von sehr jungen Menschen und ihre anschlie&#223;ende Ausbildung in den Wehrert&#252;chtigungslagern; der Vormarsch der Roten Armee nach Preu&#223;en; die Verfolgung durch russische Panzer und Soldaten sowie die Bombardierungen, die zum Beispiel auf dem zugefrorenen Frischen Haff stattfanden, und schlie&#223;lich die erzwungene Aufnahme der Fl&#252;chtlinge im Westen. In den Interviews mit Hedwig und Gertrud geht es jedoch um eine ganz andere Realit&#228;t als die ihres Bruders Otto, n&#228;mlich um die Realit&#228;t derer, die in Ostpreu&#223;en geblieben sind und eine zweifache Invasion erlebten: die erste, vor&#252;bergehend, der Roten Armee. Die zweite permanente war die der Polen, die ebenfalls Opfer der Kriegsfolgen waren und durch die Verschiebung der Ostgrenzen nach Westen verschoben wurden. Als Ergebnis der Konferenzen von Jalta und Potsdam wurden die heute zu Belarus, der Ukraine und Litauen geh&#246;renden &#8211; damals polnischen &#8211; Gebiete als Teil der Sowjetunion anerkannt. Die Menschen, die nicht fl&#252;chteten, wurden mit einer v&#246;llig neuen Realit&#228;t konfrontiert, in der die Sprache in der &#214;ffentlichkeit nicht mehr Deutsch war, sondern Polnisch, in der sie selbst nicht mehr Deutsche waren, sondern Polinnen und Polen werden mussten und in der ihre Identit&#228;t zu einer neuen Identit&#228;t wurde (neue Identit&#228;tskonstruktion auch durch das Erz&#228;hlen, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Lucius-Hoene 2000</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B41">Lucius-Hoene / Deppermann 2002</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B42">2004</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B53">Th&#252;ne 2008</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B54">2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Leonardi 2010</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B35">2013</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B38">2019</xref>).</p>
<p>Die Befragten konnten ihre Geschichten frei erz&#228;hlen, wobei ihre Erinnerungen mit direkten Fragen und Pr&#228;zisierungen auf die Jahre zwischen Januar 1945 und April 1956 von mir als Interviewerin fokussiert wurden, dem Zeitraum, als die drei Geschwister verschiedene Schicksale erlebten und voneinander getrennt waren. Der Ton der Interviews ist immer spontan und vertraut, da die Befragten ein freundschaftliches Verh&#228;ltnis mit mir hatten und manche Erz&#228;hlungen mir zum Teil schon bekannt waren, da die Interviewten aus dem engen Bekanntenkreis stammten. Auch Mitglieder aus dem nahen Familienkreis, die bei den Interviews anwesend waren, beteiligten sich an den Gespr&#228;chen, um die Geschichte inhaltlich zu vervollst&#228;ndigen. Die narrativen biographischen Interviews dauerten zwischen 12 Minuten und 3 Stunden und wurden &#252;ber mehrere Sitzungen verteilt durchgef&#252;hrt. Aus den Interviews ergab sich eine gro&#223;e thematische F&#252;lle, die weit &#252;ber die pers&#246;nlichen famili&#228;ren Verh&#228;ltnisse und Ereignisse hinausging und viele unbekannte historische und gesellschaftliche Aspekte dieser Zeit erhellt, wenn auch aus einer subjektiven Perspektive, die aber gerade deshalb von besonderem Interesse ist. Die Interviewten erinnerten sich an Eltern und Verwandte, schilderten dramatische Fluchten oder be&#228;ngstigende Kriegssituationen beim Einmarsch der Sowjetarmee in Ostpreu&#223;en, erz&#228;hlten Familiendramen und betrachteten die Vergangenheit aus heutiger Sicht und positionierten sich dabei. So entstand die Idee, die interessantesten Teile dieser Erz&#228;hlungen zu &#252;bersetzen, um sie auch einem an diesen Ereignissen interessierten italienischen Publikum zug&#228;nglich zu machen.</p>
</sec>
<sec>
<title>3. Das Projekt</title>
<p>Die Interviews trafen 2023 auf das Interesse des italienischen Istituto Istoreto, das sich unter anderem mit der Verbreitung der historischen Erinnerung an die Zwangsumsiedlungen der italienischen Bev&#246;lkerung in der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts als Ergebnis der Folgen des Zweiten Weltkriegs befasst<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref>. Die Webseite der Datenbank <italic>L&#8217;esodo istriano-fiumano-dalmata in Piemonte</italic> des Archivs des Instituts<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> pr&#228;sentiert sich als Archiv der Erinnerung, d.h. des kollektiven Ged&#228;chtnisses an die Ereignisse, in die die in den Gebieten von Fiume, Dalmatien und Istrien lebenden Italiener:innen verwickelt waren und die sich am Ende des Zweiten Weltkriegs gezwungen sahen, ihre Heimat zu verlassen und aufgrund der durch die Friedensvertr&#228;ge sanktionierten neuen europ&#228;ischen Territorialordnung auf italienisches Gebiet zu ziehen. Von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die zweite H&#228;lfte der 1950er Jahre siedelten etwa 250.000 Italiener:innen in die neuen Landesgrenzen um. Mit der Webseite soll ein Teil dieser Geschichte, die in Geschichtsb&#252;chern oft wenig thematisiert wird, aber das Leben von Millionen von Italiener:innen direkt oder indirekt beeinflusste, einer breiten &#214;ffentlichkeit zug&#228;nglich gemacht werden. Das Archiv enth&#228;lt vor allem m&#252;ndliche Zeugnisse, in denen die Subjektivit&#228;t der einzelnen Protagonist:innen zum Ausdruck kommt, die ihre Geschichte anhand ihrer pers&#246;nlichen Erinnerungen und Gef&#252;hle im Zusammenhang mit dem sogenannten &#8218;Exodus&#8216; erz&#228;hlen. Zur Untermauerung der Zeugenaussagen enth&#228;lt die Webseite auch eine betr&#228;chtliche Menge an historischen, archivarischen, dokumentarischen, journalistischen und ikonographischen Daten und Dokumenten, von denen viele bisher unver&#246;ffentlicht waren und durch die Konsultation zahlreicher regionaler Archive und Bibliotheken ans Licht gebracht wurden, wodurch neue, spezifischere oder noch nicht vollst&#228;ndig erforschte Aspekte vertieft und kontextualisiert werden konnten. Die Webseite ist als eine Art Enzyklop&#228;die f&#252;r all jene gedacht, die sich mit der Erforschung des dalmatinisch-istrischen Exodus ins Piemont besch&#228;ftigen wollen<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref>.</p>
<p>Auf der ersten Seite der Datenbank <italic>L&#8217;esodo istriano-fiumano-dalmata in Piemonte</italic><xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> ist es jetzt m&#246;glich, auf die <italic>Interviews mit Fl&#252;chtlingen aus Ostpreu&#223;en</italic> zu klicken, und somit &#228;hnliche Geschichten &#252;ber Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen innerhalb Europas am Ende des Zweiten Weltkriegs kennenzulernen. In der Sektion der Webseite, die unter <italic>Le parole dell&#8217;esodo</italic> (&#8218;Worte des Exodus&#8216;)<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> erreichbar ist, gibt es auch andere Eintr&#228;ge (<italic>Fl&#252;chtlinge aus Griechenland</italic> und <italic>Fl&#252;chtlinge aus Libyen und Ostafrika</italic>), die nicht in direktem Zusammenhang mit der istrisch-fiumanisch-dalmatinischen Umsiedlung stehen, sondern Teil des umfassenderen Themas der Nachkriegszwangsumsiedlungen sind, bei denen Millionen von Menschen nach den Folgen des Zweiten Weltkriegs und der durch die Friedensvertr&#228;ge geschaffenen neuen geopolitischen Ordnung ihre Heimat verlassen haben. In den kommenden Jahren sollen zahlreiche weitere Projekte durchgef&#252;hrt werden, um die Erinnerung an die gro&#223;en Zwangsumsiedlungen aus einer breiteren und europ&#228;ischen Perspektive zu bewahren, indem nicht nur die Schicksale behandelt werden, die italienische B&#252;rger:innen als Opfer sahen, sondern auch die, die andere europ&#228;ische Bev&#246;lkerungen betrafen, damit das Ganze mit einem neuen und umfassenderen Blick betrachtet werden kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B45">Miletto 2021</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>4. Themen, Daten- und &#220;bersetzungsaufbereitung f&#252;r das italienische Zielpublikum</title>
<p>Wie oben schon erw&#228;hnt, wurden die Interviews des FGOP-Korpus zun&#228;chst f&#252;r das Archiv der Datenbank <italic>Gesprochenes Deutsch</italic> (DGD) des Leibniz-Instituts f&#252;r deutsche Sprache (IDS) Mannheim mit dem Titel FGOP (<italic>Fluchtgeschichten aus Ostpreu&#223;en</italic>) aufbereitet und transkribiert<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref>, wo sie als Forschungskorpus f&#252;r sprachwissenschaftliche Untersuchungen genutzt werden k&#246;nnen. Danach wurde aufgrund des gro&#223;en Interesses, das diese Interviews auch bei Italiener:innen hervorgerufen haben, damit begonnen, sie zu &#252;bersetzen. Die Zusammenarbeit mit dem Polo del &#700;900 und dem Istituto Istoreto gab den Ansto&#223; f&#252;r eine m&#246;gliche Form und Pr&#228;sentation der Interviews f&#252;r ein italienisches Zielpublikum. Letzteres ist nicht nur mit diesen Fakten wenig oder gar nicht vertraut, sondern ben&#246;tigt auch Erkl&#228;rungen und Klarstellungen, die sich sowohl auf den famili&#228;ren Kontext als auch auf das historisch-institutionelle Wissen beziehen. Zu diesem Zweck wurden f&#252;r die Webseite auch erl&#228;uternde Folien zu den Interviews erstellt, die den historischen Rahmen und den famili&#228;ren Kontext erkl&#228;ren, um den Leser:innen einen Einblick in den Hintergrund der Interviews zu geben. Diese stehen sowohl mit den individuellen Geschichten als auch mit den historischen Ereignissen der Zeit in Verbindung und repr&#228;sentieren nicht nur die verschiedenen Perspektiven der interviewten Personen (Otto und seiner Zwillingsschwestern Hedwig und Gertrud), sondern auch der Familienmitglieder, die w&#228;hrend mehrerer Interviews anwesend waren. Wie bereits erw&#228;hnt, wurden die Interviews in einem informellen Rahmen aufgezeichnet. Aus diesem Grund enthalten sie zum Teil Inhalte, die nicht direkt mit den Themen und Zielen des Projekts in Verbindung stehen. Andere Teile der Interviews beziehen sich auf Erinnerungen und Erz&#228;hlungen anderer Personen, die den Protagonist:innen nahestehen, aber w&#228;hrend der Interviews nicht anwesend waren, oder beziehen sich auf weit entfernte Orte und Zeitr&#228;ume. In diesen F&#228;llen wurden die Inhalte von der &#220;bersetzung ausgenommen. Die &#220;bersetzungen und Bearbeitungen sollten nur die relevantesten und f&#252;r die Sache interessantesten Themen der Interviews aufgreifen. Daher bestand eine der Hauptarbeiten darin, die wichtigen Teile der Interviews herauszusuchen<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref>. &#196;hnlich wie Th&#252;ne (<xref ref-type="bibr" rid="B55">2023: 354</xref>) habe ich die Struktur der Interviews aufgebrochen und thematische Schwerpunkte gesetzt, so dass nicht mehr die Individuen im Mittelpunkt stehen, sondern das historische Geschehen und das Erleben der Gruppe bzw. in diesem Fall, der beiden Gruppen, der der Gefl&#252;chteten und der der in der besetzten Heimat Verbliebenen. Aber auch hier gilt, dass es sich nicht um eine historische Dokumentation handelt, sondern immer um das subjektive Erleben, das im Vordergrund steht.</p>
<p>Das Material wurde nach dem Modell der schon vorhandenen Interviews auf der Webseite des Instituts in Makrothemen unterteilt, die sich in den Geschichten der drei Geschwister und zum Teil ihrer jeweiligen Partner:innen wiederfinden. Es wurden vier Makrothemen ausgew&#228;hlt: &#8218;Die Flucht aus Ostpreu&#223;en&#8216;, &#8218;Ankunft der Russen und Polen in Ostpreu&#223;en&#8216;, &#8218;Die R&#252;ckkehr nach Ostpreu&#223;en&#8216;, und &#8218;Die schwebende Identit&#228;t zwischen Deutschland und Polen&#8216;. In diese Makrosektionen wurden Ausschnitte aus den verschiedenen Interviews aufgenommen, in denen die Protagonist:innen &#252;ber diese Themen sprechen. Ich habe mich f&#252;r eine thematische und nicht f&#252;r eine chronologische oder personenbezogene Anordnung entschieden, da in den narrativen biographischen Interviews die Fakten nicht in einer strikten zeitlichen Abfolge behandelt werden, sondern sich die Erinnerungen mehr oder weniger zuf&#228;llig entwickeln, verbunden mit gedanklichen Assoziationen zwischen den erw&#228;hnten Orten, R&#228;umen und Personen<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref>. Hinzu kommt, dass, wie bereits erw&#228;hnt, die Erz&#228;hlungen des Bruders Otto und der Zwillinge Gertrud und Hedwig zwei unterschiedliche Erz&#228;hlstr&#228;nge der Geschehnisse darstellen: W&#228;hrend Otto seine eigenen Erlebnisse auf der Flucht vor der Roten Armee schildert, bieten die Zwillinge Gertrud und Hedwig ihre Version der Geschichte aus der Sicht der in Ostpreu&#223;en Zur&#252;ckgebliebenen. Eine chronologische Abfolge h&#228;tte zu zahlreichen &#220;berschneidungen gef&#252;hrt und das Verst&#228;ndnis der Inhalte sehr erschwert.</p>
<p>Innerhalb der Interviewausz&#252;ge wurde jedoch versucht, eine chronologisch-historische Reihenfolge einzuhalten, z.B. bei den Ausz&#252;gen &#252;ber Ottos Flucht im Januar 1945 zum Zeitpunkt des Einmarsches der Sowjetarmee in Hohenstein, heute Olsztynek, wo er zur Schule ging. Dasselbe gilt f&#252;r die Interviews mit den Schwestern, die von der Ankunft der Roten Armee in S&#252;ssenthal, dem heutigen S&#281;tal, dem Heimatdorf der Familie berichten; dieses Ereignis begann im Februar desselben Jahres und dauerte etwa neun Monate, w&#228;hrend sich die Ankunft polnischer Zivilist:innen, die das Dorf besetzten und sich dort niederlie&#223;en, &#252;ber Jahre hinzog. Schlie&#223;lich wurde auch versucht, die Berichte &#252;ber Ottos R&#252;ckkehr in seine Heimat im Jahr 1956, die mittlerweile zu Polen geh&#246;rte, in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Eigentliches Ziel war es, seine Schwestern und seine Mutter nur zu besuchen. Am Ende nahm er sie aber mit sich nach Deutschland zur&#252;ck. Die Frage nach der Identit&#228;t der Schwestern und der Mutter, die in ihrer neuen polnischen Heimat immer noch als Deutsche angesehen wurden, ist dagegen nicht an ein einzelnes Ereignis oder ein bestimmtes Jahr gebunden, sondern begleitet ihre gesamte Geschichte bis zu ihrer Ankunft in Westdeutschland, wo sie pl&#246;tzlich als Polinnen angesehen wurden.</p>
<p>Vorrangig wurden Ausschnitte aufgenommen, in denen die Protagonist:innen die erlebten Ereignisse in erster Person schildern. So wurden z.B. beim Thema Flucht von Otto nur die Ausschnitte aufgenommen, in denen er das Ereignis schildert, nicht aber die Ausschnitte, in denen die Schwestern &#252;ber dasselbe Ereignis berichten. Diese Methode wurde bei allen vier Makrothemen angewandt. Es geh&#246;rt zu der Natur von Gespr&#228;chen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B55">Th&#252;ne 2023: 355</xref>), dass sie viele Wiederholungen, Themenwiederaufnahmen, Nachfragen usw. enthalten, die typisch f&#252;r den Erinnerungsprozess und des Hin-und-Her von Gedanken sind<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref>. Das narrative biografische Interview weist viele Merkmale der gesprochenen Sprache auf, da es sich um die Transkription eines pers&#246;nlichen Gespr&#228;chs zwischen zwei &#8211; oder in diesem Fall mehreren &#8211; Gespr&#228;chspartner:innen handelt, was zu h&#228;ufigen Unterbrechungen f&#252;r R&#252;ckfragen und verschiedenen Abschweifungen f&#252;hrt, was einen eher fragmentarischen Stil zur Folge hat. Die M&#252;ndlichkeitsdimension des Interviews ist die einer ungeplanten und &#252;berwiegend konversationellen Sprechweise, d.h. konstruiert durch den Beitrag von zwei oder mehr Sprechenden, die im dialogischen Austausch kooperieren, die sich beim Sprechen abwechseln, die kontinuierlich die Gespr&#228;chsthemen und deren Entwicklung aushandeln usw. Zugunsten eines besseren Leseverst&#228;ndnisses der italienischen Fassung habe ich diese Elemente sowohl in der ersten als auch, oder noch mehr, in der zweiten Phase der &#220;bersetzung reduziert. Das gilt auch f&#252;r die Merkmale der gesprochenen Sprache (vgl. Abschnitt 5). Im Vordergrund stand immer der Inhalt der Interviews und nicht ihre linguistische Form oder Reproduzierung, wie bei &#220;bersetzungen mit anderen Zielen (Skopos)<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref>. Wenn &#220;bersetzungen in erster Linie als &#8222;Tatsachen der Zielkultur&#8220; zu betrachten sind (<xref ref-type="bibr" rid="B57">Toury 1995: 17ff</xref>.), sollen sie f&#252;r die Zielkultur produziert und moduliert werden. Nach dem sogenannten &#8218;Gesetz der zunehmenden Standardisierung&#8216; (<italic>law of growing standardization</italic>) k&#246;nnen die textuellen Beziehungen des Originals h&#228;ufig zugunsten der vertrauteren M&#246;glichkeiten des Zielrepertoires modifiziert oder ignoriert werden bis hin zu einer Anpassung des &#8218;Textes&#8216; bzw. einer Vereinfachung des &#252;bersetzten Textes, die nicht nur eine Abschw&#228;chung stilistischer und/oder soziolinguistischer Variationen und eine bewusste Erh&#246;hung des Tons und der Form (diaphasische Verflachung) vorsieht, sondern auch eine Adaption des Ausgangstextes mit sich bringt. Mit anderen Worten: &#220;bersetzungen zeigen oft einen h&#246;heren Grad an sprachlicher, stilistischer und struktureller Standardisierung im Vergleich zu ihren Ausgangstexten. Dies kann sich z.B. in einer Gl&#228;ttung idiosynkratischer Ausdrucksweisen, im Abbau von Mehrdeutigkeit oder in der Vereinfachung komplexer Satzstrukturen &#228;u&#223;ern. Insgesamt haben sich die <italic>Translation Studies</italic> in den letzten Jahrzehnten zunehmend von einem rein linguistischen Modell der &#220;bersetzung hin zu einem funktionalen, kulturorientierten und pragmatischen Paradigma entwickelt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B52">Snell-Hornby 2006</xref>). In diesem Kontext kann die Grenze zwischen &#220;bersetzung, Adaption und Umschreibung nicht mehr scharf gezogen werden, sondern zeigt sich als Kontinuum, in dem unterschiedliche Eingriffe in den Text vorgenommen werden &#8211; jeweils abh&#228;ngig vom Zielpublikum, dem Medium und der kommunikativen Funktion der Zieltextes (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Nord 1997</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B49">Sch&#228;ffner 2012</xref>).</p>
<p>Der theoretische Ansatz, der meiner Arbeit zugrunde lag, geht zur&#252;ck auf Garzone (<xref ref-type="bibr" rid="B26">2015</xref>), die die Fuzzy-Set-Theorie auf &#220;bersetzungen anwendet. Diese Theorie erm&#246;glicht es, die gro&#223;en Unterschiede, die heutzutage bei der &#252;bersetzerischen Wiedergabe eines Textes und seiner kommunikativen Gestaltung erkannt werden, wissenschaftlich zu erkl&#228;ren. Indem sie die &#220;bersetzung &#252;ber die traditionelle dichotome Logik stellt, beschreibt sie diese als ein kontinuierliches oder, wenn man so will, &#8218;abstufbares Ph&#228;nomen&#8216;, das es erm&#246;glicht, von einem Text zu sagen, dass er &#8218;mehr&#8216; oder &#8218;weniger&#8216; &#252;bersetzt ist oder dass er nur teilweise &#252;bersetzt ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Garzone 2015: 49</xref>). Dieses Modell l&#228;sst sich auf die Gesamtheit der &#220;bersetzungen anwenden und schlie&#223;t auch Neu&#252;bersetzungen, Adaptionen, Parodien und alle Umschreibungen mit ein, wobei man sich die Gesamtheit der Texte, die als &#220;bersetzungen betrachtet werden, nicht so sehr als ein Kontinuum vorstellt, sondern eher als eine Reihe diskreter Elemente mit skalierbaren Dimensionen. In deren Zentrum steht der &#8218;Prototyp&#8216; der &#220;bersetzung (angepasst an den Skopos, d.h. das Ziel, die Verwendungssituation, den Verbreitungs- und Realisierungskanal und -modus, die Adressat:innen etc.), und wenn man sich zu den R&#228;ndern hin bewegt, findet man Texte, die in Nicht-&#220;bersetzungen &#252;bergehen (ebd.: 47-50). Dieser Ansatz zur Translationspraxis, in dem &#220;bersetzung, Adaption und Neu&#252;bersetzungen als kommunikative Handlungen innerhalb eines funktionalen Rahmens betrachtet werden, l&#228;sst sich in den weiteren Diskurs &#252;ber &#220;bersetzung als Neuschreibung im Sinne von Andr&#233; Lefevere (<xref ref-type="bibr" rid="B33">1992</xref>) einbetten, der betont, dass jede &#220;bersetzung immer auch eine Interpretation, ja sogar eine Neu-Sch&#246;pfung im Zielkulturkontext darstellt &#8211; ein Ansatz, der sich gerade bei sensiblen Themen wie Erinnerung, Trauma und Vertreibung besonders fruchtbar erweist.</p>
<p>Wie oben angedeutet, war der &#220;bersetzungsprozess meiner Interviews durch zwei unterschiedliche Phasen gekennzeichnet. In der ersten Phase wurde eine &#220;bersetzung angefertigt, die die m&#252;ndlichen Komponenten der Interviews respektierte und die typischen Sprachelemente wie Unterbrechungen, Wiederholungen, Selbstkorrekturen, Links- und Rechtsversetzungen und Ellipsen zum Teil beibehielt, die in den Interviews und ihren schriftlichen Transkriptionen sehr pr&#228;sent waren (vgl. dazu <xref ref-type="bibr" rid="B55">Th&#252;ne 2023: 357</xref>). F&#252;r diese erste Phase war das Bewusstsein, dass man es mit einer Interaktion zwischen Sprecher:innen zu tun hat, und somit mit Sprecherwechseln und nicht mit eigentlichen S&#228;tzen, der grundlegende Ausgangspunkt f&#252;r die Arbeit an der bestm&#246;glichen Wiederherstellung des narrativen Zusammenhalts. Daher wurde bei der &#220;bersetzung versucht, den Text viel deutlicher als die Originaltranskription zu gestalten und dabei &#8211; so weit wie m&#246;glich &#8211; die charakteristischen Merkmale der authentischen Sprache beizubehalten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Cinato i. Dr.</xref>).</p>
<p>In der zweiten Phase wurden weitere Anpassungen vorgenommen, um die Elemente zu eliminieren, die das Lesen der Interviews in italienischer Sprache f&#252;r ein Publikum erschweren, dem spezifische Kenntnisse auf diesem Gebiet fehlen und das keinen Zugang zu den Tonaufnahmen hat. Das hei&#223;t: Um die Texte f&#252;r die Ver&#246;ffentlichung auf der italienischen Webseite des Instituts vorzubereiten, wurden Techniken der Anpassung und Vereinfachung sowie eine weniger m&#252;ndlich gepr&#228;gte Sprachvariet&#228;t unter Beibehaltung des informellen Registers gew&#228;hlt. Im Folgenden wird eine Liste von Faktoren erstellt, die in dieser zweiten Phase der &#220;bersetzung ber&#252;cksichtigt wurden:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p><bold>Ausgangtext</bold>: Die Interviews wurden in einem informellen Umfeld aufgenommen, das spontanes und authentisches Erz&#228;hlen beg&#252;nstigte, da die Interviewerin mit den Fakten und den beteiligten Personen bereits vertraut war und eine vertrauensvolle Beziehung zu den Interviewpartner:innen aufbauen konnte.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Adressat:innen</bold>:</p>
<list list-type="alpha-lower">
<list-item><p><bold>Ausgangstext</bold>: Auf dem Archiv des IDS ist es m&#246;glich, die Interviews zu h&#246;ren und, dank der Transkriptionen, gleichzeitig zu lesen. Die Interviews k&#246;nnen Adressat:innen lesen, die die deutsche Sprache kennen, an dem Thema interessiert sind und wahrscheinlich schon ein bestimmtes Wissen &#252;ber das Thema besitzen;</p></list-item>
<list-item><p><bold>Zieltext</bold>: Das Zielpublikum der &#220;bersetzungen besteht aus einer heterogenen Gruppe von Personen, zumeist Italiener:innen, die keinen direkten Bezug zu den erz&#228;hlten Fakten haben und &#252;ber keinerlei Vorwissen zum Thema verf&#252;gen;</p></list-item></list></list-item>
<list-item><p><bold>Kommunikative Absicht</bold>: In beiden F&#228;llen besteht der Hauptzweck der Interviews darin, zu informieren und das Wissen &#252;ber diese wenig bekannten historischen Fakten zu verbreiten. Die Originalinterviews zielen darauf ab, einen der Interviewerin wenig bekannten Teil der Familiengeschichte im Vertrauen zu erz&#228;hlen, w&#228;hrend die &#220;bersetzungen darauf abzielen, diesen Inhalt einem breiteren Publikum zug&#228;nglich und verst&#228;ndlich zu machen.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Mittel der Kommunikation</bold>:</p>
<list list-type="alpha-lower">
<list-item><p><bold>Ausgangstext</bold>: Die Interviews wurden im Audioformat aufgezeichnet, was einen m&#252;ndlichen Kommunikationsmodus mit allen Besonderheiten der spontanen Sprache impliziert.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Zieltext</bold>: Auf die &#220;bersetzungen wird digital &#252;ber eine Webseite zugegriffen, was eine klare, organisierte und an den Online-Lesemodus angepasste Pr&#228;sentation erfordert. Die &#220;bersetzungen werden in schriftlicher Form auf der Webseite pr&#228;sentiert, nach Themen gegliedert und neu strukturiert, um die Navigation und das Verst&#228;ndnis der Inhalte zu erleichtern. Die Umwandlung des gesprochenen Textes in einen schriftlichen Text erfordert besondere Sorgfalt, um die Authentizit&#228;t der Erz&#228;hlung zu erhalten und sie gleichzeitig an die Bed&#252;rfnisse des Mediums und der italienischen Sprache anzupassen.</p></list-item></list></list-item>
</list>
<p>Im folgenden Abschnitt wird anhand eines Beispiels gezeigt, wie dieser Prozess der Umwandlung des Gesprochenen in eine schriftliche Transkription abl&#228;uft und wie dieser neu entstandene Text &#252;bersetzt und f&#252;r ein italienisches Publikum angepasst wird.</p>
</sec>
<sec>
<title>5. Vom Gesprochenem zur schriftlichen Transkription und der Adaption f&#252;r das italienische Publikum: ein Beispiel</title>
<p>Das folgende Beispiel stammt aus dem Interview mit Hedwig, eine der Zwillingsschwestern von Otto, das am 30. Juli 2017 bei ihr zu Hause in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) aufgenommen wurde. Das Interview dauerte 2:47:41 Stunden. Hedwig, geboren am 28.4.1935 in S&#252;ssenthal, Kreis Allenstein (Ostpreu&#223;en), heute S&#281;tal, Polen, erz&#228;hlt hier, wie damals, Ende Januar 1945, die russischen Soldaten in ihr Dorf kamen, wie sie sich mit anderen Dorfbewohner:innen im Keller versteckte und wie der Gro&#223;vater aus dem Haus gejagt wurde und starb. Der Abschnitt ist das in der DGD erh&#228;ltliche Transkript der Audiodatei.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Beispiel (1): Hedwig, <italic>Die Russen kommen und Anderes</italic> (DGD: FGOP 04, FGOP_E_00002_SE_01, Z. 196-215)</p>
<p>LC = Lucia Cinato, HE = Hedwig, OT = Otto, Mann von Hedwig</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4326_cinato-g1.png"/>
</fig>
<p>Wie man in diesem Beispiel sehen kann, erlaubt die Transkription mit dem gespr&#228;chsanalytischen System GAT2 (Minimal- und Basistranskript, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B51">Selting et al. 2009</xref>) es, die sequenzielle Struktur (z.B. [&#220;berlappungen und Simultansprechen], Z. 2-3), die Pausen (Mikropausen (.), Z. 6; gemessene Pausen (0.71), Z. 20), die Rezeptionssignale (<italic>nein</italic>, Z. 3; <italic>hm hm</italic>, Z. 5; <italic>ach so</italic>, Z. 10; <italic>ja</italic>, Z. 33), die Verz&#246;gerungssignale (<italic>&#246;h</italic>, Z. 33), eine unverst&#228;ndliche Passage mit Angabe der Dauer (Z. 31), die Prosodie, die Geschwindigkeit der &#196;u&#223;erungen und viele andere Kennzeichen der gesprochenen Sprache zu erfassen. Diese Elemente der M&#252;ndlichkeit, die sehr wichtig f&#252;r gespr&#228;chsanalytische Forschungen und Analysen im Deutschen sind, spielen dagegen eine viel geringere Rolle in Hinsicht auf eine &#220;bersetzung, wo es viel mehr um die narrative Koh&#228;renz der erz&#228;hlten Geschichte und die Wiederherstellung des narrativen Zusammenhangs als um die Merkmale der M&#252;ndlichkeit geht. Au&#223;erdem steht, wie schon gesagt, f&#252;r die italienischen Leser:innen nur die schriftliche &#220;bersetzung der Interviews zur Verf&#252;gung, w&#228;hrend die deutsche Originalversion der Interviews durch die Audiodateien unterst&#252;tzt wird, die den transkribierten Text prosodisch artikulieren. Aus diesem Grund muss sich die &#220;bersetzung bem&#252;hen, den Text viel klarer zu gestalten als die urspr&#252;ngliche Transkription und dabei die Merkmale der Sprache der N&#228;he so weit wie m&#246;glich beizubehalten.</p>
<p>F&#252;r die erste Phase wurde eine &#220;bersetzung durchgef&#252;hrt (<xref ref-type="fig" rid="F2">Beispiel (2)</xref>), die in etwa funktional &#228;quivalent war und zwischen quellen- und zielorientiert (<italic>source</italic> und <italic>target oriented</italic>) lag, wobei die Unterteilung in Segmente und, soweit wie m&#246;glich, die typischen Sprachmarkierungen beibehalten wurden, d.h. Wiederholungen, Linksversetzungen, &#220;berlappungen, Ellipsen von Verben oder anderen impliziten Textelementen usw. (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B50">Schwitalla 2012</xref>). Die Interpunktion wurde verwendet, um die verschiedenen <italic>turns</italic> und Sprecherwechsel innerhalb der Reden klarer zu gestalten und die kurzen Pausen (.) der Transkripte zu ersetzen, w&#228;hrend Hinweise auf l&#228;ngere Pausen und die Explikation prosodischer und para-linguistischer Elemente beibehalten wurden, um die f&#252;r m&#252;ndliche Interviews typische Dynamik und Interaktion zu erhalten. &#220;berfl&#252;ssige Wiederholungen und unn&#246;tige sprachliche F&#252;llw&#246;rter, die den Erz&#228;hlfluss der &#220;bersetzung beeintr&#228;chtigten und das Verst&#228;ndnis des Inhalts erschwerten, wurden hingegen gestrichen. Anschlie&#223;end wurde versucht, ein entsprechendes Register im Italienischen beizubehalten, d.h. informell und umgangssprachlich, wie es f&#252;r das gesprochene Wort typisch ist, mit diskursiven Markern wie <italic>ma</italic> (&#8218;aber&#8216;), <italic>comunque</italic> (&#8218;kurz gesagt&#8216;), <italic>insomma</italic> (&#8218;na ja&#8216;), <italic>perci&#242;</italic> (&#8218;deshalb&#8216;), <italic>cio&#232;</italic> (&#8218;das hei&#223;t&#8216;) sowie Kontaktausdr&#252;cken wie <italic>capisco</italic> (&#8218;ich verstehe&#8216;), <italic>esatto</italic> (&#8218;genau&#8216;), <italic>hai ragione</italic> (&#8218;du hast Recht&#8216;), <italic>no?</italic> (&#8218;nicht?&#8216;), zus&#228;tzlich zu F&#252;llw&#246;rtern wie <italic>ehm</italic> (&#8218;&#228;hm&#8216;), <italic>tipo</italic> (&#8218;wie&#8216;), wobei die Verwendung der Zeitformen Pr&#228;sens und Imperfekt gegen&#252;ber dem &#8218;passato remoto&#8216; bevorzugt oder der Konjunktiv vermieden wurde (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Cinato i. Dr.</xref>).</p>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Beispiel (2): Hedwig, <italic>Die Russen kommen und Anderes</italic> &#8211; Erste &#220;bersetzung ins Italienische</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4326_cinato-g2.png"/>
</fig>
<p>In der zweiten &#220;bersetzungsphase, die auf die Ver&#246;ffentlichung auf der Istoreto-Website abzielte (<xref ref-type="fig" rid="F4">Beispiel (4)</xref>), waren die Interventionen koh&#228;renter und aussagekr&#228;ftiger und basierten auf dem Modell der auf der Webseite bereits verf&#252;gbaren Interviews (<xref ref-type="fig" rid="F3">Beispiel (3)</xref>):</p>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Beispiel (3): Interview von der italienischen Webseite des Istituto Istoreto: Olivia M., <italic>Profughi da Dignano d&#8217;Istria</italic><xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4326_cinato-g3.png"/>
</fig>
<fig id="F4">
<caption>
<p>Beispiel (4): Hedwig, <italic>Die Russen kommen und Anderes</italic> &#8211; 2. &#220;bersetzung ins Italienische: Adaption f&#252;r die Webseite des Istituto Istoreto</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4326_cinato-g4.png"/>
</fig>
<p>Im Beispiel (<xref ref-type="fig" rid="F3">3</xref>) sind die Frage-Antwort-Sequenzen des Interviews klar geordnet und weisen nicht die dialogische Abfolge und das typische dialogische Verhalten auf, die die Beispiele <xref ref-type="fig" rid="F1">1</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F2">2</xref> aus dem FGOP-Korpus kennzeichnen. An dieses Modell mussten sich die &#220;bersetzungen der Interviews meines Korpus anpassen (<xref ref-type="fig" rid="F4">Beispiel (4)</xref>).</p>
<p>Die erste Frage der Interviewerin animiert die Interviewte in das Makrothema &#8218;Ankunft der Russen und Polen&#8216; einzuf&#252;hren. Die folgenden Fragen (2 und 3) sind ebenfalls so formuliert, dass sie einen klaren und kontinuierlichen roten Faden f&#252;r die Antworten bilden. Letztere stellen eine lineare Version dessen dar, was in den Zeilen 1-22 des Beispiels (2) zum Ausdruck kommt. Alle Abschnitte, die sich auf die Beantwortung einer einzelnen Frage der Interviewerin bezogen, wurden zu einer Antwort zusammengefasst, um ein besseres Verst&#228;ndnis der erz&#228;hlten Fakten zu erm&#246;glichen, w&#228;hrend die Fragen der anwesenden Familienmitglieder in die Fragen der Interviewerin integriert wurden. Auf diese Weise wurde vermieden, dass ein Teil des Inhalts ausgelassen wurde, so dass die Erz&#228;hlung fortgesetzt werden konnte, ohne dass n&#252;tzliche und interessante Informationen verloren gingen, und ohne dass der individuelle, autobiografische und somit sehr pers&#246;nliche Charakter der Interviews beeintr&#228;chtigt wurde. Andere wichtige Eingriffe konzentrierten sich auf die Beseitigung von Wiederholungen, Z&#246;gern, &#220;berlappungen, diskursiven Elementen und Pausen, um den Diskurs fl&#252;ssiger zu gestalten und weniger durch Pausen, Themenwechsel und Eingriffe der bei den Interviews anwesenden Familienmitglieder zu unterbrechen. Typische Charakteristika der gesprochenen Sprache, die weggelassen wurden, sind au&#223;erdem Diskursmarker, Deiktika, Vagheitsindikatoren, gef&#252;llte Pausen, Abbr&#252;che, umgangssprachliche Formen, Verst&#228;ndigungssicherungen und Rezeptionssignale (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B55">Th&#252;ne 2023: 357</xref>). Auch das ganze Aushandeln von Inhalten, das dem Ausr&#228;umen von Zweifeln und Missverst&#228;ndnissen dient, welches in diesen Interviews eine gro&#223;e Rolle spielt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Cinato 2023d</xref>), wurde weggelassen. Das Ergebnis ist zweifellos eine viel weniger dialogische und linearere Version des Inhalts der Interviews, die zwar auf verschiedene Aspekte der gesprochenen Sprache und die Spontaneit&#228;t des Dialogs verzichtet, es aber erm&#246;glicht, dem italienischen Publikum Inhalte von unbestreitbarem historischem und sozialem Wert zu bieten und in das Familienleben von Zivilist:innen einzudringen, die an einem grausamen und schrecklichen Krieg beteiligt waren.</p>
</sec>
<sec>
<title>6. Schlussfolgerungen</title>
<p>In diesem Beitrag wurde versucht zu zeigen, was von der gesprochenen Sprache m&#252;ndlicher narrativer Interviews &#252;ber die schriftliche Textform bis hin zur &#220;bersetzung erhalten werden kann. In diesem Prozess gehen einige Charakteristika der M&#252;ndlichkeit verloren und Ver&#228;nderungen werden notwendig, um diese Interviews einem italienischen Publikum zug&#228;nglich zu machen. Zus&#228;tzlich zu den formalen Vereinfachungsstrategien (z.B. syntaktische Transformationen und Linearisierungsprozesse usw.), die den Inhalt vereinfachen (erl&#228;uternde Passagen, Erweiterungen usw., vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Cinato i. Dr.</xref>), waren im Fall dieser Interviews zahlreiche andere Eingriffe seitens der &#220;bersetzer:in erforderlich, um sich an das bestehende Modell der Webseite des Istituto Istoreto anzupassen. F&#252;r dieses Modell war es notwendig, die verschiedenen Themen der Erz&#228;hlungen unterzuordnen, in Makrothemen zusammenzufassen und zu pr&#228;sentieren, so dass die Auswahl der Interviewausschnitte an sich schon eine Art Vereinfachung des Inhalts darstellte. Der Skopos dieser &#220;bersetzungen bestand eher darin, den Inhalt zu vermitteln als die gleiche Wirkung wie der Ausgangstext zu erzielen. Aus diesem Grund wurde auf die Wiedergabe der diamesischen Variationen zwischen der gesprochenen Sprache und der Umgangssprache verzichtet, insbesondere in Hinblick auf h&#228;ufig segmentierte syntaktische Strukturen, Anakoluthe, Wiederholungen, die Verwendung konnotierter Begriffe und h&#228;ufige Reparaturen, die f&#252;r die m&#252;ndliche Interaktion typisch sind. Andere wichtige Eingriffe konzentrierten sich auf die Beseitigung von Z&#246;gern, &#220;berlappungen und diskursiven Elementen, um den Diskurs fl&#252;ssiger zu gestalten und weniger durch Pausen, Themenwechsel und Interventionen der bei den Interviews anwesenden Familienmitglieder zu unterbrechen. Typische Charakteristika der gesprochenen Sprache, die ebenfalls ausgelassen wurden, waren au&#223;erdem Diskursmarker, Deiktika, Vagheitsindikatoren, gef&#252;llte Pausen, Abbr&#252;che, umgangssprachliche Formen, Verst&#228;ndigungssicherungen und Rezeptionssignale. Auch das ganze Aushandeln von Inhalten, das dazu dient, Zweifel und Missverst&#228;ndnisse auszur&#228;umen, was in diesen Interviews eine gro&#223;e Rolle spielt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Cinato 2023d</xref>), wurde weggelassen. Im Sinne von <xref ref-type="bibr" rid="B26">Garzone 2015</xref>, die die Fuzzy-Set-Theorie auf &#220;bersetzungen anwendet, indem sie die Gesamtheit der Texte, die als &#220;bersetzungen betrachtet werden, nicht so sehr als ein Kontinuum vorstellt, sondern vielmehr als eine Reihe diskreter Elemente mit skalierbaren Dimensionen, kann man die Adaption und Umschreibung dieser Texte immer noch als &#220;bersetzung betrachten.</p>
<p>Die Analyse der sprachlichen Transformationen von m&#252;ndlichen narrativen Interviews &#252;ber ihre Verschriftlichung bis hin zur &#220;bersetzung bietet interessante Impulse f&#252;r den DaF-Unterricht. Insbesondere zeigt sie, wie sehr sich gesprochene Sprache von schriftlich transkribierten und dann &#252;bersetzten Formen unterscheiden kann &#8211; ein Umstand, der Lernenden oft verborgen bleibt, aber f&#252;r das Sprachverstehen und die Textkompetenz zentral ist. Die Untersuchung sensibilisiert und zeigt auf, wie Merkmale der M&#252;ndlichkeit, z.B. Diskursmarker, Vagheitsindikatoren, syntaktische Fragmentierung oder Reparaturen, in der schriftlichen &#220;bersetzung h&#228;ufig entfernt oder gegl&#228;ttet werden. F&#252;r den DaF-Unterricht er&#246;ffnet dies die M&#246;glichkeit, Lernende gezielt mit solchen Merkmalen vertraut zu machen, um ihre rezeptiven und produktiven F&#228;higkeiten in realit&#228;tsnahen kommunikativen Situationen zu f&#246;rdern. Zugleich bietet die Analyse ein Beispiel f&#252;r Skopos-orientiertes &#220;bersetzen, was im DaF-Kontext als Grundlage f&#252;r projektbasiertes Arbeiten dienen kann &#8211; etwa durch vergleichende Aufgaben: Lernende k&#246;nnen m&#252;ndliche Originale, Transkriptionen und &#220;bersetzungen analysieren und selbst Umschreibungs- bzw. &#220;bersetzungsversuche unternehmen. Dies f&#246;rdert metasprachliches Bewusstsein, &#220;bersetzungskompetenz und ein kritisches Textverst&#228;ndnis. Nicht zuletzt regt die Analyse dazu an, sich mit Fragen der Textauthentizit&#228;t und Emotionalit&#228;t auseinanderzusetzen &#8211; etwa wie viel vom emotionalen Gehalt eines m&#252;ndlichen Zeitzeugenberichts im schriftlichen Zieltext in einer anderen Sprache noch transportiert werden kann. Die oben genannten Anpassungsstrategien haben schlie&#223;lich unvermeidliche Konsequenzen, insbesondere den fast vollst&#228;ndigen Verlust der Ausdrucksebene der Sprecher:innen, was zu einer Art Verflachung im Zieltext f&#252;hrt, vergleichbar mit dem, was bei der audiovisuellen &#220;bersetzung beim &#220;bergang vom Dialog zu den Untertiteln zu beobachten ist. Es bleibt noch zu untersuchen, ob und wie emotionale Aspekte von Interviews im &#220;bersetzungsprozess erhalten werden k&#246;nnen.</p>
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<fn id="n1"><p>Der Turiner Polo del &#700;900 besteht aus 26 Instituten und Organisationen, darunter dem Istituto Istoreto, die einen Bezugspunkt f&#252;r die historische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Forschung des 20. Jahrhunderts und f&#252;r die Verteidigung der Werte des Widerstands, der Demokratie und der Freiheit darstellen. Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://polodel900.it/cose-il-polo/">https://polodel900.it/cose-il-polo/</ext-link> (07.01.2025).</p></fn>
<fn id="n2"><p>Im Rahmen der Initiativen zum Giorno del Ricordo (10. Februar) wurden am Polo del &#700;900 folgende Konferenzen organisiert: 12.1.2020: Konferenz mit dem Titel <italic>Esodi del &#8217;900. Memorie a confronto. Il caso tedesco</italic> (&#8218;Vertreibungen des 20. Jahrhundert. Vergleich von Erinnerungen. Der deutsche Fall&#8216;); 9.2.2021: Konferenz mit dem Titel <italic>Novecento di Confine. Ricerche e comunicazione</italic> (&#8218;Jahrhundert-Grenze. Forschung und Kommunikation&#8216;), mit Pr&#228;sentation des Bandes Cinato (<xref ref-type="bibr" rid="B12">2020</xref>).</p></fn>
<fn id="n3"><p>Die Ausz&#252;ge der Interviews sind seit Februar 2025 auf der Website des Instituts unter dem Reiter <italic>Archiv</italic> in der Datenbank <italic>L&#8217;esodo istriano-fiumano-dalmata in Piemonte. Per un archivio della memoria</italic> (&#8218;Der istrisch-fiumanisch-dalmatinische Exodus im Piemont. F&#252;r ein Archiv der Erinnerung&#8216;), unter dem Link <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.istoreto.it/archivio/banche_dati/">https://www.istoreto.it/archivio/banche_dati/</ext-link> und unter dem Link: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.istoreto.it/esodo-ed-esodi/">https://www.istoreto.it/esodo-ed-esodi/</ext-link> (07.01.2025) verf&#252;gbar, wo ein weiterer Link auf die Interviews des FGOP-Korpus verweist.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Vgl. D&#8217;Onofrio (<xref ref-type="bibr" rid="B22">2014a</xref>): 43-44.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Das Israelkorpus besteht aus mehreren Korpora, die in der <italic>Datenbank f&#252;r Gesprochenes Deutsch</italic> (DGD) des Leibniz-Instituts f&#252;r Deutsche Sprache (IDS) Mannheim verf&#252;gbar sind (https://dgd.idsmannheim.de, 07.01.2025): Korpora IS (<italic>Emigrantendeutsch in Israel</italic>), ISW (<italic>Emigrantendeutsch in Israel: Wiener in Jerusalem</italic>) und ISZ (<italic>Zweite Generation deutschsprachiger Migranten in Israel</italic>).</p></fn>
<fn id="n6"><p>Es wurden keine Namens&#228;nderungen vorgenommen.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Dieses Projekt ist mit einem gr&#246;&#223;eren Projekt des piemontesischen Instituts f&#252;r die Geschichte des Widerstands und der zeitgen&#246;ssischen Gesellschaft Giorgio Agosti (Istituto Piemontese per la storia della Resistenza e della societ&#224; contemporanea &#8222;Giorgio Agosti&#8220;) verbunden (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.istoreto.it/">https://www.istoreto.it/</ext-link>, 07.01.2025). Mein Dank geht an Enrico Cesare Miletto, der den Kontakt mit dem Polo del &#700;900 und dem Istituto Istoreto hergestellt hat und sich f&#252;r die Ver&#246;ffentlichung meiner Interviews in italienischer Sprache auf der von ihm selbst erstellten Webseite des Instituts einsetzte.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://intranet.istoreto.it/esodo">http://intranet.istoreto.it/esodo</ext-link> (07.01.2025).</p></fn>
<fn id="n9"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://intranet.istoreto.it/esodo/introduzione.asp">http://intranet.istoreto.it/esodo/introduzione.asp</ext-link> (07.01.2025).</p></fn>
<fn id="n10"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.istoreto.it/archivio/banche_dati/">https://www.istoreto.it/archivio/banche_dati/</ext-link> (07.01.2025).</p></fn>
<fn id="n11"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://intranet.istoreto.it/esodo/parole.asp">http://intranet.istoreto.it/esodo/parole.asp</ext-link> (07.01.2025).</p></fn>
<fn id="n12"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://agd.ids-mannheim.de/FGOP_extern.shtml">http://agd.ids-mannheim.de/FGOP_extern.shtml</ext-link> (07.01.2025).</p></fn>
<fn id="n13"><p>Dank an Azzurra Italiano f&#252;r ihre wertvolle Mitarbeit bei der Auswahl von Teilen der Interviews und deren &#220;bersetzung und Anpassung f&#252;r das Istituto Istoreto. Ein weiterer Dank geht an Elda Cuni, Sonia Zito und Francesca Preite f&#252;r die &#220;bersetzung von Teilen der Interviews f&#252;r ihre Masterarbeiten.</p></fn>
<fn id="n14"><p>Zu narrativen biographischen Interviews vgl. Lucius-Hoene / Deppermann (<xref ref-type="bibr" rid="B42">2004</xref>); Majer (<xref ref-type="bibr" rid="B43">2012</xref>); Deppermann (<xref ref-type="bibr" rid="B21">2013</xref>) und Leonardi (<xref ref-type="bibr" rid="B37">2017: 141</xref>); zum Prozess der Interaktion zwischen Interviewtem und Interviewer vgl. Deppermann (<xref ref-type="bibr" rid="B19">2007</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B20">2010</xref>); Antonioli (<xref ref-type="bibr" rid="B1">2016</xref>); Cinato (<xref ref-type="bibr" rid="B12">2020: 11-14</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B17">2023d</xref>), u.a. Zur Zugeh&#246;rigkeit der narrativen Interviews zur Gattung &#8218;authentischer Sprachkorpus&#8216; vgl. Koesters Gensini / D&#8217;Alesio (<xref ref-type="bibr" rid="B30">2017: 109</xref>).</p></fn>
<fn id="n15"><p>Zum Thema der Erinnerung, insbesondere der autobiographischen Erinnerung, die mit den Emotionen verbunden ist, vgl. Tulving (<xref ref-type="bibr" rid="B58">2002: 3</xref>) und Leonardi (<xref ref-type="bibr" rid="B36">2016: 3</xref>).</p></fn>
<fn id="n16"><p>Zum Konzept des <italic>Skopos</italic> und dem damit verbundenen Konzept der Ad&#228;quatheit einer &#220;bersetzung in der funktionalistischen und in der deskriptiven &#220;bersetzungswissenschaft (<italic>Descriptive Translation Studies</italic>) vgl. Holmes (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1972/1988</xref>); Toury (<xref ref-type="bibr" rid="B56">1980</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B57">1995</xref>); Reiss / Vermeer (<xref ref-type="bibr" rid="B48">1984</xref>); Lefevere / Bassnett (<xref ref-type="bibr" rid="B4">1990</xref>); Even-Zohar et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B24">1987/1995</xref>); Vermeer (<xref ref-type="bibr" rid="B59">1996</xref>).</p></fn>
<fn id="n17"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://intranet.istoreto.it/esodo/parola.asp?id_parola=14">http://intranet.istoreto.it/esodo/parola.asp?id_parola=14</ext-link>, Le parole dell&#8217;esodo, Partenze da Pola (07.01.2025).</p></fn>
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<title>Literatur und Ressourcen</title>
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<title>Biographische Notiz</title>
<p>Lucia Cinato ist Professorin f&#252;r germanistische Sprachwissenschaft an der Universit&#228;t Turin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Translationswissenschaft und Sprachmittlung, deutsch-italienische kontrastive Linguistik, Sprache der Europ&#228;ischen Union, politische Sprache, gesprochene Sprache, Gespr&#228;chsanalyse mit besonderem Augenmerk auf historische Korpora und Erwerb von &#220;bersetzungskompetenz im Zeitalter der KI. Sie ist Autorin zahlreicher Aufs&#228;tze und Forschungsarbeiten, darunter der Band <italic>Mediazione Linguistica Tedesco-Italiano. Aspetti teorici e applicativi. Esempi di strategie traduttive. Casi di testi tradotti</italic> (2011) und der Band <italic>Voci di tedeschi in fuga. L&#8217;intervista autobiografica come contributo alla memoria collettiva</italic> (2020).</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5"><bold>Kontaktanschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Lucia Cinato</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Universit&#224; di Torino</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Dipartimento di Lingue e Letterature straniere e Culture moderne</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Via Sant&#8217;Ottavio 18</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">I - 10124 Torino</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:lucia.cinato@unito.it">lucia.cinato@unito.it</ext-link></styled-content></p>
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