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<journal-title>Zeitschrift Korpora Deutsch als Fremdsprache</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Thematic issue articles</subject>
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<article-title>KORPUSDATEN UND PHRASEODIDAKTIK: PROBLEME UND PERSPEKTIVEN</article-title>
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<surname>Steyer</surname>
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<email>steyer@ids-mannheim.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#224; degli Studi di Milano</aff>
<aff id="aff-2"><label>2</label>Leibniz-Institut f&#252;r Deutsche Sprache (IDS) Mannheim</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-08-05">
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<abstract>
<p>Wortverbindungen sind der Schl&#252;ssel zu einer kulturell angemessenen Kommunikation. Mithilfe von Korpusdaten kann phraseologisches Wissen nahe am tats&#228;chlichen Sprachgebrauch vermittelt werden. Der vorliegende Artikel stellt die Beitr&#228;ge der Themenausgabe &#8222;Korpora, Phraseologie und DaF&#8220; vor, die den Einsatz von Korpora, ihre hohe Wirksamkeit, aber auch die damit verbundenen Probleme f&#252;r die Lehr- und Lernpraxis aus unterschiedlichen phraseodidaktischen Perspektiven beleuchten. Folgende Schwerpunkte der Beitr&#228;ge werden in der Einleitung zusammengefasst: Frequenz als Mittel zur Erfassung besonders typischer und daher bevorzugt zu vermittelnder Phraseme; die Authentizit&#228;t und Variabilit&#228;t von Sprachdaten f&#252;r das Verst&#228;ndnis relevanter Gebrauchsmerkmale; der Nutzen korpusbasierter Analysen f&#252;r die Entwicklung interkultureller Kompetenz sowie die M&#246;glichkeiten, korpusbasierte Beispiele und &#220;bungen in den Unterricht zu integrieren.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p>Multi-word units are the key to culturally appropriate communication. With the help of corpus data, phraseological knowledge can be conveyed close to current language use. This article presents the contributions to the thematic issue &#8220;Corpora, Phraseology and German as a Foreign Language&#8221;. From different phraseo-didactic perspectives, these articles shed light on the use of corpora, their great effectiveness, but also on the associated problems for teaching and learning practice. The following main points are summarised in the introduction: frequency as a way of identifying phrasemes that are particularly typical and therefore preferred for teaching, the authenticity and variability of language data for understanding relevant usage characteristics; the benefits of corpus-based analyses to develop intercultural competence, and the possibilities of integrating corpus-based examples and exercises into the classroom.</p>
</trans-abstract>
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<kwd>Phraseologie</kwd>
<kwd>Phraseodidaktik</kwd>
<kwd>Korpora</kwd>
<kwd>Frequenz</kwd>
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<kwd>phraseology</kwd>
<kwd>phraseo-didactics</kwd>
<kwd>corpora</kwd>
<kwd>frequency</kwd>
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<body>
<p>Die Phraseologie hat eine bis ins 19. Jahrhundert zur&#252;ckreichende Tradition und umfasst heute nahezu alle Bereiche der Sprachwissenschaft. Mit der Korpuslinguistik und der M&#246;glichkeit, sprachliche Massendaten zu untersuchen, hat auch in der phraseologischen Forschung eine empirische Revolution stattgefunden, wie Steyer (<xref ref-type="bibr" rid="B14">2015: 280</xref>) ausf&#252;hrt<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref>:</p>
<disp-quote>
<p>The phraseological scope widened. It became more and more evident how central multi-word units are for understanding language use itself. The analysis of authentic language data in huge dimensions, for example by consulting very large corpora, gives a striking demonstration that language use is fundamentally made up by multi-word units that appear in the form of fixed lexical chunks, set phrases, long-distance word groups, and so on.</p>
</disp-quote>
<p>Der zweite Paradigmenwechsel steht im Zusammenhang mit der Durchsetzung von Musterperspektiven, die phraseologischen Gebrauch in einem neuen Licht erscheinen lassen, nicht zuletzt in Auseinandersetzung mit der Konstruktionsgrammatik<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref>.</p>
<p>Die Erweiterung des Gegenstandsbereichs und die Hinwendung zu Mustern und Konstruktionen bei gleichzeitiger Abkehr von der alleinigen Fokussierung auf semantische Idiomatizit&#228;t als phraseologischem Leitprinzip haben der Phraseologie zu einer wachsenden Wahrnehmung in vielen anderen Gebieten wie Spracherwerb, NLP (v.a. maschinelle &#220;bersetzung) oder kognitive Linguistik (s. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Granger / Meunier 2008</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B8">Gries 2008: 3-4</xref>) verholfen &#8211; und nat&#252;rlich ebenso in der Fremdsprachenerwerbsforschung und Fremdsprachendidaktik.</p>
<p>In Bezug auf Korpora befindet sich auch der DaF-Bereich im Wandel (s. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Flinz et al. 2021: 1</xref>), wovon die Beitr&#228;ge der gesamten KorDaF-Zeitschriftenreihe beredtes Zeugnis ablegen<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>. Aus korpusbasierter Mehrwortperspektive ergibt sich allerdings ein differenzierteres Bild: Obwohl die Relevanz dieser verfestigten Einheiten des Sprachgebrauchs f&#252;r den Erwerb und die Vermittlung des Deutschen seit langem unbestritten ist, standen Phraseme z.B. in der Zeitschrift <italic>Deutsch als Fremdsprache</italic> jahrelang eher nicht im Mittelpunkt<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref>. Der Themenschwerpunkt &#8218;Usuelle Wortverbindungen&#8216; (s. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Breindl / Dalmas / Dobrovol&#8217;skij 2023</xref>) stellt daher schon eine Art Z&#228;sur da, die sicherlich auch Auswirkungen auf die DaF-Didaktik im Bereich der Phraseologie haben wird.</p>
<p>Die Vermittlung phraseologischer Kompetenzen wird seit vielen Jahren im Bereich der Phraseodidaktik diskutiert (z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Hallsteinsd&#243;ttir 2011: 4</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B1">Benigni et al. 2015</xref>), in letzter Zeit immer mehr vor dem Hintergrund der Korpuslinguistik. Am weitesten fortgeschritten sind aus phraseodidaktischer Sicht die korpusbasierten Forschungen zu und Formen der didaktischen Aufbereitung von Kollokationen. Es herrscht ein weitestgehender Konsens dahingehend, dass die Kenntnis solcher habitualisierter Wortkombinationen fundamental f&#252;r den Erwerb und Einsatz einer Fremdsprache sind und das vor allem in der Sprachproduktion.</p>
<p>Kontroverser wird in der Fachwelt hingegen die Rolle von Idiomen diskutiert, also die Frage, ab welchem Sprachniveau diese beherrscht werden k&#246;nnen oder sollten. Die Auffassung, dass dies erst auf einem h&#246;heren Kompetenzniveau sinnvoll erscheint, ist in j&#252;ngster Zeit zumindest teilweise relativiert worden. Die Korpuslinguistik hat sehr deutlich herausgearbeitet, dass auch diese hochgradig und oft stark verfestigten (zumeist einem gewissen Grad an Opakheit unterliegenden) Einheiten in einem Netzwerk nicht-phraseologischer sprachlicher Ausdr&#252;cke und Routinen verankert sind, also keinesfalls nur als &#8222;stilistisches Beiwerk&#8220; dienen, sondern ebenso relevante Bausteine der Kommunikation darstellen.</p>
<p>Die Beitr&#228;ge dieser Themenausgabe gehen mit unterschiedlichen Schwerpunkten der Frage nach, welchen Stellenwert Phraseme in der DaF-Didaktik insgesamt haben, welche Rolle Korpora bei der Vermittlung von Phrasemen spielen und welche methodischen Ans&#228;tze sich hierbei als besonders effektiv erweisen k&#246;nnen. Dabei lassen sich u.a. die folgenden f&#252;nf Punkte zusammenfassen:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p><italic>H&#228;ufigkeit</italic>: Korpora bieten die M&#246;glichkeit, gro&#223;e Mengen von Sprachdaten systematisch zu analysieren. Diese Erkenntnisse sind wertvoll, um zu verstehen, welche Phraseme besonders h&#228;ufig und gebr&#228;uchlich sind und daher im Sprachunterricht priorit&#228;r behandelt werden sollten. Dies betrifft insbesondere die Herausstellung von f&#252;r DaF-Lernende relevanten Kollokationen und syntaktischen Mustern, die mit bestimmten Phrasemen verbunden sind.</p>
<p>Wichtig ist aber anzumerken, dass es keine absolute H&#228;ufigkeit eines Phrasems in der Sprache geben kann. Dies ist immer abh&#228;ngig vom zugrunde liegenden Korpus und der Suchstrategie. Was man aber sagen kann (wenn man sehr gro&#223;e Referenzkorpora als empirische Basis benutzt), ist, dass die Einheiten mit h&#246;heren Frequenzen von einer gesicherteren Typikalit&#228;t und daher bei der Vermittlung zu bevorzugen sind. Frequenzen k&#246;nnen ebenso hinsichtlich der Verwendung von Phrasemen in unterschiedlichen Textsorten und Kommunikationssituationen sowie aus interlingualer Sicht von einiger Relevanz sein, um m&#246;gliche &#196;quivalenzen zwischen den Sprachen herauszuarbeiten.</p></list-item>
<list-item><p><italic>Authentizit&#228;t und Gebrauch</italic>: Korpora bestehen aus gro&#223;en Sammlungen authentischer Sprachdaten aus verschiedenen Kontexten und Textsorten (z.B. gesprochene Sprache, geschriebene Texte, unterschiedliche Register, usw.). Diese Vielfalt erm&#246;glicht es Lernenden und Lehrenden, sich ein aussagekr&#228;ftiges Bild davon zu machen, wie phraseologische Einheiten in verschiedenen Situationen verwendet werden. Die Authentizit&#228;t der Sprachdaten bedeutet, dass die Texte und Sprachbeispiele aus realen, nat&#252;rlichen Kommunikationssituationen stammen und somit die tats&#228;chliche Sprachverwendung widerspiegeln. Dies steht im Gegensatz zu k&#252;nstlich erstellten Beispielen, wie sie h&#228;ufig in Lehrb&#252;chern zu finden sind. Dar&#252;ber hinaus bieten Korpusdaten neue Zug&#228;nge zu pragmatischen Aspekten phraseologischer Einheiten, beispielsweise ihre Gebundenheit an spezifische kommunikative Situationen und Funktionen, vor allem im Kontrast zur Muttersprache der Lernenden. Diese pragmatischen Einblicke liefern wertvolle Informationen zur angemessenen Verwendung in der allt&#228;glichen Kommunikation.</p></list-item>
<list-item><p><italic>Vielfalt der Sprachdaten</italic>: Authentische Daten zeigen die Fixiertheit, Variabilit&#228;t und Dynamik phraseologischen Gebrauchs, wobei die supraregionale Variet&#228;t f&#252;r den DaF-Unterricht naturgem&#228;&#223; besonders von Belang ist. Das Spektrum der Sprachdaten umfasst diverse Textsorten und Kommunikationsformen, wie formelle und informelle Gespr&#228;che, Zeitungsartikel, literarische Werke, Blogs und soziale Medien. Diese Bandbreite erm&#246;glicht es, die kommunikative Angemessenheit unterschiedlicher Register, Fachsprachen und Stile zu verstehen.</p></list-item>
<list-item><p><italic>Lehrmaterialien</italic>: Korpora bieten ebenso eine Grundlage f&#252;r die Entwicklung von Lehrmaterialien und Aufgaben, die auf authentischem und frequentem Sprachgebrauch basieren. Die Integration von korpusbasierten Beispielen und &#220;bungen in den Unterricht macht das Lernen von Phrasemen nicht nur effektiver, sondern ungleich interessanter. Authentische Sprachdaten tragen dazu bei, dass die vermittelten phraseologischen Einheiten im gegenw&#228;rtigen Sprachgebrauch tats&#228;chlich verankert sind. Dies erh&#246;ht die Wahrscheinlichkeit, dass die Lernenden diese Phrasemen korrekt und sicher in ihrer eigenen Kommunikation anwenden k&#246;nnen. Dieser Punkt stellt ein echtes Desideratum dar, wenn man bedenkt, dass korpusbasierte Lehrmaterialien sogar f&#252;r das Englische in nicht allzu gro&#223;er Zahl existieren (s. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Gilquin 2022: 112</xref>). Auch die Integration der historischen Perspektive l&#228;sst sich gewinnbringend nutzen, da so aufschlussreiche Einblicke in die Praxis der Vermittlung von Phrasemen erm&#246;glicht werden, die dann R&#252;ckschl&#252;sse auf sprachliche Mechanismen in der Gegenwart zulassen.</p></list-item>
<list-item><p><italic>F&#246;rderung interkultureller Kompetenz</italic>: Im Fremdsprachenunterricht k&#246;nnen Korpora genutzt werden, um Lernende mit der idiomatischen und kulturellen Spezifit&#228;t der Zielsprache vertraut zu machen. Die F&#228;higkeit, Phraseme richtig zu verstehen und anzuwenden, tr&#228;gt entscheidend zur interkulturellen Kommunikation bei, da diese oft tief im Ged&#228;chtnis einer Sprachgemeinschaft verwurzelt sind und kulturelle Werte, Traditionen und Denkmuster widerspiegeln. Dar&#252;ber hinaus macht der richtige Einsatz von Phrasemen die Kommunikation nuancierter, nat&#252;rlicher und reicher, was nicht unwesentlich zum Abbau von Sprachbarrieren beitragen kann. Der falsche oder besser gesagt inad&#228;quate Gebrauch, insbesondere von Idiomen, wiederum kann zu Missverst&#228;ndnissen f&#252;hren.</p></list-item>
</list>
<p>Die ersten drei Beitr&#228;ge dieser Ausgabe sind im Rahmen des vom Erasmus+ F&#246;rderprogramm der EU kofinanzierten Projekts <italic>Plurilingual Phraseology: Learning multiword units through English</italic> (PhraseoLab) entstanden. Sie diskutieren basierend auf korpuslinguistischen Analysen theoretische Grundlagen f&#252;r das Vermitteln und Erlernen von Phrasemen. Hauptziel des Projekts ist es, den Erwerb der deutschen Phraseologie (Kollokationen, Idiome und Routineformeln) durch das Englische als &#8218;Br&#252;ckensprache&#8216; zu f&#246;rdern.</p>
<p>In ihrem Beitrag &#8222;Korpuslinguistische Ans&#228;tze der Phraseologie &#8211; und was nun? Phraseodidaktik und die Potenziale neuerer Zug&#228;nge der Sprachdidaktik&#8220; schlagen <bold>Erla Hallsteinsd&#243;ttir</bold> und <bold>Marios Chrissou</bold> ein integratives Modell f&#252;r das Lehren und Lernen von Phrasemen vor. Ausgehend vom phraseodidaktischen Dreischritt von Peter K&#252;hn diskutieren sie verschiedene theoretische Ans&#228;tze wie z.B. Feilkes erweiterten wortschatzdidaktischen Dreischritt, in dem phraseologische Einheiten als Bestandteil der gesamten lexikalischen Kompetenz betrachtet werden. Eine zentrale Funktion beim Erlernen von Phrasemen schreiben die Autoren den Phasen Rezeption, Reflexion und Produktion zu, wobei diese nicht als lineare Abfolge zu verstehen sind. Sie pl&#228;dieren aber dar&#252;ber hinaus f&#252;r die Einbeziehung einer Reihe von zus&#228;tzlichen Ans&#228;tzen, die f&#252;r die Vermittlung von Phrasemen Erfolg ebenso versprechend sind: Neben der Fokussierung auf die Form und Funktion spielen z.B. <italic>task-based learning</italic>, der mehrsprachige Kontrast (insbesondere der Bezug auf das Englische), die interkulturellen und damit verbundenen affektiven Aspekte eine wesentliche Rolle. Multimediales und korpusorientiertes Lernen seien ebenso f&#246;rdernde Faktoren, die den Erwerb beg&#252;nstigen k&#246;nnen, denn sie erm&#246;glichen, phraseologische Einheiten in ihren Kontexten zu lernen und Unterschiede zwischen M&#252;ndlichkeit und Schriftlichkeit zu erfassen.</p>
<p>Der Beitrag &#8222;Teaching German Phrasemes through English: The Role of Equivalence&#8220; von <bold>Florentina Micaela Mena-Mart&#237;nez, Mois&#233;s Almela-S&#225;nchez</bold> und <bold>Carola Strohschen</bold> befasst sich mit den linguistischen und didaktischen Grundlagen des Projekts PhraseoLab, dessen plurilinguale Ansatz die &#196;hnlichkeiten zwischen englischen und deutschen Phrasemen nutzt, um eine komplexe sprachliche und kommunikative Kompetenz zu f&#246;rdern. Die Datenbank und die Lernaktivit&#228;ten konzentrieren sich auf Phraseme mit entweder vollst&#228;ndiger oder teilweiser &#196;quivalenz im Englischen und im Deutschen. Ein zentrales Thema des Artikels ist die phraseologische &#196;quivalenz mit unterschiedlichen Parametern und deren Bedeutung f&#252;r die Auswahl und Bewertung von Lehrmaterialien, und zwar am Beispiel des Kontrast <italic>Frieden schlie&#223;en</italic> vs. <italic>make peace</italic> (mit Schwerpunkt auf semantischen und pragmatischen Merkmalen). Die Studie basiert auf einem korpusbasierten Ansatz, der es erm&#246;glicht, die H&#228;ufigkeit von Kollokationen zu ermitteln und Informationen zur Identifizierung von &#196;quivalenzstufen zu liefern. Diese Methodik kombiniert qualitative und quantitative Kriterien, um die relevantesten und n&#252;tzlichsten phraseologischen Einheiten f&#252;r Lernende ausw&#228;hlen zu k&#246;nnen. Der Artikel betont auf der einen Seite die Bedeutung der Frequenz in der Phraseodidaktik, problematisiert aber auf der anderen Seite die Relativit&#228;t generalisierender Schlussfolgerungen bedingt durch die jeweilige Korpuszusammensetzung.</p>
<p><bold>Anna Sulikowska</bold> und <bold>Marios Chrissou</bold> analysieren in ihrem Beitrag &#8222;Idiome im DaF-Unterricht. Ergebnisse einer Frequenzuntersuchung f&#252;r das Projekt PhraseoLab&#8220; die Rolle von Idiomen im DaF-Unterricht. Idiome bilden neben Kollokationen und Routineformeln die dritte Gruppe fester Mehrworteinheiten, die im Projekt didaktisch aufbereitet werden. Die Autoren diskutieren die Herausforderungen und unterschiedlichen Auffassungen zur Integration dieser sprachlichen Einheiten in den DaF-Unterricht, einschlie&#223;lich der Frage, welche Idiome gelehrt werden sollten und ab welchem Sprachniveau. Dies ist bisher nicht zufriedenstellend gekl&#228;rt, da empirische Untersuchungen zur Nutzung von Idiomen durch Nicht-Muttersprachler bis dato fast g&#228;nzlich fehlen. Die Autoren pl&#228;dieren f&#252;r eine differenzierte Herangehensweise beim Aufbau und bei der Vermittlung eines idiomatischen Grundwortschatz. Prim&#228;r relevant seien linguistische Kriterien wie die interlinguale &#196;quivalenz zwischen der Mutter- bzw. gut beherrschten Fremdsprache und der Zielsprache. Der Ausgangspunkt sollte jedoch die Vorkommensh&#228;ufigkeit im authentischen Sprachgebrauch sein, die anhand von Frequenzuntersuchungen in Korpora der m&#252;ndlichen und der schriftlichen Sprache ermittelt wird. Mit diesem methodischen Zugang kann die lange Zeit vorherrschende intuitive, kompetenzbasierte Selektion &#252;berwunden werden. Der Beitrag stellt Ergebnisse einer solchen Frequenzerhebung von Idiomen in sehr gro&#223;en Korpora vor. Die entsprechende Liste ist im Anhang dokumentiert und kann bereits als eine n&#252;tzliche DaF-Ressource angewendet werden.</p>
<p>Die letzten zwei Beitr&#228;ge bieten unterschiedliche Perspektiven: Der eine stellt eine korpusbasierte Untersuchung von Phrasemen (im weiteren Sinne) bei frankophonen Lernenden vor, der andere analysiert historische Fremdsprachenlehrwerke.</p>
<p><bold>Anja Smiths</bold> Artikel &#8222;Expressions of Opinion Produced by French Learners of German as a Foreign Language. An Exploratory Corpus Analysis (L1 - L2)&#8220; pr&#228;sentiert eine korpusbasierte Analyse von Meinungsausdr&#252;cken im Deutschen (wie <italic>ich denke, dass</italic> oder <italic>ich glaube, dass</italic>), die auf mehr oder weniger festen Mehrwortverbindungen beruhen. Im Mittelpunkt stehen formale und funktionale Besonderheiten ausgew&#228;hlter Meinungsausdr&#252;cke in der schriftlichen Textproduktion franz&#246;sischer Deutschlernender im Vergleich zu denen deutscher Muttersprachler. Es handelt sich dabei um eine konstruktionsgrammatische, frame-semantische, diskurs- und textlinguistische Analyse. Mit Hilfe von Sketch Engine werden sowohl ein eigens erstelltes Lernerkorpus franz&#246;sischer Studierender als auch ein muttersprachliches Vergleichskorpus quantitativ und qualitativ ausgewertet. Die exemplarisch durchgef&#252;hrte Analyse verdeutlicht, dass &#228;hnliche formelhafte Phrasen in verschiedenen Sprachen Divergenzen auf ganz unterschiedlichen sprachlichen Ebenen aufweisen k&#246;nnen, und zwar sowohl hinsichtlich ihrer lexikogrammatischen Strukturen als auch ihrer pragmatischen Eigenschaften. Die Studie illustriert, dass Franz&#246;sischlernende Schwierigkeiten haben, deutsche Meinungsausdr&#252;cken korrekt zu verwenden, was auf innersprachliche und kulturelle Unterschiede zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Nat&#252;rlich gilt dasselbe im Umkehrschluss. Vergleichende Korpusdaten und typische Kontexteinbettungen k&#246;nnen die Natur solcher semantischer und pragmatischer Interferenzfehler auf neue Weise erhellen und zu einem ad&#228;quateren Verst&#228;ndnis der subtilen Unterschiede des Gebrauch bestimmter Ausdruckstypen in den Kontrastsprachen beitragen.</p>
<p><bold>Laura Panne</bold> und <bold>Julia H&#252;bner</bold> untersuchen in ihrem Beitrag &#8222;Phraseologie im historischen Fremdspracherwerb. Vermittlung und &#220;bersetzung von Idiomen in der Fr&#252;hen Neuzeit&#8220; die historische Vermittlung von Phrasemen im Fremdsprachenunterricht. Sie betonen, dass diese Forschung im Kontext von Deutsch als Fremdsprache bisher wenig Beachtung gefunden hat. Das Korpus besteht aus Lehrwerken des 17. und des 18. Jahrhunderts, die &#252;berwiegend aus der Berliner Datenbank fr&#252;hneuzeitlicher Fremdsprachenlehrwerke stammen. Diese in ganz Europa verbreiteten mehrsprachigen Lehrwerke wurden haupts&#228;chlich f&#252;r den praktischen Gebrauch f&#252;r Kaufleute und Reisende entwickelt und enthalten mehrere Komponenten. Die Vorworte bieten Einblicke in das metasprachliche Bewusstsein der jeweiligen Verfasser, w&#228;hrend die Grammatiken grundlegende Informationen zur Sprachstruktur liefern. Die Musterdialoge und Wortlisten erm&#246;glichen einen Einblick in die allt&#228;gliche Verwendung von Idiomen und deren Vielfalt. Panne und H&#252;bner interessieren sich sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte der Phraseme in diesen Lehrwerken (speziell der Somatismen), wobei sie auf die Idiomatizit&#228;t und die Herausforderungen der &#220;bersetzung eingehen. Eine solche historische Perspektive er&#246;ffnet neue Einblicke in die Praxis der Vermittlung von Phrasemen in der fr&#252;hen Neuzeit und ganz generell in Sprachwandelprozesse.</p>
<p>Die Beitr&#228;ge verdeutlichen, dass Korpora zweifellos einen bedeutenden Mehrwert f&#252;r die Vermittlung von Phrasemen bieten. Klar ist jedoch &#8211; wie in einigen Artikeln dieser Themenausgabe betont wird &#8211;, dass die korpuslinguistische Herangehensweise nur eine von mehreren Ans&#228;tzen und Methoden in der Phraseodidaktik sein kann. Gilquin (<xref ref-type="bibr" rid="B7">2022: 115</xref>) verweist auf einige Fallstricke speziell aus didaktischer Sicht:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Die von Korpora bereitgestellten Informationen k&#246;nnen oft derart detailliert oder komplex sein, dass sie insbesondere f&#252;r Lernende mit geringen Fremdsprachenkenntnissen eine Barriere darstellen.</p></list-item>
<list-item><p>Der Einsatz von Korpora im Fremdsprachenunterricht erfordert viel Zeit. H&#228;ufig ist es daher einfacher und schneller, Beispiele aus vorhandenen Lehrmaterialien zu verwenden oder vom Lehrenden ad hoc zu erstellen.</p></list-item>
<list-item><p>Trotz der positiven Ergebnisse von Unterrichtsexperimenten, die Korpusdaten nutzen, k&#246;nnen diese nicht der Zugang sein, der f&#252;r alle Unterrichtsarten und/oder Lernenden geeignet ist. Daher ist es ratsam, den auf Korpora basierenden Unterricht mit weiteren Ressourcen und Methoden zu erg&#228;nzen.</p></list-item>
</list>
<p>Diese Einschr&#228;nkungen sollten aber u.E. nicht zu einem empirischen &#8218;Rollback&#8216; f&#252;hren, sondern im Gegenteil als Herausforderung f&#252;r die Zukunft angenommen werden. Das Stichwort ist hier <italic>corpus literacy</italic> zun&#228;chst der Lehrenden (s. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Mukherjee 2002: 179</xref>), mit der die F&#228;higkeit gemeint wird, Korpusdaten effektiv zu nutzen und zu interpretieren. Dies bedeutet nicht nur technisches Wissen, sondern auch ein tiefes Verst&#228;ndnis f&#252;r die linguistischen und methodologischen Grundlagen, in unserem Kontext bspw. von komplexen Suchprozeduren oder Kollokations- und Clusteringverfahren:</p>
<p>Die Entwicklung von Methodenkompetenz ist daher das Gebot der Stunde. Damit ist nicht nur die reine Suche nach treffenden Beispielen in Korpora gemeint, sondern das intelligente Anwenden solcher Ressourcen wie Frequenzlisten, Clusteringverfahren, systematisierte KWIC-Konkordanzen und Kookkurrenzprofile als Zugang zu Bedeutung und Gebrauch von Wortschatzeinheiten, zu typisierten Kotextmustern und &#8211; in einem generellen &#8211; Sinne zu sprachlichem Wissen. (<xref ref-type="bibr" rid="B15">Steyer 2023: 210</xref>)</p>
<p>Die Methodenkompetenz der Lehrenden hat dann zwangsl&#228;ufig Auswirkungen auf das aktive Lernen selbst, auf die F&#228;higkeit, sich &#252;ber eine gro&#223;e Menge authentischer Ko- und Kontextmuster sprachliche Kompetenz anzueignen, die situationsgerecht und kulturell angemessen scheint. Dies stellt im Grunde eine Simulation des Lernens oder des Vertiefens einer Fremdsprache in zielsprachiger Umgebung dar. Hier erwirbt man solche Kontextsensibilit&#228;t &#8218;by doing&#8216;. Man h&#246;rt bestimmte Mehrwortausdr&#252;cke und Chunks immer wieder und kann sie irgendwann aufgrund der wiederkehrenden Situationen memorieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Steyer 2023: 210</xref>). Gefragt ist vor allem die anwendungsbezogen Korpuslinguistik, die die Br&#252;cke zu der Phraseodidaktik schlagen und dieser das entsprechende Instrumentarium in die Hand geben sollte.</p>
<p>Zusammenfassend l&#228;sst sich sagen, dass Korpora trotz aller Schwierigkeiten einen bedeutenden Mehrwert f&#252;r die Phraseodidaktik bieten, was durch die in dieser Themenausgabe pr&#228;sentierten Forschungsergebnisse in unterschiedlichen Facetten belegt wird. Wir hoffen, dass diese Beitr&#228;ge neue Impulse und Perspektiven f&#252;r die phraseologische Praxis und Forschung in der DaF-Didaktik er&#246;ffnen und zur Weiterentwicklung der Verwendung von Korpora im DaF-Unterricht beitragen.</p>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf die umfassenden korpuslinguistischen Forschungen im angels&#228;chsischen Raum (stellvertretend <xref ref-type="bibr" rid="B11">Sinclair 1991</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B12">2004</xref> sowie <xref ref-type="bibr" rid="B2">Biber 2009</xref> u.v.a.).</p></fn>
<fn id="n2"><p>Die Einf&#252;hrung zu Mustern in Sprache und Kommunikation von Stein und Stumpf kann deshalb zum einen als folgerichtige Fortf&#252;hrung der 5. Auflage der Einf&#252;hrung in die Phraseologie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Burger 2015</xref>), zum anderen als Beitrag zur Einbettung der Phraseologie in einen weiteren linguistischen Forschungskontext angesehen werden (s. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Stein / Stumpf 2019</xref>).</p></fn>
<fn id="n3"><p>Wir verzichten hier explizit auf eine Diskussion der Rolle der Korpuslinguistik f&#252;r die Fremdsprachendidaktik im Allgemeinen und DaF im Besonderen, da dies Gegenstand nahezu aller bisherigen Ausgaben dieser Zeitschrift war und ist.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Wir verwenden in diesem Artikel den Terminus Phrasem als Oberbegriff (einschlie&#223;lich Kollokationen und Idiome).</p></fn>
</fn-group>
<ref-list>
<title>Literatur und Ressourcen</title>
<ref id="B1"><mixed-citation publication-type="webpage"><string-name><surname>Benigni</surname>, <given-names>Valentina</given-names></string-name> / <string-name><surname>Cotta Ramusino</surname>, <given-names>Paola M.</given-names></string-name> / <string-name><surname>Mollica</surname>, <given-names>Fabio</given-names></string-name> / <string-name><surname>Schafroth</surname>, <given-names>Elmar</given-names></string-name> (<year>2015</year>): <article-title>How to apply CxG to phraseology: a multilingual research project</article-title>. In: <source>Journal of Social Sciences</source> <volume>11</volume>: <issue>3</issue>, <fpage>275</fpage>&#8211;<lpage>288</lpage>. <uri>http://thescipub.com/abstract/10.3844/jssp.2015.275.288</uri> (23.06.2024).</mixed-citation></ref>
<ref id="B2"><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Biber</surname>, <given-names>Douglas</given-names></string-name> (<year>2009</year>): <article-title>A corpus-driven approach to formulaic language in English</article-title>. In: <source>International Journal of Corpus Linguistics</source> <volume>14</volume>: <issue>3</issue>, <fpage>275</fpage>&#8211;<lpage>311</lpage>.</mixed-citation></ref>
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<title>Biographische Notiz</title>
<p>Fabio Mollica ist Professor f&#252;r deutsche Sprache an der Universit&#228;t Mailand. Seine Hauptschwerpunkte liegen im Bereich der Phraseologie, Syntax (Konstruktionsgrammatik und Valenztheorie), kognitiven Linguistik, kontrastiven Linguistik, W&#246;rterbuchbenutzungsforschung und DaF. Er ist Mitherausgeber des <italic>Yearbook of Phraseology</italic>. Er ist Vorstandsmitglied von EUROPHRAS und Mitglied des internationalen wissenschaftlichen Rats des IDS.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Kontaktanschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Prof. Dr. Fabio Mollica</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Universit&#224; degli Studi di Milano</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Dipartimento di Lingue,</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Letterature, Culture e Mediazioni</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Piazza I. Montanelli, 1</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">0099 Sesto S. Giovanni</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:fabio.mollica@unimi.it">fabio.mollica@unimi.it</ext-link></styled-content></p>
<p>Kathrin Steyer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am IDS. Von 2014-2021 war sie Pr&#228;sidentin von EUROPHRAS. Sie ist Mitherausgeberin der Reihe <italic>Formelhafte Sprache &#8211; Formulaic Language</italic> und des <italic>Yearbook of Phraseology</italic> sowie im Editorial Boards, u.a. <italic>Proverbium; Phraseology and Multiword Expressions</italic>. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Phraseologie und Konstruktionsgrammatik; Korpuslinguistik; Par&#246;miologie; kontrastive Linguistik; Onlinelexikografie; DaF.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Kontaktanschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Dr. Kathrin Steyer</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Leibniz-Institut f&#252;r Deutsche Sprache</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">R 5, 6-13</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">D-68161 Mannheim</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:steyer@ids-mannheim.de">steyer@ids-mannheim.de</ext-link></styled-content></p>
</sec>
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