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<journal-title>Zeitschrift Korpora Deutsch als Fremdsprache</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/tujournals-56</article-id>
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<article-title>RECHTSSPRACHENBEZOGENE WISSENSVERMITTLUNG Zum Einsatz von <italic>GeLeCo</italic> in der &#220;bersetzerausbildung<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref></article-title>
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<surname>Wiesmann</surname>
<given-names>Eva</given-names>
<prefix>Prof. Dr. phil.</prefix>
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<email>eva.wiesmann@unibo.it</email>
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<aff id="aff-1">Universit&#228;t Bologna, Dipartimento di Interpretazione e Traduzione, Corso della Repubblica 136, I-47121 Forl&#236;</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2022-07-27">
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<abstract>
<p>Der Umgang mit Korpora ist ein wesentlicher Bestandteil des &#220;bersetzungsunterrichts geworden, besonders dann, wenn dieser die Fach&#252;bersetzung zum Gegenstand hat. In diesem Beitrag wird anhand des am <italic>Dipartimento di Interpretazione e Traduzione</italic> (<italic>DIT</italic>) der Universit&#228;t Bologna erstellten, &#246;ffentlich zug&#228;nglichen und aus deutschen Gesetzen, Verwaltungsvorschriften und Gerichtsurteilen zusammengesetzten Korpus <italic>GeLeCo</italic> gezeigt, welchen Beitrag zur rechtssprachenbezogenen Wissensvermittlung dieses Korpus bei allen Besonderheiten der Rechtssprache leisten und wie es gewinnbringend f&#252;r die &#220;bersetzung von Rechtstexten aus dem Italienischen ins Deutsche eingesetzt werden kann. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang die Definitionen und Kollokationen rechtssprachlicher Ausdr&#252;cke, aber auch die an die im Korpus vertretenen Textsorten gebundenen lexikalisch-syntaktischen Mittel.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p>Dealing with corpora has become an essential part of translation pedagogy, especially when specialised translation is concerned. This paper shows how the publicly available corpus <italic>GeLeCo</italic>, which was been created at the <italic>Dipartimento di Interpretazione e Traduzione</italic> (<italic>DIT</italic>) of the University of Bologna and consists of German laws, administrative regulations and court decisions, can contribute, given the peculiarities of legal language, to the transfer of legal language-related knowledge and how it can be profitably used for the translation of legal texts from Italian into German. Of particular interest in this context are not only the definitions and collocations of legal terms, but also the lexical-syntactic peculiarities specific to the text types represented in the corpus.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Rechts&#252;bersetzung</kwd>
<kwd>Rechtstexte</kwd>
<kwd>Rechtssprache</kwd>
<kwd>&#220;bersetzungsdidaktik</kwd>
<kwd>korpusgest&#252;tzte Wissensvermittlung</kwd>
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<kwd>legal translation</kwd>
<kwd>legal texts</kwd>
<kwd>legal language</kwd>
<kwd>translation pedagogy</kwd>
<kwd>corpus-based knowledge transfer</kwd>
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<disp-quote>
<p><italic>I valori devono vivere in spazi liberi e pubblici di confronto</italic>.</p>
<p><italic>[Werte brauchen f&#252;r ihren Bestand freie und &#246;ffentliche R&#228;ume der Auseinandersetzung</italic>. &#220;bers. E.W.]</p>
<attrib>(Stefano Rodot&#224;)</attrib>
</disp-quote>
<sec>
<title>1. Gegenstand und Zielsetzung</title>
<p>Der Einsatz von Korpora ist aus der &#220;bersetzungsdidaktik nicht mehr wegzudenken<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref>. Dies gilt insbesondere f&#252;r den Fach&#252;bersetzungsunterricht, zumal Korpora bei der &#220;bersetzung von Fachtexten einen wichtigen Beitrag zur Effizienzsteigerung leisten<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>. Zwar ist die Rechtssprache eine besondere Fachsprache, die sich u.a. durch ihre enge Bindung an die jeweilige Rechtsordnung auszeichnet, was in &#252;bersetzungsmethodischer Hinsicht zwangsl&#228;ufig mit Methoden der Verfremdung einhergeht. Dennoch lassen sich Korpora von Rechtstexten sehr gewinnbringend in der &#220;bersetzungsdidaktik &#8211; und entsprechend auch in der &#220;bersetzungspraxis &#8211; einsetzen.</p>
<p>In diesem Aufsatz wird gezeigt, welchen Beitrag zur rechtssprachenbezogenen Wissensvermittlung ein Korpus wie <italic>GeLeCo</italic> (<italic>German Legal Corpus</italic>) f&#252;r die &#220;bersetzung von Rechtstexten aus dem Italienischen ins Deutsche leisten kann. Das am <italic>Dipartimento di Interpretazione e Traduzione</italic> (<italic>DIT</italic>) der Universit&#228;t Bologna im Jahr 2021 erstellte und seither &#246;ffentlich zug&#228;ngliche Korpus<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> umfasst alle Gesetze, Verwaltungsvorschriften und Gerichtsurteile der einschl&#228;gigen deutschen (im Sinne von bundesdeutschen) Websites<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> und kann &#252;ber die Online-Plattform von <italic>NoSketch Engine</italic><xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> abgefragt werden.</p>
<p>Um ein besseres Verst&#228;ndnis f&#252;r die Besonderheiten der Rechts&#252;bersetzung und die betreffenden &#220;bersetzungsmethoden zu schaffen, werden diese zun&#228;chst mit Fokus auf die &#220;bersetzung von Rechtstexten aus dem Italienischen ins Deutsche kurz umrissen (2.). Nach der Vorstellung der verschiedenen M&#246;glichkeiten der rechtssprachenbezogenen Wissensvermittlung, von denen die im Rahmen des &#220;bersetzungsunterrichts erfolgende eine besondere Bedeutung erlangt (3.), wird auf die Arten von Korpora und deren Einsatz in der &#220;bersetzungsdidaktik eingegangen (4.). Den zentralen Teil des Beitrags bilden die verschiedenen Einsatzm&#246;glichkeiten des Korpus <italic>GeLeCo</italic> im &#220;bersetzungsunterricht mit Fokus auf der Didaktik der Rechts&#252;bersetzung Italienisch-Deutsch (5.). In diesem Zusammenhang werden Nutzen und Grenzen des Korpuseinsatzes diskutiert und v.a. die verschiedenen Abfragem&#246;glichkeiten (auch mit regul&#228;ren Ausdr&#252;cken) vorgestellt, mit denen sich Definitionen, Kollokationen, d.h. charakteristische Wortverbindungen, und an die im Korpus vertretenen Textsorten gebundene lexikalisch-syntaktische Besonderheiten ermitteln lassen. Durch den praxis-orientierten Zuschnitt des Aufsatzes soll der Einsatz des Korpus <italic>GeLeCo</italic> erleichtert werden, das auch f&#252;r alle anderen Rechts&#252;bersetzungen mit Deutsch als Ziel- und Ausgangssprache geeignet ist, sofern unter Deutsch die an die bundesdeutsche Rechtsordnung gebundene Rechtssprache zu verstehen ist.</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Besonderheiten der Rechts&#252;bersetzung</title>
<p>Die Rechts&#252;bersetzung ist bekannterma&#223;en eine besondere Fach&#252;bersetzung, was sich auf die Methoden und Verfahren der &#220;bersetzung, die &#220;bersetzungsdidaktik und die rechtssprachenbezogene Wissensvermittlung als deren Bestandteil auswirkt. Die Besonderheiten der Rechts&#252;bersetzung, zu denen es mittlerweile eine umfassende Forschungsliteratur gibt<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref>, sind zum einen im Gegenstand der &#220;bersetzung und zum anderen in den die &#220;bersetzungssituation ausmachenden Faktoren zu suchen<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref>.</p>
<p>Gegenstand der Rechts&#252;bersetzung ist der Rechtstext mit seinen sprachlich-textuellen Besonderheiten auf der Ebene der Terminologie, der nichtterminologischen Lexik, der Phraseologie, der Syntax, des Stils und der Textsortenkonventionen<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref>. Rechtstexte sind dabei stets an Rechtsordnungen gebunden, die nationale (wie die italienische und die bundesdeutsche), supranationale (wie die des europ&#228;ischen Gemeinschaftsrechts) oder internationale (wie die v&#246;lkerrechtliche) sein k&#246;nnen. Geht es nicht um die &#220;bersetzung von Rechtstexten innerhalb von mehrsprachigen Rechtsordnungen (wie der Schweiz oder Belgien), sondern sollen Rechtstexte einer Rechtsordnung (z.B. der italienischen) f&#252;r Empf&#228;nger aus einer anderen Rechtsordnung (z.B. der bundesdeutschen) &#252;bersetzt werden, m&#252;ssen die sprachlich-textuellen Unterschiede im Zuge der &#220;bersetzung mit den zur Verf&#252;gung stehenden Methoden (zu verstehen als allgemeinen Strategien) und Verfahren (zu verstehen als speziellen Techniken der &#220;bersetzung) &#252;berbr&#252;ckt werden.</p>
<p>Die involvierten Rechtsordnungen sind einer der wichtigsten Faktoren, die sich auf die Methode der &#220;bersetzung auswirken und die sich von den &#252;blichen Einflussfaktoren &#8211; Empf&#228;nger der &#220;bersetzung und &#220;bersetzungszweck &#8211; unterscheiden. Weitere Einflussfaktoren sind das anwendbare Recht, das v.a. im Vertragsrecht, weil dort von den Vertragsparteien festlegbar, eine Rolle spielt, und der rechtliche Status des &#252;bersetzten Textes, der sich von dem des zu &#252;bersetzenden Textes unterscheiden kann und vielfach insofern unterscheidet, als nur letzterer rechtliche Wirkungen entfaltet. W&#228;hrend die Frage, ob der Empf&#228;nger der &#220;bersetzung ein Experte oder ein Laie ist, angesichts der Mehrfachadressiertheit der meisten Rechtstexte kaum eine Rolle spielt, kommt dem &#220;bersetzungszweck, der ein institutioneller<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref>, ein in einem engen institutionellen Zusammenhang stehender<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> oder ein nicht-institutioneller<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> sein kann, in &#252;bersetzungsmethodischer Hinsicht eine besonders wichtige Bedeutung zu. Dies liegt daran, dass die Methode der Bearbeitung, von einer Ausnahme abgesehen, nur bei der &#220;bersetzung zu nicht-institutionellen Zwecken zul&#228;ssig ist, w&#228;hrend die Methoden ansonsten die der Verfremdung und der Einb&#252;rgerung, bei der &#220;bersetzung innerhalb mehrsprachiger Rechtsordnungen z.T. auch die der Koredaktion sind<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref>.</p>
<p>Geht es bei der &#220;bersetzung um den hier mit Blick auf die Einsatzm&#246;glichkeiten von <italic>GeLeCo</italic> interessierenden Fall, dass Rechtstexte der italienischen Rechtsordnung f&#252;r Empf&#228;nger aus der bundesdeutschen Rechtsordnung &#252;bersetzt werden, sind die involvierten Rechtsordnungen zwei und die Zwecke der Rechts&#252;bersetzung &#252;berwiegend institutionelle bzw. in einem engen institutionellen Zusammenhang stehende. Es geht also v.a. darum, betroffene Deutsche &#252;ber die f&#252;r sie relevante italienische Rechtslage zu informieren oder &#8211; z.B. durch die Erbringung des Urkundenbeweises &#8211; die Rechtsanwendung bzw. die Rechtsdurchsetzung zu erm&#246;glichen. In diesen F&#228;llen ist es &#252;berwiegend der Ausgangstext, der rechtliche Wirkungen entfaltet, w&#228;hrend der Zieltext eine rein informative Funktion hat, also dazu dient, die Empf&#228;nger, d.h. den Juristen und seinen Mandanten, &#252;ber den Gegenstand des zu &#252;bersetzenden Textes und seine Wirkungen zu informieren. Angesichts der Unterschiede zwischen den involvierten Rechtsordnungen ergibt sich daraus, dass die &#220;bersetzung immer auch verfremdende Elemente enth&#228;lt und Einb&#252;rgerung nur bei weitgehender Entsprechung m&#246;glich ist. In Bezug auf die Terminologie bedeutet weitgehende Entsprechung zumindest eine Teil&#228;quivalenz der Begriffe, die mangels in terminologischen W&#246;rterb&#252;chern oder Terminologiedatenbanken<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> erfasster Definitionen durch Definitionsvergleich ermittelt werden m&#252;ssen. Hinsichtlich nicht-terminologischer sprachlicher Mittel bedeutet weitgehende Entsprechung Funktionsgleichheit. Ist eine solche Entsprechung nicht gegeben, m&#252;ssen Verfahren eingesetzt werden, mit denen den Empf&#228;ngern die Unterschiede zwischen den Rechtsordnungen verdeutlicht werden k&#246;nnen. Dazu geh&#246;ren in terminologischer Hinsicht, wie bereits De Groot (<xref ref-type="bibr" rid="B4">1999: 208</xref>) herausstellt, insbesondere der Neologismus und die Begriffsumschreibung, ansonsten eine &#220;bersetzung, die nahe am zu &#252;bersetzenden Text bleibt.</p>
</sec>
<sec>
<title>3. Didaktik der Rechts&#252;bersetzung und rechtssprachenbezogene Wissensvermittlung</title>
<p>F&#252;r die Didaktik der Rechts&#252;bersetzung und die rechtssprachenbezogene Wissensvermittlung als einem Teil davon ergeben sich daraus eine Reihe von Konsequenzen. Zun&#228;chst einmal m&#252;ssen im &#220;bersetzungsunterricht die Besonderheiten der Rechts&#252;bersetzung im Vergleich zu anderen Fach&#252;bersetzungen herausgestellt werden. Diese beginnen bei dem stets an eine Rechtsordnung gebundenen Rechtstext mit seinen sprachlich-textuellen Besonderheiten, den bestimmten und den unbestimmten Rechtsbegriffen, den Besonderheiten der Definition, der bedingten Festigkeit der Wortverbindungen, den tradierten Satz- und Textbausteinen und den sonstigen textsortenkonventionellen Besonderheiten. Und sie f&#252;hren zu den besonderen Faktoren, die auf die Rechts&#252;bersetzung einen Einfluss haben. In einer Faktorenkonstellation, die die Involvierung zweier Rechtsordnungen vorsieht, muss neben der Methode der Einb&#252;rgerung, wie gesagt, auch die der Verfremdung verwendet werden, so dass sich &#252;bersetzte Rechtstexte im Unterschied zu anderen &#252;bersetzten Fachtexten vielfach wie &#220;bersetzungen und nicht wie Originaltexte lesen. Dies alles wirkt sich unweigerlich auch auf die Hilfsmittel, v.a. die Korpora, und deren Einsatz in der &#220;bersetzungsdidaktik aus (4. und 5.).</p>
<p>Die rechtssprachenbezogene Wissensvermittlung betrifft zum einen die rechtlichen Begriffe und zum anderen die nicht-terminologischen Aspekte. Im Rahmen des &#220;bersetzungsunterrichts k&#246;nnen in Bezug auf die Vermittlung des begrifflichen Wissens v.a. drei Ausrichtungen, n&#228;mlich die fachliche, die sprachliche und die methodische, unterschieden werden: Bei der fachlichen Ausrichtung wird das Fachwissen <italic>Recht</italic> und das damit verbundene rechtssprachliche Wissen nicht im &#220;bersetzungsunterricht selbst, sondern in eigenen Kursen durch Juristen vermittelt. Diese Kurse k&#246;nnen an &#220;bersetzer oder an Juristen und &#220;bersetzer in der Ausbildung adressiert sein. Der Vorteil solcher Kurse ist der, dass die Dozenten juristisch qualifiziert sind, was bei &#220;bersetzungsdozenten ohne Doppelqualifikation nicht der Fall ist. Der Nachteil ist der, dass der Bezug zu den Texten, die Gegenstand des &#220;bersetzungsunterrichts sind, nur dann gegeben ist, wenn der Rechts- und der &#220;bersetzungskurs eng aufeinander abgestimmt sind. Ein weiterer Nachteil ist der, dass rechts- und rechtssprachliches Wissen i.d.R. nur zu einer Rechtsordnung vermittelt werden, was im Fall der Involvierung zweier Rechtsordnungen nicht ausreichend ist.</p>
<p>Was die sprachliche Ausrichtung anbelangt, so wird das rechtssprachenbezogene und das damit verbundene rechtliche Wissen im &#220;bersetzungsunterricht selbst vermittelt. Die Begriffe, die im zu &#252;bersetzenden Text vorkommen, werden in gr&#246;&#223;ere Kontexte gestellt, von denen ausgehend rechtliches und rechtssprachliches Wissen aufgebaut wird. Die Vorteile einer solchen Ausrichtung sind die, dass beide in die &#220;bersetzung involvierten Rechtsordnungen gleicherma&#223;en ber&#252;cksichtigt werden und dass der direkte Bezug zu den zu &#252;bersetzenden Texten gegeben ist. Der Nachteil ist der, dass die fachliche Breite und Tiefe nicht in der gleichen Weise wie bei der fachlichen Ausrichtung gew&#228;hrleistet werden kann.</p>
<p>Bei der methodischen Ausrichtung geht es darum, angehenden &#220;bersetzern Methoden des Erwerbs des rechtlichen und rechtssprachenbezogenen Wissens zu vermitteln. Ein Anwendungsfall dieser Ausrichtung ist das <italic>Personal Knowledge Management</italic>, das nicht speziell f&#252;r die Rechts&#252;bersetzung, sondern f&#252;r die Fach&#252;bersetzung im Allgemeinen konzipiert wurde<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref>.</p>
<p>Die nicht-terminologischen Aspekte der rechtssprachenbezogenen Wissensvermittlung fallen unter die sprachliche Ausrichtung. Texte im Allgemeinen und Korpora im Besonderen spielen hierbei eine besonders wichtige Rolle.</p>
</sec>
<sec>
<title>4. Arten von Korpora und deren Einsatz in der &#220;bersetzungsdidaktik</title>
<p>Korpora sind Sammlungen von Originaltexten, die in elektronischer Form vorliegen und nach spezifischen Kriterien, die f&#252;r jedes Korpus festgelegt werden, zusammengestellt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Laviosa 2010: 80</xref>). Sie werden zu unterschiedlichen wissenschaftlichen, praktischen oder didaktischen Zwecken erstellt und analysiert. Im Zusammenhang mit &#220;bersetzungen wird der Korpusbegriff gerne um &#252;bersetzte Originaltexte erweitert.</p>
<p>Mit Bezug auf die Rechts&#252;bersetzung unterscheidet Biel (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2010: 3-4</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> zwischen einsprachigen Korpora einerseits und zwei- bzw. mehrsprachigen Korpora andererseits. Zu den einsprachigen Korpora z&#228;hlt sie sowohl einsprachige Korpora aus Originaltexten der Sprache A, die prim&#228;r zu linguistischen, lexikographischen und sprachdidaktischen Zwecken eingesetzt werden, als auch Vergleichskorpora aus Originaltexten der Sprache A und &#220;bersetzungen in die Sprache A, deren Analyse translationswissenschaftlichen Zwecken dient. Bei den zwei- bzw. mehrsprachigen Korpora, bei denen der Zweck der Analyse immer auch ein translationswissenschaftlicher ist, differenziert Biel zwischen a) Vergleichskorpora aus Originaltexten der Sprache A und Originaltexten der Sprache B und ggf. weiterer Sprachen und b) Parallelkorpora aus alignierten &#220;bersetzungen zwischen den Sprachen A und B und ggf. weiteren Sprachen<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref>.</p>
<p>F&#252;r die Didaktik der Rechts&#252;bersetzung spielen sowohl die wissenschaftlichen Ergebnisse linguistisch und/oder translationswissenschaftlich ausgerichteter Korpusuntersuchungen als auch der Einsatz von bereits verf&#252;gbaren oder aber <italic>ad hoc</italic> erstellten, auf die spezifischen Erfordernisse von &#220;bersetzungsauftr&#228;gen zugeschnittenen Korpora eine Rolle. Was die in diesem Zusammenhang besonders interessierenden einsprachigen Korpora aus Originaltexten der Sprache A anbelangt, so sind erstere &#8211; wie <italic>GeLeCo</italic> &#8211; bereits zusammengestellt<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref> und k&#246;nnen unmittelbar f&#252;r die &#220;bersetzung genutzt werden, letztere dagegen k&#246;nnen aus Texten aus der eigenen Berufspraxis, aus Gesetzen und Gerichtsurteilen aus &#246;ffentlich zug&#228;nglichen Datenbanken und aus von den juristischen Fachverlagen vertriebenen Formularsammlungen zu den Rechtsgebieten zusammengestellt werden, die im Zusammenhang mit dem jeweiligen &#220;bersetzungsauftrag eine Rolle spielen. Mit jeder Kategorie von Texten ist dabei eine besondere Problematik verbunden. Texte aus der eigenen Berufspraxis stehen erst nach einer l&#228;ngeren Berufst&#228;tigkeit f&#252;r jede zu &#252;bersetzende Textsorte in ausreichender Zahl zur Verf&#252;gung und sind aus Copyrightgr&#252;nden nur f&#252;r den Eigengebrauch bestimmt. Texte aus Formularb&#252;chern sind Textschablonen, die f&#252;r eine Vielzahl von konkreten Einzelf&#228;llen erstellt werden. Gesetze und Gerichtsurteile sind Texte, deren Einsatz Grenzen gesetzt sind, auf die noch einzugehen sein wird.</p>
</sec>
<sec>
<title>5. Das Korpus <italic>GeLeCo</italic> und sein Einsatz in der Didaktik der Rechts&#252;bersetzung aus dem Italienischen ins Deutsche</title>
<sec>
<title>5.1 Gr&#246;&#223;e des Korpus, Zusammensetzung und Zugang</title>
<p><italic>GeLeCo</italic> ist ein Korpus aus deutschen Originaltexten (gemeint: Originaltexten des bundesdeutschen Rechts), das bei der &#220;bersetzung von italienischen Rechtstexten (gemeint: Rechtstexten des italienischen Rechts) dann eingesetzt werden kann, wenn Methoden der Einb&#252;rgerung zum Tragen kommen (2.). Es besteht aus 196.107.719 <italic>tokens</italic>, 144.462.122 W&#246;rtern, 11.260.450 S&#228;tzen und 62.695 Texten (<xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref>).</p>
<fig id="F1">
<label>Abbildung 1</label>
<caption>
<p>Korpusgr&#246;&#223;e</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g1.png"/>
</fig>
<p>Die genaue Zusammensetzung des Korpus (<italic>composition</italic>) findet sich im File <italic>document</italic> unter Punkt 2.1. (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref>).</p>
<fig id="F2">
<label>Abbildung 2</label>
<caption>
<p>Korpuszusammensetzung</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g2.png"/>
</fig>
<p>Den gr&#246;&#223;ten Teil des Korpus machen die Gerichtsurteile aus, die der Website <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.rechtsprechung-im-internet.de/">https://www.rechtsprechung-im-internet.de/</ext-link>, betrieben vom Bundesministerium f&#252;r Justiz und Verbraucherschutz und vom Bundesamt f&#252;r Justiz, entnommen sind. Der zweitgr&#246;&#223;te Teil besteht aus den Gesetzen der Website <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.gesetze-im-internet.de/">https://www.gesetze-im-internet.de/</ext-link>, die gleichfalls vom Bundesministerium f&#252;r Justiz und Verbraucherschutz und vom Bundesamt f&#252;r Justiz betrieben wird. Das Schlusslicht bilden die Verwaltungsvorschriften der Website <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/">https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/</ext-link>, betrieben von der Bundesregierung unter der Federf&#252;hrung des Bundesministeriums des Inneren.</p>
<p>Weitere Informationen im File <italic>document</italic> betreffen das Annotationsschema (Punkt 2.2.) und die Metadaten (Punkt 2.3.), Einzelheiten der Korpuserstellung (Punkte 3. und 4.) sowie eine kurze Einf&#252;hrung zu Zugang, Zusammensetzung und Einsatzm&#246;glichkeiten des Korpus: &#8222;<italic>GeLeCo</italic>&#8220;, so hei&#223;t es dort in Punkt 1., &#8222;is a large German Legal Corpus for research, teaching and translation purposes&#8220;. Das Korpus ist &#246;ffentlich auf der Website <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://corpora.dipintra.it/">https://corpora.dipintra.it/</ext-link> zug&#228;nglich und geh&#246;rt zu den Korpora des Forschungszentrums <italic>CoLiTec</italic> des <italic>Dipartimento di Interpretazione e Traduzione</italic> (<italic>DIT</italic>) der Universit&#228;t Bologna. Bei der Auswahl von <italic>Public</italic> (&#246;ffentlich zug&#228;ngliche Korpora) &#246;ffnet sich eine Seite mit einem Dropdown-Men&#252; (<xref ref-type="fig" rid="F3">Abbildung 3</xref>), &#252;ber das <italic>GeLeCo</italic> ausgew&#228;hlt werden kann.</p>
<fig id="F3">
<label>Abbildung 3</label>
<caption>
<p>Korpusauswahl</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g3.png"/>
</fig>
</sec>
<sec>
<title>5.2 Abfragem&#246;glichkeiten</title>
<p>Mit <italic>GeLeCo</italic> lassen sich sowohl Wortlisten als auch Konkordanzen erstellen. Letzteres ist f&#252;r die Didaktik &#8211; wie auch f&#252;r die Praxis &#8211; der Rechts&#252;bersetzung von besonderem Interesse, da sich so wichtige Informationen v.a. &#252;ber den Sprachgebrauch in Rechtstexten gewinnen lassen. Angesichts ihrer Wichtigkeit ist die Konkordanzfunktion voreingestellt. Die Abfragem&#246;glichkeiten sind die folgenden (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abbildung 4</xref>).</p>
<fig id="F4">
<label>Abbildung 4</label>
<caption>
<p>Abfragem&#246;glichkeiten</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g4.png"/>
</fig>
<p>Bei der einfachen Suche (<italic>simple query</italic>) werden alle Wortformen des Suchwortes bzw. der Suchw&#246;rter gefunden. Werden mehrere Suchw&#246;rter, z.B. <italic>Vertrag</italic> und <italic>abschlie&#223;en</italic>, in die Suchmaske eingegeben, kann zwischen diesen das Platzhalterzeichen * eingef&#252;gt werden, das ein dazwischen stehendes Wort ersetzt (<xref ref-type="fig" rid="F5">Abbildung 5</xref>).</p>
<fig id="F5">
<label>Abbildung 5</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>Simple query</italic> von: Vertrag * abschlie&#223;en</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g5.png"/>
</fig>
<p>Anders verh&#228;lt es sich bei der Suche nach Lemmata (<italic>lemma</italic>) und bei der nach W&#246;rtern (<italic>word</italic>), wo jeweils nur nach einem Suchwort gesucht werden kann. Der Unterschied zwischen den beiden Abfragem&#246;glichkeiten liegt darin, dass bei der Lemmasuche &#8211; wie bei der einfachen Suche &#8211; alle Wortformen gefunden werden, bei der Wortsuche nur die in die Suchmaske eingegebene Wortform.</p>
<p>Mit der Phrasensuche (<italic>query type</italic>: <italic>phrase</italic>) kann nach Kombinationen aus zwei und mehreren W&#246;rtern, z.B. <italic>rechtskr&#228;ftiges</italic> und <italic>Urteil</italic> und <italic>ergangen</italic>, gesucht werden (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abbildung 6</xref>). Gefunden werden nur die in die Suchmaske eingegebenen Wortformen. Platzhalterzeichen k&#246;nnen nicht verwendet werden.</p>
<fig id="F6">
<label>Abbildung 6</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>Phrase</italic> von: rechtskr&#228;ftiges Urteil ergangen</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g6.png"/>
</fig>
<p>&#220;ber die Zeichensuche (<italic>query type</italic>: <italic>character</italic>) werden zum eingegebenen Suchwort, z.B. <italic>Urteil</italic>, nicht nur alle Wortformen, sondern auch die Komposita und alle W&#246;rter gefunden, die das Suchwort enthalten (<xref ref-type="fig" rid="F7">Abbildung 7</xref>).</p>
<fig id="F7">
<label>Abbildung 7</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>Character</italic> von: Urteil</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g7.png"/>
</fig>
<p>Die komplexeste Suche ist die CQL-Suche (<italic>query type</italic>: <italic>CQL</italic>), bei der regul&#228;re Ausdr&#252;cke zum Einsatz kommen, die eine breite Palette an Suchm&#246;glichkeiten bieten. Deren Beschreibung findet sich auf der Homepage von Sketch Engine <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.sketchengine.eu/documentation/corpus-querying/">https://www.sketchengine.eu/documentation/corpus-querying/</ext-link>, die &#252;ber die Funktion <italic>User Guide</italic> im Men&#252; auf der linken Seite (<xref ref-type="fig" rid="F3">Abbildung 3</xref>) zu erreichen ist. Mit dieser Suchfunktion kann nicht nur nach W&#246;rtern und Lemmata, sondern auch nach <italic>tags</italic> gesucht werden. Zum <italic>tagset summary</italic> f&#252;r das Korpus <italic>GeLeCo</italic> wird direkt unter der CQL-Eingabemaske verlinkt (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abbildung 4</xref>). Interessant sind u.a. die M&#246;glichkeiten der Suche nach Anfangs- und/oder Endzeichenfolgen, die Definition von Abst&#228;nden und die Kombinationen aus Wort- bzw. Lemma- und <italic>tag</italic>-Suche, die f&#252;r die Disambiguierung oder f&#252;r die Ermittlung von Unterschieden im Gebrauch wichtig ist (<xref ref-type="fig" rid="F8">Abbildungen 8</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F9">9</xref>: attributiver &#8211; ADJA &#8211; vs. adverbialer oder pr&#228;dikativer &#8211; ADJD &#8211; Gebrauch des Adjektivs <italic>nichtig</italic>).</p>
<fig id="F8">
<label>Abbildung 8</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>CQL</italic> von: [lemma=&#34;nichtig&#34; &amp; tag=&#34;ADJA&#34;]</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g8.png"/>
</fig>
<fig id="F9">
<label>Abbildung 9</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>CQL</italic> von: [lemma=&#34;nichtig&#34; &amp; tag=&#34;ADJD&#34;]</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g9.png"/>
</fig>
<p>Mit der Filterfunktion lassen sich dar&#252;ber hinaus mehrere, auch unterschiedliche Abfragen kombinieren und Suchabst&#228;nde zwischen den Abfragen festlegen. So kann beispielsweise mit der einfachen Suche erst nach dem Wort <italic>Urteil</italic> gesucht werden. Danach kann im Men&#252; links die Funktion Filter ausgew&#228;hlt und in die sich &#246;ffnende Maske die Wortverbindung <italic>im Namen des Volkes</italic> eingegeben und die Phrasensuche aktiviert werden. Bei Festlegung eines Abstands von 5 W&#246;rter links und 5 W&#246;rtern rechts vom ersten Suchwort ist das Ergebnis das Folgende:</p>
<fig id="F10">
<label>Abbildung 10</label>
<caption>
<p>Ergebnis f&#252;r die Kombination aus einfacher Suche nach dem Wort <italic>Urteil</italic> und Phrasensuche nach der Wortverbindung <italic>im Namen des Volkes</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g10.png"/>
</fig>
</sec>
<sec>
<title>5.3 Nutzen und Grenzen von <italic>GeLeCo</italic></title>
<p>Das Korpus <italic>GeLeCo</italic> kann in vielfacher Hinsicht in der Didaktik &#8211; wie in der Praxis &#8211; der Rechts&#252;bersetzung genutzt werden, ganz zu schweigen von dem betr&#228;chtlichen Nutzen, das dem Korpus f&#252;r rechtslinguistische Untersuchungen zukommt. Bevor auf den hier interessierenden Einsatz von <italic>GeLeCo</italic> in der &#220;bersetzerausbildung eingegangen wird, sollen kurz die Grenzen eines solchen Einsatzes aufgezeigt werden.</p>
<p>In erster Linie sind die Grenzen durch die in 2. thematisierten Besonderheiten der Rechts&#252;bersetzung bedingt. Soll ein in der italienischen Rechtsordnung verankerter Rechtstext f&#252;r Empf&#228;nger aus der bundesdeutschen Rechtsordnung &#252;bersetzt werden, haben es die &#220;bersetzer mit zwei Rechtsordnungen zu tun, zwischen denen je nach dem Rechtsgebiet (z.B. Strafprozessrecht vs. Handelsrecht), dem der zu &#252;bersetzende Text zuzuordnen ist, mehr oder weniger gro&#223;e Unterschiede bestehen. Je gr&#246;&#223;er die Unterschiede desto geringer ist der Nutzen des Korpus. Im Fall zu gro&#223;er begrifflicher Differenzen (wie im Strafprozessrecht) k&#246;nnen nicht nur die im Korpus gefundenen Termini, sondern auch deren Kollokationspartner bei der &#220;bersetzung nicht verwendet werden. Gleiches gilt f&#252;r die textsortenspezifischen lexikalisch-syntaktischen Mittel. Dar&#252;ber hinaus werden dem Einsatz von <italic>GeLeCo</italic> auch durch die Textsorten, aus denen sich das Korpus zusammensetzt, Grenzen gesetzt. Den gr&#246;&#223;ten Nutzen hat ein Korpus in der Zielsprache dann, wenn es aus denselben Textsorten wie der Ausgangstext besteht. Sollen also Gesetze, Gerichtsurteile und Verwaltungsvorschriften &#252;bersetzt werden, k&#246;nnen die jeweiligen Subkorpora am gewinnbringendsten eingesetzt werden. Da Gesetze f&#252;r alle Rechtstexte grundlegend sind, kann das betreffende Subkorpus dar&#252;ber hinaus generell verwendet werden.</p>
<p>Bez&#252;glich des die genannten Grenzen &#252;berwiegenden Nutzens von <italic>GeLeCo</italic> sind, beschr&#228;nkt auf die hier interessierende Konkordanzfunktion, im Wesentlichen drei Einsatzbereiche zu unterscheiden, wenn das rechtssprachenbezogene und das damit verbundene rechtliche Wissen &#8211; wie in 3. aufgezeigt &#8211; im &#220;bersetzungsunterricht selbst vermittelt wird. Diese Einsatzbereiche von <italic>GeLeCo</italic>, die im &#220;bersetzungsunterricht und zu Hause in den verschiedenen Phasen der &#220;bersetzung &#8211; Vorbereitung, &#220;bersetzung, Korrektur und Nachbereitung &#8211; genutzt werden k&#246;nnen, sind Definitionen, Kollokationen und lexikalisch-syntaktische Besonderheiten.</p>
</sec>
<sec>
<title>5.4 Definitionssuche</title>
<p>Definitionen werden im Recht in Gesetzen, Verwaltungsvorschriften, Gerichtsurteilen und in der rechtswissenschaftlichen Literatur formuliert. Das gr&#246;&#223;te Gewicht haben die Definitionen in Gesetzen, die allerdings auf das betreffende Gesetz beschr&#228;nkt sein k&#246;nnen. Im Unterschied zu den Definitionen in Verwaltungsvorschriften betreffen sie zudem alle B&#252;rger, an die sich das Gesetz wendet. Von der Rechtswissenschaft werden Definitionen mangels Definitionen im Gesetz erstellt. Definitionen in Gerichtsurteilen haben die Besonderheit, dass sie anwendungs- und einzelfallbezogen sind.</p>
<p>Zur Suche nach deutschen Definitionen bieten sich zwecks italienisch-deutschen Vergleichs verschiedene M&#246;glichkeiten an, die mit der Spezifik der zur Definition verwendeten sprachlichen Mittel verbunden sind. Dazu geh&#246;ren insbesondere: [Suchwort] <italic>im Sinne</italic> [<italic>des/der/von</italic>], <italic>unter</italic> [Suchwort] <italic>ist/sind zu verstehen</italic> und [Suchwort] <italic>ist/wird definiert als/wie folgt definiert</italic>. Dar&#252;ber hinaus gibt es in Rechtstexten immer auch Punkte in der Systematik der betreffenden Textsorte, die mit <italic>Begriff</italic> oder <italic>Begriffsbestimmung</italic> &#252;berschrieben sind. Die Suche nach [Suchwort] <italic>im Sinne</italic> [<italic>des/der/von</italic>] kann mit der einfachen Suche durchgef&#252;hrt werden (<xref ref-type="fig" rid="F11">Abbildung 11</xref>).</p>
<fig id="F11">
<label>Abbildung 11</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>Simple Query</italic> von: Sache im Sinne</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g11.png"/>
</fig>
<p>F&#252;r die Suche nach <italic>unter</italic> [Suchwort] <italic>ist/sind zu verstehen</italic> bietet sich die CQL-Suche an, bei der u.a. auch m&#246;gliche Abst&#228;nde zwischen den W&#246;rtern &#8211; z.B. 0 bis 1 zwischen <italic>unter</italic> und <italic>Herstellungsland</italic> bzw. <italic>Warenbezeichnung</italic> bzw. <italic>Gewerbebetrieb</italic> &#8211; ber&#252;cksichtigt werden k&#246;nnen (<xref ref-type="fig" rid="F12">Abbildungen 12</xref>, <xref ref-type="fig" rid="F13">13</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F14">14</xref>).</p>
<fig id="F12">
<label>Abbildung 12</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>CLQ</italic> von: [lemma=&#34;unter&#34;] [] {0,1} [word=&#34;Herstellungsland&#34;] [] {0,8} [word=&#34;ist&#34;] [] {1,6} [lemma=&#34;zu&#34;] [lemma=&#34;verstehen&#34;]</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g12.png"/>
</fig>
<fig id="F13">
<label>Abbildung 13</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>CLQ</italic> von: [lemma=&#34;unter&#34;] [] {0,1} [word=&#34;Warenbezeichnung&#34;] [] {0,8} [word=&#34;ist&#34;] [] {1,6} [lemma=&#34;zu&#34;] [lemma=&#34;verstehen&#34;]</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g13.png"/>
</fig>
<fig id="F14">
<label>Abbildung 14</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>CLQ</italic> von: [lemma=&#34;unter&#34;] [] {0,1} [word=&#34;Gewerbebetrieb&#34;] [] {0,8} [word=&#34;ist&#34;] [] {1,6} [lemma=&#34;zu&#34;] [lemma=&#34;verstehen&#34;]</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g14.png"/>
</fig>
<p>Auch f&#252;r die Suche nach [Suchwort] <italic>ist/wird definiert als/wie folgt definiert</italic> und f&#252;r die Suche nach <italic>Begriff</italic> bzw. <italic>Begriffsbestimmung</italic> und [Suchwort] eignet sich die CQL-Suche. Bei letzterer muss u.U. von gr&#246;&#223;eren Abst&#228;nden ausgegangen werden, da das Suchwort eines von mehreren definierten W&#246;rtern sein k&#246;nnte und in der Reihenfolge der Definitionen nicht unbedingt an erster Stelle stehen muss.</p>
</sec>
<sec>
<title>5.5 Kollokationssuche</title>
<p>Die Kollokationen eines Suchworts (z.B. <italic>Einlage</italic>) lassen sich leicht &#252;ber die einfache Suche ermitteln. Bei zu vielen Ergebnissen kann die Suche durch die Verwendung von <italic>tags</italic> (z.B. ADJA f&#252;r attributive Adjektive) eingeschr&#228;nkt werden. In diesem Fall muss eine CQL-Suche durchgef&#252;hrt werden (<xref ref-type="fig" rid="F15">Abbildung 15</xref>).</p>
<fig id="F15">
<label>Abbildung 15</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>CLQ</italic> von: [tag=&#34;ADJA.*&#34;] [lemma=&#34;Einlage&#34;]</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g15.png"/>
</fig>
<p>Zu beachten ist, dass die Kollokationen desselben Suchworts, wie erstmals von Kj&#230;r (<xref ref-type="bibr" rid="B6">1990</xref>) herausgearbeitet wurde, je nach Subkorpus andere sein k&#246;nnen, auf jeden Fall aber Unterschiede in der Frequenz festzustellen sind. Sollen die Kollokationen in einem bestimmten Subkorpus gefunden werden, muss die Grundeinstellung der gemeinsamen Suche im gesamten Korpus &#252;ber die Funktion <italic>text types</italic> ge&#228;ndert werden.</p>
<p>Wichtig ist im Zusammenhang mit der Kollokationssuche auch die &#220;berpr&#252;fung von Hypothesen. Die Frage, ob eine mutma&#223;liche Kollokation, z.B. <italic>Einlage leisten</italic>, tats&#228;chlich verwendet wird und/oder wie frequent ihr Gebrauch ist, wird am besten mit Hilfe der CQL-Suche beantwortet (<xref ref-type="fig" rid="F16">Abbildung 16</xref>).</p>
<fig id="F16">
<label>Abbildung 16</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>CLQ</italic> von: [lemma=&#34;Einlage&#34;] [] [] {1,5} [lemma=&#34;leisten&#34;]</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g16.png"/>
</fig>
</sec>
<sec>
<title>5.6 Suche nach lexikalisch-syntaktischen Besonderheiten</title>
<p>Zu den sich in Rechtstexten manifestierenden lexikalisch-syntaktischen Besonderheiten der Rechtssprache gibt es eine umfassende Forschungsliteratur<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref>. Korpora von Rechtstexten wie <italic>GeLeCo</italic> eignen sich hervorragend, um diese mit Bezug auf die im Korpus vertretenen Textsorten zu ermitteln. Nicht nur f&#252;r die rechtslinguistische Forschung sind solche Korpora jedoch eine Bereicherung, sondern auch in der Didaktik (und der Praxis) der Rechts&#252;bersetzung k&#246;nnen sie mit Gewinn eingesetzt werden. Ist f&#252;r die Ermittlung der lexikalischen Besonderheiten oft schon die einfache Suche zielf&#252;hrend, eignet sich f&#252;r die Ermittlung der syntaktischen Besonderheiten v.a. die CQL-Suche.</p>
<p>Im Folgenden sollen exemplarisch anhand der Ausdrucksmittel der Konditionalit&#228;t M&#246;glichkeiten des Einsatzes innerhalb der folgenden grunds&#228;tzlichen Einsatzbereiche aufgezeigt werden. Diese betreffen 1. den Gebrauch von W&#246;rtern und syntaktischen Konstruktionen in den im Korpus vertretenen Textsorten, 2. die Frequenz des Gebrauchs bestimmter W&#246;rter und syntaktischer Konstruktionen im Vergleich zu anderen und 3. Besonderheiten in der Semantik. Die Ausdrucksmittel der Konditionalit&#228;t sind vielf&#228;ltiger Natur. Neben den konditionalen Konnektoren geh&#246;ren dazu laut Volodina (<xref ref-type="bibr" rid="B13">2014: 697ff.</xref>) asyndetische konditionale Verkn&#252;pfungen von zwei S&#228;tzen, parenthetische Partizipialkonstruktionen, asymmetrische Satzkoordination durch <italic>und</italic> und <italic>oder</italic>, F&#252;gungen mit Substantiven wie <italic>Bedingung</italic> und <italic>Voraussetzung</italic>, konditionale Pr&#228;positionalphrasen generische w-Relativs&#228;tze, <italic>wenn</italic>- vs. <italic>dass</italic>-Komplements&#228;tzen, optative Konditionale und einstellige Adverbien auf -<italic>falls</italic>.</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Ausgehend von einem von der Gemeinsprache her bekannten Gebrauch der Ausdrucksmittel der Konditionalit&#228;t, beispielsweise des Konnektors <italic>angenommen</italic> in satzeinleitender Position, kann &#252;berpr&#252;ft werden, ob dieser in den Textsorten des Korpus gleichfalls gegeben ist. Mit Hilfe der Wortsuche kann festgestellt werden, dass der besagte Konnektor nur in Gerichtsurteilen vorkommt (<xref ref-type="fig" rid="F17">Abbildung 17</xref>) und das Gleiche gilt f&#252;r den Konnektor <italic>angenommen, dass</italic>.</p>
<p><fig id="F17">
<label>Abbildung 17</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>word</italic> von: <italic>Angenommen</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g17.png"/>
</fig></p>
<p>Dieser Befund erkl&#228;rt sich daraus, dass in Gesetzen und Verwaltungsvorschriften keine Annahmen formuliert werden.</p></list-item>
<list-item><p>Wei&#223; man bereits, welche Ausdrucksmittel der Konditionalit&#228;t in der Rechtssprache verwendet werden<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> und will man beispielsweise &#252;berpr&#252;fen, wie frequent der Gebrauch des Konnektors <italic>falls</italic> in satzeinleitender im Vergleich zu nicht satzeinleitender Position in den verschiedenen Textsorten ist, kann man dies, um den Genitiv des Substantivs <italic>Fall</italic> auszuschlie&#223;en und nur die satzeinleitenden unterordnenden Konjunktionen (KOUS) zu finden<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref>, mit Hilfe einer CQL-Suche ermitteln: [word=&#34;Falls&#34; &amp; tag=&#34;KOUS&#34;] (<xref ref-type="table" rid="T1">Tabelle 1</xref>).</p>
<p><table-wrap id="T1">
<label>Tabelle 1</label>
<caption>
<p>Gebrauch von <italic>falls</italic> in satzeinleitender und nicht satzeinleitender Position</p>
</caption>
<table>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>falls</italic> im gesamten Korpus</td>
<td align="right" valign="top">4.524</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Falls</italic> im gesamten Korpus</td>
<td align="right" valign="top">1.401</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>falls</italic> im Subkorpus der Gesetze</td>
<td align="right" valign="top">1.306</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Falls</italic> im Subkorpus der Gesetze</td>
<td align="right" valign="top">190</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>falls</italic> im Subkorpus der Gerichtsurteile</td>
<td align="right" valign="top">2.899</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Falls</italic> im Subkorpus der Gerichtsurteile</td>
<td align="right" valign="top">979</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>falls</italic> im Subkorpus der Verwaltungsvorschriften</td>
<td align="right" valign="top">243</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Falls</italic> im Subkorpus der Verwaltungsvorschriften</td>
<td align="right" valign="top">78</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2"><hr/></td>
</tr>
</table>
</table-wrap></p>
<p>Nicht m&#246;glich ist dagegen die Aufl&#246;sung der semantischen Ambiguit&#228;t, die bei dem Konnektor <italic>wenn</italic> gegeben ist, der neben einer konditionalen auch eine temporale Bedeutung hat. Reduziert werden kann die Ambiguit&#228;t allerdings durch die von Soffritti (<xref ref-type="bibr" rid="B12">2013: 34</xref>) vorgeschlagene Hinzuf&#252;gung von W&#246;rtern wie <italic>jedes Mal</italic> oder <italic>erst</italic>, die auf die temporale Bedeutung von <italic>wenn</italic> verweisen. Auch in diesem Fall ist eine CQL-Suche erforderlich.</p></list-item>
<list-item><p>Um Besonderheiten in der Semantik der Ausdrucksmittel der Konditionalit&#228;t auszumachen, m&#252;ssen die Gebrauchskontexte in den Blick genommen werden, wozu eine einfache Wortsuche ausreicht (<xref ref-type="fig" rid="F18">Abbildung 18</xref>).</p>
<p><fig id="F18">
<label>Abbildung 18</label>
<caption>
<p>Ergebnis nach Eingabe in die Suchmaske hinter <italic>word</italic> von: <italic>solange</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-56_wiesmann-g18.png"/>
</fig></p>
<p>Diese zeigt beispielsweise, dass der Konnektor <italic>solange</italic> nicht nur eine rein temporale, sondern auch eine prim&#228;r temporale und sekund&#228;r konditionale Bedeutung haben kann<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref>. So ist die Bedeutung von <italic>solange</italic> in Zeile 5 von <xref ref-type="fig" rid="F18">Abbildung 18</xref> sowohl temporal als auch konditional (Beispiel 1 vs. Beispiel 2).</p></list-item>
</list>
<list list-type="simple">
<list-item><p>(1) Der Unternehmer darf au&#223;er in begr&#252;ndeten Ausnahmef&#228;llen die Besch&#228;ftigten nicht auffordern, ihre T&#228;tigkeit wieder aufzunehmen, <italic>solange</italic> eine unmittelbare erhebliche Gefahr fortbesteht. (Korpus-beleg)</p></list-item>
<list-item><p>(2) Der Unternehmer darf au&#223;er in begr&#252;ndeten Ausnahmef&#228;llen die Besch&#228;ftigten nicht auffordern, ihre T&#228;tigkeit wieder aufzunehmen, <italic>wenn</italic> eine unmittelbare erhebliche Gefahr fortbesteht <italic>und f&#252;r die Zeit, in der</italic> diese fortbesteht. (Paraphrase des Korpusbelegs)</p>
<p>Die Bedeutung von <italic>solange</italic> in Zeile 12 von <xref ref-type="fig" rid="F18">Abbildung 18</xref> dagegen ist eine rein temporale (Beispiel 3 vs. Beispiel 4).</p></list-item>
<list-item><p>(3) Dieses Gesetz ist auf Inhaber von steuerbeg&#252;nstigten oder freifinanzierten Wohnungen, die mit Wohnungsf&#252;rsorgemitteln im Sinne der &#167;&#167; 87a und 111 des Zweiten Wohnungsbaugesetzes gef&#246;rdert worden sind, entsprechend anzuwenden, <italic>solange</italic> das Besetzungsrecht besteht. (Korpusbeleg)</p></list-item>
<list-item><p>(4) Dieses Gesetz ist auf Inhaber von steuerbeg&#252;nstigten oder freifinanzierten Wohnungen, die mit Wohnungsf&#252;rsorgemitteln im Sinne der &#167;&#167; 87a und 111 des Zweiten Wohnungsbaugesetzes gef&#246;rdert worden sind, entsprechend <italic>f&#252;r die Zeit</italic> anzuwenden, <italic>in der</italic> das Besetzungsrecht besteht. (Paraphrase des Korpusbelegs)</p></list-item>
</list>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>6. Schlussbemerkung und Ausblick</title>
<p>Ein Korpus wie <italic>GeLeCo</italic> bietet in der Didaktik &#8211; wie in der Praxis &#8211; der Rechts&#252;bersetzung verschiedene Einsatzm&#246;glichkeiten, wie eben an Beispielen aufgezeigt wurde. Voraussetzung f&#252;r den Korpuseinsatz ist, dass im Vorfeld ein Bewusstsein f&#252;r dessen Nutzen, aber auch dessen Grenzen geschaffen wird. Damit das Korpus gewinnbringend eingesetzt werden kann, m&#252;ssen schlie&#223;lich die Abfragem&#246;glichkeiten trainiert werden. Dies betrifft besonders die CQL-Suche und den Einsatz von regul&#228;ren Ausdr&#252;cken.</p>
<p>Im Vergleich zu nicht elektronischen Hilfsmitteln haben Korpora wie <italic>GeLeCo</italic> den Vorteil, dass sie aktuell und leicht aktualisierbar sind, so dass dort rechtssprachenbezogenes Wissen verf&#252;gbar ist, das anderweitig ggf. noch nicht zur Verf&#252;gung steht. Dies gilt insbesondere f&#252;r Definitionen, v.a. f&#252;r solche in Gesetzen. Ein weiterer wichtiger Einsatzbereich von <italic>GeLeCo</italic> ist daher auch die juristische Terminologiearbeit in allen Bereichen, in denen z.B. bedingt durch neue EU-Regelungen in der Bundesrepublik Deutschland Gesetze erlassen werden.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Rein aus Gr&#252;nden der besseren Lesbarkeit wird in diesem Beitrag das generische Maskulinum verwendet.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Einen aktuellen &#220;berblick liefert Bernardini (<xref ref-type="bibr" rid="B1">2022</xref>).</p></fn>
<fn id="n3"><p>Vgl. Wurm (<xref ref-type="bibr" rid="B16">2017</xref>) mit weiterf&#252;hrender Literatur zum Korpuseinsatz in der Praxis und der Didaktik der Fach&#252;bersetzung.</p></fn>
<fn id="n4"><p>F&#252;r die Erstellung des Korpus sei Antonio Giovanni Contarini gedankt, f&#252;r die Bereitstellung auf <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://corpora.dipintra.it/">https://corpora.dipintra.it/</ext-link> Eros Zanchetta.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Hierbei handelt es sich um die Websites <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.gesetze-im-internet.de/">https://www.gesetze-im-internet.de/</ext-link>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/">https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/</ext-link> und <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.rechtsprechung-im-internet.de/">https://www.rechtsprechung-im-internet.de/</ext-link> (28.09.2021).</p></fn>
<fn id="n6"><p>Im Gegensatz zu der kommerziellen Korpusmanagement- und -analysesoftware <italic>Sketch Engine</italic> handelt es sich bei <italic>No-Sketch Engine</italic> um eine in den Funktionen begrenzte Open-Source-Version der besagten Software, die technische Kenntnisse der Nutzung externer Programme zur Aufbereitung von Korpora f&#252;r die Nutzung mit <italic>NoSketch Engine</italic> voraussetzt.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Allein die Zahl der Monographien, die in den letzten drei&#223;ig Jahren zur Rechts&#252;bersetzung geschrieben wurden, bel&#228;uft sich auf knapp 30 (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Maldussi / Wiesmann 2020</xref> mit bibliographischen Angaben).</p></fn>
<fn id="n8"><p>Zur Vielschichtigkeit der sich hieraus ergebenden Forschungsperspektiven vgl. insbesondere Biel (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2017: 80-82</xref>).</p></fn>
<fn id="n9"><p>Die sprachlich-textuellen Besonderheiten von Rechtstexten werden in zahlreichen Sammelb&#228;nden und &#8211; was die Terminologie anbelangt &#8211; auch Monographien thematisiert. Einen guten &#220;berblick liefert die Online-Bibliographie der Zeitschrift Fachsprache (vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://ejournals.facultas.at/index.php/fachsprache/bibliography">https://ejournals.facultas.at/index.php/fachsprache/bibliography</ext-link>, 28.09.2021).</p></fn>
<fn id="n10"><p>Ein solcher Zweck ist beispielsweise der, wie im Fall der &#220;bersetzung von Verordnungen und Richtlinien des europ&#228;ischen Gemeinschaftsrechts, die Kenntnis von und die Anwendung der Rechtsnormen zu erm&#246;glichen, die das rechtliche Bezugssystem der Empf&#228;nger bilden.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Ein solcher Zweck ist beispielsweise der, den betroffenen Ausl&#228;nder, z.B. einen Deutschen, &#252;ber die f&#252;r ihn relevante Rechtslage in einer inl&#228;ndischen, z.B. der italienischen Rechtsordnung, bedingt durch ein Zivilurteil, eine Strafanzeige oder Sonstiges, zu informieren.</p></fn>
<fn id="n12"><p>Ein solcher Zweck ist beispielsweise der, in einer mehrsprachigen Rechtsordnung wie der Schweiz durch die &#220;bersetzung von rechtswissenschaftlichen Texten ein Wissen &#252;ber die eigene Rechtskultur zu vermitteln.</p></fn>
<fn id="n13"><p>Zu den Faktoren, Methoden und Verfahren der Rechts&#252;bersetzung vgl. ausf&#252;hrlich Wiesmann (<xref ref-type="bibr" rid="B14">2004: 75-149</xref>).</p></fn>
<fn id="n14"><p>Besonders wichtig f&#252;r die italienisch-deutsche &#220;bersetzung ist das Informationssystem f&#252;r Rechtsterminologie <italic>bistro</italic> des Instituts f&#252;r Angewandte Sprachforschung von Eurac Research (vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://bistro.eurac.edu/de/">http://bistro.eurac.edu/de/</ext-link>, 28.09.2021), das nicht nur f&#252;r die &#220;bersetzung in die bundesdeutsche, sondern auch f&#252;r die in die &#246;sterreichische und die Schweizer Rechtssprache und v.a. f&#252;r die &#220;bersetzung italienischer Rechtstexte f&#252;r S&#252;dtirol einsetzbar ist.</p></fn>
<fn id="n15"><p>Die Methode des <italic>Personal Knowledge Management</italic> (vgl. insbesondere <xref ref-type="bibr" rid="B5">Kastberg / Grove Ditlevsen 2009</xref>) wurde v.a. zu Beginn dieses Jahrhunderts eingesetzt, offensichtlich aber nicht weiter verfolgt.</p></fn>
<fn id="n16"><p>Biel (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2010</xref>) verwendet, das sei hier angemerkt, die translationswissenschaftliche Terminologie, die sich von der korpuslinguistischen insofern unterscheidet, als dort Vergleichskorpora &#8222;Texte mehrerer Sprachen <italic>S</italic>1 &#8230; <italic>S</italic>n zu vergleichbaren Diskursbereichen&#8220; sind, Parallelkorpora dagegen &#8222;aus Texten in einer Sprache <italic>S</italic>1 und deren &#220;bersetzung(en) in die Sprache(n) <italic>S</italic>2 &#8230; <italic>S</italic>n bestehen.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Lemnitzer / Zinsmeister 2015: 138</xref>).</p></fn>
<fn id="n17"><p>Zum Nutzen der Korpuslinguistik f&#252;r die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Rechts&#252;bersetzung vgl. auch Pontrandolfo (<xref ref-type="bibr" rid="B10">2019</xref>).</p></fn>
<fn id="n18"><p>Zu dieser Art von einsprachigen Korpora z&#228;hlt auch <italic>JuReKo</italic>, das juristische Referenzkorpus des deutschsprachigen Rechts. Anders als bei <italic>GeLeCo</italic> steht bei <italic>JuReKo</italic> jedoch nicht die Rechts&#252;bersetzung im Vordergrund. Vielmehr versteht sich das Projekt als Beitrag zur interdisziplin&#228;ren Rechtsforschung, das neuere Erkenntnisinteressen und Methoden der Rechts- und der Sprachwissenschaft vereint und auf die Entwicklung einer computer- und korpusgest&#252;tzten Rechtslinguistik zielt (vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://cal2.eu/core-projects-and-associated-projects/jureko-juristisches-referenzkorpus">https://cal2.eu/core-projects-and-associated-projects/jureko-juristisches-referenzkorpus</ext-link>, 28.09.2021).</p></fn>
<fn id="n19"><p>Verwiesen sei hier noch einmal auf die Online-Bibliographie der Zeitschrift Fachsprache (vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://ejournals.facultas.at/index.php/fachsprache/bibliography">https://ejournals.facultas.at/index.php/fachsprache/bibliography</ext-link>, 28.09.2021).</p></fn>
<fn id="n20"><p>Zu den Ausdrucksmitteln der Konditionalit&#228;t in deutschen, &#246;sterreichischen, Schweizer und S&#252;dtiroler Gesetzen vgl. grundlegend Soffritti (<xref ref-type="bibr" rid="B12">2013</xref>).</p></fn>
<fn id="n21"><p>Der satzeinleitende Konnektor <italic>falls</italic>, der nicht gro&#223;, sondern klein geschrieben ist, da er auf ein anderes Satzzeichen als einen Punkt folgt, kann damit zwar nicht gefunden werden, trotzdem reduziert die CQL-Suche, mit der sich &#8211; wie gesagt &#8211; der Genitiv des Substantivs <italic>Fall</italic> ausschlie&#223;en l&#228;sst, die Ambiguit&#228;t erheblich.</p></fn>
<fn id="n22"><p>Mit Bezug auf den Konnektor <italic>sobald</italic> weist auf diesen &#220;berschneidungsbereich von Temporalit&#228;t und Konditionalit&#228;t bereits Soffritti (<xref ref-type="bibr" rid="B11">2009: 31f.</xref>) hin. Weiterf&#252;hrend Wiesmann (<xref ref-type="bibr" rid="B15">im Druck</xref>).</p></fn>
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<title>Literatur und Ressourcen</title>
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<title>Biographische Notiz</title>
<p>Eva Wiesmann ist Professorin f&#252;r deutsche Sprache und &#220;bersetzung am <italic>Dipartimento di Interpretazione e Traduzione</italic> (<italic>DIT</italic>) der Universit&#228;t Bologna. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Fachsprachenforschung und Translationswissenschaft mit besonderem Bezug auf die Rechtssprache und die Rechts&#252;bersetzung. Dar&#252;ber hinaus ist sie lexikographisch t&#228;tig, u.a. f&#252;r den Verlag C.H. Beck, f&#252;r den sie an der Neubearbeitung des Fachw&#246;rterbuchs &#8222;Recht und Wirtschaft (Conte/Boss) &#8211; Italienisch-Deutsch&#8220; mitgewirkt hat.</p>
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