Wir haben Eva Breindl etwa zur gleichen Zeit persönlich kennengelernt. Das war vor ungefähr 25 Jahren am Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim – wir hatten dort gerade in der Abteilung Grammatik unsere Stellen angetreten. Für uns beide war dies der Beginn einer prägenden Zeit in der Abteilung Grammatik, die damals von Gisela Zifonun geleitet wurde: Während der eine von uns dort gerade seine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter antrat, machte die andere ihre ersten beruflichen Erfahrungen und unterstützte als wissenschaftliche Hilfskraft die Arbeit an Forschungsprojekten.
Evas wichtige Arbeiten waren uns schon damals bekannt, allen voran der inzwischen legendäre Fürstbischof im Hosenrock (vgl. Breindl / Thurmair 1992). Die gerade erschienene IDS-Grammatik (1997), an der Eva bereits als Ko-Autorin mitgewirkt hatte, gab den neuen IDS-Projekten in der Aufbruchsphase der frühen 2000er Jahre die Richtung an und prägte die fachlichen Gespräche am Institut, in denen wir Eva bald persönlich als zugewandte Kollegin kennenlernten.
Eva hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) studiert und wurde bei Hans Altmann mit einer Arbeit promoviert, aus der die Monographie Präpositionalobjekte und Präpositionalobjektsätze im Deutschen (vgl. Breindl 1989) hervorgegangen ist. Neben der germanistischen Sprachwissenschaft studierte sie Deutsch als Fremdsprache und arbeitete mit Maria Thurmair und Eva-Maria Willkop an der von Harald Weinrich verfassten Textgrammatik der deutschen Sprache mit (vgl. Weinrich 1993). Zu ihren damaligen Kommiliton/inn/en zählten – neben Maria Thurmair – unter anderem auch Karin Pittner, Wilhelm Oppenrieder und Christian Fandrych, die alle mit Beiträgen in diesem Band vertreten sind. Dass wir auch den ‚Doktorvater‘, Hans Altmann, für das Projekt gewinnen konnten, ist uns eine besondere Freude.
Nach einem DAAD-Lektorat (DAAD) in Triest wurde Eva im Jahr 1993 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Grammatik am IDS und arbeitete zunächst in dem von Gisela Zifonun geleiteten Projekt Grammatik der deutschen Sprache (‚IDS-Grammatik‘) mit, für das sie – zusammen mit Ulrich Engel – das Kapitel zu den Komplementklassen schrieb. Gemeinsam mit Roman Schneider und Bruno Strecker gehörte Eva von Anfang an zum grammis-Team (vgl. Breindl / Schneider / Strecker 2000), dessen ursprüngliches Ziel darin bestand, die Ergebnisse der IDS-Grammatik in ein neues, hypertextbasiertes grammatisches Informationssystem zu überführen. Eva schrieb zahlreiche Texte zur Grammatik und arbeitete – auch konzeptionell – am Online-Wörterbuch der Präpositionen und der Konnektoren mit. Ihre fachliche Handschrift ist bis heute an vielen Stellen in grammis sichtbar.
Evas zentraler Beitrag zur Grammatikforschung am IDS bestand zweifellos in ihrer Mitarbeit im Projekt zum Handbuch der deutschen Konnektoren (HDK), dessen erste Phase – zu den theoretischen Grundlagen und der Syntax der Konnektoren – von Renate Pasch geleitet und mit dem ersten HDK-Band (Pasch et al. 2003) abgeschlossen wurde. Die zweite Phase – zur Semantik der Konnektoren – leitete dann Eva selbst (vgl. Breindl / Volodina / Waßner 2014). In diese Zeit fiel auch ein gemeinsam mit Manfred Stede (Universität Potsdam), der ebenfalls mit einem Beitrag in diesem Band vertreten ist, geleitetes DFG-Projekt, aus dem die Monographie Der Ausdruck von Kausalität im Deutschen (vgl. Breindl / Walter 2009) hervorging. Zugleich bot das HDK-2-Projekt angehenden Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern Raum, eigene Forschungsvorhaben zu entwickeln und umzusetzen. In diesem Zusammenhang entstand auch die Dissertation von Anna Volodina, die anschließend als Ko-Autorin des zweiten Handbuchbands weiter an dem Projekt mitarbeitete. Auf Evas fachliche und persönliche Unterstützung war in jeder Arbeitsphase stets Verlass. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich über die Jahre eine kollegiale Freundschaft, die sich in gemeinsamen Vorträgen, Workshops und Publikationen fortsetzte.
Im Zeichen der Konnektorenforschung standen noch weitere Projekte, an denen Eva während ihrer Zeit am IDS maßgeblich beteiligt war: Gemeinsam mit Hardarik Blühdorn und Ulrich Hermann Waßner veranstaltete sie zum Auftakt des HDK-2-Projekts einen Workshop, dessen Ergebnisse im Sammelband Brücken schlagen. Grundlagen der Konnektorensemantik (vgl. Blühdorn / Breindl / Waßner 2004) publiziert wurden. Kurze Zeit später organisierte sie zusammen mit denselben Kollegen sowie Angelika Linke und Beatrice Primus die IDS-Jahrestagung 2005 Text – Verstehen. Grammatik und darüber hinaus, auf die die Herausgabe des Jahrbuchs folgte (vgl. Blühdorn / Breindl / Waßner 2006). Außerdem ging aus einer im Jahr 2009 gemeinsam geleiteten DGfS-Arbeitsgruppe der Sammelband Satzverknüpfungen. Zur Interaktion von Form, Bedeutung und Diskursfunktion (vgl. Breindl / Ferraresi / Volodina 2011) hervor.
Zu erwähnen bleibt noch Evas Mitherausgabe der Festschriften für Gisela Zifonun (vgl. Breindl / Gunkel / Strecker 2006) und Hans Altmann (vgl. Breindl / Thurmair 2008). Wir sind Gisela Zifonun besonders dankbar, dass sie sich mit einem Beitrag an der Themenausgabe beteiligt hat, und das gilt gleichermaßen für den damaligen Direktor des IDS, Ludwig M. Eichinger, der nach Evas Berufung an die Universität Erlangen-Nürnberg die Fertigstellung des ‚Konnektorenhandbuchs‘ betreut hat.
Von 2010 bis 2025 hatte Eva die Professur für Germanistische Linguistik mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache an der Universität Erlangen-Nürnberg inne. Die Erlanger Jahre zeichneten sich durch intensive Lehre, die Erschließung neuer Arbeitsfelder und die Zusammenarbeit mit neuen Kolleginnen und Kollegen aus. Zu den dort geknüpften fachlichen Verbindungen zählt auch die mit Sebastian Kürschner – damals Evas Kollege und heute Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt –, der gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Kerstin Dierolf mit einem Beitrag in diesem Band vertreten ist. Trotz des Wechsels nach Erlangen und des damit verbundenen Umzugs riss die wissenschaftliche Verbindung mit dem IDS nicht ab. Mit Annette Klosa-Kückelhaus, einer Kollegin der Abteilung Lexik des IDS, veröffentlichte Eva 2013 den Sammelband Funktionswörterbuchforschung (vgl. Breindl / Klosa 2013). Seit 2013 gibt sie mit Lutz Gunkel im Auftrag des IDS die Reihe Konvergenz und Divergenz. Sprachvergleichende Studien zum Deutschen bei de Gruyter heraus, in der bislang 13 Bände erschienen sind.
Evas Forschungsarbeiten im Bereich DaF zeichnen sich durch Fragestellungen zu komplexen grammatischen Phänomenen aus, die sie durch Einbeziehung von Lernerkorpora untersucht hat (vgl. u.a. Breindl 2013, 2015, 2018, 2023). Sie war Mitglied im wissenschaftlichen Netzwerk „Kobalt-DaF“ ( = Korpusbasierte Analyse von Lernertexten für Deutsch als Fremdsprache, 2011–2014), das von Heike Zinsmeister geleitet wurde. Die Reichweite von Evas Arbeiten zeigt sich nicht nur in ihrer breiten Rezeption, sondern auch in zahlreichen Einladungen zu linguistischen Tagungen und Fachveranstaltungen. Ihre Forschung wird weit über den Bereich der deskriptiven Linguistik hinaus wahrgenommen, aufgegriffen und weitergeführt, u.a. auch in der formalen und experimentellen Linguistik, z.B. in einigen Arbeiten von Edgar Onea, der an einem Beitrag dieser Themenausgabe mitgewirkt hat.
Zum Schluss möchten wir uns als HerausgeberInnen der Themenausgabe bei all denen bedanken, die zum Zustandekommen dieser Festschrift beigetragen haben. Unser ganz besonderer Dank gilt den Herausgeberinnen der Zeitschrift KorDaF, insbesondere Carolina Flinz und Ruth M. Mell, die die Idee dieser Themeausgabe von Beginn an mit Engagement unterstützt und seine Veröffentlichung ermöglicht haben. Ebenso danken wir den 20 anonymen Gutachterinnen und Gutachtern für ihre sorgfältige Lektüre und die hilfreichen Hinweise, auch wenn wir sie aus nachvollziehbaren Gründen hier nicht namentlich nennen können. Unser Dank gilt schließlich allen Autorinnen und Autoren der Themenausgabe, die im Verborgenen an ihren Beiträgen gearbeitet und so dazu beigetragen haben, den Überraschungsmoment zu bewahren: Zwar wurde Eva die Themenausgabe rechtzeitig zu ihrem Geburtstag angekündigt, auspacken kann sie dieses Geschenk aber erst jetzt, mit dem Erscheinen der vorliegenden Themenausgabe.
In diesem Sinne wünschen wir gemeinsam mit allen an dieser Themeausgabe Beteiligten Eva Breindl eine anregende Lektüre und weiterhin Spaß an der eigenen Forschung! Wir freuen uns auf viele weitere Begegnungen mit ihr – auf Tagungen und wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet.
Lutz Gunkel und Anna Volodina
Mannheim / Graz
im Juli 2026
Literatur und Ressourcen
Blühdorn, Hardarik / Breindl, Eva / Waßner, Ulrich Hermann (Hrsg.) (2004): Brücken schlagen. Grundlagen der Konnektorensemantik. Berlin / New York: de Gruyter.
Blühdorn, Hardarik / Breindl, Eva / Waßner, Ulrich Hermann (Hrsg.) (2006): Text – Verstehen. Grammatik und darüber hinaus. Berlin / New York: de Gruyter.
Breindl, Eva (1989): Präpositionalobjekte und Präpositionalobjektsätze im Deutschen. Tübingen: Niemeyer.
Breindl, Eva (2013): Komplexe grammatische Strukturen im L2-Erwerb: Das Beispiel der Verschmelzung von Präposition und Artikel. In: German as a Foreign Language 2, 1–20.
Breindl, Eva (2015): Die Besetzung des Nachfelds bei fortgeschrittenen Lernern des Deutschen als Fremdsprache. Eine korpusbasierte Studie. In: Vinckel-Roisin, Hélène (Hrsg.): Das Nachfeld im Deutschen: Theorie und Empirie. Berlin / Boston: de Gruyter, 363–383.
Breindl, Eva (2018): Konnexion in argumentativen Texten von DaF-Lernern und Muttersprachlern. In: Eichinger, Ludwig M. / Volodina, Anna (Hrsg.): Über den Tellerrand hinaus: Konnektorenforschung aus unterschiedlichen Blickwinkeln (Themenheft). Deutsche Sprache 1/ 18, 22–36.
Breindl, Eva (2023): Koordination – (k)ein Lernproblem für DaF? In: Beißwenger, Michael / Gredel, Eva / Lemnitzer, Lothar / Schneider, Roman (Hrsg.): Korpusgestützte Sprachanalyse. Grundlagen, Anwendungen und Analysen. Tübingen: Narr, 377–392.
Breindl, Eva / Ferraresi, Gisella / Volodina, Anna (Hrsg.) (2011): Satzverknüpfungen. Zur Interaktion von Form, Bedeutung und Diskursfunktion. Berlin / New York: de Gruyter.
Breindl, Eva / Gunkel, Lutz / Strecker, Bruno (Hrsg.) (2006): Grammatische Untersuchungen. Analysen und Reflexionen. Tübingen: Narr.
Breindl, Eva / Klosa, Annette (Hrsg.) (2013): Funktionswörterbuchforschung. Zur lexikographischen Darstellung von Partikeln, Konnektoren, Präpositionen und anderen Funktionswörtern. Hildesheim / Zürich / New York: Olms.
Breindl, Eva / Schneider, Roman / Strecker, Bruno (2000): GRAMMIS – ein Projekt stellt sich vor. In: Sprachreport. Informationen und Meinungen zur deutschen Sprache 16: 1, 19–24.
Breindl, Eva / Thurmair, Maria (1992): Der Fürstbischof im Hosenrock. Eine Studie zu den nominalen Kopulativkomposita des Deutschen. In: Deutsche Sprache 20, 32–61.
Breindl, Eva / Thurmair, Maria (Hrsg.) (2008): Erkenntnisse vom Rande. Zur Interaktion von Prosodie, Informationsstruktur, Syntax und Bedeutung. Zugleich Festschrift für Hans Altmann zum 65. Geburtstag (Themenausgabe). In: Deutsche Sprache 1.
Breindl, Eva / Volodina, Anna / Waßner, Ulrich Hermann (2014): Handbuch der deutschen Konnektoren 2: Semantik der deutschen Satzverknüpfer. Berlin / München / Boston: de Gruyter.
Breindl, Eva / Walter, Maik (2009): Der Ausdruck von Kausalität im Deutschen: eine korpusbasierte Studie zum Zusammenspiel von Konnektoren, Kontextmerkmalen und Diskursrelationen. Mannheim: Institut für Deutsche Sprache.
IDS-Grammatik (1997) = Zifonun, Gisela / Hoffmann, Ludger / Strecker, Bruno et al. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. 3 Bände. Berlin / New York: de Gruyter.
Pasch, Renate / Brauße, Ursula / Breindl, Eva / Waßner, Ulrich Hermann (2003): Handbuch der deutschen Konnektoren: Linguistische Grundlagen der Beschreibung und syntaktische Merkmale der deutschen Satzverknüpfer (Konjunktionen, Satzadverbien und Partikeln). Berlin / New York: de Gruyter.
Weinrich, Harald (1993): Textgrammatik der deutschen Sprache. Unter Mitarbeit von Eva Breindl, Maria Thurmair und Eva-Maria Willkop. Mannheim: Bibliographisches Institut.
Biographische Notiz
Lutz Gunkel ist wissenschaftlicher Angestellter in der Abteilung Grammatik am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache und Privatdozent an der Universität des Saarlandes. Er ist Mitautor der Grammatik des Deutschen im europäischen Vergleich. Das Nominal (2017, de Gruyter) und gibt zusammen mit Eva Breindl die Reihe Konvergenz und Divergenz. Sprachvergleichende Studien zum Deutschen (de Gruyter) heraus. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Syntax des Deutschen, des Sprachvergleichs und der Grammatiktheorie.
Kontaktanschrift:
PD Dr. Lutz Gunkel
Leibniz-Institut für Deutsche Sprache
Abteilung Grammatik
R5, 6–13, 68161 Mannheim
Biographische Notiz
Anna Volodina ist seit 2025 Senior Scientist an der Universität Graz. Zuvor war sie viele Jahre in der Abteilung Grammatik am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim sowie an den Universitäten Kassel, Frankfurt und Leipzig in unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionen tätig. Zusammen mit Eva Breindl und Ulrich Hermann Waßner ist sie Ko-Autorin des Handbuchs der deutschen Konnektoren 2 (2014, de Gruyter). Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in der Untersuchung nicht-kanonischer Strukturen in gesprochener und geschriebener Sprache sowie in der angewandten Sprachwissenschaft mit besonderem Fokus auf Mehrsprachigkeit.
Kontaktanschrift:
Dr. phil. Anna Volodina
Karl-Franzens-Universität Graz
Institut für Sprachwissenschaft
Merangasse 70, 8010 Graz (Österreich)