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<journal-title>Zeitschrift Korpora Deutsch als Fremdsprache</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/tujournals-4728</article-id>
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<subject>Thematic issue articles</subject>
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<article-title>MARKIERUNG EPISTEMISCHER UNSICHERHEIT IM DAFZ-KONTEXT</article-title>
<subtitle>Wie DaFZ-Lernende in Sprachtandems sprachbezogene Hilfestellung bei Sprachl&#252;cken einholen</subtitle>
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<contrib contrib-type="author">
<contrib-id contrib-id-type="orcid">https://orcid.org/0000-0002-0053-6257</contrib-id>
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<surname>Gubina</surname>
<given-names>Alexandra</given-names>
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<email>gubina@ids-mannheim.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Leibniz-Institut f&#252;r Deutsche Sprache</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-12-22">
<day>22</day>
<month>12</month>
<year>2025</year>
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<pub-date pub-type="collection">
<year>2025</year>
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<issue>2</issue>
<fpage>164</fpage>
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<copyright-statement>Copyright: &#x00A9; 2025 The Author(s)</copyright-statement>
<copyright-year>2025</copyright-year>
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<license-p>CC BY 4.0 International - Creative Commons, Namensnennung. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>Der Beitrag widmet sich sprachlichen, prosodischen und k&#246;rperlichen Praktiken, mit denen DaFZ-Lernende in Sprachtandems epistemische Unsicherheit bez&#252;glich Korrektheit, Angemessenheit, Aussprache von Lexemen u.&#196;. signalisieren. Es wird aufgezeigt, wie diese Praktiken eingesetzt werden, um sprachbezogene Hilfe von L1-Sprechenden des Deutschen einzuholen. Diese Hilfe kann in Form von Best&#228;tigung der Korrektheit oder Angemessenheit, Korrektur oder Erkl&#228;rung erfolgen. Zuletzt wird &#252;ber die Relevanz der Ergebnisse sowie m&#246;gliche Ausblicke diskutiert. Die Untersuchung beruht auf ca. 36 Stunden Videoaufnahmen von drei Sprachtandems und bedient sich der Methodik der multimodalen Konversationsanalyse f&#252;r den Zweitspracherwerb und der Interaktionalen Linguistik.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p>The paper examines linguistic, prosodic, and bodily practices used by learners of German as a foreign/second language (DaFZ) in language tandems to express epistemic uncertainty regarding correctness, appropriateness, pronunciation, and other similar aspects of language use. It demonstrates how these verbal and embodied practices are employed to elicit language-related assistance from native speakers of German. This assistance may take the form of confirmation of correctness or appropriateness, correction, or explanation. The paper discusses the relevance of the findings as well as potential future research directions. The study is based on approximately 36 hours of video recordings of language tandem and employs the methodologies of conversation analysis for second language acquisition and interactional linguistics.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>epistemische Unsicherheit</kwd>
<kwd>sprachbezogene Hilfestellung</kwd>
<kwd>Sprachtandem</kwd>
<kwd>multimodale Konversationsanalyse f&#252;r den Zweitspracherwerb</kwd>
<kwd>Interaktionale Linguistik</kwd>
<kwd>Deutsch als Fremd-/Zweitsprache</kwd>
</kwd-group>
<kwd-group xml:lang="en">
<kwd>epistemic uncertainty</kwd>
<kwd>language-related assistance</kwd>
<kwd>language tandem</kwd>
<kwd>multimodal conversation analysis for the second language acquisition</kwd>
<kwd>interactional linguistics</kwd>
<kwd>German as a Second/Foreign Language</kwd>
</kwd-group>
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<sec>
<title>1. Einleitung<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref></title>
<p>Lernende einer Fremd-/Zweitsprache (L2) geraten regelm&#228;&#223;ig in Situationen, in denen sie ein Wort nicht wissen, an einer grammatischen Form zweifeln oder ihren Ausdruck infrage stellen. Besonders in nicht-institutionellen L2-Lernkontexten wie in Sprachtandems sind solche Momente der Unsicherheit nicht blo&#223; Hindernisse, sondern er&#246;ffnen Gelegenheiten f&#252;r sprachbezogene Hilfestellung durch die Tandempartner:innen. Die Art und Weise, wie Lernende Unsicherheit markieren &#8211; sei es sprachlich, prosodisch oder k&#246;rperlich &#8211; und wie Partner:innen darauf reagieren, bildet den Ausgangspunkt dieser Untersuchung.</p>
<p>Sprachtandems nehmen im Fremd- und Zweitsprachenerwerb eine besondere Rolle ein. Sie basieren auf den Prinzipien der Gegenseitigkeit und Autonomie (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B55">Little / Brammerts 1996</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B7">Brammerts 2001</xref>) und zeichnen sich dadurch aus, dass die Lernenden Verantwortung f&#252;r ihr eigenes Lernen &#252;bernehmen. Sie f&#246;rdern die Motivation, die Zielsprache aktiv zu verwenden, sie erm&#246;glichen authentische, nicht-institutionalisierte Kommunikation und sie senken Hemmschwellen, da sie au&#223;erhalb einer pr&#252;fungsorientierten Umgebung stattfinden (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B53">Lewis / Walker 2003</xref>). Dar&#252;ber hinaus wird ihnen ein hoher Nutzen f&#252;r interkulturelles Lernen zugeschrieben, da die Lernenden in direkten Austausch mit L1-Sprechenden unterschiedlicher kultureller Hintergr&#252;nde treten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Bechtel 2003</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B69">Salzinger / Stoudt 2025</xref>). Bisherige Studien zu Sprachtandems konzentrieren sich vor allem auf <italic>outcome</italic>-orientierte Aspekte (z.B. Lernerfolge) sowie auf motivationale Faktoren wie Autonomie, Authentizit&#228;t und interkulturelles Lernen. Weitgehend unbeachtet bleibt dagegen, wie Lernende ihre Interaktion organisieren und mit welchen Verfahren sie Lerngelegenheiten herstellen. Eine Art, solche Lerngelegenheiten hervorzubringen, bilden Situationen, in denen Lernende Unsicherheiten und Wissensl&#252;cken markieren &#8211; sei es sprachlich, prosodisch oder k&#246;rperlich. Der Umgang mit diesen Situationen bildet den Kern der vorliegenden Untersuchung.</p>
<p>Im Bereich des Zweitspracherwerbs<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> (<italic>Second Language Acquisition</italic>, SLA) wird Interaktion seit Langem als zentraler Faktor betrachtet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Hall 2003</xref>). Klassische Ans&#228;tze haben dabei vor allem untersucht, wie Sprachinput f&#252;r Lernende zug&#228;nglich gemacht, durch Feedback verarbeitet und in produktiven Aufgaben genutzt werden kann (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B81">Swain 1985</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B82">1993</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B63">Pica 1994</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B57">Lyster / Ranta 1997</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B56">Long / Robinson 1998</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B22">Gass / Mackey 2006</xref>). Der Zweitspracherwerb wird als individueller, kognitiver Prozess modelliert, bei dem neue Formen in bestehende mentale Strukturen integriert werden. Demgegen&#252;ber wird Zweitspracherwerb im Rahmen von interaktionsbasierten Ans&#228;tzen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Firth / Wagner 1997</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B30">Hall / Hellermann / Pekarek Doehler 2011</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B46">Kasper / Wagner 2011</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B11">Czyzak / Siebold 2022</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B74">Skintey 2022</xref>) als kontextabh&#228;ngiger, dynamischer und in Interaktion verankerter Prozess begriffen. Der vorliegende Beitrag schlie&#223;t an diese Sichtweise an und untersucht, wie DaFZ-Lernende in Sprachtandems sprachliche Unsicherheit markieren und sprachbezogene Hilfestellung einholen. Im Zentrum stehen sprachliche, prosodische und k&#246;rperliche Praktiken, mit denen Lernende Sprachl&#252;cken bearbeiten. Der methodische Zugang basiert auf der Konversationsanalyse (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Birkner et al. 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B65">Robinson et al. 2024</xref>) und der Interaktionalen Linguistik (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Couper-Kuhlen / Selting 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B42">Imo / Lanwer 2019</xref>). Die Datengrundlage bildet ein longitudinales Korpus von ca. 36 Stunden Videoaufnahmen nat&#252;rlicher Tandeminteraktionen.</p>
<p>Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Nach einem theoretischen &#220;berblick &#252;ber Praktiken, mit denen in Interaktionen mit L2-Sprechenden Hilfestellung bei epistemischer Unsicherheit eingefordert und angeboten werden kann (Abschnitt 2), werden die Datengrundlage und die Methodik der vorliegenden Untersuchung erl&#228;utert (Abschnitt 3). Abschnitt 4 widmet sich der Analyse von Praktiken, mit denen L2-Lernende epistemische Unsicherheit in Bezug auf Sprachverwendung, Verstehen und Formulierung markieren und dadurch sprachbezogene Hilfestellung einholen. Abschlie&#223;end fasst Abschnitt 5 die Ergebnisse zusammen und diskutiert deren Relevanz.</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Hilfestellung in Interaktionen mit L2-Sprechenden: Theoretischer &#220;berblick</title>
<p>Typisch f&#252;r die Interaktion mit L2-Sprechenden sind Momente, in denen sprachliche Probleme sichtbar werden. Dazu geh&#246;rt beispielsweise, dass sie ein Wort, das ihre Gespr&#228;chspartner:innen verwenden oder das sie selbst &#228;u&#223;ern m&#246;chten, nicht kennen, eine grammatische Regel nicht wissen, unsicher &#252;ber die Aussprache eines Wortes sind, Schwierigkeiten mit der richtigen Pr&#228;position haben oder nicht einsch&#228;tzen k&#246;nnen, ob ein Wort in einem bestimmten Kontext angemessen ist. In einigen F&#228;llen finden L2-Sprechende eigenst&#228;ndig eine L&#246;sung. Oft jedoch erwarten sie sprachliche Unterst&#252;tzung von ihren Gespr&#228;chspartner:innen, die als epistemische Autorit&#228;t (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Heritage 2012</xref>) betrachtet werden &#8211; sei es eine Lehrkraft im Unterricht oder eine L1-Person in informellen L1-L2-Interaktionen wie Sprachtandems oder Sprachcaf&#233;s.</p>
<p>Die bisherige Forschung konzentriert sich auf einzelne Praktiken und Handlungen, mit denen Sprachprobleme von L2-Sprechenden angezeigt werden, und auf Methoden, mit denen L1-Sprechende solche Probleme l&#246;sen. Der vorliegende Beitrag st&#252;tzt sich auf das umfassendere Konzept des <italic>recruitment</italic> von Kendrick / Drew (<xref ref-type="bibr" rid="B48">2016: 2</xref>), das &#8222;ways in which assistance may be sought &#8211; requested or solicited &#8211; or in which we come to perceive another&#8217;s need and offer or volunteer assistance&#8220; beschreibt (vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B62">Pekarek-Doehler / Berger 2019: 56</xref> zu einem &#228;hnlichen Ansatz bei der Untersuchung von Wortsuchen). Insbesondere wird untersucht, wie L2-Sprechende ihr fehlendes Wissen oder ihre Unsicherheit im sprachlichen Bereich signalisieren und so Gelegenheiten schaffen, in denen L1-Sprechende Unterst&#252;tzung leisten k&#246;nnen. Diese Unterst&#252;tzung kann unterschiedliche Formen annehmen, etwa eine Best&#228;tigung, Korrektur, eine Erkl&#228;rung oder eine &#220;bersetzung.</p>
<p>Fr&#252;here Studien haben dabei verschiedene Praktiken beschrieben, mit denen L2-Sprechende sprachliche Unterst&#252;tzung einholen k&#246;nnen. Dazu z&#228;hlen einerseits spezifische Formate zur Elizitierung einer Erkl&#228;rung, wie etwa &#8222;Was ist/hei&#223;t X?&#8220; oder &#8222;Kannst du X erkl&#228;ren?&#8220; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B52">Kurhila 2006</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Fasel Lauzon 2014</xref>). Andererseits gibt es Praktiken, mit denen L2-Sprechende ihr Nichtwissen bzw. fehlendes Wissen anzeigen, beispielsweise durch &#196;u&#223;erungen wie &#8222;Ich wei&#223; nicht&#8220; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B73">Sert / Walsh 2013</xref>). Jakonen / Morton (<xref ref-type="bibr" rid="B43">2015</xref>) untersuchen, wie Sch&#252;ler:innen in Gruppenarbeiten epistemische Probleme l&#246;sen, indem sie Mitsch&#252;ler:innen um Informationen zu einem bestimmten Wissenselement bitten. Auch nonverbale Signale k&#246;nnen &#228;hnliche Funktionen ausf&#252;hren: Sert / Jacknick (<xref ref-type="bibr" rid="B72">2015</xref>) zeigen, dass L&#228;cheln epistemische Unsicherheit ausdr&#252;cken kann, entsprechend interpretiert wird und zu Hilfestellungen f&#252;hrt, insbesondere wenn Lernende keinen Zugang zu fachlichem Wissen haben. Dar&#252;ber hinaus k&#246;nnen L2-Sprechende auf Selbstinitiierungen von Fremdreparaturen zur&#252;ckgreifen, um anzuzeigen, dass sie etwas im Gespr&#228;ch nicht verstanden haben, was auch nonverbale Reparaturinitiierungen miteinschlie&#223;t: So beschreiben Seo / Koshik (<xref ref-type="bibr" rid="B71">2010</xref>), wie Kopfneigungen oder Vorbeugen des Oberk&#246;rpers Verst&#228;ndnisprobleme signalisieren und eine Fremdreparatur initiieren k&#246;nnen.</p>
<p>Eine weitere bedeutende Strategie zum Hilfeeinholen sind Wortsuchen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B49">Koshik / Seo 2012</xref>). Diese beginnen, wenn eine Person Schwierigkeiten hat, eine Gespr&#228;chssequenz aufgrund eines Formulierungs- oder Konzeptualisierungsproblems fortzusetzen oder abzuschlie&#223;en. Charakteristische Marker sind Pausen, Hesitationsmarker (wie <italic>&#228;h</italic>), gedehnte Laute oder spezifische Formulierungen wie &#8222;Wie hei&#223;t das?&#8220; oder &#8222;Wie sagt man das?&#8220; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Brouwer 2003</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B80">Svennevig 2018</xref>) oder auch Handgesten, z.B. ein erhobener Zeigefinger (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B83">Uskokovic / Taleghani-Nikazm 2022</xref>). Auch Gesten, wie das Greifen in die Luft (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B58">McNeill 1992</xref>) oder faziale Gesten, die signalisieren, dass die Sprechenden am Denken sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Goodwin / Goodwin 1986</xref>), k&#246;nnen darauf hinweisen. Wortsuchen lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: selbstinitiierte und kollaborative Suchen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Dressel 2020</xref>). Bei selbstinitiierten Suchen versuchen die Sprechenden, eigenst&#228;ndig eine L&#246;sung zu finden, w&#228;hrend bei kollaborativen Suchen die Gespr&#228;chspartner:innen m&#246;gliche L&#246;sungen einbezogen werden. Um die Wortsuche zu unterst&#252;tzen, stehen den Gespr&#228;chspartner:innen verschiedene Strategien zur Verf&#252;gung, wie z.B. Definitionen, Beispiels&#228;tze, Umschreibungen, und weitere Arten von Erkl&#228;rungen. Gesten k&#246;nnen ebenfalls helfen, indem sie das gesuchte Wort veranschaulichen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B61">Park 2007</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B26">Greer 2013</xref>). Funktionsw&#246;rter k&#246;nnen zudem Hinweise auf die grammatische Kategorie des gesuchten Begriffs geben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Hayashi 2003</xref>).</p>
<p>Neben solchen verbalen und nonverbalen Ressourcen stellt auch Code-Switching eine wichtige M&#246;glichkeit dar, Wortfindungsschwierigkeiten zu bearbeiten. Code-Switching (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Gumperz 1982</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B3">Auer 1984</xref>) bzw. Sprachalternation (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Filipi / Markee 2018</xref>) beschreibt verschiedene Formen des gleichzeitigen Auftretens mehrerer Codes (z.B. Sprachen, regionale und soziale Dialekte, Variet&#228;ten oder weniger habitualisierte Sprechstile) innerhalb eines Sprecherbeitrags und/oder einer Interaktion. W&#228;hrend Code-Switching in Gespr&#228;chen zwischen L1- und L2-Sprechenden unterschiedliche Funktionen erf&#252;llen kann (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B54">Liebscher / Dailey-O&#8217;Cain 2004</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B52">Kurhila 2006</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B26">Greer 2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">Kupetz / Becker 2024</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B12">Deppermann et al. 2024</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B27">Gubina / Fiedler 2025</xref>), dient es unter anderem dazu, dass L2-Sprechende w&#228;hrend ihres Redebeitrags in eine andere Sprache wechseln, wenn ihnen das passende Wort in der Zielsprache fehlt. Dadurch markieren sie eine L&#252;cke im sprachlichen Wissen und machen eine &#220;bersetzung oder Best&#228;tigung durch die Gespr&#228;chspartner:innen relevant. Code-Switching ist damit nicht nur eine Ressource zur Bearbeitung von Wortfindungsschwierigkeiten, sondern zugleich eine Strategie, um Unterst&#252;tzung einzufordern und kollaborative L&#246;sungsprozesse zu initiieren.</p>
<p>Eine weitere Strategie von L2-Sprechenden ist das Anbieten eines Wortkandidaten zur Best&#228;tigung durch den Gespr&#228;chspartner. Solche W&#246;rter werden oft mit einer steigenden, <italic>try-marked</italic> Intonation ge&#228;u&#223;ert, die das Wort als unsicher bzw. als einen Versuch markieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B68">Sacks / Schegloff 1979</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B49">Koshik / Seo 2012</xref>). Eng verwandt damit sind die sogenannten <italic>vocabulary checks</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Hosoda 2006</xref>), bei denen L2-Sprechende ein Wort mit steigender Intonation sowie gedehnten Lauten, Abbr&#252;chen oder nichtlexikalischen St&#246;rungen markieren, um eine Best&#228;tigung oder Korrektur zu erhalten.</p>
<p>Zusammenfassend zeigt die bisherige Forschung, dass L2-Sprechende &#252;ber ein breites Repertoire verf&#252;gen, um in Interaktionen sprachliche Unsicherheit sichtbar zu machen und Unterst&#252;tzung einzuholen. Ob durch Fragen, durch Markierungen von Nichtwissen, durch Wortsuchen, durch Code-Switching oder durch nonverbale Signale &#8211; alle diese Praktiken dienen dazu, ein Wissensdefizit zu markieren und Gespr&#228;chspartner:innen zu einer unterst&#252;tzenden Handlung zu veranlassen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Unsicherheit interaktional relevant machen und damit eine Grundlage f&#252;r kollaborative Bearbeitung schaffen. Bisher wurden diese Strategien jedoch meist isoliert beschrieben, ohne ihren Platz in einem umfassenden System und ohne ihre Realisierung in informellen DaFZ-Interaktionen systematisch zu untersuchen. Die vorliegende Arbeit versteht sich daher als Beitrag zur Untersuchung multimodaler Formate zur Hilfeeinforderung in authentischen DaFZ-Tandemsettings und r&#252;ckt damit ein bislang wenig beachtetes Lernsetting in den Fokus der interaktionalen Zweitspracherwerbsforschung.</p>
</sec>
<sec>
<title>3. Daten und Methoden</title>
<p>Die vorliegende Studie basiert auf ca. 36 Stunden Videoaufnahmen von drei Sprachtandems. Tandems stellen ein dyadisches, informelles Lernsetting dar, das von den Lernenden selbst organisiert wird und sich durch weitaus flexiblere Rechte und Pflichten der Teilnehmenden auszeichnet als formellere Sprachlernkontexte wie z.B. Sprachunterricht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B64">Renner 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B6">B&#246;cker et al. 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B77">Sp&#228;nkuch et al. 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B67">Sabbah-Taylor 2021</xref>; vgl. <italic>conversations-for-learning</italic> in <xref ref-type="bibr" rid="B45">Kasper / Kim 2015</xref>).</p>
<p>Die Datengrundlage umfasst Aufnahmen von:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>12 aufeinanderfolgenden Treffen eines deutsch-spanischen Tandems (B2/C1-Niveau in Deutsch der L2-Sprecherin) &#252;ber einen Zeitraum von 5 Monaten;</p></list-item>
<list-item><p>13 aufeinanderfolgenden Treffen eines deutsch-italienischen Tandems (B1/B2-Niveau in Deutsch des L2-Sprechers) &#252;ber einen Zeitraum von 5 Monaten;</p></list-item>
<list-item><p>11 aufeinanderfolgenden Treffen eines deutsch-englischen Tandems (B1/B2-Niveau in Deutsch des L2-Sprechers), &#252;ber einen Zeitraum von 6 Monaten.</p></list-item>
</list>
<p>Die Einbeziehung unterschiedlicher Sprachpaare erlaubt es, die untersuchten Praktiken nicht als idiosynkratische Besonderheiten einzelner Lernender oder spezifischer Sprachkombinationen zu betrachten, sondern als wiederkehrende, &#252;ber spezifische Konstellationen hinweg robuste Muster. Damit erh&#246;ht sich die Generalisierbarkeit der Ergebnisse: Die Befunde verweisen auf grundlegende Verfahren der Markierung und Bearbeitung von Unsicherheit, die unabh&#228;ngig von den beteiligten Personen oder deren Erstsprachen beobachtet werden k&#246;nnen.</p>
<p>Um die Kollektion f&#252;r die vorliegende Untersuchung zu erstellen, wurden zun&#228;chst ca. zehn Stunden Videoaufnahmen aus allen drei Aufnahmes&#228;tzen gesichtet<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>. Darin wurde gezielt nach F&#228;llen gesucht, in denen L2-Sprechende epistemische Unsicherheit in Bezug auf ihren bevorstehenden oder bereits begonnenen Redebeitrag zeigen. Die daraus resultierende Kollektion umfasst 194 F&#228;lle. Jeder Fall wurde einer detaillierten sequenziellen Analyse unterzogen, um ein umfassenderes Verst&#228;ndnis der jeweiligen kommunikativen Praktik zu entwickeln. Nach einer gr&#252;ndlichen qualitativen Analyse wurden verschiedene interaktionale Merkmale, die sich als zentral erwiesen, &#252;ber die gesamte Sammlung hinweg untersucht, um die Konsistenz der identifizierten Muster zu &#252;berpr&#252;fen. Dazu geh&#246;ren:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>prosodische Realisierung;</p></list-item>
<list-item><p>epistemische Abschw&#228;chungen;</p></list-item>
<list-item><p>sprachliche Umsetzung;</p></list-item>
<list-item><p>k&#246;rperliche Ausdrucksformen;</p></list-item>
<list-item><p>ob der Redebeitrag mit der Unsicherheitsmarkierung durch den Gespr&#228;chsbeitrag des/der Anderen ausgel&#246;st wurde oder nicht;</p></list-item>
<list-item><p>Reaktionen.</p></list-item>
</list>
<p>Relevante Merkmale werden in den Analysen in Abschnitt 4 behandelt.</p>
<p>Die Studie st&#252;tzt sich auf die Methodik der Multimodalen Konversationsanalyse f&#252;r den Zweitspracherwerb (CA-SLA; vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Kasper / Wagner 2011</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B74">Skintey 2022</xref>). Die Konversationsanalyse ist ein datengesteuerter, emischer Ansatz, der darauf abzielt, anhand von kollektionsbasierten Analysen und auf der Grundlage der beobachtbaren Orientierungen der Teilnehmenden die Methoden der Teilnehmenden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Garfinkel 1967</xref>) zur Bew&#228;ltigung spezifischer interaktionaler Aufgaben im Gespr&#228;ch zu untersuchen. Dar&#252;ber hinaus wird die Studie durch die Methodik der Interaktionalen Linguistik geleitet, die sich auf den Gebrauch von Sprache (Grammatik und sprachlicher Praktiken allgemeiner) zur Ausf&#252;hrung sozialer Handlungen konzentriert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Couper-Kuhlen / Selting 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B42">Imo / Lanwer 2019</xref>). Alle Transkripte folgen GAT2 Transkriptionskonventionen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B70">Selting et al. 2009</xref>), mit zus&#228;tzlichen Anmerkungen zum k&#246;rperlichen Verhalten, wo erforderlich (nach den Konventionen von <xref ref-type="bibr" rid="B59">Mondada 2018</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>4. Analyse von Praktiken zur sprachbezogenen Hilfeeinholung von DaFZ-Lernenden</title>
<p>In diesem Kapitel werden rekurrente Praktiken untersucht, mit denen DaFZ-Lernende in Tandems epistemische Unsicherheit markieren und dadurch Gelegenheiten zur Hilfestellung schaffen. Der analytische Fokus liegt auf den interaktionalen Verfahren, mit denen Lernende Unsicherheit sichtbar und relevant machen und so Unterst&#252;tzung von L1-Sprecher:innen mobilisieren. Diese Verfahren k&#246;nnen sehr unterschiedlich gestaltet sein &#8211; von expliziten Fragen &#252;ber das Angebot von Wortkandidaten bis hin zu nonverbalen Displays, wie Stirnrunzeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">H&#246;mke 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Heller / Sch&#246;nfelder / Robbins 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B79">Stolle / Pfeiffer 2023</xref>) oder einem sogenannten <italic>thinking face</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Goodwin / Goodwin 1986</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Heller 2021</xref>).</p>
<p>F&#252;r die Analyse wird zwischen drei Typen von Unsicherheitsmarkierungen unterschieden, die angeben, worauf genau sich die Unsicherheit bezieht:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p><italic>Verwendung</italic>: wenn Lernende signalisieren, dass sie &#252;ber die korrekte oder angemessene Verwendung eines Ausdrucks unsicher sind (Abschnitt 4.1);</p></list-item>
<list-item><p><italic>Verstehen</italic>: wenn Lernende anzeigen, dass etwas aus dem Beitrag des Gegen&#252;bers nicht (vollst&#228;ndig) verstanden wurde (Abschnitt 4.2);</p></list-item>
<list-item><p><italic>Formulierung</italic>: wenn Lernende markieren, dass sie nicht sicher sind, wie etwas sprachlich auszudr&#252;cken ist (Abschnitt 4.3).</p></list-item>
</list>
<p>Diese Differenzierung erlaubt es, die Vielfalt an sprachlichen, prosodischen und k&#246;rperlichen Praktiken in den Daten systematisch zu ordnen und zugleich sichtbar zu machen, wie Lernende Unsicherheit interaktional bearbeiten.</p>
<sec>
<title>4.1 Markierung von Verwendungsunsicherheit</title>
<p>Ein erster Typ von Unsicherheitsmarkierungen betrifft F&#228;lle, in denen Lernende zwar wissen, was ein Ausdruck bedeutet, aber unsicher sind, wie er korrekt oder angemessen im Kontext verwendet wird. Hier geht es also nicht um die Verf&#252;gbarkeit oder das Verstehen einer Form, sondern um deren Einbettung in grammatische Strukturen oder kontextuelle Gebrauchsregeln. Prototypische rekurrente Praktiken sind Best&#228;tigungsfragen (21 von 194 Hilfsanforderungen; z.B. &#8222;X hei&#223;t Y, oder?&#8220;) sowie Inhalts- und Entscheidungsfragen, die darauf abzielen, Informationen &#252;ber Bedeutungen, bestimmte grammatische Regeln oder die kontextuelle Verwendungsweise sprachlicher Formen von L1-Sprechenden zu erhalten (30 von 194 Hilfsanforderungen; &#8222;Gibt es dazu eine Pr&#228;position?&#8220; in Ausschnitt 1; &#8222;Und gibt es einen Unterschied zwischen <italic>vertrauen</italic> und <italic>verlassen auf</italic>? in Ausschnitt 2). Durch diese Formen der Unsicherheitsmarkierung positionieren die L1-Sprechenden als epistemische Autorit&#228;t in Bezug auf sprachliche Normen oder Verwendungsweisen und machen deren Hilfestellung besonders relevant. Ein Beispiel hierf&#252;r ist Ausschnitt (1) aus dem deutsch-spanischen Sprachtandem zwischen der deutschen L1-Sprecherin Anna und der spanischsprechenden DaFZ-Lernenden Carmen, die Deutsch auf B2/C1-Niveau beherrscht.</p>
<p>In diesem Sprachtandem &#252;berpr&#252;ft Carmen Hausaufgaben f&#252;r ihren Deutschkurs und bittet Anna um Feedback zu ihren Fehlern. Vor diesem Ausschnitt beginnt Carmen, einige Experimente zur r&#228;umlichen Orientierung von Menschen zusammenzufassen. Bei einem Formulierungsproblem schl&#228;gt ihr Anna das Wort <italic>ausgepr&#228;gt</italic> vor. Da dieses Wort f&#252;r Carmen neu ist, bittet sie um eine Erkl&#228;rung, was das Wort bedeutet und wie man dieses Wort ins Englische &#252;bersetzen kann. Anna versucht, das Wort zu definieren und ins Englische zu &#252;bersetzen, kann sich aber nicht an die passende &#220;bersetzung erinnern. Daher recherchiert sie auf ihrem Handy. W&#228;hrenddessen setzt Carmen ihre Erz&#228;hlung fort. Bei der n&#228;chsten Pause teilt Anna ihr mit, dass <italic>ausgepr&#228;gt</italic> auf Englisch <italic>pronounced</italic> bzw. <italic>distinctive</italic> bedeutet. Nachdem Carmen dies notiert (Z. 01), erkundigt sie sich nach der Verwendung des Wortes, n&#228;mlich ob es mit bestimmten Pr&#228;positionen gebraucht wird oder ob es sonstige Besonderheiten gibt (Z. 03&#8211;04).</p>
<p>Ausschnitt (1): SP_1_18:58_Pr&#228;position</p>
<fig>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g11.png"/>
</fig>
<p>Bevor Anna antwortet, &#252;berpr&#252;ft sie zun&#228;chst, ob sie Carmens Frage richtig verstanden hat, indem sie ihr m&#246;gliches Verst&#228;ndnis explizit formuliert (Z. 05). Anschlie&#223;end verdeutlicht Carmen ihr Anliegen durch ein Beispiel, das sich auf Annas Rede bezieht, und hebt dabei das Pr&#228;dikat bzw. das Kopulaverb <italic>ist</italic> besonders hervor (Z. 06), womit sie klarzumachen versucht, woran genau sie interessiert ist, n&#228;mlich wie das Wort <italic>ausgepr&#228;gt</italic> in einem Satz normgrammatisch zu verwenden ist. Anna best&#228;tigt die Verwendung des Wortes mit dem Kopulaverb <italic>sein</italic> (Z. 08), &#228;u&#223;ert einen Beispielsatz (Z. 09) und zieht eine Parallele zum Englischen (Z. 11), indem sie den vorherigen Beispielsatz ins Englische &#252;bersetzt.</p>
<p>Verwendungsunsicherheit bezieht sich oftmals auch auf Bedeutungsunterschiede zwischen mehreren Lexemen, wie das folgende Beispiel zeigen wird. Vor Ausschnitt (2) erkundigt sich Antonio, dessen Erstsprache Italienisch ist und der Deutsch auf dem Niveau B1/B2 beherrscht, nach den verschiedenen Verwendungen des Verbs <italic>verlassen</italic>, insbesondere nach dem Unterschied zwischen <italic>jemanden verlassen</italic> und <italic>sich auf jemanden verlassen</italic>. Nach einer ausf&#252;hrlichen Erkl&#228;rung von Maria, der L1 Sprecherin des Deutschen, fragt Antonio, ob es einen Bedeutungsunterschied zwischen <italic>vertrauen</italic> und <italic>sich auf jemanden verlassen</italic> gibt (Z. 01):</p>
<p>Ausschnitt (2): IT_DE_01_13:55<xref ref-type="fn" rid="n4">&#160;</xref></p>
<fig>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g12.png"/>
</fig>
<p>Das von Antonio gew&#228;hlte Verbpaar (<italic>vertrauen</italic> vs. <italic>sich auf jemanden verlassen</italic>) illustriert eine typische Quelle von Verwendungsunsicherheit: Beide Verben geh&#246;ren zum gleichen semantischen Feld, unterscheiden sich jedoch sowohl in ihrer syntaktischen Realisierung als auch in den Implikationen ihrer Verwendung: <italic>vertrauen</italic> beschreibt eine innere Haltung und Erwartung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Duden Online, <italic>vertrauen</italic></xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B84">DWDS, <italic>vertrauen</italic></xref>), w&#228;hrend <italic>sich auf jemanden verlassen</italic> st&#228;rker auf ein konkretes Verhalten oder Handeln einer dritten Partei rekurriert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Duden Online, <italic>verlassen</italic></xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B85">DWDS, <italic>verlassen</italic></xref>).</p>
<p>Die Antwort von Marie zeigt an, dass selbst L1-Sprechende des Deutschen Schwierigkeiten haben k&#246;nnen, solche Unterschiede zu erkl&#228;ren: Nach einer 0,6-sek&#252;ndigen Pause (Z. 02) formuliert Marie eine Beispiel&#228;u&#223;erung mit <italic>vertrauen</italic> (Z. 03) und eine mit <italic>sich auf jemanden verlassen</italic> (Z. 04). Obwohl sie dabei die ganze Zeit Antonio ansieht, spricht sie ihre Redebeitr&#228;ge leise aus &#8211; wie eine Art selbstbezogene Rede bzw. <italic>self-talk</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Goffman 1981</xref>). Diese Form der &#196;u&#223;erung erm&#246;glicht es nicht nur, Unsicherheit in Bezug auf die Antwort zu signalisieren, sondern auch Beispielverwendungen im Kontext laut zu &#252;berlegen bzw. durchzuspielen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Hall / Looney 2021</xref>). Anschlie&#223;end wendet sie ihren Blick ab, hebt den Kopf, zieht die Mundwinkel leicht nach unten, schaut kurz nach oben und schlie&#223;lich nach vorne &#8211; ein Blickverhalten, das als <italic>middle-distance look</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Goodwin 1987: 117</xref>) beschrieben wurde. Durch diese k&#246;rperlichen Bewegungen formt Marie einen sogenannten <italic>denkenden Gesichtsausdruck</italic> bzw. <italic>thinking face</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Goodwin / Goodwin 1986</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Heller 2021</xref>). Damit gewinnt sie Zeit zum &#220;berlegen, beh&#228;lt das Rederecht und signalisiert gleichzeitig, dass sie noch nach einer Antwort auf Antonios Frage sucht. Schlie&#223;lich gibt sie eine Erkl&#228;rung, in der sie zun&#228;chst auf einen (m&#246;glichen) Bedeutungsunterschied hinweist (Z. 09) und anschlie&#223;end zwei Beispiele mit den beiden Verben liefert (Z. 12, 14, 16). Danach folgt eine Kontextualisierung von <italic>sich auf jemanden verlassen</italic> innerhalb einer fiktiven Geschichte (Z. 17&#8211;20). Nachdem Antonio diese Erkl&#228;rung mit <italic>okay</italic> quittiert (Z. 22), beschreibt sie die Bedeutung von <italic>vertrauen</italic> als pers&#246;nlicher (und im gegebenen Kontext sogar als &#8218;intimer&#8216;; Z. 23), was sie anhand eines Beispiels verdeutlicht, in dem das Verb <italic>vertrauen</italic> mit <italic>Geheimnisse</italic> verwendet wird (Z. 26).</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2. Markierung von Verstehensunsicherheit</title>
<p>Ein zweiter Typ von Unsicherheitsmarkierungen betrifft F&#228;lle, in denen Lernende anzeigen, dass sie den Beitrag ihres Gegen&#252;bers nicht vollst&#228;ndig verstanden haben. Diese Form der Unsicherheit bezieht sich darauf, was der/die Andere gesagt hat. Zu den einschl&#228;gigen Praktiken geh&#246;ren Nachfragen mithilfe von Teilwiederholungen mit fragender Intonation (39 von 194 Hilfsanforderungen; <italic>in bezogen?</italic> in Ausschnitt 3), in Kombination mit nonverbalen Displays wie Stirnrunzeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">H&#246;mke 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Heller / Sch&#246;nfelder / Robbins 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B79">Stolle / Pfeiffer 2023</xref>) oder dem <italic>thinking face</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Goodwin / Goodwin 1986</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Heller 2021</xref>). In solchen F&#228;llen wiederholen L2-Sprechende ein Wort oder eine Phrase aus dem vorherigen Redebeitrag der L1-Sprechenden und signalisieren damit, dass dieses Wort f&#252;r sie in irgendeiner Weise problematisch ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B66">Robinson 2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B2">Aldrup 2023</xref>). Ein Beispiel hierf&#252;r bietet Ausschnitt (3) aus dem deutsch-italienischen Tandem. Bevor dieser Ausschnitt beginnt, fragt Antonio nach der Bedeutung des Wortes <italic>relativ</italic>. Marie erkl&#228;rt dies anhand eines Beispiels zur Wasserqualit&#228;t: Wenn man sagt <italic>Die Wasserqualit&#228;t ist relativ gut</italic>, m&#252;sse man erl&#228;utern, <italic>in Relation zu was genau</italic>. Daher sei es notwendig, anzugeben, wie die Wasserqualit&#228;t in den vergangenen Jahren war (Z. 02&#8211;06). In Zeilen 08&#8211;10 spezifiziert sie <italic>relativ</italic> erneut mit &#8222;bezogen auf den KONtext,=die [jahre] davor &#8220;.</p>
<p>Ausschnitt (3): IT_01_23.39 -24:33</p>
<fig>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g13.png"/>
</fig>
<p>Nachdem Marie ihre Erkl&#228;rung zu <italic>relativ</italic> scheinbar abgeschlossen hat, initiiert Antonio eine Reparatur, indem er eine Teilwiederholung <italic>in bezogen</italic> &#228;u&#223;ert und dabei die Stirn runzelt &#8211; ein Hinweis auf ein wahrgenommenes Problem (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">H&#246;mke 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Heller / Sch&#246;nfelder / Robbins 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B78">Stolle / Pfeiffer 2023</xref>). Obwohl Marie in Zeile 09 nicht <italic>in bezogen</italic> gesagt hat, f&#228;llt auf, dass die fast monosyllabische Produktion von <italic>eben</italic> (d.h. ohne Plosiv und Schwa) dazu f&#252;hren k&#246;nnte, dass <italic>eben bezogen</italic> akustisch f&#228;lschlicherweise so wahrgenommen werden kann. Das Besondere an solchen Nachfragen ist, dass sie zwar die Problemquelle markieren, jedoch nicht explizit machen, worin genau die Schwierigkeit f&#252;r die DaFZ-Lernenden liegt &#8211; ob sie das Wort lediglich nicht geh&#246;rt haben, seine Bedeutung nicht kennen oder sich &#252;ber die spezifische Wortform unsicher sind.</p>
<p>Marie korrigiert Antonios Teilwiederholung mit <italic>in Bezug</italic> (Z. 12). Daraufhin &#252;bernimmt Antonio die korrigierte Form (Z. 13) und fordert eine Erkl&#228;rung durch die direkte Inhaltsfrage <italic>Was bedeutet?</italic> ein (Z. 14; siehe Abschnitt 4.1). Im Unterschied zur vorherigen Nachfrage disambiguiert diese Inhaltsfrage explizit, worin Antonios Problem besteht, und ist deshalb als zweiter Versuch, den Ausdruck zu kl&#228;ren, gut geeignet. Daraufhin &#228;u&#223;ert Marie zun&#228;chst die vollst&#228;ndige Kollokation <italic>in Bezug auf</italic> und nennt anschlie&#223;end in Zeile 18 ein Synonym, das von Antonio akzeptiert wird (nicht im Transkript gezeigt).</p>
</sec>
<sec>
<title>4.3 Markierung von Formulierungsunsicherheit</title>
<p>Ein dritter Typ von Unsicherheitsmarkierungen betrifft F&#228;lle, in denen Lernende anzeigen, dass sie nicht wissen, wie sie etwas sprachlich ausdr&#252;cken k&#246;nnen. In solchen F&#228;llen richten sich ihre Beitr&#228;ge darauf, eine geeignete Formulierung zu finden oder diese von der/dem L1-Sprechenden zu erhalten. Typische Praktiken sind Wortsuchen (18 aus 194 Hilfsanforderungen; <italic>Wie sagt man&#8230;</italic> in Ausschnitt 4), Wortsch&#246;pfungen (15 aus 194 Hilfsanforderungen; <italic>einste Klasse</italic> in Ausschnitt 5), der R&#252;ckgriff auf Code-Switching bzw. Sprachalternationen (25 von 194 Hilfsanforderungen; <italic>movement</italic> und <italic>first</italic> in Ausschnitten 4 und 5 entsprechend), sowie das Anbieten von Wortkandidaten (46 von 194 Hilfsanforderungen; <italic>betrifft?</italic> oder <italic>STUdie?</italic> in Ausschnitten 6 und 7 entsprechend). Allen diesen Verfahren ist gemeinsam, dass die L2-Sprechenden die eigene Unsicherheit prosodisch, sprachlich oder k&#246;rperlich markieren und dadurch die L1-Sprechenden zur Bereitstellung einer passenden Ausdrucksform mobilisieren. Gelegentlich werden manche Praktiken, wie z.B. Wortsuchen und Code-Switching auch kombiniert, wie das folgende Beispiel veranschaulicht.</p>
<p>Ausschnitt (4) stammt aus derselben deutsch-italienischen Sprachtandemsitzung wie die Ausschnitte (2) und (3). Vor diesem Abschnitt fragt Antonio (ANT) nach der Verwendung und den Regeln bestimmter Pr&#228;positionen im Deutschen. Unmittelbar zuvor erkl&#228;rt Marie (MAR), dass bei L&#228;ndernamen die Pr&#228;position <italic>nach</italic> verwendet werden sollte. In Zeile 01 leitet Antonio jedoch einen Widerspruch ein, was insbesondere durch das kontrastive <italic>aber</italic> deutlich wird. Nach einer 0,7-sek&#252;ndigen Pause (Z. 02) korrigiert ihn Maria, indem sie die Negationspartikel <italic>na</italic> verwendet und eine Teilwiederholung mit einer ersetzten Artikelform &#228;u&#223;ert (<italic>der</italic> in Zeile 01 wird zu <italic>die</italic> in Zeile 03). Daraufhin &#252;bernimmt Antonio die korrekte Form, indem er sie wiederholt und best&#228;tigt (Zeile 04). Zus&#228;tzlich signalisiert er die Anerkennung seines Fehlers durch Lachen, eine Palm-Up-Geste (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B47">Kendon 2004</xref>) sowie l&#228;ngeres Augenblinzeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B39">H&#246;mke / Holler / Levinson 2017</xref>) in Zeile 04 (siehe <xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref>).</p>
<fig id="F1">
<label>Abbildung 1</label>
<caption>
<p>ANT lacht, blinzelt mit den Augen und macht eine Palm-up-Geste</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g1.png"/>
</fig>
<p>Ausschnitt (4): IT_DE_01: 04:19&#8211;05:08</p>
<fig>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g14.png"/>
</fig>
<p>Nachdem Marie einen Beispielsatz mit dieser Konstruktion ge&#228;u&#223;ert hat (Z. 05), initiiert Antonio eine Wortsuche mit der Formulierung <italic>wie sagt man</italic> (Z. 06). Dabei wendet er den Blick von Marie ab und zieht die Augenbrauen zusammen, was als Stirnrunzeln zu interpretieren ist und darauf hinweist, dass er auf ein sprachliches Problem st&#246;&#223;t (siehe <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F3">3</xref>; vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">H&#246;mke 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Heller / Sch&#246;nfelder / Robbins 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B79">Stolle / Pfeiffer 2023</xref>). Dar&#252;ber hinaus legt er seine Hand ans Kinn und zeigt einen sogenannten <italic>middle-distance look</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Goodwin 1987: 117</xref>). In Kombination mit den anderen nonverbalen Hinweisen ist dies als <italic>thinking face</italic> zu interpretieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Goodwin / Goodwin 1986</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Heller 2021</xref>), was auf eine unilaterale Wortsuche hindeutet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Dressel 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B75">Skogmyr Marian / Pekarek Doehler 2022</xref>).</p>
<fig id="F2">
<label>Abbildung 2</label>
<caption>
<p>ANT schaut auf Marie vor der Wortsuche</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g2.png"/>
</fig>
<fig id="F3">
<label>Abbildung 3</label>
<caption>
<p>ANT zieht Augenbrauen zusammen und wendet Blick von Marie ab</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g3.png"/>
</fig>
<p>Nachdem seine eigenst&#228;ndige Wortsuche erfolglos bleibt, wendet Antonio seinen Blick zur&#252;ck zu Marie, wodurch er eine sprachbezogene Hilfestellung von ihr mobilisiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B78">Stivers / Rossano 2010</xref> zu <italic>mobilizing response</italic>). Anschlie&#223;end nutzt er <italic>Code-Switching</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Gumperz 1982</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B3">Auer 1984</xref>), indem er das englische Wort <italic>movement</italic> produziert, das Marie daraufhin ins Deutsche &#252;bersetzt (Z. 09). Dabei produziert Antonio eine kreisende Handbewegung, die die Bedeutung des Wortes <italic>movement</italic> bzw. <italic>Bewegung</italic> gestisch zus&#228;tzlich darstellt (siehe <xref ref-type="fig" rid="F4">Abbildungen 4</xref>&#8211;<xref ref-type="fig" rid="F6">6</xref>; vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B44">Janin 2023</xref>).</p>
<fig id="F4">
<label>Abbildung 4</label>
<caption>
<p>Drehgeste I</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g4.png"/>
</fig>
<fig id="F5">
<label>Abbildung 5</label>
<caption>
<p>Drehgeste II</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g5.png"/>
</fig>
<fig id="F6">
<label>Abbildung 6</label>
<caption>
<p>Drehgeste III</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g6.png"/>
</fig>
<p>Eine weitere Strategie von L2-Sprechenden, um Unsicherheit und Problematizit&#228;t eines ge&#228;u&#223;erten oder zu &#228;u&#223;ernden Wortes zu markieren und damit Hilfe von L1-Sprechenden einzuholen, besteht darin, ad-hoc Wortsch&#246;pfungen aus einheimischen und/oder fremden bzw. im Deutschen nicht-existierenden Morphemen zu bilden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B76">Stumpf 2003: Kap. 8.2.7</xref>). An den Morphemen, aus denen solche Wortsch&#246;pfungen bestehen, l&#228;sst sich f&#252;r die Gespr&#228;chspartner:innen erkennen, welches Wort gemeint sein k&#246;nnte. Solche Wortbildungen k&#246;nnen ganz unterschiedliche Formen annehmen: Es kann sich um sogenannte <italic>foreignized words</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B52">Kurhila 2006</xref>) handeln, also W&#246;rter aus anderen Sprachen, die an die deutsche Morphologie angepasst werden. Ebenso treten F&#228;lle auf, bei denen &#228;hnliche W&#246;rter mit &#228;hnlichen Pr&#228;fixen produziert werden, um auf ein bestimmtes Zielwort hinzudeuten &#8211;, wie z.B. <italic>Aussage</italic> oder <italic>Aufnahme</italic> im Versuch, das Wort <italic>Ausnahme</italic> zu finden. Eine weitere Art von Wortsch&#246;pfungen stellen ungrammatische oder erfundene Einheiten oder Konstruktionen (wie etwa <italic>einste</italic> in Ausschnitt 5 unten). In der Regel treten solche Wortsch&#246;pfungen (wie auch &#246;fters Wortkandidaten und Code-Switching) im Rahmen von Wortsuchen auf: In manchen F&#228;llen versuchen die Sprechenden, die Wortsuche innerhalb der gerade verwendeten Sprache zu l&#246;sen (in den analysierten F&#228;llen: Deutsch) und passen dabei W&#246;rter aus anderen Sprachen an die deutsche Phonologie oder Morphologie an (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B52">Kurhila 2006: Kap. 4.2.3</xref> zu <italic>foreignized</italic> bzw. <italic>fennicized words</italic>).</p>
<p>Ein Beispiel daf&#252;r bietet Ausschnitt (5) aus dem englisch-deutschen Tandem, das per Videokonferenz (Zoom) stattfindet. Hier berichtet Lisa Mathias, dass die Grundschule in Wien sechs Jahre dauert (Z. 02), w&#228;hrend sie im restlichen &#214;sterreich nur vier Jahre umfasst (Z. 06&#8211;08). Diese Information rahmt sie mithilfe des kausalen Konnektors <italic>deswegen</italic> als Begr&#252;ndung f&#252;r ihre deklarative Frage, die sie in den Zeilen 12&#8211;13 formuliert, n&#228;mlich, ob das Schulsystem in der T&#252;rkei &#228;hnlich strukturiert ist oder ob es Unterschiede gibt. Mathias antwortet daraufhin, dass es seiner Meinung nach gleich ist (Z. 18&#8211;19).</p>
<p>Ausschnitt (5): EN_01_01_16:20_first</p>
<fig>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g15.png"/>
</fig>
<p>In Zeile 20 initiiert Mathias eine Wortsuche, die durch eine Mikropause sowie einen final gedehnten Konsonanten [n] markiert wird. W&#228;hrenddessen blickt er weiterhin nach vorne bzw. in Richtung Bildschirm, was als Initiierung einer kollaborativen Wortsuche interpretiert werden kann &#8211; also als implizite Bitte um Unterst&#252;tzung seitens der Rezipientin (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Dressel 2020</xref>; siehe <xref ref-type="fig" rid="F7">Abbildung 7</xref>). Da Lisa jedoch nicht reagiert (Z. 21), wendet er seinen Blick ab (vgl. <xref ref-type="fig" rid="F8">Abbildungen 8</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F9">9</xref>), womit er eine unilaterale Wortsuche einleitet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Dressel 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B75">Skogmyr Marian / Pekarek Doehler 2022</xref>). Anschlie&#223;end &#228;u&#223;ert er einen weiteren Versuch, n&#228;mlich <italic>eins::</italic> (Z. 22). Nach erneut ausbleibender Reaktion versucht er es mit <italic>einste klasse</italic>, wobei er das Substantiv <italic>Klasse</italic> erg&#228;nzt, um sowohl die Bedeutung als auch die gemeinte Wortklasse des gesuchten Wortes zu verdeutlichen.</p>
<fig id="F7">
<label>Abbildung 7</label>
<caption>
<p>MAT schaut geradeaus bzw. auf seinen Bildschirm</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g7.png"/>
</fig>
<fig id="F8">
<label>Abbildung 8</label>
<caption>
<p>MAT wendet Blick nach rechts</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g8.png"/>
</fig>
<fig id="F9">
<label>Abbildung 9</label>
<caption>
<p>MAT wendet Blick nach links</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g9.png"/>
</fig>
<p>Das Problem in diesem Fall liegt in der numeralischen Suppletion, konkret in der Form <italic>erste</italic>. Das von Mathias realisierte Wort <italic>einste</italic> folgt der allgemeinen Regel der Bildung von Ordinalzahlen im Deutschen (Wortstamm der Kardinalzahl + Suffix -(<italic>s</italic>)<italic>te</italic>) und stellt damit eine typische &#220;bergeneralisierung dar. Solche &#220;bergeneralisierungen sind sprachdidaktisch relevant, weil sie den Zugriff auf produktive Muster sichtbar machen. Interaktional fungiert <italic>einste</italic> zugleich als Wortkandidat, der Unsicherheit signalisiert, die intendierte Zielstruktur anzeigt und die Gespr&#228;chspartnerin zu einer korrigierenden oder best&#228;tigenden Reaktion einl&#228;dt. Nach seinem letzten Versuch in Zeile 24 und einer weiteren ausbleibenden Reaktion von Lisa, was darauf hindeuten k&#246;nnte, dass sie nicht bereit ist, das Rederecht zu &#252;bernehmen und die L&#246;sung anzubieten, nutzt Mathias Code-Switching, indem er das englische Wort <italic>first</italic> (Z. 26) &#228;u&#223;ert. Dadurch disambiguiert er das gesuchte Wort. In &#220;berlappung mit seinem Code-Switching liefert Lisa jedoch bereits die deutsche &#220;bersetzung (Z. 27), was darauf hinweist, dass sie seine Wortsch&#246;pfungen korrekt verstanden hat.</p>
<p>Letztendlich kann die Formulierungsunsicherheit durch das Anbieten von Wortkandidaten markiert werden. Dabei handelt es sich um ein spezifisches Reparaturformat, das DaFZ-Lernenden erm&#246;glicht, ein von ihnen produziertes Wort durch prosodische, sprachliche und nonverbale Signale als unsicher zu markieren und es L1-Sprechenden zur Best&#228;tigung anzubieten. Solche Nachfragen durch das Anbieten eines Wortes k&#246;nnen sich auf verschiedene sprachbezogene Unsicherheiten beziehen, wie, zum Beispiel, die semantische und/oder grammatische Angemessenheit in einem bestimmten Kontext. Dies illustriert Ausschnitt (6) aus demselben deutsch-spanischen Tandem wie Ausschnitt (1), jedoch aus einer anderen Sitzung.</p>
<p>Vor diesem Ausschnitt berichtet Carmen &#252;ber eine Studie mit Menschen, die unter Flugangst leiden und durch ein Flugsimulator-Training bereits nach 20 Minuten keine Angst mehr versp&#252;rten. In diesem Ausschnitt beginnt sie, von einer anderen Studie zu erz&#228;hlen, die sich mit Phobien in sozialen Situationen befasst (Z. 01&#8211;04). Das Wort <italic>betrifft</italic> (Z. 04) &#228;u&#223;ert sie nach einer 1-sek&#252;ndigen Unterbrechung mit einer Dehnung des Reibelauts und einer steigenden finalen Intonation. Diese Merkmale deuten darauf hin, dass sie sich bez&#252;glich dieses Wortes unsicher ist. Dar&#252;ber hinaus blickt sie direkt nach ihrem Turn zu Anna (siehe <xref ref-type="fig" rid="F10">Abbildung 10</xref>), was darauf hinweist, dass sie eine Reaktion der Adressatin erwartet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B78">Stivers / Rossano 2010</xref> zu <italic>mobilizing response</italic>). Als Antwort darauf wendet Anna ihren Blick von Carmen ab und produziert mehrere gedehnte Hesitationsmarker <italic>&#228;hm</italic> (vgl. Z. 06 und 08). W&#228;hrenddessen bietet Carmen eine andere Form des Verbs <italic>betrifft</italic> an, diesmal im Pr&#228;sens, was darauf hindeutet, dass sie die gew&#228;hlte Zeitform bzw. das Tempus als problematisch wahrnimmt:</p>
<fig id="F10">
<label>Abbildung 10</label>
<caption>
<p>Carmen schaut auf Anna, w&#228;hrend sie das Wort <italic>betroffen</italic> &#228;u&#223;ert</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g10.png"/>
</fig>
<p>Ausschnitt (6): ESW_02_01_8:28_betr::offen<xref ref-type="fn" rid="n5">&#160;</xref></p>
<fig>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g16.png"/>
</fig>
<p>Nach mehreren nonverbalen Displays von Unsicherheit (Blickabwendung, Schlie&#223;en von den Augen, Mund- und Schulterzucken), greift Anna Carmens Satzstruktur in Form von <italic>self-talk</italic> auf, unterbricht ihren Turn jedoch unmittelbar, bevor das Verb zu erwarten w&#228;re (Z. 10). Anschlie&#223;end &#228;u&#223;ert sie das Verb <italic>betrifft</italic>, rahmt es jedoch als eine m&#246;gliche Ausdrucksweise mithilfe des Modalverbs <italic>k&#246;nnen</italic>, wodurch sie gleichzeitig ihre Sicherheit in Bezug auf die Angemessenheit dieses Verbs relativiert. Die leisere Prosodie, mit der diese &#196;u&#223;erung realisiert wird, signalisiert Unsicherheit und Vorl&#228;ufigkeit und dient dazu, sich mehr Zeit zur &#220;berlegung einer passenden Antwort zu verschaffen. Mit <italic>schon</italic> betont sie die Korrektheit bzw. Angemessenheit des Wortes in diesem Kontext &#8211; trotz der (zuvor) bestehenden Zweifel (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B60">Ormelius 1993</xref>).</p>
<p>Dies spiegelt sich auch in ihren weiteren Turns wider: Nach einer minimalen R&#252;ckmeldung von Carmen mit <italic>hmhm</italic> in der turn-finalen &#220;berlappung (Z. 13) wiederholt Anna das Wort <italic>betrifft</italic> mit der initialen Responsivpartikel <italic>ja</italic> (Z. 14), die r&#252;ckblickend Carmens Wortkandidat in Zeile 07 best&#228;tigt. Nachdem Carmen die Antwort mit <italic>okay</italic> als endg&#252;ltig aufnimmt und die Sequenz damit abschlie&#223;t (Z. 15; <xref ref-type="bibr" rid="B36">Helmer / Betz / Deppermann 2021</xref>), nennt Anna ein weiteres m&#246;gliches Verb (<italic>behandelt</italic>), das sie mit einem turn-initialen <italic>oder</italic> als zus&#228;tzliche Alternative einf&#252;hrt und sich dadurch eher an der Angemessenheit des Verbs <italic>betreffen</italic> im gegebenen Kontext orientiert. Carmen wiederholt dieses Verb (Z. 17), und nach einer Best&#228;tigung von Anna (Z. 18) endet die Sequenz (Z. 19).</p>
<p>In anderen F&#228;llen k&#246;nnen L2-Sprechende die Korrektheit der Aussprache eines bestimmten Wortes als unsicher markieren. Der folgende Ausschnitt stammt ebenfalls aus dem deutsch-spanischen Tandem sowie aus derselben Sitzung wie Ausschnitt (6). Hier leitet Carmen eine Erz&#228;hlung &#252;ber eine andere Studie ein. In Zeilen 01&#8211;02 schlie&#223;en die beiden die Einigungssequenz dar&#252;ber ab, welche Fehler Anna bei Carmen korrigieren soll, bevor Carmen in den Zeilen 05&#8211;07 beginnt, &#252;ber eine Studie zu sprechen. Die Erz&#228;hlung wird jedoch unterbrochen, da Carmen zwei Selbstreparaturen des Wortes <italic>Studie</italic> initiiert (Z. 08 und 10).</p>
<p>Ausschnitt (7): ESW_02_01_4:15_studien</p>
<fig>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4728_gubina-g17.png"/>
</fig>
<p>Auff&#228;llig ist, dass das Wort <italic>Studie</italic> in den Zeilen 07, 08 und 10 mit unterschiedlicher Aussprache realisiert wird: In Zeile 07 &#228;u&#223;ert Carmen <italic>Studie</italic> mit der Betonung auf der ersten Silbe. In der darauffolgenden Selbstreparatur wird hingegen die zweite Silbe betont. In Zeile 10 wird schlie&#223;lich wieder die erste Silbe mit einem Fokusakzent ge&#228;u&#223;ert. Allerdings spricht Carmen diesmal nicht nur einen langen Vokal [i&#815;] aus, sondern f&#252;gt auch einen reduzierten Schwa-Laut [&#601;] sowie das grammatische Morphem <italic>-n</italic> zur Pluralbildung hinzu. In Reaktion darauf wiederholt Anna das Wort <italic>Studie</italic>, diesmal jedoch mit der korrekten Aussprache &#8211;, d.h. mit der Betonung auf der ersten Silbe und einem zus&#228;tzlichen Akzent auf dem Schwa-Laut [&#601;]. Das Vorgehen der Teilnehmenden in diesem Beispiel entspricht dem, was Brouwer (<xref ref-type="bibr" rid="B9">2004</xref>) als <italic>doing pronunciation</italic> bezeichnet: eine Reparatursequenz, die darauf abzielt, Probleme mit der Aussprache zu l&#246;sen.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5. Fazit und Diskussion</title>
<p>Der Beitrag hat aufgezeigt, dass DaFZ-Lernende eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden einsetzen, um bei lexikalischen oder grammatischen Unsicherheiten Unterst&#252;tzung einzuholen. Die Analyse zeigt, wie Lernende situativ angemessen mit Nichtwissen umgehen und welche interaktiven Ressourcen sie daf&#252;r mobilisieren. Dabei wurden drei Typen solcher Unsicherheitsmarkierungen unterschieden:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p><italic>Markierung der Verwendungsunsicherheit</italic>, wenn Lernende zwar eine Form kennen, aber Zweifel an ihrer korrekten oder angemessenen Verwendung haben. Praktiken sind hier vor allem Inhalts- und Best&#228;tigungsfragen zu Gebrauchsregeln (z. B. Pr&#228;positionen, Bedeutungsunterschiede zwischen Synonymen, Kollokationen). Solche Markierungen projizieren in der Regel eine Best&#228;tigung, Korrektur oder unterschiedliche Arten von Erkl&#228;rungen.</p></list-item>
<list-item><p><italic>Markierung der Verstehensunsicherheit</italic>, wenn Lernende anzeigen, dass sie den Beitrag des Gegen&#252;bers nicht (vollst&#228;ndig) verstanden haben. Typisch sind Nachfragen mit Teilwiederholungen und / oder nonverbale Displays wie Stirnrunzeln oder ein <italic>thinking face</italic>. Damit wird signalisiert, dass eine Erkl&#228;rung, Paraphrase oder Wiederholung von den L1-Sprechenden relevant ist.</p></list-item>
<list-item><p><italic>Markierung der Formulierungsunsicherheit</italic>, wenn Lernende unsicher sind, wie sie etwas sprachlich ausdr&#252;cken k&#246;nnen. Hierzu z&#228;hlen Wortsuchen, Anbieten von Wortkandidaten und Wortsch&#246;pfungen als deren spezifische Art, Code-Switching bzw. Sprachalternationen. Diese Praktiken projizieren in der Regel die Erwartung einer &#220;bersetzung, einer alternativen Form oder einer Best&#228;tigung.</p></list-item>
</list>
<p>Die Analysen verdeutlichen, dass die gew&#228;hlte Art der Unsicherheitsmarkierung h&#228;ufig bereits die Problemquelle und die erwartete Reaktion projiziert: So deuten mehrere Wortkandidaten mit unterschiedlichen Aussprachen typischerweise auf ein Ausspracheproblem hin und erfordern eine Best&#228;tigung oder Korrektur; Teilwiederholungen oder steigende Intonation bei Funktionsw&#246;rtern signalisieren Zweifel an grammatischer oder semantischer Korrektheit oder Angemessenheit; Sprachalternationen und &#220;bergeneralisierungen zeigen fehlendes Wissen &#252;ber die Form und mobilisieren in der Regel eine &#220;bersetzung oder Korrektur.</p>
<p>Die Untersuchung beleuchtet dar&#252;ber hinaus die Rolle nonverbaler Elemente bei der Verst&#228;ndnissicherung in der Tandeminteraktion. So wurde gezeigt, dass nonverbales Verhalten signalisieren kann, ob Antwort von L1-Sprechenden relevant ist &#8211; etwa durch direkten Blickkontakt mit L1-Sprechenden oder aber durch eine bewusste Blickabwendung. Auch Gesichtsausdr&#252;cke, wie Stirnrunzeln oder angespannte Mimik, k&#246;nnen Unsicherheit hinsichtlich einer bestimmten Wortform ausdr&#252;cken. Zudem k&#246;nnen Gesten unterst&#252;tzend zur Bedeutung eines Wortes beitragen und so zus&#228;tzliche Hinweise auf die ben&#246;tigte Wortform liefern.</p>
<p>Die vorliegende Studie legt somit nahe, dass L2-Lernende Unsicherheit durch verschiedene Modalit&#228;ten ausdr&#252;cken k&#246;nnen:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p><italic>Sprachliche Modalit&#228;t</italic>: Produktion von spezifischen Formaten f&#252;r Fragen, Wortsch&#246;pfungen mit fremdsprachlicher Provenienz unter Verwendung deutscher Morphologie oder Sprachalternationen, Einsatz epistemischer (unsicherheitsmarkierender) Ausdr&#252;cke wie z.B. <italic>wie sagt man, wie hei&#223;t es, vielleicht, ich wei&#223; nicht</italic> oder turn-finales <italic>oder</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Brouwer 2003</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B52">Kurhila 2006</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Fasel Lauzon 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B13">Drake 2015</xref>);</p></list-item>
<list-item><p><italic>Prosodische Modalit&#228;t</italic>, wie z.B. <italic>try-marked</italic> bzw. ansteigende finale Intonation oder eine Pause nach unsicher ge&#228;u&#223;erten Elementen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B44">Janin 2023</xref>);</p></list-item>
<list-item><p><italic>K&#246;rperliche Modalit&#228;t</italic>, wie z.B. Gesichtsausdr&#252;cke wie Stirnrunzeln, zusammengekniffene Augen oder Blick zum Gespr&#228;chspartner (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B50">Kupetz 2011</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B44">Janin 2023</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>Die Erkenntnisse dieser Studie sind sowohl f&#252;r den Bereich des Tandemlernens selbst als auch f&#252;r die DaF/DaZ-Didaktik und die Ausbildung von Lehrkr&#228;ften von Bedeutung. Tandems unterscheiden sich strukturell erheblich vom Unterricht: Sie bieten mehr Interaktionszeit pro Person, individualisierte Kommunikationssituationen und gr&#246;&#223;ere Freiheit bei der Anwendung unterschiedlicher Strategien. Genau dadurch entsteht f&#252;r L2-Lernende die M&#246;glichkeit, in kurzer Zeit eine gro&#223;e Vielfalt an Verfahren zur Markierung epistemischer Unsicherheit auszuprobieren und situativ flexibel und adaptiv zu kombinieren, wie die Analysen aufgezeigt haben. Lernende setzen Praktiken selten in Reinform ein, sondern verbinden sie flexibel miteinander (siehe z. B. Ausschnitte 4 und 5). Damit teilen sie zentrale Merkmale informeller, alltagsnaher Lernkontexte (&#8222;in the wild&#8220;), die in der Forschung als besonders lernwirksam beschrieben werden, da sie Lernenden reichhaltige Gelegenheiten zur Verwendung und Weiterentwicklung sprachlicher Ressourcen er&#246;ffnen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Eskildsen / Wagner 2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Hellermann et al. 2019</xref>). F&#252;r den DaF/DaZ-Unterricht bedeutet dies, dass nicht allein bestimmte Frageformate oder Reparaturverfahren vermittelt werden sollten, sondern dass Lernende gezielt darin unterst&#252;tzt werden k&#246;nnten, verschiedene Praktiken zu kombinieren und situationsangemessen einzusetzen. F&#252;r die Lehrer:innenbildung ergibt sich daraus die Aufgabe, Lehrkr&#228;fte daf&#252;r zu sensibilisieren, Markierungen epistemischer Unsicherheit im Gespr&#228;ch wahrzunehmen und die Art des zugrunde liegenden Problems &#8211; etwa lexikalisch, semantisch oder grammatisch &#8211; zu erkennen, um darauf angemessen reagieren zu k&#246;nnen.</p>
<p>F&#252;r die zuk&#252;nftige Forschung stellen sich mehrere Anschlussfragen. Erstens k&#246;nnten longitudinale Analysen aufzeigen, wie sich der Umgang mit Unsicherheit im Verlauf wiederholter Tandemsitzungen ver&#228;ndert und welche Rolle dabei Lernfortschritte oder Beziehungskonstellationen spielen. Zweitens w&#228;re es aufschlussreich, die Perspektive der L1-Sprechenden st&#228;rker einzubeziehen, vor allem welche Praktiken <italic>sie</italic> einsetzen, um angemessene sprachbezogene Hilfestellung zu leisten. Schlie&#223;lich er&#246;ffnet sich die Frage nach der &#220;bertragbarkeit auf institutionelle Kontexte, n&#228;mlich inwiefern sich die in Tandems beobachteten Strategien im DaF/DaZ-Unterricht nutzbar machen k&#246;nnen, und welche didaktischen Formate Lehrkr&#228;fte unterst&#252;tzen k&#246;nnen, um Lernenden mehr Raum f&#252;r den flexiblen Einsatz solcher Praktiken zu er&#246;ffnen.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Ich bedanke mich ganz herzlich bei den zwei anonymen Gutachter:innen sowie bei der Herausgeberin der Themenausgabe f&#252;r ihre wertvollen Kommentare zu fr&#252;heren Versionen des Beitrags, die diesen ma&#223;geblich verbessert haben. Au&#223;erdem danke ich Emma Betz f&#252;r wichtige und pr&#228;zise Hinweise sowie Verbesserungsvorschl&#228;ge zu einer fr&#252;heren Version des Artikels.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Im Beitrag wird der Begriff <italic>Zweitspracherwerb</italic> als Oberbegriff sowohl f&#252;r den Erwerb einer Zweitsprache als auch f&#252;r den Erwerb einer Fremdsprache verwendet (zur Diskussion der Begrifflichkeiten siehe <xref ref-type="bibr" rid="B41">Hufeisen 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B1">Ahrenholz 2017</xref>).</p></fn>
<fn id="n3"><p>Alle in den Transkripten auftretenden Namen wurden anonymisiert. Eine schriftliche, informierte Einwilligung zur wissenschaftlichen Nutzung der Daten (einschlie&#223;lich der Verwendung von Abbildungen) wurde von allen Teilnehmenden eingeholt. Ich bedanke mich herzlich bei Marie Sophie Ritter f&#252;r Ihre wertvolle Unterst&#252;tzung bei der Aufbereitung der Daten.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Die Abk&#252;rzung &#8218;-b&#8216; steht f&#252;r &#8218;Blick&#8216;, und &#8218;-k&#8216; f&#252;r &#8218;Kopf&#8216;.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Die Abk&#252;rzung &#8218;-b&#8216; steht f&#252;r &#8218;Blick&#8216;, &#8218;-k&#8216; f&#252;r &#8218;Kopf&#8216; und &#8218;-h&#8216; f&#252;r &#8218;Hand&#8216;.</p></fn>
</fn-group>
<ref-list>
<title>Literatur und Ressourcen</title>
<ref id="B1"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Ahrenholz</surname>, <given-names>Bernt</given-names></string-name> (<year>2017</year>): <chapter-title>Erstsprache &#8211; Zweitsprache &#8211; Fremdsprache</chapter-title>. In: <string-name><surname>Ahrenholz</surname>, <given-names>Bernt</given-names></string-name> / <string-name><surname>Oomen-Welke</surname>, <given-names>Ingelore</given-names></string-name> (Hg.): <source>Deutsch als Zweitsprache</source>. <publisher-loc>Baltmannsweiler</publisher-loc>: <publisher-name>Schneider Verlag Hohengehren</publisher-name>, <fpage>3</fpage>-<lpage>16</lpage>.</mixed-citation></ref>
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<title>Biographische Notiz</title>
<p>Dr. Alexandra Gubina ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Pragmatik des Leibniz-Instituts f&#252;r Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der interaktionslinguistischen und konversationsanalytischen Untersuchung verschiedener Lernkontexte im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sowie Mehrsprachigkeit, darunter Sprachtandems, DaFZ-Unterricht und Interaktionen mit KI-Chatbots, mit einem besonderen Fokus auf die Analyse kommunikativer Praktiken von Sprachlernenden und ihren Interaktionspartner:innen.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5"><bold>Kontaktanschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Dr. Alexandra Gubina</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Abteilung Pragmatik</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Leibniz-Institut f&#252;r Deutsche Sprache</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">R5, 6&#8211;13</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">68161 Mannheim</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:gubina@ids-mannheim.de">gubina@ids-mannheim.de</ext-link></styled-content></p>
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