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<journal-title>Zeitschrift Korpora Deutsch als Fremdsprache</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Artikel</subject>
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<article-title>DIE <italic>DEUTSCHE AUSSPRACHEDATENBANK (DAD)</italic> &#8211; Potenzial f&#252;r Deutsch als Fremd-, Zweit- und Muttersprache</article-title>
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<aff id="aff-1">Martin-Luther-Universit&#228;t Halle-Wittenberg</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2021-12-01">
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<abstract>
<p>Die Deutsche Aussprachedatenbank (DAD) kann im Unterricht in Deutsch als Fremd-, Zweit- und Muttersprache als zuverl&#228;ssige Referenzquelle f&#252;r die normkonforme Aussprache genutzt werden und als schnell verf&#252;gbares und einfach durchsuchbares Nachschlagewerk dienen. Im vorliegenden Beitrag wird die DAD als aktuelles Ergebnis der Kodifikationsarbeiten an der Universit&#228;t Halle pr&#228;sentiert. Unter anderem werden der terminologische Apparat, der aktuelle Forschungsstand und technische M&#246;glichkeiten der Datenbank vorgestellt. Neben dem Aufbau der Datenbank und den Kodifizierungsgrundlagen werden Anregungen f&#252;r die sprachdidaktische Nutzung der Aussprachedatenbank im Deutschunterricht gegeben. Abschlie&#223;end werden bevorstehende Arbeiten an der DAD und Entwicklungsm&#246;glichkeiten des digitalen Aussprachew&#246;rterbuchs diskutiert.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p>In Lessons for German as foreign or second language the German Pronunciation Database (DAD) can be used as a reliable reference work for standardpronunciation which is quickly available and easy to browse. In this article the DAD is presented as a current result of orthoepy research at University of Halle. Among other things, the terminology, the current state of research and technical possibilities of the database are presented. In addition to the databases structure and the codification principles, suggestions for the didactic use of the pronunciation database in German lessons are given. Finally, upcoming work on the DAD and development options for the digital pronunciation dictionary are discussed.</p>
</trans-abstract>
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<kwd>Standardaussprache</kwd>
<kwd>Aussprachedatenbank</kwd>
<kwd>Deutschunterricht</kwd>
<kwd>Deutsch als Fremd- und Zweitsprache</kwd>
<kwd>Orthoepieforschung</kwd>
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<kwd>standardpronunciation</kwd>
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<kwd>German as a foreign or second language</kwd>
<kwd>orthoepy research</kwd>
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<title>1. Einleitung</title>
<p>Die Orthoepieforschung stellt ein traditionelles Forschungsgebiet der Sprechwissenschaft an der Universit&#228;t Halle dar. Ihre Ergebnisse wurden in Form mehrerer Aussprachew&#246;rterb&#252;cher publiziert, zuletzt im Deutschen Aussprachew&#246;rterbuch (<italic>DAWB</italic>, <xref ref-type="bibr" rid="B25">Krech et al. 2010</xref>). Die &#220;berf&#252;hrung des W&#246;rterbuchs in eine Online-Datenbank ist ein logischer Schritt im Zeitalter der Digitalisierung. Daf&#252;r spricht eine Reihe von damit einhergehenden Vorteilen, wie beispielsweise Filter- und Suchfunktionen, die Einbindung von Audiodateien, Verlinkungen innerhalb der Datenbank oder auf andere Webseiten sowie Metadaten und Zusatzangaben, f&#252;r die in einem W&#246;rterbuch kein Platz w&#228;re. Mit der Einrichtung der <italic>Deutschen Aussprachedatenbank (DAD)</italic> wird dem vermeintlichen Wunsch vieler Lehrender und Berufssprechender nach einer &#246;ffentlich zug&#228;nglichen Referenzquelle entgegengekommen, die neben normphonetischen Angaben zum allgemeinen Wortbestand auch empirisch fundierte Eindeutschungsformen und -regeln etablierter und aktueller fremdsprachiger Lemmata anbietet. Im vorliegenden Beitrag wird die Deutsche Aussprachedatenbank als aktuelles Ergebnis der halleschen Kodifikationsarbeiten pr&#228;sentiert. Unter anderem werden der terminologische Apparat, der aktuelle Forschungsstand und technische M&#246;glichkeiten der DAD vorgestellt. Neben dem Aufbau der Datenbank und den Kodifizierungsgrundlagen werden Anregungen f&#252;r die sprachdidaktische Nutzung der Aussprachedatenbank gegeben. Abschlie&#223;end werden bevorstehende Arbeiten an der DAD und Entwicklungsm&#246;glichkeiten des digitalen Aussprachew&#246;rterbuchs diskutiert.</p>
<p>Das DAWB versteht sich neben dem Duden-Aussprachew&#246;rterbuch als Referenzwerk in Fragen der korrekten deutschen Standardaussprache. Voraussetzungen f&#252;r eine allgemein anerkannte Kodifizierung sind kontinuierliche korpusbasierte Analysen sowie deren Deskription und Systematisierung. Dies erm&#246;glicht eine Erfassung der standardsprachlichen Sprechwirklichkeit sowie eine Abgabe normativer Empfehlungen f&#252;r die Orthoepie (vgl. ebd.: 7). Die G&#252;ltigkeit der empfohlenen Standardaussprache wird vor allem in jenen Bereichen angegeben, in denen formbewusst gesprochen wird: in audiovisuellen Medien, auf der B&#252;hne, im Bildungssektor, im Gebiet der Sprach- und Sprechtherapie sowie im Deutschunterricht (vgl. ebd.: 6-7). In diesen Bereichen sind dementsprechend auch die Zielgruppen des Deutschen Aussprachew&#246;rterbuchs verankert: Mediensprecher*innen, Schauspieler*innen, Redner*innen, Lehrkr&#228;fte in Deutsch als Muttersprache (DaM), als Fremdsprache (DaF) und als Zweitsprache (DaZ) sowie sprach- und sprechtherapeutisch T&#228;tige. Von Personen, die diesen Berufsgruppen angeh&#246;ren, wird die Nutzung der Standardaussprache erwartet, wie Hollmach (<xref ref-type="bibr" rid="B15">2007</xref>) in einer repr&#228;sentativen Umfrage zeigen konnte (vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B17">Jochmann 2000</xref>).</p>
<p>Neben den Berufssprecher*innen, Linguist*innen und Sprachtherapeut*innen adressiert die Deutsche Aussprachedatenbank insbesondere Deutschlehrende und -lernende. Sprachkorpora k&#246;nnen als Hilfsmittel f&#252;r die Produktion und die Rezeption im Fremdsprachenunterricht benutzt werden und die autonome Arbeit am Wortschatz f&#246;rdern. Die Deutsche Aussprachedatenbank kann dabei als seri&#246;se Informationsquelle empirisch fundierte Hinweise zu einem pr&#228;zisen und normkonformen m&#252;ndlichen Sprachgebrauch geben. F&#252;r den Unterricht in DaF, DaZ und DaM sollte diese Referenzquelle daher von Bedeutung sein, zumal das Konzept der DAD auch die Richtlinien des Gemeinsamen Europ&#228;ischen Referenzrahmens ber&#252;cksichtigt. Ausgew&#228;hlte Eintr&#228;ge werden k&#252;nftig in Anlehnung an die Wortschatzlisten f&#252;r die Zertifikatspr&#252;fung des Goethe-Instituts mit zus&#228;tzlichen Metadaten quantifiziert, die den Niveaustufen A1&#8211;C2 entsprechen. Das bietet die M&#246;glichkeit, Wortlisten nach Sprachniveaus zu erstellen. Auf den konzeptuellen Hintergrund und die technischen M&#246;glichkeiten wird in den folgenden Kapiteln des vorliegenden Beitrags eingegangen.</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Die hallesche Orthoepieforschung</title>
<p>Der Weg von der Konzeption zur Realisation der Deutschen Aussprachedatenbank ist in der seit fast 70 Jahren bestehenden Orthoepieforschung an der Martin-Luther-Universit&#228;t Halle-Wittenberg verankert. Dem aktuellen Status quo gehen bereits drei Aussprachew&#246;rterb&#252;cher voraus (<xref ref-type="bibr" rid="B23">Krech et al. 1964</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B24">1982</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B25">2010</xref>). Trotz vieler Erweiterungen, Modifikationen und Erg&#228;nzungen wurde jedes hallesche Referenzwerk vom Konzept der Standardaussprache gepr&#228;gt, die sich als eine dialektneutrale, &#252;berregionale Existenzform mit weiter Geltung versteht (<xref ref-type="bibr" rid="B25">Krech et al. 2010: 7</xref>). Sie wird besonders in offiziellen &#246;ffentlichen Situationen genutzt. &#220;berdies ber&#252;cksichtigt ihre Kodifikation den erwarteten und den realen Sprechgebrauch, der kontinuierlich &#252;berpr&#252;ft wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Hirschfeld / Stock 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B3">Bose / Grawunder / Schwarze 2018</xref>), so dass die Ausspracheempfehlungen empirisch basiert sind. Als explizite Norm kann die Standardaussprache regulative Funktionen erf&#252;llen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Krech et al. 2010: 7</xref>). Im Folgenden wird die hallesche Kodifikationsgeschichte der deutschen Standardaussprache &#252;berblickartig dargestellt.</p>
<sec>
<title>2.1 Siebs als Ausl&#246;ser f&#252;r die normphonetische Forschungsarbeit in Halle</title>
<p>Die erste Kodifikation der deutschen Standardaussprache wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Greifswalder Hochschullehrer Theodor Siebs vorgenommen. Die Grundlage f&#252;r die Normierung sah er vor allem in den &#252;berregionalen Realisationen des Deutschen auf prominenten deutschen Theaterb&#252;hnen. Siebs gelang es schnell, f&#252;r sein Projekt und letztendlich f&#252;r sein Werk einflussreiche Vertreter aus Politik, Kultur und Wissenschaft zu gewinnen.</p>
<disp-quote>
<p>&#8230;Sein Wirken f&#252;r die Orthoepie, das seit jeher kritisch begleitet wurde, und die in seinem Sinne weitergef&#252;hrte Traditionslinie sp&#228;terer Herausgeber ist verantwortlich f&#252;r die stete wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinen orthoepischen Konzepten und Kodizes bis in die Gegenwart.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B15">Hollmach 2007: 69</xref>).</p>
</disp-quote>
<p>Die Ursache der Kritik lag vor allem in Siebs&#8216; normphonetischen Anforderungen an die deutsche B&#252;hnenaussprache, denen die Zielgruppe selbst kaum nachkommen konnte. Die erweiterte G&#252;ltigkeitsforderung und die &#220;bertragung dieser Aussprachenormen auf andere Kommunikationsbereiche l&#246;ste abermals eine Kritikwelle aus. Das orthoepische Idealgebilde im Siebs-Aussprachew&#246;rterbuch wurde letztendlich nur in konservativen Kreisen bef&#252;rwortet. Dennoch blieb es trotz leichter &#196;nderungen bis in die letzte Auflage von 1969 aufrechterhalten.</p>
<p>Der Wunsch, die deutsche Standardaussprache f&#252;r verschiedene Anwendungsbereiche, u. a. f&#252;r den deutschen Rundfunk, zu kodifizieren, wurde bereits in den 1930er Jahren in vielen Forschungs- und Kultureinrichtungen laut artikuliert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Geissler 1938</xref>). Die Motivation f&#252;r dieses orthoepische Vorhaben resultierte vornehmlich aus den bis dahin vorhandenen &#252;berh&#246;hten und schriftorientierten Aussprachenormen im Siebs-Aussprachew&#246;rterbuch, die der Sprechwirklichkeit fernblieben und den Erwartungen der Berufssprechenden nicht entsprachen. Die Dokumentation der begonnenen empirischen Forschung ist leider w&#228;hrend des Zweiten Weltkriegs abhandengekommen.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.2 W&#246;rterbuch der deutschen Aussprache</title>
<p>Nach dem Ende des Kriegs kam es zu Fachgespr&#228;chen zwischen Vertreter*innen der Sprechwissenschaft aus Frankfurt, Jena und Halle. Im Jahr 1953 kam bei Beratungen des Deutschen Ausschusses f&#252;r Sprechkunde und Sprecherziehung die Idee, das siebssche Aussprachew&#246;rterbuch von Grund auf neu zu bearbeiten und ein gesamtdeutsches Aussprachew&#246;rterbuch zu schaffen, abermals zum Ausdruck (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Krech 1957</xref>). Die Initiative, die aus universit&#228;ren Vertretern der Sprechkunde aus DDR und BRD bestand, wurde allerdings von den Herausgebern des Siebs-Aussprachew&#246;rterbuchs abgelehnt (vgl. ebd.; <xref ref-type="bibr" rid="B15">Hollmach 2007: 79</xref>). Im selben Jahr erhielt die Jenenser Sprechwissenschaftlerin Imgard Weithase einen Forschungsauftrag &#252;ber die &#8230;Normierung der deutschen Allgemeinsprache&#8220; vom Staatssekretariat f&#252;r das Hochschulwesen der DDR (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Meinhold 2019: 129</xref>) und die Institute in Jena und in Halle fingen an, f&#252;r einzelne Forschungsschwerpunkte eine empirische Basis in Form gro&#223;er Korpora von Sprachaufnahmen f&#252;r auditive und akustische Analysen der Ausspracherealit&#228;t zu schaffen (vgl. ebd. 131-132). Nach Weithases Umzug nach M&#252;nchen wurde die Redaktionsarbeit am 6. Februar 1959 unter der Leitung von Hans Krech von dem damaligen Institut f&#252;r Sprechkunde und Phonetische Sammlung der Martin-Luther-Universit&#228;t &#252;bernommen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Hollmach 2007: 79</xref>). In Halle begann eine systematische Forschung auf orthoepischem Gebiet. Ziel war die Erarbeitung eines konzeptionell neuen Aussprachew&#246;rterbuches, welches mit der Siebsschen Tradition brechen sollte. Die wichtigsten Grunds&#228;tze bei der Arbeit am W&#246;rterbuch besagten:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Die Sprechrealit&#228;t gilt als Grundlage f&#252;r die Aussprachekodifizierung,</p></list-item>
<list-item><p>Die Regelung umfasst eine &#252;berregionale Sprechweise, die &#8230;von allen erreichbar ist&#8220; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Krech 1989: 74</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>Die Forscher*innen aus Halle folgten konsequent ihrem Leitgedanken, dass die G&#252;ltigkeit jeglicher Ausspracheempfehlungen erst durch deren allgemeine Erreichbarkeit gew&#228;hrleistet werden kann. Ihre Forschungsarbeit war demzufolge an der Sprechrealit&#228;t im Rundfunk ausgerichtet und umfasste Schwerpunkte, die kl&#228;rungsbed&#252;rftige Fragen beinhalten, welche teilweise aus der bislang im Siebs-Aussprachew&#246;rterbuch unbeachteten Koartikulation im Redefluss resultierten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Krech 1996: 29-30</xref>). Dabei ging es zuerst um eine empirisch fundierte Beschreibung des Sprechgebrauchs in einer Form, die zun&#228;chst als <italic>allgemeine deutsche Hochlautung</italic> bezeichnet wurde. Dieser Terminus wurde sp&#228;ter durch den Begriff <italic>Standardaussprache</italic> ersetzt.</p>
<disp-quote>
<p>Unter Standardaussprache wird so die allgemein realisierte, akzeptierte und erwartete Ausspracheform auf der Ebene der Hoch- bzw. Literatursprache verstanden. Der Begriff bezieht sich damit nicht auf eine exklusive oder elit&#228;re Sprechweise, schlie&#223;t andererseits aber auch nicht territorial gepr&#228;gte oder saloppe umgangssprachliche Realisationen ein. (<xref ref-type="bibr" rid="B21">Krech 1989: 74-75</xref>).</p>
</disp-quote>
<p>Diese konzeptionelle Festlegung ist bis heute verbindlich und &#252;berschneidet sich mit der Auffassung der Standardaussprache im DAWB. Auch der Umgang mit fremden Namen und W&#246;rtern stand im Fokus der halleschen Kodifikation und wurde in den Fachtagungen und Beratungen mit Rundfunksprecher*innen diskutiert und konzeptionell erarbeitet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Teske 1961</xref>). Als Regulativ f&#252;r die Problematik der Aussprache von Xenonymen galt das Konzept der relativen Eindeutschung, sp&#228;ter als gem&#228;&#223;igte Eindeutschung bezeichnet, und wurde richtungweisend weiterentwickelt (vgl. ebd. 90-92).</p>
<p>Nach dem Tod von Hans Krech wurde die Redaktion von Ursula St&#246;tzer geleitet. An Bedeutung gewannen weitere forschungsrelevante Schwerpunkte wie die Bestimmung der Akzentuierung in mehrgliedrigen Komposita, prosodische Strukturen im Sprechtext sowie die Realisation von Lenis-Konsonanten. Drei Jahre nach Krechs Tod wurde 1964 das <italic>W&#246;rterbuch der deutschen Aussprache (WDA)</italic> herausgegeben und hatte bis 1974 insgesamt vier Auflagen. Die Analyse umfangreicher Lautkorpora unterschiedlicher Formate zeigte, dass verschiedene Arten gesellschaftlicher T&#228;tigkeit ihre Widerspiegelung in diversen Formen der Sprechhandlungen finden. Diese Differenzierung betrifft alle Sprachebenen, auch die phonische. Demnach weist auch die Standardaussprache ein Spektrum an Realisationsformen auf und &#228;u&#223;ert sich in Gestalt unterschiedlicher Pr&#228;zisionsstufen der Lautung. Die verschiedenen Varianten fanden als positionsbedingte Assimilationen und als koartikulatorisch verursachte Ver&#228;nderungen bereits 1964 Eingang in die erste Auflage des WDA.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.3 Gro&#223;es W&#246;rterbuch der deutschen Aussprache</title>
<p>Die weiteren normphonetischen Untersuchungen sollten beantworten, ob sich die beobachteten standardsprachlichen Aussprachevarianten systematisieren lassen. Ferner sollte gekl&#228;rt werden, ob die ermittelten Lautreduktionismen eine stilistische Funktion im Standarddeutschen aus&#252;ben. Diese phonostilistische Differenzierung machte in der Orthoepie ein Novum aus. Die Forschungsergebnisse wurden teilweise in die Neuauflage des halleschen Aussprachekodex aufgenommen, der 1982 durch eine Entscheidung des Verlags als <italic>Gro&#223;es W&#246;rterbuch der deutschen Aussprache (GWDA)</italic> erschien. Bezugnehmend auf die Forschungsergebnisse von Meinhold (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1973</xref>) wurden im GWDA drei phonostilistische Ebenen der Standardaussprache unterschieden:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>&#8230;die Aussprache der Rezitation und des feierlichen, festlichen Vortrags;</p></list-item>
<list-item><p>die Aussprache in der Lesung von Manuskripten im Rundfunk und von sch&#246;ngeistiger Prosa;</p></list-item>
<list-item><p>die Aussprache des ruhigen, sachlichen Gespr&#228;chs und des Vortrags mit geringem Spannungsgrad&#8220;. (<xref ref-type="bibr" rid="B24">Krech et al. 1982: 73</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>Das GWDA ging mit der obigen Differenzierung &#252;ber die bisherigen Aussprachekodizes hinaus. Sie stellte allerdings nur eine Grundorientierung &#252;ber den Gebrauch phonostilistischer Varianten in der deutschen Standardaussprache dar.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.4 Deutsches Aussprachew&#246;rterbuch</title>
<p>In den halleschen Aussprachekodizes, die vor der Wende erschienen, wurde eine Konzeption der Standardaussprache erarbeitet, die im Vergleich zum Siebs-Aussprachew&#246;rterbuch eine breitere soziale Realisationsbasis hatte. Sie war seit der ersten Auflage des WDA jedoch in erster Linie auf manuskriptgebundenes Sprechen eingestellt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B27">Kurka 1989: 100-104</xref>). Die Lautkorpora enthielten somit zwar frei gesprochene, zuvor konzeptuell vorbereitete Texte, aber keine spontane Rede, die in informellen, pers&#246;nlicheren Kommunikationssituationen zustande kommt und die in der Fachliteratur als &#252;berregionale, hochdeut<italic>sche oder dialektneutrale Umgangssprache</italic> bezeichnet wurde (vgl. ebd.: 102; vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B29">Meinhold 1973: 14</xref>). Da der Gebrauch vieler Abschleifungsformen sehr stark variiert, blieb das Problem der Kodifizierung jener Formen ungel&#246;st. Sie wurden demzufolge nicht in das GWDA aufgenommen. Eine Kategorisierung vieler abgeschw&#228;chter Lautformen &#8230;w&#228;re aber f&#252;r den Deutschunterricht bei den Ausl&#228;ndern, insbesondere das verstehende H&#246;ren, sehr zweckm&#228;&#223;ig und n&#252;tzlich.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B27">Kurka 1989: 108</xref>). Damit war die Diskussion um das Aussprachestandardverst&#228;ndnis nicht beendet. Auch kritische Stimmen wiesen auf &#8230;die Verabsolutierung der &#252;ber die Rundfunksprecher gewonnenen Norm als allgemein g&#252;ltige Standardaussprache des Deutschen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Kohler 1995: 38</xref>) und einen R&#252;ckfall in die Tradition des Siebs, denn trotz der empirischen Fundierung erkl&#228;rte man nach Kohler (ebd.) v&#246;llig unmotiviert diese Norm als verbindlich f&#252;r ein ganzes Spektrum von Sprechsituationen. Diese Problematik war auch den halleschen Sprechwissenschaftler*innen bewusst. Auf die Bestimmung neuer Referenzrahmen f&#252;r die Standardaussprache machte Kurka aufmerksam:</p>
<disp-quote>
<p>&#8230;Eine f&#252;r die Kodifikation zweckbestimmte und das Aussprachew&#246;rterbuch ad&#228;quat widerspiegelnde Definition von &#8218;Standardsprache&#8216; ist zu erarbeiten, die Normierungsbasis, -umfang, Geltungs- und Wirkungsbereich enth&#228;lt. Weiter ist es notwendig, die Termini &#8218;Umgangssprache&#8216;, Alltagssprache&#8216; [sic!] und &#8218;Volkssprache&#8216; nach M&#246;glichkeit genau zu bestimmen. Ein umfassendes Material daf&#252;r ist gesichtet und wird noch bereichert. Diese Probleme sollen rechtzeitig vor der Neubearbeitung des &#8218;Gro&#223;en W&#246;rterbuchs der deutschen Aussprache&#8216; gekl&#228;rt werden und Ergebnisse erbringen, die der weiteren Bearbeitung der &#8218;Standardaussprache&#8216; dienlich sein k&#246;nnen.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B27">Kurka 1989: 109</xref>).</p>
</disp-quote>
<p>Als Fortentwicklung des GWDA gilt das 2009 erschienene <italic>Deutsche Aussprachw&#246;rterbuch (DAWB)</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Hirschfeld / Stock 2016: 51</xref>). Diesem gingen facettenreiche Untersuchungen voraus, welche sich auf oben erw&#228;hnte und neue forschungsrelevante Aspekte erstreckt hatten. Um ein deutschlandweit akzeptiertes und erw&#252;nschtes Bild der Standardaussprache neu zu ermitteln und somit die Fragen nach der lautlichen Standardsprachlichkeit zu beantworten, wurde eine umfassende soziophonetische Untersuchung durchgef&#252;hrt. Sie erfasste rund 1700 Personen aus allen Sprachlandschaften der Bundesrepublik. Den Proband*innen wurden Audiomitschnitte aus Nachrichtensendungen, Talkshows und Interviews von insgesamt 43 Sprecher*innen mit unterschiedlichen Ausspracheweisen vorgef&#252;hrt. Dazu wurden Urteile bez&#252;glich der Angemessenheit der Ausschnitte in verschiedenen situativen Kontexten erfragt. Die Befragung best&#228;tigte, dass die Anforderungen an die Aussprache mit verschiedenen sozialkommunikativen Zusammenh&#228;ngen in Beziehung stehen. Von den Nachrichtensprechenden wurde deutschlandweit eine &#252;berregionale Aussprache erwartet. Bez&#252;glich anderer Sprechberufe wurden auch regionale Einfl&#252;sse gutgehei&#223;en. Des Weiteren umfassten Neuerungen und Aktualisierungen &#228;lterer Forschungsergebnisse zus&#228;tzlich folgende Bereiche (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Hirschfeld / Stock 2016: 51</xref>):</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>die Beschreibung der drei nationalen deutschen Standardvariet&#228;ten;</p></list-item>
<list-item><p>die Aktualisierung der phonostilistischen Differenzierung der bundesdeutschen Standardaussprache;</p></list-item>
<list-item><p>die Erweiterung und Aktualisierung des Wortschatzes;</p></list-item>
<list-item><p>die Neukodifizierung der Eindeutschung fremder Namen und W&#246;rter basierend auf Erkenntnissen der sprachkontrastiven phonetisch-phonologischen Beschreibungen.</p></list-item>
</list>
<p>Zur Untersuchung dieser Bereiche wurde ein Methodenpluralismus gew&#228;hlt, der neben soziophonetischen Befragungen zur standardsprachlichen Kommunikation auch akustische Analysen des Sprechsignals, Kontrollh&#246;ren durch Expert*innen und Akzeptabilit&#228;tsuntersuchungen umfasst.</p>
<p>Seit Anfang des 21. Jahrhunderts ist nun der Zugang zu digitalen Medien nahezu allen Sprachteilhabenden m&#246;glich. Neue technische M&#246;glichkeiten tragen zur Neuspezifizierung der problemorientierten Orthoepieforschung bei. Da sich die Sendungsformate im Laufe der Zeit ver&#228;ndern, um durch einen privateren Ton Alltagsn&#228;he und Vertrautheit zu generieren, spiegelt sich das auch in der Sprechweise wider (vgl. u. a. <xref ref-type="bibr" rid="B2">B&#246;hme 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B10">Finke 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B32">Schwenke 2020</xref>). Die Aussprache einzelner Lautsegmente, ihre syntagmatischen Beziehungen und phonotaktischen Beschr&#228;nkungen, Realisierung von Lenis-Konsonanten, Lautreduktionen, Akzentuierung in Simplizia und in mehrgliedrigen Komposita sowie situative Variabilit&#228;t der Standardaussprache und ihre phonostilistische Wertung geh&#246;ren somit bis dato zum Gegenstand der halleschen Orthoepieforschung. Neue Erhebungsm&#246;glichkeiten von hochqualitativen Sprachdaten, deren Speicherung und Auswertung pr&#228;gen die aktuellen Untersuchungen. Im Augenmerk stehen abermals sprachliche und au&#223;ersprachliche Faktoren f&#252;r den Gebrauch standardsprachlicher Aussprachevarianten sowie ihre soziale Wertung, Pr&#228;ferenz und Akzeptanz im &#252;berregionalen Kommunikationskontext. In dieser orthoepischen Forschungstradition entstand auch das Deutsche Aussprachew&#246;rterbuch (DAWB, <xref ref-type="bibr" rid="B24">Krech et al. 2010</xref>). Dieses Referenzwerk erschien noch in Buchform. Auf der Webseite des Verlags wurden den Kodexnutzer*innen einige Audiobeispiele f&#252;r Lemmata aus dem theoretischen Teil des Kodex zu Verf&#252;gung gestellt. Die Offenheit der halleschen Phonetiker*innen gegen&#252;ber technischen Neuerungen zeigt sich allerdings seit langem in vielen Lehrmaterialien f&#252;r das Fach Deutsch als Fremdsprache. Darin lassen sich verschiedene &#220;bungstypen zum Training der rezeptiven Sprachkompetenz finden, in denen u. a. auf einige f&#252;r die &#8230;dialektneutrale Umgangssprache&#8220; typische Lautabschw&#228;chungen eingegangen wird. Lehrmaterialen in Printform werden entweder mit DVDs f&#252;r Whiteboards publiziert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Albrecht / Hirschfeld / Kakinuma 2005</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B16">Jentges / Schwarz / Sokolowski 2012</xref>) oder stehen den Lehrenden und Lernenden als interaktive Webseiten zur Verf&#252;gung (Internetquelle 3; Internetquelle 4).</p>
<p>Zehn Jahre nach der Herausgabe des DAWB bieten sich neue M&#246;glichkeiten, gro&#223;e Mengen an Sprachdaten in Form einer Datenbank im Internet anzulegen, zu verwalten und auszubauen. Redaktionelle Einschr&#228;nkungen die bei der Herausgabe eines Aussprachew&#246;rterbuchs gegeben sind, wie Begrenzung der Zeichenzahl oder Anordnung der Stichw&#246;rter samt Zusatzinformationen, entfallen somit vollst&#228;ndig. Mit der DAD wurde ein digitaler und nutzerfreundlicher Aussprachekodex f&#252;r die bundesdeutsche Standardaussprache mit abrufbaren Audiodateien geschaffen. Dieser kann auf jedem Endger&#228;t aufgerufen werden und ist &#246;ffentlich zug&#228;nglich. Erw&#228;hnenswert ist, dass parallel weitere empirische Studien durchgef&#252;hrt werden, die die digitale Version des Aussprachekodex bereichern sollen. Unter anderem werden Realisationen von Formw&#246;rtern in atonalem Kontext analysiert. Des Weiteren wurden anhand umfassender Lautkorpora Eindeutschungstendenzen f&#252;r Eigennamen aus dem Englischen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Lange 2015</xref>), dem Russischen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Ebel 2015</xref>), dem Polnischen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Skoczek 2020</xref>) und dem Japanischen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Diehl 2021</xref>) im deutschen Rundfunk ermittelt. Nachfolgend werden Anforderungen an Aussprachedatenbanken dargestellt und das hallesche Projekt mit einem Teil seiner Funktionalit&#228;ten vorgestellt.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>3. Aussprachedatenbanken</title>
<p>Datenbankanwendungen im Internet erlauben es den Nutzer*innen, bestimmte Informationen bzw. Daten aus einer Datenbank abzurufen, die auf einem Server im Hintergrund liegen. Die zumeist gro&#223;en Mengen an Daten sind in der Datenbank miteinander verkn&#252;pft und zueinander in Beziehung gesetzt. Mithilfe von verschiedenen Programmen ist es m&#246;glich, auf die Daten zuzugreifen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Kemper / Eickler 2015: 21</xref>). Da Datenbankanwendungen zahlreiche Vorteile bieten, haben sie auch in sprechwissenschaftlichen und phonetischen Forschungsgebieten Einzug gehalten. Gerade gegen&#252;ber einem traditionellen W&#246;rterbuch bietet eine Datenbank erheblichen Mehrwert und zwar sowohl auf Seiten der Anwender*innen als auch seitens der Bearbeiter*innen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Ebel et al. 2021: 175-176</xref>):</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Datenbankanwendungen erlauben Verkn&#252;pfungen der Daten untereinander sowie Verlinkungen zu externen Informationen, wie z. B. anderen Webseiten.</p></list-item>
<list-item><p>Multimediale Erg&#228;nzungen zu den Datenbankeintr&#228;gen zum Beispiel in Form von Audio- oder Videodateien erm&#246;glichen erweiterte Nutzungsszenarien.</p></list-item>
<list-item><p>Eine gezielte Suche nach Eintr&#228;gen &#252;ber die Suchfeldsyntax sowie Filterung der Daten ist mit wenigen Klicks m&#246;glich.</p></list-item>
<list-item><p>Zusatzinformationen und Metadaten k&#246;nnen auch in gr&#246;&#223;erer Zahl hinzugef&#252;gt werden, ohne die &#220;bersichtlichkeit zu beeintr&#228;chtigen.</p></list-item>
</list>
<sec>
<title>3.1 Anforderungen an Audiodateien in Aussprachedatenbanken</title>
<p>Derzeit (Stand Oktober 2020) existieren im deutsch- und englischsprachigen Internet ca. 20 frei zug&#228;ngliche Webseiten, &#252;ber die man die Aussprache ausgew&#228;hlter Lemmata recherchieren kann. In vielen F&#228;llen handelt es sich dabei um erweiterte Onlineversionen ein- oder zweisprachiger W&#246;rterb&#252;cher, wie <italic>Duden, Oxford Learner&#8217;s Dictionary, Pons</italic> oder <italic>Longman Dictionary</italic>. Andere Angebote sind eigenst&#228;ndig im Internet entstanden, wie <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://howjsay.com"><italic>howjsay.com</italic></ext-link>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://tophonetics.com"><italic>tophonetics.com</italic></ext-link> oder <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://forvo.com"><italic>forvo.com</italic></ext-link>. Knappe 70 % der untersuchten Webseiten gibt die Aussprache &#252;ber Transkriptionen mit Hilfe des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) an, w&#228;hrend 90 % die Aussprache (zus&#228;tzlich) &#252;ber Audiodateien h&#246;rbar machen. Die Erg&#228;nzung durch Audiodateien ist sicherlich einer der gr&#246;&#223;ten Vorteile, den Aussprachedatenbanken gegen&#252;ber orthoepischen W&#246;rterb&#252;chern bieten, denn viele der Anwender*innen sind nicht ge&#252;bt im Lesen phonetischer Lautschriften und haben daher Schwierigkeiten, die Ausspracheangaben vollst&#228;ndig umzusetzen. F&#252;r eine optimale Nutzbarkeit der Audiodateien sollten einige Kriterien bedacht werden:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Die h&#246;rbare Aussprache sollte eineindeutig die aus der phonetischen Transkription ersichtlichen Merkmale wiedergeben. Das bedeutet auch, dass bei einer komplexeren Transkription, die beispielsweise Plosivaspirationen, Entstimmlichungen oder Elisionen enth&#228;lt, diese Merkmale auditiv erfassbar sein sollten. Hieran scheitern momentan leider noch h&#228;ufig viele Sprachsynthesesysteme, auch wenn diese in den letzten Jahren einen erheblichen Qualit&#228;tssprung gemacht haben und weit &#252;ber die reine Verstehbarkeit hinausgehen. Bei einem Einsatz von Text-to-Speech (TTS) Systemen f&#252;r die Generierung der Audiodateien in Aussprachedatenbanken sollte daher darauf geachtet werden, dass die Anwendungsschnittstelle (API) individuell an die Besonderheiten der Transkription angepasst werden kann. Dadurch ist es m&#246;glich, ein vorhandenes TTS-System gezielt anzulernen, so dass es regul&#228;r auftretende phonetische Merkmale in der Generierung der Audiodateien umsetzen kann.</p></list-item>
<list-item><p>Dialektale oder individuelle Aussprachebesonderheiten sollten in einer Aussprachedatenbank nicht enthalten sein oder als solche gekennzeichnet werden. Dieses Kriterium k&#246;nnen Datenbanken, die ihre Audiodateien mit Hilfe der User*innencommunity generieren, wie zum Beispiel <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://forvo.com"><italic>forvo.com</italic></ext-link>, nicht erf&#252;llen. Dort findet man oft mehrere Suchergebnisse zu einem Lemma, die in vielen F&#228;llen keine in G&#228;nze eindeutige Aussprache erkennen lassen. Sucht man beispielsweise nach der Aussprache von <italic>Bonbon</italic> auf Deutsch, dann gibt <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://forvo.com"><italic>forvo.com</italic></ext-link> neben drei Audiobeispielen sogar eine phonetische Transkription an (Stand Dezember 2020, vgl. Internetquelle 1). Phonetische Transkriptionen werden auf <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://forvo.com"><italic>forvo.com</italic></ext-link> nicht bei allen Lemmata angegeben, da die Plattform sich haupts&#228;chlich als Sammlung von Audiodateien versteht. Im Hinblick auf das Beispiel <italic>Bonbon</italic> lassen sich in den eingesprochenen Audios bereits beim ersten H&#246;ren unterschiedliche Akzentstelle ausmachen: W&#228;hrend eine Variante auf der ersten Silbe akzentuiert ist, tr&#228;gt eine andere Variante eine Zweitsilbenbetonung und eine dritte Variante enth&#228;lt gleichstarke Akzente auf beiden Silben. In der IPA-Transkription fehlt das Akzentzeichen: [b&#596;&#771;.b&#596;&#771;] (vgl. ebd.), so dass Nutzer*innen auch daraus keinen Hinweis auf die empfohlene Akzentstelle erhalten k&#246;nnen. Gerade f&#252;r Deutschlerner*innen kann ein solches Suchergebnis unbefriedigend sein, da sie mit der Bewertung, welche Aussprachevariante der Standardform entspricht bzw. am h&#228;ufigsten gesprochen wird, allein gelassen werden.</p></list-item>
<list-item><p>Hinzu kommt die Frage nach der Einheitlichkeit der Sprechstimme in den Audioausgaben. Wenn die verschiedenen Eintr&#228;ge von mehreren Stimmen vertont sind, kann es beim Vergleich zweier Lemmata f&#252;r Nutzer*innen schwieriger sein, zu erkennen, welche Unterschiede (z. B. im Grad der Behauchung oder der spezifischen Realisierung eines Wortakzents) lediglich individuell begr&#252;ndet sind und gar keine normphonetische Grundlage haben. Sofern man Berufssprecher*innen zum Einsprechen der Vertonungen engagiert, sollte man bedenken, dass diese m&#246;glicherweise in einigen Jahren, wenn Eintr&#228;ge erg&#228;nzt oder ver&#228;ndert werden sollen, nicht mehr zur Verf&#252;gung stehen. Eine gr&#246;&#223;ere Konstanz in Bezug auf die Unver&#228;nderlichkeit der Sprechstimme bieten TTS-Systeme, da bei diesen die einmal festgelegte Stimme jederzeit und gleichbleibend zur Verf&#252;gung steht.</p></list-item>
</list>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Die Deutsche Aussprachedatenbank (DAD)</title>
<p>Die Deutsche Aussprachedatenbank (DAD) wird seit mehreren Jahren an der Abteilung Sprechwissenschaft und Phonetik der Martin-Luther-Universit&#228;t Halle-Wittenberg in Zusammenarbeit mit der Professur f&#252;r Wirtschaftsinformatik der TH Wildau konzipiert und entwickelt. Die DAD versteht sich als Weiterentwicklung des Deutschen Aussprachew&#246;rterbuchs (DAWB) (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Krech et al. 2010</xref>). Bereits seit 2011 existiert der Datenbestand von &#252;ber 130.000 Lemmata, der aus dem W&#246;rterverzeichnis des DAWB erstellt wurde. Dieser Datenbestand wurde zun&#228;chst einer Qualit&#228;tssicherungskontrolle im Hinblick auf Korrektheit und Vollst&#228;ndigkeit der Eintr&#228;ge sowie auf Systematik und Benutzbarkeit unterzogen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">F&#246;rster 2014</xref>). Nachdem verschiedene Datenbankmanagementsysteme getestet wurden, fiel die Entscheidung, die erste Version der Datenbank als SQLite Datenbank mit Dokuwiki zu erstellen. Die ersten Eintr&#228;ge in dieser Datenbank lassen sich auf 2017 datieren. Aufgrund der unter 3.1 genannten Kriterien f&#252;r die Audioausgabe wurde festgelegt, dass die Vertonungen mit Hilfe eines TTS-Systems generiert werden soll. Hierf&#252;r mussten die vorliegenden Daten zun&#228;chst aufbereitet und um weitere Metadaten erg&#228;nzt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Drechsel 2020</xref>). Aktuell (Stand: Dezember 2020) ist die Datenbank nur eingeschr&#228;nkt f&#252;r registrierte Nutzer*innen (haupts&#228;chlich Studierende, Doktorand*innen sowie die Redakteur*innen) zug&#228;nglich. Seit Mitte des Jahres 2020 wird die Datenbank mit Unterst&#252;tzung der Professur f&#252;r Wirtschaftsinformatik der TH Wildau in eine MySQL-Datenbank mit <italic>Django</italic> &#252;bertragen, um die Schw&#228;chen, die mit dem alten Datenbanksystem verbunden waren, zu &#252;berwinden, um mehr Anwender*innenfreundlichkeit zu gew&#228;hrleisten und um zus&#228;tzliche Funktionen anbieten zu k&#246;nnen. Nach der &#220;bertragung sollte die Deutsche Aussprachedatenbank gegen Ende 2021 f&#252;r Internetnutzer*innen zug&#228;nglich sein.</p>
<p>Es sollen nun einige Ausf&#252;hrungen zur Nutzung der DAD folgen: Auf der Startseite der Datenbankanwendung dominiert das Suchfeld (vgl. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>), &#252;ber das man mit Hilfe von Eingaben die Datenbank durchsuchen kann. Bereits w&#228;hrend der Eingabe eines Lemmas werden Suchvorschl&#228;ge angezeigt, wie es Internetnutzer*innen auch von anderen Suchmaschinen gewohnt sind. Weiterhin kann man &#252;ber die Seitenleiste der Startseite auf Unterseiten mit Nutzungshinweisen und theoretischen Hintergrundinformationen gelangen. Im Suchfeld kann man sowohl nach der graphematischen Repr&#228;sentation der Eintr&#228;ge suchen, als auch nach IPA- und SAMPA-Transkriptionen. Dadurch ist es m&#246;glich, dass man gezielt nach Eintr&#228;gen mit bestimmten Lautfolgen sucht.</p>
<fig id="F1">
<label>Abbildung 1</label>
<caption>
<p>Startseite der Deutschen Aussprachedatenbank</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g1.png"/>
</fig>
<p>Durch Einengung der Suche mit Hilfe der Suchfeldsyntax kann zudem die Position der Lautfolge innerhalb des Lemmas festgelegt werden. Damit die Eingabe der Transkriptionszeichen erleichtert wird, ist es den Anwender*innen m&#246;glich, unterhalb des Suchfeldes ein IPA-Keyboard auszuklappen, in dem alle Vokale und Konsonanten sowie ausgew&#228;hlte Diakritika und weitere Symbole des Internationalen Phonetischen Alphabets enthalten sind (vgl. <xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>).</p>
<fig id="F2">
<label>Abbildung 2</label>
<caption>
<p>Ausklappbares virtuelles IPA-Keyboard auf der DAD-Startseite</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g2.png"/>
</fig>
<p>Je nach Eingabe werden dann das Suchergebnis bzw. die Suchergebnisse angezeigt. Beispielsweise ergibt die Suche nach &lt;Forsythie&gt; lediglich einen Treffer, wohingegen die Suche nach &lt;Kaktus&gt; mehrere Treffer ergibt, darunter <italic>Kaktusfeige</italic> und <italic>Echinokaktus</italic>. Klickt man das gesuchte Lemma an, gelangt man zur Seite des jeweiligen Datenbankeintrags. Im Folgenden wird anhand des Toponyms <italic>Sachsen-Anhalt</italic> der Aufbau der Datenbankeintr&#228;ge erl&#228;utert.</p>
<p>Der Eintrag besteht aus f&#252;nf Zeilen (vgl. <xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref>). In der ersten Zeile und hervorgehoben steht zun&#228;chst das Lemma in graphematischer Form. Darunter ist die Transkription der Aussprache mit Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets zu finden. Anschlie&#223;end folgen Angaben zur Silbenzahl sowie zum Akzentmuster. Das Akzentmuster spiegelt die Akzentstufenzuweisung wider, die automatisiert anhand komplexer Regeln vorgenommen wurde (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Drechsel 2020: 55-56</xref>). Dieses Vorgehen war insbesondere im Hinblick auf die Sprachsynthese notwendig, damit eine nat&#252;rliche Reproduktion des f&#252;r die deutsche Standardaussprache typischen Rhythmus erreicht werden kann, der aus einem Wechsel von akzentuierten und nicht akzentuierten Silben (schwer-leicht-Struktur) entsteht. Die Stufe 4 im Akzentmuster repr&#228;sentiert die hauptakzentuierte Silbe, von der es pro Lemma lediglich eine gibt. Mit der Stufe 3 werden diejenigen Silben gekennzeichnet, die einen Nebenakzent tragen. Nicht jedes Wort tr&#228;gt einen Nebenakzent, es gibt aber auch W&#246;rter mit mehr als einem Nebenakzent, z. B. einige mehrgliedrige Komposita. Mit einer 2 versehen werden alle Silben, die in der deutschen Standardaussprache akzentuierbar w&#228;ren, im konkreten Wort aber in nicht akzentuierter Position stehen. Die 1 kennzeichnet schlie&#223;lich die Silben, die in neutraler Realisation (nicht emotional, nicht kontrastierend) der Standardaussprache nicht akzentuierbar sind, da sie die Reduktionsvokale [&#601;] oder [&#592;] bzw. nach einer Vokalelision silbische Konsonanten enthalten. In der letzten Zeile des Datenbankeintrags ist erg&#228;nzend zur IPA-Transkription noch die phonetische Umschrift in SAMPA (= Speech Assessment Methods Phonetic Alphabet) festgehalten, da die maschinelle Lesbarkeit des Internationalen Phonetischen Alphabets noch nicht in allen technischen Systemen gew&#228;hrleistet ist. <xref ref-type="fig" rid="F4">Abbildung 4</xref> zeigt den Eintrag des Lemmas <italic>Shampoo</italic>, bei dem es sich um ein Wort mit fremdsprachiger Herkunft handelt, womit weitere Besonderheiten verbunden sind:</p>
<fig id="F3">
<label>Abbildung 3</label>
<caption>
<p>Ausschnitt aus der Deutschen Aussprachedatenbank (Eintrag <italic>Sachsen-Anhalt</italic>)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g3.png"/>
</fig>
<fig id="F4">
<label>Abbildung 4</label>
<caption>
<p>Ausschnitt aus der Deutschen Aussprachedatenbank (Eintrag <italic>Shampoo</italic>)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g4.png"/>
</fig>
<p>Hierbei f&#228;llt zun&#228;chst auf, dass der Eintrag um die Zeile der Herkunftsangabe erweitert wurde. Die Herkunft des Lemmas wird bei allen j&#252;ngeren Entlehnungen angegeben. Au&#223;erdem gibt es im Beispiel <italic>Shampoo</italic> zwei Aussprachevarianten, die sowohl in IPA- als auch in SAMPA-Transkription nebeneinanderstehend angegeben werden. Zuerst wird die st&#228;rker eingedeutschte Form empfohlen, danach die originaln&#228;here (zur Thematik Eindeutschung vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Ebel / Lange / Skoczek 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B25">Krech et al. 2010: 120-125</xref>). Neben den segmentalen Unterschieden k&#246;nnen die angegebenen Varianten auch in der Akzentposition differieren, so auch im Beispiel <italic>Shampoo</italic>. In diesem Fall werden im Datenbankeintrag ebenfalls die sich daraus ergebenden Akzentmustervarianten angegeben.</p>
<p>Die Deutsche Aussprachedatenbank bietet aber nicht nur die M&#246;glichkeit, nach einzelnen Eintr&#228;gen zu suchen, sondern erm&#246;glicht dank diverser Filterfunktionen auch eine gezielte Eingrenzung des Wortbestandes. &#220;ber die erweiterte Suche k&#246;nnen Nutzer*innen sich die gesamte Wortliste in einer mehrspaltigen Tabellenansicht anzeigen lassen. Die Tabelle enth&#228;lt neben graphematischer und phonetischer Form auch die Silbenzahl sowie ggf. die Herkunftsangabe. Ein denkbares Anwendungsszenario dieser &#220;bersicht f&#252;r Deutschlehrende k&#246;nnte folgenderma&#223;en aussehen: F&#252;r einen kurzen Merkspruch zur Aussprache des Graphems &lt;q&gt; sucht man noch ein dreisilbiges Reimwort, das mit &lt;q&gt; beginnen und auf &lt;-ei&gt; enden soll. In der Datenbank kann man unter allen Eintr&#228;gen mit dem Anfangsbuchstaben &lt;q&gt; zun&#228;chst nach dreisilbigen W&#246;rtern filtern und anschlie&#223;end in der IPA-Spalte nach Lemmata suchen, die die Lautkombination [kv&#805;*a&#603;&#815;] enthalten. Der Asterisk steht in der Suchfeldsyntax stellvertretend f&#252;r beliebig viele Zeichen, die zwischen den konkret angegebenen Lauten vorkommen k&#246;nnen. Das Ergebnis trifft zwar noch nicht zu 100 % auf die angegebenen Kriterien zu, wie aus <xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5</xref> ersichtlich wird, da in der Suchfeldsyntax der aktuellen Datenbankversion nicht angegeben werden kann, dass &lt;-ei&gt; ausschlie&#223;lich auslautend vorkommen soll. Dennoch sind die neun gefilterten Lemmata gut &#252;berschaubar und es sollte sich ein passendes Wort f&#252;r den Merkspruch finden lassen.</p>
<fig id="F5">
<label>Abbildung 5</label>
<caption>
<p>Ergebnis mehrerer Filter- und Sucheinstellungen in der erweiterten Suche der DAD</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g5.png"/>
</fig>
</sec>
<sec>
<title>3.3 Zuk&#252;nftige Erweiterungen der DAD</title>
<p>Mit der derzeit laufenden &#220;bertragung der Aussprachedatenbank in das neue Datenbanksystem werden derzeit erste Schwachstellen beseitigt. Diese betreffen vor allem die Anwender*innenfreundlichkeit, da der Aufbau der Seiten sehr lang dauert, die Responsivit&#228;t f&#252;r verschiedene Endger&#228;te nicht gegeben ist und das Design wenig individuelle Anpassungen erm&#246;glicht. Dar&#252;ber hinaus sind f&#252;r die n&#228;chsten Jahre Erweiterungen in gr&#246;&#223;erem Umfang geplant:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Der wichtigste Punkt ist die Erg&#228;nzung aller Eintr&#228;ge mit Vertonungen. Hierf&#252;r werden aktuell verschiedene TTS-Systeme getestet, um herauszufinden, welches den Anforderungen (vgl. 3.1) am besten entspricht.</p></list-item>
<list-item><p>Einen Mehrwert k&#246;nnen auch Verlinkungen aus der Datenbank heraus zu anderen Webseiten darstellen. Beispielweise sind Links zu lexikographischen oder etymologischen Angeboten denkbar.</p></list-item>
<list-item><p>Die Gruppierung des Wortbestandes k&#246;nnte es Anwender*innen erlauben, gezielt Lemmata aus bestimmten Kategorien angezeigt zu bekommen. Hierf&#252;r sind verschiedene Einteilungen vorstellbar. So w&#228;re es m&#246;glich, alle W&#246;rter des Grundwortschatzes nach Lerner*innenniveaus zu sortieren. Ebenso k&#246;nnten Begriffe, die man in bestimmten Situationen h&#228;ufig nutzt, zusammengefasst werden (im Restaurant, beim Arzt, Fachbegriffe aus dem Bereich Politik, chemische Elemente, Toponyme, Sportler*innennamen etc.). Da die Datenbankstruktur es erlaubt, einzelne Eintr&#228;ge mehreren verschiedenen Gruppen zuzuordnen, g&#228;be es aus technischer Sicht zumindest keine Einschr&#228;nkungen bez&#252;glich der Anzahl solcher Sammlungen.</p></list-item>
<list-item><p>Au&#223;erdem soll die DAD um flektierte Formen erweitert werden. Insbesondere f&#252;r Deutschlerner*innen ist beispielsweise nicht nur die Aussprache des Verbinfinitivs relevant, sondern vor allem die Flexionen. Zu nennen w&#228;re hier exemplarisch der Vokalwechsel von &lt;sprechen&gt; zu &lt;du sprichst&gt; und &lt;du sprachst&gt;, der mit einer Ver&#228;nderung des nachfolgenden Frikativs verbunden ist, da &lt;ch&gt; lediglich nach Vorderzungenvokalen als [&#231;] realisiert wird, nach Mittel- und Hinterzungenvokalen jedoch als [x]: [&#643;p&#641;&#805;&#712;&#603;&#231;n&#809;] &#8211; [du&#720; &#643;p&#641;&#805;&#618;&#231;st] &#8211; [du&#720; &#643;p&#641;&#805;a&#720;xst]. Diese Erweiterungen sollten dann nat&#252;rlich ebenfalls mit Vertonungen erg&#228;nzt werden.</p></list-item>
</list>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4. Nutzung der Deutschen Aussprachedatenbank im DaF/DaZ-Unterricht</title>
<p>Die phonetische Beschreibung des Standarddeutschen geh&#246;rt zu den kanonischen Inhalten der Auslandsgermanistik. Zumeist wird der Bereich der artikulatorischen Phonetik im Rahmen des Seminars <italic>Einf&#252;hrung in die germanistische Linguistik</italic> oder <italic>der beschreibenden Grammatik</italic> behandelt. Im Bachelor-Studium werden dar&#252;ber hinaus praktische &#220;bungen zur deutschen Aussprache angeboten. Die Anzahl der Semesterwochenstunden variiert allerdings je nach Modulgestaltung der jeweiligen Bildungseinrichtung. Separate Lehrveranstaltungen, die den phonetisch-phonologischen Einf&#252;hrungen gewidmet werden, sind selten. In diesem Lehrkontext wird auch die phonetische Transkription vermittelt. Entweder macht sie einen seminarbegleitenden Bestandteil eines Aussprachekurses aus oder sie stellt einen Schwerpunkt der beschreibenden Grammatik dar. Die Fertigkeit der Transkription im Fach Deutsch als Fremdsprache beschr&#228;nkt sich h&#228;ufig lediglich auf die Vermittlung von Beziehungen zwischen Graphemen und IPA-Symbolen. Hierdurch wird das Transkribieren bedauerlicherweise zum Transliterieren aus der orthografischen Notation in die phonetische Schrift. Die Fertigkeit nimmt daher einen mechanischen Charakter an, indem eine Illusion von konstanten Lautungsformen ohne Variationspotenzial vermittelt wird. Doch auch dieses Potenzial geh&#246;rt zur Normphonetik und sollte ebenfalls als Ziel der Transkriptionslehre angesetzt werden.</p>
<p>Die modernen Deutschkurse und somit auch die daf&#252;r konzipierten Lehr- und &#220;bungsb&#252;cher setzen auf einen handlungsorientierten Fremdsprachenunterricht. Deutschlernende sollen von der ersten Lektion an zur kommunikativen Interaktionen bef&#228;higt werden. Hierbei nimmt die Entwicklung des H&#246;rverst&#228;ndnisses und des Sprechens einen zentralen Stellenwert im didaktischen Prozess ein. Beide Sprachfertigkeiten sind mit der phonischen Ebene der Sprache untrennbar verbunden. Demzufolge werden Versuche unternommen, das Aussprachetraining in die Lehrwerkkonzeption zu integrieren. Lernende werden je nach dem eingesetzten Lehrwerk dadurch mit IPA-Symbolen mehr oder minder konfrontiert, zumal sie oft Deutsch nach Englisch lernen, f&#252;r das aufgrund der gr&#246;&#223;eren Diskrepanz zwischen Aussprache und Schreibung das IPA-System einen hohen Stellenwert hat. Der Erwerb der phonetischen Kompetenz im DaF/DaZ-Unterricht ist &#252;berdies unabdingbar f&#252;r die F&#246;rderung der Lernerautonomie beim Umgang mit Aussprachekodizes und somit f&#252;r eine erfolgreiche Anwendung des neuen Wortschatzes in der sprechsprachlichen Kommunikation (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Piccardo 2016</xref>). Da es zurzeit an einem wissenschaftlich fundierten Aussprachekodex mit &#246;ffentlichem Zugang im Internet fehlt, f&#252;llt die Deutsche Aussprachedatenbank passgenau diese L&#252;cke. Somit ist sie als &#8218;Tool&#8216; jederzeit griffbereit und k&#246;nnte zu einem gern genutzten Lernmittel im Fremdsprachenunterricht werden. Ein Vergleich mit zwei weiteren bestehenden digitalen orthoepischen Angeboten soll im Folgenden die St&#228;rken der Deutschen Aussprachedatenbank hervorheben.</p>
<sec>
<title>4.1 Popul&#228;re Referenzwerke mit Ausspracheangaben im Fach DaF</title>
<p>Zu den bekanntesten Referenzwerken, die sich unter den Auslandsgermanisten besonders gro&#223;er Beliebtheit erfreuen und in denen die Aussprache deutscher W&#246;rter und Namen nachgepr&#252;ft werden kann, z&#228;hlen:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p><italic>PONS Online-W&#246;rterbuch (PONS)</italic> (Internetquelle 2),</p></list-item>
<list-item><p><italic>DUDEN-Aussprachew&#246;rterbuch (DUDEN-AWB)</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Kleiner / Kn&#246;bl / Mangold 2015</xref>) und seine digitale Fassung,</p></list-item>
<list-item><p><italic>Deutsches Aussprachew&#246;rterbuch (DAWB)</italic>.</p></list-item>
</list>
<p>Vorab muss hervorgehoben werden, dass keins der erw&#228;hnten Referenzwerke als Lehrmaterial zum dauerhaften Einsatz im Unterricht Deutsch als Fremdsprache konzipiert wurde. Die zurzeit entwickelte elektronische Version des DAWB, also die oben dargestellte und aktuell nur zum internen Gebrauch verf&#252;gbare <italic>Deutsche Aussprachedatenbank (DAD)</italic>, gilt als k&#252;nftige Zielfassung, deswegen wird ihr Potenzial f&#252;r den Einsatz im DaF/DaZ-Unterricht im vorliegenden Beitrag auch in Betracht gezogen.</p>
<p>Deutschlernende greifen besonders gerne auf das zweisprachige <italic>PONS Online-W&#246;rterbuch</italic> zur&#252;ck. Die Suche nach Stichw&#246;rtern kann direkt auf der Webseite <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://pons.com"><italic>pons.com</italic></ext-link> durch deren Eingabe in die Suchmaske erfolgen. Den Nutzer*innen steht &#252;berdies seit 2008 eine App zur Verf&#252;gung. Das W&#246;rterbuch bietet f&#252;r 20 Sprachen 42 &#220;bersetzungskombinationen. Je nach bilingualer Kombination werden die Stichw&#246;rter auch mit transkribierten Ausspracheangaben in IPA aufgezeigt. Dar&#252;ber hinaus besteht die M&#246;glichkeit, die Aussprache der Stichw&#246;rter mit einem TTS-System von <italic>Linguatec</italic> abzuspielen. Das <italic>PONS Online-W&#246;rterbuch</italic> bietet f&#252;r Deutschlehrende und -lernende zudem auch eine einsprachige Version an. Hier liegen zahlreiche Anwendungsbeispiele, g&#228;ngige Derivate und Komposita sowie Phraseologismen vor. Leider fehlen in dieser Fassung die IPA-Transkriptionen.</p>
<p>Germanistikstudierende nutzen f&#252;r ihr Studium au&#223;erdem gezielt Aussprachekodizes wie das <italic>Duden-Aussprachew&#246;rterbuch</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Kleiner / Kn&#246;bl / Mangold 2015</xref>) und das <italic>Deutsche Aussprachew&#246;rterbuch</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Krech et al. 2010</xref>). Die 7. Auflage des Duden-Aussprachew&#246;rterbuchs (Band 6 der Duden-Reihe) erschien neben der traditionellen Buchform ebenfalls als digitale Variante, die den Nutzer*innen eine schnelle und bequeme Recherche im Kodex erm&#246;glicht. Leider werden darin nur ausgew&#228;hlte Stichw&#246;rter mit Audiobeispielen versehen. Wegen der gro&#223;en Bekanntheit der gesamten Duden-Reihe gilt der Band 6 unter den Auslandsgermanist*innen und Deutschlehrer*innen als Referenzwerk, auf das im universit&#228;ren Bereich in erster Linie verwiesen wird.</p>
<p>Das <italic>Deutsche Aussprachew&#246;rterbuch</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Krech et al. 2010</xref>) wird oft im Germanistikstudium u. a. wegen der Transparenz der phonetisch-phonologischen Systematisierung des Standarddeutschen als Basismaterial benutzt. Da viele Lehrmaterialen sowie Lehrb&#252;cher zur deutschen Phonetik auf den im Kodex vorhandenen Ausspracheangaben und auf dem umfangreichen Theorieteil basieren, ist der Bezug auf dieses Werk auch in sprachpraxisorientierten Lehrveranstaltungen begr&#252;ndet. Die kontinuierliche Entwicklung des DAWB, seine wissenschaftliche Fundierung sowie die laufenden Digitalisierungsarbeiten mit der &#220;berf&#252;hrung in die <italic>Deutsche Aussprachedatenbank</italic> machen zugegebenerma&#223;en diesen Aussprachekodex in seinem neuen Format zu einem unerl&#228;sslichen Werkzeug im Fach Deutsch als Fremdsprache. Exempli verbi lassen sich einige Vorteile der DAD schon in der noch unvollendeten Version veranschaulichen, vor allen Dingen, wenn man sie den anderen aktuellen Referenzwerken, auf die bereits Bezug genommen wurde, gegen&#252;berstellt. Bei der &#220;berpr&#252;fung der Aussprache von Komposita wie beispielsweise <italic>Musikunterricht, Deutschunterricht</italic> oder <italic>Hausaufgabe</italic>, die in vielen Lehrwerken f&#252;r das Sprachniveau A1 vorkommen, sto&#223;en die Nutzer*innen des Deutschen als Zweit- und Fremdsprache im Duden-AWB und im PONS auf verschiedene Stolpersteine. In einigen expliziten Derivationen z. B. <italic>Ausarbeitung</italic> oder Determinativkomposita, z. B. <italic>Musikunterricht, Deutschunterricht, Hausaufgabe</italic> kommt es zum Zusammensto&#223; der Akzentsilben der einzelnen Komponenten. Aus sprechrhythmischen Gr&#252;nden kommt es in solchen F&#228;llen zur Verschiebung des Nebenakzentes auf die n&#228;chste akzentuierbare Silbe im Grundwort. Diese Wortgruppe wird allerdings irregul&#228;r im PONS Online-W&#246;rterbuch und im Duden-Aussprachew&#246;rterbuch aufgef&#252;hrt.</p>
<p>Im W&#246;rterverzeichnis des Duden-AWB finden sich entweder etablierte Zusammensetzungen, die durch die Unmotiviertheit dieser Sprachzeichen wie Simplizia behandelt werden, oder solche, die zu einem Fachwortschatz geh&#246;ren. Komposita mit dem oben genannten phonetischen Ph&#228;nomen sollte jedoch in einem Aussprachekodex oder in einem W&#246;rterbuch f&#252;r das Fach DaF zweifelsfrei Ber&#252;cksichtigung finden. Im Duden-Aussprachew&#246;rterbuch (vgl. <xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>) fehlen beispielsweise Stichw&#246;rter wie <italic>Hausaufgabe</italic> oder <italic>Musikunterricht</italic>, die zum A1-Wortschatz geh&#246;ren. Selbst vom Kompositum <italic>Deutschunterricht</italic>, das im Duden-AWB vorkommt, k&#246;nnen solche Akzentverschiebung per Analogie nicht abgeleitet werden, denn der Nebenakzent wird im Grundwort gar nicht kenntlich gemacht. In der digitalen Version, die den Nutzenden des Duden-AWB zum Download angeboten wird, werden &#252;berdies nur ausgew&#228;hlte Stichw&#246;rter mit H&#246;rbeispielen versehen. Nach welchen Kriterien diese Wahl getroffen wurde, wird ebenfalls im Kodex nicht expliziert.</p>
<fig id="F6">
<label>Abbildung 6</label>
<caption>
<p>Ausspracheangabe f&#252;r die Stichw&#246;rter <italic>Unterricht, Aufgabe</italic> und <italic>Deutschunterricht</italic> im Duden-Aussprachew&#246;rterbuch (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Kleiner / Kn&#246;bl / Mangold 2015</xref>, digitale Version)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g6.png"/>
</fig>
<p>Im PONS-W&#246;rterbuch (vgl. <xref ref-type="fig" rid="F7">Abb. 7</xref>) werden hingegen lediglich einfache W&#246;rter transkribiert. Die Determinativkomposita, in denen die Akzentverschiebung zustande kommt, werden genauso wie sonstige zusammengesetzte W&#246;rter behandelt. Sie werden weder transkribiert noch wird der Nebenakzent sonst irgendwie kenntlich gemacht. Deutschlernende Nutzer*innen k&#246;nnten dadurch davon ausgehen, dass eine Zusammenf&#252;hrung beider Komponenten und die Anwendung der allgemeinen Akzentregel f&#252;r Determinativkomposita gen&#252;gen, W&#246;rter wie <italic>Musikunterricht</italic> oder <italic>Hausaufgabe</italic> korrekt zu realisieren. Diese Annahme w&#228;re aus normphonetischer Sicht von Grund auf falsch, weswegen insbesondere zusammengesetzte W&#246;rter mit abweichenden akzentrhythmischen Strukturen, die im Grundwortschatz des GeR vorkommen, in W&#246;rterverzeichnissen derartiger Sprachkodizes erfasst werden sollten. Auch die im PONS-W&#246;rterbuch vorhandenen H&#246;rbeispiele l&#246;sen das Problem der Aussprache von komplexen lexikalischen Strukturen im Augenblick noch nicht, denn die synthetisierten Audioausgabedateien lassen vor allem im Hinblick auf ihre prosodische Struktur zu w&#252;nschen &#252;brig und sind f&#252;r Deutschlernende nur bedingt hilfreich.</p>
<fig id="F7">
<label>Abbildung 7</label>
<caption>
<p>Ausspracheangabe f&#252;r die Stichw&#246;rter <italic>Unterricht, Musik</italic> und <italic>Sprachunterricht</italic> sowie <italic>Haus, Aufgabe</italic> und <italic>Hausaufgabe</italic> im PONS Onlinew&#246;rterbuch (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://de.pons.com">https://de.pons.com</ext-link>, 27.08.2021)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g7.png"/>
</fig>
<p>Die Ausspracheangaben in der DAD liefern den Deutschlernenden dank einer detailreicheren Lautumschrift mehr Informationen als die Transkriptionen im Duden-AWB und im PONS. In der DAD stehen den Nutzer*innen in den vollst&#228;ndigen Transkriptionen der Komposita neben den markierten Haupt- und Nebenakzenten viele zus&#228;tzliche Informationen hinsichtlich der Aussprache zur Verf&#252;gung. Deutschlernende k&#246;nnen erkennen, dass die Komponenten in beiden Zusammensetzungen nicht zusammengebunden ausgesprochen werden, sondern der wortanlautende Vokal des Grundwortes mit einem Vokalneueinsatz zu sprechen ist.</p>
<fig id="F8">
<label>Abbildung 8</label>
<caption>
<p>Ausspracheangabe f&#252;r die Stichw&#246;rter <italic>Musikunterricht</italic> und <italic>Hausaufgabe</italic> in der Deutschen Aussprachedatenbank (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://dad.sprechwiss.uni-halle.de">https://dad.sprechwiss.uni-halle.de</ext-link>, 27.08.2021)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g8.png"/>
</fig>
<p>Neben der Position von Haupt- und Nebenakzenten in der Zusammensetzung wird beispielsweise auch der progressiv entstimmlichte Lenis-Konsonant mit dem Diakritikum [ &#805; ] gekennzeichnet. Au&#223;erdem werden weitere lautliche Ph&#228;nomene vermittelt, wie etwa die Vokalisierung des ersten &lt;r&gt; in <italic>Unte<bold>r</bold>richt</italic>. Sogar Ausspracheangaben f&#252;r mehrgliedrige Komposita sind in der Deutschen Aussprachedatenbank zu finden. Drei- und vierteilige Zusammensetzungen, zum Beispiel <italic>Hochleistungssport</italic> [h&#712;o&#720;xla&#603;&#815;st&#650;&#331;s&#643;p&#716;&#596;&#694;t], werden ebenfalls mit Nebenakzenten versehen. In der Transkription dieses Worts kann man auch die Sichtbarmachung der abgeschw&#228;chten Realisation des R-Frikativs durch das hochgestellte Lautzeichen [&#694;] erkennen. Diese prosodischen Eigenschaften lassen sich schwer intuitiv ermitteln und k&#246;nnen Deutschlernenden ohne Fachwissen Probleme bereiten. Mit der Lautumschrift korrespondierende Audiobeispiele w&#252;rden zweifelsohne die Deutschlernenden, die mit der IPA-Transkription wenig vertraut sind, in der Aneignung der korrekten Aussprache unterst&#252;tzen. Die geplanten Vertonungen mittels TTS-Synthese, die einer nat&#252;rlichen Sprechweise nahekommen, werden somit die Nutzbarkeit f&#252;r DaF/DaZ-Lehrende und Lernende zus&#228;tzlich erh&#246;hen.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Beispielhafte Einsatzszenarien der Deutschen Aussprachedatenbank im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache</title>
<p>Sobald phonetische Aspekte im sprachdidaktischen Prozess im Vordergrund stehen, kann die Deutsche Aussprachedatenbank als gute Referenzbasis gelten, auf die Studierende des Deutschen als Zweit- und Fremdsprache im und nach dem Studium zur&#252;ckgreifen k&#246;nnen. Sie l&#228;sst sich dank vieler o. g. Informationen, die man den Transkriptionen und den Metadaten in den Datenbankeintr&#228;gen entnehmen kann, in den didaktischen Prozess einbauen oder ihn bereichern. In der Distanzlehre eignet sich der Einsatz der DAD &#252;berdies gut, weil den Deutschlernenden die DAD, auch in Kombination mit anderen Online-W&#246;rterb&#252;chern, diverse Aufgaben gestellt werden, die ihnen eine vielf&#228;ltige Nutzung unterbreiten, und sie im Umgang mit diesen Tools vertraut machen. Aus der praktischen Erfahrung ist das eine Kompetenz, die Lernenden ebenfalls vermittelt werden sollte. Nachstehend werden somit einige &#220;bungsformen veranschaulicht, die sich in Einzel- bzw. Gruppenarbeit durchf&#252;hren lassen. Die vorgeschlagenen &#220;bungen sollten unter der Leitung des Lehrenden durchgef&#252;hrt werden.</p>
<p>In den g&#228;ngigen Lehrwerken, z. B. im Kursbuch Menschen A1 (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Evans / Pude / Specht 2012: 20</xref>), werden in den Anfangslektionen Aspekte wie Herkunft, Wohnort, Sprachen ber&#252;hrt. Erg&#228;nzend zu diesen Themen k&#246;nnte eine Aussprache&#252;bung integriert werden, in der man auf den Wortschatz der einzelnen Lektion zur&#252;ckgreift (<xref ref-type="fig" rid="F9">Abbildung 9</xref>).</p>
<fig id="F9">
<label>Abbildung 9</label>
<caption>
<p>Beispielaufgabe 1</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g9.png"/>
</fig>
<p>Aufgabe 1 eignet sich zweifelsohne als eine &#220;bungsform, die auch zum Basislehrwerk in Deutschkursen eingesetzt werden kann. Deutschstudierenden und Deutschlernenden wird zielf&#252;hrend bewusst gemacht, dass sich die Akzentsilben in den Derivaten ver&#228;ndern. Dar&#252;ber hinaus wird das Augenmerk auf die IPA-Transkription gelenkt. Es kann somit eine passive Kenntnis der Buchstaben-Laut-Beziehungen vermittelt werden. Diese &#220;bung kann selbstverst&#228;ndlich als Ausgang f&#252;r weitere kommunikative &#220;bungen in der Gruppe dienen, indem man die Kursteilnehmer*innen beispielsweise folgende Fragen beantworten l&#228;sst: Welche Sprache findest du / finden Sie schwer? Welche Sprache findest du / finden Sie leicht? Sprichst du / Sprechen Sie Chinesisch?</p>
<p>Aufgabe 2 (<xref ref-type="fig" rid="F10">Abbildung 10</xref>) ist eher auf Lernende bzw. Studierende mit fortgeschrittenem Sprachniveau zugeschnitten, deswegen kann sie in Seminaren oder in praktischen &#220;bungen mit dem Fokus deutsche Phonetik verwendet werden. Durch den induktiven Charakter kann diese &#220;bung in Gruppenarbeit durchgef&#252;hrt werden.</p>
<fig id="F10">
<label>Abbildung 10</label>
<caption>
<p>Beispielaufgabe 2</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g10.png"/>
</fig>
<p>Nach dieser &#220;bung kann im Plenum &#252;ber die Akzentregeln der W&#246;rter mit dem Pr&#228;fix <italic>miss-</italic> gesprochen werden. Eine einfachere Variante w&#228;re ein L&#252;ckentext mit Regeln, in dem entweder korrekte Antworten anzukreuzen sind oder die W&#246;rter in den L&#252;cken von Deutschlernenden erg&#228;nzt werden sollen.</p>
<p>Beispielaufgabe 3 (<xref ref-type="fig" rid="F11">Abbildung 11</xref>) verlangt von den Studierenden linguistisches Vorwissen und kann zur Vertiefung oder Festigung der phonetischen Inhalte dienen. Sie kann in einem mehrstufigen Ablauf erfolgen. Das Hauptziel dieser &#220;bung ist die Vermittlung der normphonetischen Transkription der r-Laute. Bei dieser komplexen Aufgabe k&#246;nnen Lernende zuerst die kursiv gedruckten W&#246;rter transkribieren und die IPA-Transkriptionen der S&#228;tze A&#8211;D in einen orthografischen Text umwandeln. Danach kann der L&#252;ckentext sinngem&#228;&#223; erg&#228;nzt werden. Abschlie&#223;end k&#246;nnen die Transkriptionsregeln f&#252;r die R-Laute in tabellarischer Form pr&#228;sentiert werden. In Form einer einfachen Nachsprech&#252;bung k&#246;nnen die W&#246;rter wiederholt werden. Zur Aktivierung des phonetischen Vorwissens l&#228;sst sich leicht mit dem Wortschatz eine Identifikations&#252;bung aufbauen, indem Lernende beim H&#246;ren eines vokalischen R aufstehen und beim H&#246;ren eines konsonantischen R sitzen bleiben.</p>
<fig id="F11">
<label>Abbildung 11</label>
<caption>
<p>Beispielaufgabe 3</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g11.png"/>
</fig>
<p>Als Variante f&#252;r diese &#220;bung k&#246;nnten zwei K&#228;rtchen mit verschiedener Farbe genutzt werden, auf diese Weise w&#228;re die &#220;bung auch in der Online-Lehre anwendbar. Diese &#220;bung kann als Vorbereitung und Sensibilisierung f&#252;r das komplexe Thema sprachniveauunabh&#228;ngig durchgef&#252;hrt werden. F&#252;r ein Seminar zur Normphonetik oder in einem Aussprachekurs k&#246;nnte folgende Aufgabe dienen (<xref ref-type="fig" rid="F12">Abbildung 12</xref>):</p>
<fig id="F12">
<label>Abbildung 12</label>
<caption>
<p>Beispielaufgabe 4</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-1-2-ebel-g12.png"/>
</fig>
<p>Der Einsatz der Deutschen Aussprachedatenbank in der Auslandsgermanistik macht Deutschstudierende im Umgang mit diesem Tool vertraut. Aus linguistischer Sicht kann sich diese Arbeit mit fortgeschrittenen Germanistikstudent*innen auch auf die Auseinandersetzung mit den Metadaten erstrecken und zur Projektarbeit im Rahmen von Masterseminaren animieren.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5. Fazit</title>
<p>Die &#220;berf&#252;hrung des Deutschen Aussprachew&#246;rterbuchs (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Krech et al. 2010</xref>) in eine Online-Datenbank ist ein logischer Schritt im Zeitalter der Digitalisierung, der eine Reihe von Vorteilen f&#252;r Anwender*innen und Redakteur*innen mit sich bringt. Die DAD kann in Kombination mit Lehrwerken und anderen Online-Ressourcen den Deutschunterricht sowie Seminare im germanistischen Studium attraktiver machen. Deutschlehrende k&#246;nnen die DAD f&#252;r ihre didaktischen Zwecke einsetzen, um das phonetische Bewusstsein ihrer Lernenden von Anfang an zu f&#246;rdern.</p>
<p>Aussprachedatenbanken k&#246;nnen als Hilfsmittel f&#252;r die Produktion und die Rezeption im Fremdsprachenunterricht benutzt werden und das autonome Lernen f&#246;rdern. Die DAD kann dabei als seri&#246;se Informationsquelle empirisch fundierte Hinweise zu einem pr&#228;zisen und normkonformen Sprachgebrauch geben. F&#252;r den Unterricht in DaF, DaZ und auch DaM sollte diese Referenzquelle daher von Bedeutung sein.</p>
</sec>
</body>
<back>
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<title>Literatur und Ressourcen</title>
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<title>Kurzbios</title>
<p><bold>Alexandra Ebel</bold> studierte Sprechwissenschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Interkulturelle Wissenskommunikation an der Martin-Luther-Universit&#228;t Halle-Wittenberg. An dieser Universit&#228;t wurde sie 2015 im Fach Sprechwissenschaft und Phonetik mit einer Arbeit zur Eindeutschung russischer Namen promoviert. Aktuell arbeitet sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und lehrt und forscht zu Themen der auditiven, akustischen und kontrastiven Phonetik, Orthoepie, Lernvideos auf YouTube sowie zur Konzeption der Deutschen Aussprachedatenbank (DAD). Daneben ist sie Redaktionsmitglied der Fachzeitschrift &#8230;sprechen&#8220;.</p>
<p><bold>Robert Skoczek</bold> ist Phonetiker, Linguist und vereidigter Dolmetscher. Er hat Germanistik an den Universit&#228;ten in Lublin und Rostock studiert. Sein Promotionsstudium in Jena und Lublin schloss er 2008 ab und erwarb die Doktorw&#252;rde auf dem Gebiet der deutschen Phonetik. Nach seiner Habilitation an der Abteilung Sprechwissenschaft und Phonetik der Martin-Luther-Universit&#228;t Halle-Wittenberg ist er dort seit 2019 als Vertretungsprofessor t&#228;tig. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen in der Sprech- und Sprachwissenschaft sowie im Bereich Deutsch als Fremdsprache.</p>
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