Was bleiben wird, sind wir, die Menschen in diesem Territorium.
Ohne den Ort zu verändern, gehen wir in die Fremde.
(Helga Königsdorf: Adieu DDR. Protokoll eines Abschieds, 31.08.1990, Vorwort).
1. Einleitung
Seit der deutschen Wiedervereinigung sind mehr als fünfunddreißig Jahre vergangen, und es wurden unzählige Publikationen zum Thema der deutschen Sprache in der DDR publiziert (Auswahlbibliografien zu diesem Thema finden sich u.a. in Katelhön 2009 und Reiher 2024). Viele sprachwissenschaftlichen Untersuchungen konnten jedoch lange Zeit nicht wertungsneutral durchgeführt werden, da Einschätzungen, Schlussfolgerungen und Ausblicke je nach Herkunft der Wissenschaftler:innen und der aktuellen politischen Lage formuliert wurden1.
Hinzu kommt, dass sich durch die rasche Wiedervereinigung auch der Sprach-(gebrauchs-)wandel2 in einem bis dato nie dokumentierten Tempo vollziehen musste (vgl. Reiher / Baumann 2004). Die Vernichtung sprachlicher Zeugnisse der DDR3 als auch die bekannte Diglossie4 zwischen öffentlichem und privatem Sprachgebrauch in der DDR stellen bis heute ein ernst zu nehmendes Problem für sprachhistorische Dokumentationen dar, da sprachliche Zeugnisse aus dem privaten Bereich kaum vorliegen bzw. selten systematisch erfasst wurden5.
Umso begrüßenswerter waren die einzelnen Initiativen einiger Linguist:innen, die in der Umbruchsphase versuchten, sprachliche Befindlichkeiten durch sprachbiografische Interviews zu attestieren. Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, diese sprachlichen Erinnerungen, wie sie v.a. in (sprach-)biografischen Interviews u.a. von Fix / Barth (2000), Dittmar / Bredel (1999) und Dittmar / Paul (2019) zur Sprache in der DDR und in der Wende erfasst wurden, mit sprachhistorischen und diskurslinguistischen Methoden zu untersuchen, um die individuellen Spracherinnerungen zu erfassen und zu systematisieren, denn:
(Sprach-)biographische Erzählungen sind als stets unvollständig, ko-konstruiert und veränderlich in der Zeit zu betrachten: Biographische Narrative liefern Wörter und nicht Fakten – diese hörbaren oder sichtbaren Worte sind, im Gegensatz zu nicht direkt zugänglichen Fakten, Ausdruck mehrsprachiger Subjekte, ihres Blicks auf die Welt und ihrer diversen Erfahrungen (Purkarthofer 2022: 559).
Auch die Interviews von Sprecher:innen aus der DDR sollen in diesem Beitrag hinsichtlich der (pluri-)lingualen Identität ihrer Sprecher:innen erfasst und beschrieben werden, um mit sprachhistorischen diskurslinguistischen Methoden das Spannungsverhältnis zwischen kommunikativem individuellem und kulturellem öffentlichem Gedächtnis zur Geschichte der DDR nachzuzeichnen und zu begründen. Ziel ist es, diese individuellen Erinnerungen zu systematisieren und als Quelle für sprachhistorische Dokumentationen zu nutzen.
Im nächsten Abschnitt (2) werde ich die theoretischen Grundlagen darstellen. Vor dem Hintergrund einer historischen Diskurslinguistik werden Sprachbiografien definiert. Sprachbiografien und sprachbiografische Interviews zum Leben in und nach der DDR werden dann in den Zusammenhang von Erinnerungsräumen und -gemeinschaften gestellt werden, da sie als Teile von individuellem Gedächtnis zur Konstruktion von gesellschaftlichem Gedächtnis beitragen. Im Hauptteil (Abschnitt 3) werden bereits vorhandene Korpora und Textsammlungen zu sprachbiografischen Interviews mit dem genannten historischen Bezug erfasst und vorgestellt. Ihnen gemeinsam ist das Schlüsselthema ‚Sprache‘, das hier gesondert analysiert wird. Abschließend werde ich die Erkenntnisse zusammenfassen und mit einem Ausblick auf mögliche, zukünftige Forschungsansätze enden (Abschnitt 4).
2. Theoretische Grundlagen
In diesem Abschnitt werde ich erläutern, welche Definition von Diskurs ich meiner Analyse zugrunde lege. Daher werde ich auch die historische Diskurslinguistik kurz umreißen, um dann speziell Umbruchsdiskurse zu definieren. Es schließt sich eine linguistische Verortung des Begriffs Sprachbiografien an. Anschließend werden die Konzepte der Erinnerungsräume und des Gedächtnisses analysiert.
2.1 Diskurs, (historische) Diskurslinguistik und Umbruchsdiskurse
Der Begriff Diskurs ist äußerst komplex und in der sprachwissenschaftlichen Literatur noch nicht eindeutig definiert (vgl. u.a. Busse / Teubert 1994; Fraas 1996: 7; Bendel Larcher 2015: 12). Eine mögliche Minimaldefinition von Diskurs, wie sie beispielsweise bei Adamzik (2004: 254) zu finden ist, basiert auf einem inhaltlichen Kriterium:
Ein Diskurs ist also eine prinzipiell offene Menge von thematisch zusammenhängenden und aufeinander bezogenen Äußerungen.
In dem grundlegenden Artikel von Busse / Teubert (1994: 14, Wiederabdruck 2013) wird Diskurs wie folgt definiert:
Unter Diskursen verstehen wir im forschungspraktischen Sinn virtuelle Textkorpora, deren Zusammensetzung durch im weitesten Sinne inhaltliche (bzw. semantische) Kriterien bestimmt wird. Zu einem Diskurs gehören alle Texte, die
sich mit einem als Forschungsgegenstand gewählten Gegenstand, Thema, Wissenskomplex oder Konzept befassen, untereinander semantische Beziehungen aufweisen und/oder in einem gemeinsamen Aussage-, Kommunikations-, Funktions- oder Zweckzusammenhang stehen,
den als Forschungsprogramm vorgegebenen Eingrenzungen in Hinblick auf Zeitraum / Zeitschnitte, Areal, Gesellschaftsausschnitt, Kommunikationsbereich, Texttypik und andere Parameter genügen,
und durch explizite oder implizite (text- oder kontextsemantische erschließbare) Verweisungen aufeinander Bezug nehmen bzw. einen intertextuellen Zusammenhang bilden.
Weiterführend erläutern die Autoren, dass Diskurse im Prinzip von den Untersuchenden vordefiniert werden, indem sie das Thema, den Zeitrahmen, die Diskursbeteiligten oder auch den Diskursraum vor der Zusammenstellung des zu untersuchenden Korpus selbst festlegen. Textkorpora seien Teilmengen der jeweiligen Diskurse, bei deren Auswahl auch praktische Gesichtspunkte wie Verfügbarkeit der Quellen neben den in inhaltlichen Relevanzkriterien eine Rolle spielen können (vgl. Busse / Teubert 2013: 13).
Einem weiteren Aspekt von Diskurs wird in der Definition von Gardt (2007: 30) Rechnung getragen, der Diskurs versteht als eine Auseinandersetzung mit einem Thema, die sich in Äußerungen und Texten der unterschiedlichsten Art niederschlage, von mehr oder weniger großen gesellschaftlichen Gruppen getragen werde und das Wissen und die Einstellungen dieser Gruppen zu dem betreffenden Thema sowohl spiegele als auch aktiv präge und somit handlungsleitend für die zukünftige Gestaltung der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Bezug auf dieses Thema wirke.
Diskurse sind folglich Texte, die eine thematische Verbindung haben und Wissen und Einstellungen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen widerspiegeln als auch aktiv bestimmen oder verändern können. Sehen wir uns noch eine letzte Definition genauer an:
Ein Diskurs besteht aus Serien themenidentischer Aussagen, […] die von einer bestimmten Gruppe von Diskursbeteiligten realisiert werden, die in unterschiedlichen textuellen Mustern und kommunikativen Praktiken repräsentiert sind und die sich insbesondere in einem diskurstypischen und diskursrelevanten Vokabular verdichten. (Kämper 2011: 35)
Diskursanalyse hat als zugleich auch den Anspruch, Gesellschaftsanalyse zu sein (Jäger 1993: 210). Im Kontext dieses Aufsatzes sei noch auf einen weiteren Aspekt hingewiesen:
Was in den zitierten Definitionen nicht zur Sprache kommt, aber einen wichtigen Aspekt des Diskursbegriffs darstellt, ist die Frage, was zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Gesellschaft zum fraglichen Thema nicht gesagt wird, weil es gesellschaftlich nicht legitim ist oder kollektiv verdrängt wird. (Bendel Larcher 2015: 13)
Auch das Verschweigen und Verbergern bzw. Sprachlosigkeit6 der Diskursbeteiligten wird in der weiteren Untersuchung noch eine wichtige Rolle spielen.
Diese Ausführungen zusammenfassend, kann festgehalten werden, dass eine historische, sprachwissenschaftliche Diskursanalyse es zur Aufgabe hat, die thematischen Gemeinsamkeiten eines Diskurses von Diskursbeteiligten zu einer bestimmten Zeit herauszuarbeiten, um somit die Gesellschaft an sich zu charakterisieren, denn:
Die daraus abzuleitende Aufgabe der Diskurslinguistik ist es, einen Diskurs als gesellschaftliches Phänomen in seiner Komplexität und Heterogenität hinsichtlich der Diskursbeteiligten […] und seiner sprachlichen Manifestation zu beschreiben. Sprachwissenschaftliche Diskursanalyse stellt dar, wie eine gesellschaftliche Formation einer bestimmten Epoche bzw. zu einer bestimmten Zeit auf einen Sachverhalt kontrovers oder konsensuell sprachlich Bezug nimmt und damit konstituiert. Damit sind Diskurse durch die jeweils spezifischen (historischen, gesellschaftlichen, politischen, individuellen) Bedingungen geprägte soziale Praktiken zur kollektiven Deutung von Wirklichkeit. In ihnen wird – je nach Sprecherperspektive bzw. Akteursbezug – Sinn und damit Wirklichkeit konstituiert. (Kämper 2018: 55)
In einer früheren Publikation widmet sich die Linguistin speziell Umbruchsdiskursen (vgl. Kämper 2011). Politische Zäsuren wie die von 1945 und 1989/90 hatten historisch weltweiten Einfluss und schlugen sich vor allem in den Diskursen dieser Epochen nieder. Die Elemente dieser Diskurse, wie „[…] Thema, Beteiligte, Texte und Textsorten, sowie Wortschatz sind demnach gesellschaftlich und sprachlich umbruchrelevante Faktoren“ (Kämper 2011: 35). Neben der politischen Zäsur werden Umbruchsdiskurse vor allen durch sprachliche Besonderheiten definiert, Kämper führt weiter aus, dass (sprach-)geschichtlicher Umbruch nicht nur einen einfachen Ablöseprozess darstelle, sondern unter bestimmten Bedingungen ein Kampf von Alt mit Neu realisiere. Eine sprachliche Neuerungsphase sei u.U. eine transitorische Phase, in der das Alte und Neue gleichermaßen gelten.
Die hier zu betrachtenden Sprachbiografien zur Wende 1989 stellen einen deutlichen Umbruchsdiskurs dar7. Doch betrachten wir nachfolgend zunächst, auf welche Art von Texten sich der Begriff Sprachbiografie bezieht.
2.2 Sprachbiografie
Die sprachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Sprachbiografien hat verstärkt im letzten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts eingesetzt und kann seit 2000 mittlerweile als fester Bestandteil linguistischer Forschungen betrachtet werden. König (2018) hat die bisherigen Schwerpunkte erfasst. So finden sich sprachbiografische Interviews mit folgenden sprachwissenschaftlichen Ausrichtungen: in der Migrations- und Mehrsprachigkeitsforschung, in der Dialektologie, in der Sprachhistoriografie, in der Neurobiologie und in der Patholinguistik. Die Relevanz von Sprachbiografien für die linguistische Forschung wird von Thüne (2021: 16) folgendermaßen beschrieben:
Es ist das subjektive Erleben von individuellen und gesellschaftlichen Konstellationen von Spracherwerb, Sprachverlust und Sprachgebrauch in bestimmten historischen Momenten, wofür Sprachbiographien eine zusätzliche Informationsquelle darstellen.
Eine Arbeitsdefinition für Sprachbiografien findet sich in Kofer (2020: 1). Die Autorin führt aus, dass es bei Sprachbiografien um die Darstellung eines Lebens bzw. einer Lebensspanne unter dem Gesichtspunkt der Sprachentwicklung gehe. Ziel einer Sprachbiografie sei die Rekonstruktion eines Gesamtbildes der sprachlichen Entwicklung einer Person in ihrem gesellschaftlichen Umfeld, die Rückschlüsse auf die sprachliche und soziale Identität einer Person sowie auf den Zusammenhang zwischen der individuellen Sprachentwicklung und den für sie relevanten Lebensbedingungen ermögliche.
Zur engen Relation zwischen Sprecher:in und Sprache und zur Bedeutungskonstitution in und durch Narrationen in Sprachbiografien äußert sich auch Busch (2011: 2-3):
Sprachbiografien rücken die persönliche Beziehung zwischen Sprecher:in und Sprache in den Vordergrund. Aus Sicht der Biographieforschung geht es daher keineswegs nur um die Frage, was erzählt wird, sondern ganz wesentlich darum, wie und warum etwas erzählt (oder nicht erzählt) wird, d. h. welche Bedeutung durch das Erzählen geschaffen wird. Biographische Interviews oder autobiographische Textsorten sind demnach als Produktionen zu verstehen, die in ein komplexes Netz von Bezügen eingebunden sind: zu den konkreten Kontexten und Bedingungen ihrer Entstehung, zu den lebensgeschichtlichen und lebensweltlichen Erfahrungshorizonten der Erzählenden und zu historisch-gesellschaftlichen Formationen, in die subjektives Erleben eingebettet und von denen es durchdrungen ist.
Es sind verschiedene Formen der Datenerhebungen denkbar, auch wenn das narrative Interview, in das die Interviewenden so wenig wie möglich in die Narration eingreifen8, die vielleicht am häufigsten verwendete Form ist. König (2017: 200) erwähnt sowohl schriftliche (z.B. Tagebuchaufzeichnungen, Romane) als auch mündliche (z.B. spontane sprachbiografische Äußerungen im Gespräch), mithin sogar bildliche Verarbeitungen als Dokumenttypen für Sprachbiografien, wenngleich die Autorin das qualitative Interview als häufigste Form der Erhebung für Sprachbiografien bestimmt.
Sprachbiografische Erhebungen weisen drei Ebenen auf: die gelebte, die erinnerte und die (re-)konstruierte (Sprach-)Geschichte. Tophinke (2002: 1) präzisiert diesen Aspekt wie folgt:
Einmal kann die gelebte Geschichte des Erwerbs von Sprache(n) und Sprachvarietäten, der Sprachpraxis und Spracheinstellungen gemeint sein, die ihren spezifischen sprachlichen und sozialen Kontext hat. Um Sprachbiografie geht es zum anderen im Falle einer rein erinnernden Rekonstruktion der sprachbiografisch relevanten Erfahrungen. Schließlich kann Sprachbiografie die sprachliche Rekonstruktion einer Sprachbiografie bezeichnen, die schriftlich oder mündlich realisiert werden kann.
Diese drei Ebenen können nach individuellen und sozialen Aspekten unterschieden werden:
Ebenen von Sprachbiografien nach Tophinke (2002: 2)
Sprachbiografie als: | Individueller Aspekt | Sozialer Aspekt |
Gelebte Geschichte | Individuelle gelebte Geschichte des Erwerbs von Sprache(n) und Sprachvarietäten, der Sprachpraxis und der Einstellungen zur Sprache | vollzieht sich im Kontext von Sprachen und Sprachvarietäten, sozialen Sinnschemata und Ordnungsstrukturen, gesellschaftlichen Relevanzsetzungen und sprachlichen Anforderungen |
Erinnerte Geschichte | Erinnernde (rein kognitive) Rekonstruktion sprachbiografisch relevanter Ereignisse und Erfahrungen | ist beeinflusst von sozialen Sinnschemata; wird als kognitive Rekonstruktion sozial-kommunikativ nicht präsent |
Sprachliche Rekonstruktion der Geschichte | Sprachliche Rekonstruktion einer Sprachbiografie unter Rekurs auf Erinnerungen, Quellen u.v.m. | erfolgt unter funktionaler Einbindung in ein sozialkommunikatives Geschehen |
Im nächsten Paragrafen soll kurz auf die Konzepte von Erinnerung und Gedächtnis in Bezug auf die DDR und die Wende 1989 eingegangen werden.
2.3 Erinnerung(-sorte) und Gedächtnis
Aleida Assmann (1999) prägte den Begriff der Erinnerungsräume, in denen Gedächtnis und Identität verankert sind. Erinnerungsräume entstehen in Erinnerungsgemeinschaften (vgl. Burke 1993: 298-230). Fix (2000: 30-31) präzisiert in Zusammenhang zu den Sprachbiografien, die unter 3. analysiert werden sollen, dass man sich in diesem Kontext mehrere Fragen stellen könne:
Wer erinnert was in Gemeinschaft mit wem?
Wer erinnert was nicht in Gemeinschaft mit wem?
Was wird nicht erinnert? (Fix 2000: 30)9
Nach Jan Assmann (1992: 48-50) könne das kulturelle Gedächtnis nur ein halbes Gedächtnis sein, es müsse immer durch das kommunikative bzw. individuelle Gedächtnis ergänzt werden. Genau hier setzt die Sprachbiografieforschung zu Umbruchsdiskursen an. In Sprachbiografien werden Erinnerungsgemeinschaften auch zu Erklärungs- und Rechtfertigungsgemeinschaften:
4. Wer erklärt in Gemeinschaft mit wem was auf welche Weise?
5. Wer rechtfertigt mit wem was auf welche Weise? (vgl. Fix 2000: 31)
Diese Erklärungs- und Rechtfertigungsgemeinschaft kann in den ‚Sprachbiographien‘ von Fix / Barth (2000) in Nichtkonformist:innen und Konformist:innen unterteilt werden. Die Nichtkonformist:innen stellen sich als Beobachter:innen von außen dar; die Sprachhandlungen, die sie in ihren Narrationen verwenden, seien vor allem: offenlegen, erklären, warum etwas so war. Die Konformist:innen hingegen verstünden sich als Beteiligte, die sich auf ihre früheren Positionen durch die Sprachhandlungen: rechtfertigen und Stellung, nehmen bezögen (vgl. Fix 2000: 31-37).
Doch kehren wir zum individuellen und kollektiven Gedächtnis zurück. Bredel (2019: 67) erklärt, warum individuelle Diskurse zur DDR-Vergangenheit, zur Wende und zum Mauerfall relevant für das kollektive Gedächtnis zu diesem Thema sind:
Versteht man unter dem kollektiven Gedächtnis diejenigen überindividuellen Wissensbestände, die die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Gruppen mitbestimmen, stellen der Mauerfall und die Wiedervereinigung eine äußerst wirkmächtige Quelle dar. Auch 30 Jahre später bilden die Ereignisse rund um den 9. November ein zentrales Dispositiv für das gesellschaftliche und politische Selbstverständnis im vereinigten Deutschland. Die Wissensbestände, die dabei aktiviert werden, entstammen weniger den individuellen Erfahrungen als vielmehr medial erzeugten und reproduzierten Bildern sowie zu Schlagworten geronnenen Deutungen wie etwa das der „friedlichen Revolution“, das des „Zusammenwachsens, was zusammengehört“, das der „blühenden Landschaften“ etc.; auch Bilder von Ossis und Wessis als Unter- und Überlegene im Vereinigungsprozess gehören dazu.
Das kollektive Gedächtnis an die DDR wird von einem vorherrschenden Mediendiskurs10 geprägt: Sabrow (2009a: 18-19) ermittelt drei, sich in den 90er Jahre herausgebildete und bis heute vorherrschende, Erinnerungslandschaften: das Diktaturgedächtnis, das Arrangementgedächtnis und das Fortschrittsgedächtnis:
Das Diktaturgedächtnis weist auf den Unterdrückungscharakter der SED-Herrschaft und ihre mutige Überwindung in der friedlich gebliebenen Revolution von 1989/90 hin (vgl. Sabrow 2009a: 18).
Die diskurszentrierte Erinnerung widmet ihre Aufmerksamkeit vorrangig dem Macht- und Repressionsapparat des kommunistischen Regimes, und sie pocht darauf, dass zum Verständnis der DDR die Stasi wichtiger sei, als die Kinderkrippe. (ebd.)
Diese Art des Gedächtnisses beherrscht nach Sabrow das DDR-Bild der öffentlichen Erinnerung.
Das Arrangementgedächtnis sei dagegen in Ostdeutschland bis heute dominant. Es verknüpfe Machtsphäre mit der privaten Lebenswelt, es ist das Gedächtnis,
[…] das vom richtigen Leben im falschen weiß und die Mühe des Auskommens mit einer mehrheitlich vielleicht nicht gewollten, aber doch als unabänderlich anerkannten oder für selbstverständliche Normalität gehaltene Parteiherrschaft. (ebd.: 19)
In diesem Gedächtnis gehe es darum, wie man sich mit den gesellschaftlichen Anforderungen und staatlichen Zumutungen in seiner Lebenswelt auseinandersetzte. Wie man persönlich ein Arrangement fand, das vielleicht ein ungeliebter Kompromiss war. Doch die Erinnerung daran verbinde beispielsweise das Blauhemd der FDJ nicht nur mit der Parteimacht, „sondern auch [mit der] glücklichen Zeit der eigenen Jugend“, und der Einkaufsbeutel erinnere nicht nur an die Mangelwirtschaft, „sondern auch an den einstigen Wert der Dinge“ (Sabrow 2009a: 19).
Das dritte Gedächtnis bezeichnet Sabrow als Fortschrittsgedächtnis, bei dem die DDR von ihrem Anfang her gedacht werde, als Versuch, eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen. Zwar werde zugebilligt, dass dieser Versuch gescheitert sei, doch als Bekräftigung der an sich guten Absichten, werden immer wieder Institutionen oder gesellschaftliche Umstände in der DDR genannt, die positiv gesehen werden müssten (vgl. ebd.)
Jetzt, fünfunddreißig Jahre nach Mauerfall und Einheit, lässt sich sowohl in der soziologischen als auch historischen Forschung die Tendenz erkennen, das öffentliche kollektive Gedächtnis an die DDR zu hinterfragen, bzw. um individuelle Erinnerungen zu ergänzen (vgl. Sabrow 2009a; Goudin-Steinmann / Hähnel-Mesnard 2013; Arp / Goudin-Steinmann 2022)11.
3. Untersuchung zu Sprachbiografien zur Wende 1989
In diesem Hauptteil möchte ich zwei verschiedene Sammlungen von Sprachbiografien zur Wende hinsichtlich der individuellen Erinnerungen zum Schlüsselthema Sprache analysieren. Es handelt sich dabei um die Sammlung von sprachbiografischen Interviews mit dem Titel Sprachbiographien von Fix / Barth (2000)12 und zum anderen um das Berliner Wendekorpus von Dittmar / Paul (2019)13.
3.1 Empirische Grundlage und Analysemethode
In der folgenden Übersicht werden die Eckdaten zu beiden Sammlungen14 von Sprachbiografien gegenübergestellt.
Merkmale von SB und BW
SB | BW | |
Thema | Sprache, Sprachgebrauchswandel | Umbrucherfahrungen zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung |
Wiss. Rahmen | DFG-Projekt | Universitätsseminar |
Erhebungszeitraum | 1994-1996 | 1992-1996 |
Interviewte | 2 Personen aus Westdeutschland, 23 aus der DDR, teils aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, teils den Interviewerinnen unbekannt Alter: zwischen 18 und 65 Jahre |
31 Ost- und 25 Westberliner:innen, Freundes- und Bekanntenkreis Alter: 22-53 Jahre |
Interviewer:innen | Claudia Carell, Anett Heitsch, Yvonne Müller, Stefan Schulze, Uta Springorum | Seminarteilnehmer:innen aus Berlin |
Dauer / Umfang | 1 schriftlicher Monolog, 25 Interviews, Dauer: 90 bis 120 Minuten | 50 Interviews, Dauer: 30 bis 90 Minuten |
Digitalisiert | Nein | ja |
Annotiert | Nein | Ja |
Gemeinsam ist beiden Sammlungen, dass die Interviews direkt nach der Wende und der Wiedervereinigung erhoben wurden. Sie wurden in beiden Fällen von Linguist:innen initiiert und sind nach sprachwissenschaftlichen Kriterien zusammengestellt worden. Thema ist in beiden Fällen der sprachliche Umbruch und die individuelle Umbrucherfahrung. Quantitativ sind die beiden Sammlungen nicht äquivalent, in SB wurden insgesamt 25 Personen befragt, in BW 56 Personen. In SB haben mit Ausnahme von 2 Befragten alle Personen eine ostdeutsche Herkunft. In BW ist das Verhältnis zwischen Ost- und Westdeutschen relativ ausgeglichen, ist aber regional auf Berlin beschränkt. Die Befragten in SB sind durchschnittlich älter als in BW. Bei SB handelt es sich um eine Textsammlung, die in Buchform veröffentlicht wurde, bei BW um ein Korpus, das digitalisiert zur Verfügung steht.
Im Rahmen dieser ersten Untersuchung habe ich mich für eine thematische Einschränkung entschieden. Es wurden vor allem Belege erfasst, die die Sprache und den Sprachwandel vor, während und nach der Wende betrafen. Dabei konzentrierte ich mich auf drei Topoi: Doppelsprachigkeit / Meinungsfreiheit, Sprache in den Medien, anders sprechen / Dialekte.
Da es sich bei SB um kein Korpus handelt, mussten quantitative bzw. quantitativ-qualitative Analysemetoden von vornherein ausgeschlossen werden. Es wurde unter den genannten Einschränkungen ein korpusbasiertes Analyseverfahren (im Falle von BW)15 angewendet. Es wurden Suchanfragen v.a. zu den Lexeme ‚Sprache‘, und ‚sprechen‘ als Token durchgeführt, und dann in der Kontextsuche in Kombination zu Lexeme wie ‚anders‘, ‚öffentlich‘, nichtöffentlich‘ verfeinert. Zusätzliche Tokenabfragen erfolgten zu ‚doppelt‘, ‚Zeile‘, ‚Medien‘. In SB wurden die Beispiele dagegen manuell extrahiert.
3.2 Doppelsprachigkeit / Meinungsfreiheit
Mit dem Topos Doppelsprachigkeit wird in den Interviews auf die bekannte Diglossie der DDR-Bürger:innen (vgl. Abschnitt 1) verwiesen, die im privaten Bereich eine andere Sprache als im öffentlichen Bereich verwendet haben. Dieses Thema tritt mehrfach sowohl in SB auf (Bsp. (1-2)), als auch in BW (Bsp. (3)) auf. E.E. in Bsp. 1 gibt an, von der Doppelsprachigkeit gewusst zu haben, aber aufgrund ihrer Position als Parteilose keine Karrierechancen gehabt zu haben, und somit musste sie auch keine Befürchtungen haben ob ihres eigenen Sprachgebrauchs haben (Z. 007-011).
(1) Doppelsprachigkeit 1
001 „Öffentlicher Sprachgebrauch“ in der DDR - darunter verstehe ich für mich das Sprechen in verschie-
002 denen strukturellen Einheiten meines Betriebes […], in dem ich von 1966 bis 1990 gearbeitet habe.
003 Als Besonderheit käme das mit meinem Beruf als Übersetzer Dolmetscher zusammenhängende
004 „öffentliche Sprechen“ hinzu, auf das hier aber nicht eingegangen werden soll. Ich hatte keine
005 Funktion, die mir häufig öffentliche Auftritte abverlangt hätte. „Grundsatzreferate“ gehörten nicht zu
006 meinen Aufgaben. Keine [sic!] Rede war schon immer redundanzarm und für ihre ironische Distanz
007 gegenüber den allgemein üblichen Politfloskeln bekannt. Auf der untersten Stufe der Leitungskader-
008 hierarchie stehend habe ich keine Benachteiligung erfahren, wenn man davon absieht, daß ich als
009 Parteilose sowieso nur geringe berufliche Aufstiegschancen hatte. Wichtiger als eine „Karriere“ war
010 mir allerdings, keiner Parteidisziplin verpflichtet zu sein, was sich offenbar auch im Sprachverhalten
011 niederschlug. Eine größere Freiheit in der Ausdrucksweise, keine Gängelei und Anbiederei an
012 sprachlich-ideologische Einheitsnormen waren der Lohn für diese Entscheidung, die übrigens jedem
013 offenstand. Ich brauchte daher auch keine Fähigkeiten zum Umschalten von öffentlichem zu
014 nichtöffentlichen Sprachgebrauch entwickeln.
(SB, E.E.)
Anders W.H. in Bsp. (2), der angibt, aufgrund von Nichtbeachtung des ‚uniformen Sprachstils‘ (Z. 003) persönlich negative Konsequenzen zu spüren bekommen haben. In Z. 006 weist er darauf hin, dass es gefährlich gewesen sei, anders zu sprechen.
(2) Doppelsprachigkeit 2
001 Was ist eigentlich passiert, wenn man diese Angepaßtheit durchbrochen hat? Ist es s nicht verstanden
002 worden, ist es reglementiert worden? Wo lag eigentlich die Angst der DDR-Bürger?
003 Das habe ich am eigenen Leib erfahren, daß ein Durchbrechen dieses uniformen Sprachstils sogar
004 gefährlich war. Wenn einer ganz individuelle Formulierungen benutzte in der DDR, die bewußt den
005 Parteijargon mieden, machte er sich verdächtig, galt er als Individualist und wurde schärfer beobachtet
006 als andere. …Es war gefährlich, anders zu sprechen. Vor allen Dingen: Es war nicht nur gefährlich,
007 anders zu sprechen, als es die Partei vorgab, wurde auch mit schlechten Noten belegt, in der Schule.
008 … Und das hat der Schüler, überhaupt der Bürger, ganz genau gemerkt, gewußt, und hat sich dann
009 darauf eingestellt, diesen Parteijargon, wenn er verlangt wurde, nachzuplappern.
(SB, W.H.)
Bsp. (3) stammt aus BW, in Z. 005-007 gibt Karin an, dass „jeder irgendwie Bedenken hatte, von der Stasi überwacht zu werden“ und dass bestimmte Dinge am Telefon aus diesem Grund nicht besprochen werden konnten.
(3) Doppelsprachigkeit 3
001 OL denkst du daß wir * durch * unser * ’nischendasein wie mans ja so schön bezeichnet hat (2.0)
002 ((unverständlich)) zu ddr zeiten (4.0) ’andere positionen (3.0) hinsichtlich des (3.0) lebensgefühls
003 * dessen was (3.0) wichtig is im leben dessen was ne rolle spielt im leben ((unverständlich))
004 KARIN hm also ich glaube nicht daß ehm zumindest (2.0) in in politisch intressierten kreisen es
005 möglich war generell von offenheit und soweiter zu reden also da hatte schon jeder ürgendwie *
006 bedenken vonner stasi überwacht zu werden und wenn es noch so nichtige dinge warn also kann
007 mich dran erinnern daß auch wir jesagt ham also das klärn wir jetzt mal nicht am telefon^
(BW--_E_00013_SE_01_T_01)
Bsp. (1-3) thematisieren die Doppelsprachigkeit aus verschiedenen Perspektiven. In (1) positioniert sich E.E. als Nichtkonformistin. Sie gibt an, ihren eigenen Sprachgebrauch nicht nach öffentlichen oder nicht nichtöffentlichen Situationen reguliert zu haben, da sie aufgrund ihrer Nichtzugehörigkeit zur Partei von vornherein keine Karrierechancen gehabt habe. In (2) und (3) geben W.H. und Karin dagegen an, die eigene Sprache je nach Kontext reguliert bzw. selbst zensiert zu haben, da sie ansonsten negative Konsequenzen befürchteten.
In Bsp. (4, 5, 6) zeigt sich die enge thematische Nähe zum Topos Meinungsfreiheit. In (4) berichtet E.P. davon, wie sie sowohl vor 1989 als auch nach 1989 in nicht-privaten Bereichen darauf achten musste, was sie sagte. Vor 1989 war es die Angst vor der Stasi, nach 1990 die Angst davor, die Anstellung zu verlieren (Z. 008-011). In Z. 012 sagt sie, dass „diese Doppelgesichtigkeit“ immer noch da sei und bezieht sich damit ausdrücklich auf die oben erwähnte Diglossie der DDR-Bürger:innen. Ähnlich das Bsp. 5, ebenfalls aus SB, in dem E.P. es noch etwas drastischer ausdrückt. In Z. 007-009 schränkt sie die neu erworbene Meinungsfreiheit mit dem Zusatz „theoretisch“ ein, gibt aber an, sich ihre Worte „genau zu überlegen“, denn es ginge ihre Existenz. (6) stammt aus BW. Jenny zeigt sich durchaus zufrieden mit ihrem neuen Leben nach dem Mauerfall und den damit neu erworbenen Freiheiten, auch wenn sie diese zunächst in Z. 001 durch das Adjektiv sogenannt relativiert. In Z. 002-006 erzählt sie von ihrer Freude über die Reisefreiheit16. In Z. 008-013 gibt sie dagegen ihrem Unmut zum Thema ‚Meinungsfreiheit‘ Ausdruck, die man vor 1989 nicht hatte. Aber nach 1989 habe man aus beruflichen Gründen wiederum mit seiner politischen Meinung „hinterm Berg halten“ müssen.
(4) Doppelsprachigkeit / Meinungsfreiheit 1
001 (…) auch immer versucht, … sagen wir mal, mich auch zu mäßigen, jetzt auch in Anführungstrichen,
002 was auch meine eigene Meinung vor Ihnen als Schülern betrifft. Es ist mir letztendlich nicht gelungen,
003 weil es nicht meinem Wesen entspricht, zu sagen: Das mußt du jetzt sagen, und das darfst du nicht. Ich
004 meine, manchmal, gerad’ auch in Deutsch, in Diskussionen, ist das ja ganz einfach so. Ja, und dann …
005 wie gesagt, auch noch einmal, als wir dann hier zusammengelegt wurden, EOS oben mit der POS, da
006 mußte ich mich dann auch noch einmal vor dem B. rechtfertigen in einer anderen Art und Weise, also,
007 das war schon … . Aber wir gucken uns heute genauso an. Wir haben gestern gerade wieder
008 festgestellt, wir müssen uns angucken, auch heute noch, mit wem man spricht. Weil, früher war viel
009 leicht, ich übertreibe jetzt mal, ein Stasi-Kollege’ im Kollegium, heute, durch diese Abhängigkeit vom
010 Job sind es so viele Zuträger bis hin zur Frau Direktorin, daß man dann völlig unerwartet eine
011 Äußerung, vielleicht noch umgedreht, wieder an den Kopf geschmissen bekommt, an die man sich gar
012 nicht mehr erinnert in dem Moment. Also, diese … Doppelgesichtigkeit ist immer noch da. […]
(SB, E.P.)
(5) Doppelsprachigkeit / Meinungsfreiheit 2
001 Also m Prinzip wie früher auch, wo man in einer zu großen Öffentlichkeit …?
002 Ja, ich meine, ich darf heute nicht alles sagen, und heute wird das - jedenfalls in meinen Augen –
003 wesentlich schwieriger für einen … kreativen Menschen als früher. Ich meine, früher, muß man sich
004 das ja auch vorstellen in der DDR, daß da diese Kluft besteht zwischen dem gesprochenen Wort und
005 dem eigenen Denken. Daß ja da manchmal schon eine Geste oder eine Augenbewegung ausreichte, um
006 sichtbar zu machen - jedem sichtbar zu machen, auch dem Dümmsten: Das muß ich jetzt sagen, aber
007 … nicht so tierisch ernst. Ich meine, unser ganzes Kabarett lebte ja eigentlich davon. Heute kann ich
008 zwar alles sagen - theoretisch - muß es mir aber immer genau überlegen, weil es dann nämlich um
009 meine eigene Existenz geht.
(SB, E.P.)
(6) Doppelsprachigkeit / Meinungsfreiheit 3
001 JENNY (2.0) ja dann vielleicht noch mal ein paar * wörter zu den oder worte zu den sogenannten
002 ’freiheiten * die wir ja nun * massenweise ham also was mich wirklich gefreut hat un immer noch freut
003 is daß wir eben jetz eh: * ja * hört sich doof an muß ick einfach so sagen reisen^ können * also ick #
004 finds unheimlich aufregend^ da mal in diese länder zu fahrn die man eben früher nich so besuchen
005 konnte * und genieße das auch und: * eigentlich sind meine ganzen nächsten ferien schon alle verplant
006 daß ich dann ebend ’dahin fahre und ’dahin fahre und ’dahin fahre^ * und das macht mir wirklich sehr
007 viel spaß * andere freiheiten sind nun * so * großartig nicht dazugekommen wenn ich jetz bloß mal an
008 die meinungsfreiheit denke * ich meine die hattn wa ja vorher nu nich^ * aba mir kann ooch keiner
009 azähln daß wa nu heute auch die grenzenlose meinungsfreiheit ham * ick habs * bis jetz * ebend schon
010 * äh: * sagn wa mal am eigenen leibe erfahrn was es heißt * äh: nich seine eigne meinung sagn zu
011 dürfen * is fängt dabei an daß man eben beruflich gezwungen ist * äh: mit seiner politischen meinung
012 hinterm berg zu halten^ * sollte sie jetz groß von vielleicht von der gesamtmeinung ab abgehn s geht
013 weita * daß man seinn protest zu bestimmten politischen ereignissen nicht ausdruck verleihen kann
(BW--_E_00018_SE_01_T_01)
Diese Beispiele (4-6) zeigen in verschiedenen Facetten die Skepsis der Sprecher:innen hinsichtlich der neu erworbenen Meinungsfreiheit. Diese wird durch sprachliche Zusätze wie theoretisch oder sogenannt relativiert und somit semantisch eingeschränkt. Bereits kurz nach der Wende wird die Skepsis der ‚Ostdeutschen‘ an der neuen demokratischen Ordnung in diesen Äußerungen sichtbar, die bis heute spürbar ist und im aktuellen Mediendiskurs immer wieder thematisiert wird.
3.3 Medien
Zum Umgang mit den Medien, speziell mit der Presse, seien nur zwei Belege angeführt. In Bsp. (7) aus SB beschreibt E.E. ihren Umgang mit der Presse der DDR. In Z. 001 sagt sie, dass sie Zeitungsartikel mit politischen Inhalten immer gelangweilt hätten, spezifiziert aber dann in Z. 004-005, dass man Parteitagstexte gründlich habe lesen müssen, weil man sonst Gefahr habe laufen können, etwas „zwischen den Zeilen“ Stehendes überlesen zu können17.
(7) Medien 1
001 Zeitungsartikel mit politischen Inhalten haben mich immer gelangweilt. Gelesen habe ich allenfalls die
002 Teile der Parteitagsberichte, die sich auf die Landwirtschaft, die Wissenschaft und die Kultur bezogen.
003 Die absolute Einförmigkeit der ZK-Sprache, die von den Medien unverändert weitergegeben wurde,
004 führte dazu, daß die Parteitagstexte kaum diagonal gelesen werden konnten, weil man Gefahr lief,
005 etwaige Veränderungen, Abweichungen vom bisherigen, zwischen den Zeilen Stehendes zu überlesen.
(SB, E.E.)
In Bsp. (8) aus BW übt Micha zunächst Kritik an aktuellen Presseerzeugnissen, die „bestimme Bevölkerungsschichten auf Niveau“ halten sollen (Z. 006-009). In Z. 012 antwortet er auf Nachfrage, dass es früher nur eine Zeitung gegeben habe (womit er sich auf das faktische Monopol des ND18 in der DDR beruft), dann aber in Z. 013-015 ausführt, dass Personen, die wussten, wie und wo man sich Informationen habe besorgen können, sich die verbotene sowjetische Zeitschrift Sputnik organisiert hätten. Aus heutiger Sicht mag es absurd erscheinen, aber mit Beginn von Perestroika und Glasnost‘ wurden in der DDR tatsächlich auch sowjetische Druckerzeugnisse in ihrer Verbreitung limitiert.
(8) Medien 2
001 FK (4.0)? und inwiefern meinen sie das wird heute gesteuert?
002 MICHA na dis is ja ooch ne fr ’sache der * beziehungen * war früher schon
003 FK nee ich meine jetzt das die leute in soner art passivität gehalten werden
004 MICHA na medienmäßich absolut
005 FK hm
006 MICHA würd ick doch sagen * auf ner gewissen andern art (6.5) ja^ * das fängt bei den
007 MICHA zeitungen an ja^(2.5) da werden bestümmte bevölkerungsgeschichten werden aufm niveau
008 MICHA ’jehalten * und die lesen die lesen auch ihre ihre ihre ’blätter also weeß ick so superillu hier
009 MICHA und und und und und(2.1) (1.0) na hier * bild * bild und frau und weeß ick ach weiß ick was
010 MICHA bildzeitung und was weiß ick was diee große schlachzeilen * boulevardblätter und so weiter
011 FK ? ja und früher * wenn man zeitungen so vergleicht?
012 MICHA da gabs nur eene zeitung ((lacht)) (2.0) bloß wer ebend weiter sich wissen * be äh
013 MICHA beschaffen wollte * sone typen wie sie und wie ich (1.1) der hat sich ebend * weil die russen
014 MICHA ebend schneller waren als wir (0.9) durch gorbatschow und so weiter hat man sich ebend den
015 MICHA (0.2) verbotenen sputnik * organisiert oder die neue zeit * ick weeß nich ob se die kennen
016 FK nur vom hören
(BW--_E_00003_SE_01_T_01)
3.4 Anders sprechen / Dialekte
Dieser letzte Abschnitt sei dem ‚Anders sprechen‘ gewidmet. Tatsächlich geht es hier häufig um Sprecher:inneneinstellungen zu Dialekten, die immer eine implizite Fremd- und Selbstpositionierung beinhalten. In (9) aus SB lässt sich das gut nachlesen. E.E. beschreibt positive und negative Konnotationen von Dialekten, die aber eigentlich Ablehnung oder Zugehörigkeit zur ost- bzw. westdeutschen Sprecher:innengruppe ausdrücken. Das in Z. 005-007 angeführte Phänomen wurde in der Fachliteratur als asymmetrischer Gebrauch von Geosynonymen beschrieben (vgl. u.a. in Katelhön 2006: 40), das den innerdeutschen Migrationsbewegungen in den 90er Jahren geschuldet war.
(9) Anders sprechen / Dialekte 1
001 Die Erfahrungen der letzten Jahre haben bei mir deutliche Verschiebungen auf der Beliebtheitsskala
002 der deutschen Dialekte bewirkt. Die einst gern gehörten süddeutschen Dialekte (bayrischer, schwäbi-
003 scher Dialekt) bringen geradezu eine Alarmglocke zum Klingen. Das in diesen Dialekten Gesagte wird
004 garantiert einer sehr kritischen Prüfung unterzogen. Dagegen stellt sich beim Klang des Sächsischen
005 oder Thüringischen eine Art Zugehörigkeitsgefühl ein, das mir bislang unbekannt war. Als anmaßend
006 empfinde ich es, wenn ein bayrischer Unternehmer in seinem Leipziger Betrieb anstelle der
007 „Frühstückspause“ die „Brotzeit“ ansetzt. Westliche Dialekte sind bei mir zur Zeit eindeutig negativ
008 konnotiert, wobei es natürlich im einzelnen zu differenzieren gilt.
(SB, E.E.)
Das letzte Beispiel aus BW verweist dagegen auf eine spezifische Besonderheit dieses Korpus. Auf die Frage, ob sich der Sprachgebrauch zwischen Ost und West unterscheide, wird in BW immer auf den Berliner Dialekt verwiesen, der in Ostberlin tatsächlich ein hohes Prestige aufgrund der Hauptstadtlage hatte, hingegen in Westberlin eher negativ konnotiert war, in Z. 004 antwortet der Westberliner Piet auf die Frage nach sprachlichen Unterschieden, dass Ostberliner mehr Mut zum Dialekt hätten. In BW ist der Berliner Dialekt tatsächlich einer der am häufigsten genannten Unterschiede zwischen Ost- und Westberliner Sprachgebrauch.
(10) Anders sprechen / Dialekte 2
001 JD hmhm, und so rein eh (2.0) gesprächsmäßig; diskursstrategisch sag ich mal; fällt ihnen da was
002 auf an unterschieden zwischen ost und west? wie die sich dárstellen. im * reden oder NICHT
003 darstellen.
004 PIET (3.0) ich also sie haben;/ was mir áuffällt is sie haben * sie haben mehr mut zum dialekt.
005 JD mehr mut? zum dialekt.
(BW--_E_00043_SE_01_T_01)
4. Zusammenfassung und Ausblick
Wie unter 1. und 2. angeführt, gibt es zahlreiche Literatur zum deutsch-deutschen Sprachwandel und zu den Diskursen des Umbruches infolge der Wende und der Einheit. Aktuelle Analysen zu medialen Diskursen (vgl. Kollmorgen 2011, 2022) zeigen jedoch eine kontinuierliche Abnahme des Interesses sowie eine zunehmende Platzierung des Themas in den Bereichen Feuilleton und Unterhaltung (tendenzielle Entpolitisierung), die einerseits die Exotisierung der Ostdeutschen, d.h. die Thematisierung ihrer vermeintlichen Besonderheiten, Abweichungen und Anomalien gegenüber Westdeutschland betonen, anderseits auf die Skandalisierung, d.h. der öffentlichen Erregung, Lächerlichkeit, und jüngst auch auf eine distanzierenden Belehrung abzielen. Für jüngere Generationen im In-und Ausland gehört die deutsche Wiedervereinigung zudem zur Geschichte, und v.a. für junge DaF-Lerner:innen ist es kein Thema, das in ihrer aktuellen Wirklichkeit unmittelbar als interessant erscheinen könnte. Die deutsche Kultur stellt sich für sie als sehr homogen dar. Der Zugang über Sprachbiografien ermöglicht hier differenzierte Sichtweisen auf verschiedene individuelle Erinnerungskulturen, die sich in ihrer Gesamtheit zu einem gesellschaftlichen Diskurs verdichten, der die Umbruchserfahrungen lebendig werden lässt. Das Vehikel der Sprache, die intensive Auseinandersetzungen mit dem Sprachgebrauch vor und nach 1989 in den hier vorgestellten Sprachbiografien ermöglicht es, soziale und kulturelle Inhalte in den DaF-Unterricht zu transportieren. Die Authentizität der Diskurse lässt Geschichte lebendig werden und kann zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema beitragen. Über Sprache und Sprachgebrauch im Unterricht zu reden, erscheint zudem als nicht gefährlich und bedroht nicht unmittelbar die eigene kulturelle Identität. Das Thema der Sprache weckt bei Lernenden erfahrungsgemäß sehr schnell Interesse, und über bzw. mit der Sprache gelingt dann auch eine sehr aktive Auseinandersetzung mit den (inter-)kulturellen und erinnerungsdiskursiven Inhalten.
Der hier vorgestellte, diskurslinguistisch geprägte Ansatz einer Analyse von Sprachbiografien will zudem zur Integration individueller Erinnerungsräume zum kollektiven Gedächtnis und zu einer objektiven Versachlichung des Themas beitragen. Die hier analysierten Beispiele aus SB und BW zeigen, dass die Themen Sprache und Sprachgebrauch ein Schlüsselthema im gesellschaftlichen Umbruchsdiskurs zur Wende darstellen. Bereits in diesen frühen Nachwendediskursen manifestieren sich Argumentationslinien, die bis heute nachwirken. Anhand der Ausschnitte u.a. zu den Themen ‚Doppelsprachigkeit‘ und ‚Meinungsfreiheit‘ konnte gezeigt werden, dass Sprecher:innen aus der DDR sich in Diskursen über den eigenen Sprachgebrauch vor 1989 klar selbst als Konformist:innen oder Nichtkonformist:innen positionieren und in ihrer individuellen Darstellung der historischen Ereignisse bereits in den ersten Jahren nach der Wende diskurslinguistisch die drei Arten des gesellschaftlichen Gedächtnisses konstruieren, wie sie von Sabrow (2009a, vgl. oben) beschrieben wurden.
Sprachbiografien werden hier auch als Quelle für den privaten Sprachgebrauch von DDR-Bürger:innen verstanden, dessen wissenschaftliche Beschreibung bis heute aufgrund der fehlenden Primärdaten eine Lücke in den Beschreibungen zur DDR-Sprache darstellt. Unter 2.3 wurde gezeigt, dass Sprachbiografien unterschiedlichster Natur sein können. Tatsächlich liegen mit Werken der Protokollliteratur der DDR (vgl. Wander 1977; Lambrecht 1986; Königsdorf 1990), mit Interviews, die von Soziolog:innen (vgl. Hoppe et al. 1997, 1998a, 1998b, 1998c) und Historiker:innen (vgl. Zoll 1999; Arp / Leo 2009; Arp / Goudin-Steinmann 2022) als Beitrag zur Oral History erhoben wurden, mit literarisch-journalistischer Erinnerungsliteratur (vgl. Bitterhof 2014) und mit Autobiografien von ostdeutschen Politiker:innen (zuletzt Merkel / Baumann 2024) noch nicht geborgene sprachwissenschaftliche Datenschätze vor. Wünschenswert wäre in naher Zukunft eine Annotierung und Digitalisierung dieser Daten, um den privaten Sprachgebrauch korpus- und diskurslinguistisch fundiert aufarbeiten zu können, die technischen Neuerungen der letzten Jahre im Bereich der automatischen Texterkennung könnten diesen Prozess beschleunigen. Ein letztes Desideratum betrifft eine interdisziplinäre Vernetzung der Forscher:innen und Forschungsthemen in diesem Bereich, die sicherlich sehr fruchtbar sein kann.
Notes
- Ausführlich dazu u.a. Bauer (1993) und Katelhön (2014). [^]
- Die sprachwissenschaftlichen Begriffe Sprachwandel und Sprachgebrauchswandel im Zusammenhang zur Sprache in und nach der DDR unterlagen, nicht zuletzt aufgrund politischer Einflüsse, einer terminologischen Neukonnotation. Wenn direkt nach der Wende noch von Sprachwandel die Rede war (u.a. Hellmann 1990), wurde in späteren Untersuchungen überwiegend der Begriff Sprachgebrauchswandel verwendet, so in Fix (1997), Kühn (2002). [^]
- Zur Vernichtung sprachlicher Zeugnisse siehe u.a. Weskott (2007: 253): „Im Mai 1991 wurden im Raum Borna Plottendorf, etwa 40 km südlich von Leipzig, Bücher geschreddert. Druckfrische Exemplare aus den Verlagen wanderten direkt zum Altstoff: Bände von Goethe und Schiller lagen neben den Büchern von Heym, Wolf und Janka. Das Gedächtnis der Wende schien kurz zu sein“. [^]
- Zur markanten Diglossie zwischen privatem und öffentlichem Sprachgebrauch in der DDR siehe u.a. Geier (2004: 11): „Immer wieder liest man in der Literatur zur DDR-Sprache von der Sprache der DDR. Diese Bezeichnung ist falsch, sie verallgemeinert unzulässig. Es gab sie nicht, die DDR-Sprache. Es gab immer eine öffentliche und eine private Sprache in der DDR, und jeder DDR-Bürger beherrschte beide, er war des Code-Switching mächtig“. [^]
- Vor allem private und halböffentliche Diskurse aus der DDR wurden in der linguistischen Forschung aus verschiedenen Gründen vernachlässigt. Siehe Fix (2011: 27): „Ein Feld, das – zu Recht beklagt – fast völlig brachliegt, ist der informelle, familiäre Diskurs, das Sprechen im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis. Dass die Untersuchung hier vor einer äußerst schwierigen Situation steht, liegt auf der Hand. Dieses Sprechen ist so gut wie nicht dokumentiert“. [^]
- Sprachlosigkeit ist ein wichtiger Topos im Wendediskurs, vgl. dazu u.a. Heck (2001), Antos (2003). [^]
- Vgl. auch Bredel (2000: 182), die Umbruch definiert: „Eine Abweichung soll als Umbruch gelten, wenn sie eine Veränderung der sozialen Lebenswelt bedingt, die durch die folgenden vier Merkmale gekennzeichnet ist: plötzlich eintretend, nicht antizipiert/nicht antizipierbar, nicht intentional herbeigeführt und irreversibel“. Diese Merkmale erlauben es, Umbruchssituationen in ihrer Relevanz für Personen zu differenzieren und zu gewichten. Zu einer diskurslinguistischen Analyse von Emotionen in Umbruchsdiskursen vgl. auch Flinz / Katelhön (2022). [^]
- In König (2017) wird speziell auf die Interaktion zwischen Interviewende/r und Interviewter/n eingegangen; in König (2014: 66-100) werden alle Struktur- und Inhaltselemente von narrativen Interviews erfasst und ausführlich beschrieben. [^]
- Zum Generationengedächtnis in der DDR schreibt Martens (2020: o.S.): „Es fällt auf, dass historische Ereignisse in den Erzählungen fehlen. Dies ist vor allem bei den Großeltern zu beobachten und bezieht sich beispielsweise auf die Kollektivierung der Landwirtschaft, den Stalinismus, den Prager Frühling oder den Zusammenbruch des sozialistischen Staatensystems. Stattdessen ist der Schwerpunkt der Alltag. Das wird aber seitens der Kinder kritisiert, dass nämlich außerhalb des Alltäglichen die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der DDR nicht greifbar seien“. [^]
- Ahbe hat verschiedene Untersuchungen zu medialen Diskursen über die DDR vorgelegt, u.a. Ahbe (2008), in denen er mit Mitteln der Diskurslinguistik analysiert, wie Ostdeutsche in der Presse dargestellt werden. [^]
- Siehe auch Goudin-Steinmann / Hähnel-Mesnard (2013: 14): „Gerade in diesem Zusammenhang ist es relevant, Forschungen zur Konstitution ostdeutscher Erinnerungsdiskurse mit Überlegungen zur Narrativität zu verbinden. Insgesamt stellt sich die Frage, inwiefern diese Erzählungen eine kritische Distanz zum öffentlichen Diskurs über den Stand der deutschen Einheit erzeugen […].“ [^]
- Im Folgenden mit SB gekennzeichnet. Für eine bessere Orientierung habe ich eine Zeilennummerierung in den Beispielen vorgenommen, die im Originaltext nicht erscheint. [^]
- Im Folgenden mit BW gekennzeichnet. Für die Transkriptionskonventionen verweise ich auf Dittmar / Bredel (1999) und Dittmar / Paul (2019) sowie auf die Datenbank für Gesprochenes Deutsch des Leibniz-Institutes für Deutsche Sprache Mannheim, unter der das BW öffentlich zugänglich ist. [^]
- Ich spreche hier bewusst nicht von Korpora, da die Sprachbiografien von Fix / Barth (2000) nicht digitalisiert vorliegen. Nach der Definition von Lemnitzer / Zinsmeister (2015: 39) kann man hier aus mehreren Gründen nicht von einem Korpus sprechen: Die Sammlung der Interviews liegt nicht in digitalisierter und linguistisch annotierter Form, versehen mit Metadaten, vor. [^]
- Vgl. Lemnitzer / Zinsmeister (20153: 22): „Im Rahmen empiristisch orientierter sprachwissenschaftlicher Forschung ist das Korpus die primäre Quelle der Erkenntnis. Aus Beobachtungen an authentischen Sprachdaten werden Gesetzesaussagen abgeleitet, die durch weitere Beobachtungen bestätigt, modifiziert oder verworfen werden. Wir werden dies korpusbasierte Linguistik nennen, da das Korpus als die Basis der Erkenntnis, also auch der Bildung von Theorien und Hypothesen, herangezogen wird“. [^]
- Reisefreiheit war eines der wichtigsten Schlagwörter der ‚friedlichen Revolution‘, u.a. wurde es 1989 von der Gesellschaft für Deutsche Sprache auf Platz 1 zum Wort des Jahres gekürt. Ausführlich dazu in Katelhön (2006: 40-44). [^]
- Zur Pressesprache in der DDR auch Fix (2013). Die Fähigkeit der DDR-Bürger:innen, auch die Informationen zwischen den Zeilen erfassen zu können, findet ein bekanntes literarisches Beispiel in Die Legende vom Glück ohne Ende, in dem Paul Paula beibringt, die Zeitung richtig zu lesen. Wenn beispielweise vermehrt Rezepte für Reisgerichte veröffentlicht würden, könne es bedeuten, dass Kartoffeln knapp würden (vgl. Plenzdorf 1979: 42-43). [^]
- Neues Deutschland: bis 1990 offizielles Parteiorgan der SED. [^]
Literatur und Ressourcen
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Biographische Notiz
Peggy Katelhön ist Professorin für Germanistische Sprachwissenschaft und Didaktik Deutsch als Fremdsprache an der Universität Mailand (Italien). Fremdsprachenstudium an den Universitäten Halle-Wittenberg, Odessa (Ukraine), Bergamo (Italien); Promotion an der Universität Potsdam, nationale Habilitation für Germanistische Sprachwissenschaft. Lehrtätigkeit an den Universitäten Bergamo, Brno, Bukarest, Düsseldorf, Heidelberg, Osnabrück, Paris-Sorbonne, Potsdam, Turin, Verona. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Kontrastive Linguistik, Konstruktionsgrammatik, Variationslinguistik und Didaktik Deutsch als Fremdsprache.
Kontaktanschrift:
Peggy Katelhön
Università degli Studi di Milano
Dipartimento di Lingue, Letterature, Culture e Mediazioni
Piazza S. Alessandro, 1
I – 20123 Milano