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<journal-title>Zeitschrift Korpora Deutsch als Fremdsprache</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/tujournals-4316</article-id>
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<subject>Thematic issue articles</subject>
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<article-title>DYNAMIK DES DEUTSCHEN WORTSCHATZES IN NARRATIVEN INTERVIEWS MIT ISRAELIS &#214;STERREICHISCHER HERKUNFT</article-title>
<subtitle>Perspektiven f&#252;r die DaF/DaZ-Didaktik</subtitle>
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<surname>Pellegrino</surname>
<given-names>Ramona</given-names>
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<email>ramona.pellegrino@lingue.unige.it</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#224; di Bologna</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-07-04">
<day>04</day>
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<year>2025</year>
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<copyright-statement>Copyright: &#x00A9; 2025 The Author(s)</copyright-statement>
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<abstract>
<p>Die narrativen Interviews des Israelkorpus bieten nicht nur Einsicht in die Lebenswege der deutschsprachigen j&#252;dischen Bev&#246;lkerung, sondern auch in deren Sprachgebrauch in den 1920er und 1930er Jahren. Der vorliegende Beitrag fokussiert auf die in &#214;sterreich aufgewachsenen Sprecher_innen, deren Sprachgebrauch vermutlich durch das &#246;sterreichische Deutsch gepr&#228;gt ist. Aus einer quantitativ-qualitativen Perspektive soll untersucht werden, was f&#252;r Archaismen (Ausdr&#252;cke, deren Gebrauchsh&#228;ufigkeit abgenommen hat und die deshalb als &#8218;veraltet&#8216; wahrgenommen werden) und Historismen (Bezeichnungen f&#252;r historische Objekte und Ph&#228;nomene, die es heutzutage nicht mehr gibt) im anhand der famili&#228;ren Biografien erfassten Subkorpus vorkommen. Schlie&#223;lich soll dar&#252;ber reflektiert werden, wie die ermittelten Lexeme an Schulen behandelt werden k&#246;nnen, um (Sprach)geschichte zu betreiben.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p>The narrative interviews of the Israelkorpus provide insights not only into the life paths of German-speaking Jews but also into their language usage in the 1920s and 1930s. This paper focuses on those speakers who grew up in Austria, whose language use is likely influenced by Austrian German. From a quantitative-qualitative perspective, the study aims to investigate which archaisms (expressions whose frequency of use has decreased, and which are therefore perceived as &#8216;obsolete&#8217;) and historicisms (terms for historical objects and phenomena that no longer exist) are found in the sub-corpus, which is based on family biographies. Finally, it will reflect on how the identified lexemes can be used in schools to explore (language) history.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Israelkorpus</kwd>
<kwd>narrative Interviews</kwd>
<kwd>Archaismen</kwd>
<kwd>Historismen</kwd>
<kwd>&#246;sterreichisches Deutsch</kwd>
</kwd-group>
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<kwd>Israelkorpus</kwd>
<kwd>narrative interviews</kwd>
<kwd>archaisms</kwd>
<kwd>historicisms</kwd>
<kwd>Austrian German</kwd>
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<sec>
<title>1. Einleitung</title>
<p>Gegenstand der Untersuchung sind ausgew&#228;hlte Interviews des sog. Israelkorpus (IK), narrative autobiographische Interviews mit deutschsprachigen Israelis, die vorwiegend in den 1930er und 1940er Jahren aus Mitteleuropa nach Pal&#228;stina bzw. Israel flohen, sowie mit ihren Kindern und weiteren Sprecher_innen der zweiten Generation (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Betten 1995</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B10">Betten / Du-nour 2000</xref>). Die Interviews mit der ersten Generation erm&#246;glichen es nicht nur, Einblicke in die Lebenswege der deutschsprachigen j&#252;dischen Bev&#246;lkerung vor und nach der Emigration aus Europa zu bekommen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Farges 2023: 26&#8211;27</xref>), sondern auch in ihren damaligen Sprachgebrauch (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Betten 1996</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B6">2013</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B7">2014</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B8">2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B10">Betten / Du-nour 2000</xref>). Das kann sowohl aus sprachhistorischer als auch aus didaktischer Sicht wertvoll sein.</p>
<p>Ein bislang nur sporadisch beachteter Aspekt in der lexikalischen Forschung zum IK ist die Tatsache, dass einige Begriffe, die von den Sprecher_innen verwendet werden, sich auf Sachverhalte beziehen, die heutzutage anders benannt werden oder gar nicht mehr existieren. In diesem Zusammenhang bilden die Sprecher_innen, die in &#214;sterreich geboren und/oder aufgewachsen sind, eine besonders interessante Untergruppe, da ihr Sprachgebrauch nicht nur Einsicht in eine &#8218;vergangene Welt&#8216;, sondern auch in die Besonderheiten des &#246;sterreichischen Deutschen (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Ammon 1995</xref>) gew&#228;hren kann. Die mit ihnen gef&#252;hrten Interviews bilden das Untersuchungskorpus der vorliegenden Studie.</p>
<p>Im Beitrag soll unter Ber&#252;cksichtigung korpuslinguistischer Ans&#228;tze den Fragen nachgegangen werden: 1) was f&#252;r Begriffe, die sich auf vergangene, evtl. nicht mehr existierende Gegenst&#228;nde und Sachverhalte beziehen, im anhand der famili&#228;ren Biografien erfassten Untersuchungskorpus vorkommen; 2) welche dieser Ausdr&#252;cke f&#252;r den &#246;sterreichischen Sprach- und Kulturraum charakteristisch sind. Au&#223;erdem soll dar&#252;ber reflektiert werden, wie die ausgew&#228;hlten W&#246;rter in der DaF/DaZ-Didaktik behandelt werden k&#246;nnen.</p>
<p>Der Artikel ist wie folgt aufgebaut: Zun&#228;chst werden das Untersuchungskorpus (&#167; 2) und der theoretische Rahmen sowie der methodische Ansatz (&#167; 3) dargestellt, anschlie&#223;end werden die Ergebnisse der quantitativ-qualitativen Datenanalyse pr&#228;sentiert (&#167; 4) und es werden &#220;berlegungen zur didaktischen Vermittlung der ermittelten Lexeme angestellt (&#167; 5). Schlie&#223;lich werden die zentralen Aspekte des Beitrags zusammengefasst und Anregungen f&#252;r zuk&#252;nftige Forschungen vorgeschlagen (&#167; 6).</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Untersuchungskorpus</title>
<p>Das IK umfasst insgesamt 318 narrative autobiographische Interviews mit j&#252;dischen Emigrant_innen aus deutschsprachigen Gebieten Mitteleuropas und mit Nachkommen deutschsprachiger J&#252;d_innen. Die Interviews wurden in den Jahren 1989&#8211;2019 von der Sprachwissenschaftlerin Anne Betten und ihrem Team gef&#252;hrt und sind &#252;ber die Datenbank f&#252;r Gesprochenes Deutsch (DGD) des Leibniz-Instituts f&#252;r Deutsche Sprache in Mannheim (IDS)<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> zug&#228;nglich. Dort ist das IK in drei Korpora unterteilt: <italic>Emigrantendeutsch in Israel</italic> (IS)<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> und <italic>Emigrantendeutsch in Israel: Wiener in Jerusalem</italic> (ISW)<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> umfassen jeweils 188 und 28 Interviews mit insgesamt 209 Sprecher_innen der ersten Generation, <italic>Zweite Generation deutschsprachiger Migranten in Israel</italic> (ISZ)<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> enth&#228;lt 100 Interviews mit 66 Sprecher_innen der zweiten Generation. Aufgrund des Forschungsschwerpunkts dieser Untersuchung wird letzteres nicht in die Analyse miteinbezogen.</p>
<p>Der Hauptteil der Interviews mit der ersten Generation wurde 1989&#8211;1994 im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gef&#246;rderten Projekts <italic>Sprachbewahrung nach der Emigration &#8211; Das Deutsch der 20er Jahre in Israel</italic> gef&#252;hrt, dessen Ziel es war, die erstaunliche Sprachbewahrung der nach Pal&#228;stina/Israel emigrierten J&#252;d_innen nachzuweisen und zu analysieren (zur Entstehungsgeschichte des IK vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Betten 1995</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B9">2023</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref>. Nachdem n&#228;mlich &#252;ber 60.000 J&#252;d_innen ab 1933 aus Deutschland und &#214;sterreich nach Pal&#228;stina/Israel geflohen waren, entstand dort eine deutsche Sprachinsel, die v.a. durch die hohe Sprachkultur, die die Einwanderer_innen mitgebracht hatten, gekennzeichnet war (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Betten 2007: 33</xref>). Das trifft auch auf die IK-Interviewten zu, denn sie haben die Sprache ihrer Kindheit, ihrer schulischen und akademischen Ausbildung sowie ihres beruflichen und gesellschaftlichen Lebens vor der Emigration beibehalten und sie aus vielf&#228;ltigen Gr&#252;nden weiterverwendet. Obwohl ihre Emigration aus den deutschsprachigen Gebieten Europas zur Zeit des Interviews manchmal sogar 60 Jahre zur&#252;cklag, sprachen sie ein Deutsch, das sie in ihrem famili&#228;ren und gesellschaftlichen Umfeld erworben hatten und das in der Regel stark an schriftsprachlichen Konstruktionsmustern orientiert war (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Betten 1995: 4&#8211;5</xref>). Das IK kann demnach nicht nur als ein kulturhistorisches Archiv (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Farges 2023</xref>), sondern v.a. auch als eine Sammlung sprachlicher Dokumente einer besonderen Sprachinsel-Variet&#228;t verstanden werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Betten 2007</xref>), wobei es sich bei dieser Variet&#228;t um ein &#8222;gepflegtes, sch&#246;nes, akkurates, weitgehend dialektfreies, an der Schrift- bzw. Literatursprache orientiertes Deutsch&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Betten 2014: 5</xref>) handelt, das von den Interviewten &#8222;als &#8218;das gute alte Weimarer Deutsch&#8216; bzw., wenn es &#214;sterreicher waren, als &#8218;Burgtheaterdeutsch&#8216;&#8220; (ebd.: 6) verstanden bzw. dargestellt wird<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref>.</p>
<p>Was die Interviewten &#246;sterreichischer Herkunft betrifft, so bilden sie die zweitgr&#246;&#223;te Gruppe nach den im Deutschen Reich geborenen Sprecher_innen der ersten Generation (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B51">Pellegrino 2023a: 16</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B52">2023b: 6</xref>). Ihr Sprachgebrauch wurde bislang nur ansatzweise analysiert (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B39">Mauser 2000</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B22">Gierlinger 2005</xref>). Die vorliegende Untersuchung schlie&#223;t v.a. an einige j&#252;ngere Studien an (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B51">Pellegrino 2023a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B52">2023b</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B53">2023c</xref>), die die IK-Interviews mit &#8218;&#214;sterreicher_innen&#8216; erstmals als eigenst&#228;ndiges Subkorpus &#8211; z.T. aus korpuslinguistischer Perspektive (vgl. v.a. <xref ref-type="bibr" rid="B54">Pellegrino 2025</xref>) &#8211; untersucht haben. F&#252;r die Analyse werden sowohl die Interviews mit 30 Sprecher_innen, die in &#214;sterreich<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> geboren wurden, als auch die mit sechs weiteren Interviewten, die zwar in anderen Kronl&#228;ndern der Habsburgermonarchie geboren wurden aber in &#214;sterreich aufgewachsen sind, ber&#252;cksichtigt. Das Untersuchungskorpus umfasst somit 20 Interviews mit 15 Sprecher_innen aus dem Korpus IS sowie alle 28 Interviews mit 21 Sprecher_innen &#246;sterreichischer Herkunft des Korpus ISW<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref>, d.h. insgesamt 48 Interviews mit 18 Sprecherinnen und 18 Sprechern.</p>
<p>Die wichtigsten Daten zum Untersuchungskorpus sind in <xref ref-type="table" rid="T1">Tabelle 1</xref> aufgef&#252;hrt:</p>
<table-wrap id="T1">
<label>Tabelle 1</label>
<caption>
<p>Die wichtigsten Informationen zum Untersuchungskorpus</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Subkorpus</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Erhebungsjahre</bold><xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Zahl der Sprecher_innen</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Zahl der Interviews</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Dauer</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">IS</td>
<td align="left" valign="top">1989-2010</td>
<td align="left" valign="top">15</td>
<td align="left" valign="top">20</td>
<td align="left" valign="top">30h 27 min 39s</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">ISW</td>
<td align="left" valign="top">1998-2011</td>
<td align="left" valign="top">21</td>
<td align="left" valign="top">28</td>
<td align="left" valign="top">51h 12min 13s</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Die folgende Tabelle gibt Auskunft &#252;ber die Geburtsjahre der Sprecher_innen des Untersuchungskorpus:</p>
<fig id="T2">
<label>Tabelle 2</label>
<caption>
<p>Anzahl der Interviewten nach Geburtsjahr und Subkorpus</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4316_pellegrino-g6.png"/>
</fig>
<p>In <xref ref-type="fig" rid="T2">Tabelle 2</xref> wird zun&#228;chst deutlich, dass die Mehrheit der &#246;sterreichischen IS-Interviewten vor 1920, der gr&#246;&#223;te Teil der ISW-Sprecher_innen dagegen nach 1920 geboren wurde, d.h. die ersteren waren in der Regel &#228;lter, als sie interviewt wurden. Noch bedeutender ist allerdings, dass die Interviewten des Untersuchungskorpus in den 1920er und 1930er Jahren aufwuchsen und durch den damaligen Sprachgebrauch gepr&#228;gt wurden, wodurch ihre Interviews als wertvolle Zeugnisse der deutschen Sprache dieser Jahrzehnte betrachtet werden k&#246;nnen.</p>
</sec>
<sec>
<title>3. Theoretischer Rahmen und methodischer Ansatz</title>
<sec>
<title>3.1 Sprachbiografien und Wortschatzanalyse im diachronen Kontext</title>
<p>In vorherigen Studien wurde gezeigt, dass die IK-Interviews als Sprachbiografien verstanden werden k&#246;nnen (vgl. Betten mehrfach, z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B6">2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">Pellegrino 2023a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B52">2023b</xref>), wobei unter &#8218;Sprachbiografie&#8216; einerseits die &#8222;erinnernde[] Rekonstruktion der sprachbiografisch relevanten Erfahrungen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B62">Tophinke 2002: 1</xref>), die mit dem Erlernen von Sprachen und Sprachvariet&#228;ten sowie mit Sprachpraxis und -einstellungen verbunden sind, andererseits die &#8222;sprachliche Rekonstruktion&#8220; (ebd.) dieser Erfahrungen verstanden werden kann. In Bezug auf die Rekonstruktion einer Sprachbiografie hat Busch (<xref ref-type="bibr" rid="B13">2013</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B14">2015</xref>) betont, dass an den jeweiligen sozialen R&#228;umen, in denen Sprecher_innen mit einer Sprache oder Sprachvariet&#228;t in Kontakt treten, bestimmte Regeln des Sprachgebrauchs gelten (vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B13">Busch 2013: 18</xref>), und dass bei der Wahl sprachlicher Mittel sowohl soziale Faktoren als auch Spracheinstellungen &#8211; Meinungen, Wertungen, Einsch&#228;tzungen und Empfindungen, die mit Sprache(n) verbunden sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Busch 2013</xref>) &#8211; eine wichtige Rolle spielen.</p>
<p>Sprachbiografien k&#246;nnen aus diachroner bzw. historischer Perspektive betrachtet werden, indem u.a. untersucht wird, wie Ver&#228;nderungen auf gesellschaftlich-politischer Ebene sich im Sprachgebrauch eines Individuums widerspiegeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Fix 2010: 11</xref>). Gerade narrative Interviews wie das IK k&#246;nnen dabei als wertvolle &#8222;Zeugnisse von Sprachgebrauch und Sprachgebrauchsgeschichte&#8220; (ebd.: 10) dienen, v.a. wenn im Rahmen der Erz&#228;hlung Selbstbeobachtungen zum eigenen Sprachwandel ge&#228;u&#223;ert werden (zu derartigen Selbstbeobachtungen in schriftlichen autobiographischen Texten vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B47">Nencioni 1982</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B15">De Mauro 2006</xref>).</p>
<p>In Hinblick auf eine diachrone Analyse des Wortschatzes erweist sich die Differenzierung zwischen Archaismen und Historismen als besonders n&#252;tzlich (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Ludwig 1997</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B37">2000</xref>). Archaismen k&#246;nnen als Ausdr&#252;cke verstanden werden, deren Gebrauchsh&#228;ufigkeit abgenommen hat und die deshalb als veraltet oder veraltend wahrgenommen werden, obwohl sie auch in der Gegenwart noch verstanden und z.T. als Stilmittel verwendet werden k&#246;nnen (f&#252;r einen &#220;berblick &#252;ber die Definitionen von &#8218;Archaismus&#8216; vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Ludwig 1997: 70&#8211;71</xref>). In Gegenwartsw&#246;rterb&#252;chern &#8211; z.B. im <italic>Digitalen W&#246;rterbuch der Deutschen Sprache</italic> (DWDS) und im online-<italic>Duden</italic> &#8211; werden Archaismen mit den zeitlichen Markern &#8218;veraltet&#8216; und &#8218;veraltend&#8216; gekennzeichnet. Ludwig (<xref ref-type="bibr" rid="B36">1997: 73</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B37">2000: 126</xref>) weist darauf hin, dass die Grenzziehung zwischen den beiden Markierungspr&#228;dikaten nicht eindeutig ist; der online-<italic>Duden</italic> unterscheidet sie wie folgt:</p>
<disp-quote>
<p>So bedeutet die Markierung &#8222;veraltend&#8220;, dass das damit bezeichnete Wort nicht mehr zur allgemein benutzten Gegenwartssprache geh&#246;rt, sondern meist von der &#228;lteren Generation verwendet wird (z. B. <italic>arbeitsam, Sommerfrische</italic>).</p>
<p>W&#246;rter, die allenfalls noch in &#228;lteren literarischen Texten zu finden sind, ansonsten aber nicht mehr oder wenn, dann mit ironischer oder scherzhafter Absicht verwendet werden, erhalten die Markierung &#8222;veraltet&#8220; (z. B. <italic>derowegen, Muhme</italic>).<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref></p>
</disp-quote>
<p>Historismen k&#246;nnen als eine spezifische Art der Archaismen verstanden werden. Es handelt sich um Bezeichnungen f&#252;r historische Gegenst&#228;nde und Ph&#228;nomene, die heutzutage nicht mehr existieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Ludwig 1997: 73</xref>). Im online-<italic>Duden</italic> werden sie mit der Angabe &#8218;historisch&#8216;<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref>,&#8218;fr&#252;her&#8216; (z.B. beim Lemma <italic>Tr&#252;mmerfrau</italic><xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref>) oder &#8218;Geschichte&#8216; (z.B. <italic>Doge</italic><xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref>) markiert, im DWDS findet sich m.W. ausschlie&#223;lich die Markierung &#8218;historisch&#8216;<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref>. Im Gegensatz zu den sprachbezogenen Markierungen &#8218;veraltet&#8216; und &#8218;veraltend&#8216; sind &#8218;historisch&#8216; und &#8218;fr&#252;her&#8216; sachbezogene Markierungspr&#228;dikate, da sie sich auf das Denotat selbst und nicht auf dessen sprachliche Bezeichnung beziehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Ludwig 2000: 129</xref>).</p>
<p>Dem didaktischen Potenzial von Archaismen und Historismen wurde bislang kaum Beachtung geschenkt. Im vorliegenden Artikel sollen am Beispiel der identifizierten Lexeme &#220;berlegungen angestellt werden, wie Archaismen und Historismen im DaF/DaZ-Unterricht insbesondere in Hinblick auf Sprachgeschichte und Sprachwandel (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B58">Siehr / Berner 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B40">Moraldo 2023</xref>), Geschichtsvermittlung (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Koreik 2012</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B32">Langer 2017</xref>) und kulturelles Lernen (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Altmayer 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B25">Haase / H&#246;ller 2017</xref>) behandelt werden k&#246;nnen. Erg&#228;nzend zur diachronen Perspektive ist daran zu erinnern, dass die Sprecher_innen des Untersuchungskorpus in &#214;sterreich geboren und/oder aufgewachsen sind; das deutet darauf hin, dass ihre Sprachbiografien vom &#246;sterreichischen Deutsch gepr&#228;gt sind, was aus didaktischer Perspektive ebenfalls von Bedeutung sein k&#246;nnte (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B41">Muhr 1996a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B42">1996b</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B43">Muhr / Schrodt 1997</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Methodische Schritte</title>
<p>Um Archaismen und Historismen zu ermitteln, wurde das Untersuchungskorpus aus korpuslinguistischer Perspektive analysiert (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Lemnitzer / Zinsmeister 2015</xref>). Damit kn&#252;pft die vorliegende Studie an Forschungsarbeiten an, in denen nachgewiesen wurde, dass korpuslinguistische Ans&#228;tze f&#252;r die Erforschung kultur- und sozialwissenschaftlicher Zusammenh&#228;nge (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B57">Scharloth 2018</xref>), (sprach)geschichtlicher Fragen (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Flinz 2023</xref>) sowie in der Untersuchung digitaler Sprachinselkorpora (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Boas / Fingerhuth 2018</xref>, u.a. zum IK) fruchtbar angewandt werden k&#246;nnen.</p>
<p>F&#252;r die Analyse wurden einige Funktionen der Software MAXQDA (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Kuckartz / R&#228;diker 2019</xref>), die sich in der IK-Forschung bereits bew&#228;hrt hat (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Luppi / Pellegrino 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">Pellegrino 2023a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B53">2023c</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B54">2025</xref>) verwendet. Eine der Grundfunktionen von MAXQDA besteht darin, Segmente von Text-, Audio- und Videodateien (in diesem Fall von Interview-Transkripten) zu &#8218;codieren&#8216;, d.h. zu markieren und einem bestimmten Code zuzuordnen. Angesichts dieser M&#246;glichkeit konnte sowohl das gesamte Korpus als auch ein Teil spezifischer Textstellen, die durch manuelle Vorarbeit mit einem bestimmten Code versehen wurden, aus korpuslinguistischer Sicht untersucht werden.</p>
<p>Zun&#228;chst wurde eine Kontextanalyse der folgenden KWiCs (<italic>keywords in context</italic>) im gesamten Untersuchungskorpus durchgef&#252;hrt: <italic>damals, fr&#252;her sagte, heute sagt, hie&#223;</italic> und <italic>nannte</italic>. Dieses Vorgehen ging von der Annahme aus, dass in den extrahierten Kontexten metalinguistische Reflexionen der Sprecher_innen sowohl zu ihrem eigenen Sprachwandel als auch zu allgemeinen Ver&#228;nderungen im Sprachgebrauch auftreten w&#252;rden. Bei der KWiC-Analyse anhand eines weiteren Suchbegriffs, <italic>gesagt</italic>, wurden dagegen ausschlie&#223;lich die Segmente ber&#252;cksichtigt, die mit der Kodierung <italic>Einstellung zur Sprache/Sprachreflexionen</italic> markiert worden waren. Dadurch sollten Ergebnisse, die f&#252;r die vorliegende Untersuchung wenig repr&#228;sentativ sind (z.B. wenn die Interviewten Dialoge wiedergeben), ausgeschlossen werden.</p>
<p>Durch die qualitative Analyse der Kontexte, in denen die ausgew&#228;hlten Suchw&#246;rter vorkommen, konnten einige Lexeme ermittelt werden, die mithilfe von lexikographischen Quellen wie korpusbasierten W&#246;rterb&#252;chern &#8211; v.a. DWDS und online-<italic>Duden</italic> &#8211; untersucht wurden. Um zu bestimmen, ob sie als Archaismen oder Historismen klassifiziert werden k&#246;nnen, wurde beim Konsultieren der lexikographischen Quellen insbesondere auf das Vorhandensein der sprach- und sachbezogenen Markierungspr&#228;dikate &#8218;veraltet&#8216;, &#8218;veraltend&#8216;, &#8218;historisch&#8216; und &#8218;fr&#252;her&#8217; geachtet (vgl. Abschnitt 3.1). Angaben zur Worth&#228;ufigkeit haben ebenfalls aufschlussreiche Erkenntnisse geliefert. Dazu sei angemerkt, dass die Worth&#228;ufigkeit im online-<italic>Duden</italic> auf Basis des Dudenkorpus &#8211; einer Zusammenstellung digitaler Texte aus dem deutschsprachigen Raum, die &#252;ber 5 Milliarden Wortformen aus unterschiedlichen geschriebenen Texten enth&#228;lt (u.a. Romanen, Sachb&#252;chern und Zeitungsartikeln) &#8211; erstellt und auf einer Skala von 1 (= das Wort ist durchschnittlich weniger als einmal in einer Mio. Wortformen des Dudenkorpus belegt) bis 5 (= das Wort ist h&#228;ufiger als 1.000 Mal in einer Mio. Wortformen belegt) angezeigt wird<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref>. Beim DWDS wird die Worth&#228;ufigkeit sowohl anhand der absoluten H&#228;ufigkeit des Wortes als auch des Verh&#228;ltnisses dieser Zahl zum Gesamtkorpus &#8211; das aus den Korpora <italic>DWDS-Kernkorpus, Metakorpus WebXL, DWDS-Zeitungskorpus</italic> und <italic>Wikipedia-Korpus</italic> besteht &#8211; berechnet; im DWDS bildet das Frequenzbarometer eine logarithmische Skala von 1 (Frequenz: 978) bis 7 (Frequenz: 793.084.908) ab<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref>. Auch die im DWDS angegebene Wortverlaufskurve hat sich als hilfreich herausgestellt: Sie zeigt die Auftretensh&#228;ufigkeit eines Lemmas &#252;ber einen gewissen Zeitraum (bis 400 Jahre) auf der Grundlage von historischen sowie Gegenwartskorpora &#8211; z.B. dem <italic>DWDS-Zeitungskorpus</italic> (ab 1946), dem <italic>ZDL-Regionalkorpus</italic> (ab 1993), dem <italic>DWDS-Kernkorpus</italic> (1900&#8211;1999) und dem <italic>DWDS-Kernkorpus 21</italic> (2000&#8211;2010) &#8211; auf<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref>.</p>
<p>Das Heranziehen lexikographischer Quellen hat es nicht nur erm&#246;glicht, Informationen zum diachronen Verlauf der Lexeme, sondern z.T. auch zu deren diatopischen Verteilung zu sammeln, was f&#252;r die Beantwortung der zweiten Forschungsfrage (welche Archaismen bzw. Historismen f&#252;r den &#246;sterreichischen Sprach- und Kulturraum charakteristisch sind) relevant war. In diesem Zusammenhang war die im DWDS und im online-<italic>Duden</italic> vermerkte Markierung &#8218;&#246;sterreichisch&#8216; von besonderer Bedeutung. In Erg&#228;nzung dazu wurden auch andere Quellen &#8211; u.a. Ebner (<xref ref-type="bibr" rid="B16">2008</xref>) &#8211; verwendet.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4. Ergebnisse der quantitativ-qualitativen Analyse</title>
<sec>
<title>4.1 Ergebnisse der KWiC- und der Kontextanalyse</title>
<p>Wie bereits erw&#228;hnt, wurde zun&#228;chst eine Kontextanalyse der Suchbegriffe <italic>damals, fr&#252;her sagte, heute sagt, hie&#223;</italic> und <italic>nannte</italic> im gesamten Untersuchungskorpus durchgef&#252;hrt. Da die Suchoption &#8218;nur ganze W&#246;rter&#8216; nicht aktiviert wurde, umfasst die Trefferliste (s. <xref ref-type="table" rid="T3">Tabelle 3</xref>) auch Kontexte, in denen der jeweilige Suchbegriff als Bestandteil anderer W&#246;rter erscheint. So beinhaltet beispielsweise die Anzahl der Treffer f&#252;r den Suchbegriff <italic>nannte</italic> auch Wortformen wie <italic>genannte, sogenannte, sogenannten</italic> usw. Aus diesem Grund &#8211; aber auch um die zu analysierenden Kontexte auf den vergangenen Sprachgebrauch zu beschr&#228;nken &#8211; wurde <italic>damals nannte</italic> als Suchbegriff erg&#228;nzt. Die quantitativen Ergebnisse der KWiC-Analyse sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:</p>
<table-wrap id="T3">
<label>Tabelle 3</label>
<caption>
<p>Quantitative Ergebnisse der KWiC-Analyse im gesamten Untersuchungskorpus</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Suchbegriff</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Treffer</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Dokumente</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">damals</td>
<td align="left" valign="top">1.114</td>
<td align="left" valign="top">47</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">nannte</td>
<td align="left" valign="top">164</td>
<td align="left" valign="top">32</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">hie&#223;</td>
<td align="left" valign="top">121</td>
<td align="left" valign="top">33</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">damals nannte</td>
<td align="left" valign="top">3</td>
<td align="left" valign="top">3</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">heute sagt</td>
<td align="left" valign="top">3</td>
<td align="left" valign="top">3</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">fr&#252;her sagte</td>
<td align="left" valign="top">0</td>
<td align="left" valign="top">0</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Dass das allgemeine Adverb <italic>damals</italic> in nahezu allen Dokumenten des Untersuchungskorpus vorkommt (47 von 48), ist wenig &#252;berraschend, da die Interviewten meist &#252;ber Erlebnisse erz&#228;hlen, die zeitlich weit zur&#252;ckliegen (v.a. ihre Kindheit und Jugend in &#214;sterreich sowie ihre Emigration nach Pal&#228;stina/Israel). Die Mehrwortkombination <italic>damals nannte</italic> kommt zwar wesentlich seltener vor, liefert jedoch besonders relevante Erkenntnisse in Bezug auf die Forschungsfragen, indem sie einen eventuellen Sprachwandel bzw. Ver&#228;nderungen im Sprachgebrauch aus diachroner Perspektive deutlicher erkennen l&#228;sst. Ein Beispiel daf&#252;r sind die folgenden Ausz&#252;ge aus den zwei relevantesten Treffern der KWiC-Analyse mit <italic>damals nannte</italic>:</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(1)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Im Fr&#252;hjahr da sollte die illegale Reise losgehen und da hatten wir eine &#220;berseekiste, eine gro&#223;e, so einen Container w&#252;rde man heute sagen. <bold>Damals nannte</bold> man das einen <italic>Lift</italic>, ja. Geschickt mit M&#246;beln und Sachen, von denen man dachte, dass man sie hier gebrauchen k&#246;nnte. (Interview mit Alice Schwarz-Gardos, IS_E_00114<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref>)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(2)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Damals nannte</bold> man das franz&#246;sisch <italic>Autostopp</italic>. Also <italic>trampen</italic> nennt man das hier. (Interview mit Arieh Karnon, IS_E_00139)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>In den beiden wiedergegebenen Ausz&#252;gen steht <italic>damals nannte</italic> im Zusammenhang mit den Substantiven <italic>Lift</italic> und <italic>Autostopp</italic>. Aus dem Kontext geht somit hervor, dass die Interviewten diese Begriffe als veraltet, nicht gebr&#228;uchlich oder nicht allgemein verst&#228;ndlich gegen&#252;ber den jeweiligen Synonymen <italic>Container</italic> bzw. <italic>trampen</italic> wahrnehmen.</p>
<p>Wie aus <xref ref-type="table" rid="T3">Tabelle 3</xref> ersichtlich ist, gibt es zu <italic>fr&#252;her sagte</italic> &#252;berhaupt keine Ergebnisse, zu <italic>damals nannte</italic> dagegen drei Treffer in ebenso vielen Dokumenten. Dieses Ergebnis k&#246;nnte darauf hindeuten, dass die Sprecher_innen beim Verweis auf den damaligen Sprachgebrauch eher die Benennung bestimmter Gegenst&#228;nde oder Sachverhalte thematisieren &#8211; was auf das Vorhandensein von Archaismen und/oder Historismen hindeuten k&#246;nnte &#8211; und seltener (oder gar nicht) auf &#8218;&#252;berholte&#8216; Redensarten oder Redewendungen eingehen.</p>
<p>Erg&#228;nzend wurde eine Kontextanalyse des allgemeinen Begriffs <italic>gesagt</italic> ausschlie&#223;lich in den mit dem Code <italic>Einstellung zur Sprache/Sprachreflexionen</italic> markierten Segmenten durchgef&#252;hrt, um die Suche auf Kontexte einzuschr&#228;nken, in denen es speziell um (meta)sprachliche Reflexionen geht. Die Ergebnisse dieser KWiC-Analyse sind in <xref ref-type="table" rid="T4">Tabelle 4</xref> aufgef&#252;hrt:</p>
<table-wrap id="T4">
<label>Tabelle 4</label>
<caption>
<p>Quantitative Ergebnisse der KWiC-Analyse in ausgew&#228;hlten Segmenten</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Suchbegriff</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Treffer</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Dokumente</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">gesagt</td>
<td align="left" valign="top">16</td>
<td align="left" valign="top">7</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Durch diese gezielte Analyse konnten Kontexte herausgefiltert werden, in denen &#220;berlegungen zu Ver&#228;nderungen im Sprachgebrauch angestellt wurden, wie z.B. in folgenden Beispielen:</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(3)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Die Sprache hat sich ja auch ge&#228;ndert, hat sich sicher. Aber ich/ Es f&#228;llt mir in den Nachrichten oft auf. Weil zum Beispiel ist mir unl&#228;ngst aufgefallen, hat er <bold>gesagt</bold>: &#8222;Ne und da haben sie gepusht.&#8220; &#8222;Gepusht&#8220; ist Englisch, ja. (Interview mit Jeanette Goldstein, ISW_E_00009)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(4)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Zum Beispiel meine Schw&#228;gerin spricht vielleicht ein besseres Deutsch und sie sagt &#8222;bei uns zu Hause hat man nie das <bold>gesagt</bold> und das <bold>gesagt</bold>&#8220;, wenn ich mal einen Dialektausdruck verwende. (Interview mit Jeanette Goldstein, ISW_E_00009)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Diese Textstellen haben keine potenziellen Archaismen und Historismen zum Vorschein gebracht, sondern spiegeln vielmehr das Ideal des &#8218;guten, reinen, dialektfreien&#8216; Deutsch wider, das der puristischen Spracheinstellung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Busch 2013</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B14">2015</xref>) der IK-Interviewten entspricht (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Betten 1995</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B7">2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Leonardi 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">Pellegrino 2023a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B52">2023b</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B53">2023c</xref>; vgl. au&#223;erdem Abschnitt 2.).</p>
<p>Die manuelle Analyse der Kontexte, in denen die ausgew&#228;hlten Suchbegriffe auftreten, hat das Ermitteln der folgenden, aus (sprach)geschichtlicher Perspektive relevanten Lexeme erm&#246;glicht:</p>
<table-wrap id="T5">
<label>Tabelle 5</label>
<caption>
<p>Relevante, durch die Kontextanalyse ermittelte Lexeme</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Lexem</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Treffer</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Dokumente</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Zahl der Sprecher_innen</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Lift</td>
<td align="left" valign="top">24</td>
<td align="left" valign="top">9</td>
<td align="left" valign="top">9</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Autostopp</td>
<td align="left" valign="top">4</td>
<td align="left" valign="top">4</td>
<td align="left" valign="top">2</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Gauleiter</td>
<td align="left" valign="top">4</td>
<td align="left" valign="top">2</td>
<td align="left" valign="top">2</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Die drei Lexeme <italic>Lift, Autostopp</italic> und <italic>Gauleiter</italic> werden im n&#228;chsten Abschnitt n&#228;her betrachtet. Dar&#252;ber hinaus wird auf den Ausdruck <italic>Sommerfrische</italic> eingegangen, da dieser im online-<italic>Duden</italic> als Beispiel f&#252;r Begriffe mit der zeitlichen Markierung &#8218;veraltend&#8216; genannt wird (vgl. Abschnitt 3.1) und eine KWiC-Analyse ergeben hat, dass er im Untersuchungskorpus mehrmals vorkommt (s. <xref ref-type="table" rid="T6">Tabelle 6</xref>).</p>
<table-wrap id="T6">
<label>Tabelle 6</label>
<caption>
<p>Informationen zu einem weiteren ber&#252;cksichtigten Lexem</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Lexem</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Treffer</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Dokumente</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Zahl der</bold><bold>Sprecher_innen</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Sommerfrische</td>
<td align="left" valign="top">6</td>
<td align="left" valign="top">2</td>
<td align="left" valign="top">1</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Analyse und Kategorisierung der ermittelten Lexeme</title>
<p>In diesem Abschnitt werden die vier ermittelten Lexeme aus diachroner und diatopischer Perspektive untersucht. Das Hauptziel besteht darin, zu beurteilen, ob sie als Archaismen, Historismen und/oder als &#8218;besonders &#246;sterreichisch&#8216; klassifiziert werden k&#246;nnen.</p>
<sec>
<title>4.2.1 <italic>Lift</italic></title>
<p>Das Lexem <italic>Lift</italic> wird in neun Interviews insgesamt 24-mal verwendet (vgl. <xref ref-type="table" rid="T5">Tabelle 5</xref>). Im Gegensatz zu einem allt&#228;glichen Kommunikationsrahmen nutzen die IK-Interviewten das Wort <italic>Lift</italic> nur selten im Sinne von <italic>Aufzug</italic> &#8211; lediglich an vier von 24 Stellen in zwei Interviews mit unterschiedlichen Sprecher_innen. In den meisten F&#228;llen beziehen sie sich dagegen auf gro&#223;e Holzkisten, die sie mit ihren Habseligkeiten f&#252;llten, bevor sie nach Pal&#228;stina auswanderten, wie den folgenden Beispielen entnommen werden kann (vgl. au&#223;erdem Auszug 1):</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(5)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Ich hab etwas mitgebracht, doch das war im <bold>Lift</bold> drin, meine ganzen Klassiker, alles war da drin, alles. (Interview Anne Betten mit Alice Schwarz-Gardos, IS_E_00114)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(6)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Ich hatte in den beiden Koffern nur das Notwendigste aber wir sind in die T&#252;rkei ausgewandert mit drei <bold>Lifts</bold>. Da hatten wir noch alle M&#246;bel und B&#252;cher und Bilder, alles M&#246;gliche noch. [&#8230;] Unsere <bold>Lifts</bold> sind nicht angekommen, sind wahnsinnig lang unterwegs gewesen, und unsere ganze Winterkleidung war drinnen. Wir sind im Sommer weg, die Winterkleider im <bold>Lift</bold> gehabt. (Interview Monika Neuhofer und Eva Schmidhuber mit Anitta Goldschmidt, ISW_E_00007)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(7)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Ich glaub, wir schickten auch einen halben <bold>Lift</bold> voll mit unsern Kleidern und solchen Sachen. Und Porzellan haben wir geschickt. (Interview Birgit Schiefersteiner und Hanne Syverstuen mit Ora Lang, ISW_E_00017)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(8)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Die Familie meines Mannes konnte noch die M&#246;bel und Teppiche und Bilder aus Wien bringen in den <bold>Lift</bold>, und wir waren ganz sch&#246;n eingerichtet. (Interview Michaela Metz mit Jeanette Goldstein, ISW_E_00026)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>In einem narrativen Interview kann das Erz&#228;hlen &#252;ber Gegenst&#228;nde eine identit&#228;tsstiftende Funktion erf&#252;llen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B60">Th&#252;ne 2009</xref>) und zwar v.a. dann, wenn es sich um Dinge handelt, die eine wichtige Rolle im Leben der erz&#228;hlenden Person spielen. In dieser Hinsicht scheint es wenig &#252;berraschend, dass zahlreiche Sprecher_innen des Untersuchungskorpus thematisieren, wie sie ihre pers&#246;nlichen Besitzt&#252;mer nach Pal&#228;stina/Israel mitgenommen oder verschickt haben. Bemerkenswert ist jedoch, dass rund ein F&#252;nftel von ihnen erw&#228;hnt, ihren Besitz in sog. <italic>Lifts</italic> transportiert zu haben. Dies deutet darauf hin, dass diese Erfahrung eine gro&#223;e Bedeutung im Leben der Interviewten eingenommen hat. Schlie&#223;lich muss ber&#252;cksichtigt werden, dass die Sprecher_innen und ihre Familien die wichtigsten Gegenst&#228;nde ihres alten Lebens in &#214;sterreich in ihre neue Heimat bringen wollten, und dass einige Kisten ihr Ziel nicht erreichten &#8211; manchmal wurden sie bereits im Herkunftshafen beschlagnahmt &#8211;, was neben dem Verlust von Gegenst&#228;nden, die f&#252;r die Betroffenen einen emotionalen Wert besa&#223;en, auch praktische Probleme mit sich brachte (dieser Aspekt wird u.a. von Anitta Goldschmitt in Beispiel 6 hinsichtlich der Kleidung, die der Jahreszeit nicht angemessen war, thematisiert).</p>
<p>Eine &#220;berpr&#252;fung im DWDS und im online-<italic>Duden</italic> hat best&#228;tigt, dass <italic>Lift</italic> als Kurzform des aus dem Englischen entlehnten Begriffs <italic>Liftvan</italic> einen &#8222;Spezialm&#246;belwagen f&#252;r Umz&#252;ge nach &#220;bersee ohne Umladung&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> bezeichnet. Sowohl das DWDS als auch der online-<italic>Duden</italic> bewerten die H&#228;ufigkeit dieses Wortes als &#8218;selten&#8216;, markieren ihn aber weder als &#8218;veraltet&#8216; bzw. &#8218;veraltend&#8216; noch als &#8218;historisch&#8216;. Zus&#228;tzliche Recherchen in weiteren, nicht lexikographischen Quellen haben ergeben, dass <italic>Lift</italic> v.a. im Kontext der j&#252;dischen Emigration aus Europa verwendet wurde (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B63">Urban-Fahr 1998: 262</xref>) und dass <italic>Lifts</italic> in einigen H&#228;fen sogar &#8218;Judenkisten&#8216; genannt wurden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B45">M&#252;nder-F&#252;hring 2022</xref>). Schlie&#223;lich waren ab 1933 f&#252;r J&#252;d_innen, die auswandern wollten,</p>
<disp-quote>
<p>[d]etaillierte Packlisten [&#8230;] der Gestapo vorzulegen und hohe Abgaben zu zahlen. Das &#220;bersiedlungsgut &#8211; in <bold>Lifts</bold> und Kisten verstaut &#8211; verlie&#223; Deutschland mit Frachtschiffen meist &#252;ber die H&#228;fen Hamburg und Bremen. Das Transportgut wurde von Speditionen in den Hafen verbracht und lagerte dort bis zur Verschiffung.</p>
<p>Mit Kriegsbeginn im September 1939 stellte man die zivile Schifffahrt weitestgehend ein. [&#8230;] Ab Fr&#252;hjahr 1940 beschlagnahmte die Gestapo das &#220;bersiedlungsgut, um deren Inhalt zu &#8222;verwerten&#8220; und die Erl&#246;se dem Deutschen Reich zukommen zu lassen.<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref></p>
</disp-quote>
<p>Vergleicht man die Verlaufskurven der synonymischen Ausdr&#252;cke <italic>Liftvan, Transportkiste</italic> und <italic>Container</italic> ab 1900 (<xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref>), so f&#228;llt auf, dass <italic>Container</italic> seit Ende der 1950er Jahre und v.a. seit den 1970er Jahren mit Abstand am h&#228;ufigsten verwendet wird:</p>
<fig id="F1">
<label>Abbildung 1</label>
<caption>
<p>Verlaufskurve der synonymischen Ausdr&#252;cke <italic>Liftvan, Transportkiste</italic> und <italic>Container</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4316_pellegrino-g1.png"/>
</fig>
<p>In Bezug auf die eventuelle Klassifizierung von <italic>Lift</italic> bzw. <italic>Liftvan</italic> als Archaismus oder Historismus l&#228;sst sich sagen, dass der Ausdruck vergleichsweise selten verwendet wird, was aus <xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref> eindeutig hervorgeht. Zudem verdeutlicht der Satz in Beispiel (1) &#8222;[d]amals nannte man das einen <italic>Lift</italic>&#8220;, dass der Begriff &#8211; zumindest in Alice Schwarz-Gardos&#8217; Wahrnehmung &#8211; nicht als &#8218;aktuelle&#8216; Bezeichnung f&#252;r einen &#8222;Spezialm&#246;belwagen f&#252;r Umz&#252;ge nach &#220;bersee&#8220; (laut online-<italic>Duden</italic>- und DWDS-Definition), sondern als &#8218;veraltet&#8216; empfunden wird. Schlie&#223;lich sollte ber&#252;cksichtigt werden, dass <italic>Lift</italic> eng mit der j&#252;dischen Zwangsemigration der 1930er Jahre verbunden ist. Vor dem Hintergrund dieser &#220;berlegungen k&#246;nnte der Ausdruck als Archaismus, wenn nicht sogar als Historismus klassifiziert werden. Gleichzeitig kann er jedoch nicht als &#8218;besonders &#246;sterreichisch&#8216; betrachtet werden, da er im gesamten deutschsprachigen Raum &#8211; insbesondere in den deutschen H&#228;fen &#8211; Verwendung fand.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2.2 <italic>Autostopp</italic></title>
<p>Das Wort <italic>Autostopp</italic> wird von zwei Interviewten insgesamt viermal erw&#228;hnt (vgl. <xref ref-type="table" rid="T5">Tabelle 5</xref>). Die in Beispiel (2) wiedergegebene Aussage Arieh Karnons &#8222;damals nannte man das <italic>Autostopp</italic>&#8220; l&#228;sst vermuten, dass der Interviewte den Begriff als nicht mehr zeitgem&#228;&#223; empfindet. Wie dem Dialog zwischen dem Sprecher (AK) und der Interviewerin Kristine Hecker (KH) in Auszug (9), der direkt an die in (2) wiedergegebene Interview-Passage anschlie&#223;t, entnommen werden kann, spielt noch ein weiterer Aspekt eine Rolle: Zur Zeit des Interviews ist Arieh Karnon dem deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten fern und ist wahrscheinlich deshalb nicht sicher, wie das aktuelle deutschsprachige &#196;quivalent von <italic>Autostopp</italic> lautet.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(9)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>AK: [&#8230;] Wie hei&#223;t es auf Hochdeutsch? Wenn man Autos anh&#228;lt auf der Stra&#223;e?</p></list-item>
<list-item><p>KH: &#196;hm.</p></list-item>
<list-item><p>AK: Das wei&#223; ich nicht.</p></list-item>
<list-item><p>KH: <italic>Trampen</italic>.</p></list-item>
<list-item><p>AK: Noch immer <italic>trampen</italic>? Sagt man noch <italic>trampen</italic>? (Interview Kristine Hecker mit Arieh Karnon, IS_E_00139)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>M&#246;glicherweise geht der Sprecher zun&#228;chst davon aus, dass der aus dem Englischen entlehnte Ausdruck <italic>trampen</italic> v.a. von den in Israel lebenden Deutschsprachler_innen verwendet wird (s. das Deiktikon <italic>hier</italic> in &#8222;Trampen nennt man das hier&#8220; in Beispiel 2), da das Land von der englischen Sprache stark gepr&#228;gt ist, was auf die Zeit des britischen Mandats zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Wahrscheinlich reagiert er deshalb &#252;berrascht, als er erf&#228;hrt, dass <italic>trampen</italic> zum aktuellen Sprachgebrauch im deutschsprachigen Raum geh&#246;rt.</p>
<p>Im Unterschied zu Arieh Karnon &#228;u&#223;ert der zweite Sprecher, der den Ausdruck <italic>Autostopp</italic> verwendet (Ari Rath), keine metasprachlichen Bemerkungen dazu.</p>
<p>Weder das DWDS<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> noch der online-<italic>Duden</italic><xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> kennzeichnen das aus dem Franz&#246;sischen entlehnte Substantiv <italic>Autostopp</italic> bzw. den Ausdruck <italic>per Autostopp</italic> als &#8218;veraltet&#8216; oder &#8218;veraltend&#8216;, allerdings stufen sie seine Verwendung als &#8218;selten&#8216; ein: Die Worth&#228;ufigkeit wird in der <italic>Duden</italic>-Skala auf Stufe 1, in der DWDS-Skala auf Stufe 2 klassifiziert. Anhand der Wortverlaufskurve in <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref> kann zudem beobachtet werden, dass <italic>Autostopp</italic> nach seinem H&#246;hepunkt um das Jahr 1934 deutlich seltener &#8211; v.a. im Vergleich zum Synonym <italic>Anhalter</italic> und z.T. auch zum Verb <italic>trampen</italic> &#8211; verwendet wurde:</p>
<fig id="F2">
<label>Abbildung 2</label>
<caption>
<p>Verlaufskurve der synonymischen Ausdr&#252;cke <italic>Autostopp, Anhalter</italic> und <italic>trampen</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4316_pellegrino-g2.png"/>
</fig>
<p>Um zu kl&#228;ren, ob <italic>Autostopp</italic> als Archaismus oder Historismus eingestuft werden kann, obwohl er weder im DWDS noch im online-<italic>Duden</italic> als &#8218;veraltet&#8216; oder &#8218;veraltend&#8216; gekennzeichnet ist, wurden weitere Recherchen durchgef&#252;hrt. Eine Suchanfrage im <italic>Deutschen Referenzkorpus</italic> DeReKo (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Kupietz / Keibel 2009</xref>) hat ergeben, dass das Wort <italic>Autostopp</italic> lediglich 303 Mal in den <italic>Korpora aus Deutschland</italic>, die insgesamt etwa 8 Milliarden W&#246;rter aus 650 unterschiedlichen geschriebenen Korpora umfassen, erw&#228;hnt wird. Um festzustellen, ob <italic>Autostopp</italic> in der m&#252;ndlichen Kommunikation eventuell h&#228;ufiger verwendet wird, wurde das <italic>Forschungs- und Lehrkorpus Gesprochenes Deutsch</italic> (FOLK)<xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref>, das authentische Gespr&#228;che in verschiedenen privaten, institutionellen und &#246;ffentlichen Kontexten umfasst (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B56">Reineke / Deppermann / Schmidt 2023</xref>), herangezogen. Das FOLK, das seit 2008 kontinuierlich erweitert wird, besteht derzeit aus 436 Gespr&#228;chen mit 1381 Sprecher_innen und insgesamt 3.450.408 Tokens (Stand: Oktober 2024). Eine KWiC-Analyse anhand des Suchbegriffs <italic>Autostopp</italic> hat keine Treffer ergeben. Diese zus&#228;tzlichen Untersuchungen best&#228;tigen somit, dass der Ausdruck nicht mehr Teil des gegenw&#228;rtigen Sprachgebrauchs ist &#8211; wom&#246;glich auch, weil weniger Menschen &#8222;als unentgeltlich in einem Personen- oder Lastkraftwagen mitgenommener Mitfahrer&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref> reisen &#8211; und verdeutlichen, dass er durchaus als Archaismus aufgefasst werden k&#246;nnte.</p>
<p>Schlie&#223;lich sei noch angemerkt, dass der online-<italic>Duden</italic> keine Informationen zur diatopischen oder diaphasischen Konnotation von <italic>Autostopp</italic> und seinen synonymischen Ausdr&#252;cken <italic>Anhalter</italic> und <italic>trampen</italic> liefert. Laut DWDS ist <italic>Autostopp</italic> dagegen v.a. in &#214;sterreich sowie in der Schweiz und <italic>per Anhalter</italic> besonders in Deutschland verbreitet, w&#228;hrend das Verb <italic>trampen</italic> als &#8218;umgangssprachlich&#8216; gilt<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref>. Eine KWiC-Analyse in den Korpora aus &#214;sterreich, die zum DeReKo geh&#246;ren, hat gezeigt, dass <italic>Autostopp</italic> h&#228;ufiger in &#214;sterreich als in Deutschland verwendet wird: Die Suchanfrage hat mehr Treffer ergeben (449 im Gegensatz zu den 303 in den Korpora aus Deutschland), obwohl die Anzahl der Korpora (165 vs. 650) und die Gesamtzahl der W&#246;rter (knapp 1,4 Milliarden vs. 8 Milliarden) sowie die Zeitspanne, &#252;ber die sich die Ver&#246;ffentlichung der Texte erstreckt (1991&#8211;2023 vs. 1772&#8211;2023), deutlich geringer ist.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2.3 <italic>Gauleiter</italic></title>
<p>Der Begriff <italic>Gauleiter</italic> wird viermal in zwei verschiedenen Interviews erw&#228;hnt (vgl. <xref ref-type="table" rid="T5">Tabelle 5</xref>). Besonders hervorzuheben ist die folgende Passage, die dem Interview mit Alice Schwarz-Gardos entnommen wurde und in der das Attribut <italic>sogenannt</italic> als &#8218;indirekter&#8216; Suchbegriff der KWiC-Analyse vorkommt (vgl. Abschnitt 4.1):</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(10)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>[&#8230;] in der Geschichte &#252;ber David Frankfurter. Das war ein junger Jude, der den sogenannten <bold>Gauleiter</bold> f&#252;r die Schweiz, der vorgesehen war, <bold>Gauleiter</bold> f&#252;r die Schweiz zu werden, &#228;h zu Beginn des Krieges erschossen hat und daf&#252;r zu einer langj&#228;hrigen Gef&#228;ngnisstrafe verurteilt wurde. (Interview Anne Betten mit Alice Schwarz-Gardos, IS_E_00114)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>In Auszug (10) erz&#228;hlt Alice Schwarz-Gardos von der Zeit, als das israelische Fernsehen keine Filme in deutscher Sprache ausstrahlte, auch nicht die Verfilmung des Attentats auf den Landesgruppenleiter der NSDAP-Auslandsorganisation (AO) Wilhelm Gustloff, der 1936 vom j&#252;dischen Studenten David Frankfurter get&#246;tet wurde (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Fuhrer 2012</xref>). Um auf den Landesgruppenleiter der NSDAP/AO zu verweisen, verwendet die Sprecherin den Begriff <italic>Gauleiter</italic>. Dieser ist hier nicht einfach als &#8222;Leiter einer Ortsgruppe einer (in Gaue gegliederten) Organisation&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref>, sondern in einer spezifischeren Bedeutung als ein &#8222;(dem F&#252;hrer Adolf Hitler unmittelbar unterstehender) Hoheitstr&#228;ger, Inhaber der obersten staatlichen und administrativen &#196;mter eines Gaues der NSDAP&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n27">27</xref> zu verstehen. Da sich der Begriff in diesem Sinne auf einen im Nationalsozialismus existierenden Sachverhalt bezieht, wird sein Gebrauch sowohl im DWDS als auch im online-<italic>Duden</italic> als &#8218;nationalsozialistisch&#8216; markiert<xref ref-type="fn" rid="n28">28</xref>. Dass die Verwendung von <italic>Gauleiter</italic> eng mit der Zeit des Nationalsozialismus verkn&#252;pft ist, wird durch andere Quellen (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Finger 2006</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Longerich 2024</xref>) und die DWDS-Wortverlaufskurve (<xref ref-type="fig" rid="F3">Abbildung 3</xref>) zus&#228;tzlich best&#228;tigt:</p>
<fig id="F3">
<label>Abbildung 3</label>
<caption>
<p>Verlaufskurve des Wortes <italic>Gauleiter</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4316_pellegrino-g3.png"/>
</fig>
<p>Die Wortverlaufskurve in <xref ref-type="fig" rid="F3">Abbildung 3</xref> zeigt eindeutig, dass der Begriff <italic>Gauleiter</italic> v.a. zwischen Mitte der 1930er und Mitte der 1940er Jahre &#8211; d.h. haupts&#228;chlich in der NS-Zeit<xref ref-type="fn" rid="n29">29</xref> &#8211; verbreitet war und seitdem so gut wie nicht mehr verwendet wurde. Der auffallende Anstieg im Jahre 1946 l&#228;sst sich nachvollziehen, wenn man die Korpustreffer in der Verlaufskurve auf der DWDS-Seite genauer analysiert: Von den 1.417 Treffern f&#252;r dieses Jahr entfallen die meisten auf Texte, die sich mit den N&#252;rnberger Prozessen befassen, wobei der Hauptkriegsverbrecherprozess, der von November 1945 bis Oktober 1946 stattfand, eine zentrale Rolle spielte. Daraus l&#228;sst sich ableiten, dass einige der Angeklagten ehemalige Gauleiter gewesen sein m&#252;ssen.</p>
<p>Dass der Begriff <italic>Gauleiter</italic> aus der Perspektive der Erz&#228;hlzeit (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B44">M&#252;ller 1947</xref>) als durch den Nationalsozialismus &#8218;belastet&#8216; gilt, k&#246;nnte erkl&#228;ren, warum Alice Schwarz-Gardos dem Substantiv das Attribut <italic>sogenannt</italic> voranstellt (Auszug 10). &#196;hnliches findet sich &#252;brigens auch in einem weiteren, nicht zum Untersuchungskorpus geh&#246;renden IK-Interview wieder: Die in Breslau geborene Sprecherin Hilde Rudberg (IS_E_00109) erw&#228;hnt den Ausdruck <italic>Gauleiter</italic> und weist dabei auf ihre Benennungsschwierigkeit direkt hin: &#8222;Er war, wie man das damals genannt hat &#8211; ich ich wunder mich bis heute &#252;ber den Ausdruck, aber ich hab keinen andern &#8211; er war Gauleiter &#228;h f&#252;r f&#252;r Schlesien vom <italic>Hechaluz</italic> [Weltorganisation verschiedener chaluzischer Bewegungen]&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Betten / Mauser 2002: 188</xref>, Kursiv im Original).</p>
<p>Aus den oben angef&#252;hrten &#220;berlegungen heraus scheint es angemessen, den Begriff <italic>Gauleiter</italic> als Historismus einzustufen, der nicht ausschlie&#223;lich auf &#214;sterreich beschr&#228;nkt ist (vgl. dazu <xref ref-type="bibr" rid="B18">Finger 2006</xref>). Diese Einsch&#228;tzung wird best&#228;tigt, wenn man das Determinans des Determinativkompositum <italic>Gauleiter</italic> n&#228;her betrachtet. Der Begriff <italic>Gau</italic> wurde nach seiner Aneignung durch den Nationalsozialismus stark mit dem Regime in Verbindung gebracht, obwohl er schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten verwendet worden war (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Heine 2014</xref>). Sowohl das DWDS als auch der online-<italic>Duden</italic> geben zwei Bedeutungen von <italic>Gau</italic> an: W&#228;hrend die eine (&#8222;in sich geschlossene Landschaft, gro&#223;er landschaftlicher Bezirk&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n30">30</xref>) als &#8218;besonders historisch&#8216; markiert ist, gilt die zweite als &#8218;nationalsozialistisch&#8216;, da sie sich gezielt auf eine &#8222;regionale Organisationseinheit der NSDAP unterhalb der Reichs- und oberhalb der Kreisebene&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n31">31</xref> bezieht. Die dritte, ausschlie&#223;lich vom DWDS gebotene Definition &#8222;Verwaltungsbezirk des Bundeslands Salzburg&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n32">32</xref> ist im untersuchten Kontext nicht relevant.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2.4 <italic>Sommerfrische</italic></title>
<p>Der Begriff <italic>Sommerfrische</italic> wird sechsmal von einem einzigen Sprecher, Ari Rath, in zwei seiner f&#252;nf Interviews verwendet (vgl. <xref ref-type="table" rid="T6">Tabelle 6</xref>). Als Beispiele werden die folgenden Textpassagen angef&#252;hrt:</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(11)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>[&#8230;] im Sommer &#8216;35, ich kann die Sommer, unsere Sommer, immer nach <bold>Sommerfrischen</bold> z&#228;hlen, man ist ja immer mit Kind und Kegel buchst&#228;blich f&#252;r zwei Monate da, von Edlach, Semmering, Velden &#228;h Bad Aussee und so weiter. (Interview Anne Betten mit Ari Rath, ISW_E_00019)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(12)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>[&#8230;] und dann ist er jedes Jahr im Sommer f&#252;r zwei Monate auf <bold>Sommerfrische</bold> gefahren. (Interview Michaela Metz mit Ari Rath, ISW_E_00028)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(13)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>[&#8230;] man ist jedes Jahr auf <bold>Sommerfrische</bold> gefahren, nat&#252;rlich &#228;h Skiferien und und am Semmering zumindest f&#252;nf sechsmal [&#8230;] im Jahr. (Interview Michaela Metz mit Ari Rath, ISW_E_00028)</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Das Substantiv <italic>Sommerfrische</italic> kann als synonymischer Ausdruck f&#252;r <italic>Sommerurlaub</italic> verstanden werden, allerdings ist es nach dem <italic>Deutschen W&#246;rterbuch</italic> der Br&#252;der Grimm insbesondere als &#8222;erholungsaufenthalt der st&#228;dter auf dem lande zur sommerzeit&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B24">Grimm / Grimm 1902: 1526</xref>) sowie als Ort f&#252;r den Erholungsaufenthalt selbst (vgl. ebd.) zu verstehen. Die Bedeutungsentwicklung dieses Lexems ist eng an die Geschichte des modernen Tourismus gekoppelt, denn seit der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts beschreibt <italic>Sommerfrische</italic> eine Art des Reisens, die prim&#228;r der Erholung diente und vorwiegend vom B&#252;rgertum unternommen wurde (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">G&#246;tsch 2002: 9</xref>). Interessanterweise k&#246;nnte dieser semantische Bedeutungswandel vom Italienischen beeinflusst worden sein:</p>
<disp-quote>
<p>&#8218;frescura&#8216; (die frische) nennen die leute hier (<italic>am Gardasee</italic>) sowohl die zeitperiode, w&#228;hrend deren sie auf dem lande leben als auch den landsitz selbst (<italic>vgl</italic>. frescura, frescata, <italic>k&#252;hle luft, die k&#252;hle</italic>. Kramer a.a.o. 477<sup>b</sup>). [&#8230;] aus diesem italienischen fresco und frescura haben die deutschen Tiroler von Meran und Botzen ihre &#8218;sommerfrischen&#8216; (sommerwohnungen) hergenommen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B24">Grimm / Grimm 1902: 1526</xref>).</p>
</disp-quote>
<p>Dass sich <italic>Sommerfrische</italic> v.a. nach 1850 etabliert hat, zeigt die Wortverlaufskurve in <xref ref-type="fig" rid="F4">Abbildung 4</xref>, in der die H&#228;ufigkeit des Begriffs &#252;ber vier Jahrhunderte hinweg (1600&#8211;1999) abgebildet ist:</p>
<fig id="F4">
<label>Abbildung 4</label>
<caption>
<p>Verlaufskurve des Wortes <italic>Sommerfrische</italic> in der Zeit 1600&#8211;1999</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4316_pellegrino-g4.png"/>
</fig>
<p>Aus <xref ref-type="fig" rid="F4">Abbildung 4</xref> sowie aus der Verlaufskurve in <xref ref-type="fig" rid="F5">Abbildung 5</xref>, die den Gebrauch des Begriffs von 1900 bis heute detaillierter darstellt, geht hervor, dass die Verwendung von <italic>Sommerfrische</italic> v.a. seit Ende der 1930er Jahre deutlich zur&#252;ckgegangen ist. Entsprechend wird <italic>Sommerfrische</italic> sowohl im DWDS als auch im online-<italic>Duden</italic> als &#8218;veraltend&#8216;<xref ref-type="fn" rid="n33">33</xref> markiert und kann daher als Archaismus klassifiziert werden.</p>
<fig id="F5">
<label>Abbildung 5</label>
<caption>
<p>Verlaufskurve des Wortes <italic>Sommerfrische</italic> in der Zeit 1900&#8211;2024</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4316_pellegrino-g5.png"/>
</fig>
<p>Die Tradition der Sommerfrische war in &#214;sterreich &#8211; und wohl auch in Deutschland &#8211; tief verankert und diente besonders den wohlhabenden Schichten als Ausdruck ihres gesellschaftlichen Rangs (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B50">Payer 2018</xref>). Der Gebrauch von <italic>Sommerfrische</italic> wird weder im DWDS noch im online-<italic>Duden</italic> als &#8218;besonders &#246;sterreichisch&#8216; gekennzeichnet. Allerdings f&#228;llt auf, dass &#8222;in die Sommerfrische fahren&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n34">34</xref> als charakteristische Wortkombination f&#252;r <italic>Sommerfrische</italic> angegeben wird, w&#228;hrend in den Interviews des Untersuchungskorpus die Pr&#228;position <italic>auf</italic> statt <italic>in</italic> verwendet wird (&#8222;auf Sommerfrische&#8220; in den Beispielen 12 und 13). Der Sprachgebrauch des IK-Sprechers spiegelt wider, dass die Formulierung <italic>auf Sommerfrische</italic> &#8211; analog zu <italic>auf Urlaub</italic> &#8211; eine bairische, insbesondere &#246;sterreichische Variante ist. Somit ist nicht das Lexem <italic>Sommerfrische</italic>, sondern vielmehr die Kollokation <italic>auf Sommerfrische</italic> als besonders typisch f&#252;r &#214;sterreich anzusehen.</p>
</sec>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5. &#220;berlegungen zum Einsatz der ermittelten Lexeme im DaF/DaZ-Unterricht</title>
<p>Die in Abschnitt 4. durch eine Kombination aus quantitativ-qualitativer KWiC- und Kontextanalyse ermittelten Lexeme bieten vielseitige Einsatzm&#246;glichkeiten im DaF/DaZ-Unterricht. Je nach inhaltlichem Schwerpunkt der Unterrichtseinheit k&#246;nnen sie den Lernenden auf unterschiedliche Weise zug&#228;nglich gemacht werden. In diesem Abschnitt werden einige kurze Anregungen vorgestellt, wie die vier analysierten Lexeme in die DaF/DaZ-Didaktik integriert werden k&#246;nnen.</p>
<sec>
<title>5.1 Kulturelles Lernen und Vermittlung geschichtlicher Inhalte</title>
<p>Wie bereits in Abschnitt 2. erw&#228;hnt, lassen sich die IK-Interviews als kulturhistorisches Archiv betrachten (vgl. dazu auch <xref ref-type="bibr" rid="B17">Farges 2023</xref>). Dies macht sie zu einem wertvollen Medium f&#252;r die Vermittlung geschichtlicher Inhalte, insbesondere im Kontext des Nationalsozialismus und der Verfolgung der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung. Die IK-Interviews k&#246;nnen somit entscheidend zum kulturellen bzw. kulturbezogenen Lernen beitragen, das nicht nur faktisches Wissen &#252;ber die Geschichte des deutschsprachigen Raums, sondern vielmehr Deutungsprozesse und diskursive Aushandlungen von Bedeutungen in der Fremdsprache fokussiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Altmayer 2017: 11</xref>). Dieser Ansatz geht von der Annahme aus, dass</p>
<disp-quote>
<p>menschliches Handeln sich nur angemessen beschreiben l&#228;sst, wenn man dies nicht von au&#223;en tut, sondern die Perspektive der Beteiligten, also der handelnden Menschen selbst einnimmt, wenn man versucht die Bedeutungen zu verstehen, die Menschen sich selbst, ihren Mitmenschen, der sie umgebenden Wirklichkeit und ihrem Handeln in dieser Wirklichkeit zuschreiben, wie diese Bedeutungen entstehen und wie sie in der Interaktion mit anderen Menschen ausgehandelt und vermittelt werden. (ebd.)</p>
</disp-quote>
<p>In dieser Hinsicht bieten die Begriffe <italic>Gauleiter</italic> und <italic>Lift</italic> wertvolle didaktische Ankn&#252;pfungspunkte. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit <italic>Gauleiter</italic> kann die organisatorische Struktur des nationalsozialistischen Regimes verdeutlichen. Der Begriff <italic>Lift</italic> hingegen erm&#246;glicht einen Zugang zur erzwungenen Emigration der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung in den 1930er und 1940er Jahren. Dabei bietet sich die LostLift-Datenbank<xref ref-type="fn" rid="n35">35</xref>, die im Rahmen des Projekts <italic>LIFTProv</italic> am Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven entwickelt wurde und die Wege des enteigneten Umzugsguts dokumentiert, als erg&#228;nzendes Lehrmaterial an. Anhand der Geschichten der IK-Interviewten, die nach Pal&#228;stina/Israel emigrierten, k&#246;nnten zudem weitere Routen der j&#252;dischen Migration thematisiert werden, wie z.B. die sog. Kindertransporte nach Gro&#223;britannien (s. das Korpus FEGB &#8211; <italic>Flucht und Emigration nach Gro&#223;britannien</italic>, das auch &#252;ber die DGD zug&#228;nglich ist; vgl. dazu <xref ref-type="bibr" rid="B61">Th&#252;ne 2019</xref>).</p>
<p>Im Hinblick darauf, dass die geschichtlichen Themen, die im Rahmen des DaF/DaZ-Unterrichts gew&#228;hlt werden, &#8222;m&#246;glichst einen Aktualit&#228;tsbezug aufweisen [&#8230;] oder einen Erkenntniswert vermitteln sollten, der im Kontext zur Gesamtausbildung der Lernergruppe steht&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B29">Koreik 2012: 4</xref>), lassen sich in Bezug auf das Wort <italic>Lift</italic> durchaus Parallelen zu aktuellen Migrationsbewegungen ziehen (obwohl es nat&#252;rlich auch frappierende Unterschiede gibt). Die Auseinandersetzung mit den Schicksalen von Menschen, die aus rassistischen oder politischen Gr&#252;nden ihre Heimat verlassen mussten, k&#246;nnte den Lernenden helfen, gegenw&#228;rtige Fluchtursachen wie Kriege, Armut und Verfolgung besser zu verstehen und Empathie zu entwickeln. Geschichtliche Themen k&#246;nnen so nicht nur das historische Bewusstsein sch&#228;rfen, sondern auch zu einer erh&#246;hten Diskurskompetenz und Toleranz gegen&#252;ber Diversit&#228;t und Kontroversen beitragen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Langer 2017: 623</xref>). In dieser Hinsicht kann die Reflexion &#252;ber die Migrationsgeschichten der IK-Interviewten emotionale Kompetenzen f&#246;rdern und das Mitgef&#252;hl der Lernenden gegen&#252;ber aktuellen Gefl&#252;chteten st&#228;rken. Das l&#228;sst sich daraus schlie&#223;en, dass das IK &#8222;nicht nur historisch und kulturwissenschaftlich wichtiges Material liefert, sondern vor allem auch ein <italic>documentum humanum</italic> ist, das Menschen unabh&#228;ngig von ihrem Alter anspricht, und [&#8230;] gerade diese Interviews dazu angetan sind, Empathie entstehen zu lassen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B9">Betten 2023: 48</xref>, kursiv im Original).</p>
</sec>
<sec>
<title>5.2 Ver&#228;nderungen im Sprachgebrauch und Sprachvariet&#228;ten</title>
<p>Die vier untersuchten Lexeme bieten ferner wertvolle Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r die Diskussion &#252;ber Sprachwandel und Variet&#228;ten des Deutschen. Sie veranschaulichen, dass Sprache kein starres System ist, sondern sich st&#228;ndig ver&#228;ndert und stark von au&#223;ersprachlichen, u.a. kulturhistorischen Ereignissen beeinflusst wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B49">N&#252;bling et al. 2006: 3</xref>).</p>
<p>Das Wort <italic>Sommerfrische</italic> etwa beschreibt ein soziokulturelles Ph&#228;nomen, das eng mit einer spezifischen historischen Epoche verkn&#252;pft ist. Es steht f&#252;r den Erholungsaufenthalt der st&#228;dtischen b&#252;rgerlichen Bev&#246;lkerung auf dem Land, eine Praxis, die im 19. Jahrhundert bis zum Aufkommen des modernen Tourismus verbreitet war (vgl. Abschnitt 4.2.4). Anhand des Begriffs <italic>Sommerfrische</italic> k&#246;nnten Lernende &#252;ber weitere veraltete oder veraltende Ausdr&#252;cke reflektieren, die einst mit bestimmten Arten des Reisens verbunden waren, heute jedoch nicht mehr gebr&#228;uchlich sind. Dies bietet Raum f&#252;r &#220;berlegungen, wie gesellschaftliche Ver&#228;nderungen &#8211; in diesem Fall die Ver&#228;nderung der Freizeit- und Urlaubsgewohnheiten &#8211; auch sprachlichen Wandel hervorrufen. Dar&#252;ber hinaus k&#246;nnte im Unterricht diskutiert werden, welche denotativen und konnotativen Unterschiede zwischen den synonymischen Begriffen <italic>Urlaub</italic> und <italic>Sommerfrische</italic> bestehen.</p>
<p>Auch der Gebrauch des Ausdrucks <italic>Autostopp</italic> ist r&#252;ckl&#228;ufig, da die entsprechende Praxis des Fahrens seltener geworden ist. Im Vergleich zu anderen synonymischen Ausdr&#252;cken hat sich gezeigt, dass <italic>Autostopp</italic> insbesondere in &#214;sterreich und in der Schweiz verbreitet ist, w&#228;hrend <italic>Anhalter</italic> in Deutschland vorherrscht und <italic>trampen</italic> umgangssprachlich konnotiert ist (vgl. Abschnitt 4.2.2). Solche Beispiele eignen sich gut, um die Lernenden f&#252;r die diatopische und diaphasische Variation des Deutschen zu sensibilisieren. Im Unterricht k&#246;nnten die Lernenden dazu angeregt werden, &#252;ber weitere Begriffe nachzudenken bzw. es k&#246;nnten zus&#228;tzliche Ausdr&#252;cke eingef&#252;hrt werden, die unterschiedlichen Variet&#228;ten des Deutschen angeh&#246;ren und durch die das Spektrum der Variation der deutschen Sprache sichtbar wird.</p>
<p>Besonders im Hinblick auf die Plurizentrizit&#228;t des Deutschen ist es wichtig, im didaktischen Rahmen auf die unterschiedlichen Standardvariet&#228;ten der deutschen Sprache einzugehen. Aus Platzgr&#252;nden kann hier nicht weiter auf theoretische Ausf&#252;hrungen zur Didaktik des Deutschen als plurizentrische Sprache im DaF/DaZ-Unterricht eingegangen werden (vgl. dazu u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B41">Muhr 1996a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B42">1996b</xref>). An dieser Stelle sei v.a. darauf hingewiesen, dass das analysierte Untersuchungskorpus eine Grundlage bietet, um das &#246;sterreichische Deutsch zu thematisieren. So k&#246;nnen Begriffe wie (<italic>per</italic>) <italic>Autostopp</italic> im Vergleich zu (<italic>per</italic>) <italic>Anhalter</italic> oder die Unterschiede im Gebrauch von Pr&#228;positionen bei <italic>auf Sommerfrische</italic> vs. <italic>in die Sommerfrische</italic> den Lernenden helfen, die lexikalischen und grammatischen Unterschiede zwischen den Variet&#228;ten des Deutschen besser zu verstehen (zur unterschiedlichen Verwendung von Pr&#228;positionen im &#246;sterreichischen Deutsch im Vergleich zum Binnendeutschen vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Ebner 2008: 45&#8211;46</xref>).</p>
<p>Am Beispiel des Begriffs <italic>Gauleiter</italic> l&#228;sst sich zudem verdeutlichen, wie der Nationalsozialismus bereits existierende W&#246;rter aufgriff und deren Gebrauch so stark pr&#228;gte, dass sie teilweise als &#8218;belastet&#8216; gelten und daher nur selten oder gar nicht mehr verwendet werden. Das Lexem <italic>Gauleiter</italic> k&#246;nnte demnach als Ausgangspunkt f&#252;r die Untersuchung weiterer, durch den Nationalsozialismus belasteter Ausdr&#252;cke dienen, etwa durch die Einbeziehung von Victor Klemperers sprachlichen Beobachtungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Klemperer 1947</xref>; zu Victor Klemperers Tageb&#252;chern vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B48">Nowojski / L&#246;ser 2019</xref>; zum Sprachgebrauch im Nationalsozialismus vgl. au&#223;erdem <xref ref-type="bibr" rid="B27">K&#228;mper 2019</xref>; f&#252;r weitere Literaturhinweise zur Sprache im Nationalsozialismus und die Einbeziehung dieses Themas im Deutschunterricht vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B59">Siehr / Seidel 2009</xref>). Die Reflexion &#252;ber den Missbrauch von Sprache im Nationalsozialismus k&#246;nnte dabei als Ausgangspunkt dienen, um Parallelen zum Sprachgebrauch des gegenw&#228;rtigen Populismus zu ziehen, was wiederum das sprachkritische Denken der Lernenden f&#246;rdern k&#246;nnte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B55">Pellegrino / B&#252;rger-Koftis 2021</xref>).</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>6. Fazit</title>
<p>In diesem Beitrag wurden 48 IK-Interviews mit Sprecher_innen &#246;sterreichischer Herkunft unter Ber&#252;cksichtigung korpuslinguistischer Ans&#228;tze untersucht, um Archaismen und Historismen zu ermitteln und darunter die Ausdr&#252;cke zu identifizieren, die f&#252;r den &#246;sterreichischen Sprach- und Kulturraum besonders charakteristisch sind. Hierf&#252;r wurde eine manuelle Kontextanalyse ausgew&#228;hlter KWiCs im gesamten Untersuchungskorpus (<italic>damals, fr&#252;her sagte, heute sagt, hie&#223;</italic> und <italic>nannte</italic>) und eine gezielte KWiC-Analyse (Suchbegriff <italic>gesagt</italic>) in den Segmenten, die mithilfe der Software MAXQDA mit dem Code <italic>Einstellung zur Sprache/Sprachreflexionen</italic> markiert worden waren, durchgef&#252;hrt. Dabei hat sich der Suchbegriff <italic>nannte</italic> &#8211; insbesondere in Verbindung mit dem Adverb <italic>damals</italic> (s. Beispiele 1 und 2) sowie als Bestandteil des Adjektivs <italic>sogenannte</italic> (s. Beispiel 10) &#8211; als besonders aufschlussreich erwiesen.</p>
<p>Dieser Ansatz hat zur Identifizierung von vier Archaismen und Historismen gef&#252;hrt und kann m.E. auf weitere, auch gr&#246;&#223;ere autobiographische Korpora &#252;bertragen werden. Dennoch hat er gewisse Begrenzungen offenbart, wie z.B. die Nichtentdeckung des Lexems <italic>Sommerfrische</italic> (vgl. Abschnitt 4.1). Dies ist darauf zur&#252;ckzuf&#252;hren, dass die gew&#228;hlten Suchbegriffe die Selbstbeobachtungen der Sprecher_innen widerspiegeln und daher nur solche W&#246;rter erfassen, die von den Sprecher_innen selbst als &#8218;veraltet&#8216;, &#8218;veraltend&#8216; oder &#8218;historisch&#8216; wahrgenommen werden. Wenn die Interviewten dagegen Begriffe verwenden, ohne zu signalisieren (oder sich dessen bewusst zu sein), dass es sich um einen nicht mehr aktuellen Sprachgebrauch handelt (wie bei Ari Raths Verwendung von <italic>Sommerfrische</italic>), k&#246;nnten die gew&#228;hlten Suchbegriffe erfolglos bleiben.</p>
<p>In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse der durchgef&#252;hrten Analyse zusammengefasst. Das Zeichen &#8218;X&#8216; steht f&#252;r die Kennzeichnungen, die in den konsultierten lexikografischen Quellen angegeben sind, &#8218;(X)&#8216; f&#252;r meine eigenen Einsch&#228;tzungen angesichts der in Abschnitt 4. dargelegten Untersuchung:</p>
<table-wrap id="T7">
<label>Tabelle 7</label>
<caption>
<p>&#220;berblick &#252;ber die ermittelten Lexeme aus diachroner und diatopischer Perspektive</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Lexem</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>veraltet</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>veraltend</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>historisch</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>bes. &#246;sterreichisch</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Lift</td>
<td align="center" valign="top"></td>
<td align="center" valign="top"></td>
<td align="center" valign="top">(X)</td>
<td align="center" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Autostopp</td>
<td align="center" valign="top"></td>
<td align="center" valign="top">(X)</td>
<td align="center" valign="top"></td>
<td align="center" valign="top">X</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Gauleiter</td>
<td align="center" valign="top"></td>
<td align="center" valign="top"></td>
<td align="center" valign="top">X</td>
<td align="center" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Sommerfrische</td>
<td align="center" valign="top"></td>
<td align="center" valign="top">X</td>
<td align="center" valign="top"></td>
<td align="center" valign="top">mit Pr&#228;position <italic>auf</italic></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Folglich lassen sich <italic>Autostopp</italic> und <italic>Sommerfrische</italic> als Archaismen, <italic>Lift</italic> und <italic>Gauleiter</italic> als Historismen einordnen. Der Gebrauch von (<italic>per</italic>) <italic>Autostopp</italic> und <italic>auf Sommerfrische</italic> (mit der Pr&#228;position <italic>auf</italic> statt <italic>in</italic>) ist als besonders &#246;sterreichisch zu bewerten.</p>
<p>Abschnitt 5. hat Anregungen zur Verwendung der ermittelten Archaismen und Historismen im DaF/DaZ-Unterricht geboten. Erg&#228;nzend l&#228;sst sich festhalten, dass der Einsatz digitaler Tools wie DWDS und online-<italic>Duden</italic> nicht nur dabei hilft, den Lernenden zu vermitteln, wie gezielte Informationen zum Gebrauch eines Begriffs recherchiert werden k&#246;nnen, sondern auch dazu beitr&#228;gt, ihre Medienkompetenz und <italic>digital literacy</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Narr / Friedrich 2021</xref>) zu f&#246;rdern.</p>
<p>Zuk&#252;nftig w&#228;re es von Interesse, die Methode auf das gesamte IK zu &#252;bertragen, um zu pr&#252;fen, ob die identifizierten Ausdr&#252;cke auch in den Interviews mit deutschen Sprecher_innen vorkommen und ob sich weitere Archaismen und Historismen finden lassen. Eine Verfeinerung bzw. Erweiterung der Suchbegriffe f&#252;r die KWiC-Analyse &#8211; z.B. durch die Hinzuf&#252;gung von Formulierungen wie <italic>w&#252;rde man heute sagen</italic> (s. Beispiel 1) &#8211; k&#246;nnte zudem helfen, zus&#228;tzliche Lexeme zu entdecken.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://dgd.ids-mannheim.de/">https://dgd.ids-mannheim.de/</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n2"><p>PID = <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://hdl.handle.net/10932/00-0332-C3A7-393A-8A01-3">http://hdl.handle.net/10932/00-0332-C3A7-393A-8A01-3</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n3"><p>PID = <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://hdl.handle.net/10932/00-0332-C42A-423C-2401-D">http://hdl.handle.net/10932/00-0332-C42A-423C-2401-D</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n4"><p>PID = <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://hdl.handle.net/10932/00-0332-C453-CEDC-B601-2">http://hdl.handle.net/10932/00-0332-C453-CEDC-B601-2</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Diese Interviews wurden in das IS-Korpus aufgenommen. Zur Entstehung des ISW-Korpus vgl. u.a. Betten (<xref ref-type="bibr" rid="B9">2023: 28-30</xref>).</p></fn>
<fn id="n6"><p>An dieser Stelle sei nur kurz erw&#228;hnt, dass einige Sprecher_innen angegeben haben, zur Zeit des Interviews noch deutschsprachige Literatur zu lesen und teilweise durch deutschsprachige Fernsehsendungen Zugang zu ihrer Erstsprache zu haben.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Damit sind das Erzherzogtum &#214;sterreich unter der Enns und das Erzherzogtum &#214;sterreich ob der Enns, die bis Ende des Ersten Weltkrieges bestanden, sowie die Republik &#214;sterreich (ab 1918) gemeint.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Ausgenommen sind die Ehepartner_innen Aaron Alexander, Hanna Baumann und Chava Karniel, da sie in anderen deutschsprachigen Gebieten Europas geboren wurden.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Ber&#252;cksichtigt werden auch die Jahre der Wiederholungsinterviews mit Sprecher_innen, die mehrfach interviewt wurden (zu den Gr&#252;nden daf&#252;r vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Betten 2023: 25-28</xref>).</p></fn>
<fn id="n10"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.duden.de/hilfe/gebrauch">https://www.duden.de/hilfe/gebrauch</ext-link> (20.10.2024), kursiv im Original.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Vgl. ebd.</p></fn>
<fn id="n12"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Truemmerfrau">https://www.duden.de/rechtschreibung/Truemmerfrau</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n13"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Doge">https://www.duden.de/rechtschreibung/Doge</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n14"><p>Als Vergleich zu den Angaben zu den Lemmata <italic>Tr&#252;mmerfrau</italic> und <italic>Doge</italic> im <italic>Duden</italic> vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Tr%C3%BCmmerfrau">https://www.dwds.de/wb/Tr%C3%BCmmerfrau</ext-link> und <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Doge?o=doge">https://www.dwds.de/wb/Doge?o=doge</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n15"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.duden.de/hilfe/haeufigkeit">https://www.duden.de/hilfe/haeufigkeit</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n16"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/d/worthaeufigkeit">https://www.dwds.de/d/worthaeufigkeit</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n17"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/d/plot#wb">https://www.dwds.de/d/plot#wb</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n18"><p>Dieser Code verweist auf die Sigle, unter der das jeweilige Interview-Ereignis auf der DGD-Website aufgef&#252;hrt ist. An dieser Stelle sei zudem erw&#228;hnt, dass im Rahmen der Analyse die auf der DGD-Seite verf&#252;gbaren Interview-Transkripte verwendet wurden. In den in diesem Beitrag wiedergegebenen Ausz&#252;gen wurden Markierungen zu m&#246;glichen paraverbalen Aspekten entfernt, da sie aus der hier angewandten Forschungsperspektive nicht relevant sind.</p></fn>
<fn id="n19"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Liftvan">https://www.duden.de/rechtschreibung/Liftvan</ext-link> und <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Liftvan?o=liftvan">https://www.dwds.de/wb/Liftvan?o=liftvan</ext-link> (20.10.2024), Hervorhebung von mir.</p></fn>
<fn id="n20"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dsm.museum/forschung/forschungsprojekte/liftprov-der-umgang-mit-uebersiedlungsgut-juedischer-emigranten-in-hamburg">https://www.dsm.museum/forschung/forschungsprojekte/liftprov-der-umgang-mit-uebersiedlungsgut-juedischer-emigranten-in-hamburg</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n21"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Autostopp#1">https://www.dwds.de/wb/Autostopp#1</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n22"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Autostopp">https://www.duden.de/rechtschreibung/Autostopp</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n23"><p>So wie das IK ist auch das FOLK &#252;ber die DGD zug&#228;nglich. PID = <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://hdl.handle.net/10932/00-0332-C1B2-A5E3-2A01-D">http://hdl.handle.net/10932/00-0332-C1B2-A5E3-2A01-D</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n24"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/per%20Autostopp">https://www.dwds.de/wb/per%20Autostopp</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n25"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/trampen">https://www.dwds.de/wb/trampen</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n26"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Gauleiter">https://www.dwds.de/wb/Gauleiter</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n27"><p>Ebd.</p></fn>
<fn id="n28"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Gauleiter">https://www.duden.de/rechtschreibung/Gauleiter</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n29"><p>1934 wurde das Wort auch erstmals in den <italic>Rechtschreibduden</italic> aufgenommen (vgl. ebd.).</p></fn>
<fn id="n30"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Gau">https://www.dwds.de/wb/Gau</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n31"><p>Ebd.</p></fn>
<fn id="n32"><p>Ebd.</p></fn>
<fn id="n33"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Sommerfrische?o=sommerfrische">https://www.dwds.de/wb/Sommerfrische?o=sommerfrische</ext-link> und <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Sommerfrische">https://www.duden.de/rechtschreibung/Sommerfrische</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
<fn id="n34"><p>Vgl. ebd.</p></fn>
<fn id="n35"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://lostlift.dsm.museum/">https://lostlift.dsm.museum/</ext-link> (20.10.2024).</p></fn>
</fn-group>
<ref-list>
<title>Literatur und Ressourcen</title>
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<title>Biographische Notiz</title>
<p>Ramona Pellegrino ist Forschungsstipendiatin an der Universit&#228;t Bologna, wo sie im Rahmen eines Projekts zur gendergerechten Sprache in der institutionellen Kommunikation t&#228;tig ist. Sie ist Mitherausgeberin der Online-Zeitschrift <italic>Polyphonie. Mehrsprachigkeit_Kreativit&#228;t_Schreiben</italic>. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Soziolinguistik, Korpuslinguistik, narratologische Forschung, Biographieforschung sowie literarische Mehrsprachigkeit.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5"><bold>Kontaktanschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Ramona Pellegrino</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Universit&#224; di Bologna &#8211; Campus Forl&#236;</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Corso della Repubblica 136</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">47121 Forl&#236;</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:ramona.pellegrino@unibo.it">ramona.pellegrino@unibo.it</ext-link></styled-content></p>
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