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<journal-title>Zeitschrift Korpora Deutsch als Fremdsprache</journal-title>
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<issn pub-type="epub">2749-4411</issn>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/tujournals-4162</article-id>
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<subject>Non-thematic articles</subject>
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<article-title>W&#214;RTERB&#220;CHER IN LEICHTER SPRACHE ALS BR&#220;CKE ZUM FACHWORTSCHATZ: LEXIKOGRAFISCHE KRITERIEN UND DAF-DIDAKTISCHE IMPLIKATIONEN</article-title>
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<surname>Corso</surname>
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<email>sara.corso@unimi.it</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#224; degli Studi di Milano</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-08-01">
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<month>08</month>
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<abstract>
<p>Die vorliegende Untersuchung widmet sich der Leichten Sprache (LS) als potenzielle Br&#252;ckensprache f&#252;r DaF-Lernende und beleuchtet die lexikografische Darstellung von Fachbegriffen aus den Bereichen Informatik und K&#252;nstliche Intelligenz in LS-W&#246;rterb&#252;chern. Mittels einer qualitativen und quantitativen Analyse wird ermittelt, in welchem Umfang diese Fachbegriffe in LS-W&#246;rterb&#252;chern vertreten sind und welche Strategien zur semantischen Vereinfachung angewendet werden. Hieraus resultieren Reflexionen zum Einsatz von LS-W&#246;rterb&#252;chern f&#252;r den Erwerb des Fachwortschatzes in der DaF-Didaktik sowie die Beleuchtung der Spannungsfelder zwischen Fachsprachlichkeit und sprachlicher Zug&#228;nglichkeit.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p>This study investigates German Easy Language (<italic>Leichte Sprache</italic>, LS) as a potential bridge language for learners of German as a foreign language (DaF), with a particular focus on the lexicographic representation of specialized terminology from the fields of informatics and artificial intelligence in LS dictionaries. Using a qualitative and quantitative approach, the study examines the presence of these terms in LS dictionaries and the strategies employed for semantic simplification. Ultimately, the study examines the implications of LS dictionaries for the acquisition of technical vocabulary in the context of teaching German as a foreign language, as well as the tension between terminological precision in specialized language and linguistic accessibility in simplified discourse.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Leichte Sprache</kwd>
<kwd>Lexikografie</kwd>
<kwd>Fachsprache</kwd>
<kwd>Korpuslinguistik</kwd>
<kwd>DaF-Didaktik</kwd>
<kwd>Sprachvereinfachung</kwd>
</kwd-group>
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<kwd>Easy Language</kwd>
<kwd>lexicography</kwd>
<kwd>language for specific purposes</kwd>
<kwd>corpus linguistics</kwd>
<kwd>German as a Foreign Language</kwd>
<kwd>linguistic simplification</kwd>
</kwd-group>
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<sec>
<title>1. Einf&#252;hrung</title>
<p>Die Leichte Sprache (LS) stellt eine vereinfachte Variet&#228;t der deutschen Sprache dar, die sich durch strenge lexikalische und syntaktische Regeln auszeichnet. LS wurde entwickelt, um Menschen mit sprachlichen und kognitiven Schwierigkeiten einen leichteren Zugang zu Informationen zu erm&#246;glichen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Maa&#223; 2015: 11-12</xref>). Die Anwendung der LS in institutionellen und popul&#228;ren Kontexten ist weit verbreitet, w&#228;hrend ihr Einsatz in der DaF-Didaktik nach wie vor Gegenstand von Diskussionen ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Heine 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B8">Bredel 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B15">Di Meola / Puato / Porcaro 2024</xref>), darunter auch in Bezug auf die Vermittlung des Fachwortschatzes (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Bock 2024</xref>).</p>
<p>Ein zunehmend relevanter Fachwortschatz findet sich im Bereich der allgemeinen Informatik und insbesondere der k&#252;nstlichen Intelligenz (KI), einem sich rasch entwickelnden Ph&#228;nomen, das immer mehr Bereiche der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft pr&#228;gt. Der Umgang mit diesem lexikalischen Repertoire ist f&#252;r RezipientInnen, unabh&#228;ngig von ihren Lese- und Sprachkompetenzen, ein unabdingbarer Bestandteil der t&#228;glichen Kommunikation und Informationsbeschaffung. Es ist daher von entscheidend, geeignete und effektive didaktische Strategien f&#252;r den Erwerb dieses fachspezifischen Wortschatzes auch im DaF-Bereich zu entwickeln. Dabei nehmen lexikografische Ressourcen eine zentrale Rolle ein, da sie den Lernenden unter anderem die M&#246;glichkeit bieten, Informationen nachzuschlagen, Vorwissen zu aktivieren und Probleml&#246;sungsstrategien zu entwickeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Nied Curcio 2022: 8</xref>). Dar&#252;ber hinaus f&#246;rdern sie Reflexionen &#252;ber (textsortenspezifische) inter- und intralinguale Ph&#228;nomene (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Luppi 2024: 37</xref>).</p>
<p>Der vorliegende Beitrag widmet sich der bislang wenig untersuchten Fragestellung, inwiefern LS-W&#246;rterb&#252;cher in der DaF-Didaktik eingesetzt werden k&#246;nnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Crestani 2024</xref>), wobei der Fokus hier auf der Vermittlung des Fachwortschatzes liegt. Dar&#252;ber hinaus wird hier gepr&#252;ft, ob der kombinierte Einsatz von LS-W&#246;rterb&#252;chern mit ihrem vereinfachten Sprachmaterial einerseits und Korpora mit authentischen Sprachdaten andererseits &#8211; deren Potenzial zur F&#246;rderung des Sprachbewusstseins und des Spracherwerbs mehrfach betont wurde (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Flinz 2024</xref>) &#8211; (meta)sprachliche Reflexionen anregen und damit den Erwerb von fachsprachlichem Wortschatz im DaF-Unterricht unterst&#252;tzen kann.</p>
<p>Dazu wird eine Liste von Lemmata zum Thema KI in LS-W&#246;rterb&#252;chern analysiert und mit entsprechenden Eintr&#228;gen in Standardw&#246;rterb&#252;chern verglichen. Zudem werden die W&#246;rterbuch-Definitionen dieser Lemmata in beiden W&#246;rterbuchtypen untersucht, mit besonderem Augenmerk auf das dabei verwendete lexikalische Repertoire. Abschlie&#223;end sollen die gewonnenen Erkenntnisse zur kritischen Reflexion der Potenziale und Grenzen von LS-W&#246;rterb&#252;chern in der DaF-Didaktik beitragen.</p>
<p>Der Beitrag ist folgenderma&#223;en aufgebaut: Zun&#228;chst werden die grundlegenden Merkmale der LS dargestellt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die lexikalischen Auswahlkriterien gelegt wird, die in den vereinfachten Textfassungen in LS Verwendung finden (Kap. 2.1). Darauf aufbauend wird ein &#220;berblick &#252;ber die Debatte bez&#252;glich der Implementierung der LS in der DaF-Didaktik gegeben, wobei die kritischen Aspekte sowie das Potenzial der LS beleuchtet werden (Kap. 2.2). In Kapitel 3 wird die Forschungsmethode er&#246;rtert und die f&#252;r die Untersuchung ausgew&#228;hlten W&#246;rterb&#252;cher (Kap. 3.1) sowie die Liste der gesammelten Lemmata (Kap. 3.2) beschrieben. Anschlie&#223;end werden die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt. Zun&#228;chst wird die Okkurrenz von KI-bezogenen Lemmata in LS-W&#246;rterb&#252;chern evaluiert (Kap. 4.1). Darauf aufbauend erfolgt eine vergleichende exemplarische Analyse des Lemmas <italic>Algorithmus</italic> im standardsprachlichen W&#246;rterbuch DWDS und in LS-W&#246;rterb&#252;chern. Untersucht werden dabei mikrostrukturelle und linguistische Merkmale (Kap. 4.2.1) sowie die Auswahlkriterien des Wortschatzes, der zur Definition des Lemmas verwendet wird (Kap. 4.2.2). Der Beitrag schlie&#223;t mit &#220;berlegungen zu den didaktischen Implikationen, die sich aus den erhobenen Daten ableiten lassen (Kap. 5).</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Leichte Sprache</title>
<sec>
<title>2.1 Richtlinien zur lexikalischen Wahl</title>
<p>LS ist eine Variet&#228;t der deutschen Sprache, die allerdings nicht von einer Sprechergemeinschaft getragen wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Maa&#223; 2015: 12</xref>). Obwohl LS prim&#228;r schriftlich realisiert wird, r&#252;ckt in j&#252;ngerer Zeit auch ihre gesprochene Dimension zunehmend in den Fokus der Forschung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Rink / Zehrer 2015</xref>) und wird in Projekten wie <italic>From written to oral texts in Easy Language &#8211; Easy Audios in Cultural Institutions</italic><xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> und SELSI (<italic>Spoken Easy Language for Social Inclusion</italic>) konkret in Form von Audio- und Videomaterial umgesetzt<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref>. Zur Herstellung von Texten in LS liegen allgemeine makro- und mikrotextuellen Parameter vor, die in f&#252;r LS hergestellten Regelwerken definiert sind. Die ersten Regelwerke<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>, wie z.B. die von <italic>Inclusion Europe</italic> (IE) (<xref ref-type="bibr" rid="B21">2014</xref>), der BITV 2.0 (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2011</xref>), des BMAS (<xref ref-type="bibr" rid="B4">2014</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> und dem <italic>Netzwerk Leichte Sprache</italic> (NLS) (<xref ref-type="bibr" rid="B33">2022</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> zeichnen sich durch allgemeine und eher vage Regeln aus. Diese betreffen u.a. die Wortwahl, wobei empfohlen wird &#8222;einfache W&#246;rter&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B4">BMAS 2014: 22</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">NLS 2022: 12</xref>), n&#228;mlich &#8222;leicht verst&#228;ndliche W&#246;rter, die allgemein bekannt sind&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B21">IE 2014: 10</xref>) in den optimierten Texten einzusetzen, um das Leseverstehen zu f&#246;rdern. Ein detaillierter methodischer Ansatz, um eine derartige lexikalische Wahl vorzunehmen, ist in den genannten Regelwerken jedoch nicht vorhanden. Es wird lediglich empfohlen, z.B. lieber ein Verb wie <italic>erlauben</italic> anstatt <italic>genehmigen</italic> zu benutzen. Bock (<xref ref-type="bibr" rid="B6">2019: 37</xref>) betont in diesem Zusammenhang, dass der Einsatz h&#228;ufiger W&#246;rter grunds&#228;tzlich ein valider Ausgangspunkt f&#252;r die Gestaltung eines Textes mit einfachem, unmittelbarem Wortschatz sei. Dennoch soll dies nicht bedeuten, dass f&#252;r LS-Texte stets auf niedrigfrequente W&#246;rter verzichtet werden sollte. Bock weist darauf hin, dass Wortfrequenz allein nicht ausreichend zur Gew&#228;hrleistung der Textverst&#228;ndlichkeit ist. Vielmehr sind weitere Faktoren zu ber&#252;cksichtigen, wie etwa individuelle Erfahrungen, Vorwissen und die eventuelle Unterst&#252;tzung durch den Kontext, der Hinweise f&#252;r das Verstehen des Wortes liefert (vgl. ebd.).</p>
<p>Weitere sprachwissenschaftliche Studien zur LS (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Maa&#223; 2015</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel / Maa&#223; 2016a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B10">2016b</xref>) haben die bestehenden Leitlinien der fr&#252;heren Regelwerke zur LS kritisch analysiert und den Versuch unternommen, diese aus sprachwissenschaftlicher Perspektive zu erg&#228;nzen. Bredel / Maa&#223; (<xref ref-type="bibr" rid="B9">2016a</xref>) betonen, dass die Auswahl von Inhaltsw&#246;rtern in der LS gem&#228;&#223; der Prototypentheorie idealerweise erfolgen sollte. Der Prototyp eines Wortfeldes &#8211; definiert als das zentralste, bekannteste und am h&#228;ufigsten verwendete Wort in einer Sprachgemeinschaft (<xref ref-type="bibr" rid="B36">Pittner 2016: 211</xref>) &#8211; sei demnach ein geeigneter Kandidat f&#252;r die Auswahl einer lexikalischen Einheit in der LS. Diesbez&#252;glich nennen Bredel / Maa&#223; (<xref ref-type="bibr" rid="B9">2016a</xref>) eine Reihe von Kriterien, die ein Wort m&#246;glichst erf&#252;llen sollte, um f&#252;r einen Text in LS geeignet zu sein, u.a.:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Hohe Gebrauchsfrequenz: Das Wort muss h&#228;ufig im Alltag vorkommen;</p></list-item>
<list-item><p>Gro&#223;e diskursive Reichweite: Es sollte in vielen Kontexten verst&#228;ndlich sein;</p></list-item>
<list-item><p>Medienneutralit&#228;t: Das Wort muss sowohl in m&#252;ndlicher als auch in schriftlicher Sprache verwendbar sein;</p></list-item>
<list-item><p>Denotative Pr&#228;zision: Es sollte eine klare Bedeutung haben, ohne zu allgemein oder zu spezifisch zu sein;</p></list-item>
<list-item><p>Konnotative Neutralit&#228;t: Es sollte keine zus&#228;tzlichen, emotionalen oder ideologischen Bedeutungen aufweisen;</p></list-item>
<list-item><p>Stilistische Neutralit&#228;t: Das Wort darf weder zu umgangssprachlich noch zu formell sein;</p></list-item>
<list-item><p>Vermeidung von Metaphorik: z.B. &#8222;ins Gras bei&#223;en&#8220; f&#252;r &#8222;sterben&#8220; sollte vermieden werden;</p></list-item>
<list-item><p>Morphologische, graphematische und phonologische Einfachheit (<xref ref-type="bibr" rid="B9">2016a: 345</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>Dieser Orientierungsraster ist als allgemeines Instrument zu verstehen, dessen Angemessenheit von der Adressatenschaft abh&#228;ngig ist. Infolgedessen obliegt es den betroffenen Zielgruppen die erfassten Texte in LS zu &#252;berpr&#252;fen, d.h. zu bestimmen, ob der eingesetzte Wortschatz leicht verst&#228;ndlich und nachvollziehbar ist.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.2 Leichte Sprache und DaF-Didaktik</title>
<p>Die Entwicklung von LS setzte sich zun&#228;chst als Mittel der soziokulturellen Inklusion durch<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref>, insbesondere zur Unterst&#252;tzung des Text- und Leseverstehens bei Menschen mit geistiger Behinderung, Demenz, pr&#228;lingualer Geh&#246;rlosigkeit und Aphasie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel / Maa&#223; 2016a: 132</xref>). Neben diesen Prim&#228;radressatInnen werden als weitere Zielgruppe auch Personen mit geringen Lesef&#228;higkeiten und Deutschkenntnissen genannt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">IE 2014: 6</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B4">BMAS 2014: 121</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">NLS 2022: 4</xref>), wobei L2-Lernende im DaZ sowie im DaF-Bereich miteinbezogen werden. Insbesondere finden sich in der DaZ-Didaktik Vorschl&#228;ge zum Einsatz der LS in unterrichtlichen und au&#223;erunterrichtlichen Kontexten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Oomen-Welke 2015: 28-30</xref>). Forschungsbasierte Ans&#228;tze zur LS stimmen dieser breiten Zielgruppenannahme tendenziell zu, denn allen diesen heterogenen Personengruppen ist gemein, dass sie Schwierigkeiten mit der sprachlichen und/oder referenziellen Komplexit&#228;t von Texten haben k&#246;nnten und ihnen somit der Zugriff auf allgemein- und fachsprachliche Texte verwehrt ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel / Maa&#223; 2016a: 132</xref>). Es wird jedoch betont, dass verschiedene Zielgruppen differenzierte Textangebote ben&#246;tigen. Die Gestaltung entsprechender Texte, um die verschiedenen Personenkreise zu erreichen, ist stets Gegenstand von Untersuchungen und theoretischen &#220;berlegungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel / Maa&#223; 2016a</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B6">Bock 2019</xref>).</p>
<p>Das didaktische Potenzial der LS (allerdings auch der Einfachen Sprache<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref>) wurde in den vergangenen Jahren verst&#228;rkt im germanistischen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Bock 2015</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B8">Bredel 2019</xref>) sowie im italophonen DaF-Bereich (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Rocco 2022</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B15">Di Meola / Puato / Porcaro 2024</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B11">Crestani 2024</xref>) diskutiert und stellt noch ein durchaus kontroverses Thema dar. Kritisch betrachtet wird der Einsatz der LS in der DaF-Didaktik insbesondere von Bredel (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2019</xref>) und Heine (<xref ref-type="bibr" rid="B20">2017</xref>), die auf zentrale Einschr&#228;nkungen f&#252;r den Fremdspracherwerb hinweisen. So betont Bredel (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2019: 217</xref>), dass ein reichhaltiger sprachlicher Input f&#252;r den erfolgreichen Sprachlernprozess unverzichtbar sei. Die LS hingegen zeichnet sich durch eine gezielte Reduktion sprachlicher Komplexit&#228;t aus, was sich aus didaktischer Perspektive als problematisch erweisen k&#246;nnte<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref>. Heine (<xref ref-type="bibr" rid="B20">2017</xref>) &#228;u&#223;ert sich in &#228;hnlicher Weise kritisch und verweist auf das beschr&#228;nkte (Fremd-)Wortschatz in LS-Texte sowie auf morphologische Vereinfachungen wie etwa die systematische Vermeidung des Genitivs (vgl. ebd.: 409-410).</p>
<p>Obwohl diese kritischen Aspekte auch im italophonen DaF-Bereich thematisiert werden, pl&#228;dieren mehrere Studien f&#252;r einen zielgerichteten und kritisch-bewussten Einsatz der LS in der universit&#228;ren DaF-Lehre Italiens. Dadurch sollen metasprachliche Reflexion, Bewusstsein f&#252;r sprachliche Barrierefreiheit und berufliche Handlungskompetenzen k&#252;nftiger SprachmittlerInnen gef&#246;rdert werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Rocco 2022</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B11">Crestani 2024</xref>). Der Einsatz der LS in der DaF-Didaktik wird insbesondere unter grammatischen und semantischen Gesichtspunkten untersucht, wie etwa zur Erschlie&#223;ung von Funktionsverbgef&#252;gen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Mollica 2024</xref>) und metaphorischen Ausdr&#252;cken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Bellavia 2024</xref>).</p>
<p>Eine vermittelnde und zugleich kritisch-reflektierte Position nimmt Bock (<xref ref-type="bibr" rid="B5">2015</xref>) ein. Sie argumentiert, dass LS durchaus zur Kompetenzentwicklung beitragen k&#246;nne, sofern sie als &#220;bergangssprache verstanden und eingesetzt wird (vgl. ebd.: 11). In der &#246;ffentlichen Debatte bestehe jedoch h&#228;ufig ein Missverst&#228;ndnis, da LS f&#228;lschlicherweise als neue sprachliche Norm betrachtet werde. Stattdessen sei sie als <italic>transitorische Sprachform</italic> zu betrachten, die den Zugang zu komplexeren sprachlichen Registern vorbereiten solle (ebd.).</p>
<p>In Bezug auf die Vermittlung fachsprachlicher Inhalte durch LS verweist Bock (<xref ref-type="bibr" rid="B7">2024: 357-358</xref>) auf einige Herausforderungen. W&#228;hrend Fachsprachen durch Exaktheit und terminologische Eindeutigkeit gekennzeichnet sind, verfolgt LS das Ziel eines grundlegenden &#8211; nicht aber eines pr&#228;zisen, fachlich exaktes &#8211; inhaltlichen Verst&#228;ndnisses. Die Tendenz, in LS-Texten Fachw&#246;rter zu vermeiden oder lediglich durch erl&#228;uternde Metaphern<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref> zu ersetzen, kann zu semantischer Vagheit und potenziell verwirrender Polysemie f&#252;hren. Aus diesem Grund erscheint der Wortschatz von LS-Texten im Vergleich zur Fachsprache als weniger kontextpr&#228;zise. W&#228;hrend dies f&#252;r alltagspraktische Zwecke ausreichend sein mag, ergeben sich daraus neue Schwierigkeiten f&#252;r eine genaue fachliche Kommunikation. Bock kommt daher zu dem Schluss, dass ein universeller und unreflektierter Einsatz der LS in der Vermittlung der Fachsprache innerhalb der DaF-Didaktik abzulehnen sei. Stattdessen m&#252;sse LS adaptiv und mit Blick auf die Lernziele angewandt werden. LS sollte demnach nicht als Endpunkt des Lernprozesses verstanden werden, sondern als unterst&#252;tzendes Hilfsmittel, das Lernenden den schrittweisen Zugang zu fachsprachlichen Strukturen erleichtert.</p>
<p>In diesem Zusammenhang wird im vorliegenden Beitrag der Frage nachgegangen, welche sprachlichen Anpassungen gem&#228;&#223; den Richtlinien der LS in LS-W&#246;rterb&#252;chern hinsichtlich fachsprachlicher Lemmata vorgenommen werden. Durch diese Analyse soll ein Einblick dar&#252;ber gewonnen werden, welcher Grad an semantischer Simplifizierung bei der Definition fachsprachlicher Lemmata in LS-W&#246;rterb&#252;chern erfolgt. Ein derartiges vertieftes Verst&#228;ndnis &#252;ber die semantischen Simplifizierungsverfahren der fachsprachlichen Lemmata erm&#246;glicht es DaF-Lehrkr&#228;ften, sowohl die Potenziale als auch die Grenzen des Einsatzes von LS-W&#246;rterb&#252;chern in der DaF-Didaktik reflektiert zu evaluieren.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>3. Methodischer Ansatz und Datengrundlage</title>
<p>Die vorliegende empirische Untersuchung erfolgte in mehreren Phasen. Zun&#228;chst wurde eine qualitative Auswahl von LS-W&#246;rterb&#252;chern vorgenommen. Hierbei wurde eine gezielte Online-Recherche &#252;ber Google durchgef&#252;hrt mit Suchbegriffen wie etwa <italic>Leichte Sprache W&#246;rterbuch</italic>, und <italic>Fachwortschatz Leichte Sprache</italic>. Ziel war es, umfassende, online verf&#252;gbare Ressourcen zu finden, die eine Vielzahl von semantischen Feldern abdecken, einschlie&#223;lich spezieller Fachbegriffe. Besonders ber&#252;cksichtigt wurden dabei W&#246;rterb&#252;cher, die aktiv von NutzerInnen verwendet und regelm&#228;&#223;ig aktualisiert werden, wie zum Beispiel <italic>Hurraki</italic>, das eine breite Themenvielfalt bietet, sowie kleinere, f&#252;r den journalistischen Gebrauch gedachte lexikografische Ressourcen wie das W&#246;rterbuch von <italic>Mdr.de</italic> (<italic>Mitteldeutsche Rundfunk</italic>).</p>
<p>Anschlie&#223;end wurde mithilfe der Software <italic>Sketch Engine</italic> eine Wortliste relevanter Lexeme zum Themenbereich KI erarbeitet. Die ausgew&#228;hlten Lexeme wurden dann in den Standard- sowie den LS-W&#246;rterb&#252;chern aufgerufen und ihre W&#246;rterbuch-Definitionen unter Einsatz spezifischer Funktionen des <italic>Sketch Engine</italic>-Tools, n&#228;mlich <italic>Concordance</italic> und <italic>Thesaurus</italic>, korpusgest&#252;tzt untersucht.</p>
<sec>
<title>3.1. Untersuchungsgegenstand: lexikografische Ressourcen in Leichter Sprache</title>
<p>Im Rahmen der vorliegenden Analyse wurden online verf&#252;gbare lexikografische Ressourcen in LS, ber&#252;cksichtigt (vgl. <xref ref-type="table" rid="T1">Tab. 1</xref>). Dabei erfolgte eine Auswahl von f&#252;nf W&#246;rterb&#252;chern. Es wurden einerseits die W&#246;rterb&#252;cher von <italic>Mdr.de</italic> (<italic>Mitteldeutsche Rundfunk</italic>)<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> und <italic>Ndr.de</italic> (<italic>Norddeutscher Rundfunk</italic>)<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> als Vertreter des journalistischen Bereichs ausgew&#228;hlt. Bei den allgemeinen lexikografischen Ressourcen, wobei keine spezifische Themenbezeichnung vorliegt, wurden die W&#246;rterb&#252;cher <italic>Hurraki</italic><xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref>, <italic>Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V</italic>.<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> und <italic>Leichte-Sprache.io</italic><xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> unter die Lupe genommen.</p>
<table-wrap id="T1">
<label>Tabelle 1</label>
<caption>
<p>&#220;bersicht der lexikografischen Ressourcen in LS</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">W&#246;rterbuch</td>
<td align="left" valign="top">Anzahl der Lemmata</td>
<td align="left" valign="top">Eigenschaften</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Mdr.de</italic></td>
<td align="left" valign="top">Nicht angegeben</td>
<td align="left" valign="top">redaktionelle Erstellung;<break/>Vorhandensein von Audioversion;<break/>Vorhandensein von Bildern</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Ndr.de</italic></td>
<td align="left" valign="top">Nicht angegeben</td>
<td align="left" valign="top">redaktionelle Erstellung</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Hurraki</italic></td>
<td align="left" valign="top">4.460 Lemmata</td>
<td align="left" valign="top">Wiki-System;<break/>kollaboratives W&#246;rterbuch (NutzerInnen k&#246;nnen Lemmata bearbeiten und hinzuf&#252;gen);<break/>thematisch gegliedert;<break/>Bilder</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Lebenshilfe e.V.</italic></td>
<td align="left" valign="top">Nicht angegeben</td>
<td align="left" valign="top">redaktionelle Erstellung;<break/>erstellt nach den Richtlinien von IE;<break/>Audioversion;<break/>Bilder</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Leichte-Sprache.io</italic></td>
<td align="left" valign="top">&#220;ber 9.000 Lemmata</td>
<td align="left" valign="top">KI-basiert</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Die W&#246;rterb&#252;cher <italic>Mdr.de</italic> und <italic>Ndr.de</italic> sind auf den Online-Rubriken <italic>Nachrichten in Leichter Sprache</italic> der jeweiligen Rundfunkwebseiten verf&#252;gbar. Bei beiden W&#246;rterb&#252;chern sind die Lemmata alphabetisch geordnet und in LS erkl&#228;rt, wobei bei <italic>Mdr.de</italic> auch Bilder vorzufinden sind. Eine genaue Anzahl der Lemmata bei beiden W&#246;rterb&#252;chern ist nicht angegeben. Was ihre Erstellung angeht, liegen bei beiden W&#246;rterb&#252;chern keine Hinweise darauf vor, dass sie auf spezifischen Korpora basieren. Vielmehr scheinen sie auf redaktionell erstellten Definitionen zu beruhen, die darauf abzielen, komplexe Begriffe f&#252;r ein breites Publikum zug&#228;nglich zu machen.</p>
<p>Das W&#246;rterbuch <italic>Hurraki</italic> wird von dem Verein <italic>Hep Hep Hurra e.V.</italic> betrieben und steht in mehreren Sprachen &#8211; Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch &#8211; zur Verf&#252;gung. Auch <italic>Hurraki</italic> basiert nicht auf Korpora. Es handelt sich um ein kollaboratives W&#246;rterbuch, das auf dem <italic>Wiki-System</italic> basiert, bei dem NutzerInnen zur Erstellung des W&#246;rterbuchs beitragen k&#246;nnen, indem sie eigene Begriffe hinzuf&#252;gen oder bestehende Lemmata bearbeiten. Demnach stellt <italic>Hurraki</italic> ein Ausbauw&#246;rterbuch (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B39">Schr&#246;er 1997: 60</xref>) dar, das aktuell 4.460 Lemmata umfasst<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref>. Das <italic>Hurraki</italic> folgt einem onomasiologischen Ordnungsprinzip, indem es die Lemmata thematischen Kategorien wie z.B. <italic>Aus den Nachrichten</italic> (194 Eintr&#228;ge), <italic>Bundestagswahl</italic> (39 Eintr&#228;ge) oder <italic>COVID-19-Pandemie</italic> (8 Eintr&#228;ge) zuweist. Die Kategorie, die dabei den st&#228;rksten Bezug zum im vorliegenden Beitrag behandelten Fachwortschatz zu Digitalit&#228;t und KI aufweist, ist <italic>Computer</italic> mit 171 Eintr&#228;gen. Innerhalb jeder dieser thematischen Kategorien werden die Lemmata anschlie&#223;end semasiologisch, also in alphabetischer Reihenfolge, geordnet.</p>
<p>Ein weiteres hier in Betracht gezogenes LS-W&#246;rterbuch ist das von der <italic>Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.</italic> Auch hier fehlen Informationen zur Anzahl der vorliegenden Lemmata sowie zum Herstellungsprozess des W&#246;rterbuchs. Allerdings liegt hier das europ&#228;ische Logo f&#252;r <italic>Leichtes Lesen</italic> vor, was darauf hindeutet, dass es nach den Richtlinien von IE hergestellt wurde.</p>
<p>Schlie&#223;lich wurde das W&#246;rterbuch <italic>Leichte-Sprache.io</italic> miteinbezogen. Dies steht seit M&#228;rz 2024 online zur Verf&#252;gung und wurde im Rahmen eines KI-basierten Tools zur Umformulierung von Standardtexten in LS entwickelt. Das W&#246;rterbuch umfasst bis heute mehr als 9.000 Eintr&#228;ge.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2. Auswahl der Lemmata</title>
<p>Die Auswahl der zu untersuchenden Lemmata erfolgte, indem zun&#228;chst ein popul&#228;rwissenschaftlicher Text (1.158 <italic>token</italic>) zum Thema KI<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> in <italic>Sketch Engine</italic> hochgeladen und anschlie&#223;end mithilfe des Tools <italic>Keywords</italic> die darin enthaltenen Schl&#252;sselw&#246;rter (insgesamt 371) extrahiert wurden. Aus diesen Schl&#252;sselw&#246;rtern wurde dann eine Liste von Lexemen abgeleitet, die in den ber&#252;cksichtigten Online-W&#246;rterb&#252;chern abgefragt wurden.</p>
<p>Der in Betracht gezogene popul&#228;rwissenschaftliche Text stammt vom Europ&#228;ischen Parlament und befasst sich mit den Grundlagen und Anwendungsbereichen der KI. Der Text erl&#228;utert die grundlegende Funktionsweise von KI, ihre Bedeutung f&#252;r die digitale Entwicklung und verschiedene Einsatzgebiete &#8211; von automatisierten &#220;bersetzungen bis hin zu Cybersicherheit und autonomen Fahrzeugen. Aufgrund des thematischen Schwerpunkts und des adressatengerechten Stils wurde der Text als Grundlage f&#252;r die Ermittlung von Schl&#252;sselw&#246;rtern ausgew&#228;hlt.</p>
<p>Die von <italic>Sketch Engine</italic> generierten <italic>Keywords</italic> stellten einen ersten Datensatz dar, der als Grundlage f&#252;r die Auswahl der Lexeme diente. Die definitive Lexeme-Auswahl wurde anschlie&#223;end auf Basis von drei qualitativen Kriterien getroffen:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Semantische Relevanz im Wortschatz zum Thema KI und allgemeine Informatik: z.B. wurden W&#246;rter wie <italic>Lebensmittel</italic> oder <italic>Corona-Virus</italic> ausgeschlossen<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref>;</p></list-item>
<list-item><p>Wortarten und Kollokationen: Ber&#252;cksichtigt wurden Nomina (<italic>Algorithmus</italic>, <italic>Computer</italic>), Adjektive (<italic>virtuell</italic>) und Kollokationen (<italic>k&#252;nstliche Intelligenz</italic>);</p></list-item>
<list-item><p>Okkurrenz im DWDS: Als zus&#228;tzliches Kriterium wurde das Vorhandensein der Lexeme im DWDS &#252;berpr&#252;ft, um sicherzustellen, dass sie in einem anerkannten standardsprachlichen W&#246;rterbuch etabliert und belegt sind<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref>.</p></list-item>
</list>
<p>Die 18 Lexemen sind in <xref ref-type="table" rid="T2">Tabelle 2</xref> dargestellt.</p>
<table-wrap id="T2">
<label>Tabelle 2</label>
<caption>
<p>Ausgew&#228;hlte <italic>Lexeme</italic> zum Themenbereich <italic>Informatik</italic> und <italic>KI</italic></p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Lexeme</bold></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Algorithmus</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Bildanalyse</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Computer</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Gesichtserkennung</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Internet</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">K&#252;nstliche Intelligenz</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Muster</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Mustererkennung</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Navigation</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Online-Recherche</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Rechenleistung</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Robot/Roboter</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Sensor</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Software</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Suchmaschine</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">System</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Tool</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Virtuell</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Ausgehend von den in <xref ref-type="table" rid="T2">Tabelle 2</xref> aufgef&#252;hrten Lexeme wurden weitere qualitative sowie quantitative Untersuchungen durchgef&#252;hrt, die in Kapitel 4 n&#228;her beschrieben werden.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4. Ergebnisse der Untersuchung</title>
<p>Der Vergleich zwischen dem DWDS und den LS-W&#246;rterb&#252;chern umfasste zun&#228;chst eine qualitative Untersuchung der jeweiligen lexikografischen Angaben (Kap. 4.2.1) sowie eine korpusgest&#252;tzte Analyse des lexikalischen Repertoires der W&#246;rterbuch-Definitionen (Kap. 4.2.2) mithilfe des Tools <italic>Sketch Engine</italic>. Die Ergebnisse der unterschiedlichen Untersuchungsphasen werden anschlie&#223;end anhand des Lemmas <italic>Algorithmus</italic> veranschaulicht.</p>
<sec>
<title>4.1. Okkurrenz der Lemmata in den LS-W&#246;rterb&#252;chern</title>
<p>Die herausgearbeiteten <italic>Lexeme</italic> wurden in den ber&#252;cksichtigten LS-W&#246;rterb&#252;chern aufgerufen.</p>
<p>Die in <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb.1</xref> ersichtliche Auswertung offenbart, dass die in der vorliegenden Studie ermittelten Lexeme zum Themenbereich KI nur marginal in den untersuchten Online-W&#246;rterb&#252;chern in LS lemmatisiert sind. Eine Ausnahme bildet <italic>Leichte-Sprache.io</italic>, in dem 77 % der nachgeschlagenen Lexeme enthalten sind. Insbesondere lassen sich einige Lexeme, die sich auf wiederkehrende Verfahren bzw. Termini aus dem Bereich der durch KI unterst&#252;tzten Digitalit&#228;t beziehen, u. a. <italic>Muster</italic>, <italic>Navigation</italic>, <italic>Online-Recherche</italic> und <italic>Tool</italic>, ausschlie&#223;lich bei <italic>Leichte-Sprache.io</italic> nachweisen. Bemerkenswert ist zudem, dass weitere Lexeme, die wiederum sehr spezifische Verfahren bezeichnen &#8211; n&#228;mlich die Komposita <italic>Bildanalyse, Gesichtserkennung, Mustererkennung</italic> und <italic>Rechenleistung</italic> &#8211; in keinem der untersuchten LS-W&#246;rterb&#252;cher zu finden sind. Die vorliegenden Ergebnisse stehen z.T. im Einklang mit denen, die erzielt wurden, als dieselben Lexeme im Korpus zur LS und Einfachen Sprache <italic>LeiKo</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Jablotschkin / Zinsmeister 2020</xref>) abgefragt wurden. Hierbei wurde festgestellt, dass lediglich zwei der Lexeme, n&#228;mlich <italic>Computer</italic> (mit 4 Treffern in 3 Dokumenten) und <italic>Internet</italic> (mit 13 Treffern in 8 Dokumenten<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref>), vertreten sind. Hieraus wird ersichtlich, dass eine systematische Integration jener Fachbegriffe aus den Bereichen der allgemeinen Informatik und der KI w&#252;nschenswert ist, um den Nutzenden den Zugang zu wesentlichen und wachsend allt&#228;glichen digitalen Inhalten zu er&#246;ffnen<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref>.</p>
<fig id="F1">
<label>Abbildung 1</label>
<caption>
<p>Okkurrenz der Lemmata zum Themenbereich <italic>KI</italic> in den LS-W&#246;rterb&#252;chern.</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4162_corso-g1.png"/>
</fig>
</sec>
<sec>
<title>4.2. Das Lemma <italic>Algorithmus</italic></title>
<p>Im vorliegenden Kapitel wird der Untersuchungsschwerpunkt auf <italic>Algorithmus</italic> gelegt. Dabei sollen spezifische Eigenschaften der Angaben zu diesem Lemma in den unterschiedlichen W&#246;rterb&#252;chern dargestellt werden.</p>
<sec>
<title>4.2.1 Angaben zum Lemma</title>
<p>Auf mikrostruktureller Ebene<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> bestehen die Lemmata im DWDS-W&#246;rterbuch aus Angaben<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> etwa zu Grammatik, Aussprache, Silbentrennung, Morphologie, Bedeutungserkl&#228;rung mit Kollokationen (s. <xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>), Etymologie (s. <xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref>), Worth&#228;ufigkeit und Wortverlaufskurve (s. <xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4</xref>).</p>
<fig id="F2">
<label>Abbildung 2</label>
<caption>
<p>Das Lemma <italic>Algorithmus</italic> im DWDS-W&#246;rterbuch</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4162_corso-g2.png"/>
</fig>
<fig id="F3">
<label>Abbildung 3</label>
<caption>
<p>Das Lemma <italic>Algorithmus</italic> im DWDS-W&#246;rterbuch<xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4162_corso-g3.png"/>
</fig>
<fig id="F4">
<label>Abbildung 4</label>
<caption>
<p>Das Lemma <italic>Algorithmus</italic> im DWDS-W&#246;rterbuch</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4162_corso-g4.png"/>
</fig>
<p>Auf der lexikalischen Ebene enthalten sowohl die Definition des Lemmas im DWDS als auch jene aus dem <italic>Etymologischen W&#246;rterbuch des Deutschen</italic> (im Folgenden als DWDS-<italic>EtymWb.</italic> bezeichnet) Begriffe wie <italic>Rechenverfahren</italic> und <italic>Zeichenreihen</italic>, die nicht zum Allgemeinwortschatz des Deutschen geh&#246;ren und eher f&#252;r die fachspezifische Sprache sind. Zudem ist zu beachten, dass die Definition des Lemmas in beiden W&#246;rterb&#252;chern in der Regel nicht in Form vollst&#228;ndiger S&#228;tze erfolgt, sondern durch informationsdichte syntagmatische Strukturen (z.B. &#8222;zur L&#246;sung eines &#8211; mathematischen, informationstechnischen &#8211; Problems durch schrittweise Bearbeitung&#8220;) n&#228;her bestimmt wird. W&#246;rterbucheintr&#228;ge werden demnach als nichtnat&#252;rliche Texte betrachtet, indem sie keine nat&#252;rlichsprachliche Syntax aufweisen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B41">Wiegand 2018: 14</xref>). Vielmehr bestehen sie aus Zeichenketten, deren Segmente nach lexikografischen Instruktionen geordnet sind und aufeinander folgen. Dadurch entsteht eine eigene lexikografische &#8222;Ersatzsyntax&#8220; sowie ein eigenes lexikografisches Textformat, das weder strikt formalsprachlich noch nat&#252;rlichsprachlich ist (vgl. ebd.). Dies tr&#228;gt zur semantischen Bereicherung der W&#246;rterbuch-Definition bei, geht jedoch auch mit einer Erh&#246;hung der semantisch-syntaktischen Komplexit&#228;t der lexikografischen Angaben einher, was sich f&#252;r bestimmte RezipientInnen als Herausforderung erweisen k&#246;nnte.</p>
<p>Was die hier ber&#252;cksichtigten LS-W&#246;rterb&#252;cher angeht, wurde das Lemma <italic>Algorithmus</italic> lediglich bei <italic>Hurraki</italic> und bei <italic>Leichte-Sprache.io</italic> gefunden, w&#228;hrend in den anderen W&#246;rterb&#252;chern das Lemma nicht belegt ist.</p>
<p>Bei <italic>Hurraki</italic> liegen folgende Angaben vor: die Definition bzw. Bedeutungserkl&#228;rung, das Bild (bei diesem Lemma allerdings nicht vorhanden) sowie die Angaben <italic>Gleiche W&#246;rter</italic> und <italic>Genaue Erkl&#228;rung</italic> (in der ebenfalls die Gegen&#252;berstellung mit entgegengesetzten Begriffen erfolgt). Hinweise auf Silbentrennung, Morphologie und Kollokationen sind bei diesem W&#246;rterbuch nicht enthalten.</p>
<fig id="F5">
<label>Abbildung 5</label>
<caption>
<p>Das Lemma <italic>Algorithmus</italic> bei <italic>Hurraki</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4162_corso-g5.png"/>
</fig>
<p>Auf der orthografischen Ebene werden Wortbildungsformen im <italic>Hurraki</italic> mit einem Mediopunkt zur Erleichterung des Leseverstehens segmentiert, wie in neueren sprachwissenschaftlichen Regelwerken und Studien thematisiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Maa&#223; 2015</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B31">2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel / Maa&#223; 2016a</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B13">Deilen 2021</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B14">2023</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref>. Dennoch l&#228;sst sich diese orthografische Praxis nicht in allen hier ber&#252;cksichtigten LS-W&#246;rterb&#252;chern beobachten<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref>.</p>
<p>Betrachtet man die Definition des Lemmas aus textlinguistischer Sicht, so l&#228;sst sich eine besondere Form der Rekurrenz<xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref> erkennen, und zwar die explizite Wiederaufnahme des Wortes <italic>Algorithmus</italic>, was den LS-Regeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">NLS 2022: 11</xref>) entspricht. Gem&#228;&#223; den LS-Vorschriften (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">IE 2014: 10</xref>) werden bei der Hauptdefinition des Lemmas W&#246;rter (<italic>Reihen&#8226;folge</italic>) und Wortgruppen (<italic>Schritt f&#252;r Schritt</italic>) der Alltagssprache anstelle von komplexen Fachbegriffen verwendet, um die semantische Transparenz und die Unmittelbarkeit des Textes zu gew&#228;hrleisten. Dar&#252;ber hinaus ist bei der lexikalischen Auswahl zu beobachten, dass das Lemma <italic>Algorithmus</italic> durch konkrete Handlungsbeschreibungen wie &#8218;Schritt f&#252;r Schritt l&#246;st man damit ein Problem&#8216; dargestellt wird. Auf lexikalische Elemente mit abstraktem oder figurativem semantischem Wert wird hingegen verzichtet, da diese f&#252;r bestimmte Lesergruppen als unzug&#228;nglicher zu verstehen angesehen werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">NLS 2022: 20</xref>).</p>
<p>Die Syntax ist meistens durch kurze S&#228;tze und eine lineare SVO-Struktur gekennzeichnet. Hierbei l&#228;sst sich eine typische Eigenschaft von LS-W&#246;rterb&#252;chern &#8211; die allerdings auch bei LS-Texten h&#228;ufig zu beobachten ist &#8211; erkennen, und zwar die Definition eines neuen Begriffs anhand Kopula-Pr&#228;dikativ-Konstruktionen (KP-Konstruktionen) wie etwa &#8222;Ein x ist ein y&#8220; oder &#8222;Das ist/sind y&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n27">27</xref>. Diese werden in LS-W&#246;rterb&#252;chern, insbesondere bei <italic>Hurraki</italic>, <italic>Leichte-Sprache.io</italic>, <italic>Mdr.de</italic> und <italic>Ndr.de</italic><xref ref-type="fn" rid="n28">28</xref>, h&#228;ufig verwendet, um eine erste einf&#252;hrende Definition des Lemmas zu liefern. Weitere Vergleiche zwischen den obengenannten LS-W&#246;rterb&#252;cher anhand anderer Lemmata best&#228;tigen dies<xref ref-type="fn" rid="n29">29</xref>, obwohl einzelne Ausnahmen vor allem bei abstrakten Begriffen und/oder Fremdw&#246;rtern vorzufinden sind<xref ref-type="fn" rid="n30">30</xref>. Nebens&#228;tze sind sowohl bei dem Lemma <italic>Algorithmus</italic> sowie bei anderen hier ber&#252;cksichtigten Lemmata nicht vorhanden<xref ref-type="fn" rid="n31">31</xref>. Vergleicht man <italic>Hurraki</italic> mit dem DWDS, so lassen sich verschachtelte Phrasen nur selten finden (z.B. &#8222;Vorgehen zum L&#246;sen von Problemen&#8220;).</p>
<p>Im Folgenden sollen die Angaben zum Stichwort <italic>Algorithmus</italic> bei <italic>Leichte-Sprache.io</italic> n&#228;her betrachtet werden.</p>
<fig id="F5a">
<label>Abbildung 5</label>
<caption>
<p>Das Lemma <italic>Algorithmus</italic> bei <italic>Leichte-Sprache.io</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4162_corso-g6.png"/>
</fig>
<p>Auch hier sind die Eintr&#228;ge in Abschnitte (<italic>Alternative W&#246;rter</italic>; <italic>Erkl&#228;rung</italic>) gegliedert, wenn auch in einer anderen Reihenfolge als in <italic>Hurraki</italic>. Auf weitere Angaben, wie etwa visuelle Darstellungen und Beispiele wird verzichtet.</p>
<p>Die Rekurrenz wird in der Definition des Lemmas durch explizite Wiederaufnahme, n&#228;mlich durch anaphorische lexikalische Wiederholungen bestimmter W&#246;rter (<italic>Regel</italic>, <italic>Schritte</italic>) realisiert, eine Vorgehensweise, die bei Texten in LS ebenfalls bevorzugt wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel / Maa&#223; 2019a: 369</xref>). Dabei wird das Wort <italic>Regel</italic>, das im ersten Satz der Definition als nominales pr&#228;dikatives Komplement eingef&#252;hrt wird, im n&#228;chsten Satz wiederholt und als Subjekt eingesetzt (&#8222;Die Regel hilft beim L&#246;sen von Problemen&#8220;). Ebenso wird das im dritten Satz eingef&#252;hrte Wort <italic>Schritte</italic> (&#8222;Man kann damit Schritte planen&#8220;), im vierten und letzten Satz wiederholt und als Subjekt eingef&#252;gt (&#8222;Die Schritte folgen einer Reihenfolge&#8220;).</p>
<p>Hinsichtlich des syntaktischen Aufbaus zeigen die S&#228;tze eine ausgepr&#228;gte Befolgung der SVO-Reihenfolge. Bei der ersten auftretenden Definition des Lemmas ist wiederum eine KP-Konstruktion zu beobachten. Auf diese erste Definition folgen ebenso wie bei <italic>Hurraki</italic> unpers&#246;nliche S&#228;tze, stets mit einer SVO-Struktur (z.B. &#8222;Man kann damit Schritte planen&#8220;). Die Definitionen von <italic>Leichte-Sprache.io</italic> weisen eine parataktische Struktur auf, wodurch das Leseverstehen erleichtert wird.</p>
<p>Der pr&#228;gnante, lineare syntaktische Aufbau sowie die regelm&#228;&#223;ige Rekurrenz ausgew&#228;hlter W&#246;rter beg&#252;nstigen somit eine deutliche und nachvollziehbare thematische Progression. So wird in jedem Satz zun&#228;chst ein neuer Begriff eingef&#252;hrt, der dann im n&#228;chsten Satz aufgegriffen und als syntaktisches Subjekt weiter ausgef&#252;hrt wird (<italic>Regel</italic> &#8594; <italic>Die Regel hilft beim L&#246;sen von Problemen</italic> &#8594; <italic>Schritte</italic> &#8594; <italic>Schritte folgen einer Reihenfolge</italic>).</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2.2. W&#246;rterbuch-Definitionen des Lemmas</title>
<p>Die abschlie&#223;ende Untersuchungsphase dieser Studie widmete sich einer korpuslinguistischen Analyse der W&#246;rterbuch-Definitionen s&#228;mtlicher betrachteter Lemmata. Im Fokus des vorliegenden Abschnitts steht dabei eine vertiefte exemplarische Auswertung des Lemmas <italic>Algorithmus</italic>. Zudem werden die Ergebnisse aus der Analyse weiterer untersuchter Lemmata herangezogen, um allgemeine Schlussfolgerungen ableiten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Gegenstand dieser Untersuchungsphase war das lexikalische Repertoire der Bedeutungserkl&#228;rung (<italic>Definiens</italic>), das in der W&#246;rterbuch-Definition zur Beschreibung des jeweiligen Lemmas (<italic>Definiendum</italic>) verwendet wird<xref ref-type="fn" rid="n32">32</xref>. Ziel war ein Vergleich zwischen dem standardsprachlichen W&#246;rterbuch DWDS und den LS-W&#246;rterb&#252;chern, wobei der Schwerpunkt auf das lexikalische Repertoire f&#252;r die Definition fachsprachlicher Lemmata lag.</p>
<p>F&#252;r das Lemma <italic>Algorithmus</italic> wurden die folgenden Definitionen untersucht, wobei die fettgedruckten Lexeme den Gegenstand der Analyse bildeten:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>(1) DWDS: &#8222;<bold>Anweisung, Verfahren</bold> zur L&#246;sung eines (mathematischen, informationstechnischen) Problems (&#8230;) <bold>Rechenverfahren</bold> nach einem bestimmten Schema&#8220;</p></list-item>
<list-item><p>(2) DWDS-<italic>EtymWb</italic>.: &#8222;System von <bold>Regeln</bold> (&#8230;) <bold>Anweisung</bold> zur formalen Umformung von Informationen&#8220;</p></list-item>
<list-item><p>(3) <italic>Hurraki</italic>: &#8222;Ein Algorithmus ist eine <bold>Reihen&#8226;folge</bold> (&#8230;)&#8220;</p></list-item>
<list-item><p>(4) <italic>Leichte-Sprache.io</italic>: &#8222;Ein Algorithmus ist eine <bold>Regel</bold>. (&#8230;)&#8220;</p></list-item>
</list>
<p>Die aus den Definitionen ausgew&#228;hlten Lexeme wurden im Rahmen eines quantitativen und qualitativen Forschungsansatzes mithilfe zweier Funktionen des Tools <italic>Sketch Engine</italic> im deutschen Korpus <italic><xref ref-type="bibr" rid="B19">German Web 2020</xref></italic> (deTenTen20)<xref ref-type="fn" rid="n33">33</xref> analysiert: <italic>Concordance</italic> zur Frequenzanalyse und <italic>Thesaurus</italic> zur Untersuchung des <italic>&#196;hnlichkeitsgrads</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B40">Wiegand 1976: 124</xref>) zwischen Lemma und lexikalischem Repertoire der W&#246;rterbuch-Definition.</p>
<p>Die Frequenzanalyse &#252;ber die Funktion <italic>Concordance</italic> wurde aufgrund der Erkenntnis vorgenommen, dass die hohe Gebrauchsfrequenz eines Wortes in den Regelwerken sowie in der sprachwissenschaftlichen Forschung zur LS als ein bedeutendes Kriterium f&#252;r dessen Verst&#228;ndlichkeit und Bekanntheit angesehen wird. Ziel war es, zu ermitteln, ob das Kriterium hoher Gebrauchsfrequenz &#8211; verkn&#252;pft mit weiteren Auswahlkriterien wie etwa Medien- und stilistischer Neutralit&#228;t (vgl. Kap. 2.1) &#8211; in LS-W&#246;rterb&#252;chern eine h&#246;here Relevanz als in standardsprachlichen W&#246;rterb&#252;chern aufweist, um die angestrebte semantische Vereinfachung zu gew&#228;hrleisten. Die Frequenzanalyse wurde zun&#228;chst auf das Subkorpus <italic>Technology</italic> des Korpus <italic><xref ref-type="bibr" rid="B19">German Web 2020</xref></italic> (deTenTen20) eingegrenzt, um die Gebrauchsfrequenz der Lexeme im technologischen Kontext zu untersuchen. Dabei stellte sich <italic>Regel</italic> &#8211; bei den W&#246;rterbuch-Definitionen des DWDS-<italic>EtymWb</italic>. sowie des <italic>Leichte-Sprache.io</italic> vorliegend &#8211; als das am h&#228;ufigsten auftretende Wort heraus, gefolgt von <italic>Verfahren</italic> (DWDS) und <italic>Reihenfolge</italic> (<italic>Hurraki</italic>). Das Kompositum <italic>Rechenverfahren</italic> (DWDS) erwies sich dagegen als das im Subkorpus geringer auftretende Wort.</p>
<table-wrap id="T3">
<label>Tabelle 3</label>
<caption>
<p>Frequenzwerte, <italic><xref ref-type="bibr" rid="B19">German Web 2020</xref></italic> (deTenTen20); Subkorpus <italic>Technology</italic></p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Lemma</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Frequency</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Freq. per million (pm)</bold></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Regel</italic></td>
<td align="left" valign="top">82.871</td>
<td align="left" valign="top">114.67793</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Verfahren</italic></td>
<td align="left" valign="top">22.852</td>
<td align="left" valign="top">31.62288</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Reihenfolge</italic></td>
<td align="left" valign="top">16.728</td>
<td align="left" valign="top">23.14842</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Anweisung</italic></td>
<td align="left" valign="top">16.372</td>
<td align="left" valign="top">22.65578</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Rechenverfahren</italic></td>
<td align="left" valign="top">21</td>
<td align="left" valign="top">0.03</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Anschlie&#223;end wurde die Suche nach denselben W&#246;rtern erneut durchgef&#252;hrt, wobei keinen Subkorpus, n&#228;mlich keinen spezifischen Themenbereich, angegeben wurde. Obgleich mit h&#246;heren Frequenzwerte aus dem Gesamtkorpus, ergaben die Ergebnisse dieser zweiten Suche eine identische Frequenz-Hierarchie der Suchw&#246;rter.</p>
<table-wrap id="T4">
<label>Tabelle 4</label>
<caption>
<p>Frequenzwerte, <xref ref-type="bibr" rid="B19">German Web 2020</xref> (deTenTen20), Gesamtkorpus</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Lemma</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Frequency</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Freq. pm</bold></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Regel</italic></td>
<td align="left" valign="top">31.33654</td>
<td align="left" valign="top">149.22447</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Verfahren</italic></td>
<td align="left" valign="top">18.72826</td>
<td align="left" valign="top">89.18389</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Reihenfolge</italic></td>
<td align="left" valign="top">31.9221</td>
<td align="left" valign="top">15.20129</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Anweisung</italic></td>
<td align="left" valign="top">29.8008</td>
<td align="left" valign="top">14.19113</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><italic>Rechenverfahren</italic></td>
<td align="left" valign="top">2.881</td>
<td align="left" valign="top">0.14</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Aus den Ergebnissen l&#228;sst sich feststellen, dass <italic>Regel</italic> (DWDS-<italic>EtymWb.</italic>; <italic>Leichte-Sprache.io</italic>) und <italic>Verfahren</italic> (DWDS) die h&#246;chste Frequenz im Gesamt- sowie im Subkorpus <italic>Technology</italic> aufweisen.</p>
<p>Dies legt nahe, dass sowohl in LS- als auch im standardsprachlichen W&#246;rterbuch W&#246;rter mit hoher Frequenz f&#252;r die Definition des Lemmas enthalten sind, unabh&#228;ngig davon, ob die zu adressierende Zielgruppe ein allgemeines Publikum oder Rezipienten mit geringer Lesekompetenz umfasst. Zudem lie&#223; sich durch die Analyse beobachten, dass die Relevanz der Frequenz in den LS-W&#246;rterb&#252;chern unterschiedlich gewichtet wird. Diese Unterschiede lassen sich u.a. auf den jeweiligen Erstellungsprozess zur&#252;ckf&#252;hren &#8211; etwa darauf, ob die LS-W&#246;rterb&#252;cher automatisiert mithilfe von KI generiert oder kollaborativ von den NutzerInnen erstellt wurden. Im mit KI erstellten W&#246;rterbuch <italic>Leichte-Sprache.io</italic>, das auf umfangreiche Daten und Texte aus dem Online-Bereich zur&#252;ckgreift, wurde das Wort <italic>Regel</italic> (149.22447 freq. pm) f&#252;r die Definition des Lemmas <italic>Algorithmus</italic> eingesetzt. Wird hingegen die Wahl den NutzerInnen in LS-W&#246;rterb&#252;chern wie <italic>Hurraki</italic> &#252;berlassen, so f&#228;llt die Entscheidung auf ein quantitativ selteneres Wort (<italic>Reihen&#8226;folge</italic>, 15.20129 freq. pm).</p>
<p>Eine weitere Erkenntnis der Analyse bestand darin, dass die Relevanz der Frequenz in den LS-W&#246;rterb&#252;chern auch in Abh&#228;ngigkeit vom Lemma variieren kann. Insbesondere lie&#223; sich feststellen, dass bei der Definition komplexer fachsprachlicher Lemmata wie <italic>Algorithmus</italic> die Gebrauchsfrequenz des lexikalischen Repertoires eine gr&#246;&#223;ere Rolle spielt, w&#228;hrend sie bei alltagssprachlich etablierten Lemmata weniger entscheidend ist. Dies l&#228;sst sich anhand der Lemmata <italic>Internet</italic> und <italic>Computer</italic> n&#228;her betrachten, die im allgemeinen Sprachgebrauch deutlich gel&#228;ufiger sind als <italic>Algorithmus</italic>. So verwendet <italic>Leichte-Sprache.io</italic> zur Definition des Lemmas <italic>Internet</italic> das Wort <italic>Netz</italic> (Freq. pm 163,40), bei den beiden LS-W&#246;rterb&#252;chern <italic>Lebenshilfe e.V.</italic> und <italic>Mdr.de</italic> kommt das Wort <italic>Verbindung</italic> (Freq. pm 163,03) vor, w&#228;hrend das DWDS das deutlich seltenere <italic>Datennetz</italic> (Freq. pm 1,45) einsetzt<xref ref-type="fn" rid="n34">34</xref>. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass standardsprachliche und LS-W&#246;rterb&#252;cher divergierende Strategien verfolgen: Erstere tendieren eher zu terminologischer Pr&#228;zision, letztere hingegen zu m&#246;glichst h&#228;ufigeren Ausdr&#252;cken, um eine zug&#228;nglichere Bedeutungserschlie&#223;ung zu gew&#228;hrleisten. Auff&#228;llig ist hierbei auch die Tendenz in LS-W&#246;rterb&#252;chern zur Bevorzugung von Simplizia (z. B. <italic>Netz</italic>) gegen&#252;ber Komposita (z. B. <italic>Datennetz</italic>), was im Einklang mit den LS-Prinzipien der morphologischen und graphematischen Einfachheit (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel / Maa&#223; 2016a: 345</xref>) steht. Was das Lemma <italic>Computer</italic> betrifft, l&#228;sst sich eine gegenl&#228;ufige Tendenz unter den unterschiedlichen W&#246;rterb&#252;chern hinsichtlich der Frequenz beobachten: Das DWDS verwendet das Lexem <italic>Ger&#228;t</italic> (freq. pm 889,18) in der Hauptdefinition und das Lexem <italic>Anlage</italic> (freq. pm 125,25) in der Definition des DWDS-<italic>EtymWb</italic>., w&#228;hrend die LS-W&#246;rterb&#252;cher <italic>Hurraki</italic> und <italic>Leichte-Sprache.io</italic> das Lexem <italic>Apparat</italic> (freq. pm 1,91) einsetzen, das eine deutlich niedrigere Frequenz aufweist.</p>
<p>Anschlie&#223;end wurde &#252;ber die Thesaurus-Funktion<xref ref-type="fn" rid="n35">35</xref> von <italic>Sketch Engine</italic> eine Abfrage durchgef&#252;hrt, um den &#196;hnlichkeitsgrad zwischen dem Lemma <italic>Algorithmus</italic> und den in den Definitionen enthaltenen W&#246;rtern zu ermitteln. Der &#196;hnlichkeitsgrad steht wiederum in Beziehung zu Kriterien wie der diskursiven Reichweite, der denotativen Pr&#228;zision und der konnotativen Neutralit&#228;t (vgl. Kap. 2.1). Die Ergebnisse dieser Suchanfrage sind in der nachstehenden Tabelle (vgl. <xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>) zusammengefasst.</p>
<fig id="F6">
<label>Abbildung 6</label>
<caption>
<p><italic>Algorithmus</italic>, Thesaurus, <xref ref-type="bibr" rid="B19">German Web 2020</xref> (deTenTen20), Sketch Engine</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4162_corso-g7.png"/>
</fig>
<p>Dabei wurden semantische Cluster mit Bezug zu <italic>Algorithmus</italic> herausgearbeitet, jeweils mit Angaben zum &#196;hnlichkeitswert (0-1) und der Frequenz im Korpus. Als besonders interessant erweist sich der um das Lexem <italic>Methode</italic> (&#196;hnlichkeitswert 0,235; Frequenz 1.733.491) gruppierte Cluster, der vorwiegend prozedural-strategische sowie organisationsbezogene Begriffe umfasst. Innerhalb dieses semantischen Clusters liegen einige der hier ber&#252;cksichtigten Lexeme, n&#228;mlich <italic>Regel</italic> (&#196;hnlichkeitswert 0,146; Frequenz 3.133.654) und <italic>Verfahren</italic> (&#196;hnlichkeitswert 0,175; Frequenz 1.872.826). Weiter unten in der Liste (in der Abbildung aus Platzgr&#252;nden nicht &#252;bertragen) kommt das Wort <italic>Reihenfolge</italic> vor, mit einem noch niedrigeren &#196;hnlichkeitswert (0,127), allerdings mit einer h&#246;heren Frequenz als <italic>Regel</italic> und <italic>Verfahren</italic> (3.192.211).</p>
<p>Die beschriebenen Daten sind ebenfalls anhand eines Blasendiagramms (<xref ref-type="fig" rid="F7">Abb. 7</xref>) veranschaulicht.</p>
<fig id="F7">
<label>Abbildung 7</label>
<caption>
<p><italic>Algorithmus</italic>, Blasendiagramm, Thesaurus, <xref ref-type="bibr" rid="B19">German Web 2020</xref> (deTenTen20), Sketch Engine</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="kordaf-4162_corso-g8.png"/>
</fig>
<p>Der Abstand vom Zentrum spiegelt den &#196;hnlichkeitswert wider: <italic>Verfahren</italic> steht <italic>Algorithmus</italic> semantisch n&#228;her als <italic>Regel</italic>. Die Kreisgr&#246;&#223;en beziehen sich auf die Frequenz: <italic>Regel</italic> ist h&#228;ufiger als <italic>Verfahren</italic>. <italic>Reihenfolge</italic> ist aufgrund des geringen &#196;hnlichkeitswerts im Blasendiagramm nicht enthalten.</p>
<p>Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl Standard- als auch LS-W&#246;rterb&#252;cher bei der Definition des Lemmas tendenziell Begriffe verwenden, die nur einen relativen &#196;hnlichkeitsgrad zum Lemma aufweisen. In LS-W&#246;rterb&#252;chern tritt diese Tendenz besonders deutlich hervor. So verwendet beispielsweise <italic>Leichte-Sprache.io</italic> zur Definition des Lemmas <italic>Algorithmus</italic> das Wort <italic>Regel</italic>, das zwar semantisch weiter von <italic>Algorithmus</italic> entfernt ist als <italic>Verfahren</italic>, jedoch eine h&#246;here Gebrauchsfrequenz sowie eine gr&#246;&#223;ere diskursive Reichweite aufweist und somit als prototypischer und kognitiv zug&#228;nglicher gilt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Pittner 2016: 214</xref>).</p>
<p>Auch in anderen F&#228;llen war der &#196;hnlichkeitsgrad zwischen Lemma und W&#246;rter der Definition gering oder kaum entscheidend. Dies l&#228;sst sich anhand des Lemmas <italic>Computer</italic> und der entsprechenden in den Definitionen vorliegenden Lexemen <italic>Ger&#228;t</italic> (DWDS), <italic>Anlage</italic> (DWDS, <italic>EtymWb</italic>.) und <italic>Apparat</italic> (<italic>Hurraki</italic> und <italic>Leichte-Sprache.io</italic>) beobachten. Dabei wurde durch die Thesaurus-Funktion festgestellt, dass <italic>Apparat</italic> in keinem semantischen Cluster enthalten war, der mit <italic>Computer</italic> zusammenh&#228;ngt. Eine weitere &#220;berpr&#252;fung mit der Thesaurus-Funktion von <italic>Sketch Engine</italic> wurde vorgenommen, indem die semantischen Cluster f&#252;r das Wort <italic>Apparat</italic> ermittelt wurden. Dort sind folgende Lexeme enthalten: <italic>Maschine</italic> (Freq. 1.258.873, &#196;hnlichkeitsgrad 0,206), <italic>R&#246;hre</italic> (Freq. 204.786; &#196;hnlichkeit 0,210) und <italic>Ofen</italic> (Freq. 282.064, &#196;hnlichkeit 0,215). Daraus l&#228;sst sich ableiten, dass das von <italic>Hurraki</italic> und <italic>Leichte-Sprache.io</italic> ausgesuchte Wort <italic>Apparat</italic> mit eher praktischen und konkreten Verwendungskontexten assoziiert ist. Ein Ausnahmefall zeigte sich hingegen beim Lemma <italic>Internet</italic>, bei dem die W&#246;rter der jeweiligen Definitionen &#8211; <italic>Netz</italic> (<italic>Leichte-Sprache.io</italic>), <italic>Verbindung</italic> (<italic>Lebenshilfe e.V. und Mdr.de</italic>) sowie <italic>Datennetz</italic> (DWDS) &#8211; einen vergleichsweise hohen semantischen &#196;hnlichkeitsgrad zum Lemma aufweisen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Wortes <italic>Netz</italic> (<italic>Leichte-Sprache.io</italic>), das mit einem &#196;hnlichkeitswert von 0,452 und einer Frequenz von 1.238.823 im dem Lemma <italic>Internet</italic> am n&#228;chsten liegenden semantischen Cluster erscheint.</p>
<p>Zusammenfassend lassen sich folgende grundlegende &#220;berlegungen bez&#252;glich der Definitionen von Fachbegriffen in den LS-W&#246;rterb&#252;chern formulieren:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Frequenz stellt zwar ein relevantes, jedoch nicht prim&#228;res Kriterium bei der Auswahl von W&#246;rtern f&#252;r die lexikografischen Definitionen bei LS-W&#246;rterb&#252;chern dar. Vielmehr scheint die Gebrauchsfrequenz eine Orientierungsfunktion zu erf&#252;llen, speziell bei Lemmata, die potenziell eine hoch spezialisierte Semantik und einen geringen Bekanntheitsgrad aufweisen (z.B. <italic>Algorithmus</italic>).</p></list-item>
<list-item><p>Ein hoher &#196;hnlichkeitsgrad zwischen Lemmata und W&#246;rtern der lexikografischen Definitionen erweist sich, abgesehen von einigen Ausnahmen (z.B. <italic>Internet</italic> und <italic>Netz</italic>), ebenso als marginales Auswahlkriterium. Vielmehr l&#228;sst sich eine Pr&#228;ferenz f&#252;r Begriffe beobachten, die sowohl allgemein verst&#228;ndlich als auch kontext&#252;bergreifend einsetzbar sind (z.B. <italic>Regel</italic>). In diesem Zusammenhang erscheint eine gewisse Vagheit bzw. eine weniger stark ausgepr&#228;gte Randsch&#228;rfe der Fachw&#246;rter nicht als hinderlich, sondern kann dem Zweck der Kommunikation sogar angemessener sein (vgl. Kretzenbacher 1991: 198).</p></list-item>
</list>
<p><bold>4. Schlussfolgerungen und Ausblick</bold></p>
<p>Die vorliegende Untersuchung widmete sich der Analyse von Definitionen fachsprachlicher Lemmata in standardsprachlichen und LS-W&#246;rterb&#252;chern. Daraus lassen sich auch neue Perspektiven auf das Verh&#228;ltnis zwischen Fachsprache und LS sowie deren Potenzial in der DaF-Didaktik auf universit&#228;rem Niveau ableiten.</p>
<p>Die Betrachtung der Mikrostruktur und der sprachlichen Vereinfachungsverfahren in LS-W&#246;rterb&#252;chern, die das Leseverstehen gezielt unterst&#252;tzen, ergab, dass sie auch zur Entwicklung effektiver Probleml&#246;sungsstrategien (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Nied Curcio 2022: 8</xref>) sowie zur F&#246;rderung metasprachlicher Reflexion &#252;ber inter- und intralinguale Ph&#228;nomene (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Luppi 2024: 37</xref>) beitragen k&#246;nnen.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus zeigte die exemplarische Untersuchung der Definitionen in standardsprachlichen und LS-W&#246;rterb&#252;chern am Beispiel des Lemmas <italic>Algorithmus</italic> folgende Tendenzen: Insbesondere bei der Bedeutungserkl&#228;rung fachlich spezialisierter und alltagssprachlich weniger etablierter Begriffe greifen LS-W&#246;rterb&#252;cher bevorzugt auf allgemeinsprachliche, grafematisch und morphologisch einfache sowie kontextuell neutrale Ausdr&#252;cke zur&#252;ck. Dabei wird terminologische Pr&#228;zision zugunsten einer h&#246;heren Verst&#228;ndlichkeit reduziert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Bock 2024</xref>). Dies unterstreicht das didaktische Potenzial von LS-W&#246;rterb&#252;chern als erste, orientierende Unterst&#252;tzung beim Einstieg in die Fachsprachenvermittlung im DaF-Unterricht &#8211; insbesondere in der Phase vor dem &#220;bergang zu standardsprachlichen Fachtexten.</p>
<p>Anschlie&#223;end erwies sich die korpusgest&#252;tzte Untersuchung der W&#246;rterbuch-Definitionen mit Schwerpunkt auf Faktoren wie etwa Gebrauchsfrequenz und &#196;hnlichkeitsgrad als wertvolles Instrumentarium, um die metasprachlichen Kompetenzen DaF-Lernender zu sch&#228;rfen. Lernende werden dadurch nicht nur in die Lage versetzt, den fachsprachlichen Wortschatz besser zu erfassen, sondern auch, semantische Verh&#228;ltnisse vertieft zu reflektieren. Insgesamt stellt der kombinierte Ansatz von LS-W&#246;rterb&#252;chern mit ihrem vereinfachten Sprachmaterial einerseits und Korpora mit authentischen Sprachdaten andererseits ein vielversprechendes DaF-didaktisches Format dar, das Fachsprachenvermittlung unterst&#252;tzt, lexikografische Strategien reflektiert, digitale Analysekompetenzen f&#246;rdert und ein kritisch-reflektiertes Sprachbewusstsein im wissenschaftlichen Kontext entwickelt.</p>
<p>Abschlie&#223;end verweist die Analyse auch auf zentrale Desiderata f&#252;r zuk&#252;nftige Forschung. Lemmata aus dem Themenfeld KI sind in den untersuchten LS-W&#246;rterb&#252;chern bislang nur marginal vertreten. Zwar empfehlen die LS-Richtlinien die Vermeidung komplexer Begriffe, zugleich streben sie, den Wortschatz der Zielgruppen zu erweitern und fachsprachliche Inhalte zug&#228;nglich zu machen. Die geringe Pr&#228;senz KI-bezogener Lemmata deutet daher darauf hin, dass ihre st&#228;rkere Integration in LS-W&#246;rterb&#252;cher einen relevanten Beitrag zur sprachlich-kulturellen Teilhabe leisten w&#252;rde &#8211; auch im Kontext des DaF-Unterrichts. Ein weiterer vielversprechender Ansatz f&#252;r zuk&#252;nftige Forschung in der DaF-Didaktik liegt im Einsatz von LS-Korpora. Diese gewinnen in der aktuellen linguistischen Forschung zunehmend an Relevanz (vgl. LeiKo, <xref ref-type="bibr" rid="B24">Jablotschkin / Zinsmeister 2024</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B25">KED</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B22">Jach / Dietz 2024</xref>) und k&#246;nnten insbesondere daf&#252;r genutzt werden, &#220;berg&#228;nge zwischen vereinfachten Sprachformaten und standardsprachlichen Fachtexten empirisch zu untersuchen und didaktisch zu gestalten.</p>
</sec>
</sec>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://portalrecerca.uab.cat/en/projects/from-written-to-oral-texts-in-easy-language-easy-audios-in-cultur-2">https://portalrecerca.uab.cat/en/projects/from-written-to-oral-texts-in-easy-language-easy-audios-in-cultur-2</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n2"><p>SELSI (vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://selsi.eu/it/homepage-ita/project/">https://selsi.eu/it/homepage-ita/project/</ext-link>, 15.01.2025) stellt ein mehrsprachiges Projekt dar, in dem das Deutsche bislang allerdings noch nicht einbezogen ist.</p></fn>
<fn id="n3"><p>2009 ver&#246;ffentlichten die Verb&#228;nde <italic>Netzwerk Leichte Sprache</italic> und <italic>Inclusion Europe</italic> Richtlinien zur Erstellung von deutschen Texten in LS und 2011 wurde die <italic>Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">BITV 2.0</xref>) herausgegeben.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Ein Heft von Regeln, das 2013 von dem Bundesministerium f&#252;r Arbeit und Soziales in Zusammenarbeit mit Netzwerk Leichte Sprache zun&#228;chst erstellt und ver&#246;ffentlicht wurde. Die letzte 2014-Fassung ist auf folgenden Link ersichtlich: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a752-ratgeber-leichte-sprache.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=8">https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a752-ratgeber-leichte-sprache.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=8</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n5"><p>Die erste Version des <italic>Netzwerk Leichte Sprache</italic> wurde 2009 ver&#246;ffentlicht und ist online auf der gleichnamigen Website verf&#252;gbar. Das Regelwerk wird jedoch (ebenso wie <italic>Inclusion Europe</italic>) laufend aktualisiert, weshalb im vorliegenden Beitrag die letzte verf&#252;gbare Version aus dem Jahr 2022 zitiert wird.</p></fn>
<fn id="n6"><p>LS hat ihren Ursprung in der amerikanischen Organisation <italic>People First</italic>, die 1974 gegr&#252;ndet wurde und 1996 die Idee des <italic>Easy Read</italic> entwickelte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Kellermann 2013: 4</xref>).</p></fn>
<fn id="n7"><p>Einfache Sprache (ES) ist eine Sprachvariet&#228;t auf h&#246;herem Niveau als LS. Sie hat einen komplexeren Sprachstil, l&#228;ngere S&#228;tze, Nebens&#228;tze sind lizensiert und alle im Alltag gebr&#228;uchlichen Begriffe werden als bekannt vorausgesetzt. ES richtet an einer breiten Adressatenschaft, u.a. an Menschen mit Lese- und Rechtschreibschw&#228;che, &#228;ltere oder h&#246;rbehinderte Menschen, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder TouristInnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Kellermann 2013: 1-2</xref>). 2024 wurde die Norm DIN 8581-1 f&#252;r ES ver&#246;ffentlicht, die Hinweise zur Textgestaltung auf verschiedenen Ebenen gibt.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Trotz der angef&#252;hrten Kritik sieht Bredel (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2019: 218</xref>) auch Potenziale f&#252;r die Sprachf&#246;rderung, insbesondere f&#252;r das Training grammatischer Standardmuster wie der kanonischen Satzgliedstellung und f&#252;r das Erlernen eines alltagsnahen Wortschatzes. Voraussetzung daf&#252;r sei jedoch, dass Texte in LS gewissen Qualit&#228;tsstandards entsprechen (vgl. ebd.: 219).</p></fn>
<fn id="n9"><p>Bock (<xref ref-type="bibr" rid="B7">2024: 358</xref>) zeigt dies anhand eines Vergleichs zwischen Nicht-&#8218;leichte&#8216; Patienteninformationen und LS-Patienteninformationen. Dabei werden die fachsprachlichen Begriffe <italic>Gene</italic>/<italic>Onkogene</italic>, <italic>Tumorsuppressor-Gene</italic>, <italic>Reparaturgene</italic> in dem LS-Text mit dem Wort Baustein umgeschrieben.</p></fn>
<fn id="n10"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-leichte-sprache-100.html">https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-leichte-sprache-100.html</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n11"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.ndr.de/fernsehen/barrierefreie_angebote/leichte_sprache/Woerterbuch-in-Leichter-Sprache,hintstartseite100.html">https://www.ndr.de/fernsehen/barrierefreie_angebote/leichte_sprache/Woerterbuch-in-Leichter-Sprache,hintstartseite100.html</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n12"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://hurraki.de/wiki/Hurraki:Artikel_von_A_bis_Z#V">https://hurraki.de/wiki/Hurraki:Artikel_von_A_bis_Z#V</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n13"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.lebenshilfe.de/woerterbuch">https://www.lebenshilfe.de/woerterbuch</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n14"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://leichte-sprache.io/glossar-uebersicht/">https://leichte-sprache.io/glossar-uebersicht/</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n15"><p>Bisher weist die deutsche Version des LS-W&#246;rterbuchs die meisten Eintr&#228;ge und die h&#228;ufigsten Aktualisierungen auf. Die englische Version enth&#228;lt 138 Eintr&#228;ge, die spanische 50 und die italienische 14.</p></fn>
<fn id="n16"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.europarl.europa.eu/pdfs/news/expert/2020/9/story/20200827STO85804/20200827STO85804_de.pdf">https://www.europarl.europa.eu/pdfs/news/expert/2020/9/story/20200827STO85804/20200827STO85804_de.pdf</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n17"><p>Ebenso wurden Lexeme herausgefiltert, die einer spezifischen Unterkategorie &#8211; etwa dem medizinischen Bereich wie beim Ad-hoc-Kompositum <italic>Computertomografie</italic> &#8211; angeh&#246;ren. Das Bestimmungswort <italic>Computer</italic>- wurde allerdings in der Liste der ausgesuchten Lemmata eingesetzt und in der Analyse ber&#252;cksichtigt.</p></fn>
<fn id="n18"><p>Bei den extrahierten <italic>Keywords</italic> traten au&#223;erdem Neubildungen wie <italic>&#220;bersetzungstool</italic>, <italic>Bildanalysesoftware</italic> oder <italic>Gesichtserkennungssystem</italic> auf, die jedoch aufgrund ihrer stark spezialisierten Bedeutung im DWDS nicht gelistet waren. F&#252;r diese Komposita erfolgte eine qualitative Aussonderung, wobei ausschlie&#223;lich jene Bestandteile ber&#252;cksichtigt wurden, die dem interessierenden semantischen Bereich entsprachen. Dabei wurden Grundw&#246;rter wie -<italic>tool</italic> und -<italic>software</italic> miteinbezogen sowie komplexere Bestandteile der Komposita wie <italic>Bildanalyse</italic>- und <italic>Gesichtserkennung</italic>.</p></fn>
<fn id="n19"><p><italic>LeiKo</italic> in: <italic>Annis</italic> <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://zenodo.org/records/6362739">https://zenodo.org/records/6362739</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n20"><p>Man denke dabei insbesondere an W&#246;rter wie <italic>Sensor</italic>, die im Deutschen auch als Wortbildungsbestandteile zur Darstellung neuer Begriffe und Sachverhalte (z.B. <italic>Abstandssensor</italic>, <italic>Lichtsensor</italic>. Vgl. DWDS <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Sensor?o=sensorhttps://www.dwds.de/wb/Tool">https://www.dwds.de/wb/Sensor?o=sensorhttps://www.dwds.de/wb/Tool</ext-link>, 15.01.2025) steigend in allt&#228;glichen Bereichen des menschlichen Lebens auftreten.</p></fn>
<fn id="n21"><p>Als Mikrostruktur bezeichnet man in der Lexikografie die Gesamtheit der Informationen, die innerhalb eines W&#246;rterbuchartikels nach dem Lemma dargeboten werden. Sie folgt dabei einem standardisierten Aufbau und umfasst typischerweise Elemente wie den Artikelkopf (d.h. das Lemma und die dazugeh&#246;rigen Angaben), &#196;quivalente, Definitionen und Beispiele (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Rey-Debove 1971: 151</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B16">Flinz 2006: 409</xref>).</p></fn>
<fn id="n22"><p>Der Begriff <italic>Angabe</italic> bezeichnet in der Lexikografie eine zus&#228;tzliche Information innerhalb eines W&#246;rterbucheintrags, die &#252;ber die eigentliche Bedeutungsdefinition hinausgeht, wie z.B. Angaben zur Aussprache, Herkunft, Grammatik oder Verwendung des Lemmas (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Bergenholtz / Schaeder 1994: 73, 93</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B17">Flinz 2014: 332</xref>).</p></fn>
<fn id="n23"><p>Diese Angabe entstammt dem <italic>Etymologischen W&#246;rterbuch des Deutschen</italic> (<italic>EtymWb.</italic>), das in den 1980er Jahren von Wolfgang Pfeifer herausgegeben wurde. Das W&#246;rterbuch wurde digitalisiert und ist seither in das DWDS-System integriert, online verf&#252;gbar unter <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/d/wb-etymwb">https://www.dwds.de/d/wb-etymwb</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n24"><p>Allerdings weist Deilen (<xref ref-type="bibr" rid="B13">2021</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B14">2023</xref>) darauf hin, dass sich der Mediopunkt nicht immer als hilfreich erweist, z.B. bei semantisch intransparenten Komposita.</p></fn>
<fn id="n25"><p>Bei <italic>Leichte-Sprache.io</italic> findet z.B. keine orthografische Segmentierung der Komposita statt, w&#228;hrend bei <italic>Mdr.de</italic> der Bindestrich (teilweise auch ein Leerzeichen) anstatt des Mediopunkts bevorzugt wird.</p></fn>
<fn id="n26"><p>Rekurrenz ist ein wichtiges Koh&#228;sionsmittel, das syntaktisch-semantische Zusammenh&#228;nge herstellt. Sie besteht in der Wiederaufnahme oder dem R&#252;ckverweisen von sprachlichen Einheiten in aufeinander folgenden S&#228;tzen eines Textes (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Linke / Nussbaumer 2000: 305</xref>).</p></fn>
<fn id="n27"><p>Eine weitere, teilweise &#228;hnliche Struktur wurde bei <italic>Mdr.de</italic> vorgefunden, z.B. bei dem Lemma <italic>Software</italic>: &#8222;Das ist ein anderes Wort f&#252;r Computer-Programm&#8220;.</p></fn>
<fn id="n28"><p>Bei <italic>Lebenshilfe e.V</italic>. findet sich diese Konstruktion ebenfalls sehr h&#228;ufig. Von den hier betrachteten Lemmata findet sich bei <italic>Lebenshilfe e.V.</italic> jedoch nur das Lemma <italic>Computer</italic>, zu dem interessanterweise eine andere Definition angef&#252;hrt wird, n&#228;mlich &#8222;Internet kommt von dem englischen Wort: internetwork&#8220;.</p></fn>
<fn id="n29"><p>Z.B. l&#228;sst sich auch f&#252;r die Definition des Lemmas <italic>Computer</italic> bei <italic>Hurraki</italic> sowie bei <italic>Leichte-Sprache.io</italic> eine KP-Konstruktion &#8222;Ein Computer ist ein Apparat&#8220; beobachten.</p></fn>
<fn id="n30"><p>Bei <italic>Hurraki</italic> wird z.B. das Lemma <italic>Software</italic> allerdings durch keine KP-Konstruktion bezeichnet: &#8222;Software macht verschiedene Sachen auf einem Ger&#228;t&#8220;.</p></fn>
<fn id="n31"><p>Dennoch sind gem&#228;&#223; der fr&#252;heren LS-Regelwerke (insbesondere die 2009-Fassung des NLS und das <xref ref-type="bibr" rid="B4">BMAS 2014</xref>) Konstruktionen mit nebensatzeinleitenden Konnektoren lizensiert. Man vergleiche diesbez&#252;glich den Satz: &#8222;Sie sollen f&#252;r eine kurze Zeit in Deutschland arbeiten. Weil in Deutschland Arbeits&#8226;kr&#228;fte fehlen&#8220;, bei dem Lemma <italic>Gastarbeiter</italic> bei <italic>Hurraki</italic>: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://hurraki.de/wiki/Gastarbeiter">https://hurraki.de/wiki/Gastarbeiter</ext-link> (15.01.2025). Dabei werden Haupt- und Nebensatz durch die Interpunktion als autonome Einzels&#228;tze dargestellt. Diese Praxis wird in den sp&#228;teren Regelwerken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Maa&#223; 2015: 100</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel / Maa&#223; 2016a</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B10">2016b</xref>) jedoch eher kritisiert und als Hindernis f&#252;r das Leseverst&#228;ndnis betrachtet.</p></fn>
<fn id="n32"><p>Unter dem Begriff <italic>Definiendum</italic> wird das zu definierende Wort verstanden, unter <italic>Definiens</italic> dessen Bedeutungserkl&#228;rung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Wiegand 1976: 124</xref>).</p></fn>
<fn id="n33"><p>Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels war das Korpus <italic>German Web 2023</italic> (deTenTen23) noch nicht verf&#252;gbar, weshalb das Korpus <italic><xref ref-type="bibr" rid="B19">German Web 2020</xref></italic> (deTenTen20) verwendet wurde.</p></fn>
<fn id="n34"><p>Wenn einzelne LS-W&#246;rterb&#252;cher nicht erw&#228;hnt werden, bedeutet dies, dass diese W&#246;rterb&#252;cher entweder das betreffende Lemma nicht umfassen oder dass die Definition nicht in einer klaren kopulativen Struktur (z.B. &#8222;X ist ein Y&#8220;) formuliert ist. So fehlt das Lemma <italic>Computer</italic> etwa im <italic>Ndr.de</italic> und bei <italic>Lebenshilfe e.&#8239;V</italic>., w&#228;hrend das <italic>Mdr.de</italic> zwar einen Eintrag enth&#228;lt, jedoch keine definitorisch geeignete Formulierung f&#252;r den Vergleich bietet: &#8222;Mit dem Computer k&#246;nnen die Menschen viele Sachen machen. Zum Beispiel: Texte schreiben, E-Mails schreiben. Das ist ein Brief, der mit dem Computer verschickt wird. Oder im Internet viel Informationen lesen.&#8220;, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-computer-100.html">https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-computer-100.html</ext-link> (15.01.2025).</p></fn>
<fn id="n35"><p>Diese Funktion von <italic>Sketch Engine</italic> basiert auf dem Prinzip der distributionellen Semantik, bei der W&#246;rter, die in &#228;hnlichen Kontexten auftreten, als semantisch nahe miteinander verbunden betrachtet werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Flinz 2024: 35</xref>).</p></fn>
</fn-group>
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<title>Biographische Notiz</title>
<p>Sara Corso promovierte an der Universit&#228;t Pisa (2022) im Rahmen einer Cotutelle mit der Universit&#228;t Leipzig (Herder-Institut) mit einer Dissertation zum interkomprehensiven Leseverstehen im Bereich Deutsch als Terti&#228;rsprache. Seit 2023 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin f&#252;r germanistische Linguistik an der Universit&#224; degli Studi di Milano. Ihre Forschungsinteressen sind: Spracherwerb; Sprachrezeption; Grammatik f&#252;r Deutsch als Fremdsprache; Leichte Sprache; kontrastive Linguistik.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5"><bold>Kontaktanschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Sara Corso</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Universit&#224; degli Studi di Milano</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Dipartimento di Lingue, Letterature, Culture e Mediazioni</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">Piazza Indro Montanelli, 1 - Mediapolis</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5">20099 Sesto San Giovanni (MI)</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.5"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="sara.corso@unimi.it">sara.corso@unimi.it</ext-link></styled-content></p>
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