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Das Verstehen von Modalpartikeln bei DaF-Studierenden: eine empirische Studie aus metasprachlicher, pragmatischer und kontrastiver Perspektive

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  • Das Verstehen von Modalpartikeln bei DaF-Studierenden: eine empirische Studie aus metasprachlicher, pragmatischer und kontrastiver Perspektive

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    Das Verstehen von Modalpartikeln bei DaF-Studierenden: eine empirische Studie aus metasprachlicher, pragmatischer und kontrastiver Perspektive

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Abstract

Dieser Aufsatz untersucht das Funktionsverstehen von deutschen Modalpartikeln (MPn) aus einer DaF-didaktischen Perspektive anhand der Ergebnisse einer Pilotstudie mit Universitätsstudierenden. Sechs MPn (doch, denn, ja, eigentlich, etwa, mal) wurden gezielt im Unterricht vermittelt und ihr Funktionsverstehen vor und nach der didaktischen Intervention analysiert. Der gewählte Ansatz kombinierte metasprachliche, pragmatische und kontrastive Dimensionen. Die gesammelten Daten zeigen eine deutliche Verbesserung bei der Interpretation der MPn und eine gesteigerte sprachliche Kreativität bei ihrer Übersetzung ins Italienische. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur Verbindung von Sprachbewusstheit und MPn-Verstehen und stellt ein Lernerkorpus im weiteren Sinne dar, das Einblicke in Verstehensweisen, Übersetzungsstrategien und typische Schwierigkeiten bei MPn bietet.

The Understanding of Modal Particles among DaF-Learners: an Empirical Study from a Metalinguistic, Pragmatic, and Contrastive Perspective

This paper examines the comprehension of German modal particles (MPs) from a DaF-didactic perspective, based on the results of a pilot study with university students. Six MPs (doch, denn, ja, eigentlich, etwa, mal) were explicitly taught in class, and students’ understanding of their functions was analyzed before and after the didactic intervention. The chosen teaching approach combined metalinguistic, pragmatic, and contrastive dimensions. The collected data show a clear improvement in the interpretation of MPs and increased linguistic creativity in their translation into Italian. Therefore, the study contributes to linking language awareness and comprehension of MPs, and it constitutes a learner corpus in a broader sense, offering insights about comprehension patterns, translation strategies, and typical difficulties related to MPs.

 

Keywords: Modalpartikeln, Deutsch als Fremdsprache (DaF), Leseverstehen, Übersetzung, Sprachbewusstsein, kontrastive Linguistik (Deutsch - Italienisch), Lernerkorpora, modal particles, German as a Foreign Language (GFL), reading comprehension, translation, language awareness, contrastive linguistics (German - Italian), learner corpora

How to Cite:

Cernicchiaro, C., (2025) “Das Verstehen von Modalpartikeln bei DaF-Studierenden: eine empirische Studie aus metasprachlicher, pragmatischer und kontrastiver Perspektive”, Korpora Deutsch als Fremdsprache 5(2), 214–240. doi: https://doi.org/10.48694/kordaf.4622

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2025-12-27

Peer Reviewed

1. Einleitung

Der vorliegende Beitrag1 befasst sich mit deutschen Modalpartikeln (MPn) aus einer DaF-didaktischen Perspektive und präsentiert die Ergebnisse einer Pilotstudie, die im Wintersemester 2024 an der Università del Piemonte Orientale durchgeführt wurde. Im Rahmen dieser Studie wurde ein spezifisches Lehrmodul zu den MPn entwickelt und Studierenden der Germanistik aus verschiedenen Studienjahren angeboten. Vor und nach der Durchführung des Moduls absolvierten die Teilnehmenden einen Test, der ihre Kompetenzen hinsichtlich sechs ausgewählter MPn (doch, denn, ja, eigentlich, etwa, mal) evaluierte.

Diese Studie zielt darauf ab, den Umgang der DaF-Studierenden mit den deutschen MPn zu untersuchen: Dabei werden ihr Verständnis für den Gebrauch der MPn in interaktionalen Gesprächskontexten sowie ihre kontrastive Kompetenz beobachtet, indem die Studierenden Sätze mit MPn auf Italienisch umschreiben bzw. ins Italienische übersetzen. Es ist zu betonen, dass die deutschen MPn manchmal in italienischen mündlichen Äußerungen durch prosodische Mittel bzw. durch die Intonation ausgedrückt werden, die in der schriftlichen Produktion nicht wiedergegeben werden können. Das Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist es jedoch, zu erkennen, ob die Lernenden Mittel überhaupt identifizieren und nutzen können, um die Funktion der deutschen MPn im Italienischen in schriftlicher Form wiederzugeben.

Im Rahmen der Untersuchung wurde auch festgestellt, ob und wie das Unterrichtsmodul die metasprachliche Kompetenz der DaF-Lernenden in Bezug auf die MPn beeinflusst hat. Die Ergebnisse der Pilotstudie ermöglichten die Entwicklung eines didaktischen Modells für eine effektivere Vermittlung der MPn, das sowohl auf das sprachbewusste Verstehen als auch auf die adäquate Übersetzung ihrer Funktion im Kontext abzielt.

Die in der Studie erhobenen Daten können als ein Lernerkorpus (vgl. Granger 2002: 7) im weiteren Sinne verstanden werden: Auch wenn keine authentischen Produktionen in der Fremdsprache gesammelt wurden, liefert die Sammlung im kontrastiven Zugang dennoch Aufschluss darüber, ob und wie DaF-Lernende unterschiedlicher Niveaustufen MPn verstehen und auch darüber, ob und mit welchen Mitteln sie diese übersetzen. Auf diese Weise wird das Korpus zu einer Ressource, die typische Schwierigkeiten im Umgang mit der Rezeption von MPn sichtbar macht.

Die Arbeit gliedert sich folgendermaßen: Abschnitt 2 beschreibt die wesentlichen grammatischen Eigenschaften der MPn und befasst sich mit ihrer Vermittlung im DaF-Bereich, wobei der Mangel an Ansätzen hervorgehoben wird, die sich auf die Verstehenskompetenzen konzentrieren. In Abschnitt 3 wird das didaktische Experiment beschrieben und das Analyseverfahren der gesammelten Daten präsentiert. Abschnitt 4 stellt die wichtigsten Ergebnisse der Pilotstudie aus qualitativer und quantitativer Sicht dar. Abschnitt 5 fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und gibt einen Ausblick auf Desiderata für zukünftige Forschungen.

2. Deutsche Modalpartikeln: grammatische Aspekte und Behandlung in der DaF-Forschung

Modalpartikeln (nach Weydt 1969 auch als Abtönungspartikeln bezeichnet) sind eine Klasse von Funktionswörtern, die als charakteristisch für die deutsche Sprache gelten (vgl. Gutzmann / Turgay 2016: 97). Typischerweise werden sie als ein Ausdrucksmittel der gesprochenen Sprache beschrieben, kommen aber auch in schriftlichen Texten vor, vor allem in denen, die die Mündlichkeit simulieren (vgl. Müller 2014: 3). In der Literatur herrscht Uneinigkeit darüber, welche Lexeme zur Klasse der MPn zählen. Prototypisch werden folgende Einheiten dieser Klasse zugeordnet: aber, auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, einfach, etwa, erst, halt, ja, mal, nicht, nur, ruhig, schon, vielleicht, überhaupt und wohl (vgl. Thurmair 1989: 94–186; Zifonun / Hoffmann / Strecker 1997: 1209; Duden 202210: 842).

MPn unterscheiden sich von anderen Partikeln und von Heterosemen, da sie spezifische Eigenschaften aufweisen (vgl. Thurmair 1989; Moroni 2005, 2010; Müller 2014; Blühdorn 2017 und 2022) bzw. genauer gesagt: a) Sie sind nicht flektierbar; b) sie sind nicht akzentuierbar; c) sie sind nicht koordinierbar; d) sie können nicht negiert werden; e) sie können miteinander kombiniert werden; f) sie können nicht allein im Vorfeld auftreten bzw. treten typischerweise im Mittelfeld auf; g) sie nehmen Skopus über den gesamten Satz bzw. eine größere Diskurseinheit; h) sie zeigen eine starke Affinität zu bestimmten Satzarten; i) sie interagieren mit der Informationsstruktur. MPn wurden außerdem als „Synsemantika“ (Müller 2014: 16) kategorisiert: Sie tragen keine eigene lexikalische Bedeutung und können ohne einen expliziten Kontext nicht begriffen werden.

Seit Ende der 1960er Jahre werden die MPn intensiv erforscht. Die Partikelforschung beginnt mit den Aufsätzen von Krivonosov (1963/1977, 1965a und 1965b, 1966), der die Rolle der MPn in der Informationsstruktur und ihren Zusammenhang mit verschiedenen Satzarten untersuchte. Im Vordergrund nachfolgender Studien stand der kommunikative Beitrag, den die MPn zum Interaktionskontext leisten (vgl. Weydt 1969; Lütten 1977; Franck 1979). Nach der sogenannten „kommunikativ-pragmatischen Wende“ (Helbig 1988: 16) haben sich neue Studien auf die formale Beschreibung der MPn fokussiert. Die ersten syntaktischen Analysen haben die bevorzugte Stellung der MPn im linken Mittelfeld beobachtet (vgl. Hentschel 1986; Abraham 1988). Ab den späten 1980er Jahren wurde die Bedeutung der MPn formal erfasst (vgl. Doherty 1985; Jacobs 1991; König / Requardt 1991), ohne dass eine einheitliche Theorie entstand (vgl. Gutzmann / Turgay 2016: 2). Mit Thurmair (1989) beginnt eine ‚systematische Wende‘ in der grammatischen Beschreibung der MPn, da sie mit den Begriffen der Prototypensemantik die wichtigsten semantischen Merkmale jeder MP umfassend definiert. In den letzten Jahren haben sich unterschiedliche Studien mit einer formalen Beschreibung der MPn aus syntaktischer (vgl. Kwon 2005; Moroni 2010; Bayer / Obenauer 2011; Coniglio 2011), semantisch-pragmatischer (vgl. Karagjosova 2004; Zimmermann 2004; Blühdorn 2008/2017; McCready 2012; Repp 2013; Döring / Repp 2020), interaktionaler (vgl. Deppermann 2009; Reineke 2016; Torres Cajo 2019) und multimodaler Perspektive (vgl. Schoonjans 2018) beschäftigt.

Eine semanto-pragmatische Beschreibung der MP-Bedeutung bietet das von Blühdorn (2019, 2022) entwickelte Modell, nach dem zwei Komponenten unterschieden werden: die semantische Komponente (SK) und die pragmatische Komponente (PK). Die erste Komponente ist epistemisch-deontisch: MPn setzen den geäußerten Satz bzw. Sprachausdruck in Beziehung zu einem Wissens- und/oder Wollenshintergrund, z.B. dem Wissen des Sprechers oder dem gemeinsamen Wissen der Interaktionspartner. Die zweite Komponente ist pragmatisch: MPn setzen die sprachliche Handlung, die mit dem geäußerten Satz bzw. Sprachausdruck ausgeführt wird, in Beziehung zum Interaktionskontext. Im folgenden Beispiel wird die Doppelfunktion der MP wohl zur Erläuterung von Blühdorns Modell beschrieben:

    1. (1)
    1. Wird Paul wohl kommen?

Laut Blühdorn (2019: 293) zeigt die MP wohl an, dass nach dem Wissens- bzw. Wollenshintergrund des Sprechers eine Antwort auf die verbalisierte Frage gefunden werden kann (SK) und der ausgeführte Sprechakt den Adressaten zur Kooperation bei der Antwortfindung einladen soll (PK). Blühdorns Modell wurde von Lemmetti (2024a) systematisch angewandt, um Funktionsäquivalente der MPn in italienischen Übersetzungen zu ermitteln.

Wie Lemmetti (2024a: 11) beobachtet, stellen die deutschen MPn eine Herausforderung aus kontrastiver Sicht vor allem im Vergleich mit den romanischen Sprachen dar, da solche Sprachen nur wenige lexikalische Funktionsäquivalente aufweisen. Die Ermittlung von Funktionsäquivalenten deutscher MPn ist seit dem Beginn der Partikelforschung ein zentraler Gegenstand mehrerer kontrastiver Studien (vgl. Weydt 1969 und Dalmas 1989 für das Französische, Bublitz 1978 für das Englische und Beerbom 1992 für das Spanische). In diesem Zusammenhang sind die Arbeiten von Held (1983), Helling (1983), Masi (1996), Buzzo Margari (2004), Cognola / Moroni (2022) und Lemmetti (2024a) für das Italienische erwähnenswert. Obwohl in der grammatischen Tradition des Italienischen kaum von Partikeln gesprochen wird, verfügt auch die italienische Sprache nach Lemmetti (2024a: 30–31) über MPn. Das wird auch von Coniglio (2008) und Cognola / Moroni (2022) für die Lexeme mica, anche, magari, poi, pure, sì und ben angenommen. Wie diese Studien zeigen, greift das Italienische vielmehr auf eine Vielfalt von unterschiedlichen sprachlichen Mitteln zurück, um dieselben Funktionen der MPn auszudrücken.

Die Ergebnisse und Beobachtungen dieser sprachvergleichenden Studien bieten Evidenz für die Annahme, dass die MPn auch im DaF-Unterricht ein herausforderndes und wichtiges Thema sind. Eine fehlgeschlagene Wahrnehmung der MPn kann bei DaF-Lernenden die Interaktion mit deutschen Muttersprachler:innen beeinträchtigen (vgl. Jany 2022: 102). Insbesondere kann ein mangelndes Verständnis ihrer Funktion dazu führen, dass Gesprächsbeiträge unklar oder verwirrend wirken und somit Missverständnisse entstehen.

Im heutigen DaF-Unterricht werden MPn nicht mehr so oft vernachlässigt, da sie als „Bestandteil authentischer Alltagssprache“ betrachtet werden (Silberstein 2024: 71). Die Vermittlung der MPn bereitet jedoch etliche Probleme im DaF-Bereich (vgl. Busse 1992: 51–55). Zunächst einmal haben romanische Sprachen, wie bereits bezüglich des Italienischen erwähnt, meist keine direkten Funktionsäquivalente der deutschen MPn. Dies erschwert es den Lernenden, die Funktion der MPn zu erkennen. Ein weiteres Problem stellt die Homographie dar: Es ist zum Beispiel nicht einfach, das Adverb eigentlich von der MP eigentlich zu unterscheiden, vor allem wenn bei DaF-Lernenden die Anwendung der Untersuchungsverfahren zur Ermittlung von Satzgliedern (wie die Umstell- und die Ersetzungsprobe) fehlschlägt (vgl. Cernicchiaro im Druck: Kap. 4). Beim Textverstehen erweisen sich MPn kognitiv als besonders problematisch, da sie zugunsten grundlegender lexikalischer Einheiten oft ignoriert werden (vgl. Vorderwülbecke 1981: 150 in Silberstein 2024: 73). Schließlich stellt die Tatsache, dass MPn als Synsemantika gelten, für Lernende eine zusätzliche Herausforderung dar, da ihre grundlegende Bedeutung in DaF-Lehrwerken nur schwer erfasst werden kann.

Im DaF-Bereich haben sich bisher die meisten Studien zu den MPn stärker auf die Sprachproduktion oder auf die Erstellung von Lehrmaterialien konzentriert. Thurmair (2010) spricht sich für den Einsatz von Chunks im Unterricht aus. Dabei wird vorgeschlagen, den Erwerb von MPn durch die systematische Verknüpfung mit spezifischen Satzarten zu fördern, wobei durch gezielte Wiederholung und Anwendung eine nachhaltige Festigung ermöglicht werden soll. In empirischen Studien hat es sich gezeigt, dass der implizite Unterricht von MPn keineswegs deren Erwerb garantiert und die Lernenden erst nach expliziten Erklärungen die MPn benutzen (vgl. Aguado 1996: 181; Belz / Vyatkina 2005: 28). Silberstein (2024: 170) führt zwei weitere Argumente an, die die Vorzüge einer expliziten Vermittlung von MPn unterstreichen: Zum einen erweist sich dieser Ansatz als besonders effektiv im Bereich der pragmatischen Kompetenzentwicklung. Zum anderen bieten metasprachliche Erklärungen eine geeignete Strategie für DaF-Lernende, deren Erstsprachen keine funktionalen Entsprechungen zu den MPn aufweisen. In ihrer Arbeit entwickelt Silberstein (2024) ein ‚Partikelprofil‘ für jede MP, das zu einer besseren „Lehr- und Lernbarkeit“ führen soll. Lemmetti (2022, 2024b) argumentiert, dass die Vermittlung der MPn durch den kontrastiven Vergleich zur jeweiligen Muttersprache der Lernenden sinnvoll wäre, um den Erwerb wirksamer zu gestalten. Alle diese Ansätze bieten wertvolle Impulse für die Entwicklung einer effektiven Didaktik der MPn im DaF-Bereich. In der Literatur bleibt dies jedoch ein Desiderat: Es fehlt an empirischen Studien, die systematisch das Verständnis von Bedeutung und Funktion der MPn bei DaF-Lernenden untersuchen. Die vorliegende Studie möchte in dieser Hinsicht einen Beitrag leisten, indem sie eine Pilotstudie und ihre Ergebnisse beschreibt, die die Kompetenzen von DaF-Studierenden im Hinblick auf die deutschen MPn analysiert.

3. Ein Unterrichtsversuch zum Thema Modalpartikeln

Gegenstand der Pilotstudie ist die Entwicklung eines ad-hoc konzipierten didaktischen Moduls zum Thema „Modalpartikeln“ sowie die Durchführung spezifischer Tests zur Analyse des Verständnisses von MPn bei DaF-Studierenden. Dabei wurde ein doppelter Zweck verfolgt: Einerseits wurde untersucht, über welche Verstehens- bzw. Übersetzungskompetenzen DaF-Lernende in Bezug auf MPn verfügen, wenn sie sich im Sprachwissenschaftsunterricht noch nie explizit mit MPn auseinandergesetzt hatten. Andererseits wurde untersucht, ob und wie das Modul zur Förderung der metasprachlichen und kontrastiven Kompetenzen der Studierenden beigetragen hat. Es wird angenommen, dass diese Kompetenzen positive Auswirkungen auf das Leseverstehen haben (vgl. Foschi Albert / Hepp 2024: 11) und durch expliziten Grammatikunterricht gestärkt und verbessert werden können (vgl. Di Meola 2017: 17–20).

Da MPn ein typisches Element der gesprochenen Sprache sind, wird zudem vermutet, dass das Verstehen ihrer Funktion sich auf die interaktionalen Kompetenzen der Studierenden auswirkt. Dabei wird auch die These vertreten, dass eine gezielte Förderung der metasprachlichen Kompetenz die Sprachproduktion von MPn in der Interaktion positiv beeinflussen kann. Schließlich soll durch gezielten Unterricht, der kontrastive Reflexionen einbezieht, beobachtet werden, ob auch die Übersetzungsfähigkeiten der Studierenden davon profitieren. Der Unterrichtsversuch hat sich auf sechs MPn konzentriert: doch, denn, ja, eigentlich, etwa und mal. Diese MPn wurden ausgewählt, da sie in der gesprochenen Sprache häufig vorkommen (vgl. Gutzmann / Turgay 2016: 110) und die Kombinierbarkeit mit verschiedenen Satzarten aufweisen. Darüber hinaus wurden diese sechs MPn in neueren Studien aus kontrastiver und DaF-didaktischer Sicht untersucht (vgl. Cognola / Moroni 2022; Lemmetti 2024a; Silberstein 2024). Diese Analysen galten als nützliche Grundlage für die Vorbereitung der didaktischen Intervention, die im Folgenden vorgestellt wird.

3.1 Das Modul „Deutsche Modalpartikeln: interaktionale und kontrastive Perspektiven“

Das didaktische Modul und die entsprechenden Tests wurden im Laufe des Wintersemesters 2024/2025 an der Universität Piemonte Orientale (UPO) in Vercelli durchgeführt und wendeten sich an unterschiedliche Gruppen von DaF-Studierenden, die die Kurse von Deutscher Sprachwissenschaft sowie die Deutsch-Sprachkurse (die sogenannten Lettorati) im zweiten und dritten Jahr des Bachelor-Studiengangs und im ersten und zweiten Jahr des Masters besuchten. An dem didaktischen Modul nahmen insgesamt 38 Studierende teil, die angegeben haben, ein Sprachniveau zwischen A2 und B2.2 zu besitzen. Das Sprachniveau der Beteiligten wurde auch durch den DIALANG-Wortschatz-Sprachtest geprüft und bestätigt. 30 Lernende waren zwischen 18 und 22 Jahren alt, sechs zwischen 23 und 27 und zwei über 45. Da die Übersetzungsübungen, die im Rahmen des Experiments angeboten wurden (vgl. Kap. 3.2 und 4), auch die regionalen Varietäten des Italienischen berücksichtigten, wurden die DaF-Studierenden auch nach ihrer Herkunft gefragt. Die Mehrheit der Beteiligten stammte aus Norditalien (Piemont und Lombardei). Drei Studierende kamen aus Süditalien (Kalabrien, Sizilien und Apulien), drei aus dem Ausland (Brasilien, Kosovo und Rumänien). Fast alle hatten die Sekundarstufe in Italien besucht (29 in Piemont und acht in der Lombardei). Die überwiegende Mehrheit der Studierenden (34) war italienischer Muttersprache. Als Fremdsprache hatte die Mehrheit der Informant:innen Englisch in der Primar- und Sekundarschule gelernt, einige Französisch, Deutsch, Spanisch oder Italienisch. Neun Studierende lernten seit mehr als zehn Jahren Deutsch, 16 seit sieben bis neun Jahren, fünf seit drei bis sechs Jahren und acht seit ein oder zwei Jahren.

Das didaktische Projekt bestand aus einem didaktischen Modul mit dem Titel Deutsche Modalpartikeln: interaktionale und kontrastive Perspektiven (insgesamt fünf Unterrichtseinheiten à 90 Minuten in Präsenz) und aus zwei Tests – einem vor und einem nach dem Modul. Im Rahmen des letzten Tests wurden die Beteiligten nach ihrer sprachlichen Erfahrung mit den MPn gefragt. Die Mehrheit (24) kannte sie vor dem Modul. Nur neun von ihnen erklärten, dass sie die MPn schon aktiv in ihrer Sprachproduktion verwendet hatten. Fünf Studierende hatten MPn bereits am Gymnasium gelernt, 17 weitere erst an der Universität. 19 Informant:innen stießen zum ersten Mal in einem Filmdialog auf MPn, 18 Informant:innen in populärwissenschaftlichen Texten wie Romanen oder Zeitungsartikeln und 15 in Grammatik-Lehrwerken. Zwölf Studierende hatten sie in spontanen Gesprächen gehört.

Bevor die Ergebnisse der beiden Tests beschrieben werden, soll zunächst ausführlicher auf den Inhalt des Moduls eingegangen werden. In der folgenden Tabelle werden die fünf Unterrichtseinheiten aufgelistet:

Tabelle 1

Didaktischer Inhalt der Unterrichtseinheiten

Unterrichtseinheit Thema
1 Einführung in die MPn (Leseverstehen – deutsche Partikeln)
2 Formale Eigenschaften der MPn
3 Übung: MPn im Kontext
4 MPn aus kontrastiver Sicht
5 Übung: Übersetzungsmöglichkeiten der MPn

In der ersten Unterrichtseinheit wurden die notwendigen Werkzeuge eingeführt, um die Studierenden zum Erkennen der MPn im Satz anzuleiten und ihre Rolle im Kontext zu verstehen. Die Einführung zum Leseverstehen basierte auf den Aufsätzen von Blühdorn / Foschi Albert (2014) und Foschi Albert / Malloggi / Cernicchiaro (2022). Der Satz wurde als eine textbezogene Einheit präsentiert, die nie isoliert auftaucht, sondern immer in einem bestimmten Kontext. Da MPn eine starke Affinität zu bestimmten Satzarten aufzeigen, wurde besonderer Wert auf ihre Kategorisierung gelegt. In einer zweiten Phase wurde der Begriff der Modalität thematisiert und als weiterer Schritt die Klasse der Partikeln im Deutschen präsentiert (vgl. Blühdorn 2022: 130–151). Die ausführliche Beschreibung der MPn-Merkmale erfolgte in der zweiten Unterrichtseinheit. MPn wurden als Sprachmittel zusammengefasst, die „sehr differenziert Einstellungen, Annahmen, Bewertungen und Erwartungen des Sprechers bezüglich des geäußerten Sachverhalts, teilweise auch seine Erwartungen an den Hörer ausdrücken“ (Duden 20169: 603). Die Studierenden wurden dafür sensibilisiert, die MPn im Text zu erkennen. Zunächst wurde die Heterosemie der MPn diskutiert (vgl. Cognola / Moroni 2022: 37–38; Lemmetti 2024a: 21). Um die MPn von gleichlautenden Wörtern mit einer anderen grammatischen Funktion zu unterscheiden, wurden ihre wichtigsten grammatischen Eigenschaften betrachtet, darunter die typische Mittelfeldstellung, die Nicht-Akzentuiertheit und die Affinität zu bestimmten Satzarten. Die modale Verknüpfungsfunktion der MPn wurde in Anlehnung an Lemmetti (2024a: 95–97) und ihr Bedeutungsbeitrag basierend auf Blühdorn (2019) erläutert, indem die semantische und die pragmatische Komponente mit unterschiedlichen Beispielen hervorgehoben wurde. Nach dieser Vorbereitungsphase wurden die ‚Partikelprofile‘ (Silberstein 2024) der sechs ausgewählten MPn vorgestellt. Zu jeder MP wurde eine kurze Funktionsbeschreibung bereitgestellt (vgl. Thurmair 1989; Blühdorn 2019, 2022; Lemmetti 2024a; Silberstein 2024). Aus methodischer Sicht sind die zitierten Studien besonders geeignet, da sie sehr systematisch und im Unterricht gut anwendbar sind. Ergänzend dazu wurden Beispiele für jede Satzart präsentiert, um die Distribution der jeweiligen MP zu veranschaulichen. Die dritte Unterrichtseinheit wurde einer gezielten Übung im Plenum gewidmet: An die Studierenden wurde eine Folie verteilt, die entweder kurze Dialoge oder isolierte Sätze mit unterschiedlichen MPn enthielt. Die Informant:innen mussten sich für jeden Dialog bzw. Satz einen Kontext vorstellen und diesen beschreiben, wobei die Funktion der jeweiligen MP betrachtet wurde. Die vierte und die fünfte Unterrichtseinheit widmete sich der kontrastiven Perspektive mit dem Italienischen. Zunächst wurde den Studierenden gezeigt, dass das Italienische und seine regionalen Varietäten über Lexeme, wie mica, pure oder già im Piemontesischen (vgl. Squartini 2013; Cognola / Moroni 2022; Favaro 2023) verfügen, die sich ähnlich wie die deutschen MPn verhalten.

Im Rahmen dieser Einheit wurde die Bestimmung der Funktionsäquivalente der deutschen MPn in Anlehnung an Lemmetti (2024a: 61–63) erklärt. Es handelt sich um ein Eliminierungsverfahren, das erlaubt, in italienischen Übersetzungen die Sprachmittel zu identifizieren: Die Bestandteile des Ausgangssatzes mit wörtlichen Entsprechungen im Zielsatz werden schrittweise ermittelt und auf beiden Seiten gestrichen, bis keine weiteren Paare mehr vorhanden sind. Den Studierenden wurde gezeigt, dass die MPn in den italienischen Übersetzungen deutscher Romane mitunter unübersetzt bleiben. Wenn aber italienische Funktionsäquivalente für deutsche MPn in den Übersetzungen vorliegen, ist es nicht immer möglich, die beiden Bedeutungskomponenten SK und PK von Blühdorns Modell (2019) zu identifizieren. Den Teilnehmer:innen wurde anhand der einschlägigen Literatur (vgl. Cognola / Moroni 2022; Lemmetti 2024a) eine Auflistung von möglichen Funktionsäquivalenten der sechs ausgewählten MPn angeboten. Die Systematisierung in Cognola / Moroni 2022 und das Eliminierungsverfahren von Lemmetti (2024a) haben sich aufgrund ihres methodischen Ansatzes als im DaF-Unterricht sehr gut einsetzbar erwiesen. Im Rahmen der sechsten Unterrichtseinheit beschäftigten sich die Studierenden mit der Übersetzung der Dialoge bzw. Sätze, die sie in der vierten Einheit analysiert hatten. Sie wurden erneut dazu aufgefordert, über die Funktion der MPn im Kontext nachzudenken und passende Übersetzungen im Plenum vorzuschlagen und zu diskutieren. Dabei konnten die Studierenden sich an den im Unterricht behandelten Beispielen orientieren oder Formen wählen, die ihnen in dem beobachteten Kontext spontaner erschienen bzw. zu ihrer regionalen Varietät gehörten.

3.2 Testbeschreibung und Bewertungskriterien

Zwei Tests waren Teil der Studie: einer vor dem didaktischen Modul (Test 1) und einer nach dessen Abschluss (Test 2). Ein Pretest mit einer Stichprobe der untersuchten Gruppe wurde nicht durchgeführt. Dies lag zum einen an organisatorischen Einschränkungen: Die Gruppe war insgesamt zu klein, und für das Modul stand nur ein begrenztes Zeitfenster im Semester zur Verfügung. Zum anderen sollte sichergestellt werden, dass die Studierenden keine Vorahnung vom Untersuchungsgegenstand der MPn hatten. Vor der Datenerhebung wurde der Fragebogen jedoch zwei Forscher:innen aus dem Bereich der italienischen DaF-Germanistik zur Durchsicht vorgelegt, wobei Unklarheiten und Fehler in den Frageformulierungen identifiziert werden konnten.

In Test 1 wurden die Informant:innen über das betrachtete grammatische Thema sowie über den Zweck der Untersuchung nicht informiert. Test 2 fungierte als Kontrolltest und enthielt dieselben Übungstypologien wie Test 1. Es wurden den Studierenden insgesamt 24 Sätze vorgelegt, davon zwölf in Test 1 und zwölf in Test 2. Die 24 Testitems wurden in einem Formular über Google Forms schriftlich bereitgestellt. Die Studierenden mussten sie lesen und die entsprechenden Übungen bearbeiten. Beide Tests bestanden aus zwei Teilen: A und B (s. Beispiel im Anhang). Jeder Teil enthielt sechs Sätze, in denen eine MP vorkam.

In Teil A (Interpretation) wurden die metasprachlichen Kompetenzen der Studierenden überprüft. Die Aufgabe bestand darin, die sechs Zielsätze nachzuerzählen, ihre kommunikative Funktion zu bestimmen und den jeweiligen (möglichen) Verwendungskontext zu beschreiben. Die Studierenden konnten auf Italienisch antworten. In Teil B (Übersetzung) wurden die Übersetzungskompetenzen der Studierenden getestet. Dabei sollte ein deutscher Satz mit einer der sechs ausgewählten MPn ins Italienische übertragen werden.

Die insgesamt 24 Sätze von Teil A und B der beiden Tests wurden aus einschlägiger Literatur entnommen (vgl. Hentschel 1986; Helbig 1988; Thurmair 1989; Cognola / Moroni 2022; Lemmetti 2024a; Silberstein 2024). Die Testsätze wurden teils isoliert vorgelegt und teils in einen passenden Gebrauchskontext eingebettet. Kontext wurde dann bereitgestellt, wenn er die Bedeutung der MPn vereindeutigen konnte. Es wurden Kontexte ausgewählt, die relativ geläufig und für die Studierenden leicht verständlich waren. Die in den Aufgaben aller Tests verwendeten grammatischen Strukturen und auch der Wortschatz wurden auf das Kompetenzniveau der gesamten Gruppe der Informant:innen (zwischen A2 und B2.2) angepasst. Anschließend wurden sie von Muttersprachler:innen hinsichtlich ihrer Natürlichkeit im jeweiligen Auftretenskontext beurteilt. Einige Wörter bzw. Ausdrücke, die den Befragten schwierig/unbekannt erscheinen konnten, wurden in Klammern ins Italienisch übersetzt.

Für die Auswertung von Teil A der beiden Tests wurden drei Fälle unterschieden: a) die jeweilige MP wurde erkannt und ihre Bedeutung bzw. Funktion passend bzw. richtig interpretiert; b) die MP wurde erkannt, ihre Bedeutung bzw. Funktion jedoch nicht richtig interpretiert; c) die MP wurde nicht erkannt. Zur Verdeutlichung des Analyseverfahrens werden exemplarisch die Kommentare einiger Befragten zu einem Satz mit der MP doch präsentiert:

    1. (2)
    1. A: Essen wir heute Abend im Restaurant?
    2. B: Wir wollten doch ins Theater gehen.

In (2) verwendet der Sprecher B die MP doch, um seinen Interaktionspartner A daran zu erinnern, dass beide bereits einen Plan vereinbart hatten und A diesen wahrscheinlich vergessen hat. In diesem Aussagesatz übernimmt die MP eine „erinnernde“ Funktion (vgl. Thurmair 1989: 111–112; Métrich / Faucher 2009: 230; Silberstein 2024: 271–272). Die folgenden Antworten (Tabelle 2) bieten eine angemessene Interpretation der MP doch. Es wurden Kontexthypothesen aufgestellt (z.B. „Sprecher A hat die getroffenen Vereinbarungen vergessen“) und Präzisierungen hinzugefügt, die die Sprechereinstellung widerspiegeln (z.B. „Enttäuschung für das Vergessen der vereinbarten Pläne“). Diese Präzisierungen können sich auf kein anderes Element im Satz beziehen, nur auf die MP:

Tabelle 2

Antworten von drei Studierenden, die die MP doch in (2) angemessen interpretieren

StudentIn Antwort
16patrizia102 A si è probabilmente dimenticato che quella sera avrebbero dovuto andare a teatro.
‘A hat wahrscheinlich vergessen, dass sie an jenem Abend ins Theater hätten gehen sollen’
10anna05 B risponde ad A ricordandogli che avevano programmato di andare al teatro e che di conseguenza non è possibile uscire a cena al ristorante.
‘B antwortet A und erinnert ihn daran, dass sie geplant hatten, ins Theater zu gehen, und dass es daher nicht möglich ist, ins Restaurant zum Abendessen zu gehen’
27 marina59 A propone un’attività a B. Quest’ultimo risponde ad A dicendogli che ne avevano già programmata un’altra, esprimendo disappunto per il fatto che, probabilmente, A se ne sia dimenticato.
‘A schlägt B eine Aktivität vor. Dieser entgegnet A, dass sie bereits eine andere geplant hatten, und äußert seine Enttäuschung darüber, dass A diese wahrscheinlich vergessen habe’

Andere Studierende haben in ihren Antworten explizite Ausdrücke verwendet, die anscheinend eine modalisierende Funktion (z.B. Sarkasmus, Überraschung, Abmilderung) signalisieren, obwohl sie für die Beschreibung der Funktion von doch unangemessen sind. Diese Ausdrücke zeigen eindeutig, dass die Informant:innen die MP erkannt haben, da sie sich auf kein anderes Sprachelement im gegebenen Satz beziehen können:

Tabelle 3

Antworten von drei Studierenden, die die MP doch in (2) unangemessen interpretieren

StudentIn Antwort
07giovanna118 B risponde alla richiesta di A sarcasticamente per indicare come la domanda di andare al ristorante sia troppo pretenziosa.
‘B antwortet sarkastisch auf die Bitte von A, um darauf hinzuweisen, dass die Aufforderung, ins Restaurant zu gehen, zu prätentiös ist’
29mamma48 Il rispondente è sorpreso perché si aspettava di andare a teatro.
‘Der Antwortende ist überrascht, weil er erwartet hatte, ins Theater zu gehen’
13elena15 Risponde alla domanda con tono calmo che non andranno al ristorante ma in un teatro.
‘Er antwortet in ruhigem Ton auf die Frage, dass sie nicht ins Restaurant gehen werden, sondern in ein Theater’

Etliche Teilnehmer:innen haben die MP doch in Satz (2) gar nicht erkannt. In ihren Antworten befindet sich tatsächlich kein Verweis auf ihre Funktion:

Tabelle 4

Antworten von drei Studierenden, die die MP doch in (2) gar nicht interpretieren

StudentIn Antwort
27angela25 A chiede se la sera B voglia andare a mangiare al ristorante, ma B risponde che vanno al teatro.
‘A fragt, ob B abends in einem Restaurant essen gehen möchte, aber B antwortet, dass sie ins Theater gehen’
05franca28 B risponde che avevano deciso di andare a teatro.
‘B antwortete, sie hätten beschlossen, ins Theater zu gehen’
20marina10 B utilizza la frase per proporre un’attività diversa rispetto a quella proposta da A.
‘B verwendet den Satz, um eine andere Tätigkeit als die von A vorgeschlagene vorzuschlagen’

Für den zweiten Teil des Tests (1B und 2B) wurde dasselbe Analyseverfahren angewandt. Es wurden die drei folgenden Fälle betrachtet: a) die jeweilige MP wurde erkannt und angemessen übersetzt; b) die MP wurde erkannt, aber unangemessen übersetzt; c) die MP wurde nicht erkannt bzw. übersetzt. Zur Illustration folgen die Übersetzungen einiger Beteiligten von einem Satz mit der MP eigentlich:

    1. (3)
    1. Mutter: Dein Chef hat mich irgendwann angerufen, weil er dich neulich wegen deiner Zerstreutheit nach Hause geschickt hat. Er hat es mehrfach bei dir probiert. Warum bist du eigentlich so zerstreut?

In (3) geht es um ein Gespräch zwischen einer Mutter und ihrem Sohn. Die Mutter versuchte, ihren Sohn telefonisch am Arbeitsplatz zu erreichen und fand heraus, dass der Chef ihn weggeschickt hatte, weil er ständig zerstreut war. Laut der Analyse von Lemmetti (2024a: 102–103) signalisiert der Gebrauch der MP eigentlich, dass das Verhalten des Sohnes für die Mutter ungewöhnlich ist und sie ihn nach dem Grund für seine Zerstreutheit fragt. Nach Blühdorn (2019: 297) überprüft eigentlich im Nachhinein Annahmen oder Schlussfolgerungen, die während der Interaktion vorläufig angenommen, aber noch nicht vollständig bestätigt wurden.

Einige Antworten (Tabelle 5) verdeutlichen die Bedeutungskomponenten von MPn nach Blühdorn (2019, 2022). Das Adverb effettivamente (‚tatsächlich‘) kann die semantische Komponente von eigentlich beschreiben, da es auf eine ‚schwere‘ Frage hinweist: Die Mutter möchte genau wissen, warum ihr Sohn so zerstreut ist und sie kann allein diese Frage nicht beantworten (vgl. esattamente in Lemmetti 2024a: 105). Der italienische Konjuktor ma (‚aber‘) kann als Wiedergabe der pragmatischen Komponente von eigentlich verstanden werden (Lemmetti 2024a: 110). Ma signalisiert hier, dass die Sprecherin die Inkohärenz zwischen ihren Vorannahmen und dem Interaktionszustand überwinden möchte. Im dritten Beispiel erfüllt die kausative Periphrase fare a essere dieselbe Funktion von effettivamente aus (ebd.: 84) und vermittelt zusammen mit ma beide Bedeutungskomponenten:

Tabelle 5

Antworten von drei Studierenden, die die MP eigentlich in (3) angemessen übersetzen

StudentIn Antwort
16patrizia10 Perché sei effettivamente così sbadato?
‘Warum bist du eigentlich so zerstreut?’
22giovanni3 Ma perché sei così sbadato?
‘Aber warum bist du so zerstreut?’
20marina10 Ma come fai ad essere così sbadato?
‘Aber wie kannst du so zerstreut sein?’

Einige Übersetzungen (Tabelle 6) enthalten unterschiedliche Elemente wie die Adverbiale sempre (‚immer‘) und ogni volta (‚jedes mal‘), die keiner anderen Einheit des Originalsatzes zugeordnet werden können. Als Funktionsäquivalente für die MP eigentlich gelten diese Elemente aber in diesem Kontext als unangemessen. Die Adverbiale sempre und ogni volta beschreiben eine zeitliche Kontinuität und entsprechen daher der Bedeutung von eigentlich nicht:

Tabelle 6

Antworten von drei Studierenden, die die MP eigentlich in (3) unangemessen übersetzen

StudentIn Antwort
07giovanna118 Perché sei sempre così sbadato?
‘Warum bist du immer so zerstreut?’
08maria15 perché sei sempre così sbadato?
‘Warum bist du immer so zerstreut?’
22maria20 Ma perché sei ogni volta così sbadato?!
‘Aber warum bist du jedes Mal so zerstreut?’

In einigen Übersetzungsvorschlägen liegen keine Funktionsäquivalente für eigentlich vor. In Tabelle 7 werden drei Beispiele für diesen Fall aufgeführt. Bemerkenswert ist, dass ein:e Informant:in (12piera02) explizite Kommentare hinzugefügt hat, um seine/ihre Übersetzungsvorschläge zu erläutern:

Tabelle 7

Antworten von drei Studierenden, die die MP eigentlich in (3) nicht übersetzen

StudentIn Antwort
12piera02 Perché sei così sbadato? Si vede che la mamma rimprovera il figlio perché magari ha dimenticato di caricare il cellulare che gli serviva per andare al lavoro.
‘Warum bist du so zerstreut? Man sieht, dass die Mutter mit ihrem Sohn schimpft, weil er vielleicht vergessen hat, das Handy aufzuladen, das er für die Arbeit braucht’
10anna05 Perché sei così sbadato?
‘Warum bist du so zerstreut?’
27lucia2b Perché sei così tanto sbadato?
‘Warum bist du so sehr zerstreut?’

4. Datenanalyse und Ergebnisse

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Ergebnisse aus der Durchführung von Test 1 und Test 2 vorgestellt. Insgesamt wurden 912 Antworten analysiert. Jeder der zwei Tests (Test 1 und Test 2) bestand aus 456 Antworten. Diese verteilten sich auf Teil A (Interpretation des Kontextes) und Teil B (Übersetzung) mit jeweils 228 Antworten (38 für jede MP). Die Ergebnisse, die hier diskutiert werden, wurden nicht nach dem deklarierten bzw. durch DIALANG geprüften Sprachniveau der Befragten sortiert, sondern alle zusammen betrachtet. Eine sorgfältige Analyse dieses Zusammenhangs soll Gegenstand zukünftiger Studien sein. In den folgenden Abschnitten werden zunächst die Ergebnisse aus Test 1 vorgestellt, ergänzt durch einige beispielhafte Antworten der Studierenden. Anschließend werden die Ergebnisse von Test 2 präsentiert, wobei die Unterschiede mit Test 1 aufgezeigt und hervorgehoben werden.

4.1 Ergebnisse von Test 1

Die folgende Graphik (Abbildung 1) veranschaulicht die gesamte Distribution der Antworten in Test 1. In 142 von den gesamten 228 Antworten wurde die Funktion der MPn gar nicht erkannt. 56 Antworten schlagen eine ungemessene Interpretation vor. Nur bei 30 Antworten wurde die Funktion und die Bedeutung der MP im gegebenen Kontext richtig gedeutet bzw. die DaF-Lernenden haben in ihrer Beschreibung Ausdrücke verwendet, die auf eine angemessene MP-Interpretation zurückzuführen sind:

Abbildung 1
Abbildung 1

gesamte Distribution der Antworten in Teiltest 1A

Wie aus Abbildung 2 ersichtlich ist, erwiesen sich die Erkennung und die Interpretation für alle sechs MPn als problematisch, da in mindestens einem Drittel der Fälle kein Verweis auf die betrachtete MP gegeben wurde:

Abbildung 2
Abbildung 2

Distribution der Antworten in Teiltest 1A mit der Analyse der einzelnen MPn

Die graphische Darstellung der Distribution zeigt auch, dass doch unter den untersuchten MPn am häufigsten erkannt wurde. Nur in 16 Fällen wurde doch gar nicht identifiziert. Die MPn, die am seltensten erkannt wurden, sind eigentlich und mal, die die DaF-Studierenden in 27 Fällen nicht identifizierten. Ein Beispiel mit mal:

    1. (4)
    1. Zeig mir mal die Fotos!

Mal dient in Imperativsätzen wie in (4) dazu, die Aufforderung abzuschwächen (Silberstein 2024: 315–317). Nur zwei Studierende (Tabelle 8) integrierten ein Sprachelement – die adverbiale Phrase in maniera amichevole (‚auf freundliche Weise‘) und das Adjektiv cortese (‚höflich‘) – in ihre Antworten, das sich auf diese Funktion der MP zurückführen lässt:

Tabelle 8

Antworten von zwei Studierenden, die die MP mal in (4) angemessen interpretieren

StudentIn Antwort
27lucia2b Comando fatto in maniera amichevole. Suppongo voglia vedere di nuovo qualcosa che lo ha incuriosito nelle foto.
‘Der Befehl erfolgt auf freundliche Weise. Ich nehme an, er möchte etwas wiedersehen, das ihn auf den Fotos neugierig machte’
21eleonora29 È un invito cortese.
‘Das ist eine höfliche Bitte’

Neun Studierende verwendeten in ihrer Beschreibung unangemessene modalisierende Elemente (Tabelle 9), wie beispielsweise una volta per tutte (‚ein für alle Mal‘) (07giovanna118), das anders als die Funktion von mal eine zu kategorische Bedeutung trägt. Andere Befragte haben auf die Irritation oder auf die Neugierde des Sprechers hingewiesen, was jedoch nicht der modalisierenden Bedeutung von mal entspricht:

Tabelle 9

Antworten von zwei Studierenden, die die MP mal in (4) unangemessen interpretieren

StudentIn Antwort
25maria090 Il parlante è irritato poiché l’azione non è stata fatta in una tempistica abbastanza rapida.
‘Der Sprecher ist gereizt, weil die Handlung nicht schnell genug durchgeführt wurde’
07giovanna118 Quando qualcuno non vuole farmi vedere le foto, nonostante la mia incessante richiesta “fammele vedere una volta per tutte
‘Wenn mir jemand die Fotos nicht zeigen will, trotz meiner unaufhörlichen Bitte Zeig sie mir ein für alle Mal
27marina59 Dopo aver parlato a lungo del viaggio, il parlante, incuriosito, dice all’amico di mostrargli le foto.
‘Nachdem er ausführlich über die Reise gesprochen hat, bittet der Sprecher, neugierig, seinen Freund, ihm die Bilder zu zeigen’

In Teil B von Test 1 enthielten 111 von den 228 Übersetzungsvorschlägen keinen Verweis auf die gegebene MP (Abbildung 3). 99 Antworten bieten ein angemessenes Funktionsäquivalent der jeweiligen MP. In 18 Fällen ist eine unangemessene Übersetzung zu beobachten. Insgesamt erwies sich die Erkennung und richtige Deutung der MPn in der Übersetzungsübung als weniger problematisch als in der Interpretationsübung (Abbildung 1):

Abbildung 3
Abbildung 3

Gesamte Distribution der Antworten in Teiltest 1B

Wie Abbildung 4 veranschaulicht, war mindestens ein Drittel der Antworten für die fünf MPn doch, denn, ja, etwa und mal angemessen:

Abbildung 4
Abbildung 4

Distribution der Antworten in Teiltest 1A mit der Übersetzung der einzelnen MPn

Die am häufigsten erkannte und adäquat übersetzte MP ist etwa, wie im folgenden Beispiel:

    1. (5)
    1. Ein betrunkener Mann wankt mit dem Autoschlüssel in der Hand auf ein Auto zu.
    2. Ein Passant: Wollen Sie etwa in diesem Zustand noch Auto fahren??

Nach der Darstellung von Silberstein (2024: 424) besteht die kommunikative Funktion von etwa darin, eine Antwortpräferenz zu signalisieren. In (5) ist ersichtlich, dass die formulierte Annahme Sie wollen in diesem Zustand noch Auto fahren für den Fragesteller als unerwünscht gilt, obwohl der aktuelle Kontext das Gegenteil nahezulegen scheint (vgl. Métrich / Faucher 2009: 349–350; Lemmetti 2024a: 116–118). 23 Studierende haben ein angemessenes Funktionsäquivalent auf Italienisch in ihren Übersetzungen vorgeschlagen, darunter (Tabelle 10):

Tabelle 10

Antworten von drei Studierenden, die die MP etwa in (5) angemessen übersetzen

StudentIn Antwort
23antonietta23 Non vorrà mica guidare in questo stato??
‘Sie wollen [doch] nicht etwa in diesem Zustand fahren?’
22giovanni3 Crede per caso di essere nella condizione di guidare ancora?
‘Glauben Sie vielleicht, noch fahrtüchtig zu sein?’
05maria11 Come può voler guidare la macchina in questo stato?
‘Wie können Sie in diesem Zustand Auto fahren wollen?’

In allen drei zitierten Fällen (Tabelle 10) werden Sprachmittel verwendet, die im Originalsatz fehlen (vgl. Lemmetti 2024a: 122). Die Befragten versuchten dadurch, die modalisierende Funktion von etwa ins Italienische zu übertragen. In der ersten Übersetzung (23antonietta23) wird wollen durch die italienische Futurform vorrà übersetzt. Zudem werden das Negationsadverb non und die Partikel mica hinzugefügt. Das Futur kann im Italienischen eine epistemische Funktion ausüben (vgl. Bertinetto 2001: 120) und verbindet in diesem Fall die Aussage mit dem Wissenshintergrund (vgl. Blühdorn 2019) des Fragestellers, der nicht glaubt, dass der betrunkene Mann Auto fahren würde. In diesem Kontext signalisieren non und mica, dass der Fragesteller eine bestätigende Antwort negativ evaluieren würde (vgl. Lemmetti 2024a: 117–118, 122), obwohl der situative Kontext das Gegenteil nahelegen könnte. In der zweiten Übersetzung wird das Verb wollen durch das italienische credere (‚glauben‘) übertragen, das ebenfalls eine epistemische Funktion besitzt. Das Adverbial per caso (‚zufällig‘) fungiert hier als mögliches Funktionsäquivalent für etwa, da sie signalisiert, dass der Textproduzent das Gegenteil von dem erwartet, wonach in der Frage gefragt wird und lädt ebenso den Gesprächspartner zur Antwortfindung ein (vgl. Lemmetti 2024a: 124). In der dritten Übersetzung kommt das interrogative Adverb come (‚wie‘) vor, das eine kausale Bedeutung tragen kann (vgl. Fava 2001: 85–87). In diesem Fall kann come darauf hinweisen, dass es unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist, Auto zu fahren. Das Verb può (‚kann‘) hat eine epistemische Grundbedeutung und drückt in Verbindung mit come den Zweifel des Sprechers an der Absicht des Interagierenden aus, tatsächlich Auto zu fahren (vgl. Skytte / Salvi 2001: 522).

Die Übersetzung der MP etwa bereitete keine besonderen Schwierigkeiten, vermutlich weil das Italienische über ein ‚perfektes‘ Funktionsäquivalent verfügt (mica). Dennoch kommt mica in den gesammelten Daten nicht häufig vor. Die Befragten griffen auf andere sprachliche Mittel zurück, die die Bedeutung und die Funktion der MP etwa ebenfalls adäquat wiedergaben. Wie Abbildung 4 zeigt, wurde die MP ja am seltensten identifiziert und übersetzt. In 24 Antworten wurde sie gar nicht berücksichtigt. Auch denn stellte eine große Herausforderung dar, da sie von 23 Studierenden nicht übertragen wurde. Die Gründe für diese Schwierigkeiten lassen sich nur spekulativ erörtern: Die MPn ja und denn könnten den DaF-Lernenden mit anderen kommunikativen und grammatischen Funktionen bekannt sein, die nicht auf den hier gegebenen Gebrauchskontext zurückzuführen sind.

4.2 Ergebnisse von Test 2 im Vergleich mit Test 1

In Test 2A, der nach der didaktischen Intervention durchgeführt wurde, zeigen 71 von 228 Antworten keine Erkennung der gegebenen MPn (Abbildung 5). 28 Teilnehmer:innen gaben eine unangemessene Interpretation der modalisierenden Funktion der jeweiligen MP. In 129 Fällen wurde die Bedeutung richtig beschrieben, bzw. die Befragten haben Sprachelemente eingesetzt, die auf eine adäquate Erkennung und Interpretation der MPn schließen lassen:

Abbildung 5
Abbildung 5

gesamte Distribution der Antworten in Teiltest 2A im Vergleich mit Teiltest 1A

Wie Abbildung 5 zeigt, erwies sich die Durchführung der Übung nach der didaktischen Intervention als weniger problematisch. Im Vergleich zu den Ergebnissen aus Test 1A – also vor dem Unterrichtsmodul – reduziert sich die Anzahl der Antworten mit keiner oder mit unangemessener Interpretation, während die Fälle mit angemessener Interpretation zunehmen. Für alle untersuchten MPn wurde in Test 2A mindestens ein Drittel der Antworten als angemessen bewertet:

Abbildung 6
Abbildung 6

Distribution der Antworten in Teiltest 2A im Vergleich mit Teiltest 1A

Die am häufigsten angemessen interpretierte MP ist nicht mehr doch (wie in Test 1A, s. Kap. 4.1), sondern etwa. Ihre Funktion wurde von 27 Befragten korrekt beschrieben. Zur Veranschaulichung das folgende Beispiel:

    1. (6)
    1. (Max zieht seinen Mantel an.)
    2. Bea: Willst du etwa jetzt weggehen? Es ist 1 Uhr!

Hier weist die MP darauf hin, dass Bea auf eine negative Antwort hofft, die dem widerspricht, was der Kontext signalisiert. Sie wünscht sich also, dass Max nicht weggeht, obwohl sein Verhalten – das Anziehen des Mantels – auf das Gegenteil hindeutet. Die Interpretation der DaF-Studierenden hat sich insgesamt verbessert, vor allem wenn man bedenkt, dass die MP etwa in Test 1A nur schwer verstanden wurde. Nur in zwei Fällen hatten die Studierenden für sie einen richtigen metasprachlichen Kommentar gegeben. Die Antworten aus Test 2A weisen ein breites Spektrum von Sprachelementen auf, durch die die Informant:innen die Funktion von etwa paraphrasieren bzw. erklären (Tabelle 11).

Im ersten Beispiel (22claudio38) wird das Adverb davvero (‚wirklich‘) verwendet, das in italienischen Fragesätzen Zweifel oder Verwunderung ausdrückt. Dazu wird auch eine zusätzliche explizite Erklärung gegeben, die den Wissens- und Wollenshintergrund der Fragestellerin verdeutlicht – ein Muster, das sich auch in der zweiten Antwort (20marina10) wiederfindet. In der dritten (04fulvia13) wird die Funktion von etwa durch einen langen metasprachlichen Kommentar und durch die Übersetzung ins Italienische beschrieben:

Tabelle 11

Antworten von drei Studierenden, die die MP etwa in (6) angemessen interpretieren

StudentIn Antwort
22claudio38 Bea chiede a Max se ha davvero intenzione di andarsene all'una, visto che si sta mettendo la giacca, probabilmente per lei è troppo presto per andarsene via e spera che Max non voglia davvero farlo.
‘Bea fragt Max, ob er wirklich vorhabe, um 1 Uhr wegzugehen, da er gerade seine Jacke anzieht, es ist wahrscheinlich zu früh für sie, um wegzugehen, und sie hofft, dass Max es nicht wirklich tun will’
20marina10 Nonostante sia evidente che Max vuole andarsene perché si è già messo il cappotto, attraverso questa frase Bea cerca di esprimere la sua speranza che Max voglia rimanere ancora.
‘Obwohl es offensichtlich ist, dass Max gehen will, weil er bereits seinen Mantel angezogen hat, versucht Bea mit diesem Satz ihre Hoffnung auszudrücken, dass Max noch bleiben will’
04fulvia13 Bea è stizzita nel vedere che Max stia già andando via nonostante sia solamente l’1, l’etwa aggiunge questo significato di 'non mi dire che stai già andando via' ed esprime uno sconcerto da parte della ragazza.
‘Bea ist verärgert darüber, dass Max schon geht, obwohl es erst 1 Uhr ist. Die MP etwa fügt die Bedeutung von „Sag mir nicht, dass du schon weggehst“ hinzu und drückt damit die Verwirrung des Mädchens aus’

Aus Abbildung 6 geht hervor, dass mal die am seltensten identifizierte MP bleibt. Die Daten zeigen, dass die Hälfte der Befragten – 19 von 38 – gar keine Interpretation zu ihrer Funktion geben konnte. Die angemessenen Deutungen haben sich jedoch stark erhöht. 15 Teilnehmer:innen haben in ihren Antworten Sprachformen verwendet, die sich auf die Funktion der MPn beziehen, wie im folgenden Fall:

    1. (7)
    1. Und nun mach dich mal an die Arbeit! Wir müssen heute fertig werden.

In allen Beispielen der Tabelle 12 wird die mildernde Funktion von mal ausdrücklich beschrieben:

Tabelle 12

Antworten von drei Studierenden, die die MP mal in (7) angemessen interpretieren

StudentIn Antwort
23antonietta23 Qui si vuole dare un ordine ma il mal lo mitiga.
‘Hier will man einen Befehl erteilen, aber das mal mildert ihn ab’
20ornella20 In questo caso penso si voglia esprimere la necessità di mettersi al lavoro ma cercando di non essere troppo perentori nel dirlo.
‘In diesem Fall denke ich, dass die Notwendigkeit ausgedrückt werden soll, mit der Arbeit zu beginnen, jedoch ohne dabei allzu bestimmt zu wirken’
22claudio38 Un collega potrebbe esortare un altro a rimettersi al lavoro, visto che deve essere pronto per il giorno stesso; il parlante cerca però di mitigare l'ordine per farlo risultare meno perentorio.
‘Ein Kollege könnte einen anderen auffordern, sich wieder an die Arbeit zu machen, da sie für denselben Tag fertig sein muss; der Sprecher versucht jedoch, den Befehl abzuschwächen, damit er weniger zwingend klingt’

Die Übersetzungsübung nach der didaktischen Intervention (Test 2B) erwies sich als weniger problematisch als Test 1B. In Test 2B fehlt in 50 von 228 Antworten ein expliziter Verweis auf die deutsche MP. In 162 Fällen wurde jedoch ein angemessenes Funktionsäquivalent gefunden. Lediglich 16 Antworten enthalten eine unpassende Übersetzung:

Abbildung 7
Abbildung 7

gesamte Distribution der Antworten in Teiltest 2B im Vergleich mit Teiltest 1B

Die Antworten, bei denen keine Übersetzung der MPn vorgeschlagen wurde, reduzieren sich stark. Es zeigt sich eine deutliche Zunahme der Fälle, in denen die Übersetzung richtig ist. Die Zahl der Antworten mit unangemessener Übersetzung, die schon in Test 1B beschränkt war, bleibt nahezu unverändert. Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung der Ergebnisse für jede MP in beiden Tests:

Abbildung 8
Abbildung 8

Distribution der Antworten in Teiltest 2B im Vergleich mit Teiltest 2A

Die am seltensten übersetzte MP ist doch, wobei in den Antworten immerhin 21 passende Übersetzungen zu finden sind. Das bedeutet, dass trotzdem mehr als die Hälfte der Studierenden in der Lage war, ein klares und angemessenes Funktionsäquivalent für diese MP anzugeben. Hervorzuheben ist, dass eigentlich am häufigsten richtig ins Italienische übertragen wurde. In Test 1B war sie unter den sechs ausgewählten Formen die MP, für die eine passende Übersetzung am seltensten geboten wurde. In Test 2B haben lediglich sechs Studierende die MP nicht übersetzt, während 32 ein angemessenes Funktionsäquivalent vorgeschlagen haben. Im Folgenden ein Beispiel mit eigentlich:

    1. (8)
    1. Erwin: Da steht: 100 km Stau!
    2. Alois: Na, da ist ein schlimmer Autounfall!
    3. Hans: Wie hoch ist man eigentlich versichert, wenn man so einen Unfall hat?

Die Studierenden erfassten die Funktion der MP und konnten sie adäquat übertragen, auch wenn sie nicht immer eine wörtliche Übersetzung vorschlugen:

Tabelle 13

Antworten von drei Studierenden, die die MP eigentlich in (8) angemessen übersetzten

StudentIn Antwort
31concetta65 Quanto cavolo devi essere assicurato per fare un incidente del genere?
‘Wie hoch muss man [denn] eigentlich versichert sein, wenn man so einen Unfall hat?’
04fulvia13 Ma esattamente quanto si è assicurati quando si ha un incidente del genere?
‘Aber wie genau ist man versichert, wenn man so einen Unfall hat?’
20ornella20 Si può sapere quanto si può essere assicurati, quando si ha un incidente così?
‘Kann man wissen, wie hoch man versichert sein kann, wenn man so einen Unfall hat?’

Im ersten Beispiel (31concetta65) fügt der/die Befragte die Interjektion cavolo (‚zum Teufel / verdammt‘) hinzu, die Erstaunen ausdrückt und somit die Schwierigkeit des Fragestellers bei der Antwortfindung verdeutlicht. Darüber hinaus verwendet der/die Lernende das Verb dovere (‚müssen‘) in einer deontischen Funktion. Übersetzungen wie die zweite (04fulvia13) können den Bedeutungsbeitrag der MP e igentlich präzisieren (vgl. die Diskussion in Lemmetti 2024a: 98–100, 105, 109–110). Das Adverb esattamente (‚genau‘) signalisiert eine semantische Komponente: Die Frage erfordert eine präzise Antwort, die für den Fragesteller schwer zu bestimmen ist. Offensichtlich erscheint der Unfall so schwerwiegend, dass sich der Fragesteller kaum vorstellen kann, wie hoch die Versicherungssumme sein müsste, um einen derart schweren Schaden auszugleichen. Die Konjunktion ma (‚aber‘) kann in einem weiteren Sinne die pragmatische Komponente von eigentlich wiedergeben. Eigentlich deutet darauf hin, dass der aktuelle Interaktionsstand möglicherweise auf einer ungesicherten Annahme beruht und dient dazu, diese zu hinterfragen. Als konzessive Konjunktion könnte ma darauf hinweisen, dass Hans eine scheinbare Inkohärenz auflösen möchte – nämlich zwischen der allgemeinen Erwartung, dass man stets versichert ist, und der außergewöhnlichen Schwere des Unfalls, die nahelegt, dass keine Versicherungssumme ausreichen könnte.

In zahlreichen Übersetzungen wird auf die von Lemmetti (2024a: 54) als „ikonische Mittel“ bezeichneten Strategien zurückgegriffen, also auf sprachliche Elemente mit größerem grammatischem Gewicht, die die MP ausdrücken, etwa durch die Hinzufügung von Wörtern oder Phrasen, die deren Funktion verdeutlichen. Ein Beispiel hierfür ist die dritte Übersetzung der obigen Tabelle (20ornella20), in der die Funktion von eigentlich durch den Satz si può sapere (‚darf man erfahren‘) wiedergegeben wird. Dadurch wird signalisiert, dass der Fragesteller keine Lösung für die Frage finden kann.

5. Fazit und Ausblick

Diese Studie untersuchte die metasprachlichen, interaktionalen und kontrastiven Kompetenzen von DaF-Universitätsstudierenden im Hinblick auf sechs ausgewählte MPn des Deutschen. Die erzielten Ergebnisse werden nochmal in den zwei folgenden Grafiken dargestellt, die einen umfassenden Überblick über die Situation vor und nach der didaktischen Intervention geben:

Abbildung 9
Abbildung 9

Gesamter Überblick der Ergebnisse. Vergleich zwischen Test 1 und Test 2

Die erste Graphik illustriert in Blau und Orange die Ergebnisse zur Interpretation der MPn in einem gegebenen Kontext (Test 1A und 2A). Hier zeigt sich, dass sich die adäquate Erfassung der Funktion der ausgewählten MPn nach der didaktischen Intervention signifikant verbessert hat. Die zweite Grafik veranschaulicht die Verteilung der Antworten in der Übersetzungsübung. Auffällig ist hierbei, dass die Anzahl der unangemessenen Übersetzungen sowohl vor als auch nach der didaktischen Intervention sehr gering ist. Dies lässt darauf schließen, dass die MPn vor dem Modul entweder gar nicht erkannt wurden oder – falls eine Identifikation erfolgte – angemessen übersetzt wurden. Beim Übergang von Test 1 zu Test 2 ist eine deutliche Zunahme der angemessenen Wiedergaben zu beobachten sowie eine konsistente Reduzierung der Antworten, in denen kein Übersetzungsvorschlag für die jeweiligen MPn gegeben wird. Außerdem zeigten die DaF-Lernenden nach dem didaktischen Modul eine größere Kreativität und eine erhöhte verbale Verarbeitung. Einige Antworten enthielten Funktionsäquivalente, die für den Dialekt der Herkunftsregion der Teilnehmenden charakteristisch sind (z.B. già im Piemontesischen).

Die gewonnenen Erkenntnisse lassen einen Unterschied zwischen der Interpretations- und der Übersetzungsübung erkennen. Vor und nach der didaktischen Intervention überstieg die Anzahl der angemessenen Übersetzungen tendenziell die der richtigen Interpretationen. Besonders augenfällig ist dies im Falle der Partikel etwa: Während die Daten aus Test 1A eine hohe Anzahl an fehlenden Interpretationen zeigen, erscheint die Anzahl unangemessener Übersetzungen in Test 1B vergleichsweise eher gering. Dies legt die Annahme nahe, dass eine sprachkontrastive Herangehensweise die Lernenden nicht nur in der Übersetzung, sondern auch beim Verstehen der MP-Funktion erheblich unterstützen kann. Insgesamt stellt sich eine signifikante Verbesserung in beiden Teilen des Tests ein, sodass das durchgeführte Modul als erfolgreich bewertet werden kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine effektive Didaktik von MPn einen Ansatz erfordert, der grammatische, pragmatische und kontrastive Dimensionen kombiniert. Die explizite Vermittlung der grammatischen Eigenschaften erleichtert es DaF-Lernenden, MPn von Heterosemen zu unterscheiden und ihren Gebrauch in unterschiedlichen Satzarten zu identifizieren. Ebenso unverzichtbar ist die pragmatische Dimension des didaktischen Modells, da den Bedeutungsbeitrag der MPn ausschließlich kontextabhängig erschließbar ist. In diesem Zusammenhang wäre es auch interessant, die Analyse und Übersetzung von MPn in isolierten Sätzen mit jenen in explizit eingebetteten Kontexten zu vergleichen, um zu untersuchen, ob die Lernenden in der einen oder anderen Bedingung auf größere Schwierigkeiten stoßen. Ein sorgfältiger Vergleich zwischen deutschen MPn und möglichen Äquivalenten bzw. ähnlichen Sprachstrukturen in der eigenen Sprache erleichtert den Lernenden, die Funktion der MPn im deutschen Sprachsystem besser zu verstehen und metasprachliche Kompetenzen gezielt zu entwickeln.

In diesem Beitrag wurden die zentralen Ergebnisse der durchgeführten Studie diskutiert. Die erhobenen Daten stellen ein Lernerkorpus dar, das nach Sprachniveau und Studienjahr kategorisiert wurde. Für weitere Untersuchungen wäre es besonders lohnenswert, die Antworten der Studierenden auf der Grundlage ihres Sprachniveaus zu analysieren. Darüber hinaus können die Daten dieser Pilotstudie als Grundlage für eine umfangreichere Studie dienen, die einen Vergleich zwischen einer Experimentalgruppe, welche das Modul mit expliziter Vermittlung der MPn durchläuft, und einer Kontrollgruppe, die keine explizite Vermittlung erhält, ermöglicht. Die Einbeziehung einer solchen Kontrollgruppe würde ein zentrales Kriterium für die Validität der Ergebnisse darstellen.

Ein weiterer aufschlussreicher Aspekt, der sowohl aus der Datenanalyse als auch aus dem direkten Austausch mit den Studierenden im Unterricht hervorgegangen ist, betrifft die diatopische Variation in den Übersetzungen. Das Korpus könnte erweitert werden, indem die Tests Gruppen aus unterschiedlichen Regionen Italiens vorgelegt werden. Dies würde dazu beitragen, weitere Funktionsäquivalente zu identifizieren, die zu regionalen Varietäten gehören und einen wertvollen Beitrag für zukünftige kontrastive Forschungen Deutsch-Italienisch sowie für die Übersetzungswissenschaft leisten könnten.

Anhang

Teil A

In questa sezione ti sarà chiesto di descrivere la formulazione indicata in grassetto, esplicitando la sua funzione comunicativa e commentando o immaginando, dove non dato, il contesto d’uso. Puoi usare l'italiano o il tedesco.

Esempio con contesto dato3:

  • A: Wer ist sie?

  • B: Das ist Rosalie. Kann sie hier schlafen?

  • A: Hör mal, ich hab’ doch kein Hotel hier.

A utilizza la frase data per rispondere alla domanda insolente di B ed esprime la sua irritazione.

oppure

Il parlante è irritato da quello che ha detto il suo interagente e risponde con la frase data, dicendo che lui non possiede un hotel.4

Esempio senza contesto dato5:

  • A: Hör mal, ich hab’ doch kein Hotel hier.

La madre risponde irritata al figlio che è appena tornato in ritardo per la cena utilizzando questa frase6.

Teil B

In questa sezione ti sarà chiesto di tradurre la frase sottolineata, questa volta già inserita in un preciso contesto d'uso. Cerca di rispondere in maniera più naturale possibile, riportando la formulazione (anche nel gergo colloquiale) che tu useresti in quel contesto in italiano.

Di seguito è riportato un esempio7:

  • Daniel: Kann ich schon morgen früh zu dir kommen?

  • Sven: Ach Daniel.

  • Harald: Daniel, du weißt doch, dein Vater hat immer so wahnsinnig viel zu tun, deswegen, das wird wohl nichts.

Proposta di traduzione della frase di Harald:

Daniel, ma che non lo sai che tuo padre ha sempre così tanto da fare! Pertanto non se farà niente8.

Notes

  1. Der Aufsatz wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts konzipiert, das mit PNRR Mitteln (Missione 4 “Istruzione e Ricerca” - Componente C2 Investimento 1.1 “Fondo per il Programma Nazionale di Ricerca e Progetti di Rilevante Interesse Nazionale PRIN”, Decreto Direttoriale n. 104 del 02-02-2022, Progetto Rethinking, Understanding Modal particles – RUM, CUP N. C53D23004320006) finanziert wurde. [^]
  2. Jeder Teilnehmer bzw. jede Teilnehmerin wurde mit einem Identifikationscode assoziiert, der es ermöglichte, Anonymität zu wahren und gleichzeitig die Ergebnisse von Test 1 und Test 2 miteinander zu vergleichen. [^]
  3. In diesem Abschnitt wirst du gebeten, die in Fettdruck angegebene Formulierung zu beschreiben, ihre kommunikative Funktion zu erläutern sowie – falls nicht vorgegeben – den Gebrauchskontext zu kommentieren oder zu imaginieren. Du kannst dabei Italienisch oder Deutsch verwenden. Beispiel mit gegebenem Kontext. [^]
  4. A verwendet den gegebenen Satz, um auf die unverschämte Frage von B zu antworten, und bringt damit seine Verärgerung zum Ausdruck. Oder: Der Sprecher ist über die Äußerung seines Gesprächspartners verärgert und antwortet mit dem gegebenen Satz, indem er klarstellt, dass er kein Hotel besitzt. [^]
  5. Beispiel ohne gegebenen Kontext. [^]
  6. Die Mutter antwortet verärgert auf ihren Sohn, der gerade zu spät zum Abendessen zurückgekehrt ist, und verwendet dabei diesen Satz. [^]
  7. In diesem Abschnitt wirst du gebeten, den unterstrichenen Satz zu übersetzen, der diesmal bereits in einem konkreten Gebrauchskontext steht. Versuche, so natürlich wie möglich zu antworten und die Formulierung (auch in umgangssprachlicher Variante) wiederzugeben, die du in diesem Kontext auf Italienisch verwenden würdest. Nachfolgend ist ein Beispiel aufgeführt. [^]
  8. Vorschlag zur Übersetzung von Haralds Satz: Daniel, aber weißt du nicht, dass dein Vater immer so viel zu tun hat! Deswegen, das wird nichts. [^]

Literatur und Ressourcen

Abraham, Werner (1988): Vorbemerkungen zur Modalpartikelsyntax im Deutschen. In: Linguistische Berichte 118, 443–465.

Aguado, Karin (1996): Dimensionen lernersprachlicher Partikelverwendung. Sprachsystematische, kognitiv-individuelle und interaktiv-soziale Aspekte beim Gebrauch und beim Erwerb des Deutschen als Fremdsprache. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Bielefeld.

Bayer, Josef / Obenauer, Hans-George (2011): Discourse particles, clause structure, and question types. In: The Linguistic Review 28: 4, 449–491.

Beerbom, Christiane (1992): Modalpartikeln als Übersetzungsproblem. Eine kontrastive Studie zum Sprachenpaar Deutsch-Spanisch. Frankfurt am Main: Peter Lang.

Belz, Julie A. / Vyatkina, Nina (2005): Learner Corpus Analyses and the Development of L2 Pragmatic Competence in Networked Intercultural Language Study: The Case of German Modal Particles. In: The Canadian Modern Language Review 62: 1, 17–48.

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Biographische Notiz

Chiara Cernicchiaro hat in Deutscher Sprachwissenschaft an der Universität Pisa promoviert. Sie war als Postdoc an den Universitäten UPO (Vercelli) und Pisa tätig. Derzeit ist sie cultrice della materia an der Universität Pisa und adjunct professor an der Universität Florenz. Ihre Forschungsscherpunkte sind die Syntax und die Pragmatik des Deutschen, insbesondere Wortstellung und Modalpartikeln, auch aus DaF- und kontrastiver Perspektive.

Kontaktanschrift:

Chiara Cernicchiaro

Università di Pisa

Palazzo Venera

Via Santa Maria, 36

56126 Pisa

chiara.cernicchiaro@fileli.unipi.it