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Sprachliche Schwierigkeiten und Zweifelsfälle aus DaF-Perspektive: eine Einleitung

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Abstract

Der Beitrag führt in die Themenausgabe ein und beschreibt, auf welchen sprachlichen Ebenen Deutschlernende auf typische Schwierigkeiten und Zweifelsfälle stoßen und wie diese intra- bzw. interlingual einzuordnen sind. Solche Stolpersteine lassen sich verschiedenen Ursachen zuordnen und treten u.a. beim Umgang mit kontroversen Begriffen, bei Varianten (z.B. mehreren Pluralformen) oder bei leicht verwechselbaren Wortpaaren auf. Der Umgang mit ihnen wird auch durch Normkonflikte zwischen kodifiziertem Wissen und tatsächlichem Sprachgebrauch erschwert. Im sprachdidaktischen Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ) dominieren weiterhin normorientierte Ansätze, die die Variabilität der Sprache nur eingeschränkt berücksichtigen. In der Forschung hingegen etablieren sich zunehmend variationssensible didaktische Ansätze. Diese beruhen auf der Analyse von Lernerkorpora, die wichtige Erkenntnisse über Fehlerquellen und Interferenzen aus der Muttersprache liefern. Dabei wird ein stärkerer Fokus auf die sprachliche Vielfalt und die individuellen Bedürfnisse der Lernenden gelegt.

 

Linguistic Difficulties and Confusables from a Language Learner’s Perspective: An Introduction

The article is an introduction to the thematic issue and highlights the linguistic levels at which learners of German encounter typical challenges and uncertainties, as well as how these can be classified as intra- or interlingual. These obstacles can be attributed to various causes and manifest, for example, in the use of controversial terms, in variations (e.g., plural forms) or in easily confusable pairs. Their resolution is further complicated by conflicts between codified rules and actual language use. In the field of language pedagogy for “German as a Foreign and Second Language”, norm-oriented approaches continue to dominate, which only marginally address the variability of the language. In contrast, research is increasingly embracing variation-sensitive didactic approaches. These are based on the analysis of learner corpora, which provide valuable insights into error sources and linguistic interference. A greater emphasis is being placed on linguistic diversity and the individual needs of learners.

Keywords: Fehler, Normenkonflikt, Varianten, Zweifelsfall, Sprachgebrauch, intra-/interlinguale Schwierigkeiten, mistake, norm conflict, variants, case of doubt, language use, intra-/interlingual difficulties

How to Cite: Storjohann, P. (2025) “Sprachliche Schwierigkeiten und Zweifelsfälle aus DaF-Perspektive: eine Einleitung”, Korpora Deutsch als Fremdsprache. 5(2). doi: https://doi.org/10.48694/kordaf.4667

1. Der Zweifelsfall aus DaF-Perspektive

Veränderungen im Sprachgebrauch, die durch Sprachkontakt, gesellschaftliche Umbrüche, kleinere Ereignisse, sprachliche Interventionen oder technologische Innovationen ausgelöst werden, führen häufig zu sprachlichen Anpassungen, die Wandelprozesse anstoßen und sprachliche Vielfalt sowie Variation hervorbringen können. Solche Veränderungen können Auseinandersetzungen mit etablierten sprachlichen Normen, Erwartungen und Gebrauch hervorrufen (vgl. Schneider 2013). Dieser Prozess äußert sich häufig in einem Wettstreit zwischen verschiedenen Varianten – oftmals in Gestalt von Formenpaaren –, im Zuge dessen Sprecher:innen beginnen, den „Status von Varianten“ infrage zu stellen (Klein 2018: 13). Darüber hinaus trägt auch die sprachliche Komplexität, die sich aus der Vielzahl an Verwendungsmöglichkeiten, Kontexten, Funktionen und Konnotationen ergibt, zur Anregung von Wandelprozessen bei. Angesichts dieser Vielfalt sind Sprecher:innen in vielen Kommunikationssituationen oder beim Verfassen von Texten stetig zur Auswahl gezwungen, und nicht immer sind sie sich bei ihrer Auswahl sicher, ob diese im betreffenden Kontext angemessen ist oder als korrekt gilt.

Das Spektrum sprachlicher Unsicherheiten ist breit gefächert und manifestiert sich auf sämtlichen linguistischen Ebenen. Die Vielzahl verfügbarer Nachschlagewerke sowie das ungebrochene Interesse an Sprachberatungsstellen belegen die Relevanz dieses Themas. Gelegentlich begegnet nahezu jede:r einer Situation mit sprachlicher Unsicherheit, etwa bei der korrekten Pluralbildung eines Fremdwortes mit mehreren Varianten, den semantischen Unterschieden zwischen Synonymen oder ähnlich klingenden Ausdrücken, der Flexion komplexer Verben oder der korrekten Verwendung von Artikeln. Die Beschäftigung mit sprachlichen Unsicherheiten und Zweifelsfällen ist stets eng mit Fragen von Sprachgebrauch, Standard, Norm und Variation verwoben und erfordert eine Reflexion über die Einstellungen und Bewertungen dieser Konzepte sowie den Umgang mit sprachlichem Wandel (vgl. Strobel 2018). Eine Vielzahl von Studien gibt Antworten auf zahlreiche konkrete sprachliche Unsicherheiten und Zweifelsfälle. Besonders hervorzuheben sind die Arbeiten von Klein (2003, 2018), Hennig und Müller (Hrsg., 2009), Dürscheid (2011), Wegener (2003) und Nübling (2011), die bedeutende Impulse für die Untersuchung lexikalisch-semantischer und grammatischer Zweifelsfälle geliefert und den Grundstein für die sogenannte Zweifelsfalllinguistik gelegt haben. Diese Disziplin richtet ihren Fokus auf typische sprachliche Stolpersteine und Herausforderungen aus der Perspektive kompetenter, primär muttersprachlicher Sprecher:innen. Eine etablierte Definition des Begriffs Zweifelsfall bietet Klein (2003), der diesen wie folgt beschreibt:

Ein sprachlicher Zweifelsfall (Zf) ist eine sprachliche Einheit (Wort/Wortform/Satz), bei der kompetente Sprecher (a.) im Blick auf (mindestens) zwei Varianten (a, b …) in Zweifel geraten (b.) können, welche der beiden Formen (standardsprachlich) (c.) korrekt ist (vgl. Sprachschwankung, Doppelform, Dublette). Die beiden Varianten eines Zweifelsfalls sind formseitig oft teilidentisch (d.) (z.B. dubios/dubiös, lösbar/löslich, des Automat/des Automaten, Rad fahren/rad fahren/radfahren, Staub gesaugt/staubgesaugt/gestaubsaugt). (Klein 2003: 7)

Der sprachliche Zweifelsfall unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Systemfehler. Während fehlerhafte Genuszuweisungen, Tippfehler oder Falschschreibungen als Verstöße gegen grammatische oder orthografische Normen einzustufen sind, handelt es sich bei einem Zweifelsfall um eine Frage der Kompetenz. Eine falsche Entscheidung führt dann zu Abweichungen in Stil, Register oder etwa Medialität. Einige Kompetenzfehler, wie beispielsweise die Verwendung eines vermeintlich richtigen Paronyms – etwa, wenn anstelle von muskuläre Probleme die Formulierung muskulöse Probleme gewählt wird – mögen kleinere Missverständnisse hervorrufen. Sie beeinträchtigen jedoch weder die Verständlichkeit noch stören sie die Kommunikation in gravierendem Maße.

Die Definition von Kilian (2003) unterscheidet sich von der herkömmlichen Auffassung, dass sprachliche Zweifelsfälle ausschließlich aus der Notwendigkeit einer Entscheidung zwischen Varianten resultieren. Stattdessen richtet sich sein Blick auf den semantisch-pragmatischen Zweifel. Im Rahmen einer linguistisch fundierten kritischen Semantik plädiert er für eine Auseinandersetzung mit Sprache, insbesondere in Bezug auf Schwierigkeiten und Normfragen, die bei kontroversen oder umstrittenen Ausdrücken auftreten. Kontroverse Begriffe, auch Fahnenwörter genannt, z.B. Fräulein, Zigeuner, stehen dabei nicht zwangsläufig in direktem Wettbewerb mit unumstrittenen Varianten. Der Zweifelsfall, der hier semantischer Natur ist, entsteht vielmehr aus der Frage heraus, ob ein einzelnes Wort in einem bestimmten Kontext hinsichtlich seiner diskursiven oder pragmatisch-stilistischen Bedeutung angemessen verwendet werden kann. Im Mittelpunkt des Zweifels stehen hier implizite Stereotype, assoziative Bedeutungsmerkmale und die bewusste Vermeidung bestimmter Bedeutungsaspekte.

Ein semantischer Zweifelsfall als Normenkonflikt soll dadurch gekennzeichnet sein, dass ein Wort noch relativ unabhängig von einer konkreten ko- und kontextuellen Einbettung semantische - im weitesten Sinne - Zweifel hervorruft dahingehend, dass es, zum Beispiel, diskurs- oder varietätennormenabhängig soziale Missverständnisse evozieren könnte (wer das Verb türken i.S.v. ‚Tatsachen vortäuschen‘ benutzt, muss in bestimmten Diskursen damit rechnen, als „xenophob“, „türkische Mitmenschen gering schätzend“ o.ä. angesehen zu werden); oder dass das Wort falsche, unerwünschte bzw. gesellschaftlich oder gruppenspezifisch negativ sanktionierte „Weltansichten“ konzeptualisieren könnte (wer das Wort Fräulein als Anrede benutzt, muss in bestimmten Diskursen damit rechnen, als „konservativ“, „Kritiker der Geschlechtergleichstellung“ o.ä. eingeschätzt zu werden). (Kilian 2003: 160)

Beide Definitionen erfassen eine Vielzahl von Zweifelsphänomenen, die sich typischerweise und regelmäßig in phonetischen, orthografischen, morphologischen, syntaktischen, lexikalischen, semantischen und pragmatischen Bereichen manifestieren. Zweifelsfälle sind stets mit individuellen Entscheidungsproblemen verbunden und entstehen, wie Klein (2003: 15) feststellt, durch Faktoren wie Sprachwandel, Sprachkontakt, regionale Varietäten (Regiolekte/Dialekte), Fachsprachen, Stilregister, Regelkonflikte innerhalb des Sprachsystems sowie gesellschaftlich relevante metasprachliche Interventionen. Diese Ursachen kommen im Zusammenhang mit Zweifelsfällen muttersprachlicher Sprecher:innen, d.h. L1-Sprecher:innen des Deutschen, vor. Unsicherheiten im Hinblick auf den korrekten Gebrauch sprachlicher Varianten beschränken sich allerdings nicht auf kompetente deutschsprachige Muttersprachler:innen.

Die Zweifelsfallforschung im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache ist bisher überwiegend anwendungsorientiert, beschäftigt sich oft mit Schwierigkeiten zwischen konkreten Sprachenpaaren und wie der (meist didaktische) Sprachunterricht damit umgeht. Eine theoretisch fundierte DaF-/DaZ-Zweifelsfalllinguistik gibt es nicht. Es gibt in diesem Bereich zwar Parallelen zu bestehenden Zweifelsfalluntersuchungen aus L1-Perspektive, zugleich weist der Bereich auch Fragestellungen auf, die über die bisherigen Studien und Erklärungsansätze hinausreichen. Überschneidungen lassen sich bei lexikalisch-semantischen oder grammatischen Fällen sprachlicher Variation erkennen (z.B. konkurrierende Pluralformen, Genusschwankungen, ähnlich klingende Ausdrücke, Synonyme), die auch für Lernende des Deutschen als Fremdsprache eine erhebliche Herausforderung darstellen. Im Fremdsprachenunterricht überwiegt nach wie vor ein traditionell normorientierter und häufig präskriptiver Ansatz im Umgang mit sprachlicher Variation, hier wird sprachliche Diversität nicht als Normalfall konstatiert (z.B. Durrell 2006; Shafer 2018; Moraldo 2023). Diese systemlinguistisch normierten Vorstellungen prägen auch L2-Lehrmaterialien und Nachschlagewerke und können eine Ursache dafür sein, dass die linguistische Verortung im Rahmen einer DaF-Zweifelsfalltheorie bisher fehlt. Solche Perspektiven waren auch dafür verantwortlich, dass die linguistischen Diskussion von muttersprachlichen Unsicherheiten lange marginalisiert war (vgl. Antos 2003).

1.1 Der neue Umgang mit Variation und Zweifel

Die Frage danach, wie viel Variation der DaF-Unterricht bzw. ein DaF-Lehrwerk zulassen sollte, umfasst nicht nur die Berücksichtigung einzelner variierender Sprachphänomene, sondern erfordert auch eine stärkere Auseinandersetzung mit Dialekten und Standardvarietäten des Deutschen. Diesbezüglich wird bereits seit längerem Kritik geäußert (z.B. Spiekermann 2007 und 2010; Neuland Hrsg., 2006). Dennoch orientiert sich der DaF-Unterricht nach wie vor überwiegend an der Vermittlung einer homogenen, normgeleiteten Standardsprache als Sprachsystem, die sich an schriftsprachlichen Normen orientiert. Berend / Knipf-Komlósi (2006: 162) gehen davon aus, dass nur diese einen „stabilen Orientierungspunkt“ gewährleistet.

Ein wichtiger Vorteil der Homogenitätsauffassung aus der auslandsgermanistischen Perspektive ist erstens, dass durch die standardsprachliche Norm ein stabiler Orientierungspunkt gegeben ist, und zweitens, dass sie auch eine einigermaßen sichere Garantie eines reibungslosen Informationsaustausches zwischen Muttersprachlern und Nicht-Muttersprachlern, zwischen Menschen aus unterschiedlichen geographischen Gebieten des deutschen Sprachraumes gewährleistet. (Berend / Knipf-Komlósi 2006: 162)

Die Wahrnehmung der deutschen Sprache als variationslos und einheitlich hat sowohl sprachideologische als auch sprachdidaktische Ursachen. Statt z.B. bei variablen Phänomenen für sprachliche Vielfalt und Wandel zu sensibilisieren, wird Variation auf allen sprachlichen Ebenen allzu oft als Problemfeld und Gefahr für Fremdsprachenlernende diskutiert. Das Ignorieren von Variabilität birgt dabei die Gefahr, auf große Diskrepanzen zwischen dem Gebrauch der zu erlernenden Zielsprache und dem im Fremdsprachenunterricht Erlernten zu stoßen.

Die Unterrichtswirklichkeit des Deutschen als Fremdsprache geht trotz der Entwicklung im Rahmen der Forschung in der Regel noch von einer relativ homogenen deutschen Standardsprache aus. Dies entspricht weitgehend nicht den Realitäten, wie sie die Lernenden bei der Begegnung mit der Zielsprachenkultur erfahren. (Maijala 2009: 44)

Auch auf mediale Unterschiede zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit wird oft nur ungenügend eingegangen. Spezifische Unsicherheiten werden je nach Medium unterschiedlich bewertet. Aber welche Medialität definiert einen Gebrauchsstandard und woran orientieren sich DaF-Lehrwerke (vgl. Schneider 2013)? Unter welchen Umständen ist ein Fehler eine neue Variante oder gar die Norm, und wann sollte er ignoriert werden? Wie Schneider (2013: 33) betont, wird die Lösung vermutlich darin liegen „empirische Befunde (Korpusdaten und Sprecherurteile) sorgfältig und im Einzelfall gegen sprachsystematische Aspekte abzuwägen“. Genau an diesem Punkt knüpft die gegenwärtige DaF-Forschung an. Unser Verständnis von sprachlicher Vielfalt und Varianz, von Gebrauch und Norm sowie von Richtig und Falsch haben sich aufgrund korpuslinguistischer, aber auch gesprächslinguistischer und damit sprachgebrauchsbasierter Betrachtungen grundlegend gewandelt (vgl. Ender / Fandrych / Thurmair 2023). Spontansprachliche und schriftsprachliche Korpora und die damit einhergehenden empirischen Analysemethoden haben auch neue Möglichkeiten und Ansätze für die systematische Untersuchung sprachlicher Unsicherheiten eröffnet. Allgemeine Korpora bieten für die Fremdsprachendidaktik neue Möglichkeiten, Vielfalt, Variation, Muster und authentischen Gebrauch aufzuspüren und in die Lehrpraxis zu integrieren.

Lernerkorpora im Besonderen tragen dazu bei, ein besseres Verständnis für Lernprozesse zu entwickeln und den Sprachunterricht zu optimieren. Ihre Analyse liefert wertvolle Erkenntnisse zu sprachlichem Zweifel, Unsicherheiten und systematischen Fehlern, die Lernende in der Zielsprache machen. Damit sind Lernerkorpora für die Entwicklung didaktischer Materialien, die auf den tatsächlichen Bedürfnissen und Fehlerquellen von Fremdsprachenlernenden basieren, ein hilfreiches Instrument. Zusätzlich kann untersucht werden, inwieweit die Muttersprache der Lernenden die Zielsprache beeinflusst, insbesondere in Bezug auf Interferenzen und Transferfehler (siehe 1.2). Die Fehleranalyse trägt dazu bei, typische Muster und häufige Problembereiche im Spracherwerb zu identifizieren und unterstützt die Entwicklung gezielter didaktischer Maßnahmen. Die Beschäftigung mit diesen Aspekten hat die Disziplin der Lernerkorpuslinguistik etabliert. Erste Ansätze einer variationssensiblen Lernersprachenforschung für Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache werden gegenwärtig aus dieser Perspektive entwickelt (vgl. Wisniewski / Lüdeling / Czinglar 2022). Dadurch bildet sich allmählich eine theoriebasierte Disziplin der Spracherwerbsforschung und Lernersprachenanalyse heraus, die Analyseverfahren hervorbringt, welche der Vielfalt und Dynamik von Sprache besondere Aufmerksamkeit widmen. Diese noch junge Disziplin der Lernerkorpusforschung muss jedoch für den Bereich Deutsch als Fremdsprache weiter vorangetrieben werden. Eine variationssensible Didaktik, die auf der Basis von Gebrauchssprache in der Lage ist, auf die individuellen Bedürfnisse und Lernkontexte einzugehen, kann dazu beitragen, Unsicherheiten und Zweifelsfälle zu reduzieren, indem die Sprachkompetenz der Lernenden gezielt gefördert wird.

1.2 Typische DaF-Zweifelsfälle

Im DaF-/DaZ-Bereich sind Zweifelsfälle entweder Phänomene, die auf verschiedene Arten sprachlicher Ähnlichkeit zwischen Varianten innerhalb der zu erlernenden Sprache (intralingual) zurückgehen, oder sie sind als zwischensprachliches Phänomenen (interlingual) zu klassifizieren. Intralinguale Unsicherheiten resultieren aus den Eigenschaften der deutschen Sprache selbst. Sie betreffen Lernende unabhängig von ihrer Erstsprache und treten auch bei deutschsprachigen Muttersprachler:innen auf. Zu Unsicherheiten dieses Typs gehören z.B. grammatische Schwierigkeiten mit Kasusschwankungen (wegen schlechten Wetters vs. wegen dem schlechten Wetter) sowie mit Genus- (das E-Mail vs. die E-Mail) oder Pluralvarianten (Pizza/Pizzen/Pizzas), die u.U. als „unentscheidbar“ gelten (Eichinger 2011: 407). Zu den lexikalischen Zweifelsfällen, die in der Didaktik viel Aufmerksamkeit erfahren, gehören Paronyme, d.h. leicht verwechselbare Ausdrücke, die ausdrucksseitig und/oder auch inhaltsseitig Ähnlichkeiten aufweisen (ideal/ideell, methodisch/methodologisch, legendär/legendenhaft/legendarisch; vgl. z.B. Lăzărescu 1995). Ebenso begegnen Lernende häufig Herausforderungen bei der Wahl von Synonymen oder Ausdrücken, die ähnliche oder verwandte Konzepte bezeichnen. Dies ist oftmals auf unzureichendes Wissen über semantische und pragma-stilistische Nuancen sowie kontextspezifische Verwendungsweisen zurückzuführen. Die Mehrdeutigkeit vieler Ausdrücke stellt eine weitere Quelle für Unsicherheiten dar (vgl. Gündoğdu 2000); dieses Phänomen findet in der Fremdsprachendidaktik bislang jedoch nur wenig Beachtung.

Für einen deutschen Muttersprachler ist es selbstverständlich, dass man ein Geschäft, eine Ausstellung eröffnet, aber eine Tür und ein Fenster aufmacht. Anders ist die Situation für einen Türken, der Deutsch als Fremdsprache lernt. Dieser stößt bei der Wahl und Verwendung solcher Lexeme meistens auf erhebliche Schwierigkeiten. (Gündoğdu 2000: 59)

Herausforderungen im Zusammenhang mit der sprachlichen Variabilität des Deutschen ergeben sich unter anderem durch dialektal geprägte Ausdrücke, wie etwa die verschiedenen regionalen Bezeichnungen für Kartoffel (Ardöpfel, Erdapfel, Erdbirne, Herdapfel, Grundbirne, Grumbeere, Grumbiere, Knulle, Tüffel etc.). Auf orthografischer Ebene treten zudem Schwierigkeiten in der korrekten Schreibung auf, insbesondere etwa bei der Getrennt- und Zusammenschreibung sowie der Differenzierung zwischen den Sibilanten s, ss und ß. Ein weiteres Phänomen, das für Deutschlernende erhebliche Herausforderungen darstellt und bislang nur unzureichend erforscht wurde, ist der Umgang mit Neologismen (vgl. González Ribao 2019). Spezielle Lernerwörterbücher oder verlässliche, regelmäßig aktualisierte mehrsprachige Ressourcen für Neologismen sind gegenwärtig nicht verfügbar. Viele neue Ausdrücke sind zudem häufig noch nicht dokumentiert, wodurch Lernende weder auf das erforderliche sprachliche noch auf das außersprachliche Wissen über die kontextuelle Verwendung zugreifen können. Dies erschwert die eigenständige Erschließung neuer Wörter erheblich. Mehrere Arten intralingualer Unsicherheiten kommen bei Neologismen zusammen, die Genus, Genitiv- oder Pluralschwankungen aufweisen. Solche Schwankungen treten insbesondere bei neuen Lehnwörtern während des Prozesses ihrer Assimilation und Integration in die deutsche Sprache auf. Gibt es für einen Neologismus in der Zielsprache (noch) keine etablierte muttersprachliche Bezeichnung, können daraus auch interlinguale Verständnisschwierigkeiten entstehen. Da eine Vielzahl von Neologismen über Wortbildungsprozesse entsteht, ist eine fundierte Vermittlung der Wortbildungsprinzipien unverzichtbar (vgl. Tschirner 2010), um Unsicherheiten während rezeptiver oder produktiver Prozesse im Umgang mit Neologismen zu reduzieren. Resümierend bleibt jedoch festzuhalten, dass grammatische Normverstöße oder fehlerhafte Aussprache die Verständigung in der Regel nicht oder nur wenig beeinträchtigen, während lexikalisch-semantische Fehlleistungen hingegen häufig zu Interferenzen und somit zu Kommunikationsstörungen führen (vgl. Gündoğdu 2000: 59). Dies könnte erklären, warum der Überwindung lexikalischer Unsicherheiten in der Deutschdidaktik besondere Aufmerksamkeit zukommt.

Die interlingualen Herausforderungen beim Erlernen der Zielsprache Deutsch lassen sich auf den Einfluss zur jeweiligen Muttersprache, den Sprachkontrast zwischen Mutter- und Lernsprache sowie das bestehende Niveau der Fremdsprachenkompetenz zurückführen. Der Transfer muttersprachlicher Merkmale in die Zielsprache kann zu Unsicherheiten führen, die, je nach Spracherwerbshypothese (Identitätshypothese, Kontrastivhypothese, Interlanguagehypothese; vgl. Achten 2007; Bawej 2009), unterschiedlichen Einflüssen mit unterschiedlichen Bedeutungen zugeschrieben werden. Die Untersuchung sprachlicher Schwierigkeiten und ihrer Einflussfaktoren ist sowohl für die Translationswissenschaft als auch für die Fremdsprachendidaktik und die bilinguale Lexikografie von Bedeutung. In diesem Kontext ist die umfangreiche und etablierte Forschungslandschaft zu intersprachlichen Interferenzen hervorzuheben, die beispielsweise fehlerhafte Wort-für-Wort-Übersetzungen oder sogenannte ‚Falsche Freunde‘ (‚faux amis‘) zwischen zwei oder mehr Sprachen umfasst. Bei Falschen Freunden handelt es sich um lexikalische Interferenzphänomene, die auf vermeintlich zwischensprachliche Entsprechungen zwischen der Ausgangs- und der Zielsprache zurückzuführen sind, z.B. Englisch actual vs. Deutsch aktuell. Sie sind Wortpaare derselben Wortart, die aufgrund eines gemeinsamen Etymons formale Ähnlichkeiten aufweisen, jedoch in den jeweiligen Sprachen unterschiedliche Bedeutungen entwickelt haben. Diese Divergenz- und Konvergenzphänomene stellen laut Klein (2018) sprachliche Herausforderungen dar, die jedoch keine Zweifelsfälle im engeren Sinne sind, da keine Variantenwahl erforderlich ist. Vielmehr beruhen die Schwierigkeiten auf einer unzureichenden Kenntnis seitens der Lernenden, wodurch Falsche Freunde in der Sprachdidaktik zu potenziellen Stolpersteinen werden können. Ihre fehlerhafte Verwendung wird als Normverstoß, teilweise als gravierender sprachlicher Fehler1 oder gar als ‚Barbarismus‘, gewertet. Die linguistische Klassifikation von Falschen Freunden bleibt zudem bis heute ein zentraler Gegenstand aktueller Forschung (vgl. Burkhardt 2018; Yurdakul 2023).

Grammatische Interferenzen, die sich in der Übertragung syntaktischer Strukturen oder Kasusregeln aus der Erstsprache in die Zielsprache manifestieren – wie beispielsweise die Anwendung der Subjekt-Verb-Objekt-Reihenfolge in sämtlichen Satzkonstruktionen – gehören zu den typischen Herausforderungen, denen DaF-Lernende begegnen (vgl. Wittner 2024). Besonders problematisch erweist sich die Unsicherheit bei der Wahl präpositionaler Konstruktionen, insbesondere im Zusammenhang mit Primärpräpositionen wie an, auf oder in, da diese, je nach Kontext, unterschiedliche Kasus erfordern können. In diesem Zusammenhang stellt sich für Lernende häufig die grundlegende Frage, wann Dativ und wann Akkusativ anzuwenden sind.

Auf der lautlichen Ebene zeigen sich Schwierigkeiten vor allem bei der Artikulation von Lauten, die in der Erstsprache der Lernenden nicht vorkommen. Darüber hinaus können auf der kulturellen Ebene Interferenzen auftreten, etwa beim Gebrauch von Höflichkeitsformen und der Unterscheidung zwischen Sie und du, und zwar hauptsächlich dann, wenn die Erstsprache keine vergleichbaren Konventionen aufweist. Auch die Übertragung schriftsprachlicher Regeln aus der Erstsprache auf das Deutsche stellt eine Herausforderung dar. Dies äußert sich beispielsweise in Unsicherheiten bezüglich der Groß- und Kleinschreibung, insbesondere bei Lernenden aus Sprachgemeinschaften, deren Schriftsystem solche Unterscheidungen nicht kennt.

Einige Unsicherheiten lassen sich nicht eindeutig einer spezifischen Kategorie zuordnen, da sie aus einer Wechselwirkung interlingualer und intralingualer Faktoren resultieren. So kann die normative Verwendung von Präpositionen (z.B. auf und an) sowohl durch strukturelle Unterschiede zwischen der Erstsprache und dem Deutschen als auch durch die polyseme Natur der Präpositionen im Deutschen selbst erschwert werden.

1.3 Was interessiert DaF-Lernende und wo schlagen sie nach?

Neben klassischen Nachschlagewerken, Online-Ressourcen, Sprach-Apps und Sprachberatungsstellen steht DaF-Lernenden eine Vielzahl von Online-Ratgebern und Plattformen zur Verfügung. Diese ermöglichen es, schnell die Unterschiede zwischen formal ähnlichen Ausdrücken wie avisieren und anvisieren zu verstehen, über die Entstehung und Verwendung von Pluralformen (z.B. Denkmale vs. Denkmäler) aufzuklären, präpositionale Verbindungen bei Verben (z.B. leiden an vs. leiden unter) zu erläutern oder Unsicherheiten bei Schreibvarianten (z.B. zusammenarbeiten vs. zusammen arbeiten) zu beseitigen. Häufig fragen Deutschlernende auch nach kontextuellen Unterschieden zwischen bedeutungsgleichen Ausdrücken (siehe Abbildung 1). Beispielhaft erwähnt seien hier das Forum Deutsch als Fremdsprache, Reddit-Communities sowie SpraKuKo (SpracheKulturKommunikation) Deutsch lernen.

Abbildung 1
Abbildung 1

Beispiel für eine Sprachanfrage aus Reddit2

Durch Recherchen in Lernerforen und die Auswertung von Anfragen an Wörterbuchredaktionen gewinnen wir wertvolle Einblicke in häufige Fehlerquellen und sprachliche Hürden. In der Lexikografie spielt die Analyse der Nutzer:innensituation und -bedürfnisse bereits eine wesentliche Rolle bei der Konzeption von Nachschlagewerken (vgl. Storjohann 2022). In der DaF-Forschung und bei der Erstellung von DaF-Lehrwerken finden empirische Auswertungen von Zweifelsfällen bislang wenig Beachtung, obwohl sie wichtige Erkenntnisse über typische Unsicherheiten und Schwierigkeiten liefern könnten, die in die Gestaltung von Lehrmaterialien einfließen sollten. Eine neue Entwicklung im DaF-Bereich ist die zunehmende Rolle von KI-basierten Tools. Plattformen oder Apps wie Babbel setzen Künstliche Intelligenz ein, um Lerninhalte an den Fortschritt und die Bedürfnisse der Lernenden anzupassen. Tools wie ChatGPT oder speziell entwickelte Sprachbots bieten interaktive Gespräche auf der Zielsprache Deutsch, um Sprech- und Schreibfähigkeiten zu fördern. Diese Entwicklungen werden sich sowohl auf Lehrende als auch auf Lernende auswirken.

Lernerkorpora werden als wertvolles Instrument im DaF-Unterricht eingesetzt, um das Sprachenlernen auf einer datengestützten Basis zu fördern und gezielt typische Lernschwierigkeiten anzugehen. Sie ermöglichen einen praxisnahen und datenbasierten Unterricht, der sich stark an den tatsächlichen Bedürfnissen und Fehlerquellen der Lernenden orientiert. Korpora können zur Entwicklung von Übungen herangezogen werden, die auf den spezifischen Herausforderungen von Lernenden mit einer bestimmten Ausgangssprache beruhen. So können etwa wiederkehrende Fehler bei der Wahl von Präpositionen oder der Satzstruktur identifiziert und thematisiert und häufige Satzmuster und Kollokationen im Deutschen veranschaulicht werden. Dies trägt dazu bei, dass Lernende idiomatischer und grammatisch fehlerfreier sprechen und schreiben. Die Realisierung dieser Anwendungsmöglichkeiten ist jedoch mit hohen technischen Anforderungen verbunden, die in vielen Fällen noch nicht erfüllt werden können. Ein Blick in Foren, in denen wiederholt über verwendete Lernmaterialien und Nachschlagewerke diskutiert wird, zeigt auch, dass Lernende öffentlich zugängliche Lernerkorpora bisher nicht als Ressourcen für ihr individuelles Lernen nutzen.

2. Inhaltliche Schwerpunkte der Themenausgabe

Die vorliegende Themenausgabe beschäftigt sich mit spezifischen sprachlichen Unsicherheiten und Zweifelsfällen aus DaF-/DaZ-Perspektive. Es stellt eine Ergänzung zum Themenheft Sprachliche Zweifelsfälle. Aufspüren, Erklären, Lehren dar, welches von Renata Szczepaniak herausgegeben wurde und in der Zeitschrift Muttersprache (Heft 4/2021) erschien. Letzteres setzt sich mit sprachlichen Normen auseinander, betrachtet Zweifelsfälle im muttersprachlichen Deutschunterricht aus didaktischer Perspektive und in der Wahrnehmung von Lehramtsstudierenden, und sprachliche Unsicherheiten werden als Phänomene des Sprachwandels thematisiert. Darüber hinaus ergänzt die vorliegende Themenausgabe den von Hennig und Müller (2009) herausgegebenen Band, der den grammatischen Zweifelsfall bei Schüler:innen im muttersprachlichen Deutschunterricht als für die Sprachdidaktik bedeutendes Thema in den Mittelpunkt stellt3.

Die vorliegende Ausgabe widmet sich dem Phänomen des sprachlichen Problemfalls aus drei DaF-/DaZ-Perspektiven: aus theoretischer, angewandter und methodischer Sicht. Es betont dessen Relevanz im praktischen Unterricht, seine korpusmethodischen Untersuchungsmöglichkeiten sowie seine Einordnung in der DaF/DaZ-Forschung. Einige Beiträge kombinieren mehrere Schwerpunkte. Insgesamt spielen Unsicherheiten auf verschiedenen linguistischen Ebenen eine zentrale Rolle. So widmen sich einige Beiträge lexikalisch-semantischen Fragestellungen, während andere den Fokus auf grammatische Unsicherheiten legen. Ein besonders relevanter Aspekt, der in diesem Kontext hervorgehoben wird, ist, dass die Beiträge sowohl Methoden und Analysen aus schriftsprachlichen Untersuchungen vorstellen als auch Zweifelsfälle in anderen Medialitäten, wie der mündlichen Sprache, berücksichtigen. Es sei darauf hingewiesen, dass in dieser Themenausgabe nicht alle Zweifelsfälle sämtlicher sprachlicher Ebenen und Varietäten behandelt werden können. Dennoch bietet es die Möglichkeit, der theoretischen, anwendungsorientierten und methodischen Auseinandersetzung mit dem Zweifelsfall aus der Perspektive des DaF-Unterrichts mehr Aufmerksamkeit zu schenken und künftig weitere Phänomene aus anderen sprachlichen Ebenen stärker in den Mittelpunkt zu rücken und dabei auch die theoretische Verortung des Untersuchungsgegenstandes im komplexen Spannungsfeld zwischen Norm/Fehler/Gebrauch/Variabilität und Dynamik voranzutreiben.

2.1 Lexikalisch-semantische und grammatische Problemfälle

Zu den häufigsten Zweifelsfällen im Fremdsprachenunterricht gehören die Falschen Freunde. In der Fachliteratur werden sie oft detailliert klassifiziert (z.B. Kroschewski 2000; Burkard 2018), wobei sie in der Regel in ‚absolute‘ (auch ‚totale‘) Paare unterteilt werden, die keinerlei semantische Überschneidungen aufweisen und ‚partielle‘ Falsche Freunde, die ähnliche Gebrauchseigenschaften besitzen, jedoch kontextuelle Unterschiede offenbaren. Die traditionellen Klassifikationsmodelle und Definitionskriterien werden von Ayşe Yurdakul in ihrem Beitrag „Halbehrliche semantische Falsche Freunde als sprachlicher Zweifelsfall für DaF-Lernende – eine Korpusanalyse zum gegenwärtigen Gemeinwortschatz des Deutschen und des Türkischen“ kritisch hinterfragt. In ihrem Beitrag präsentiert die Autorin eine mehrstufige Kongruenztypologie, die als theoretischer Rahmen für eine präzisere Definition von „halbehrlichen semantischen Falschen Freunden“ dient. Ihr theoretisch fundierter Ansatz arbeitet die Lücken bestehender Klassifikationen heraus. Gleichzeitig untersucht sie anhand konkreter Beispiele traditionelle Wörterbuchbeschreibungen bestimmter Wortpaare des Deutschen und Türkischen in den lexikografischen Werken Duden und Pons und unterbreitet alternative Vorschläge für lexikografische Darstellungen vor, die umfassendere Erläuterungen bieten. Anstatt sich ausschließlich auf Strategien zur Vermeidung von Interferenzen zu konzentrieren, rückt die Verfasserin dieses Beitrags die Förderung von Transferwissen zwischen der Muttersprache und der Fremdsprache in den Vordergrund, indem sie alternative Wörterbucheinträge präsentiert. Auf diese Weise werden lexikologische Erkenntnisse konkret für DaF-Lernende aufbereitet und für ihre Lernprozesse nutzbar gemacht.

Zur Gruppe der wortbildungsbedingten Zweifelsfälle, die lexikalisch-semantische Unsicherheiten hervorrufen können, zählen formell ähnliche Ausdrücke, die sich in der Zielsprache lediglich durch das jeweils verwendete Affix(oid) unterscheiden und oft semantische Überschneidungen aufweisen. Beispiele hierfür sind Ausdrücke wie Variante/Variable/Varietät, muskulös/muskulär oder auch vegan/vegetarisch. Die vorliegenden Fälle sind aus zwei Gründen problematisch: Erstens kommt es vor, dass für die jeweiligen deutschen Paare oder Gruppen direkte lexikalische Äquivalente in der Muttersprache der DaF-Lernenden existieren4. So könnten zum Beispiel die Ausdrücke muskulös und muskulär im Englischen beide mit muscular übersetzt werden. Zweitens wird bei der Existenz von Varianten oftmals von einer semantischen Differenzierung ausgegangen, obwohl sich die Ausdrücke in manchen Fällen lediglich hinsichtlich ihrer Häufigkeit im Sprachgebrauch unterscheiden oder nur minimale semantische bzw. stilistische Differenzen bestehen. Wie die Bedeutung von Differenzierungen mithilfe umfangreicher Korpusdaten ermittelt werden kann und welche Werkzeuge sich für kontrastive Untersuchungen eignen, erläutert Melissa Roth in ihrer kontrastiven Analyse der Adjektive vegan und vegetarisch. Ihr Beitrag „Die Untersuchung lexikalisch-semantischer Zweifelsfälle mittels kontrastiver korpuslinguistischer Methoden am Beispiel vegan/vegetarisch“ stellt zugleich eine methodische Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Nutzung von Korpora dar, wobei sich ihre Instruktionen auch auf die Untersuchung von Synonymen übertragen lassen (siehe auch Abschnitt 2.2).

Grammatische Zweifelsfälle und Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Verwendung von Artikeln stehen im Mittelpunkt des Beitrags von Christian Lang, Ngoc Duyen Tanja Tu und Anna Volodina. Die komplexen grammatischen Kategorien Genus und Flexion stellen für Lernende des Deutschen als Fremd- oder Zweitsprache typischerweise Herausforderungen dar. Die Fortschritte der letzten Jahre im Bereich der Large Language Models (LLMs) und Chatbots bieten ihnen neue Möglichkeiten; so kann von schnellen und gezielten Entscheidungshilfen bei grammatischen Unsicherheiten Gebrauch gemacht werden, insbesondere bei der korrekten Verwendung des bestimmten und unbestimmten Artikels, zu nutzen. Ihr Beitrag „Welcher Artikel ist richtig? Ist Generative KI ein geeignetes Hilfsmittel für DaF-/DaZ-Lernende?“ präsentiert eine empirische Studie, die sich mit der Zuverlässigkeit von KI-Tools zur Beantwortung sprachlicher Unsicherheiten im Bereich der Genuszuschreibung und Artikelverwendung befasst. Die zentrale Fragestellung lautet, ob die von ChatGPT generierten Antworten zu Unsicherheiten bei der Artikelverwendung tatsächlich inhaltlich korrekt und hilfreich sind. Dabei wird die Qualität der automatisch generierten Antworten auf konkrete Sprachanfragen mit den Antworten von Expert:innen aus dem Bereich der professionellen Sprachberatung verglichen. Die Studie und ihr methodisches Vorgehen werden detailliert erläutert.

Ein weiterer grammatischer Schwerpunkt wird im Beitrag „Vielleicht – du hast recht. Zu sprachlichem Gebrauch und Akzeptanz von Deklarativsätzen mit Verbzweitstellung (V2) vs. Verbdrittstellung (V3) in Erst- und Zweitsprache Deutsch“ von Johanna Wittner und Andrea Ender gesetzt. Dieser Beitrag liefert korpusbasierte Einblicke in die Nutzung und Akzeptanz von zielsprachlichen Gebrauchsnormen im Zusammenhang mit Verbstellungen in unterschiedlichen Medialitäten. In einem weiteren methodischen Beitrag legen beide Autorinnen die Datenerhebung und das Vorgehen präzise dar (siehe auch 2.2). Die Analyse stützt sich auf spontansprachliche Sprachdaten von Studierenden mit Deutsch als Erst- und Zweitsprache und verdeutlicht, dass fortgeschrittene Lernende V3-Strukturen häufiger und in einem breiteren Spektrum an Kontexten verwenden als Muttersprachler:innen. Dieses Ergebnis ist insofern bemerkenswert, als deutsche Deklarativsätze in der Regel der V2-Stellung folgen, während V3-Strukturen als ungrammatisch gelten und im DaF-Unterricht langfristig vermieden werden sollen. Werden jedoch gesprochensprachliche Daten betrachtet, zeigt sich, dass V3-Stellungen auch bei Muttersprachler:innen auftreten, insbesondere wenn das linke Außenfeld mit metakommunikativen oder strukturierten Elementen gefüllt ist. Der Beitrag beleuchtet ferner, wie solche V3-Positionen von Lernenden in Grammatikalitätsurteilstests bewertet werden. Die Autorinnen betonen die Relevanz der Thematisierung von Variationen in der Verbstellung im fortgeschrittenen Sprachunterricht, mit dem Ziel, ein differenziertes Sprachregister zu fördern und Normen für den Spracherwerb zu reflektieren.

2.2 Beiträge mit methodischem Schwerpunkt

Welche Typen von Zweifelsfällen können mithilfe von Korpusrecherchen identifiziert und empirisch analysiert werden? Die Beiträge mit einem überwiegend methodischen Fokus adressieren diese Fragestellungen anhand konkreter Beispiele und geben fundierte Vorschläge für linguistische oder didaktische Analysen. Sie bieten u. a. detaillierte Erläuterungen zu korpusgeleiteten Verfahren zur Untersuchung spezifischer Zweifelsfälle sowie praxisorientierte Anleitungen zur Nachahmung ähnlicher Analysen. Die Beiträge zielen unter anderem darauf ab, Lehrende und Lernende zu eigenständigen Korpusanfragen zu inspirieren, auch, indem sie für die Unterschiede zwischen Korpora und ihren Zugangssystemen im Hinblick auf verschiedene Zweifelsszenarien sensibilisiert werden. Konkrete Abfragen sowie der Aufbau ganzer Studien werden erläutert, um einzelne Analyseschritte nachvollziehbar zu machen. Außerdem wird an verschiedenen Stellen auf Diskrepanzen zwischen den dokumentierten Normen in Nachschlagewerken oder Lehrwerken und den variablen Phänomenen der deutschen Gebrauchssprache hingewiesen.

In seinem Beitrag „Korpuszugang light? – Gedanken, Vorbehalte, aber auch Tipps zum niedrigschwelligen Einstieg in die Korpusarbeit“ beschreibt Rainer Perkuhn einen vereinfachten Zugang zu verschiedenen Quellen und lexikalischen Ressourcen, darunter ChatGPT, Google sowie unterschiedliche schriftsprachliche Korpora und deren Anfragesysteme. Korpora stellen eine wertvolle Ressource dar, um grundlegende Fragen von Lernenden zu beantworten, insbesondere in Bezug auf Schreibweisen, syntagmatische Strukturen oder Bedeutungsnuancen; solange die Antworten gebrauchspräferenzorientiert sind. Die Nutzung solcher Korpora erfordert allerdings digitale Kompetenzen sowie einen sicheren Umgang mit der Zielsprache. Der Autor zeigt in diesem Zusammenhang auf, dass es zwar umfangreiche deutschsprachige Korpora gibt, welche in der Regel jedoch nicht speziell für den DaF-Bereich entwickelt wurden und daher einige Herausforderungen bergen. Zu den Hürden zählen unter anderem die Notwendigkeit einer Registrierung, komplexe Recherchesysteme und die schwer verständliche Suchanfragesprache, die insbesondere DaF-Lehrende und -Lernende abschrecken können. Am Beispiel der DeReKo-Zugangssysteme Cosmas II und KorAP werden diese Schwierigkeiten analysiert sowie Ansätze zur Vereinfachung vorgestellt. Darüber hinaus erfolgt ein Vergleich dieser Systeme mit dem DWDS. Im Mittelpunkt steht die Frage, was ein Suchausdruck ist und inwieweit Zugangssysteme bei nicht eindeutig lemma-orientierten Informationsbedürfnissen eine niedrigschwellige Nutzung ermöglichen.

In ihrem Beitrag „Die Untersuchung lexikalisch-semantischer Zweifelsfälle mittels kontrastiver korpuslinguistischer Methoden am Beispiel vegan/vegetarisch“ stellt Melissa Roth nicht nur ein spezielles vergleichendes methodisches Vorgehen und ein Visualisierungstool vor (siehe 2.1), sondern zeigt in einer detaillierten Anleitung eine konkrete semantische Analyse zur Ermittlung von Unterschieden zwischen den eng verwandten Ausdrücken vegan und vegetarisch. Anhand des Fallbeispiels, zeigt sie alle erforderlichen Schritte in chronologischer Reihenfolgt, um die Nachvollziehbarkeit des Analyseprozesses zu gewährleisten. Wichtige Untersuchungsschritte werden mit begleitenden interpretativen Entscheidungen versehen. Die Autorin beantwortet damit die selten behandelte Frage, wie konkret erhobene Korpus-Daten interpretativ bewertet werden können. Der Beitrag ist damit methodisch und anwendungsorientiert ausgelegt. Zugleich verdeutlicht er die Diskrepanzen zwischen empirischen Gebrauchsdaten und Informationen in Wörterbüchern. Er zeigt auf, dass die dargestellten Erkenntnisse im DaF-Unterricht eigenständig gewonnen und zur Verbesserung des individuellen Lernprozesses genutzt werden können.

Der Beitrag von Johanna Wittner und Andrea Ender mit dem Titel „Diamediale syntaktische Variation und ihre Erforschung in fortgeschrittener Lernersprache: Vom Forschungsdesign zur Datenerhebung, -aufbereitung und -annotation“ thematisiert die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung der lernersprachlichen Entwicklung. Sie ist traditionell oft an schriftsprachlichen Normen orientiert, während Aspekte wie diamediale Variation und gesprochene Syntax unberücksichtigt bleiben. Ein Beispiel hierfür ist die Variation von Verbdrittstellung bei verschiedenen Lerner:innengruppen (siehe auch 2.1). Die Autorinnen stellen ein neuartiges Mixed-Methods-Forschungsdesign vor, mit dem die sprachliche Variabilität und Performanz von Lernenden in unterschiedlichen Produktionskontexten untersucht wird, wobei auch Aufgabenstellungen und individuelle Unterschiede erläutert werden. Dieser Ansatz ermöglicht den Vergleich zwischen mündlicher und schriftlicher (Lerner-)Sprache und zeigt, wo Grenz- und Zweifelsfälle sprachlicher Normen und sprachlichen Gebrauchs deutlich werden und wie diese bewertet werden. Durch die Anwendung transparenter Methoden und die präzise Definition von Kategorien wird eine solide Grundlage für fundierte Analysen und reproduzierbare Studien geschaffen, bei deren Durchführung diamediale syntaktische Variation konsequent berücksichtigt werden kann.

2.3 Sprachliche Unsicherheiten in der Interaktionslinguistik

Bis auf Ausdrücke mit zentraler interaktionsbezogener Funktion (z.B. Modalpartikeln oder Diskursmarker; vgl. Ender / Fandrych / Thurmaier 2023) hat die Erforschung sprachlicher Unsicherheiten aus interaktionslinguistischer Perspektive in der Zweifelsfalllinguistik bisher nur begrenzte Aufmerksamkeit erhalten (vgl. auch Schramm 2017). In ihrem Beitrag „Wie DAF-Lernende in Sprachtandems sprachbezogene Hilfestellung bei Unsicherheiten einholen. Eine interaktionale, videobasierte Analyse“ führt Alexandra Gubina eine Studie durch, die auf Videoaufzeichnungen von Sprachtandems basiert. Dabei werden Strategien von L2-Sprecher:innen analysiert, mittels derer sprachliche Unsicherheit in der Kommunikation signalisiert wird. Zu diesen Signalisierungspraktiken zählen neben sprachlichen und prosodischen Modalitäten auch physische Mittel wie Gesichtsausdrücke, die insbesondere dann zum Einsatz kommen, wenn Hilfe von Tandempartner:innen, d.h. L1-Sprecher:innen, eingefordert wird. Der Beitrag folgt einem interaktionslinguistischen Ansatz dar, der die Interaktionskompetenzen in der Fremd- und Zweitsprache untersucht. Dieses Forschungsfeld hat in der jüngeren Vergangenheit an Bedeutung gewonnen und vermehrt Aufmerksamkeit erfahren, während das spezifische Setting des informellen Lernkontexts in Tandemgesprächen bislang nur wenig erforscht wurde.

Notes

  1. Fehler ist ein umstrittener Terminus in der Linguistik, der sich im Rahmen eines sich verändernden Norm- und Variationsverständnisses, aber auch im Kontext von Akzeptabilität und Grammatikalität kontinuierlich neu verorten muss (siehe z.B. Schneider 2013). [^]
  2. https://www.reddit.com/r/German/comments/1hww79n/abstand_distanz_entfernung_are_there_any_cases/ (15.01.2025). [^]
  3. Siehe aber auch Ulrich (2020). [^]
  4. Das gilt in erster Linie für DaF-Lernende mit anderen europäischen Ausgangssprachen. [^]

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Biographische Notiz

Dr. Petra Storjohann arbeitet als Lexikologin und Lexikografin am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) und leitet den Arbeitsbereich der Neologismenforschung im Projekt Lexikographie sprachlichen Wandels. Seit ihrer Arbeit am ersten korpusgestützten Onlinewörterbuch zu leicht verwechselbaren Ausdrücken (Paronymwörterbuch) im Jahr 2015 beschäftigt sie sich mit lexikalisch-semantischen Zweifelsfällen.

Kontaktanschrift:

Dr. Petra Storjohann

Leibniz-Institut für Deutsche Sprache

R5, 6–13

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