1. Rekapitulation gewisser Grundgedanken der Konnektorensemantik
„Was man sich erschließen kann, braucht man nicht zu sagen“. Nach diesem Motto handeln wir oft im kommunikativen Umgang miteinander – etwa, wenn wir unangenehme Wahrheiten dem oder den anderen nicht ins Gesicht sagen, aber doch zu verstehen geben wollen. Oder auch wenn wir eine(n) andere(n) nicht direkt zu etwas auffordern, aber doch bewirken wollen, dass der oder die andere das Gewünschte tut. Oder einfach wenn wir uns umständliche Ausbuchstabierungen, Fallunterscheidungen oder Erläuterungen ersparen wollen, die sich der oder die andere bei gutem Willen selbst herleiten können. Die aus der sprachanalytischen Philosophie hervorgegangene Pragmatik nun hat hinter dem Gemeinplatz ein Rationalitätsprinzip erkannt, das, so interpretiere ich den Titel Logic and Conversation von H. P. Grice’s grundlegendem Aufsatz aus dem Jahr 1975, in Verbindung mit den Bedingungen und Erfordernissen des kommunikativen Austauschs nicht nur Schlussfolgerungen an bestimmten Stellen einer Interaktion erlaubt, sondern die allgemeine Struktur des Verhältnisses zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten bzw. – aus Hörersicht – dem Erschlossenen erkennen lässt. Grice hat mit dem so genannten Kooperationsprinzip und den darauf beruhenden Maximen den Bedingungen des kommunikativen Austauschs, also der ‚conversation‘, Rechnung getragen und mit spezifischen Formen der Inferenz, also der ‚logic‘, dem Rationalitätsprinzip. Wenn, was sich seit den 1980-er und 1990-er Jahren als bedeutender sprachwissenschaftlicher Ansatz erwiesen hat, sprachsystematische Beschreibungen und Erklärungen in dieser Weise pragmatisch fundiert oder zumindest an die Pragmatik angeschlossen werden, kann das weitreichende Folgen haben.
Das Handbuch der deutschen Konnektoren 2. Semantik der deutschen Satzverknüpfer (HDK 2) ist zweifellos einem solchen der Pragmatik verpflichteten bzw. ihr Rechnung tragenden Ansatz zuzuordnen. Mit der schon in HDK 1 praktizierten Unterscheidung zwischen ‚grammatisch determinierter Bedeutung‘1 und ‚Äußerungsbedeutung‘ wird zwar direkt der Sprachgebrauch von Bierwisch (1979) und der daran anschließenden Literatur übernommen. Die Spezifikation der grammatisch determinierten Bedeutung als „invariabel und kontextunabhängig“ und der Äußerungsbedeutung als „Mechanismen der Interpretationsanpassung […] in einer spezifischen Verwendungssituation“ (HDK 2: 120) lässt aber schon deutlich die an Grice anschließende Herausstellung inferenzieller Verfahren als Link zwischen den beiden Größen erkennen2. In der Folge (ebd.: 133) wird dann bei der Erläuterung dieses Zusammenhangs explizit auf Grice und die Maximen Bezug genommen. Als grundlegend wird die „Maxime der Relevanz (Sei relevant!)“ hervorgehoben, auf die alle weiteren Maximen zurückzuführen seien, wobei die „Maxime der Quantität (Mache deinen Beitrag so informativ, wie es der gegenwärtige Konversationszweck verlangt. Mache deinen Beitrag nicht informativer als verlangt!)“ noch eigens genannt wird. Weiter heißt es dann (ebd.):
Durch Implikaturen können in Konnnektorkonstruktionen sowohl die Konnekte als auch die Konnektoren selbst Uminterpretationen und interpretative Anpassungen an den Äußerungskontext erfahren. Dies geschieht häufig auf der Basis übereinzelsprachlich wirksamer, allgemein kognitiver Schlussfolgerungsprinzipien.
Soweit handelt es sich um eine Anpassung des Grice’schen Programms an die spezielle Aufgabenstellung: die Erfassung der Semantik der Konnektoren. Allerdings legt die Betonung allgemeiner kognitiver Schlussfolgerungsprinzipien nahe, dass gerade bei diesem Wortschatzbereich – der ja die Verknüpfung von Propositionen, also von Wissen, leisten soll – sich in besonderer Weise die möglichen Zusammenhänge zwischen Situationen, Fakten oder Wissenselementen manifestieren. Oder zugespitzt gesagt: In der Bedeutung eines Konnektors muss all das angelegt sein, was wir uns gegebenenfalls über die mit seiner Nennung aktivierten Zusammenhänge erschließen können. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Als solche einschlägige Schlussfolgerungsprinzipien werden im Anschluss diese abgehandelt: das Prinzip „Post hoc ergo propter hoc“, die „Konditionalverstärkung“, die „Konjunktoranreicherung“ und die „Anpassung in der aspektuellen Charakteristik“ (ebd.: 134–136). Das erste Prinzip erlaubt es, bei temporalen Konnektoren wie nachdem oder als in gewissen Kontexten eine kausale Äußerungsbedeutung abzuleiten. Das zweite Prinzip erlaubt es, das konditionale wenn gegebenenfalls zu einem ‚nur wenn‘ zu verstärken. Das dritte Prinzip erlaubt es, z.B. den semantisch unspezifischen Konnektor und je nach Umständen im Sinne einer Sequenz-, einer Kausal- oder auch einer Konditionalbeziehung zu verstehen. Das vierte Prinzip schließlich erlaubt es, bei temporalen Konnektoren wie seit oder bis, die gemäß ihrer lexikalischen Bedeutung eine bestimmte Konstellation in der aspektuellen Charakteristik der beiden von den Konnekten denotierten Ereignisse verlangen, bei Nicht-Vorliegen ggf. zu einer anderen Konstellation überzugehen. Wir werden auf diese Prinzipien noch ausführlicher zu sprechen kommen, aber im Folgenden auch weitere weniger allgemeine Implikaturen und Inferenzen diskutieren, die im Handbuch neben diesen allgemeinen Schlussfolgerungsprinzipien herangezogen werden.
Der oben zitierte Absatz aus HDK 2 wird wie folgt fortgesetzt:
Implikaturen können in unterschiedlich starkem Ausmaß konventionalisiert sein, bis hin zu dem Punkt, dass sie in Kontexten eines bestimmten, angebbaren Typs zu einem festen, nicht mehr tilgbaren Bedeutungsbestandteil werden (generalisierte Implikaturen). In diesem Fall ist die lexikografische und grammatikografische Erfassung dieser Bedeutung als einer Lesart dieses Ausdrucks angemessen. (ebd.: 133)
Damit sind wichtige Leitlinien, die aus der pragmatischen Wende für die Beschreibung der Konnektorensemantik folgen, angedeutet. Sie können so konkretisiert werden:
1. Die Unterscheidung von konventionalisierten und nicht-konventionalisierten (bzw. generalisierten) Implikaturen sowie von Graden der Konventionalisierung ist zu präzisieren und, falls einschlägig, bei der Beschreibung der Konnektoren zu erfassen.
2. Nach Maßgabe des Befundes von 1. ist über die Anzahl der Bedeutungen eines Konnektors zu entscheiden. Oder genauer gesagt: Es ist zu entscheiden, ob für einen Konnektor – bei Konstanz der syntaktischen Klasse – eine oder mehrere Bedeutungen (im ‚grammatisch determinierten‘ Sinne) anzusetzen sind.
Aus meiner Sicht könnte es im Hinblick auf Punkt 1 zur Klärung beitragen, wenn ergänzend auch noch folgende Aufgabenstellung berücksichtigt wird:
3. Das Konzept der generalisierten Implikatur ist mit von dem bei Grice eingeführten Konzept der ‚conventional implicature‘ zu vergleichen und ggf. davon abzugrenzen.
Die in dem zitierten Absatz angesprochene Tilgbarkeit oder auch Aufhebbarkeit („cancellability“) gehört nach Grice zu den notwendigen Eigenschaften konversationeller Implikaturen. Aufhebbarkeit heißt dann in der Formulierung von Becker (2008: 70) konkret Folgendes: „Man kann einen Satz äußern, der eine bestimmte Implikatur auslöst, und danach die Negation der Implikatur anschließen, ohne sich zu widersprechen“. Häufiger allerdings ist jedoch eine implizite Form der Tilgung. Man vergleiche dieses Beispiel:
- (1)
- Nachdem Hans den Marathonlauf durchgestanden hatte, begann er regelmäßig zu trainieren. (HDK 2: 330).
Hier kann man eine kausale Implikatur aufheben, wenn z.B. folgendermaßen fortgefahren wird:
- (2)
- Der Grund dafür waren die besseren Trainingsbedingungen an seinem neuen Wohnort.
Durch die Nennung des wahren Grundes wird die kausale Implikatur, die sich bei Adressaten hätte einstellen können, implizit negiert, und damit aufgehoben.
Bestandteile der Bedeutung können im Gegensatz zu konversationellen Implikaturen nicht aufgehoben werden. Darauf weist Sadock (vgl. 1991: 372) in seinem Kommentar zu Grice ausdrücklich hin, ebenso auch Becker (ebd.). Wäre z.B. in (1) statt des Subjunktors nachdem der Subjunktor weil gesetzt worden, wäre die Fortsetzung durch (2) abweichend.
Im Folgenden werden wir die semantische Analyse einiger ausgewählter Konnektoren des HDK 2 unter den Gesichtspunkten 1. bis 3. genauer betrachten. Dabei geht es in Kap. 2 um Konnektoren, für die im Handbuch nur eine Bedeutung angesetzt wird – bei einer Reihe von durch Implikaturen oder andere Inferenzen erschließbaren Äußerungsbedeutungen. In Kap. 3 geht es um polyseme Konnektoren, bei denen konventionalisierte Implikaturen für die Polysemie verantwortlich sind oder sein könnten. In Kap. 4 kommen wir auf das Verhältnis von Bedeutungen und den verschiedenen Implikaturarten, das in diesem Kapitel. angerissen wurde, noch einmal zurück. Ein kurzes Fazit schließt als Kap. 5 den Beitrag ab.
2. Konnektoren mit einer Bedeutung: und, als, aber
Zu dem Konnektor und heißt es im Duden-Online-Wörterbuch: Es „verbindet einen Hauptsatz mit einem vorhergehenden; kennzeichnet ein zeitliches Verhältnis, leitet eine erläuternde, kommentierende, bestätigende o.ä. Aussage ein, schließt eine Folgerung oder einen Gegensatz, Widerspruch an“3. Das DWDS spricht beim satzverknüpfenden und u.a. von einem „zeitlichen“, „konsekutiven“ oder „adversativen Nebensinn“. Hier werden – bezogen auf die syntaktische Funktion der Satzverknüpfung – gleichberechtigt unterschiedliche Lesarten aufgeführt, zwischen denen der Nutzer, wohl kontextabhängig, zu wählen hat. Zwischen grammatisch determinierter und Äußerungsbedeutung wird nicht unterschieden, die Herleitung der jeweils gemeinten Lesart wird nicht thematisiert. Das mag für die Adressaten und die Nutzungssituation von Wörterbüchern genügen. Für HDK 2 hingegen kann der „Universalkonjunktor“ (ebd.: 408)4, in seiner Verwendung als Verknüpfer zwischen Sätzen bzw. kommunikativen Minimaleinheiten5, als Paradebeispiel für diese Unterscheidung und damit für die Arbeitsteilung zwischen Semantik im engeren und weiteren Sinne oder zwischen Semantik und Pragmatik dienen. So wird zwischen einer „reinen Listeninterpretation“, bei der „eine Vertauschung der Konnekte keine Auswirkung auf die Interpretation“ hat, und „Weiterinterpretationen zu anderen additiv basierten Relationen“ (ebd.: 411) unterschieden. Bei letzteren handelt es sich vor allem um „ikonische Interpretationen wie temporale Sukzessivität […] und Konsekutivität […]“, also um die Lesarten ‚und dann‘ bzw. ‚und deshalb‘. Als weitere mögliche Weiterinterpretationen werden adversatives „und … hingegen“ / „und … jedoch“ sowie konzessives „und … dennoch“ genannt. Damit werden die im Duden-Online-Wörterbuch und DWDS genannten Lesarten abgedeckt, wobei „diese Interpretationsanreicherungen keine nicht-tilgbaren Bestandteile der Grundbedeutung von und sind (…), sondern kontextgesteuert auf dem Weg konversationeller Implikaturen ins Spiel kommen“ (ebd.)6.
Die ‚Grundbedeutung‘ aller additiv basierten Konnektoren besteht in der „logischen Konjunktion der in den Argumenten des Konnektors bezeichneten Propositionen“ (ebd.: 393). Die Grundbedeutung – oder sollen wir sagen: die ‚grammatisch determinierte Bedeutung‘ – des satzverknüpfenden und geht darüber strikt genommen nicht hinaus. Geltend gemacht wird aber zusätzlich eine „Bündelungsoperation“ und die nach Lang (1977) für alle koordinativen Verknüpfungen einschlägige „Unterstellung einer Gemeinsamen Einordnungsinstanz“ (HDK 2: 410). Ob auch diese beiden, sehr abstrakten und zudem nicht trennscharfen Konzepte letztlich aus dem Zwang zur Sinnstiftung, also Inferenzprozesse zurückgehen, wird nicht thematisiert.
Nicht als eigene Bedeutungen von und geführt werden „konditionale Interpretationen“ und „sogenannte implikative Interpretationen“ (ebd.: 415–421). Zu vermuten ist, dass ihr vergleichsweise marginaler Status und vor allem ihre Bindung an spezifische Eigenschaften der Konnekte sie eher im Sinne von „Konstruktionen“ verstehen lassen als kompositional durch die Bedeutungen der Teile im Sinne der wahrheitsfunktionalen Semantik aufkonstruiert7. Dennoch ist zumindest für die konditionale Interpretation in Anknüpfung an eben diese wahrheitsfunktionale Semantik über Inferenzen die gemeinte Lesart herleitbar. Wir betrachten den Fall „konditionale Interpretationen“ anhand der folgenden Beispiele etwas näher:
- (3)
- Sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund. (HDK 2: 415)
- (4)
- Arbeiten Sie und Sie werden bezahlt. (IDS-Grammatik: 660)
Die hier vorliegende Koordination eines Aufforderungs- und eines Aussagesatzes kann zunächst nicht im Sinne einer aussagenlogischen Verknüpfung interpretiert werden. Davon ausgehend heißt es in HDK 2 (ebd.): „Der offene Faktizitätswert des ersten Arguments ist durch den nicht-deklarativen Satzmodus Imperativsatz […] gegeben, das zweite Argument wird dann automatisch als nicht realisierter Sachverhalt interpretiert […])“. Somit ist – „automatisch“ – ein erster Inferenzschritt angezeigt. Die mit ihm vorzunehmende Reinterpretation, die die konditionale Lesart herbeiführt, wird in der IDS-Grammatik (ebd.) so beschrieben: „Mit dem Aufforderungsteil wird dabei jeweils derjenige adressatenspezifische Sachverhalt angegeben, der erst einmal erfüllt werden muß, wenn […] ein anderer Sachverhalt eintreten oder verwirklicht werden soll […]“. Hinzu kommt als zweiter Inferenzschritt die oben erwähnte „Konditionalverstärkung“. Denn Äußerungen wie (3) oder (4) erfüllen ihren kommunikativen Sinn nur dann, wenn die Bedingung auch in umgekehrter Richtung gilt, wenn also die Seele nur gesundet, wenn dieses eine Wort gesprochen wird bzw. die Zahlung nur erfolgt, wenn gearbeitet wird. Dieser zweite Schritt ist eine konversationelle Implikatur (vgl. HDK 2: 416). Der erste Schritt hingegen erfüllt nicht die Bedingungen für eine konversationelle Implikatur: Diese darf a) der Bedeutung des Gesagten, also der „wörtlichen“ Bedeutung, nicht widersprechen und sie muss b) aufhebbar sein. Bedingung a) ist in diesem Fall nicht erfüllbar, weil das Gesagte nicht „wörtlich“ – also im Sinne der logischen Konjunktion – interpretierbar ist, und gegen Bedingung b) muss daher notwendigerweise verstoßen werden, um überhaupt zu einer Interpretation zu gelangen.
Der temporale Subjunktor als wird als unspezifisch situierend eingeordnet, das heißt, neben der dominanten Gleichzeitigkeitsinterpretation für die beiden Argumente sind auch Nachzeitigkeit und Vorzeitigkeit möglich. Bei einer Sequenzinterpretation lässt sich nach Kap. 1.3.1.1 des HDK 2, das speziell diesem Subjunktor gewidmet ist, „immer in Form einer konversationellen Implikatur ein Kausalzusammenhang zwischen dem früheren und dem späteren Sachverhalt ableiten“ (ebd.: 301), wie etwa in folgendem Beispiel:
- (5)
- Als Hans beim Skilaufen stürzte, fuhr Maria ihn ins Krankenhaus.
Wenn bei einem Sequenzverhältnis „immer“ ein Kausalzusammenhang ableitbar ist, ist dann nicht die Bedingung der Tilgbarkeit, die eigentlich bei einer konversationellen Implikatur gegeben sein müsste, außer Kraft gesetzt? Das jedenfalls liegt nahe, wenn das folgende Beispiel, das man nur temporal interpretieren kann, als „weniger akzeptabel“ (ebd.) eingeordnet wird.
- (6)
- Als Hans beim Skilaufen stürzte, brach sich im Jahr darauf seine Frau ein Bein.
Und heißt das dann nicht, dass als bei dieser Konstellation nicht schlicht temporale Bedeutung hat, sondern temporal-kausale in unauflösbarer Kombination? Eine solche semantische Kombination hat offensichtlich Eigenschaften, die dem erläuterten Verständnis von Bedeutung oder konversationeller Implikatur oder beidem zuwiderlaufen: Gegen den Status als Bedeutung und für eine Implikatur spricht die Bindung an das Sequenzverhältnis, also eine kontextuelle Bedingung. Kausale Verhältnisse anderer Art, zumal solche auf der epistemischen oder der Sprechaktebene sind bei als ausgeschlossen8. Für den Status als Bedeutung und gegen eine Implikatur spricht, wie gesagt, die mangelnde Tilgbarkeit.
Noch etwas anders gelagert ist das Verhältnis von Temporalität und Kausalität, wenn das interne Konnekt negiert ist. Auf diesen Fall wird an zwei Stellen im HDK eingegangen, mit den folgenden beiden Beispielen (7) und (8)9:
- (7)
- Als sich die Tür nicht öffnen ließ, rief Hans den Hausmeister. (ebd.: 134)
- (8)
- Als das Versorgungsschiff nicht aufbrach, startete die Expedition. (ebd.: 342)
Zwar ist die kausale Interpretation bei (7) die nächstliegende. Aber man kann sie durchaus aufheben, etwa durch die folgende Kontextualisierung:
Als sich die Tür nicht öffnen ließ, rief Hans den Hausmeister. Und das, obwohl er unsere Versuche, die Tür zu öffnen, gar nicht mitbekommen hatte, sondern mit dem verstopften Abfluss im ersten Stock zugange war. Es war also purer Zufall, dass der Hausmeister prompt erschien und so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden konnten.
(7) wird in HDK 2 mit dem Hinweis kommentiert, hier sei die Streichung eines Kausalzusammenhangs kaum mehr möglich. Bei (8) wird argumentiert, die Verknüpfungen würden „im Sinne eines kausal angereicherten Schemas von Anlass – Reaktion interpretiert, aber nicht mehr als temporale Situierung eines Sachverhalts. Negierte temporale Subjunktorphrasen sind jedenfalls nicht mit wann erfragbar.“ (ebd.: 342). Temporal situierte Sachverhalte wiederum sind Ereignisse. Wenn keine temporale Situierung gegeben ist, wie im Falle der Negation, so liege ein „Nicht-Ereignis“ (ebd.: 341) vor. Aber schließt die wann-Frage wirklich in jedem Fall eine Negation im internen Konnekt und damit eine temporale Interpretation aus? Im Fall von (7) etwa ist eine Frage-Antwort-Konstellation wie in (9) durchaus akzeptabel.
- (9)
- Wann rief Hans den Hausmeister? – Als sich die Tür nicht öffnen ließ.
Die ist auf die folgende Inferenz zurückzuführen:
Wenn sich etwas nicht öffnen lässt, muss zuvor ein erfolgloser Öffnungsversuch stattgefunden haben / ein Öffnungsversuch gescheitert sein.
Damit ist nun in der Tat ein Ereignis identifiziert, nämlich der Zustand, der sich aus dem gescheiterten Versuch die Tür zu öffnen ergibt. Zwar hat sich in der Befindlichkeit der Tür nichts geändert – sie ist nach wie vor geschlossen – aber die Handlungsbedingungen haben sich entscheidend geändert. Vernünftigerweise versucht man zunächst selbst die Tür zu öffnen, bevor man den Hausmeister ruft. Insofern ist also eine Antwort, die sich auf diesen Resultatzustand bezieht, durch einen als-Satz, sei es in der expliziten Form als der Versuch, die Tür zu öffnen gescheitert war, sei es in der abgeleiteten Form (9) sinnvoll und angemessen.
Die Ummünzung eines negierten temporalen Subjunktorsatzes in eine Ereignisbezeichnung kann wohl auf vielfältige Weise geschehen. Auch die Einfügung von noch oder mehr kann aus meiner Sicht negierte als-Konnekte zu sinnvollen Antworten auf wann-Fragen machen:
- (10)
- Wann hattest du diesen Unfall? Als ich noch nicht eingeschult war / Als ich nicht mehr in Bielefeld wohnte.
Offenbar macht die zeitliche Begrenzung zusammen mit inferenziellen Prozessen hier aus einem Nicht-Ereignis ein Ereignis, genauer gesagt, einen Zustand, der von der Geburt bis zum Datum der Einschulung reicht bzw. der mit dem Wegzug von Bielefeld beginnt und dessen Ende in der Vergangenheit liegt.
Der Adverbkonnektor aber gehört zu den „additiv basierten Konnektoren“ (vgl. HDK 2, Kap. C2), ist somit einer der zahlreichen Konnektoren, „deren wahrheitsfunktionale Bedeutung mit Hilfe der logischen Konjunktion der in den Argumenten bezeichneten Propositionen erfasst werden kann“ (ebd.: 393). Aber ist also wahrheitsfunktional äquivalent mit und. Allerdings kommt bei den kontrastiven Konnektoren, deren wichtigster Vertreter aber ist, ein weiterer Bedeutungsanteil hinzu. Denn „für die Beschreibung ihrer Bedeutung muss auf Hintergrundannahmen zurückgegriffen werden. Eine Verknüpfung p, aber q signalisiert die Unterbrechung eines Gleichlaufs und wird erst vor der Folie erklärbar, dass p und ~q zur Debatte stand“ (ebd.). Dieser Gleichlauf zwischen „potenzielle(n) Alternativen“, so heißt es in dem Kapitel zu den kontrastiven Konnektoren, werde „unter einem bestimmten Aspekt und vor einem gegebenen Diskurshintergrund aber explizit in Frage gestellt“ (ebd.: 517). Dabei sei „der Hintergrund […] erst im Nachhinein aus der gesamten Verknüpfung oder dem sie umgebenden Kontext rekonstruierbar“ (ebd.).
Die Störung des Gleichlaufs kann also in ganz unterschiedlicher Weise vonstattengehen. Illustrieren wir das an zwei kurzen Beispielen (vgl. (11) und (12)) aus den Grimm’schen Hausmärchen (HDK 2: 517), indem wir die vom HDK angebotene Rekonstruktion zusammenfassen.
- (11)
- Die Kinder gaben sich alle Mühe, aber sie konnten den Bart nicht herausziehen, er steckte fest.
Der Gleichlauf würde hier in der Erfüllung der Intention, den Bart herauszuziehen, bestehen. Diese Intention erfüllt sich nicht.
- (12)
- Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter.
Der avisierte Gleichlauf ist hier recht abstrakter Natur. Es gehe um die Bewertungen auf Skalen für menschliche Eigenschaften. Die Bewertung mit arm verweist auf den unteren, also negativen Pol der Skala für die Bewertung nach dem Besitz. Gleichlauf wäre somit gegeben, wenn auch das Aussehen der Tochter negativ bewertet würde. Die Bewertung mit schön verweist auf den oberen, positiven Pol der entsprechenden Skala. Und dies signalisiere die Setzung von aber.
Was nun die Einordnung dieses Verstoßes gegen einen Gleichlauf beim Gebrauch adversativer Konnektoren wie aber angeht, so heißt es: „Für die Beschreibung ihrer Bedeutung muss auf Hintergrundannahmen zurückgegriffen werden“ (HDK 2: 393). Eine solche Hintergrundannahme würde z.B. bei (12) lauten:
Wenn jemand oder etwas auf einer Bewertungsskala am negativen Pol eingeordnet ist, ist anzunehmen, dass dies auch bezüglich anderer Skalen gilt.
Durch den Gebrauch von aber wird diese Annahme für die aktuelle Konstellation zurückgewiesen. Gemeinsamer Nenner aller Verwendungen von aber ist offenbar ein inferenzieller Mechanismus, der zur Identifikation der jeweils vorliegenden Hintergrundannahme bzgl. eines, wie durch aber ersichtlich, gestörten Gleichlaufs, einer Divergenz oder eines Kontrastes führt. Allerdings wird in HDK 2, soweit ich sehe, an keiner Stelle hier von einer Implikatur oder gar einer konversationellen Implikatur gesprochen. Man könnte vielleicht die avisierte Analyse für aber in HDK 2 so zusammenfassen: Unverzichtbarer Teil der Funktion von aber ist der Ausdruck eines Kontrastes bzw. einer Divergenz im Hinblick auf eine zu erschließende erwartete Sachverhaltskonstellation. Dann wäre aber auch die Bezeichnung dieser Funktion als Bedeutung in einem erweiterten Sinne zu verstehen: Invariabel und kontextunabhängig ist nicht ein bestimmter Kontrast, sondern der Kontrast als Schema.
Grice (1971 / 1991a: 67) betrachtet die adversative Funktion von but, also dem englischen Äquivalent von aber, als konventionelle Implikatur. Er erläutert das Konzept anhand von therefore (‚deshalb‘) so: „I would wish to maintain that the semantic function of the word ‘therefore’ is to enable a speaker to indicate, though not to say, that a certain consequence holds“. Zwar gehört somit das konventionell Implikatierte zur Bedeutung eines Wortes, jedoch nicht zum mit dem Wort Gesagten. Das, so scheint es, setzt eine Feindifferenzierung zwischen einem zentralen Bedeutungskern, dem Gesagten, und einem Rest, dem (nur) Signalisierten, voraus10. Mit der anschließenden Bemerkung „I would adopt the same position with regard to words like but and moreover“ wird dann das Konzept auch für die adversativen Konnektoren wie but bzw. aber geltend gemacht. Auch in „Logic and Conversation“ (Grice 1975 / 1991b: 307) wird bezüglich therefore (und somit einem kausalen Konnektor) von konventioneller Implikatur gesprochen; von but hingegen ist dort nicht die Rede. Interessanterweise argumentiert Harnish (vgl. 1991: 329–330) nun gegen eine Einordnung der kausalen Funktion von therefore als Signalisierung einer konventionellen Implikatur und für die Einordnung als Teil des Gesagten, somit als Bedeutungsbeitrag im engeren Sinne, während bei but (bzw. aber) in der Tat von einer konventionellen Implikatur auszugehen sei.
In HDK 2, so meine Schlussfolgerung, wird mit Blick auf aber und die adversativen Konnektoren eine explizite Festlegung auf eine bestimmte Art von Inferenz und auf nähere Ausführungen zum hier vorliegenden Konzept von Bedeutung angesichts dieser strittigen Debatte verzichtet. Kausale Konnektoren wie unter anderem deshalb werden hingegen wie kausale Präpositionen (aufgrund, wegen usw.) oder Substantive (Grund, Ursache usw.) als „Bedeutungsträger von Kausalität“ (ebd.: 811) eingeordnet; Kausalität gehört also bei ihnen analog zu therefore bei Harnish auf die Ebene des Gesagten.
Wenn wir die drei Konnektoren und, als und aber Revue passieren lassen, so stellen wir fest: Bei allen drei Ausdrücken wird die Annahme, es liege – im Fall von und hinsichtlich der syntaktischen Funktion als Satzverknüpfer – nur jeweils eine ggf. kontextuell weiter zu spezifizierende Bedeutung vor, zwar hinreichend argumentativ abgesichert. Aber in allen drei Fällen sind Unschärfen oder Zweifelsfälle zu vermerken, was die Art und die Herleitung jener kontextspezifischen Lesarten angeht. Im Fall von und stellen die konditionalen Interpretationen einerseits eine veritable Abweichung von der wahrheitskonditionalen Bedeutung des Konnektors dar. Sie sind aber durch zwei inferenzielle Schritte, von denen nur der zweite eine konversationelle Implikatur ist, doch an die „normale“ Bedeutung von und anschließbar. Bei als liegt die Herleitung kausaler Lesarten mittels konversationeller Implikaturen auf der Hand. Problematisch ist dabei aber, dass hier nicht in jedem Fall Tilgbarkeit der Implikatur gegeben zu sein scheint – was bei einer konversationellen Implikatur vorauszusetzen wäre. Bei aber ist die Signalisierung eines Kontrastes oder einer „Störung des Gleichlaufs“ neben der wahrheitskonditionalen und-Verknüpfung immer gegeben. Ob sie nun als ein Kontrastschema Teil der Bedeutung des Konnektors ist oder (wie von Grice angenommen) eine konventionelle Implikatur, bleibt im HDK offen. Unstrittig dürfte sein, dass die spezifische Art der Störung aus kontextgesteuerten Hintergrundannahmen herzuleiten ist.
3. Konnektoren mit mehreren Bedeutungen: nachdem und während
Das oben zitierte Beispiel (8) mit dem Konnektor als folgt im Text des HDK 2 direkt auf das folgende Beispiel, bei dem statt als der Subjunktor nachdem gesetzt ist und statt der Präteritumform die Plusquamperfektform des Verbs aufbrechen:
- (13)
- Nachdem das Versorgungsschiff nicht aufgebrochen war, startete die Expedition. (ebd.: 342)11
Die Aussage zur kausalen statt einer temporalen Interpretation bezieht sich auf beide Varianten gleichermaßen. Wieso geht dann das HDK bei als von nur einer lexikalischen Bedeutung, der temporalen, aus – mit einer durch Implikatur hergeleiteten kausalen Äußerungsbedeutung –, während nachdem sowohl in der Liste der temporalen (vgl. ebd.: 276) als auch der kausalen Konnektoren (vgl. ebd.: 790) aufgeführt wird, also offenbar von zwei lexikalischen Bedeutungen, einer temporalen und einer kausalen, auszugehen ist?12 Somit könnte in (13) die kausale Bedeutung des Subjunktors und in der Folge eine kausale Bedeutung des Nebensatzes angesetzt werden, nicht etwa „nur“ eine durch Implikatur hergeleitete Äußerungsbedeutung auf Basis der temporalen Bedeutung des Subjunktors. Ob diese Lösung für (13) gilt oder analog zur Variante mit als (vgl. (8)) doch eine konversationelle Implikatur, wird nicht explizit gemacht.
Die Polysemie von nachdem ist, so werde ich argumentieren, auf die spezifische aspektuelle Charakteristik des temporalen nachdem zurückzuführen. Das HDK 2 selbst bietet eine sorgfältige Analyse der Beschränkungen, die sowohl bezüglich der Tempora als auch der aspektuellen Eigenschaften in beiden Konnekten vorliegen, an die ich anknüpfe. Zu beiden Aspekten wird festgestellt, dass diese Beschränkungen weniger strikt sind, als es in Grammatiken zum Teil dargestellt wird. Beim Tempusgebrauch wird die bei Vorzeitigkeit normativ angesetzte Consecutio Temporum, also die „Kombination von einfachem und zusammengesetztem Tempus in gleicher Tempusgruppe“ (HDK 2: 328) in nicht wenigen Fällen nicht eingehalten13. Was die aspektuellen Bedingungen angeht, so kann – zumindest an der Oberfläche – ein Verstoß gegen die „strikte Sequenzrelation“ (ebd.: 329) vorliegen, die für die Denotate der beiden Konnekte gelten soll. Wenn eine solche strikte Sequenzrelation ausgedrückt ist, muss der vom nachdem-Konnekt bezeichnete Sachverhalt – der so genannte „Referenzsachverhalt“ – abgeschlossen sein, bevor der vom übergeordneten Konnekt bezeichnete Sachverhalt – der „situierte Sachverhalt“ – eintritt. Dies ist der Fall, wenn in dem nachdem-Konnekt ein telisches Prädikat vorliegt, also ein Ereignis mit einem notwendigerweise eintretenden Abschluss bezeichnet wird, und dieses Ereignis durch ein temporal explizites Vorzeitigkeitsverhältnis als in der Tat abgeschlossen zu verstehen ist. Diese Bedingungen wären in der nicht negierten Version von (13) mit dem telischen Prädikat aufbrechen und dem Vorzeitigkeitsverhältnis zwischen dem Plusquamperfekt im Nebensatz und dem Präteritum im Hauptsatz erfüllt:
- (14)
- Nachdem das Versorgungsschiff aufgebrochen war, startete die Expedition.
Wie oben erwähnt, könnte auch im Nebensatz mit der Form aufbrach Präteritum auftreten; somit bliebe die Vorzeitigkeitsrelation implizit und wäre zu erschließen. Damit wäre der Verstoß gegen eine der Bedingungen für eine strikte Sequenzrelation, nämlich die temporale, „geheilt“. Auch ein Verstoß gegen die aspektuelle Bedingung, kann, wie in HDK 2 gezeigt wird, in bestimmten Fällen repariert werden. So können im nachdem-Konnekt auch atelische Prädikate auftreten, wie unter anderem an folgendem Beleg gezeigt wird (HDK 2: 329):
- (15)
- Die schlimmen Zeiten seien vorbei. Und in der nächsten Saison erwarte man – nun, nachdem wieder Ruhe herrsche – sogar 400.000 Touristen. (die tageszeitung, 20.04.1990, S. 2)
Dazu heißt es, atelische Prädikate wie in diesem Fall herrschen „lassen sich aber immer durch ein telisches Prädikat in zusammengesetztem Tempus ersetzen“. Hier wird als Konnekt mit ersetzter Prädikatsform vorgeschlagen: nachdem wieder Ruhe eingekehrt sei (ebd.). Allerdings, so heißt es weiter, können „nicht beliebige atelische Prädikate auftreten […], sondern nur solche, die eine resultative Interpretation erlauben“. Dies trifft auf das adverbial erweiterte Prädikat wieder herrschen zu. Die „resultative Interpretation“ wiederum – so kann man es sehen – beruht auf unserem semantisch-lexikalischen Wissen über die Bedeutung von wieder und herrschen. Dieses Wissen erlaubt uns im konkreten Fall die Schlussfolgerung auf eine Abfolge von Ereignissen mit einem Zustand der Ruhe als Endzustand. Die einzelnen Ereignisschritte sind: ‚Es gab einen Zeitraum mit einem Zustand der Ruhe, dieser wurde irgendwann beendet, zu einem späteren Zeitpunkt tritt ein neuer Zustand der Ruhe ein, der ins Jetzt andauert‘.
Andere atelische Prädikate allerdings lassen eine solche resultative Interpretation nicht zu. HDK 2 (ebd.: 330) nennt hier „atemporale“ Prädikate und gibt folgendes Beispiel (ebd.: 331):
- (16)
- Nachdem die Ausstellung einen sehr repräsentativen und qualitativ sehr hochstehenden Querschnitt der zeitgenössischen Kunst darstellt, würde sie sich natürlich als Einstieg für ein Tiroler Museum der Moderne geradezu anbieten. (Neue Kronenzeitung, 14.05.1995, S. 27)
Als „atemporales Prädikat“ wird hier darstellt eingeordnet. In der Tat hat darstellen hier die Lesart einer reinen, ohne zeitliche Beschränkungen geltenden Qualitätszuschreibung, etwa im Sinne von ‚verkörpern‘ (im Gegensatz etwa zur Lesart als Handlungsbeschreibung)14. Die Möglichkeit einer resultativen Interpretation ist nicht gegeben15.
Als vorläufige Hypothese im Hinblick auf die Frage, warum bei nachdem anders als bei als von zwei Bedeutungen auszugehen sei, können wir festhalten: Bei nachdem ist in gewissen Fällen die temporale Bedeutung vollständig ausgeschlossen, nicht nur wie bei als stark präferiert. Da in solchen Fällen der Konnektor ja nicht „bedeutungslos“ sein kann, hat die kausale Interpretation den Status einer zweiten lexikalischen Bedeutung, die bei (16) und ähnlichen atemporalen Prädikationen als Äußerungsbedeutung fungiert.
Überprüfen wir diese Hypothese an einem weiteren temporalen Konnektor, für den in HDK 2 zwei Bedeutungen angesetzt werden, nämlich dem Subjunktor während.
Auch beim temporalen während spielen die aspektuellen Verhältnisse zwischen den Konnekten eine wesentliche Rolle. Die Annahme, der Referenzsachverhalt müsse ein (atelischer) Zustand sein, während für den situierten Sachverhalt keine Beschränkungen gälten, erweist sich wiederum als zu eng. Diese restriktive Annahme entspringt der Vorstellung, der situierte Sachverhalt müsse zeitlich vollständig im Referenzsachverhalt enthalten sein und dies müsse auch ausdrucksseitig hinsichtlich Aspektualität und Tempus deutlich werden, wie etwa in folgendem Beleg (ebd.: 365):
- (17)
- Es ist schon eine merkwürdige Koinzidenz der Ereignisse. Während Presse, Funk und Fernsehen „30 Jahre 1968“ begehen, platzt die Meldung vom Ende der RAF herein. (die tageszeitung, 22.04.1998, S. 14)
Die weiteren Beispiele (vgl. ebd.: 366–367) zeigen jedoch, dass auch telische Prädikate im internen Konnekt möglich sind. HDK 2 schließt dabei an Ergebnisse von Herweg (1990) an. Es kann sich um Prädikate handeln, die eine fortschreitende Progression zu einem definitiven Endzustand beschreiben („accomplishment“) oder gar um solche, die eine punktuelle Zustandsveränderung („achievement“) ausdrücken. Hier finde jeweils eine interpretative Anpassung statt. Im ersten Fall werde „die Vorphase des Resultats fokussiert“ (ebd.: 366), vgl. (18). Im zweiten finde eine „Dehnung“ eines kurzen Zeitintervalls statt, mit einer Art „Zeitlupeneffekt“; vgl. (19):
- (18)
- Während wir die Abflughalle im Erdgeschoss verlassen, fällt unser Blick auf zwei Anzeigetafeln. (die tageszeitung, 18.03.1991, S. 24)
- (19)
- Dreimal holte ich Luft, während er mir eine Spritze gab, und dann weiß ich von nichts mehr. (die tageszeitung, 05.12.1986, S. 5)
Es gibt somit, wie an zahlreichen Belegen gezeigt wird, eine breite Palette von zeitlichen Relationen zwischen den beiden Sachverhalten, die der übergreifenden Bedingung des Vorliegens „koindizierende[r] Zeitintervalle“ (ebd.: 368) – direkt oder bei interpretativer Anpassung – genügen.
Wie bei nachdem gibt es aber auch hier Vorkommen, wo eine solche interpretative Anpassung nicht erfolgen kann. In solchen Fällen liegen wiederum „atemporale Prädikate“ (ebd.: 367) vor und es müsse zu einer adversativen Interpretation übergegangen werden, wie in folgendem Beleg (ebd.: 368) mit dem Prädikat unentgeltlich ist.
- (20)
- Während die blaue Tonne für den Bürger unentgeltlich ist, müssen die Unternehmen künftig für ihre Tonnen zahlen (Frankfurter Allgemeine, 15.01.1997, o.S.)
Die Parallele zu nachdem ist offensichtlich: In beiden Fällen haben die Konnektoren eine temporale Bedeutung; bei nachdem im Sinne einer Sequenz-, bei während im Sinne einer Koinzidenzrelation. In beiden Fällen erlauben die ausdrucksseitigen temporalen und aspektuellen Gegebenheiten in gewissem Maße interpretative Anpassungen, durch die die jeweilige Sequenz- bzw. Inzidenzinterpretation „gerettet“ werden kann. In beiden Fällen ist jedoch auch oft die Möglichkeit der Überlagerung mit einer nicht-temporalen Implikatur gegeben: Dabei kommt es bei nachdem – entsprechend dem Sequenzverhältnis – zu einer kausalen, bei während – entsprechend dem Koinzidenzverhältnis – zu einer adversativen Zusatz-Interpretation. Bei beiden Konnektoren ist aber aufgrund des Vorliegens aspektuell ungeeigneter „atemporaler“ Prädikate in vielen Fällen eine interpretative Anpassung unmöglich und es wird eine kausale bzw. adversative Äußerungsbedeutung und damit notwendigerweise auch eine entsprechende lexikalische Bedeutung für die Konnektoren erzwungen16.
Zu ergänzen ist, dass im Anschluss an Lohnstein (2004) für während, anders als für nachdem, eine „Grundbedeutung“ ins Spiel gebracht wird, nämlich die einer „Inklusionsrelation“ (HDK 2: 550). Aus dieser sind die beiden spezifischeren Bedeutungen dann abzuleiten. Das Handbuch nennt (ebd.) als entscheidenden Gesichtspunkt das bei adversativer Interpretation notwendige Vorliegen eines „kontrastiven Topiks“, vgl. (20). „Bei Topikkontinuität oder Inklusion eines Topiks in das andere […] ist eine adversative Interpretation blockiert.“ Die Belege (18) und (19) weisen Topikkontinuität auf. Anstelle von ‚Grundbedeutung‘ wird in der Literatur auch von ‚Unterspezifikation‘ gesprochen und diese Analyse auch auf nachdem (und ggf. andere Konnektoren) generalisiert. So heißt es bei Pitsch (2016: 273): „I therefore assume that the lexical meaning of nach as well as nachdem consists of an underspecified relation of consequence“. Diese Lösung komme der theoretischen Präferenz für ein „schlankes“ Lexikon entgegen, so Pitsch (ebd.: 262). Für die Zwecke eines Handbuchs wie das HDK 2 wäre diese Schlankheit jedoch nicht unbedingt ein Vorteil, würde sie doch tendenziell die Unterschiede zwischen monosemen (wie und, als, aber) und polysemen Konnektoren (wie nachdem, während) einebnen. Das HDK 2 macht daher verständlicherweise keinen systematischen Gebrauch von Grundbedeutungen im Sinne von unterspezifizierten Bedeutungen17.
4. Bedeutungen, konventionalisierte (generalisierte) und konventionelle Implikaturen
Wir kommen nun zurück auf die im ersten Kapitel mit den Punkten 1 bis 3 genannten Leitlinien für die semantische Analyse von Konnektoren in HDK 2. Als Ausgangspunkt nehmen wir einen Ausschnitt aus der Tabelle „Reguläre Polysemien bei Konnektoren“ (HDK 2: 103), der u.a. die Konnektoren nachdem und während behandelt:
Ausschnitt aus Tabelle „Reguläre Polysemien bei Konnektoren“
| Quellrelation | Zielrelation | synchrone Polysemie | diachrone Entwicklung |
| Sequenz (anterior) | Kausalität | nachdem | da |
| Koinzidenz | Konditionalität | wenn, so lange | |
| Koinzidenz | Adversativität | während, indes, alldieweil | |
| Koinzidenz | Kausalität | alldieweil | weil, da |
| Sequenz (posterior) | Konditionalität | bevor, ehe |
Dazu heißt es (ebd.): „In allen Fällen verläuft die Entwicklung von einer einfacheren, merkmalsärmeren Relation zu einer komplexeren. Die Quellrelation ist meist konzeptuell von konkreterer, die Zielrelation von abstrakterer Natur“. Die synchrone Polysemie, die bei nachdem und während vorliegt und die wir im vorangehenden Kapitel behandelt haben, ist somit das Ergebnis eines diachronen Prozesses, einer Entwicklung, die aus einer temporalen „Quellrelation“ zu einer kausalen bzw. adversativen „Zielrelation“ geführt hat, wobei die der Quellrelation entsprechende Bedeutung weiterhin fortbesteht. (Dagegen ist etwa bei dem Subjunktor da heute nur noch die kausale Bedeutung erhalten geblieben, während die temporalen Bedeutungen (Sequenz bzw. Koinzidenz) verloren gegangen sind.). Das Verhältnis von alter und neuer Bedeutung wird so kommentiert (ebd.: 101): „Eine neue Bedeutung tritt zunächst nur in bestimmten Kontexten auf, wird dann per Analogie auf andere Kontexte generalisiert […]“.
Zwar wird an dieser Stelle nicht von generalisierten Implikaturen gesprochen. Aber genau das liegt aus meiner Sicht bei nachdem und während vor. Im vorigen Kapitel konnte festgestellt werden, dass die kausale bzw. adversative „Bedeutung“ – im Sinne einer per Implikatur abgeleiteten Äußerungsbedeutung – an bestimmte für die temporale Quellrelation gültige aspektuelle Voraussetzungen gebunden ist. Zu einer neuen lexikalischen Bedeutung wird sie erst wenn sie auch auf Kontexte übertragen wird, in denen diese aspektuellen Voraussetzungen nicht vorliegen und damit auch die Quellbedeutung sozusagen außer Kraft gesetzt ist. Wenn man so will, ist dieser Generalisierungsschritt, mit Blick auf den Zeitraum, in dem er vollzogen wurde, ein Verstoß gegen das „herrschende System“, ein Fehler, wenn auch ein produktiver.
Bei den Konnektoren mit nur einer Bedeutung (s. Kap. 2) liegen, wie wir gesehen haben, ebenfalls unterschiedliche Lesarten vor, die zum Teil als konversationelle Implikaturen analysiert werden können. Allerdings haben diese Lesarten (wie bei den konditionalen Lesarten von und) entweder nur einen marginalen Status als spezielle Konstruktionen, oder es handelt sich um Implikaturen und Inferenzen, die zwar in bestimmten Kontexten die „Quellrelationen“ stark überlagern, ohne sie jedoch gänzlich außer Kraft zu setzen.
Generalisiert oder konventionalisiert sind somit Begriffe, die eine Veränderung, bezogen auf Sprache, also Diachronie und Sprachwandel, beinhalten. Eine konventionalisierte Implikatur ist eine Implikatur am Ende eines Konventionalisierungsprozesses. Ist sie damit auch eine konventionelle Implikatur? Aus meiner Sicht nicht notwendigerweise. Jedenfalls nicht, wenn der Begriff „konventionelle Implikatur“ wie bei Grice gebraucht wird. Bei Grice spielt die diachrone Entwicklung keine Rolle: Die Konventionen einer konventionellen Implikatur gelten für das jeweils aktuelle Sprachverhalten von Sprechern einer Sprachgemeinschaft. Wie sie zustande gekommen sind, ob über die Konventionalisierung von ursprünglich konversationellen Implikaturen oder ob sie „immer schon“ galten, ist unerheblich. Und es muss aus umgekehrter Perspektive eine Konventionalisierung bei konversationellen Implikaturen nicht in eine konventionelle Implikatur münden. So steht denn auch in HDK 2 folgerichtigerweise am Ende eines Konventionalisierungsprozesses, etwa bei nachdem und während, nicht eine konventionelle Implikatur, sondern eine neue Bedeutung.
5. Fazit
Die Nachzeichnung der semantischen Analyse bei ausgewählten Konnektoren des HDK 2 konnte zeigen, wie theoretische Erkenntnisse hinsichtlich der Schnittstelle von Semantik und Pragmatik für die konkrete grammatisch-lexikografische Beschreibungspraxis fruchtbar gemacht werden können. Die Unterscheidung zwischen der lexikalischen Bedeutung des Konnektors, die in die grammatisch determinierte Satzbedeutung eingeht, gegenüber seiner kontextabhängigen Lesart im Rahmen von Äußerungsbedeutungen, vor allem aber die Verknüpfung zwischen den beiden Größen mithilfe von konversationellen Implikaturen und anderen Inferenzschritten, die ihrerseits durch eine Reihe von Grundprinzipien strukturiert sind, legen offen, wie Verstehen zustande kommt: verankert im Wissen, konkretisiert durch kooperativ motivierte und rational nachvollziehbare Schritte.
Dabei zeigte sich auch, dass die linguistische Analyse andere Prioritäten setzt als die philosophisch-sprachanalytische, wenn sie z.B. das Zusammenwirken zahlreicher grammatischer Merkmale und Einzelaspekte wie Tempus und Aspektualität bei der Herstellung von Lesarten in den Blick nimmt und darüber hinaus die diachrone Perspektive einbezieht.
Noch sind nicht alle Rätsel gelöst und alle Unklarheiten beseitigt, was die Abgrenzung von Bedeutungen und Lesarten angeht. Aber das HDK 2 hat für das Feld der Konnektoren hier einen bedeutenden Fortschritt gebracht.
Notes
- Dieser Terminus ist eng an eine Bedeutungskonzeption nach dem Kompositionalitäts- bzw. Frege-Prinzip gebunden. Allgemeiner wird in diesem Sinne auch von ‚wörtlicher Bedeutung‘ oder ‚konventioneller Bedeutung‘ gesprochen. Die konventionelle Bedeutung einer lexikalischen Einheit (z.B. eines Konnektors) heißt auch ihre ‚lexikalische Bedeutung‘. Wo keine Missverständnisse aufkommen können, spreche ich im Folgenden auch einfach von ‚Bedeutung‘. [^]
- Man mag hier die Position eines ‚Bedeutungsminimalismus‘ erkennen, die Posner bereits im Jahr 1979 dem ‚Bedeutungsmaximalismus‘ gegenüberstellt, wie er etwa im Duden-Online-Wörterbuch oder DWDS bei der Beschreibung der Konnektoren vorliegt (vgl. Posner 1979). Posner vertritt zwar durchaus im Anschluss an Grice ebenfalls eine eher minimalistische Position. Er plädiert jedoch dafür, im Interpretationsprozess flexibel vorzugehen und darauf zu achten, dass „die Bedeutung eines zusammengesetzten Satzes nicht nur von den Bedeutungen seiner Teilsätze, sondern auch von den Gesprächsandeutungen, also deren Gebrauch, abhängt“ (ebd.: 381). [^]
- https://www.duden.de/rechtschreibung/und (19.03.2026). [^]
- Fettdruck im Original. [^]
- Damit sind „nicht-konnektorale“ Verwendungen, also die Herstellung einer „Kollektion“ ausgeschlossen – sei es auf der Ebene der Zuschreibung von kollektiven Charakterisierungen an einen einzigen Referenten wie bei „X als väterlicher Zusprecher und Ratgeber“, sei es auf der Ebene der Zuschreibung von nicht distribuierbaren Charakterisierungen an ein Kollektiv wie bei „Jan und Jana haben sich miteinander verlobt“ (ebd.: 421-426). [^]
- Ferraresi / Weiß (2011) zeigen, dass in den älteren germanischen Sprachen und „mit einigen Überbleibseln im AHD“ (ebd.: 100) und auch in subordinierenden Strukturen gebraucht wurde, und zwar in Komparativ-, Temporal-, Modalkonstruktionen, in Relativsätzen und als „dass-ähnliche Konjunktion“ (ebd.: 80). Sie analysieren und als semantisch unterspezifizierte Konjunktion (s. auch Kap. 3 zu während und nachdem), was sie in koordinierender Funktion nach wie vor sei. Der Verlust der subordinativen Funktion sei wohl darauf zurückzuführen, dass hier jeweils spezialisierte subordinierende Konjunktionen entstanden sind (vgl. ebd.: 102). [^]
- Im HDK 2 heißt es zu den konditionalen Interpretationen, sie seien „nicht mehr gänzlich kompositional aus der Bedeutung des Konnektors und seiner Argumente ableitbar“ (ebd.: 416). [^]
- In einem Gutachten zu diesem Beitrag wird mit Verweis auf Frey (2023) auf als-Sätze Bezug genommen, die eine epistemische Lesart – erkennbar am Vorkommen einer Modalpartikel – erlaubten. Ein solches Beispiel ist „Max ging vor das Haus, als er wohl ein Geräusch gehört hatte“. Frey (2023: 62) erklärt dies damit, dass hier nicht auf eine zeitliche Ordnung in der Außenwelt, sondern auf die durch ein „thinking mind“ etablierte Ordnung abgehoben werde. Dann ist das Beispiel als Antwort etwa auf die Frage „Wann denkst du, dass Max vor das Haus ging?“ explizierbar. Allerdings erscheint mir dennoch die Positionierung von wohl im Nebensatz als markiert bzw. fragwürdig. Als Antwort auf die genannte Frage ist am ehesten die elliptische Antwort „Wohl als er ein Geräusch gehört hatte“ zu erwarten, also eine Positionierung von wohl außerhalb des Nebensatzes. Das eingeforderte „Denken“ richtet sich ja auf die Zeitspezifikation für das Verlassen des Hauses, nicht auf den Anlass. [^]
- Nummerierung wurde hier und auch bei den folgenden aus HDK 2 übernommenen Belegen angepasst. [^]
- Vgl. dazu Harnish (1991: 328), der anhand verschiedener Stellen im Grice’ Schriften dieses Konzept des „central core of meaning“ nachweist, jedoch eine genaue Spezifikation, zumal im Verhältnis zum Gesagten, vermisst. [^]
- Fettdruck im Original. [^]
- Man vergleiche auch die entsprechenden Einordnungen in die Konnektorenliste (Kap. D2), zu als: S. 1175, zu nachdem: S. 1200. [^]
- Dabei bilden Präsens und Perfekt eine Tempusgruppe und Präteritum und Plusquamperfekt eine andere. [^]
- Mit Bezug auf während werden solche atemporalen Prädikate im Anschluss an Kratzer (1995: 367) als „Kratzers individual-level-Prädikate“ bezeichnet. [^]
- In einem der Gutachten zu diesem Beitrag wird hingegen auch bei diesem Beispiel ein temporaler Bedeutungsanteil erkannt. Eine mögliche Analyse setzt bei dem „Vorbild-Charakter“ der Ausstellung für ein mögliches künftiges Museum an. Zwar sei darstellt weiterhin als „individual-level-Prädikat“ zu interpretieren, aber mit dem Gebrauch von nachdem werde auf die temporale Abfolge zwischen den Ausstellungen rekurriert. [^]
- Auch im Fall von während wird in dem in der vorangehenden Fußnote genannten Gutachten für temporale Bedeutungsanteile bei adversativen Lesarten argumentiert. Im Fall des Belegs (20) allerdings schließt aus meiner Sicht der Kontrast zwischen dem atemporalen (oder zeitlich unbeschränkten) Nebensatz und dem explizit (durch künftig) zukunftsbezogenen Hauptsatz eine temporale Inzidenz aus. [^]
- Bei Pitsch (2016) werden die Lesarten auf grammatische Unterschiede zurückgeführt, insbesondere werde die kausale Lesart von nachdem durch den imperfektiven Aspekt des Nebensatzes getriggert. Dabei ist eine jeweils unterschiedliche syntaktische Analyse in generativem Rahmen vorgesehen: Die stärker integrierten temporalen nachdem-Sätze werden als Adjunkte auf einer verbphrasennahen Strukturebene analysiert, die weniger integrierten kausalen als Adjunkte auf einer höheren Strukturebene. [^]
Literatur und Ressourcen
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Biographische Notiz
Gisela Zifonun ist emeritierte Universitätsprofessorin für Germanistische Linguistik an der Universität Mannheim, sie war bis zu ihrem Ruhestand Leiterin der Abteilung Grammatik am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache. Unter ihrer Leitung sind die dreibändige IDS-Grammatik (1997) und die Grammatik des Deutschen im europäischen Vergleich: Das Nominal (2017) entstanden. Neben der Grammatiktheorie und dem Sprachvergleich ist ihr aktueller Forschungsschwerpunkt die Auseinandersetzung mit der Genderlinguistik.
Kontaktanschrift:
Gisela Zifonun
Obere Brunnenstraße 1
74918 Angelbachtal-Michelfeld