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Artikel zum Themenschwerpunkt: Grammatik im Fokus: Theorie – Empirie – Vermittlung, hrsg. von Anna Volodina und Lutz Gunkel

Korrelatverbindungen bei Präpositionalobjektsätzen. Eine kritische Bestandsaufnahme

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  • Korrelatverbindungen bei Präpositionalobjektsätzen. Eine kritische Bestandsaufnahme

    Artikel zum Themenschwerpunkt: Grammatik im Fokus: Theorie – Empirie – Vermittlung, hrsg. von Anna Volodina und Lutz Gunkel

    Korrelatverbindungen bei Präpositionalobjektsätzen. Eine kritische Bestandsaufnahme

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Abstract

Präpositionalobjektsätze treten (teils optional) mit einem Präpositionaladverb als Korrelat auf. Jede syntaktische Analyse muss klären, unter welchen Bedingungen beide Elemente eine Konstituente bilden. In der Literatur gibt es dazu Analysen unterschiedlicher Art, die in dem Beitrag in einer Art ‚Typologie‘ geordnet und kritisch überprüft werden. Dabei zeigt sich, dass Kombinationen von Korrelaten und Präpositionalobjektsätzen im Nachfeld bislang kaum in den Blick genommen wurden. Die eigene Einschätzung der Daten im Nachfeld führt zu dem Vorschlag, zukünftig die informations- und diskursstrukturellen Bedingungen zu fokussieren, die die Konstituentenbildung von Korrelat und Präpositionalobjektsatz als Konstituente im Vor-, Mittel- und Nachfeld lizenzieren.

Prepositional object clauses occur, in some cases optionally, with a pronominal prepositional adverb serving as a correlate. Any syntactic analysis must account for the conditions under which these two elements form a single constituent. The literature offers a range of different analyses, which are systematically classified into a typology and critically evaluated in this paper. This review shows that combinations of correlates and prepositional object clauses in the postfield have received little attention to date. The present assessment of postfield data leads to the proposal that future research should focus on the information-structural and discourse-structural conditions licensing the formation of a constituent consisting of a correlate and a prepositional object clause in the prefield, midfield, and postfield.

Keywords: Präpositionalobjektsatz, Korrelat, Selektion, Konstituentenbildung, Köpfigkeit, prepositional object clause, correlate, selection, constituency, headedness

How to Cite:

Gunkel, L., (2026) “Korrelatverbindungen bei Präpositionalobjektsätzen. Eine kritische Bestandsaufnahme”, Korpora Deutsch als Fremdsprache 6(1), 46–66. doi: https://doi.org/10.48694/kordaf.6171

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2026-08-10

Peer Reviewed

1. Einleitung1

Gegenstand der folgenden Überlegungen ist die Syntax von Präpositionalobjektsätzen im Deutschen, die zusammen mit einem Präpositionaladverb in der Funktion eines Korrelats auftreten. Dazu gehören typischerweise Satzstrukturen wie in (1)-(4).

    1. (1)
    1. Perzels haben sich inzwischen damit abgefunden, dass ihr Haus nie wieder völlig hergestellt werden wird. (ZDB 13: DWDS BZ 2005)
    1. (2)
    1. Er beharrt auch darauf, schuldfähig zu sein. (ZDB 1728: IDS sgt 2012)
    1. (3)
    1. DGB-Chef Dieter Schulte zweifelte daran, ob ein Konsens mit der Bundesregierung über das Sparpaket noch möglich sei. (ZDB 10540: DWDS BZ 1996)
    1. (4)
    1. Sie seien dazu verhört worden, wer die Tat angeordnet habe, sagte Aussenminister Zebari am Mittwoch. (ZDB 25450: IDS nzz 2007)

In den Beispielen (1)-(4) korreliert das Präpositionaladverb jeweils mit einer sententialen Konstituente, die traditionell Präpositionalobjektsatz genannt wird, die wir aber im Folgenden schlicht als Korrelatsatz bezeichnen. Ein Korrelatsatz zu einem Präpositionaladverb kann ein dass-Satz (1), ein erweiterter Infinitiv (2), ein ob-Satz (3) oder ein w-Satz (4) sein2. Dass zwischen Korrelat und Korrelatsatz eine besondere Verbindung besteht, zeigt sich z.B. daran, dass die Korrelatsätze in (1)-(4) mit einem Ausdruck erfragt werden müssen, der genau die in dem jeweiligen Präpositionaladverb ‚inkorporierte‘ Präposition (mit, auf, an, zu) enthält, vgl. (5)-(8).

    1. (5)
    1. Womit haben sich Perzels inzwischen abgefunden?
    1. (6)
    1. Worauf beharrt er auch?
    1. (7)
    1. Woran zweifelte DGB-Chef Dieter Schulte?
    1. (8)
    1. Wozu seien sie verhört worden?

Unsere Untersuchung beschränken wir auf einen bestimmten Aspekt der Syntax von Korrelatverbindungen, nämlich die Frage, welche syntaktische Beziehung zwischen Korrelat und Korrelatsatz besteht. In der Literatur gibt es zu dieser Frage eine Vielzahl an Analysevorschlägen, von denen sich bislang keiner durchsetzen konnte, und die auf den ersten Blick heterogen wirken3. Zu diesem Zweck werden wir die uns repräsentativ erscheinenden Vorschläge in einer Art ‚Typologie‘ ordnen, um anschließend die einzelnen typisierten Analysen zu diskutieren. Der Sinn dieser Vorgehensweise besteht darin, quer zu den jeweiligen Typen Uniformitäten in der Analyse und diesbezügliche rekurrente Probleme herauszuarbeiten. Vor diesem Hintergrund zeigen sich die Probleme, die die syntaktische Analyse von Korrelatverbindungen aufwirft, in profilierter Weise.

Damit ist nur ein Teilbereich der Fragen angesprochen, die Korrelatverbindungen mit Präpositionaladverbien aufwerfen. Sie betreffen neben der von uns in den Blick genommenen Frage vor allem die Bereiche Serialisierung, Akzentsetzung und die (optionale) Abwesenheit von Korrelaten. In Abschnitt 2 werden wir zeigen, inwiefern diese Bereiche für die Analyse von Korrelatverbindungen relevant sind. Das Phänomen der optionalen Abwesenheit von Korrelaten betrifft Sätze wie (10), vgl. (9)-(11).

    1. (9)
    1. Ich ärgere mich darüber, dass du nicht angerufen hast.
    1. (10)
    1. Ich ärgere mich, dass du nicht angerufen hast.
    1. (11)
    1. Worüber ärgerst du dich?

Da (10) ebenso wie (9) eine mögliche Antwort auf (11) ist, lässt sich annehmen, dass in (10) das Korrelat darüber weggelassen ist. Eine Einbeziehung von Satzstrukturen wie (10) werden wir aber in der Diskussion der Analysen ausklammern. Da uns der Beziehungstyp zwischen Korrelat und Korrelatsatz interessiert, halten wir es methodisch für vertretbar, im Rahmen dieses Beitrags ausschließlich die phonologisch overten Korrelate in den Blick zu nehmen.

Unberücksichtigt lassen wir auch Korrelatverbindungen bei Subjekt- und Akkusativobjektsätzen, die mit den Pronomina es (und das) gebildet werden, vgl. (12)-(13) und die in Fn. 3 zitierte Literatur.

    1. (12)
    1. weil es nicht stimmt, dass sie aussagt
    1. (13)
    1. weil sie es hasst, auszusagen

Der Aufsatz gliedert sich im Weiteren wie folgt. In Abschnitt 2 werden einige Begriffe eingeführt und ausgewählte Phänomene beschrieben, die für die Diskussion in Abschnitt 3 gebraucht werden. Dort wird eine Art Typologie von Analysevorschlägen vorgestellt, die im Einzelnen diskutiert werden. Abschnitt 4 enthält ein knappes Résumé und widmet sich der Frage, inwiefern es sich bei den in Abschnitt 3 diskutierten Korrelatverbindungen um ein einheitliches Phänomen handelt.

2. Der Phänomenbereich

Präpositionaladverbien, die als Korrelate fungieren, setzen sich aus dem Pronomen da und einer Präposition zusammen. In früheren Sprachstufen endete da auf /R/ (ebenso wie synchron hier), dieses ist bei den Präpositionaladverbien vor vokalisch anlautender Präposition erhalten geblieben (vgl. daran vs. dabei). Weil die Entsprechungen von da, hier, wo im Englischen und Niederländischen auf /R/ enden (Englisch: there, here, where; Niederländisch daar, hier, waar), werden diese Wörter im Anschluss an van Riemsdijk (1978: 45) – im Deutschen wie in den westgermanischen Nachbarsprachen – in der Literatur oft R-Pronomina genannt. Wir sprechen dagegen direkt von da( r)-Pronomina, wenn wir uns auf den entsprechenden Teil des Präpositionaladverbs beziehen.

Unter den Pronominaladverbien, die mit da( r)- gebildet sind, kommt nur eine Teilmenge als Korrelate in Frage. Das sind die Ausdrücke in (14), für die sich alle in der ZAS-Datenbank (ZDB) Belege finden lassen (vgl. Schwabe / McFadden 2023: 243).

    1. (14)
    1. daran, darauf, daraus, dabei, dadurch, dafür, dagegen, dahinter, darin, damit, danach, darüber, darum, darunter, davon, davor, dazu, dazwischen

Der Wortakzent liegt auf der Präposition, vgl. da'ran 4, die daher die unmarkierte Akzentstelle im Satz ist, es sei denn, das Korrelat wird prosodisch hervorgehoben. Dann ist das da( r)-Pronomen akzentuiert (vgl. DAmit, dass es regnet, hat niemand gerechnet.). Darauf werden wir weiter unten eingehen. Wann immer wir im Folgenden davon sprechen, dass das Korrelat einen Satzakzent trägt, meinen wir die Akzentuierung des da( r)-Pronomens5.

Die variable Akzentplatzierung ist ein Indiz für den Charakter der Präpositionaladverbien als komplexe Phrasen – Satzakzente fallen sonst immer auf die Wortakzentsilbe (außer bei metasprachlichen Korrekturen). Für eine Kategorisierung der Präpositionaladverbien als Präpositionalphrasen (PPs)6 sprechen aber vor allem distributionelle Gründe, schließlich können sie die relevante Valenzstelle von Verben mit präpositionaler Rektion füllen (vgl. (15), Ágel 2017: 528, Fn. 125) 7. Ein weiteres Indiz ist die Möglichkeit des sog. preposition stranding, bei dem der adverbiale Teil am Satzanfang – meist im Vorfeld – und der präpositionale Teil im Mittelfeld verbleibt, vgl. (16)8. Ist die Präposition vokalisch anlautend, wird der Silbenanfangsrand durch /d/ konsonantisch erweitert, vgl. (17)9. Solche Fälle sind weitgehend auf den konzeptuell mündlichen Bereich beschränkt.

    1. (15)
    1. Daran / Am Preis hat es nicht gelegen.
    1. (16)
    1. Da hat sie nicht mit gerechnet.
    1. (17)
    1. Da hat sie nicht dran gedacht.

Andererseits bilden beide Teile ein phonologisches Wort, wie die Syllabierung zeigt. Bei vokalisch anlautenden Präpositionen gehört das /R/ des da( r)-Pronomens zur zweiten Silbe, vgl. da.ran. Wir halten fest, dass Präpositionaladverbien janusköpfige Ausdrücke sind: Prosodisch verhalten sie sich teils wie Phrasen, teils wie Wörter, syntaktisch wie Phrasen, als lexikalische Einheiten wie Wörter (vgl. dazu auch Ágel 2017: ebd.).

Eine zweite Beschränkung für Korrelatverbindungen besteht darin, dass sie durch den Matrixsatz, in dem sie auftreten, begrenzt sind; sie können also keine Satzgrenzen überschreiten. Dass sie phorischen Charakter haben, ist dadurch nicht ausgeschlossen, nur handelte es sich in diesem Fall um eine spezielle, grammatikalisierte phorische Beziehung. Diese Beschränkung ist zentral, weil unter Rekurs auf Korrelatverbindungen erklärt werden soll, auf welche Weise Verben mit präpositionaler Rektion – im Folgenden PO-Verben genannt – ihre PP-Valenzstelle füllen, wenn die potentielle valenzstellenfüllende Konstituente sentential ist. Weil diese Frage durch unterschiedliche Analysen zu beantworten versucht wurde, haben wir bislang von dem sonst üblichen Begriff des Präpositionalobjektsatzes kaum Gebrauch gemacht. Mit Präpositionalobjektsätzen sind immer Korrelatsätze gemeint, die mit Präpositionaladverbien eine Korrelatverbindung bilden. Der Begriff des Präpositionalobjektsatzes präsupponiert aber, dass Präpositionalobjektsätze Objekte sind und qua Objektstatus die Valenzstelle des PO-Verbs füllen. Diese Sichtweise findet sich zwar oft, aber bei weitem nicht durchgehend. So wird der Korrelatsatz – in einigen oder allen Strukturtypen von Korrelatverbindungen – vielfach als Attribut zum Präpositionaladverb analysiert. Wir werden diese Ansätze weiter unten besprechen. Wenn der Korrelatsatz aber Attribut ist, kann er kein Objekt und damit auch kein Präpositionalobjekt sein. Um es zuzuspitzen: Wären alle Korrelatsätze Attribute zu einem korrelierten Präpositionaladverb, gäbe es überhaupt keine sententialen Präpositionalobjekte. Da es in diesem Beitrag gerade um die Frage geht, wie die Beziehung(en) zwischen PO-Verb, Korrelat und Korrelatsatz zu analysieren sind, werden wir weiterhin bei einer neutralen Formulierung bleiben.

Um den Untersuchungsbereich zu strukturieren, gehen wir von den beiden Strukturtypen in (18)/(19) und (20)/(21) aus und sprechen im Anschluss an die IDS-Grammatik (1997: 1477) in Bezug auf Fälle wie in (18)/(19) von Kontaktstellung, und auf solche wie in (20)/(21) von Distanzstellung. Beide Begriffe sind deskriptiv zu verstehen; sie sollen dazu dienen, die beiden Strukturtypen unter Rekurs auf ein Minimum an theoretischen Begriffen zu unterscheiden, um Spielraum für die jeweilige syntaktische Analyse zu geben, indem bestimmte Analysen nicht bereits durch begriffliche Präsuppositionen ausgeschlossen werden. Die Analysen betreffen zum einen die syntaktisch-semantische Relation zwischen Korrelat und Korrelatsatz und zum anderen die Frage, ob beide Ausdrücke eine Konstituente bilden. Dabei betrifft die Frage der Konstituentenbildung vor allem Strukturen mit Kontaktstellung; nachgeordnet auch die bei Distanzstellung unter der Voraussetzung, dass beide Strukturtypen analog analysiert werden.

    1. (18)
    1. DArüber, dass du mir einen Kaktus geschenkt hast, habe ich mich gefreut.
    1. (19)
    1. Ich habe mich DArüber, dass du mir einen Kaktus geschenkt hast, gefreut.
    1. (20)
    1. Ich habe mich DArüber gefreut, dass du mir einen Kaktus geschenkt hast.
    1. (21)
    1. Ich habe mich darüber geFREUT, dass du mir einen Kaktus geschenkt hast.

Kontakt- oder Distanzstellung ist jeweils an eine bestimmte Verteilung auf topologische Felder geknüpft. Kontaktstellung setzt voraus, dass sich beide Konstituenten im gleichen Feld befinden (ebd.). Das ist in (18) – Stellung im Vorfeld – und in (19) – Stellung im Mittelfeld – gegeben. Dagegen steht bei Distanzstellung wie in (20)-(21) das Korrelat im Mittelfeld und der Korrelatsatz im Nachfeld. Für Kontaktstellung im Vor- und Mittelfeld gilt zudem die Beschränkung, dass das Korrelat einen Satzakzent tragen muss (vgl. u.a. IDS-Grammatik 1997: 1482). (Satzakzente sind durch Majuskeln gekennzeichnet.) Wie der Kontrast zwischen (20) und (21) zeigt, ist ein Satzakzent auf dem da( r)-Pronomen zwar möglich (20), aber nicht obligatorisch (21). Um ein vollständigeres Bild über die Strukturtypen zu erhalten, die unter den Begriff der Kontaktstellung fallen, betrachten wir noch die Daten in (22)-(23).

    1. (22)
    1. Ich FREUe mich darüber, dass du mir einen Kaktus schenkst.
    1. (23)
    1. Ich freue mich DArüber, dass du mir einen Kaktus schenkst.

In (22) und (23) ist die rechte Verbklammer unbesetzt. Dass in (22) keine Kontaktstellung vorliegt, zeigt sich zum einen daran, dass das Korrelat in diesem Fall einen Satzakzent tragen müsste (vgl. (19)). Zum anderen können Korrelate, wie wir oben mit Blick auf Beispiel (10) festgestellt haben, bei bestimmten Verben weggelassen werden, ohne dass sich die Satzbedeutung ändert, vgl. (24). Diese lexemspezifische Optionalität ist bei sich freuen mit Korrelat darüber gegeben. Bei Kontaktstellung ist das Auftreten eines Korrelats dagegen unabhängig vom Verblexem obligatorisch ((25), vgl. Fries 1985: 166; Büring 1995: 372; Müller 1995: 232; Axel-Tober 2012: 55; Schwabe 2013: 154; Sternefeld 2015: 359).

    1. (24)
    1. Ich FREUe mich, dass du mir einen Kaktus schenkst.
    1. (25)
    1. *Ich habe mich, dass du mir einen Kaktus geschenkt hast, geFREUT.

Kontaktstellung kann darüber hinaus auch im Nachfeld auftreten (vgl. Sternefeld 2015: 358). Ein lebensnahes Beispiel ist (26) mit Korrelat dafür und indirektem w-Fragesatz.

    1. (26)
    1. Ich wurde geachtet dafür, wie viel ich saufen konnte! Ich wurde geachtet dafür, wie viel ich kotzen konnte! (ZDB 27289: IDS scz 2018)

Anders als bei Kontaktstellung im Vor- und Mittelfeld muss das Korrelat hier keinen Satzakzent tragen, vgl. (27). Akzentuierung des Korrelats ist aber möglich, vgl. (28)10.

    1. (27)
    1. [Früher war ich in einer Clique, in der Männlichkeit und soziale Anerkennung fast ausschließlich darüber liefen, wer am meisten trinken konnte. Wer nach zehn Bier noch stand, galt als stark; wer sich übergab und danach weitermachte, wurde nicht etwa bemitleidet oder kritisiert, sondern bewundert. Im Rückblick wirkt das absurd, aber damals war das wirklich ein Statussymbol.]
    2. Ich wurde geACHtet dafür, wie viel ich saufen konnte! Ich wurde geACHtet dafür, wie viel ich kotzen konnte!
    1. (28)
    1. [Damals in der Verbindung war Anerkennung völlig anders verteilt, als man es von außen erwarten würde. Niemand fragte danach, wer die besten Argumente hatte oder wer wissenschaftlich etwas konnte. Respekt bekam, wer am meisten Alkohol vertrug und wer die absurdesten Trinkrituale überstand. Ich wurde nicht dafür geachtet, dass ich klug war, zuverlässig war oder etwas Sinnvolles leistete.]
    2. Ich wurde geachtet DAfür, wie viel ich SAUfen konnte! Ich wurde geachtet DAfür, wie viel ich KOTzen konnte!

Die Daten in (27) und (28) zeigen zum einen, dass die Struktur bei fehlender rechter Satzklammer mit Blick auf den Unterschied zwischen Kontakt- und Distanzstellung ambig sein kann – eben weil beide Akzentmuster mit beiden Stellungsmustern auftreten können, vgl. (29). Es gibt keine formalen Merkmale, die diese Ambiguität auflösen könnten11.

    1. (29)
    1. Man achtete mich dafür, wie viel ich saufen konnte.

Warum die akzentuellen Beschränkungen bei Kontaktstellung im Nachfeld anders sind als im Vor- und Mittelfeld, müssen wir offen lassen. In den im folgenden Abschnitt diskutierten Analysevorschlägen werden (fast) ausschließlich Kontaktstellungsdaten im Vor- und Mittelfeld in den Blick genommen. Erst in Abschnitt 3.5 gehen wir genauer auf Kontaktstellungsdaten im Nachfeld ein.

3. Diskussion der Analysevorschläge

Kommen wir nun zu den möglichen Analysen von Korrelatverbindungen mit präpositionalem Korrelat. Anhand der Vorschläge in der Literatur lassen sich grob vier Ansätze (A-D) unterscheiden. Der zentrale Ordnungsparameter ist die Frage, wie Korrelat und Korrelatsatz sich zur Valenz des Verbs verhalten, da man es mit zwei Elementen, aber nur einer Valenzstelle zu tun hat. Um dem Rechnung zu tragen, sind aus syntaktischer Sicht zwei Analysen naheliegend: Der Korrelatsatz kann einmal als Adjunkt analysiert werden, so dass das Korrelat allein die Valenzstelle des Matrixverbs füllt (Typ A). Alternativ wird die Korrelatverbindung als (ggf. diskontinuierliche) Konstituente analysiert, so dass es genau ein syntaktisches Element gibt, das die Valenzstelle füllt. Die prominentesten Vertreter dieser Analyse setzen für die Konstituente eine Kopf-Dependens-Struktur an (Typ B). Aufgrund potentieller Probleme, die die Annahme des Korrelats als Kopf der Konstituente mit sich bringt, wird vorgeschlagen, Korrelatverbindungen nicht als endozentrische Konstituenten zu analysieren, sondern als Konstituentenstrukturen eines eigenen Typs, der „Korrelatverbindung“ genannt wird (Typ C). Schließlich findet sich ein weiterer Vorschlag, nach dem bei Korrelatverbindungen zwei unterschiedliche Strukturen existieren (Typ D): Die eine entspricht einer Variante von Typ B, die andere kommt Typ C nahe. Die folgende Liste zeigt noch einmal die Ansätze – einschließlich Subtypen – im Überblick.

  • A: Der Korrelatsatz ist bei Distanzstellung ein Adjunkt der VP. Nur das Korrelat ist Komplement des PO-Verbs. Die Beziehung zwischen Korrelat und Korrelatsatz ist semantischer Art. Sie lässt sich als eine phorische Beziehung im Sinne von Koreferenz deuten (vgl. Fabricius-Hansen 1981; Schwabe 2013).

  • Bei Kontaktstellung kommen zwei Optionen in Frage:

    • A1: Der Korrelatsatz ist auch hier ein Adjunkt der VP (vgl. Fabricius-Hansen 1981).

    • A2: Der Korrelatsatz ist hier Adjunkt (Modifikator) zum Korrelat (vgl. Schwabe 2013).

  • B: Präpositionales Korrelat und Korrelatsatz bilden eine Konstituente. Je nachdem, welche syntaktische Beziehung zwischen Korrelat und Korrelatsatz angenommen wird, lassen sich die folgenden Unterfälle unterscheiden.

  • C: Korrelatverbindungen sind keine Kopf-Dependens-Strukturen und bilden keine Konstituente. Sie sind ein eigener Strukturtyp. Die Korrelatverbindung fungiert als Ganze als Komplement zum Matrixverb (vgl. IDS-Grammatik 1997).

  • D: Korrelatverbindungen sind Konstituenten, wenn das Korrelat auf dem da( r)-Teil einen Satzakzent trägt. Das Korrelat ist Kopf, der Korrelatsatz Komplement (vgl. Breindl 1989, 2013; auch Reis 1997). Ansonsten stellen sie einen eigenen Strukturtyp dar, der dem in C ähnelt.

Wir diskutieren nun die einzelnen Ansätze und beziehen sie dabei auf entsprechende Vorschläge in der Literatur.

3.1 Adjunktanalysen (A)

Variante A1 lässt sich Fabricius-Hansen (1981), Variante A2 Schwabe (2013) zuordnen. Beide teilen im Kern die Auffassung, dass der Korrelatsatz bei Distanzstellung in keiner syntaktischen Beziehung zum PO-Verb steht. Regiert wird ausschließlich das präpositionale Korrelat, das die entsprechende Valenzstelle des PO-Verbs füllt. Die semantische Beziehung zwischen Korrelat und Korrelatsatz erscheint rein phorisch geregelt und sich damit nicht von satzübergreifenden phorischen Beziehungen zu unterscheiden (vgl. IDS-Grammatik 1997: 1489). In dieser Hinsicht hat der Ansatz eine gewisse Attraktivität, da er intra- und intersententiale Beziehungen zwischen präpositionalen Proformen und sententialen Bezugsausdrücken uniform behandelt. Gleichzeitig ist es theoretisch vorteilhaft, dass mit der phorischen Beziehung auf einen von dem zu analysierenden Phänomen unabhängig etablierten oder zumindest zu etablierenden Beziehungstyp zurückgegriffen wird. Ob die zur Debatte stehenden intra- und intersententialen Beziehungen tatsächlich den gleichen Status haben, ist aber nicht ausgemacht. In Korrelatfunktion treten nur die mit da( r), nicht aber die mit hier gebildeten Proformen auf, vgl. (30) vs. (31). Satzübergreifend sind dagegen beide möglich, vgl. (32)-(33). Die Beschränkung auf die da( r)-Pronomina ist ein Hinweis auf den grammatikalisierten Status der Korrelatverbindungen, selbst wenn diese semantisch als phorische Beziehung verstanden werden12.

    1. (30)
    1. Amtsleiter Christian Hug habe aber darauf bestanden, dass das Kind in ein Pflegefamilie komme. (DeReKo, St. Gallener Tageblatt, 28.02.2008, S. 41)
    1. (31)
    1. *Amtsleiter Christian Hug habe aber hierauf bestanden, dass das Kind in ein Pflegefamilie komme.
    1. (32)
    1. Pöttering: Meine Gesprächspartner beteuern, dass sie für umfassende Transparenz eintreten. Hierauf muss die internationale Gemeinschaft bestehen. (DeReKo, FOCUS, 13.08.2005, S. 134–134)
    1. (33)
    1. „Er muss schauen, dass er die Muskulatur stärkt. Darauf wird im Training viel Wert gelegt.“ (DeReKo, Die Presse, 03.12.2004)

Phorische Beziehungen werden in der Regel anhand von Ausdrücken erklärt, die Individuen bezeichnen. Die Beziehung ist in diesem Fall eine Koreferenzbeziehung, die beteiligten Ausdrücke bezeichnen die gleiche außersprachliche Entität, so etwa in (34), in dem die beiden Vorkommen des Personalpronomens sie und der Eigenname Doro auf die gleiche Frau referieren. (Koreferenz ist durch Koindizierung angezeigt.) In Fällen wie solchen kann man von dem prototypischen Strukturtyp einer phorischen Beziehung sprechen. Daneben gibt es phorische Beziehungstypen, die komplexer strukturiert sind (vgl. hierzu Sternefeld 1993). Auch Korrelatverbindungen wie in (35) lassen sich als phorische Beziehungen qua Koreferenzialität zwischen Korrelat und Korrelatsatz verstehen: Beide Ausdrücke referieren auf den gleichen Sachverhalt (die gleiche Proposition), und das Referenzobjekt des Korrelats ist erst mithilfe des Korrelatsatzes identifizierbar, an den das Korrelat kataphorisch gebunden ist.

    1. (34)
    1. Als siei das Zimmer betrat, ahnte Doroi nicht, dass jemand auf siei wartete.
    1. (35)
    1. Ihr Einwand bezog sich darauf i, [dass niemand etwas von der Sache verstand]i.

Sowohl in Fabricius-Hansen (1981) als auch in Schwabe (2013) ist die Korrelatverbindung als phorische Beziehung im Sinne von Koreferenz zu deuten. Schwabe (2013: 156) bemerkt zudem, dass Korrelat und Korrelatsatz ‚koindiziert‘ seien. Koindizierung verstehen wir in der von Schwabe vorausgesetzten Theorievariante der Generativen Grammatik als einen syntaktischen Mechanismus, der für die semantische Auswertung herangezogen wird.

Das wesentliche Problem für Ansätze, in denen der Korrelatsatz Adjunktstatus hat, sei es als Modifikator zum Korrelat (siehe dazu unten), sei es als Adverbial zur VP, besteht darin, dass der Korrelatsatz durch das PO-Verb selegiert sein muss (vgl. IDS-Grammatik 1997: 1489). So lässt etwa hoffen ( auf) einen dass-Satz, aber keinen ob- oder w-Satz zu, vgl. (36)-(38), während das Umgekehrte für fragen ( nach) gilt, vgl. (39)-(41). Schließlich gibt es auch Verben wie nachdenken ( über), die alle drei Satztypen erlauben, vgl. (42)-(44)13.

    1. (36)
    1. Ich hoffe darauf, dass ich dich dort wiedersehe.
    1. (37)
    1. *Ich hoffe darauf, ob ich dich dort wiedersehe.
    1. (38)
    1. *Ich hoffe darauf, wen ich dort wiedersehe.
    1. (39)
    1. *Wir haben danach gefragt, dass wir den Bericht lesen dürfen.
    1. (40)
    1. Wir haben danach gefragt, ob wir den Bericht lesen dürfen.
    1. (41)
    1. Wir haben danach gefragt, wann wir den Bericht lesen dürfen.
    1. (42)
    1. Unter anderem hatte er laut darüber nachgedacht, dass er wohl die falschen Spieler verpflichtet habe. (ZDB 6739: DWDS BZ 2000)
    1. (43)
    1. Erst mit 30 werde ich darüber nachdenken, ob ein Ende meiner Karriere in Sicht kommt […]. (ZDB 6725: DWDS BZ 1994)
    1. (44)
    1. Wenn in Deutschland ein Mord geschieht, dann muss die Polizei nicht lange darüber nachdenken, wer dafür zuständig ist. (ZDB 6732: IDS nun 2010)

Wenn der Korrelatsatz Adjunkt ist, ist eine solche Selektionsbeziehung aber ausgeschlossen. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, bestünde darin, die Ungrammatikalität der betreffenden Sätze auf eine semantische Inkompatibilität von Korrelat und Korrelatsatz zurückzuführen14. Voraussetzung wäre, dass dass-, ob- und w-Sätze unterschiedliche semantische Objekte bezeichnen. Der Einfachheit halber sprechen wir davon, dass dass-Sätze semantische Objekte vom Typ Aussage, ob- und w-Sätze dagegen semantische Objekte vom Typ Frage denotieren15. Wenn wir davon ausgehen, dass eine phorische Beziehung zwischen Korrelat und Korrelatsatz auf Koreferenz beruht, lässt sich die Ungrammatikalität von Sätzen wie (37)-(39) damit erklären, dass in diesen Fällen keine Koreferentialität zustande kommt, weil Korrelat und Korrelatsatz jeweils auf unterschiedliche Arten von semantischen Objekten referieren: In (37)-(38) referiert das Korrelat auf ein semantisches Objekt vom Typ Aussage, der jeweilige Korrelatsatz dagegen auf eines vom Typ Frage. In (39) referiert dagegen das Korrelat auf ein semantisches Objekt vom Typ Frage, der Korrelatsatz dagegen auf eines vom Typ Aussage. In (42)-(44) wiederum kann das Korrelat sowohl auf den einen als auch auf den anderen Typ von semantischem Objekt referieren, so dass alle drei Korrelatsätze möglich sind.

Eine solche Argumentation wäre allerdings nicht überzeugend. Das Korrelat selbst ist nicht auf einen bestimmten Typ von sententialem Referenzobjekt festgelegt, wie nicht zuletzt die Sätze in (42)-(44) zeigen. Dass es in (36)-(38) auf ein semantisches Objekt vom Typ Aussage, in (39)-(41) dagegen auf eines vom Typ Frage referiert, liegt allein daran, dass die Valenzstelle des jeweiligen Verblexems, die das Korrelat füllt, in ihrer semantischen Dimension für das betreffende semantische Objekt spezifiziert ist. Aber diese Spezifikation beruht allein auf dem semantischen Typ des Korrelatsatzes. D.h. der Korrelatsatz wird zwar als Adjunkt behandelt, bestimmt aber dennoch die semantischen Selektionsrestriktionen der relevanten Valenzstelle des Verbs. Eine solche Strategie wäre zwar nicht zirkulär, aber theoretisch abwegig.

Ein weiteres Problem ist, wie sich die Kontrollbeziehung zwischen dem PO-Verb und einem satzwertigen Infinitiv als Korrelatsatz in einem solchen Ansatz modellieren lässt. Das PO-Verb hat auf den satzwertigen Infinitiv qua Adjunktstatus weder syntaktischen noch semantischen Zugriff, der die Identifikation des Subjektarguments steuern könnte, vgl. (45)-(46). Ob es hierfür eine theoretisch angemessene Lösung geben kann, kann bezweifelt werden.

    1. (45)
    1. Ichi bestehe darauf, __i den Rasen zu mähen.
    1. (46)
    1. Ich überzeugte ihni davon, __i den Rasen zu mähen.

Kommen wir abschließend noch zu den syntaktischen Verhältnissen bei Kontaktstellung. Fabricius-Hansen (1981) nimmt hier keine Attributionsstruktur an, der Korrelatsatz ist auch in diesen Satzstrukturen ein VP-Adjunkt. D.h. aber, dass die Korrelatverbindung bei Kontaktstellung keine Konstituente bildet, was mit Blick auf die Stellungsmöglichkeit zumindest im Vor- und Mittelfeld (vgl. (18), (19)) kaum haltbar sein dürfte. Schwabe (2013: 154) geht dagegen von einer Attributionsbeziehung und folglich auch von Konstituentenbildung aus. Die Annahme einer Attributionsbeziehung zwischen Korrelat und Korrelatsatz ist die Kernannahme von Vorschlag B, den wir als Nächstes besprechen.

3.2 Korrelatverbindungen als Kopf-Dependens-Strukturen (B)

Eine Analyse von Korrelatverbindungen als Modifikationsstrukturen – Variante B1 – lässt sich Schwabe (2013) zuordnen16. Variante B2, der zufolge Korrelatverbindungen Kopf-Komplement-Strukturen sind, findet sich in den meisten Arbeiten, die sich theoretisch im Rahmen der Generativen Grammatik bewegen (vgl. Büring 1995; Büring / Hartmann 1995: 185–186; Frey 2016: 88). Variante B3, nach der der Korrelatsatz Apposition zum Korrelat ist, wird in Vikner (1995) und Müller (1995) angenommen.

3.2.1 Korrelatsätze als Modifikatoren (B1)

Schwabe (2013: 153) stellt fest: „Der Bezugssatz kann, da der pronominale Teil der ProPP akzentfähig ist, an die ProPP adjungiert sein. Diese komplexe PP kann sowohl im Mittel- als auch im Vorfeld erscheinen […].“. Die Analyse gilt, wie wir oben gesehen haben, nur für Korrelatverbindungen in Kontaktstellung. Schwabe nennt als Bedingung die Akzentuierung des Korrelats (ebd.: 154) – was für die Platzierung im Vor- und Mittelfeld auch zutrifft – und führt die Beispiele in (47)-(48) an (ebd.: 154). Darüber hinaus hebt sie hervor, dass die Strukturen nur bei Präsenz des Korrelats möglich sind (vgl. ebd.: 154).

    1. (47)
    1. Frank hat sich [PP DArüber [dass Mia gesund ist]], gefreut.
    1. (48)
    1. [ PP DArüber [dass Mia gesund ist]], hat sich Frank gefreut.

Für diese Analyse gelten auf den ersten Blick die gleichen Einwände, die wir im Zusammenhang mit Schwabes Analyse von Korrelatverbindungen in Distanzstellung angeführt haben. Wenn der Korrelatsatz Modifikator des Korrelats ist, das seinerseits als Komplement des Matrixverbs fungiert, kann das Matrixverb in keiner Selektionsbeziehung zum Korrelatsatz stehen, und es kann ebenso wenig dessen Subjektargument via Kontrolle identifizieren, wenn dieser ein satzwertiger Infinitiv ist, vgl. (49) und (50).

    1. (49)
    1. Er hat sich darüber, ihn wiederzusehen, gefreut.
    1. (50)
    1. Er hat mich darum, ihn zu treffen, gebeten.

Ein Hinweis auf dieses Problem findet sich bereits in Breindl (1989: 174) mit Blick auf ihre eigene Analyse von Korrelatverbindungen dieses Typs als Kopf-Komplement-Strukturen. Breindl schlägt vor, dass der Kopf für die Selektionsforderungen des Matrixverbs in bestimmten Fällen als ‚transparent‘ angenommen werden müsse17. Wie wir sehen werden, gibt es Evidenz dafür, dass ein Verb syntaktischen Einfluss auf das Komplement der von ihm eingebetteten Kopf-Komplement-Struktur hat. Dass ein Verb in einer Selektionsbeziehung zum Modifikator einer eingebetteten Modifikationsstruktur stehen kann, sollte schon aus begrifflichen Gründen ausgeschlossen sein.

3.2.2 Korrelatsätze als Komplemente (B2)

Wie gerade erwähnt, wird eine Analyse von Korrelatverbindungen als Kopf-Komplement-Strukturen von Breindl (1989) vertreten, dort aber nur in Bezug auf einen von zwei möglichen Strukturtypen. Wir gehen daher auf Breindls Analyse erst im Zusammenhang mit Ansatz D ein.

In den oben unter B angesprochenen Analysen im Rahmen der Generativen Grammatik bilden Korrelat und Korrelatsatz als Kopf-Komplement-Struktur eine Konstituente, deren ‚Basisposition‘ im Mittelfeld unmittelbar vor der rechten Verbklammer liegt (s. (51), vgl. Büring 1995: 374–375; Büring / Hartmann 1995: 186–187). Der Korrelatsatz – hier als CP kategorisiert – kann extraponiert werden, wenn das Korrelat einen Satzakzent auf dem da( r)-Pronomen trägt (vgl. (52)). Wenn diese Akzentuierung nicht gegeben ist – das Korrelat hat dann entweder einen Nebenakzent auf der Präposition (da'von) oder es ist deakzentuiert (davon) – oder das Korrelat nicht realisiert ist (∅), ist die Extraposition obligatorisch, vgl. (53).

    1. (51)
    1. weil ich ihn [PP DAvon, [CP dass er mitkommt]], überzeugte
    1. (52)
    1. weil ich ihn [[PP DAvon] ti], überzeugte, [CP dass er mitkommt]i
    1. (53)
    1. weil ich ihn [PP ∅/davon/da'von ti] überZEUGte, [CP dass er mitkommt]i

In einigen Arbeiten wird der Korrelatsatz nicht als Komplement zu dem Korrelat als Ganzem analysiert, sondern zu dem da( r)-Pronomen, das als N bzw. NP kategorisiert wird (vgl. Büring 1995) 18. Das Präpositionaladverb ist dann eine PP mit der Präposition als Kopf und dem da( r)-Pronomen als Komplement, vgl. (54).

    1. (54)
    1. [ PP [ NP [ N da]] [P für ]]

Bilden Korrelat und Korrelatsatz eine Konstituente (vgl. (55)), steht der Korrelatsatz (CP) in der Basisposition links von seinem regierenden Kopf, dem da( r)-Pronomen (vgl. (56)). In der finalen Abfolge erscheint die CP rechts an die PP adjungiert (vgl. (57))19.

    1. (55)
    1. [ PP dafür, dass du arbeitest]
    1. (56)
    1. [ PP [ NP [ N da] [CP dass du arbeitest]] [P für]]
    1. (57)
    1. [ PP [ PP [ NP [ N da] ti] [ P für]] [CP dass du arbeitest]i]

Kritisch anzumerken ist, dass es in der Theorie nichts gibt, was die Ableitung von (57) erzwingt, um eine ungrammatische Serialisierung wie in (56) zu vermeiden.

Für die weitere Diskussion von B2 gehen wir davon aus, dass der Korrelatsatz Komplement des präpositionalen Korrelats als Ganzem ist. Das entspricht auch der in Sternefeld (2015: 359–360) vorgestellten Analyse.

Korrelatverbindungen mit präpositionalen Korrelaten werden oft parallel zu Korrelatverbindungen mit es-Korrelaten analysiert. Für Letztere wird dann ebenfalls eine Kopf-Komplement-Struktur angenommen – mit Basisposition im Mittelfeld und Korrelat als Kopf (vgl. (58)). Da aber das es-Korrelat im Unterschied zum präpositionalen Korrelat keinen Satzakzent tragen kann, ist Extraposition hier immer obligatorisch, vgl. (59).

    1. (58)
    1. weil ich [es, dass so viele Gäste kommen würden], befürchtet hatte
    1. (59)
    1. weil ich [es ti] befürchtet hatte [dass so viele Gäste kommen würden]i

Bis heute gibt es aber keine befriedigende Erklärung dafür, dass der Korrelatsatz extraponiert werden muss, wenn das es-Korrelat oder das präpositionale Korrelat keinen Satzakzent trägt. Müller (1995: 234–235) schreibt: „In fact, as with es-CP structures, CP extraposition must take place here, for reasons that I have nothing interesting to say about.“ Ähnlich äußert sich Sternefeld (2015: 361) mit Blick auf Korrelatverbindungen mit es-Korrelaten vor dem Hintergrund der zuvor diskutierten Korrelatverbindungen mit präpositionalen Korrelaten (ebd.: 359): „Wie zuvor müssen wir stipulieren [!], dass der Zwang zur Extraposition hier sehr stark ist […].“

Zwei Probleme, die wir diskutieren wollen, betreffen den Beziehungstyp der Korrelatverbindung als Kopf-Komplement-Struktur. Zu klären ist, in welchem Sinne der Korrelatsatz als Komplement eines Korrelats verstanden werden kann. Ein präpositionales Korrelat, so haben wir gesehen, besteht aus einem da( r)-Pronomen und einer Präposition (in postpositionaler Stellung), die zusammen eine PP bilden. Die Valenzstelle der Präposition ist durch das da( r)-Pronomen gefüllt. Die Korrelat-PP und der Korrelatsatz bilden wiederum eine PP, wie distributionelle Daten zeigen, vgl. (60)-(62).

    1. (60)
    1. [ PP Darauf] wurden sie hingewiesen.
    1. (61)
    1. [ PP Darauf, dass es einen Notausgang gibt], wurden sie hingewiesen.
    1. (62)
    1. [ PP Auf diese Tatsache] wurden sie hingewiesen.

Der Kopf-Status des Präpositionaladverbs zeigt sich daran, dass die Korrelatverbindung als Konstituente eine PP ist, vgl. (61). Dass das Präpositionaladverb selbst eine PP ist, als Kopf aber lexikalische Kategorie haben müsste, lässt sich wiederum mit Blick auf den dualen Charakter von Präpositionaladverbien erklären, da diese, wie wir gesehen haben, sowohl Eigenschaften von Phrasen als auch von Wortformen aufweisen (vgl. Abschnitt 2)20. Weiter müsste das Präpositionaladverb eine Valenzstelle besitzen, um ein Komplement einbetten zu können. In keinem der Vorschläge des Typs B2 wird diese Frage thematisiert. Syntaktisch gibt es keine direkte Evidenz, da das Komplement nicht obligatorisch ist, und die formalen Selektionseigenschaften, wie wir gesehen haben, vom Matrixverb bestimmt werden. Die Valenzstelle der Präposition selbst ist wiederum durch das da( r)-Pronomen abgebunden. Hier ließe sich ansetzen, denn das da( r)-Pronomen fungiert als pronominale Realisierung von Nomina mit schwacher semantischer Ausprägung wie etwa Tatsache, Umstand, Frage etc., vgl. (63)-(64).

    1. (63)
    1. Darauf / Auf die Tatsache / Auf den Umstand, dass es einen Notausgang gibt, wurden sie hingewiesen.
    1. (64)
    1. Darüber / Über die Frage, einen Notausgang einzurichten, wurde nicht gesprochen.

Evidenz lässt sich hierfür aus dem Sprachvergleich gewinnen. So sind z.B. im Italienischen (aber auch im Spanischen und Portugiesischen, vgl. Amaral / Delicado Cantero 2019) Attributsätze, deren Kopf das Äquivalent von dt. Tatsache (ital. fatto, span. hecho, port. facto) ist, ubiquitär – und werden für das Italienische gelegentlich auch als Korrelatkonstruktionen beschrieben (vgl. Bianco 1996; Mollica 2010; Bianco / Mollica 2024). Attributsätze zu solchen Nomina werden in der Regel als Komplementsätze analysiert, wobei der Komplementsatz den Inhalt des betreffenden Nomens spezifiziert, im Sinne von die Tatsache / Frage besteht darin, dass21. Wird statt des Nomens ein Pronomen gesetzt, so stellt dieses den Grenzfall eines maximal unterspezifizierten nominalen Ausdrucks dar; der semantische Gehalt des da( r)-Pronomens wird gänzlich durch den Komplementsatz bestimmt.

Die semantische Unterspezifikation des Präpositionaladverbs wäre auch der Schlüssel zur Beantwortung der Frage, warum ein PO-Verb in einer Selektionsbeziehung zum Korrelatsatz stehen kann, wenn dieser seinerseits Komplement des Präpositionaladverbs ist. Das Präpositionaladverb leistet keinen semantischen Beitrag und erfüllt damit am ehesten die Voraussetzung, für syntagmatische Relationen transparent zu sein. Wir hatten oben gesehen, dass in Breindl (1989: 174) für Transparenz des Korrelats in einer Kopf-Komplement-Struktur plädiert wird:

Strukturell sind sie [sc. die Korrelate] zwar durchaus Köpfe, und der abhängige Gliedteilsatz ist Komplement, sie sind aber in Bezug auf die Rektionseigenschaften des Matrixsatzprädikats ‚valenzdurchlässig‘, allein dieses Matrixsatzprädikat bestimmt Form und semantische Rolle des Gliedteilsatzes und vererbt diese Merkmale über das Bezugselement an den Gliedteilsatz.

Transparenz finden wir auch bei Subjunktionen: So muss bei einer lexikalisch definierten Gruppe von Verben im Englischen und Französischen, die finite Satzstrukturen einbetten, das Prädikatsverb eine Konjunktivform (subjunctive / subjonctif) sein, vgl. (65)-(66). Die Subjunktion (that / que) erweist sich in diesen Fällen als rektionsdurchlässig.

    1. (65)
    1. We insist [that the work be finished this week]. (Huddleston / Pullum 2002: 955)
    1. (66)
    1. On demande [que le travail soit terminé cette semaine].

Grammatikalisierte Präpositionen, die ja den präpositionalen Teil von Präpositionaladverbien bilden, sind ebenfalls rektionsdurchlässig, wie die Beispiele in (67)-(68) zeigen (vgl. Rauh 1996: 188–189; Van Eynde 2004: 3; Gunkel / Hartmann 2020: 75) 22.

    1. (67)
    1. Die Lösung beruht [PP auf [NP.DAT einem neuen Ansatz]].
    1. (68)
    1. Hans verlässt sich [PP auf [NP.AKK seinen Freund]].
    2. (nach Van Eynde 2004: 3)

Wie eine theoretische Modellierung von Transparenz mit Blick auf die Beziehung zwischen Matrixverb und Korrelatsatz aussehen könnte, kann hier nur angedeutet werden. In der Lexical-Functional Grammar (vgl. Bresnan et al. 2016) findet sich das Konzept des Ko-Kopfes im Zusammenhang mit funktionalen Kategorien: So fungiert die funktionale Kategorie D (determiner), die eine NP einbettet, als Ko-Kopf von N, dem Kopf der NP. Ko-Köpfe teilen untereinander ihre Merkmale, was heißt, dass Merkmale des einbettenden Ko-Kopfes, die durch ein externes Element bestimmt werden, sich gleichzeitig am eingebetteten Ko-Kopf zeigen. In diesem Sinne ist der einbettende, funktionale Ko-Kopf transparent (vgl. Bresnan et al. 2016: 103–104).

Präpositionen werden allerdings von Bresnan et al. (2016: 104) ausschließlich zu den lexikalischen Kategorien gerechnet. Aber unabhängig davon, ob man von einem Konzept wie Ko-Kopf Gebrauch machen möchte, lassen sich die grammatikalisierten Präpositionen als Funktionswörter ausgrenzen und syntaktisch entsprechend spezifizieren. Syntaktisch fungieren sie analog zu Kasusmarkern23. Von den Präpositionen der in (14) angeführten Präpositionaladverbien haben nur wenige eine ansatzweise begriffliche Bedeutung. Dazu gehören dafür und dagegen in den Bedeutungen ‚pro‘ und ‚contra‘, sowie dazwischen. In der ‚pro‘/‚contra‘-Bedeutung finden sich bei dafür und dagegen in der ZDB dominant ‚deklarative‘ Korrelatsätze (dass-Sätze und satzwertige Infinitive) sowie durch wie eingeleitete w-Sätze, vgl. (26) und (69). Darüber hinaus tritt dafür auch mit grammatikalisierter Bedeutung auf, vgl. (70).

    1. (69)
    1. Die Klagen wenden sich dagegen, wie dieser Prozess vollzogen wird … (ZDB 9768: DWDS Zeit 2007)
    1. (70)
    1. Deutsche Journalisten sind in der Regel obrigkeitstreu und interessieren sich nicht dafür, ob Otto Schily ihnen auf der Leitung steht. (ZDB 21448: DeWaC-1 P 1419105)

3.2.3 Korrelatsätze als Appositionen (B3)

Wir erwähnen diesen Vorschlag der Vollständigkeit halber. Vikner (1995: 252–255) und Müller (1995: 231) nehmen eine Appositionsbeziehung an. Bei Vikner besteht diese Beziehung – so weit sich die Beispiele deuten lassen – zwischen dem Korrelat als Ganzem und dem Korrelatsatz. Bei Müller besteht sie dagegen zwischen dem da( r)-Pronomen und dem Korrelatsatz. Die relevanten Strukturen sind analog zu den oben angegebenen für entsprechende Kopf-Komplement-Strukturen, vgl. (54)-(57). Kopf ist auch hier das da( r)-Pronomen, das zusammen mit dem ‚appositiven‘ Korrelatsatz eine NP bildet. Es ist zu beachten, dass auch in diesem Ansatz das übergeordnete Verb zum Korrelatsatz in einer Selektionsbeziehung stehen können muss. Inwiefern das in einer appositiven Struktur möglich ist, ist unklar. Die syntaktischen Eigenschaften einer Appositionsstruktur werden in den betreffenden Ansätzen nicht weiter geklärt.

3.3 Korrelatverbindung als eigene Konstruktionskategorie (C)

Eine grundsätzlich andere Analyse wird in der IDS-Grammatik (1997: 1475–1490) vertreten, die ihrerseits auf einen ähnlichen Vorschlag in Hyvärinen (1989: 319) verweist. Die Autoren nehmen an, dass Korrelatverbindungen eine eigene Konstruktionskategorie konstituieren (vgl. ebd.: 1488), die schlicht „Korrelatverbindung“ (KV) genannt wird24. Die syntaktische Relation zwischen beiden Teilen entspricht keiner der in den Varianten B angeführten Beziehungstypen. Wie in Variante A wird lediglich gefordert, dass Korrelat und Korrelatsatz koreferent sind. Obwohl die Autoren nicht explizit sagen, dass eine Korrelatverbindung eine komplexe Konstituente – bestehend aus Korrelat und Korrelatsatz – bildet, folgt dies zwingend aus den von ihnen angenommenen Bedingungen für die Füllung von Valenzstellen. Die Annahme einer Korrelatverbindung als eigene Konstruktionskategorie soll im Gegensatz zur Annahme einer ‚Doppelbelegung‘ der Valenzstelle stehen (ebd.: 1488–1489). Denn eine Doppelbelegung verstoße „[…] gegen das generelle Prinzip zur Einrichtung von Konstituenten, somit auch Komplementstellen, nämlich das Prinzip, daß Kookkurrenz, die nicht als Koordination (oder Subordination) interpretiert werden kann, zur Zuordnung zu verschiedenen Konstituenten führt.“ (Hervorhebung ebd.). Zu ergänzen wäre, dass ‚Kookkurrenz‘, die als Korrelatverbindung – im Sinne des intendierten Beziehungstyps – interpretiert wird, ebenfalls zur Konstituentenbildung führt. Allerdings tritt der Begriff der Konstituente sonst nirgendwo auf. Stattdessen heißt es: „Elemente der Kategorie KV sind Paare, bestehend aus einem phorisch / deiktischem Ausdruck und einer IK [sc. Infinitivkonstruktion] oder einem SJS [sc. Subjunktorsatz], die in der Kette diskontinuierlich und ggf. akzentuiert auftreten können“25, aber auch der Begriff der Kette wird nicht definiert.

Wir gehen davon aus, dass Korrelatverbindungen in diesem Ansatz komplexe Konstituenten sind, die aus zwei autonomen Ausdrücken bestehen. Bei Kontaktstellung stehen sie adjazent, bei Distanzstellung wird der Korrelatsatz diskontinuierlich realisiert (vgl. ebd.: 1489). Der wesentliche Vorteil dieses Ansatzes ist darin zu sehen, dass eine diskontinuierliche Realisierung nicht aus einer ‚kontinuierlichen‘ – wie in den Ansätzen der Variante B – abgeleitet wird. Damit entfällt das Problem, erklären zu müssen, weshalb bei unbetontem Korrelat obligatorisch ausgeklammert werden muss. Darauf kommen wir in der Diskussion von Variante D zurück.

Einen weiteren Vorteil sehen die Autoren darin, dass – da Korrelat und Korrelatsatz in der Konstituente gleichberechtigt sind, also keines gegenüber dem anderen Kopfstatus hat – ein PO-Verb auf jeden Teil selegierend zugreifen kann. Wir hatten im Zusammenhang mit Variante B2 argumentiert, dass dies auch für Kopf-Komplement-Strukturen möglich ist, sofern man den Kopf als transparent für Selektionsbeziehungen annimmt. Der Vorteil dieser Konzeption gegenüber der Annahme einer neu geschaffenen, sonst im grammatischen System nicht auftretenden Konstruktionskategorie KV ist darin zu sehen, dass eine Kategorisierung der Kopf-Komplement-Struktur als PP dem uniformen distributionellen Verhalten solcher Korrelatverbindungen und paralleler PP-Strukturen Rechnung trägt, vgl. (60)-(62). Werden Korrelatverbindungen als Ausdrücke der Kategorie KV kategorisiert, bleibt erst einmal offen, weshalb sie immer mit einem PP-Ausdruck pronominalisiert werden müssen, was sich z.B. bei der Erfragung der Korrelatverbindung zeigt, vgl. (71)-(72).

    1. (71)
    1. Darin, dass der Absperrhahn defekt war, bestand das eigentliche Problem.
    1. (72)
    1. Worin bestand das Problem?

3.4 Zwei Typen von Korrelatverbindungen (D)

Ansatz D wird in Breindl (1989, 2013) vertreten. Entscheidend ist, dass Breindl zwei unterschiedliche Beziehungstypen annimmt: Typ 1 ähnelt dem gerade diskutierten Vorschlag C, der aber bei Breindl auf Strukturen beschränkt wird, in denen das Korrelat keinen Satzakzent trägt, und Korrelat und Korrelatsatz in Distanzstellung auftreten, vgl. (73). Typ 2 entspricht dem in Variante B2 vertretenen Ansatz, den Breindl wiederum auf Strukturen beschränkt, in denen das Korrelat einen Satzakzent trägt, vgl. (74)-(75). Typ 2 kann in Kontaktstellung oder Distanzstellung auftreten (vgl. Breindl 2013, dort Bsp. (21b) und (22b))26.

    1. (73)
    1. weil wir ihn davon überZEUgen konnten, dass die Erde eine Scheibe ist
    1. (74)
    1. weil wir ihn DAvon, dass die Erde eine Scheibe ist, überzeugen konnten
    1. (75)
    1. weil wir ihn DAvon überzeugen konnten, dass die Erde eine Scheibe ist

Wichtig ist weiter, dass Breindl dem Korrelat in beiden Beziehungstypen unterschiedliche Funktionen zuweist: In Typ 2 ist es ein ‚Bezugsausdruck‘, was offenbar so zu verstehen ist, dass es der Kopf in einer Kopf-Komplement-Beziehung ist (vgl. Breindl 1989: 174). In dieser Funktion sei das Korrelat auch koreferentiell mit dem Korrelatsatz (vgl. ebd.: 167). In Typ 1 ist es dagegen ein „Platzhalter“ (Breindl 1989: 157). Was ist aber unter einem ‚Platzhalter‘ zu verstehen? In Breindl (2013: 472) wird der Begriff – wie er in Breindl (1989: 157–159, 167–176) gebraucht wird – weitgehend ex negativo erklärt: Als Platzhalter ist das Korrelat nicht referentiell – und also auch nicht phorisch – es habe eher den Charakter einer „Spur“ (Breindl 2013: 472). Wenn der Begriff der Spur auf den entsprechenden technischen Begriff in der Generativen Grammatik anspielen soll, könnte man sich die Korrelatbeziehung im Sinne des Konzepts der ‚Kette‘ vorstellen (vgl. Chomsky 1981: 331–335): Dazu würde passen, dass Ketten zum einen als ein (1) Ausdruck gelten, und zum anderen die Kasusmarkierung einer Kette an der Ausgangsposition (‚Spur‘) erfolgen kann27. Übertragen auf Korrelatverbindungen hieße das, dass das Korrelat den ‚Kettenausdruck‘ mithilfe der inkorporierten, einem Kasusmarker funktional entsprechenden Präposition formal markiert, während der Korrelatsatz den inhaltlichen Beitrag leistet, indem er die semantische Rolle der Valenzstelle realisiert.

Breindl (2013: 472) macht zwar keinen Gebrauch von einem Kettenbegriff, ihre Argumentationsrichtung ist aber insofern ähnlich, als sie Korrelat und Korrelatsatz auf unterschiedliche Dimensionen der Valenzstelle bezieht: „Dieses Auseinandertreten von formaler (valenzgesteuerter) Markierung am Platzhalter und inhaltlicher Auffüllung im Komplementsatz lässt sich gerade mit dem mehrdimensionalen Valenzkonzept von Jacobs (1994) gut erfassen“. Allerdings hat ja Breindl selbst klar gemacht (Stichwort: Transparenz), dass auch der Korrelatsatz formalen Restriktionen des Matrixverbs unterliegt, wenn es um die Selektion von dass-, ob- und w-Sätzen geht. Sofern sich die diesbezüglichen Selektionsrestriktionen nicht semantisch erklären lassen, liegt auch hier eine formale Markierung am Komplementsatz vor.

Schließlich wird in Breindl (2013: 472) die Einordnung der ‚Platzhalter‘ als nicht-referentielle Pronomen (zumindest partiell) zurückgenommen und darauf hingewiesen, dass auch nicht-akzentuierte Korrelate kataphorisch fungieren können. Damit würden sich die beiden Typen von Korrelatverbindungen nicht in Bezug auf Koreferentialität unterscheiden. Wie letztlich die Valenz eines PO-Verbs in Bezug auf Korrelatverbindungen vom Typ 1 zu modellieren ist, bleibt in diesem Ansatz offen.

3.5 Korrelatverbindungen im Nachfeld (A-D)

Lässt man die angeführten Vorschläge Revue passieren, fällt auf, dass sich abgesehen von Breindl (1989) niemand mit der Frage auseinandersetzt, ob Konstituentenbildung von Korrelatverbindungen im Nachfeld möglich ist. Die Bedingungen für Konstituentenbildung werden fast ausschließlich in Bezug auf das Vor- und Mittelfeld diskutiert. Da in Ansatz A1 ohnehin keine Konstituentenbildung angenommen wird, kann er im Folgenden vernachlässigt werden. Für A2-D herrscht mit Blick auf Kontaktstellung weitgehend Einigkeit: Korrelatverbindungen sind im Vor- und Mittelfeld nur dann möglich, wenn das Korrelat einen Satzakzent trägt. In diesem Fall bildet die Korrelatverbindung eine Konstituente. Bei Stellung des Korrelats im Mittelfeld und des Korrelatsatzes im Nachfeld liegt nach A2 keine Konstituente vor, da der Korrelatsatz in einer dem Nachfeld entsprechenden Position als basisadjungiert aufgefasst wird. In D liegt aus den im vorigen Abschnitt genannten Gründen bei dieser Stellung ebenfalls keine Konstituente vor, sofern das Korrelat keinen Satzakzent trägt. Steht das Korrelat dagegen mit Satzakzent im Mittelfeld und der Korrelatsatz im Nachfeld, so bildet die Korrelatverbindung in allen Ansätzen von A2 bis D eine Konstituente.

Wie steht es nun mit dem Nachfeld? In den Arbeiten, die wir den Ansätzen A2 bis D zugeordnet haben, finden sich dazu nur in Frey (2016) und Sternefeld (2015) – jeweils B2 – und in Breindl (1989) – C – Bemerkungen. Frey (2016: 89) nennt neben dem Vor- und Mittelfeld auch das Nachfeld, in dem ein nicht-akzentuiertes Korrelat mit einem Korrelatsatz als Dependens nicht erscheinen könne, führt aber nur Beispiele für das Vor- und Mittelfeld an (ibid. Bsp. (38a-d)). Sternefeld (2015: 358) dagegen erwähnt explizit die Möglichkeit der Nachfeldbesetzung von Korrelatverbindungen als Beispiel von „PP-Extraposition“, vgl. (76).

    1. (76)
    1. Ich habe mich gefreut / gewundert / geärgert / informiert, darüber, dass du kommst.

Sternefeld macht keine Angaben zur Akzentsetzung. Uns scheint aber, dass in (76) – ohne weiteren Kontext – der Satzakzent auf dem Partizip möglich, wenn nicht sogar präferiert ist, und zwar für jedes der angeführten Verblexeme, vgl. (77).

    1. (77)
    1. Ich habe mich geFREUT / geWUNdert / geÄRgert / inforMIERT, da'rüber, dass du kommst.

Zu beachten ist, dass Sternefeld aber, indem er von einer PP(-Extraposition) spricht, Konstituentenbildung voraussetzt. Wenn die Korrelatverbindungen in (77) tatsächlich Konstituenten sind, zeigt das, dass die akzentuellen Bedingungen für Konstituenz bei Korrelatverbindungen im Nachfeld anders sind als im Mittel- oder Vorfeld.

Eine klare Auffassung zur Möglichkeit von Konstituentenbildung im Nachfeld wird in Breindl (1989) vertreten. Im Nachfeld können Korrelatverbindungen als Konstituenten nur unter den gleichen Bedingungen wie im Vor- und Mittelfeld stehen, also mit akzentuiertem Korrelat, vgl. (78).

    1. (78)
    1. Gewaltlose Betrachtung, von der alles Glück der Wahrheit kommt, ist gebunden DAran, dass der Betrachtende nicht das Objekt sich einverleibt. (Breindl 1989: 185)

Stehen Korrelatverbindungen dagegen in Kontaktstellung im Nachfeld, ohne dass das Korrelat einen Akzent trägt, liegen separate Konstituenten vor 28.

Der ausgeklammerte Platzhalter bildet nicht zusammen mit dem extraponierten Gliedsatz eine komplexe Konstituente. Vielmehr erfolgt die Ausklammerung des Platzhalters nach und unabhängig von der Extraposition des Gliedsatzes, vergleichbar etwa der Ausklammerung zweier Konstituenten.

(3–104) Wie soll ich denn rankommen an diesen Wisch morgen? ( Breindl 1989: 185) 29

Breindl (1989: 185) gibt hierfür u.a. als Beispiel die entsprechende akzentuelle Variante zu (78), vgl. (79).

    1. (79)
    1. Gewaltlose Betrachtung, von der alles Glück der Wahrheit kommt, ist geBUNden daran, dass der Betrachtende nicht das Objekt sich einverleibt.

Doch was spricht dagegen, dass die Korrelatverbindung in (79) eine Konstituente ist? Und die gleiche Frage ist mit Blick auf die Beispiele in (77) zu stellen, sowie auf das eingangs zitierte Beispiel (26), hier wiederholt als (80), sowie (81).

    1. (80)
    1. Ich wurde geachtet dafür, wie viel ich saufen konnte! Ich wurde geachtet dafür, wie viel ich kotzen konnte! (ZDB: IDS scz 2018)
    1. (81)
    1. SPIEGEL: Würde Europa durch einen Teiltruppenrückzug der Amerikaner und durch die Absage der Stationierung von Mittelstreckenraketen unsicherer? – Strack-Zimmermann: Sicherer wird es dadurch nicht, denn Putin darf sich freuen darüber, dass die USA allein durch Trumps spontane Ankündigungen das Nato-Prinzip der Abschreckung aufweichen. (Spiegel-Online 04.05.2026)

Das oben von Breindl angeführte Beispiel für eine doppelte Nachfeldbesetzung (Wie soll ich denn rankommen an diesen Wisch morgen?) zeichnet sich dadurch aus, dass die beiden Nachfeldkonstituenten weder funktional noch inhaltlich zusammenhängen. Gerade dies sind zwei Bedingungen, die laut IDS-Grammatik (1997: 1662–1668) für mehrfache Nachfeldbesetzung kriterial sind:

[…] ist ein mehrfach besetztes Nachfeld gerade dadurch gekennzeichnet, daß es keinen zusammenhängenden Komplex darstellt. Die beteiligten Elemente stehen nicht in einer funktionalen Beziehung zueinander; sie bilden auch jeweils eigene Intonationseinheiten mit einem (in der Regel) unterschiedlichen informationellen Wert. (ebd.: 1663)30

Ein „zusammenhängende[r] Komplex“ liegt aber offensichtlich in den o.g. Beispielen vor. Und vor allem ist nicht zu sehen, wie sich die in der IDS-Grammatik (1997) formulierten Bedingungen mit Blick auf ein Beispielpaar wie (78) und (79) unterscheiden sollen. – Wir schließen daraus, dass Korrelatverbindungen, sofern sie im Nachfeld stehen, auch dann eine Konstituente bilden können, wenn das Korrelat keinen Satzakzent trägt.

4. Fazit

Analysiert man Korrelatverbindungen wie in (77), (79)-(81) als Konstituenten, besteht wenig Grund, die Möglichkeit der Konstituentenbildung einer Korrelatverbindung an die Satzakzentuierung des Korrelats zu knüpfen. Dass für die Bildung einer syntaktischen Konstituente eine prosodische Bedingung ausschlaggebend sein soll, ist ohnehin eine fragwürdige Annahme. Trotzdem stellt sich die Frage, warum die Akzentuierung des Korrelats im Vor- und Mittelfeld obligatorisch ist. Die Akzentuierung führt zur engen Fokussierung des Korrelatsatzes (auch bei Distanzstellung). Die sinnvolle Forschungsfrage sollte daher nicht lauten, warum Akzentuierung in diesem Fall Konstituentenbildung bedingt, sondern vielmehr, warum eine Korrelatverbindung als Konstituente im Vor- und Mittelfeld eng fokussiert sein muss. Damit ist das Problem ‚Akzentuierung und Korrelatverbindungen‘ als Konstituenten auf eine informations- bzw. diskursstrukturelle Ebene verlagert, wo es u.E. auch hingehört.

Das Bild, das sich für uns ergibt, ist damit das Folgende: Wie in Ansatz B2 lassen sich Korrelatverbindungen einheitlich als Kopf-Komplement-Strukturen analysieren. Voraussetzung ist dabei, die Kopf-Komplement-Struktur syntaktisch und semantisch so zu modellieren, dass der Kopf für Selektionsbeschränkungen des Komplementsatzes ‚transparent‘ ist (vgl. Breindl 1989). Die unmarkierte Stellung einer Korrelatverbindung liegt mit der Position des Korrelats am Ende des Mittelfelds und dem Korrelatsatz im Nachfeld vor. In dieser Stellung kann das Korrelat einen Satzakzent tragen oder nicht. Der Korrelatsatz wird dann als extraponiert analysiert, analog zu extraponierten Relativsätzen oder adnominalen Komplementsätzen.

Markiert Korrelatverbindung in Kontaktstellung im Vor-, Mittel- und Nachfeld. Die obligatorische enge Fokussierung des Korrelatsatzes bei Vor- und Mittelfeldstellung ist eine offene Frage für die Forschung zur Informations- und Diskursstruktur, nicht für die Syntax im engeren Sinne. Steht die Korrelatverbindung dagegen im Nachfeld, ist die Fokussierung des Korrelatsatzes nicht obligatorisch. Allerdings schließen eine Reihe von semantisch schwach ausgebildeten relationalen Verben wie beruhen ( auf), bestehen ( in), darin/daran liegen ( in, an), sich zeigen ( an, in) die Nachfeldbesetzung der Korrelatverbindung aus (vgl. Fn. 11).

Notes

  1. Wir danken den zwei anonymen Gutachter:innen für wertvolle Hinweise zum Manuskript. Für konstruktive Diskussionen im Vorfeld der Arbeit danken wir Jutta M. Hartmann, Kerstin Schwabe und Gisela Zifonun. Für verbleibende Fehler sind wir allein verantwortlich. [^]
  2. Eingebettete V2-Sätze wie etwa Hunold aber blieb dabei , es sei nur ein zufälliges Treffen gewesen (ZDB 2870: DWDS BZ 2003) klammern wir aus, da sie als Komplementsätze eine Sonderrolle spielen (vgl. Reis 1997). [^]
  3. Speziell zum Korrelatbegriff vgl. Breindl (1989, 2013); IDS-Grammatik (1997: 1475-1494); Eroms (2000: 200-201); Helbig / Buscha (2001: 99, 405-406, 590-591); Paranhos Zitterbart (2002, 2013: 605); Engel (2009a: 144, 181, 183; 2009b: 100, 137, 140-142); Axel-Tober (2012); Ágel (2017: 584-605); Eisenberg (2020: 351-355); Duden-Grammatik (2022: 185-188) sowie die Beiträge in Frey / Meinunger / Schwabe (eds.) (2016). [^]
  4. So die Kennzeichnungen in Wörterbüchern wie dem Duden-Wörterbuch (2019) oder dem Duden-Aussprachewörterbuch (2023). [^]
  5. Den Begriff des Satzakzents verstehen wir in etwa wie in der IDS-Grammatik (1997: 1476), die in diesem Zusammenhang von einem ‚Gewichtungsakzent‘ sprechen. Ansonsten orientieren wir uns an Uhmann (1991) und Féry (1993). Satzakzente sind prominente prosodische Hervorhebungen. Da prosodische Prominenz relativ ist, treten im Satz auch weniger prominente Akzente auf, die manchmal als Nebenakzente bezeichnet werden. Satzstrukturen können mehrere Satzakzente enthalten, das gilt insbesondere für komplexe Sätze. Wir gehen davon aus, dass im Matrixsatz und im Korrelatsatz mindestens ein Satzakzent auftritt. [^]
  6. Genauer gesagt handelt es sich um Postpositionalphrasen, da der adpositionale Teil am Ende steht. [^]
  7. Vgl. auch Wunderlich (1984: 82), der Präpositionaladverbien generell als PPs kategorisiert. Präpositionale Korrelate werden auch in Schwabe / McFadden (2023: 242) als PPs kategorisiert. [^]
  8. Im Niederländischen ist Stranding mit bei den entsprechenden Pronominaladverbien z.T. obligatorisch; die Teile werden als syntaktisch autonom behandelt. Analog spricht die Möglichkeit des Stranding im Deutschen für Charakter der Präpositionaladverbien als komplexe Phrasen. [^]
  9. Vgl. Fleischer (2002) zu den verschiedenen Möglichkeiten der Aufspaltung in den Dialekten des Deutschen. [^]
  10. Ein/e Gutachter/in beurteilte Beispiel (28) – ohne Kontext – als ungrammatisch. Wir haben daher für (27) und (28) einen Kontext ergänzt (mit Hilfe von OpenAI/ChatGPT 5.5 erstellt) und in (28) die akzentuelle Hervorhebung des Vollverbs im Korrelatsatz gekennzeichnet. (28) weist das kanonische Akzentmuster bei Hervorhebung des da( r)-Pronomens auf (vgl. Breindl 1989: 159-161). Mit diesen Ergänzungen wurden beide Beispiele von unseren Informanten ohne Einwände akzeptiert. [^]
  11. Diese Frage wurde von einem/einer Gutachter/in aufgeworfen. Die Disambiguität lässt sich für eine Reihe von Verben wie beruhen ( auf), bestehen ( in), darin/daran liegen ( in, an), sich zeigen ( an, in) und andere ausschließen, die eine (ggf. unechte) Teilmenge der in Breindl (1989: 189) angeführten relationalen Verben bilden. Aus Gründen, die unseres Wissens bisher nicht geklärt sind, kann bei diesen Verben das Korrelat nicht zusammen mit dem Korrelatsatz im Nachfeld auftreten, vgl. *Das Problem kann unter keinen Umständen bestehen darin, dass … . [^]
  12. Dass für die Korrelatverbindung da( r)-Ausdrücke und nicht die hier-Ausdrücke gewählt werden, steht im Einklang mit allgemeinen Grammatikalisierungstendenzen: Bei deiktischen Formen, die durch einen Distanzparameter unterschieden sind, wird in der Regel der non-proximale Ausdruck grammatikalisiert oder in grammatikalisierten Strukturen eingesetzt. [^]
  13. Aus Gründen der Einfachheit bleiben die satzwertigen Infinitive in Bezug auf die folgende Argumentation unberücksichtigt. Sie werfen in Sätzen wie Natürlich haben wir am Abend darüber nachgedacht, die Öffentlichkeit zu informieren, zumal ich mir nichts vorzuwerfen habe (ZDB 6733: DWDS Zeit 2009) die Frage auf, ob sie im Sinne von dass- und/oder ob-Sätzen zu lesen sind, und ob eine etwaige Lesart als ob-Satz durch pragmatische Mechanismen erzwungen wird. Darauf können wir hier nicht eingehen, und es spielt für unsere Argumentation auch keine Rolle. [^]
  14. Das Problem wird weder in Fabricius-Hansen (1981) noch in Schwabe (2013) angesprochen. [^]
  15. Die Redeweise ist weitgehend neutral mit Blick auf die unterschiedlichen Theorien zur Fragesemantik. Für einen Überblick dazu vgl. Krifka (2011). [^]
  16. Schwabe (2013: 153) spricht von „adjungiert“. [^]
  17. Nach Breindl (1989: 293, Fn. 8) findet sich ein analoger Vorschlag auch in Oppenrieder (1987: 293); vgl. auch Oppenrieder (1991: 333). [^]
  18. Büring / Hartmann (1997: 7-8) sprechen dagegen von „CP complements of prepositions“. [^]
  19. (56) ist an Beispiel (41) in Müller (1995: 234) angelehnt. [^]
  20. Um das formal umzusetzen lässt sich annehmen, dass das Präpositionaladverb P ist, aber im Satz immer zu einer PP projiziert, sei es, es steht alleine (vgl. [PP [ P davor]]) oder zusammen mit einem Dependens (vgl. [PP [ P davor] [ CP dass … ]]). [^]
  21. Anders Müller (2023), der die eine Appositionsbeziehung ansetzt. [^]
  22. Bei den semantischen, sog. ‚Wechselpräpositionen‘, die Dativ- und Akkusativ-NPs einbetten können, wobei die PP dann entweder eine lokale oder eine direktionale Bedeutung hat, vgl. in der Schublade liegen vs. in die Schublade legen. sind unterschiedliche Lexeme mit der jeweiligen lokalen und direktionalen Bedeutung anzunehmen (vgl. Sternefeld 2015: 186). Das einbettende Verb regiert hier nicht den Kasus der NP, sondern selegiert die PP nach den Merkmalen ‚lokal‘ und ‚direktional‘. Das zeigt sich schon darin, dass lokale PPs mit eingebetteter Dativ-PP auch außerhalb von Rektionskontexten auftreten können, vgl. Ich schlafe auf dem Sofa; zudem können als Ergänzungen auch nicht-kasusfähige Ausdrücke auftreten, vgl. darin liegen vs. dorthin legen. [^]
  23. Vgl. hierzu bereits Kaplan / Bresnan (1982: 196-201) für das entsprechende Merkmal „PCASE“. [^]
  24. Die Autoren beziehen diese Annahme auf Korrelatverbindungen in der Funktion von „Termkomplemente[n]“, was einer Distinktion im Bereichs der von ihnen angenommen Komplementtypen geschuldet ist, die für unsere Zwecke irrelevant ist. [^]
  25. Ergänzend müssten hier noch w-Sätze genannt werden. [^]
  26. Die Akzentangaben in (73)-(75) sollen nur anzeigen, ob der Akzent auf dem Korrelat liegt oder nicht. Detaillierte Angaben zur Akzentplatzierung finden sich in Breindl (2013: 471). [^]
  27. Vgl. in diesem Sinne Reis (1997: 131) in Bezug auf den entsprechenden Korrelattyp in Breindl (1989): „[…] andererseits sog. ‚Platzhalter‘ (mit denen der jeweilige Entsprechungssatz im Nachfeld per Kettenbildung verbunden und insofern Gliedsatz ist) […].“ Zu beachten ist aber, dass Ketten im technischen Sinne der Generativen Grammatik NPs sein müssen. [^]
  28. So auch Gunkel / Hartmann (2021: 123), die sich hier Breindl (1989) anschließen. [^]
  29. In Breindl (2013: 478) heißt es, dass die Nachfeldstellung von Korrelat und Korrelatsatz „im Sinne der Verarbeitung als sukzessive Ausklammerung zu verstehen ist“. Wenn die Ausklammerung ‚sukzessiv‘ ist, dann muss es sich bei den ausgeklammerten Konstituenten um separate Elemente handeln. [^]
  30. Ich danke Gisela Zifonun für den Hinweis auf die IDS-Grammatik (1997) bezüglich der Frage der Mehrfachbesetzung von Konstituenten im Nachfeld. [^]

Literatur und Ressourcen

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Biographische Notiz

Lutz Gunkel ist wissenschaftlicher Angestellter in der Abteilung Grammatik am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache und Privatdozent an der Universität des Saarlandes. Er ist Mitautor der Grammatik des Deutschen im europäischen Vergleich. Das Nominal (2017, de Gruyter) und gibt zusammen mit Eva Breindl die Reihe Konvergenz und Divergenz. Sprachvergleichende Studien zum Deutschen (de Gruyter) heraus. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Syntax des Deutschen, des Sprachvergleichs und der Grammatiktheorie.

Kontaktanschrift:

PD Dr. Lutz Gunkel

Leibniz-Institut für Deutsche Sprache

Abteilung Grammatik

R5, 6–13, 68161 Mannheim

gunkel@ids-mannheim.de